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Ken Wilber – Nirmanakaya

Ken Wilber schrieb 1981 zur Konzeption einer Einheit des grobstofflichen Bereichs (er nennt dies das nirmanakaya-Zeitalter): “Man wird in der Technologie ein geeignetes Hilfsmittel zur Transzendenz und nicht einen Ersatz dafür sehen; Massenmedien und drahtlose Telekommunikation sowie neuartige Verbindungen zwischen Mensch und Computer werden als Vehikel eines vereinigenden Bewußtseins genutzt werden. ”
Aus seiner Zeit heraus – mindestens 15 Jahre vor der Etablierung des  Internets –  eine erstaunliche (technische) Voraussicht. Die angesprochene Bewußtseins-Implikation kann indes von monistischer oder idealistischer Warte nur wenig überraschen, denn was Wilber hier anbahnt, meint eine bedeutsame Facette  gnostischer Aufwärtsbewegung, die ihrer Lagerung im Progressiven und  Zukünftigen gemäß, technischen und eben zugleich  auch ontisch verbindenden Charakter aufzuweisen hat. Bewußtsein und Technik (Technik als sichtbare Hervorbringung des Bewußtseins) korellieren auf selbstverständliche Art, insofern ist ein technisches Niveau Zustandsbild der die Welt umfassenden bewußtseinsevolutorischen Möglichkeit und deren kollektiver Verwirklichung, die sich  durch den grundlegenden Fortschrittsimpetus im Menschen selber ständig vorantreibt.  Technik, obwohl sie dem Geist sekundär ist, gewinnt dabei eine gewichtige Rolle, denn sie  untermauert, verstärkt  und demokratisiert bzw. globalisiert einen Prozeß zur Bewußtwerdung und zur Kenntnis und Durchdringung (des Numinosen). Auf dem langen Weg der Rückexplikation ist der von Wilber angesprochene Aspekt der Vereinigung nicht fern der Proklamation Johann Gottlieb Fichtes, daß sich das Menschheitsgeschlecht zukünftig zu einem einzigen Körper zusammenzufügen habe, allerdings ist diese idealistische Fügung erst in der Überwindung der kreatürlichen (grobstofflichen)  Disposition des Menschen zum Verallgemeinernden, zum Geistigen zu verorten.   Es ist selbstredend nötig, vom heutigen Standpunkt aus hier von etwas Utopischem zu sprechen.

Weiter Wilber: “Die Menschheit wird kulturelle/nationale Unterschiede als absolut akzeptabel und wünschenswert ansehen, diese Unterschiede jedoch vor dem Hintergrund eines universalen und gemeinsamen Bewußtseins sehen und daher radikalen Isolationismus oder Imperialismus als verbrecherisch betrachten. Die Menschheit wird ferner alle Menschen als eins im Geist ansehen, allerdings nur als potentiell eins im Geist, und daher jedem Individuum Anreize geben, diesen Geist hierarchisch zu aktualisieren, wodurch sinnlose und unverdiente Ansprüche begrenzt werden.”

Wilber weist hier auf einen elementaren Aspekt hin: Der Status der Inkarnationen (zeitlich und geographisch) ist nicht zufällig und  bedingt jene sozialen und  kulturellen Zusammenschlüsse, die  den Mitgliedern eine ihnen gemäße und sinnhaft zu verwirklichende  Entwicklung  ermöglichen (die in ihrem Gesamtbezug stets   transzendenten Charakter aufweist und darin  einem zu erfüllenden Auftrag gleichkommt.).  Die potentielle Anlage aller Menschen hingegen deutet zwar  auf eine letzte völlige Einheit (Einsheit), ist aber ihrem  verwirklichten Status gemäß in der Explikation sinnhaft und grundhaft nicht beisammen. Das Beisammenkommen ist insofern evolutionärer Telos, nicht aber etwas Oktroyierbares , nicht durch Sprung oder Revolution zu erzielen, denn dies würde vielmehr die verschiedenen Friktionen verstärken, somit  das zugrunde gelegte transzendente Ziel und Prinzip negieren, also gegen den Geist selbst gerichtet sein. Karl Jaspers sagt: “Nur in der Freiheit können Menschen einmütig werden.” Die Schwierigkeit liegt also darin, die Freiheit dort zu erhalten, wo sie prominent auftritt, da sie sich hier überhaupt erst -annähernd singulär- entwickeln konnte – und wenn dies auch auf restriktiv Weise geschähe – um sie dann-wiederum in Freiheit – aus sich selbst heraus- zu mehren. Nur so kann ihr Prinzip wirken und ausstrahlen,  zu neuer Freiheit werden, denn anders würde sie ganz vergehen-um  erst wieder  in einer entfernten  Myriade  Geltung beanspruchen können.  Bevor also innere Befähigung und Wille hierzu nur sehr partiell entwickelt und vorhanden sind, ist der forcierte Versuch der  Einigung umgekehrt  ein Weg in den Verlust, in die Dekonstruktion des Erreichten, muß so in eine  Abwärtsbewegung  epochalen Ausmaßes münden.

Synchronizität, F. David Peat

“F. David Peat glaubt, daß die Jung’schen Synchronizitäten nicht nur real sind, sondern auch eine weitere Bestätigung der impliziten Ordnung darstellen. Wie wir gesehen haben, ist laut David Bohm die Trennung von Bewußtsein und Materie eine Illusion, ein Artefakt, das nur in Erscheinung tritt, nachdem sich beide in der expliziten Welt der Objekte und der zeitlichen Abfolge enthüllt haben. Wenn es zwischen Geist und Materie keine Abgrenzung in der impliziten Welt gibt, dem Urgrund, aus dem alle Dinge hervorgehen, dann darf man annehmen, daß die Realität noch immer durchsetzt ist mit Spuren dieser tiefen Verwobenheit. Peat hält deshalb Synchronizitäten für ‘Fehler’ im Gewebe der Wirklichkeit, für momentan auftretende Spalten, die uns einen flüchtigen Blick auf die umfassende und geschlossene Ordnung gestatten, die der gesamten Natur zugrunde liegt.
Anders ausgedrückt: Peat sieht in Synchronizitäten ein Indiz dafür, daß letztlich keine Trennung zwischen der physischen Welt und unserer inneren psychischen Wirklichkeit besteht. Die relative Seltenheit solcher Erfahrungen in unserem Leben bezeugt somit nicht nur das Ausmaß, in dem wir uns vom allgemeinen Bewußtseinsfeld abgespalten haben, sondern auch, wie unzugänglich uns das unendlich reiche Potential der tieferen Ordnungen des Geistes und der Realität geworden ist. Wenn wir eine Synchronizität erleben, erfahren wir laut Peat in Wirklichkeit, wie der menschliche Geist einen Augenblick lang in seiner wahren Ordnung operiert und die gesamte Gesellschaft und Natur erfaßt, wobei er sich durch immer subtilere Ordnungen bewegt und über den Ursprung des Geistes und der Materie zum schöpferischen Kern vordringt.”
(Michael Talbot)

Nach dieser Erklärung wäre die Art der Häufung  von Synchronizitäten gleichsam ein Gradmesser für eine innere Nähe -für eine Kongruenz- des Betroffenen zum Prinzip der tieferen (übersinnlichen) Kausalitäten, dies durch zunehmende Korrelation des Eigenen – wohl in der Überschreitung des Verständnisses vom Eigensein – zum höherpersonalen Wesenhaften, zur (extensiven) Eigentlichkeit.  Dies beinhaltet aber auch, daß nicht nur die offensichtliche Koinzidenz  selber als der einzige bemerkbare Zusammenhang wahrgenommen wird, sondern daß einem Schalenmodell gleich höhere Ordnungen und  immer tiefere Bereiche als Zusammenhang, als Bezugssystem eines Gesamtseins und Zusammenseins  erfassbar werden. Die Realität ist somit nicht lediglich “…noch immer durchsetzt mit Spuren dieser tiefen Verwobenheit“, sie ist vielmehr  in toto Ergebnis und Gesicht einer solchen!  
Insofern ist der Satz Peats vom Vordringen des Geistes zum schöpferischen Kern als ein Auftrag zur (spirituellen) Entwicklung zu verstehen, die  im Vollzug dem Bewußtsein durch synchronistische Ereignisse rückkoppelt und so dem Menschen  sein tatsächliches  Verhältnis (oder sein Ins-Rechte-Verhältnis-Kommen) zu verborgenen  oder unbewußten Korrelationen impliziter Ordnungen -quasi-empirisch- offenbar werden läßt.

Synchronizität, Augustinus, Bruno, Plotin

C.G. Jung zitiert in den Fußnoten zu seiner Abhandlung ‘Synchronizität, Akausalität und Okkultismus’ zur Synchronizität:
Unter dem Begriff der creatio continua ist nicht nur eine Reihe sukzessiver Schöpfungsakte, sondern auch die ewige Gegenwart des einen Schöpfugsaktes zu denken, im Sinne des ‘semper patrem fuisse, et genuisse verbum’ (immer sei der Vater gewesen und habe das Wort gezeugt. [Origines]), oder des ‘aeternus creator mentium’ (ewiger Schöpfer der Geister [Augustinus]. ) Gott ist in seiner Schöpfung enthalten… Was in der Zeit sukzessive geschieht, ist im göttlichen Geiste gleichzeitig: Eine unwandelbare Ordnung hält die wandelbaren Dinge in Beziehung zueinander, und in dieser ist alles zeitlos gleichzeitig, was in der Zeit NICHT gleichzeitig ist.”

Demnach könnte man  während  der synchronistischen  Erfahrung , gerade vom monistischen Standpunkt betrachtet,  den Selbstvollzug  eines höheren bzw. impliziten Ordnungssystems-als jemand, der hieran eben ureigenen Anteil hat –  in seiner  Neigung und Gebrochenheit zur Hiesigkeit erkennen,  in seiner Fragmentiertheit, somit als entferntes Auge, aber doch in einem ihm eigenen Blickwinkel . Das äußere und das innere Ereignis bezeugen in ihrem Zusammenkommen eine prinzipielle Ungetrenntheit der Substanz- bzw. Seinsbereiche. Sie werden (zumeist) erst in getrennten Medien zur Zwei,  explizieren (nicht zwingend) gleichzeitig bzw. koinzidierend. Die Raumzeitlichkeit als Bezugspunkt  ist dabei insofern vonnöten, als die Selbstreferenzialität des Geistigen, des Gedachten  nur so eine Scheidung zur Beobachtbarkeit und Wirksamkeit und in diesem Sinne eine  Rationalisierung durch den raumzeitlichen  Beobachter erfahren kann.  Man könnte  auch sagen, daß nur auf diese Weise  überhaupt eine Möglichkeit zur  Objektivierbarkeit vorliegt.  Koinzidenzen im rein Geistigen hingegen – das Inner-Geistige vollzieht sich wahrscheinlich nicht weniger synchronistisch- müssen schließlich im rein Subjektiven und Unevidenten  verbleiben. Auch ist anzufügen, daß die Koinzidenz  ebenfalls durch ein rein Äußerliches, dem gar nichts geistig hervorgeht, das auf ein zweites rein Äußerliches trifft, zustande kommen kann.  Die Zusammenkunft zweier äußerer Ereignisse ist dabei noch schwieriger zu erklären als die geistig-materielle Koinzidenz, weil hier die Möglichkeit  eines  Wirkzusammenhangs durch geistige  Vorbereitung   oder mentale Akkumulation ganz entfällt.  In den meisten Fällen ist der Synchronizität allerdings ein geistiger Fokus konstitutiv.  Werner Heisenberg sagt bezüglich einer besonderen Koinzidenz, deren Zeuge er wurde: “Das Mögliche, das zu Erwartende, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Wirklichkeit.”

Giordano Bruno sagt (in perfekter Parallele zu Augustinus): “Wenn wir also von Zusammensetzung sowohl in der Körperwelt wie in der Welt des Unkörperlichen sprechen wollen, so müssen wir sie in diesem doppelten Sinne auffassen und erwägen, daß in dem Ewigen immer EINE Materie unter EINER Wirkungsform gedacht wird, daß sie aber in dem Vergänglichen immer bald die eine, bald eine andere in sich schließt.”
“In jenem hat die Materie alles, was sie haben, und ist sie alles, was sie sein kann, auf einmal, immer und zugleich; diese hingegen hat es und ist es zu mehreren Malen, zu verschiedenen Zeiten und in bestimmter Aufeinanderfolge…
Dennoch sind beide Eins und das selbe, und wie wir öfter bemerkt haben, der ganze Unterschied liegt nur darin, daß die eine zu körperlicher Existenz kontrahiert, die andere unkörperlich ist.”
“Die Ur-Intelligenz versteht das Ganze aufs Vollkommenste in einer Anschauung; der göttliche Verstand und die absolute Einheit sind ohne irgendeine Vorstellung das, was versteht, und das, was verstanden wird, in einem zugleich. So lasst uns denn, zu der vollkommenen Einheit emporsteigend, die Vielheit vereinfachen, wie die Einheit, wenn sie zur Hervorbringung der Dinge herabsteigt, sich vermannigfacht.”
Die Teilhabe in diesem monistischen Sinne (“Das Licht im eigenen Lichte” [Plotin]) hat Jung in seinen Betrachtungen zum Thema wohl recht sparsam ausgeleuchtet. Diese Teilhabe meint eben folgende Perspektive: Ich BIN der Prozess, bin Natura naturans und beobachte  in Folge rationalisiert (also als rationalisierender Betrachter, als -vermeintlich- Außenstehender)  die -doch selber-objektivierten natura naturata.  Wir lesen bei Christian Tornau über Plotin: “Überall, wo etwas ist, ist das geistige Sein als seine Ursache direkt präsent. Körperliches Sein ist somit geistiges Sein, das an einer materiellen Grundlage sichtbar wird.” (!)
Die Synchronizität bietet hier sozusagen den beobachtbaren Nachweis  dieser Ansicht, bietet Belege für  die konstitutive geistige Nähe an ihren sichtbaren Objektivierungen.

Panentheismus, Bruno, Eckhart

“Panentheismus (nach griechisch πᾶν „alles” und ἐν θεῷ „in Gott”) ist ein 1828 von Karl Christian Friedrich Krause geprägter Terminus, der die Auffassung bezeichnet, ‘daß das Eine in sich und durch sich auch das All sei’. Bei späteren Autoren wird der Terminus als Bezeichnung für eine Auffassung gebraucht, nach der ‘Gott der Welt immanent und zugleich zu ihr transzendent ist, insofern die Welt ihrerseits Gott immanent, in Gott, von Gott umfaßt ist’. (Wikipedia)
Wir finden das panentheistische Modell gerade auch in den Veden, so man sie (wie auch Armin Risi) mit theistischem Impetus liest:
“Das, was die Vedantisten als unmanifestiert (avyakta) und unfehlbar (aksara) beschreiben und was als der höchste Bestimmungsort bezeichnet wird, der Ort, von dem man, wenn man ihn erreicht, nie wieder zurückkehrt – dies ist mein höchstes Reich./ Der Höchste Herr (purusa) ist derjenige, der über allem steht. (Partha Arjuna), und kann durch ungetrübte Hingabe (bhakti) erreicht werden. Obwohl Er sich in Seinem Reich aufhält, ist Er alldurchdringend, und alles ruht in Ihm.’ (Bhagavad-gita 8.21-22)”
Risi:”Wir haben die selben Eigenschaften wie Gott, aber nur in höchst begrenztem Ausmaß (wir sind Teile Gottes), während sie bei Gott unbegrenzt sind. Aber Gott hat noch viele Eigenschaften, die wir überhaupt nicht haben. Quantitativ sind wir immer von Gott verschieden. Qualitativ immer eins. Und das gleichzeitig und ewig.”

Es sticht ins Auge, daß das immanente Prinzip hier gleichsam als Person gedacht ist, die umfaßt, die in sich birgt, Welt und Natur werden wie in einen väterlichen Arm beherbergt. Es handelt sich um einen immanenten, höchst nahen Gott, der doch zugleich in einer Subjekt-Objekt – Relation zur Schöpfung steht.
Nimmt man aber einen streng monistischen Standpunkt ein, konstituiert sich jede Relation  erst  NACH dem Überfliessen des Ersten in die Explikation.  Insofern repräsentieren  wir selbst, nämlich als das,  was wir an Gott nicht sind und in Folge als hypostasiert wahrnehmen, den Bestand unserer Desintegration vom Ursächlichen bzw. sind Teil der allgemeinen Desintegration des Ursächlichen als solches. Gott in der Quantität gedacht (oder gesehen)  ist dabei schon Gott als Unterschiedenheit, ist hypostasiert, bei aller Allmacht schon in der Minderung des Vollzuges als Sich Explizierendes oder die Explikation Zusammenbringendes zu denken. Der letzte vorstellbare Hort aber, die unio, kennt den Gegensatz und die Relation nicht mehr, ist Quantität und Qualität in einem (ist keine Quantität mehr). Das Bild Risis (vom  theistisch interpretierten  ersten Prinzip der Bhagavadgita) steht somit für ein Höchstes, das aus sich herausgehend schon den Verlust an seinen Teilen betont. So auch das panentheistische Modell als solches, denn in der Unio ist keine Einschließung (also Trennung), sondern nur die Einheit in und durch sich selbt in der letzten und höchsten Erfahrbarkeit als sich selbst . Giordano Bruno sagt: “Zugegeben daher, daß es unzählige Individuen gebe: Zuletzt ist alles eins.”  Wir als Mensch bilden mit vielen, besser gesagt: mit endlosen Zahlen von Entitäten -allem und allen, was je in allen möglichen Welten in irgendeiner Form existiert (hat) – und existieren wird – , die absolute und letzte Einheit und sind dann somit aber VOR der Scheidung und Bildlichkeit, sind dann unterschiedlos im Alles –  als Alles – und diese Alles  ist Gott.
Daher nun auch sagt Meister Eckhart: “Nun äußert sich Plato, der große Pfaffe, hebt an und redet von rechten Dingen. Er spricht von einer Lauterkeit, die nicht in der Welt ist, sie ist weder in der Welt, noch außer der Welt, ist etwas, das weder in der Zeit noch in der Ewigkeit ist, das weder Äußeres noch Inneres hat. Aus ihr treibt Gott, der ewige Vater, die Fülle und den Abgrund seiner ganzen Gottheit hervor. Dies alles gebiert er hier in seinem eingeborenen Sohn und bewirkt, daß wir derselbe Sohn seien; und sein Gebären ist zugleich sein Innebleiben, und sein Innebleiben ist sein Ausgebären. Es bleibt immer das Eine, das in sich selber quillt. ‘Ego’, das Wort ‘Ich’, ist niemandem eigen als Gott allein in seiner Einheit. ‘Vos’, dieses Wort bedeutet soviel wie ‘Ihr’, daß ihr eins seid in der Einheit, das heißt: Das Wort ‘ego’ und ‘vos’, ‘Ich’ und ‘Ihr’, das deutet auf die Einheit hin. Daß wir eben diese Einheit seien und diese Einheit bleiben mögen, dazu helfe uns Gott. Amen.”

Giordano Bruno, natürliches Licht

Giordano Bruno:
Teofilo:” Urteilt Ihr! Ihr könnt von hier zu der Vorstellung aufsteigen, ich meine nicht des allerhöchsten und besten Prinzips, welches von unserer Betrachtung ausgeschlossen bleibt, sondern der Weltseele, wie sie die Wirklichkeit von allem und das Vermögen von allem und alles in allem ist. Zugegeben daher, daß es unzählige Individuen gebe: Zuletzt ist alles eins, und das Erkennen dieser Einheit bildet Ziel und Grenze aller Philosophie und aller Naturbetrachtung; während die höhere Betrachtung, welche über die Natur hinaus sich erhebt, innerhalb ihres Gebietes bestehen bleibt, die für den, der nicht glaubt, doch etwas Unmögliches und Nichtiges ist.”
Dicson: “Sehr wahr; denn dahin erhebt man sich durch ein übernatürliches, nicht durch ein natürliches Licht…”
Teofilo: “Dasselbe haben diejenigen nicht, welche alles für körperlich halten, entweder für einfache Körper wie den Äther, oder für zusammengesetzte wie die Sterne und was zu ihnen gehört, und welche die Gottheit nicht außerhalb der unendlichen Welt und der unendlichen Dinge, sondern innerhalb jener und in diesen suchen.”
Dicson: “Darin allein scheint mir der gläubige Theologe von dem wahren Philosophen unterschieden.”
Teofilo: “So denke ich auch. Ich glaube, ihr habt meine Meinung verstanden.”

Bruno spricht hier der Materie eine Eigentlichkeit und Immanenz zu, die den Materiebegriff des Dualisten oder Theisten bei weitem übersteigt. Die Materie soll als letzter Träger aller (göttlichen) Immanenz absolutes Interesse haben, und ihre Besprechung   ist nun nicht Sache des Theologen, sondern wird der Zuständigkeit des  echten Philosophen, der sich auch Wissenschaftler nennen kann, zugeschlagen. Eine Divergenz oder gar Unversöhnlichkeit von Wissen, von Wissenschaft und höherem Erkennen (was erst Vermutung, Bild, Entrückung, Mythus heißt) wird überwunden, indem an die Stelle des Glaubens die Ausfüllung durch  Erfahrung tritt. Eine so verstandene Philosophie ist im Sinne des Wortes im Immanenten geerdet und doch in der Erkenntnis des eigentlichen Wesens der  Hiesigkeit zum Numinosen gerichtet. Nicht Gnade, Devotion, bestenfalls Spekulation, sondern die Proklamation der Möglichkeit zur Durchdringung und Erklärbarkeit wird Zentrum aller Bemühung.  Die Durchdringung des Mythus meint dabei keine Rationalisierung im herkömmlich verstandenen, profanisierenden  Sinne, sondern hier ist Rationalisierung im Gegenteil  Lebens-Hebung, Lebens-Heiligung (im Sinne eines Subjekt-Objekt-kongruenten Seins, eines Erkennens und Befindens in der Lichtheit der einzigen -und daher eigenen!- Natur).  Die Philosophie ist somit die bessere Theologie, weil sie hiermit die Sache des Glaubens (oder allgemeiner: der Ansichten) zum (numinos beauftragten) Ziel einer endgültigen Klärung treibt, ihr dabei die empirische Erweiterung des Existenten in der Erweiterung des Selbstseins zum Höheren, zum Religiösen wird, wissend um die Kontinuität  von Geist, Materie, Selbst und  aller Objektation zum Eigentlichen – ihren Ernst ewigen Erkennens wahrnehmend – ERKENNT.

Bruno und Eckhart, monistisch, idealistisch

Folgende  Sätze von Giordano Bruno und Meister Eckhart bilden -so kann man sagen – einen perfekten Parallelismus, zum Einen in Bezug auf das Wesen der Vielheit und dessen Nichtsein, zum anderen auf den Grund ihrer Hervorbringung, der ein sinnesinduzierter ist:

Giordano Bruno:
“Alles daher, was Verschiedenheit von Gattungen, Arten, was Unterschiede, Eigentümlichkeiten bewirkt; alles, was im Entstehen, Vergehen, in Veränderung und Wechsel existiert, ist nicht Wesen, nicht Sein, sondern Umstand und Bestimmung an Wesen und Sein; dieses aber ist ein einiges, unendliches, unbewegliches Substrat, Materie, Leben, Seele, Wahres und Gutes.”

“Das nun, was in den Dingen die Vielheit ausmacht, ist nicht das Wesen, nicht die Sache selber, sondern nur Erscheinung, die sich den Sinnen darstellt, und nur an der Oberfläche der Sache.”

Meister Eckhart
“Alles, was in niederen Dingen geteilt ist, das wird vereint, wenn die Seele hinaufklimmt in ein Leben, in dem es keinen Gegensatz gibt.”

“Wenn die Seele in das Licht der Vernunft kommt, so weiß sie nichts von Gegensatz. Was diesem Lichte entfällt, das fällt in Sterblichkeit und stirbt. Zum dritten liegt darin der Seele Lauterkeit, daß sie auf nichts geneigt sei. Was zu irgendetwas anderem higeneigt ist, das stirbt und kann nicht Bestand haben.”

“Die Seele wird im Körper geläutert, auf das sie sammle, was zerstreut und herausgetragen ist. Wenn das, was die fünf Sinne heraustragen, wieder in die Seele hereinkommt, so hat sie eine Kraft, in der alles eins wird.”

Zahlen, Anfangsgrund des Seienden

“Das Mannigfaltige des Seienden kommt erst im Vollzug des Zählens und aus dem Zählen als ein Quantum zum Vorschein. Diese Zahlen bestehen nicht nur nicht an ihnen selbst, sie sind nicht einmal seiende Bestimmtheiten von Seiendem wie die Eigenschaften, so daß ihre ontologische Charakterisierung als eines Symbebekos (nur in Beziehung auf besondere Dinge auftretende Merkmal eines Dinges, mit dem Seienden Mitanwesendes) unzureichend ist.” (Volkmann-Schluck)
Was kann dies konkreter heißen?
Die Zahl steht für einen Quantifizierungsprozess und wird hiermit ihrem Wesen nach seinsbestimmend.   So läßt sie sich schwerlich auf ihre Eigenschaft reduzieren, die sie lediglich an sich selbst hat , die für sich noch keine zureichende Bestimmung im Verhältnis zu jeglicher  (später sichtbaren) Qualifizierung sein kann, und doch bildet erst  ihre quantitative Sammlung bzw. Summierung   die Möglichkeit zur Distinktion zu einem komplexen Ding.  Nun ist auch die Quantität oder die Abfolge der Zahl noch  keine Ansicht   des Objektes selbst, sondern bildet  lediglich dessen  Gerüst, vergleichbar einer  Hintergrundinformation, das objektivierte Objekt resultiert nämlich erst aus einer Umsetzung bzw. Brechung der Zahlenreihe zur Bildhaftigkeit (in pluralen perzipierenden Subjekten).
“Die Dinge stehen höher als die Sinne”, so lesen wir im Kathaka Upanishad. Für Plotin  entfaltet sich der Nous (als die Totalität aller Ideen) in die Bestimmtheit. “Und die Zahlen sind es, die das aus sich Herausgehende vor dem Zerfließen ins Unbestimmte und Bestandlose retten…. die ursprüngliche und wahrhafte Zahl sei für die Mannigfaltigkeit des Seienden der beherrschende Anfangsgrund und die Quelle seines Zustandekommens.” (Volkmann Schluck)
Die Verdinglichung der sich so explizierenden (höheren) Dinge geschieht indes in der perzeptiven Umsetzung, die  Kontinuierung des Quantums (der Zahlen) zu einem  Bild wird sichtbare Welt, die Zahlenreihe (besser: ihr Impetus)  wird so übersetzbar mit der platonischen  Idee, und wie also schon Apelt sagte, lebt und webt alles durch die Weltseele,  die nämlich  durch eben jene transformatorische Kraft das Bild (also die Welt) erst bedingt.  Für die Philosophie Plotins noch einmal Volkmann Schluck: “Nur in der Bewegung des Vernehmens hat das Seiende die Ständigkeit des Gleichbleibens.
So ist die Zahl beides:  Sie ist Akzidens bzw.  Mitanwesendes des als eigentlich Erachteten, des Objektes, weil nur im Hintergrund – und doch ist sie von Grund auf konstitutiv, das quantitativ statische aber wird überspielt, bzw. für die Diesseitigkeit von den Sinnen (in Beständigkeit) dynamisiert.
“Das Hervorbringen des Wieviel der Dinge ist, so erklärt Plotin das erscheinende Sichzeigen (energeia) jener im Zählenden bereits vorliegenden Zahlen.”(V.Schluck)
Und das ‘Wieviel’ der Dinge meint hier gemäß dem oben gesagten viel eher ein ‘Wie’ und ‘Überhaupt’.

Plotin, Castaneda, Sein und Nichtsein

Ein Gespräch zwischen Carlos Castaneda und Don Juan Matus über Eindrücke und Entitäten,  die nach der Einnahme eines schamanischen Entheogens  zu besprechen waren. Konkret ging es um das Erscheinen einer Kreatur, die als  Hüter oder Wärter aufgefasst wurde:
Don Juan Matus: ” Ich habe dir schon gesagt, daß der Wärter zu nichts werden und dennoch vor deinen Augen bleiben muß. Er muß da sein – und gleichzeitig muß er Nichts sein.”
“Wenn du siehst, dann gibt es keine vertrauten Bilder mehr auf der Welt. Alles ist neu. Nichts war schon einmal da. Die Welt ist unglaublich.”
Castaneda: “Wie verschwinden die Dinge? Wie werden sie zu nichts?”
Don Juan Matus: “Die Dinge verschwinden nicht. Sie lösen sich nicht auf, wenn es das ist, was du meinst. Sie werden einfach zu nichts, und trotzdem sind sie immer noch da.”
Wie konstitutiv der Akt des Betrachtens  für unsere Wirklichkeit tatsächlich  ist, daß  Betrachtung also Reduktion,  schließlich ‘Welt ‘ meint und daß Betrachtung transzendierbar, somit Welt transzendierbar ist (der alte Topos der Mystik!), dies ist ein eigentlicher Kern der Lehren des Don Juan.
Aus neuplatonischer Sicht lassen  sich hier folgende  korrelierende Sätze anfügen:
“Das Nichts bedeutet nicht Nichtigkeit, sondern als Nichtsein aller eidetischen Bestimmtheit eine alles Seiende an Seinsrang überragende Weise zu sein.”
“Die denkende Wirksamkeit des Geistes ist das Wirklichsein des Seienden, Dasein als sich selbst in dem Da des Vernehmens halten. “
“Die Denkbewegung trifft nicht auf einen schon vorhandenen Anblick auf, sondern gleich-ursprünglich mit der Denktätigkeit bildet sich die Anblickhaftigkeit, in deren Anschauung der Geist er selbst ist.”
“Zur Denkbewegung gehört die Ständigkeit des vernommenen Anblicks, und nur in der Bewegung des Vernehmens hat das Seiende die Ständigkeit des Gleichbleibens.” (Volkmann Schluck)

Diese Stabilität wird im transzendenten Vollzug “unterminiert”, so daß es möglich ist, hinter die stabile Körperebene zu gelangen, die dadurch aber nicht  im Sinne eines Nicht-Seins  die Dinge auflöst, sondern in ihrer Potenz zur Dinglichkeit erkennbar wird, die vor der reduktionistischen Betrachtung liegend nichtend empfunden werden kann und aber im Falle, daß sie doch  in gewisser Form selber noch Objekt ist und vor der Nichtung liegt,  im Aufstieg des Sehens/Erkennens Steigerung des Seins, Verallgemeinerung (auch:Zukunft) meint.
Volkmann Schluck: “Der Sinn des Nichtseins ist nicht Vernichtung des Seinsgehaltes, Minderung der Wirklichkeit von etwas, sondern es ist selbst eine Weise der Sichtbarkeit des Seienden, das sich immer als unterschiedene Vielheit zeigt.”

Max Weber, Protestantismus

In der Formulierung der protestantischen Lehre, die den Menschen ursächlich als allein  gnadenabhängig deklariert, wird nun als höchstes Ziel für das hiesige Dasein eine Gnadengewißheit ausgegeben. Hierin zeigt der lutherische Grund der protestantischen Ansicht in Folge zugleich ihre Unentschlossenheit und ihren Mangel an theologischer Konsequenz.
Max Weber: “Es wird einerseits schlechthin zur Pflicht gemacht, sich für erwählt zu halten und jeden Zweifel als Anfechtung des Teufels abzuweisen, da ja mangelnde Selbsgewißheit Folge unzulänglichen Glaubens, also unzulänglicher Wirkung der Gnade sei… Um jene Selbstgewißheit zu erlangen, wurde als hervorragendes Mittel rastlose Berufsarbeit eingeschärft. Sie und sie allein verscheuche den religiösen Zweifel und gebe die Sicherheit des Gnadenstandes.”
“Daß die weltliche Berufsarbeit zu dieser Leistung für fähig galt, -daß sie, sozusagen, als das geeignete Mittel zum Abreagieren der religiösen Angstaffekte behandelt werden konnte…” (Max Weber)
Die Arbeit hat hier also neben der Gnadenvergewisserung noch die zweite Funktion der glaubenspraktischen Disziplinierung. Kritisch anzumerken ist hier bereits,  daß schon die Proklamation der eigenen Erwählung einen Austritt aus der Gnadenkonzeption markiert  und eine prinzipiell unautorisierte Selbstermächtigung darstellen muß.
Was Max Weber als innerweltliche Askese  benennt, kommt dabei in der praktischen Alltagsimplikation dem zweckunterworfenen Leben tatsächlicher selbserlöserischer (spiritueller) Wege mitunter gar nicht wenig nahe. Allerdings fehlt hier der Inhalt zum Transzendenten als Werksvollzug. Das Werk wird bei der protestantischen  Askese (oder Pseudoaskese) ja quasi beliebig, da  es nicht Gnade bedingt, sondern lediglich Gnade bezeugt. Hierin zeigt sich die Grundposition des Theismus als problematisch: Man soll keinen  (wesensbezogenen) Anteil am Geistigen bzw. Göttlichen haben, Sanktion (Gnade), nicht etwa Aktion  ist Mittel des  spirituellen Vorwärtskommens  und Erfolges.  Wegen der für unmöglich gehaltenen Befähigung zur eigenen Erhebung muß sich ein nichtsdestotrotz zur Betätigung drängender Impetus (als eine positive Sanktion Gottes verbrämt)  dann  im Materiellen, im weltlichen Erfolg abbilden.
Max Weber hat  nachvollziehbar dargestellt, daß hierin  eine entscheidende Wurzel zum  Erfolg des modernen Kapitalismus angelegt ist. 
Im Verlauf entwickelt  die protestantische Ansicht nun aber doch die Vorstellung, daß eine rationale Methodik einen Weg eröffnen könne, Gott näher zu kommen – somit soll nun sehr wohl  eigentätig  an der Erlösung mitgewirkt werden. Auch in dieser Entwicklung wird der Gnadengedanke verlassen,  ich deute dies durchaus als einen  Hinweis darauf, daß der (bei Luther angelegte) religiöse Ernst, der ja  auf den geistigen Kern des Menschen verweisen muß,  nun aber  unter jeden Umständen zur ihm ureigen angelegten  Entwicklung  kommen will –  hier wird  also zugleich die lutherische Prämisse (der Unterwerfung) transzendiert: Wollte Luther mit seinem sola gratia den Glaubensernst betonen, muß dieser im Vollzug gerade das Gnadenkonzept übersteigen. Die Inkonsistenz liegt darin, daß man einen  Glaubensernst erstrebt, aber die eigentliche Verortung und echte Möglichkeit  zu dieser Ernsthaftigkeit – die innere Teilhabe am göttlichen Prinzip – nicht anerkennt, diese aber  – nun unter (falschen) theologischen Prämissen verzerrt- doch ihre Eigenwirksamkeit zu entfalten beginnt.
Weiter Max Weber: “Die völlige Ausschaltung …aller jener Fragen nach dem Sinn der Welt und des Lebens verstand sich für den Puritaner ganz wie von selbst. …Und übrigens im gewissen Sinn für die nichtmystische christliche Religiösität überhaupt.” So bleibt die eigene Annäherung prinzipiell eine blinde. Und doch: “Ein waches, bewußtes, helles Leben führen zu können, war das Ziel.”  (Weber) Dieser Satz könnte auch neuplatonisch sein, würde sich das Helle tatsächlich spirituell, durch eine ontische Hebung herausarbeiten, deren Nicht-Vollbringung  weder durch die Betonung einer an das Neue Testament angelehnten praktischen Ethik  der späteren protestantischen Sekten (und hiermit wiederum durch ein Übersteigen der Gnadenkonzeption)  noch durch subjektive, suggerierte Erweckungshysterien kompensiert werden konnte.

Flüchtige Welt

Konversation zwischen Carlos Castaneda und Don Juan Matus über die Einnahme eines Entheogens zur Erweiterung der Sicht:
“Warum muß man rauchen? Warum kann man nicht einfach von sich aus sehen lernen? Ich habe ein sehr ernstes Verlangen, genügt das nicht?”

“Nein, das genügt nicht. Sehen ist nicht so einfach, und nur der Rauch kann dir die Schnelligkeit geben, die du brauchst, um einen Blick auf diese flüchtige Welt zu werfen. Sonst würdest du nur schauen.”
“Was verstehst du unter einer flüchtigen Welt?”
“Wenn du siehst, dann ist die Welt nicht so, wie du jetzt glaubst, daß sie sei. Vielleicht kann man von selbst lernen, diese flüchtige Welt zu erkennen, aber das ist nicht gut, weil der Körper der Belastung nicht gewachsen ist. Mit dem Rauch dagegen leidet man nie unter Erschöpfung. Der Rauch gibt einem die nötige Schnelligkeit, um die flüchtige Bewegung der Welt zu erfassen, und gleichzeitig hält er den Körper und seine Kraft intakt.”
Plotin:(Existenz einer Vielheit von Formen): “Die so geartete Seele nun, die in eine entsprechende Materie eingegangen ist…, ist der Mensch; und im Körper… hat sie menschliche Gestalt… und die dazugehörigen rationalen Strukturen bzw. Charakterzüge, Dispositionen und Fähigkeiten – alles in abgeschwächter Form, weil dieser Mensch nicht der erste ist. Und dementsprechend hat sie auch andere sinnliche Wahrnehmungen, die ganz klar zu sein scheinen, aber im Vergleich mit denjenigen, die vor ihnen da sind, abgeschwächt und Abbilder sind. Und der Mensch oberhalb von diesem gehört dann bereits zu einer göttlicheren Seele, die einen besseren Menschen und klarere Sinneswahrnehmungen hat.” (!)
Der Physiker David Bohm:
“Ich vertrete folgende Ansicht: Die Erklärung des Seins liegt weit außerhalb der Grenzen der Wissenschaft. Es dehnt sich gewissermaßen aus. Die Raumzeit die wir kennen, ist nur ein Teil des Seins. Daher glaube ich, dass es eine verborgene Dimension gibt. Was die Wissenschaftler verstehen können, sind die Ordnungen, die an die Oberfläche getreten sind. In gewissem Masse können wir die Gesetze verstehen lernen, die in dieser sichtbar gewordenen Ordnung herrschen. Aber weil diese Gesetze alle aus einer verborgenen Ordnung kommen, ist die Frage nach dem Ursprung einfach sinnlos. Das ist etwa ähnlich, wie wenn wir ein Fernsehprogramm in der Mitte einschalten und dann fragen, was vorher passiert ist. Jedenfalls liegt uns die an die Oberfläche getretene Ordnung vor Augen und um sie besser zu verstehen müssen wir uns fragen, woraus sie sich entwickelt hat. Damit wird aber ein Existenzbereich jenseits der Wissenschaft betreten. Möglicherweise dringen die Wissenschaftler damit in einen religiösen Fragenbereich ein.”

Hierzu meine Bemerkung: All dies Ferne und Ungeklärte wird ja zukünftig  noch zur Wissenschaft, wird empirisch erschließbar werden! Daher bedeutet die begriffliche Verfestigung einer Aufspaltung in  Religion und Wissenschaft zuletzt einen hinderlichen Dualismus (des Denkens). Der echte Wissenschaftsbegriff  ändert vielmehr den Begriff der Religion und ebenso geschieht dies umgekehrt: Die eigentliche Definition von Religion  impliziert einen viel  kompletteteren Wissenschaftsauftrag bzw. -horizont als gemeinhin proklamiert und angenommen.