Category Archives: Philosophisches

Inhalt – Philosophisches

Aufnahme und Einswerdung

In seinem Buch der göttlichen Tröstung schreibt Meister Eckhart:
“Je vollkommener und reiner die Kräfte der Seele sind, umso vollkommener und umfassender nehmen sie das, was sie erfassen, auf und empfangen umso mehr und empfinden umso größere Wonne und werden umso mehr eins mit dem, was sie aufnehmen, und zwar in dem Maße, daß schließlich die oberste Kraft der Seele, die aller Dinge bloß ist und mit nichts etwas gemein hat, nicht weniger als Gott selbst in der Weite und Fülle seines Seins aufnimmt.”

Diese Textstelle fügt sich bestens zu einer spezifischen Nahtoderfahrung eines Probanden, der aufgrund seines Erlebnisses schlicht nach dem Sinn des Lebens gefragt wird. Die Antwort fällt in gewisser Weise frappierend einfach aus: das Leben selbst biete eine Möglichkeit des Wachsens, um die Kraft / die Liebe der umfänglichen und unnennbaren, aber in der NTE als Lichterfahrung erlebbaren ‘Entität’ aufnehmen, fassen und halten zu können – um sie schlußendlich selber zu sein. Daß man einst diese Kraft gleichsam einem hierzu ausreichenden Gefäß in sich aufzunehmen geeignet ist, ist Ergebnis einer individuell – evolvierenden Öffnung zum Ganzen im Bewußtsein der Möglichkeit einer Wesensannäherung bis zur inneren Wesensgleichheit durch Erringung und Entfaltung der verborgenen eigenen Größe (bzw. Unendlichkeit).
Es ist offensichtlich, daß Eckhart hier eine Mystagogik entwirft, die zugleich auch eine lebenspraktische Glückslehre genannt werden kann, da sie geeignet ist, ein in der Tiefe erlebbares Kontinuum vom Hier zum (allzeit zur Wirkung drängenden) erhebenden Transzendenten herzustellen. Was aber genauer kann sein Attribut ‘rein’ in Hinsicht auf die Seele meinen? Wir finden dies Diktum von der Reinheit in vielerlei Einlassung aus idealistischer Sicht ausgesprochen, so zum Beispiel bei Ficino: Fliehe das Äußere, Viele, Materielle, Körperliche, richte dich nach innen und oben aus.
Und Eckhart mit Bezug auf Origines: “Gottes Bild, Gottes Sohn sei in der Seele Grund wie ein lebendiger Brunnen. Wenn aber jemand Erde, das ist irdisches Begehren, darauf wirft, so hindert und verdeckt es ihn, so daß man nichts von ihm erkennt oder gewahr wird.”
Aber Eckhart sagt auch -und dies ist als Aufforderung zur Durchdringung zu verstehen (“Gottes Bild wird ihm aus allen Dingen sichtbar.”): “Dies kann der Mensch nicht durch Fliehen lernen, indem er vor den Dingen flüchtet. ”

Der wesenhafte Gott

“Dieses wahrhafte Haben Gottes liegt am Gemüt und an einem innigen, geistigen Sich-Hinwenden und Streben zu Gott, nicht dagegen an einem beständigen, gleichmäßigen Darandenken; denn das wäre der Natur unmöglich zu erstreben und sehr schwer und zudem nicht das Allerbeste. Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einen gedachten Gott; denn wenn der Gedanke vergeht, vergeht auch der Gott. Man soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben, der weit erhaben ist über die Gedanken des Menschen und aller Kreatur. Der vergeht nicht, der Mensch wende sich denn mit Willen von ihm ab. Wer Gott so im Sein hat, der nimmt Gott göttlich, und dem leuchtet er in allen Dingen; denn alle Dinge schmecken ihm nach Gott, und Gottes Bild wird ihm aus allen Dingen sichtbar.”
“Traun, dazu gehört Eifer und Hingabe und ein genaues Achten auf des Menschen Inneres und ein waches, wahres, besonnenes, wirkliches Wissen darum, worauf das Gemüt gestellt ist mitten in den Dingen und unter den Leuten. Dies kann der Mensch nicht durch Fliehen lernen, indem er vor den Dingen flüchtet und sich äußerlich in die Einsamkeit kehrt; er muß vielmehr eine innere Einsamkeit lernen, die Dinge zu durchbrechen und seinen Gott darin zu ergreifen und den kraftvoll in einer wesenhaften Weise in sich hineinbilden zu können.” (Meister Eckhart, Rede der Unterweisung 69)

Die falsche Haltung meint, Gott als Person, als Gegenüber, als väterlichen Beisteher aufzufassen. An Gott denken, zu Gott sprechen, alle Devotion – dies führt zur Erschaffung einer Trennung in Subjekt-Objekt-Relationen und unterminiert die eigene Bestimmung und Veranlagung, die ja Teil der monistischen Disposition und Ursächlichkeit ist, so daß also die eigene Seinslage in einen Dualismus, der zur Entfremdung leitet (im Jung’ schen Sinne einer Selbst-Entfremdung), überführt wird.
Vielmehr ist es nur zielführend, sich im Selbst-Sein nach dem Hohen zu richten (ganz entgegen der theistischen Paulus-Proklamation, das Hohe zu meiden), und in der Ausrichtung ein immanentes Werden zum Höheren (und Einen) zu bilden und zu leben, es also selbst (das einzige Es) zu sein und vielmehr noch es zu werden, um es (Es) schlußendlich wesenhaft ganz zu repräsentieren. Insofern – folgt man Jiddu Krishnamurtis Diktum, die Wahrheit sei ein ‘pfadloses Land’, läßt sich als kleinster oder notwendiger Konsens doch eben ein Weg beschreiben, der – anders als im gnadenabhängigen Theismus – von Entwicklung spricht, dem also überhaupt die Bedeutung des Wortes ‘Weg’ als Überbrücker von (zuletzt imaginierten) Distanzen zukommen mag.
Zu dieser Zweckausrichtung ganz passend (über) Fichte: “Kommt Gott das Sein selbst zu, so dem Bild ein bloßes reines Vermögen, und zwar das Vermögen zur Verwirklichung des Bildes oder anders zum lebendigen Vollzug des Bildens
Und Fichte: “Ein Dasein, das nicht durch sich selbst die Vernunft befriedigt, und all ihre Fragen löset, ist unmöglich das wahre Sein.”
Das wahre Sein aber ist das ganze Sein – die monistische Eigentlichkeit in ihrer Bestimmung und Vollendung.

Zeit und Zahlenreihe

Der Physiker Carlo Rovelli: “Die Gravitationsquanten entwickeln sich nicht in der Zeit, vielmehr ensteht die Zeit als Folge ihrer Wechselwirkungen. Das Vergehen der Zeit ist Teil der Welt, ensteht innerhalb der Welt, aus den Beziehungen zu den Quantenereignissen, die die Welt bilden und selbt ihre eigene Zeit generieren. Die Illusion, daß wir uns in einem Raum-Zeit-Kontinuum befinden, ist nur der unscharfe Blick auf dieses dichte Gewimmel aus elementaren Prozessen.”

Volkmann Schluck
über Plotin: “Die Erzeugung der Zahl, der Bestimmtheit als solcher, ist die Genesis der Sichtbarkeit selbst.”
Dies ist in einer Computeranalogie am ehesten zu vermitteln: Die Welt ist in ihrer (vor-) perzeptionellen Apriorie diskreter Natur und besitzt dadurch eine Potenz zur Unterscheidbarkeit, diese Potenz wird durch die Zahl repräsentiert bzw. macht diese die Grundkonstitution des Apriorischen verbalisierbar. Die Zahlenreihe (als Anordnung im Sinne einer Setzung) ist dabei Vorform und Bedingung zur perzeptionellen Übertragung, stellt schon ihre Grundbedingungen bereit, ist insofern schon eine Geschaffenheit – die Perzeption meint dann lediglich die Visualisierung dieser Anlage. Die reduzierende (und in der Reduktion konstuierende) Blickrichtung bezeichnet in unserem Verständnis ‘Welt’ (analog etwa Platons Schattenspiel an der Wand ist unsere Welt also Reduktion). Die höhere, eigentliche Entitität – die Idee – ist gleichsam also das Programm, das dezidierte Zahlenkonglomerat, das durch ebenso festgelegten Abgriff Welt erst generiert. Ganz in diesem Sinne ist auch die Zeit aus diskreten Einheiten als Bedingtes zu verstehen, welches nur beobachtungsabhängig expliziert ist – gerade passend auch zu Heisenbergs und Weizsäckers Diktum, daß Raum und Zeit nicht apriorischen Charakters sind.
Im Wissen dieses Sachverhaltes kann die aus dem Neuplatonischen formulierbare Aufgabe nun darin gesehen werden, innerhalb des Raum-Zeit Kontinuums eine Ahnung, ein Gefühl zu entwickeln, die Zeitlichkeit zur Überzeitlichkeit zu übersteigen, eine Ausrichtung auf Nicht-Zeitliches zu formen um so das linear empfundene Wesen der Hiesigkeit zu transzendieren. Zwar ist uns die Zeit durch Wandlung und Abfolge und Vergang absolut evident, jedoch ist sie uns – und hierin besteht ja eine Tröstung über die Vergänglichkeit hinweg – nur in der Kopplung an den Raum und die Körperlichkeit manifest.

Wirk-lichkeit

Hans-Peter Dürr sagt: “In der Physik ist die Wirklichkeit nicht Realität, sondern Potenzialität. Die ist nur die Möglichkeit, die sich energetisch und materiell irgendwo manifestieren kann, sozusagen als etwas noch nicht Entschiedenes, Schwebendes. Und diese Potenzialität ist räumlich nicht lokalisiert. Die Welt ist das Eine und Ganze. Das führt dazu, daß die ganze Welt überhaupt keine Ränder hat. Es gibt nur das Eine, und wir könnten sagen, es ist das Ganze. Das Ganze ist aber auch nicht das richtige Wort. Das Ganze ist ja etwas, dem kein Teil fehlt. Aber wenn es gar keine Teile gibt, dann können wir es auch nicht das Ganze nennen.”
J. M. Otto: “Es gibt also keine Teile. Das was wirklich zählt, ist die Verbindung zwischen den Teilchen, denn diese ist wirklich, sie wirkt. Es gibt also keine Existenz, sondern nur Wirklichkeit. Damit hat Dürr eine neue Verwendung für das Wort ‘Wirklichkeit’ gefunden, die eigentlich nicht neu ist, aber in ihrer wörtlichen Bedeutung eben so vorher nicht klar war.”
(“Er ist auch dafür, das Elementarteilchen nicht mehr Teilchen zu nennen, die sie ja nicht sind, sonder ‘Wirks’ oder ‘Passierchen’, weil sie etwas darstellen, das wirkt oder gerade passiert. Was wirkt denn nun gerade? Was bewirkt, daß mein Tisch eben nicht gerade verschwindet? Wenn man unzählige dieser Passierchen zusammennimmt und mischt, werden sich ihre Effekte mitteln, und es entsteht ein Durchschnitt.”)

Wirk-lichkeit
Dürr: “Die Materie kommt auf einer Ebene zustande, wo sich alles Wandelnde überlagert…” Dies in der Trägheit der Anschauung des Begriffes! Außerhalb dessen gibt es schlicht keine materielle Festigkeit. Materie ist Angeschautes im Mittel. Wirk-lichkeit ist vulgo jenes, was uns entsprechend der eigenen Aufnahmefähigkeiten erwirkt ist. Die höhere Wirkung hingegen, vor uns weitgehend sinnlich verborgen, ist bei ihrer Verschlossenheit erst zu eröffnen, zu durchdringen, auszuleuchten. Nicht also derjenige, der sich in diesen Prozeß stellt, ist erleuchtet, sondern er selbst erleuchtet die ‘Welt’ und sein eigenes, bzw. das ganze – eigentliche Sein. Diese anzustrebende Erfahrung von Wirklichkeit meint demnach keine Realitäts- oder Existenzminderung im Sinne einer Flucht vor der Alltagswelt, sondern im Gegenteil bezeichnet sie eine gesteigerte Durchdringung und Teilhabe zur Eigentlichkeit der Wirk-Faktoren, die viel tiefer fußen als im uns Ersichtlichen. Oder anders: Statt dem uns gebräuchlichen Verständnis von Wirklichkeit sollte man eher von einer Tatsächlichkeit sprechen. Tatsächlickeit ist uns ganz ein subjektiv wirksamer Ausschnitt der Wirklichkeit selbt. Sie ist dabei stets in ihrer Wirkung erkannte Dynamik des Höheren. Unsere Hiesigkeit meint ein Wirkendes durch unseren Filter der Perzeptionfähigkeit, insofern trifft auch der buddhistische Begriff der Illusion, des Truges kaum zu, vielmehr ist hier von einem ‘Filtrat’, von einem Abbild zu sprechen, denn auch einem Abbild kommt Wirklichkeit zu (siehe hierzu Platons Schatten im Höhlengleichnis), gemeint ist hier entsprechend geminderte Wirklichkeit. Je reiner oder freier die Perzeption oder Aufnahmefähigkeit für das Potentielle, desto geklärter der Blick in die Wirkkonzeptionen, die unserer Hiesigkeit kausal übergeordnet sind und weitaus realeres Wesen besitzen und Wirklichkeit viel größer und multidimensionaler definieren als die fassbare Tatsächlichkeit es uns zu vermitteln vermag.

Sein, Verfestigung

J.M. Otto: “Die Elementarteilchen selbst sind auch nicht das, was wir uns unter den kleinsten Teilchen vorgestellt haben, in die wir die Materie zerlegten, seit wir seit Demokrit technisch so große Fortschritte gemacht haben. Sie sind bloße Schwingungsfiguren. Von diesem ständigen Schwingen merken wir im groben Rahmen unserer makroskopischen Betrachtungsweise allerdings nichts, so daß der Eindruck von etwas Festem entsteht. … Es gibt also keine Materie, es gibt nur die Form. Wir können nur statistisch angeben, wie die Materie vermutlich aussieht, und sie entscheidet sich auch erst im Moment zu dieser einen Form, in dem wir sie dazu festlegen, indem wir sie beobachten. Vorher waren auch andere Konstellationen aus dem …Ozean an Möglichkeiten denkbar und möglich.”

Meister Eckhart sagt: “Was die Sinne herausgetragen haben, das muß die Seele wieder hereinbringen.” Berkeley sagt:”Esse est percipi.”
Die Festigkeit der Form erlangt ihre Stabilität prinzipiell aufgrund einer perzeptionellen Entscheidung oder Verarbeitung in Bezugnahme auf diskrete Grundstrukturen. Diese Verarbeitung wird durch den gehirnlichen Abgriffspunkt und Perzeptionskomplex definiert.
Bewußtsein, das sich im Wissen um diesen Mechanismus über eben jenen erhebt, drängt demnach zur Kausalität der Form, die geistige (oder feinstoffliche) Ursachen hat. Solches Bewußtsein schafft (unsere) Form, durchdringt Form und verläßt auch wieder Form.
Die Ständigkeit des vernommenen Anblicks – dies ist ganz neuplatonisch gedacht – bzw. die Festigkeit einer kontinuierlichen Perzeptionsweise gibt dem Seienden die Ständigkeit des Gleichbleibens (und somit ihm sein Sein nach unserer profanen Definition). Dies läßt darauf schließen, daß in der höheren Wahrnehmung diese Ständigkeit und das physische Vernehmen in Fluß geraten muß, was bereits dem aus der Theosophie bekannten Zustand eines mentalen (dynamischen) Universums oder Jenseits entgegenkommt. Ständigkeit als Starre der Form ist Signum geminderter geistiger Teilhabe der Weltkonstitution. Entsprechendes kommt etwa auch in der buddhistischen Lehre zum Ausdruck: “Das Weltsystem der Formlosigkeit gilt als die höchste Ebene der Wiedergeburt innerhalb der zyklischen Existenz und als ein Zustand, in dem die physischen Fähigkeiten eines Individuums nur als Potentiale existieren und das Individuum nur auf der Ebene des Bewußtseins funktioniert. Es heißt, daß dieses Weltsystem von denen bewohnt wird, die die vier formlosen meditativen Versenkungen gemeistert haben.”

Realität und Relation

Der Physiker Carlo Rovelli: “Die Quantentheorie beschreibt nicht, wie die Dinge ‘sind’, sondern wie sie ‘stattfinden’ und sich ‘wechselseitig beeinflussen.’ Sie sagt nicht, wo ein Teilchen ist, sondern wo es sich ‘von den anderen sehen läßt’. Die Welt der existierenden Dinge reduziert sich auf die der möglichen Wechselwirkung. Realität besteht allein in der Interaktion. Die Realität wird auf Relation reduziert. Alle Charakteristika eines Objektes existieren nur bezogen auf andere Objekte. Die Fakten der Natur manifestieren sich ausschließlich in Beziehung. In der Welt, die von der Quantenmechanik beschrieben wird, gibt es keine Realität ohne Beziehung zwischen physikalischen Systemen. Nicht die Dinge treten in Beziehung zueinander, vielmehr geht aus den Beziehungen selbst die Vorstellung von Dingen hervor.”
Max Born: “Man lehrte die Generation, zu der Einstein, Bohr und ich gehören, dass eine objektive physikalische Welt existiert, die sich nach unveränderlichen Gesetzen entfaltet, die von uns unabhängig sind. Wir betrachten diesen Vorgang, wie das Publikum im Theather ein Stück verfolgt. …” (Aber – über quantenphysikalische Messungen): “Die Tätigkeit des Experimentators ist es, die den Apparat plant und wesentliche Züge der Beobachtungen vorherbestimmt. Es gibt also keine objektiv existierende Situation, wie man sie in der klassischen Physik angenommen hatte.”

“Die Realität wird auf Relation reduziert.”
 Siehe hierzu auch für den Buddhismus: “Für gewöhnlich betrachten wir uns als eine feste Einheit, was der Buddha als Haupthindernis auf dem Weg zur Erleuchtung bezeichnet hat. In dieser illusorischen Annahme eines festen ‘Ichs’ ist die Ursache allen Leidens zu erkennen.”
Wie aber beziehe ich aus den Beziehungen selbst die Vorstellung von den Dingen? Dies geschieht zum einen durch perzeptionelle Stabilisierung durch (intersubjektivierte) Wahrnehmung, dies einer entsprechenden Anlage und Bestimmung (gemäß dem Wesen und Mechanismus des eidos und der logoi) folgend. Mit dem Wort von der Intersubjektivierung ist bereits ein Hinweis gegeben, das zur Konstitution von Welt eine Absprache, ein Interaktives über ihre Visualisierung vonnöten ist. Auf bewußterer Ebene geschieht eine Objektwerdung zur Person im seelischen Entfremden (als Konsolidieren) zur anderen Entität (sie hierzu die indische Konzeption des Ichmachers), dies unter (lebenspragmatischer) Negation der tieferen geistigen bzw. feinstofflichen Beziehung und Teilhabe, mit dem Sinn der eigenen Subjektivierung, die ständige Abgrenzung und Rückweisung des Außen meint und bedingt.
Nun stellt sich neuplatonisch überhaupt einer Frage nach dem Sinn dieser (bzw. jeglicher) Subjektivierung. Man könnte ihn schlicht – auch wenn dies das malum metaphysikum nicht abschaffen kann – im Entäußerungswunsch, in der Schaffung einer Bandbreite der ‘objektivierbaren’ Möglichkeiten, somit der Erschaffung – ungezählter- Welten und Ansichten wie in einem Kaleidoskop verstehen, um dann wiederum, gleich einem großen Ein- und Ausatmen wie in einer zyklischen Bewegung wieder zur Überwindung dieser bewußt zerstreuten (oder defizitären) Anschauung und Trennung zur ursächlichen Synthese zurück zu kommen. Die Überwindung ist hier zur Aufgabe geworden, die dem Fragmentarischen selber zu eigen wird. An ihm ist es, den Weg zurück zu denken und zu gehen.
“So ist das Wesen des Seins Dynamis, schöpferisches Aus-Sich-heraus-setzen eines Denkendseienden in der immanenten Betätigung seiner selbst, Manifestation seiner Macht.” (Volkmann Schluck)

Und ebenfalls Volkmann Schluck in Bestätigung des eingangs erwähnten quantenphysikalischen Diktums von der ‘ontologischen Interaktion’:
“Jeder dieser (explizierten) Bestandteile hat kein unabhängiges Bestehen – es koexistieren nicht einfach die Bestandteile, sondern jeder von ihnen ist auf das Mitdasein aller anderen angewiesen. und hat nur in dem Ganzen sein Bestehen.”
Und mein Zusatz: Das Eine ist dabei nicht vorgestellte Existenz, sondern Existenz an sich, das heißt auch, ihm kommt immer maximale Qualität und Fülle zu. Daseinsfaktoren bilden sich daher vom Einen aus, bilden Welt, aber nicht den tiefsten Seinsgrund, denn umgekehrt ist jener für sie die erste Bedingung und causa.

Ur-Grund der Religion

Erwin Rohde in seinem Werk “Psyche – Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube der Griechen”:
“Das Streben nach der Vereinigung mit Gott, dem Untergang des Individuums in der Gottheit, ist es auch, was alle Mystik hochbegabter und gebildeter Völker in der Wurzel zusammenbindet mit dem Aufregungskult der Naturvölker.” 
Hier sei kurz eine Konnotation zu Mircea Eliade eingeflochten. Dieser schließlich “…konzipierte den Schamanismus als das weltweit verbreitete Ur-Phänomen der menschlichen Religiosität und erhob die … ekstatische Trance mit dem ‘Seelenflug in die Geisterwelt’ zum zentralen Merkmal aller schamanischer Phänomene.”  Bei genauerer Betrachtung von Rohdes Ausführungen kommt man jedoch zum Schluß, daß Rohde  diesen Gedanken lange vor Eliade gefasst hatte. 
Rohde: “Das Ziel, man kann sagen die Aufgabe dieses Kultes war es, die Erregung der an ihm Teilnehmenden bis zur ‘Ekstasis’ zu treiben, ihre ‘Seelen’ dem gewohnten Kreise ihres menschlich beschränkten Daseins zu entreißen und als freie Geister in die Gemeinschaft Gottes und seines Geisterschwarms zu erheben. Die Entzückungen dieser Orgiasmen schlossen denen, die als wahre Bakchen wirklich in den Zustand heiligen Wahnsinns gerieten, ein GEBIET DER ERFAHRUNG auf, von dem ihnen ihr Dasein im vollbesonnenen Tagesleben keine Kunde geben konnte. Denn als Erfahrungen gegenständlichen Inhalts mußten sie die Empfindungen und Gesichte, die ihnen in der ‘Ekstasis’ zuteil geworden waren, auffassen.”
“Selbst nach Aufhören der Ekstasis scheinem dem Ekstatischen die gehabten Gesichte tatsächlichen Inhalt gehabt zu haben… sie hielten ihre Gesichte für wirkliche Geschehnisse, an die sie sich erinnerten.” (Aristoteles, nach Rohde zitiert)
Und auch im Folgenden ein ganz entscheidender Aspekt bezüglich des Wesens dieser Erfahrung und der Frage nach ihrer ontologischen Einordnung: “Zauberer, die nachher zum Christentum bekehrt wurden,waren gewöhnlich auch später noch von der Wirklichkeit früherer Erscheinungen überzeugt, sie waren ihnen als ETWAS REALES vorgekommen.”
“Das Gefühl ihrer Göttlichkeit, ihrer Ewigkeit, das in der Ekstasis sich blitzartig ihr selbst offenbart hatte, konnte der Seele sich zu der bleibenden Überzeugung fortbilden, daß sie göttlicher Natur sei, zu göttlichem Leben berufen, sobald der Leib sie freilasse, wie damals auf kurze Zeit, so dereinst für immer. Welche VERNUNFTGRÜNDE könnten stärker einen solchen Spiritualismus befestigen als die eigenste Erfahrung, die schon hier einen Vorgeschmack gewährt hatte von dem, was einst für immer sein werde?” 
Und dann: “Entwertung des alltäglichen Lebens, Abwendung von diesem Leben wird die Folge eines so gesteigerten Spiritualismus sein.”
Hier stehen wir in der Tat an der Wiege des Pythagoreismus, der Orphik und des Platonismus.  Was Rhode in der Beschreibung der essentiellen Lehre der eleusinischen Mysterien ganz verfehlt, hier hat er mit jedem Satz in das Herz der Sache getroffen. Insofern ist hier mein Diktum vom Platonismus als der Kolportage einer urreligiösen Erfahrung anzufügen.

 Und wie zur Conclusio: “Von daher nimmt griechische Philosophie den Mut zurAufstellung einer Lehre von der Unsterblichkeit der Seele.”

Die Leidenschaften

Nietzsche: “Summa: Die Herrschaft über die Leidenschaften, nicht deren Schwächung oder Ausrottung! — Je größer die Herrenkraft des Willens ist, um so viel mehr Freiheit darf den Leidenschaften gegeben werden. Der ‘große Mensch’ ist groß durch den Freiheits-Spielraum seiner Begierden und durch die noch größere Macht, welche diese prachtvollen Untiere in Dienst zu nehmen weiß.”
Freilich ist dieser Gedanke der Dienstbarmachung im Hinduismus längst ausgesprochen. So kennt beispielsweise das Aurveda Praktiken, die  libidinöse Energie akkumulieren und lenken sollen, die Leidenschaften, die für sich selbst betrachtet als überwindenswert besehen werden, dabei  nutzen und anschirren, um sie konkret von den niederen zu den höheren Energiezentren (Chakren) zu transportieren und  zu transformieren. Die sexuelle Energie ist gerade Punkt der Anknüpfung für energetische Konzepte aufgrund ihrer unmittelbaren, einfachen Verfügbarkeit und Erfahrbarkeit.
Indes Nietzsche steht mitunter im Verdacht, der Leidenschaft selber das Wort zu reden, im Sinne eines Endzwecklichen, während der innere Charakter der Leidenschaft als Ausdruck lebensenergetischer Kraft aber als intrinsischer, physiopsychischer Impetus eines höheren, den Körper übersteigenden Willens zu verstehen ist und daher Signum und Symbol eines ‘kosmischen’ und außermenschlichen Strebens darstellt. Dieser prinzipiell tantrische Gedanke, der die Integration und Durchdringung aller veräußerten Prozesse fordert, läßt die Triebe zuletzt hinter sich,  tut dies aber daher nicht aus moralischem Impetus, sondern aus der Erfahrung  einer höheren integrativen Stufe, die ein energetisches Niveau bezeichnet, das die Ereignisse nur physiologisch konnotierter Triebauslebung bei weitem übersteigt.

In dem Kontext ist die Libido-Definition von C.G. Jung wichtig, die viel weiter gefasst wird als das übliche Verständnis nahelegt: “Unter Libido verstehe ich die psychische Energie. Psychische Energie ist die Intensität des psychischen Vorganges, sein psychologischer Wert. Darunter ist kein Wert moralischer, ästhetischer oder intellektueller Art zu verstehen, sondern der psychologische Wert wird einfach bestimmt nach seiner determinierenden Kraft, die sich in bestimmten psychischen Wirkungen (‘Leistungen’) äußert.’

Diese psychischen Wirkungen und Wirkmächte, sind sie extraordinär, können sich transpersonal fortsetzen, um im ”psychischen eidetischen Fluidum’ zur Wirkung zu kommen.
“Enthusiasmus und Ekstase sind überall die erregenden Mächte.” (Erwin Rohde)
Und in Hinsicht auf die Erklärung synchronistischer Prinzipien C.G.Jung: “Der Erreger erregt.”  (Das energetische Feld)

Fichte, Sein und Dasein

Fichte:
“1. Was das absolute Sein, oder Gott, ist, das ist er schlechthin, und unmittelbar durch und von sich: nun ist er unter andern, auch Da; äußert, und offenbaret sich: dieses Dasein – dies ist der Punkt, auf den es ankommt – dieses Dasein ist er daher auch von sich, und nur – im Vonsichsein unmittelbar, das ist im unmittelbaren Leben und Werden. Er ist in seinem Existieren, mit seiner ganzen Kraft, zu existieren, dabei; und nur in diesem seinen kräftigen und lebendigen Existieren, besteht seine unmittelbare Existenz: und in dieser Rücksicht ist sie Ganz, Eins, unveränderlich.
2. Hierin nun ist Sein, und Dasein völlig in einander verschmolzen, und vermischt; denn zu seinem Sein von sich und durch sich gehört sein Dasein, und einen anderen Grund kan dieses Dasein nicht haben: wiederum zu Seinem Dasein gehört all dasjenige, was er innerlich und durch sein Wesen ist. Der ganze Unterschied zwischen Sein und Dasein, und der Nichtzusammenhang zwischen beiden, zeigt sich hier, als nur für Uns, und nur als Folge unserer Beschränkung, seiend: keineswegs aber als an sich, und unmittelbar in dem göttlichen Dasein, seiend.”

Fichte offenbart auch hier seine Denkweise aus strikt monistisch-idealistischem Blickwinkel. Der behandelte Sachverhalt bildet sich dabei exakt im Menschen ab, da der vermeintliche Bruch zwischen (göttlichem) Sein und (weltlichem/menschlichen) Dasein in ihm selbst ereignet und erfahrbar ist. Da der Bruch aber in Bezugnahme auf die Perspektive des Einen lediglich als Diskontinuität des Einen im Blick des Fragmentiertseins  zu verstehen ist,  der dabei stets das integrative Eine vermißt, das  ja eben jenes selbe nur im gebrochenen Maße darstellt, ist der Mensch selbst ein Rezeptor (des Einen) der Defizienz. (Das Eine – da das Einzige – muß ja entsprechend immer vom Einen her gedacht und erblickt werden, dies sozusagen ist der Automatismus, der uns über das Ich hinaus bestimmt). Das (unbewußte) Gewahrsein hierüber, der tiefe Wunsch nach Überwindung dieser Defizienz heißt im allgemein gebräuchlichen Sinne der Seelenqualitäten für den menschlichen Radius  ‘Sehnsucht’, der Akt der (zumeist exemplarischen) Überschreitung dieser  Kluft indes ‘Liebe’.
Hingegen ausnahmslos alle Handlungen, die dieses essentielle Sich-Verhalten zu ersetzen geneigt sind, sind ein Ausweichen, sind Ersatz. Daher auch passend für diesen Sachverhalt etwa Stanislav Grof’s  Diktum vom ‘Atman Surrogat’.

Fichte, Synchronizität

Folgende  Sätze Fichtes sind, da von monistischer Warte ausgesprochen, zur Genese des Phänomens der Synchronizität (einer vermeintlich akausalen Koinzidenz von meist äußerem und innerem Ereignis) heranziehbar.
” Ich schreibe mir das Vermögen zu, schlechthin einen Begriff zu entwerfen, weil ich ihn entwerfe, aus absoluter Machtvollkommenheit meiner selbst als Intelligenz.”
“Ich schreibe mir ferner das Vermögen zu, diesen Begriff durch ein reelles Handeln außer dem Begriffe darzustellen; schreibe mir zu, eine reelle, wirksame, ein Sein hervorbringende Kraft, die ganz etwas anderes ist als das bloße Vermögen der Begriffe. Jene Begriffe, Zweckbegriffe genannt, sollen nicht wie die Erkenntnisbegriffe, Nachbilder eines Gegebenen, sondern vielmehr Vorbilder eines Hervorzubringenden sein; die reelle Kraft soll außer ihnen liegen und als solche für sich bestehen; sie soll von ihnen nur ihre Bestimmung erhalten, und die Erkenntnis soll ihr zusehen. Eine solche Selbstständigkeit mute ich mir, zufolge jenes Triebes, wirklich an.— Hier scheint es, liegt der Punkt, an welchem das Bewußtsein aller Realität sich anknüpft; die reelle Wirksamkeit meines Begriffs, und die reelle Tatkraft, die ich mir zufolge jener zuzuschreiben genötigt bin, ist dieser Punkt.”