Category Archives: Philosophisches

Inhalt – Philosophisches

Bergpredigt

Eine schwache Flanke der Kirche, die sich gerade heute den Ansprüchen konkurrierender Theismen ausgesetzt sieht, ist ihr Mangel an positiver Bekenntnis, man zieht sich lieber auf  eine Gegenhaltung  zu Positionen zurück, die man als  nicht (radikal-)ethisch genug  markiert hat, dies letzlich  zu Lasten des eigenen Überlebens.
“Nietzsche: ‘Der Christ kämpft nicht, auch wenn sein Dasein bedroht ist.’ ‘Ein solcher Glaube zürnt nicht, tadelt nicht, bringt nicht das Schwert.’ Die Zeit, das physische Leben sind gar nicht vorhanden für die Lehrer der frohen Botschaft. Was Nietzsche dergestalt in Jesus antrifft, ist eine Weise dessen, was er decadence nennt, zwar mit der Auszeichnung, daß es eine decadence ohne Verlogenheit ist, aber doch mit allen Grundzügen der decadence als einer Form des zugrundegehenden Lebens . ‘…Der Instinkt des Willens in`s Nichts’ “ (Karl Jaspers)
Diese Ethik wird gerade in der Bergpredigt sehr deutlich. In diesem Kontext sei Kurt Flasch mit seiner folgenden Erklärung erwähnt: “Vom Ganzen der Synoptiker her gelesen, stehen alle ethischen Aussagen unter der Bedingung des nahenden Weltendes. Man hat daher von ‘Interimsethik’ gesprochen. Jedenfalls erklärt dies den radikalen Verzicht auf Daseinsfürsorge, auch die Feindesliebe. Es beschränkt die Geltung der Imperative: Die Welt ist nicht untergegangen. Jesus hat sich über das nahe Ende getäuscht. Wir stehen ethisch unter veränderten Bedingungen. Die Bergpredigt kann heute nicht ohne neue Prüfung der ethischen Orientierung dienen. Kleine radikale Gruppen mögen sich eine Weile an ihr orientieren: Familienväter, Republiken und Großkirchen können das nicht. Unter ihren Bedingungen sackt die Ethik der Bergpredigt zur Utopie zusammen. Sie wird zur desorientierenden Rhetorik. An kohärente Weltgestaltung ist in der Bergpredigt nicht gedacht.”

Bindung des Unbelebten an das Geistige

“Etwas Geschaffenes schafft etwas anderes durch Umwandlung. Auf diese Weise wird es (das Höhere) Ursache und Grundlage eines anderen geschaffenen Objektes. Jedes geschaffene Objekt ist deshalb ebenfalls Realität, und zwar in dem Sinn, daß es das essentielle Wesen eines anderen (höheren) Ursprunges in sich birgt und dahin zurückkehren wird.”
(Srimad Bagavatham)

Plotin: “Jedes Einzelne ist zwar eine Form und quasi eine spezielle Prägung, aber dadurch, daß es von der Art und Form des Guten ist, enthalten sie alle etwas Allgemeines, über ihnen allen Liegendes.”

Bezeichnet ist hier eine  innere Verwandschaft im Prozeß der Devolution oder Explikation, neuplatonisch im Abstieg durch die Hypostasen.
EIn Bild hierfür ist auch der umgekehrte Weltenbaum, dessen  Wurzeln sich oben in der Luft befinden, während seine Verästelungen nach unten entsprechend die Tiefe der Explikation bis hin zur größtmöglichen relativen Gottesferne oder zur raumzeitlichen Diesseitigkeit (in der Entfernung vom Stamm) repräsentieren. Man stelle sich aber hierbei weiter vor, der Baum teile sich, pflanze sich fort, bringe Früchte und Verästelungen  in mannigfaltiger Form und Ausprägung.
Evident wird hier die Verbundenheit, die also nicht Wesensverwandschaft, sondern Wesensgleichheit in der Wandlung der Gestalt, in der Verschiedenheit der Form ausdrückt und so eine monistische Gesamtheit doch als gleichzeizig differenzierte Seinsverfasstheit verstehbar werden läßt. Der Mensch als Glied dieser Hervorbringung, der im Gegenständlichen schöpferisch wird, manifestiert seine Idee zwar im raumzeitlich-terminalen Medium, handelt aber, was den reinen Schöpfungsimpetus und Schöpfungsprozess betrifft, adäquat den höheren Schöpfungsakten (des Göttlichen) -nur hat  sein Gegenständliches in sich kein Bewußtsein, in der Art, daß es nicht aus sich heraus belebt ist, um seinerseits weiter schöpferisch tätig zu werden, insofern steht der Mensch also am Ende einer schöpferischen Kette. Übertragen auf unser Bild vom Baum ist diese Schöpfung  etwa mit der Hervorbringung fallender Blätter vergleichbar, die -anders als die Samen, die eine autarke Anlage zur Entwicklung in sich bergen – nur indirekt in dieser Kette wirksam werden, indem sie nämlich  ein Reservoir, eine Grundlegung, ein Milieu erzeugen (etwa einen aus den Blättern hervorgehenden  Humus), welches Vorhandenes, Bewußtes erheben und ihm zu Wachstum und gesteigertem Sein verhelfen kann. So ist alles, was der Mensch expliziert, da raumzeitlich gebunden und ohne aus sich heraus mit Bewußtsein belebt, nur Produkt und ganz vergänglich in dem Sinne, daß es nicht die Möglichkeit des Wandels und Fortbestandes in sich selber birgt,  und doch handelt es sich bei allem -sowohl beim ganz profanen wie auch beim kunstvollsten Gegenstand, um Manifestationen des Geistigen , so daß man im Materiellen von einem Arsenal sprechen kann- das -so fruchtbar wie die Idee dahinter- so auch selbst in der Unbelebtheit ganz zum Geistigen und seinem Telos in Verbindung steht.

Klang und Magie, Veden

Vedisch: “Das Universum ist ein multidimensionaler Kosmos, d. h. ein offenes System, in dem die verschiedenen (geistigen und grobstofflichen) Dimensionen ineinander übergehen und sich gegenseitig bedingen. Die feinste Form der Materie ist Schwingung (Sabda, Klang) und konstituiert alle anderen materiellen Formen.” (Armin Risi)

Das uns Greifbarste, das Raumzeitliche,  (also im obigen Sinne die dichteste Form) ist zugleich das Bildhafte und am wenigsten Wahrhafte. Es ist wie ein Vexierbild, das aber genug Überzeugungskraft auf die Sinne ausübt, um als Realität anerkannt zu sein.  Die übergeordnete Feinstofflichkeit, die geistbedingten Strukturen und Formkräfte hingegen, bezeichnen im Aufgang den eigentlichen Weg  in das   Existente.
Die Selbstreferenzialität und Selbstreflexivität des Geistes bringt dabei Form hervor, die in ihrer perzeptiven Herabtransformation als raumzeitliche Gestalt ersichtbar wird. Insofern ‘gerinnt’ auch Sabda , Schwingung, ab diesem Grad zur Raumzeitlichkeit, wo sie sich uns physikalisch- perzeptiv erschließt und   so zu dem uns  bekanntem Klang wird. In Nahtoderfahrungen hingegen wird sabda mitunter als grundlegende Schwingung erfahren, die als Klang und gleichzeitig aber als konstitutiv für alle Form -als Grundbaustein jener erlebten Welt-  erfahren wird,  der Charakter dieses Erlebens ist synästhetisch.
Ein Vor-der- Raumform-Sein kann nun gerade durch Klang für den Eintritt in das Raumzeitliche affimiert und in der Bestimmung (Formung) forciert oder beeinflusst werden, wenn man eben davon ausgeht, daß Schwingung sich als  Überbegriff ‘sabda‘ transdimensional fortsetzt.
Hier ist auch der Grund für die magische Praxis, die Anregung einer höheren Position durch Ton, durch (formelhafte) Sprache.  Schamanen berichten wiederholt von alternierenden Welten, in denen sie Wesenheiten begegnen, die durch Gesang und Wort Dinge in die Existenz singen. Der Mensch kann dies innerhalb seiner Möglichkeit nachtun, da er sich als Teil der natura naturans versteht, als Glied in der sich hypostasierenden Kette eines schöpferischen, sich explizierenden Tuns. Die vokale Besprechung  gewinnt dabei ihre Bedeutung viel mehr im Lautmalerischen durch Klangschwingung (dies ist gar eine Bedeutungsebene des Sanskrit) als in einer linguistischen Sinnhaftigkeit. Besprechung und Klang wird zur Affirmation des Überweltlichen (für das Weltliche) nutzbar; Schwingung ist die Urmasse der Schöpfung, Schwingungs-Affirmation IST Schöpfung zur Konkretion, und das perzeptive Quanteln (das Quantum) ist die Existenz der Schöpfung (in ihrer -uns gewohnten- Perzipierbarkeit.
Durch die Interdimensionalität von sabda besteht auch eine Wechselwirkung in beide Richtungen der Hypostasen, somit in Richtung  der Verdichtung sowie in Richtung der Transzendierung. Klang affimiert nicht nur Wunsch und Resonanz aus dem Unbestimmten zum Raumzeitlichen, sondern transkribiert auch das Profane, und in dieser Berwegung entrückt sich auch der Mensch und sendet zugleich Signale an höhere Ebenen.

 

Musik, Schopenhauer, Veden

“Warum die Musik so eine ungeheure Macht über den Menschen hat, warum sie von allen Künsten jene ist, die sowohl am unmittelbarsten als auch am wirkmächtigsten die menschliche Seele anspricht? Daß dies so ist, darüber herrscht -zumindest in der abendländischen Kulturgeschichte-Einigkeit”
” Für Rilke ist der Charakter der Musik rätselhaft und geheimnisvoll und daher ‘mehr als wir’ “.
Nach Schopenhauer nimmt die Musik in ihrer reinsten Form (die Instrumentalmusik) eine Sonderstellung in den Künsten ein: ‘Ihre Wirkung ist sehr viel größér als die aller anderen Künste, da sie im Unterschied zu diesen nicht die Ideen wiederholt bzw. nachbildet, sondern unmittelbares Abbild des Willens selbst ist und damit das reine Wesen der Welt zum Ausdruck bringt.’ “ (Stefan Barme)

Schopenhauers Betrachtung läßt sich mit der Ansicht der Veden passend weiterführen und wird damit in den Kontext einer physikalische Geist-Körper-Relation gerückt. (Geist ist feine Materie)
“Die Sankhya-Wissenschaft, die Analyse des multidimensionalen Kosmos, erklärt, daß die grobstoffliche Materie aus den feinstofflichen Energien hervorgeht. Die grobstoffliche Materie wird entsprechend ihrer zunehmenden Verdichtung in fünf Kategorien unterteilt: Äther, Luft, Feuer; Wasser und Erde. In Enstprechung zu diesen fünf Kategorien gibt es die Sinnesobjekte, die ebenfalls fünf an der Zahl sind: Schwingung/Klang, Verbindung/Berührung, Form, Farbe, Geschmack und Geruch.”
“Klang (Sabda) ist das einzige Attribut, das auf allen fünf Ebenen manifestiert ist.”
“Erde” (feste Materie): der vollständig entfaltete dreidimensionale Raum, der die dichteste Form der Materie bildet. Auf der Stufe der “Erde” sind die Attribute der anderen vier Stufen in ihrer “geerdeten” (physikalischen) Form manifestiert Die Sanskritsprache differenziert hier ganz klar: Zum Beispiel hören wir vom ätherischen Klang (sabda) nur jene Klangschwingung (vaikari), die von einem bestimmten Klangträger übermittelt wird. Die übermittelte Information jedioch ist von der Luftschwingung gänzlich verschieden.” (Risi)
Schopenhauer
zeichnet in folgendem Zitat diese Aufwärtsrichtung nach:
“Das Anhören einer großen, vollstimmigen und schönen Musik ist gleichsam ein Bad des Geistes; es spült alles Unreine, alles Kleinliche, alles Schlechte weg, stimmt Jeden hinauf auf die höchste geistige Stufe, die seine Natur zulässt, und während des Anhörens einer großen Musik fühlt Jeder deutlich, was er im Ganzen wert ist, oder vielmehr, was er wert sein könnte.”

Körpersein, Materie

Volkmann Schluck: “Region des somatischen: Körpersein bedeutet die Einheit einer Mehrzahl von Grundbestimmungen, die der Logos voneinander absetzt. “
“Was die Natur zu einer solchen macht, das sind die Logoi, die Gestaltungsformen der schaffenden Seele, welche die Naturgestalten in das Dasein treibt und als deren individuierte Eide die Natur ist. Ist nun das Wesen der Seele von den als schaffende Naturkraft wirkenden Formkräften verschieden? Nein, sie ist auch Logos und der Inbegriff der logoi, und sie sind ihre Wirksamkeit, die sie ihrem Wesen gemäß übt.”
Der Hervorgang des Vielen aus der Einheit gründet in der Selbstanschauung der Seele, ist ein selbstreflexiver Prozeß des Entstehens. Das Medium zu dessen Ausgstaltung indes  ist die Materie, aber von welcher Qualiät ist sie eigentlich, woher stammt sie -wo doch zuvorderst -vor der Gestaltung- nichts außerhalb des Geistes erschaffen ist?
“Außerdem kommt die formlose Urmaterie als solche nicht wirklich vor, sondern sie ist bei Plotin wie bei Aristoteles nur ein gedankliches Konstrukt. In Wirklichkeit unterliegt der physische Kosmos immer und überall der Leitung der Seele und damit der gestaltenden Einwirkung der formenden Ideen. Real gibt es Materie nur in Verbindung mit Formen. Daher ist die Unvollkommenheit der materiellen Objekte in der Praxis nie absolut, denn durch ihre Formen empfangen sie die Einwirkung der geistigen Welt. Allgemein gilt der Grundsatz, dass das Aufnehmende das Maß des Aufnehmens bestimmt. Das Niedrigere kann das Höhere nur insoweit empfangen, als seine begrenzte Aufnahmefähigkeit dies zulässt. “ (Wikipedia)
Wie aber kommt das Mannigfaltige zuletzt real zum Vorschein? Durch das Quantum. Das Zählen, was ein Darlegen, ein Zergliedern eines (apriorischen) Kontinuums ist, ist die Vorausetzung  für die Konkretisierung und Zusammensetzbarkeit in den Sinnen, so daß dort ein vereinfachtes Derivat des Kontinuums, ein fließendes Bild -dies eben macht das Somatische aus- entsteht.  Somit entsteht – wie eingangs gesagt-  eine Einheit aus einer einer Mehrzahl von Grundbestimmungen, die der Logos voneinander absetzt.”
Das Materielle heißt in diesem Sinne eigentlich nichts anderes als die geistige Dynamik in  der Hinwendung (und Verlangsamung bzw. Verstetigung) zur Bildlichkeit in der Trägheit der Betrachtung. Die Trägheit besteht darin, daß die Anschaung durch die Sinne der gedanklichen Bestimmung der Form (ihrer Zählbarkeit bzw. Quantelung) nicht gleichauf folgt und sie aber dadurch erst sichtbar werden läßt und wie angedeutet in der Vereinfachung (in und durch sinnliche Desintegration) anzeigt. Das träge Medium, die Materie,  ist in Wirklichkeit ein Prozessuales, ist nichts anderes als desintegrative Betrachtung (seelisch-geistiger Konzepte).

Veden und Plato, Schatten

Vedisch-platonische Korrelationen:
Für die Veden: “Im Universum gibt es grundsätzlich zwei Kategorien von materiellen Elementen, die feinstofflichen und die grobstofflichen. Die feinstofflichen Elemente bestehen aus verschiedensten Geist-, Mental-, und Astralenergien, die grobstofflichen aus physischen Energien und dreidimensional-räumlichen Formen. Die grobstofflichen Elemente entstehen aus den feinstofflichen Elementen und bilden auf der universellen Ebene – gemäß den feinstofflichen Informationsmustern – die stofflichen Welten und auf der individuellen Ebene die vergänglichen Körper, die in den enstprechenden Dimensionen und Verdichtungsgraden existieren. …Das Abbild ist in jeder Hinsicht vom Vor-Bild programmiert und abhängig, und als solches Abbild enthält das Universum bereits von allem Anfang an ein vollkommenes Schöpfungsprogramm, gemäß der Anlage der spirituellen Welt” (Armin Risi)

“Das Materielle wird aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dir dein Schatten genannt. In der Tat, man betrachtet die materielle Welt als wirklich, weil sie einen schattenhaften Einblick in dein ewiges Dasein gewährt. ” (Srimad Bhagavatam)

Plato: “Denn fürs erste meinst du wohl, daß dergleichen Menschen von sich selbst und voneinander etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle wirft?… Stelle dir vor, es werde einer befreit und genötigt, plötzlich aufzusehen, den Hals umzuwenden, zu gehen und nach dem Licht hinzublicken…die Gegenstände zu sehen, deren Schatten er vorher gesehen hatte… jetzt aber sei er dem Seienden näher, stehe vor Dingen, denen ein Sein im höheren Grade zukomme…”

Wissenschaft und Zufall

Es wurde wiederholt darauf hingewiesen, daß gerade einige der  großen oder bahnbrechenden  wissenschaftlichen Erkenntnisse  an (sogenannte) Zufälligkeiten gekoppelt waren. Sehr wohl bekannt ist Archimedes ‘ Beobachtung des Wassers während seines Bades, die ihm  zu einer plötzlichen, von  seinem berühmten Heureka! begleiteten Einsicht in elementare physikalische Gesetze verhalf. Newton hingegen fiel zur Schaffung der Gravitationslehre -zumindest der Legende nach –  erst ein Apfel auf den Kopf und die Erfindung des Penicillins gelang, weil ein antibakteriell wirksamer Schimmelpilz durch das geöffnete Fenster eines Versuchslabors gedrungen war. Und der Durchbruch zur vielleicht wichtigsten Erkenntnis des letzten Säkulums, nämlich zur  quantenmechanisch beschriebenen  Unbestimmtheit der Teilchen,  gelang Werner  Heisenberg nach eigenem Bekunden unerwartet und plötzlich bei einem Kuraufenthalt während “eines starken Heufiebers”.
Dies Phänomen könnte nun damit zusammenhängen – und hierauf  haben Einige ebenfalls zu Recht aufmerksam gemacht, daß die Erfassung großer Ideen mehr durch ein halbbewußtes Ahnen, denn durch ein durchgehend verstandesmäßiges Erkennen zuwege  kommt. Und was bedeutet nun aber der’Zufall’ in diesem Kontext? Ich schlage hier vor: ‘Zufall’ meint in Wirklichkeit ein forciertes Resultat durch Befassen und Lassen und also das Ergebnis eines nicht-rationalen, nicht-diskursiven, aber konstituierenden  ‘hinter dem Geist sein‘,  daß eben in das Materielle hinein manifestiert.
Quantenphysikalisch ließe sich dieser Prozeß  der Enstehung eines (wissenschaftlichen) Paradigmas  mit folgender Reihe  beschreiben: Es existiert zuvorderst fluktuierende Information – gerade an Phasengrenzen und Instabilitäten wird sie akkumuliert und kommt so schließlich zum Durchbruch in die Makrowelt. Darauf dann kommt es zur  Elaboration und Verifikation. Aus einem quasi-chaotischen, sich aber verdichtenden und ordnenden  intuitiven Prozeß wird zuletzt Wissenschaftlichkeit. Dabei gehen zudem, wie  C.G. Jung sagte, die ” hypostasierten Begriffe erst aus der diskriminierenden Tätigkeit des Bewußtseins hervor.” Man könnte insofern die  aktive Rolle des Menschen  in diesem Prozeß also gar folgend beschreiben,  indem man sagt: Der Mensch  entwirft sich selbst eine bzw. seine  Natur, um (schließlich) ihr eigentliches oder inneres Wesen zu verstehen.

Trug und Existenz

Das raumzeitliche Dasein wird von idealistischer Warte als Trug, als Schein bezeichnet. Warum aber wird -sollte hieran doch einiges wahr sein-  ein Trug des Daseins nicht als solcher erkannt? Die Antwort liegt schlicht darin, daß  die Konstituierung unserer Realität auf der Korrelation von Bild und Betrachter beruht, was heißt, daß der Betrachter selber im Trug bzw. Teil  des Trugbildes  ist (er konstituiert ihn und zugleich wird er von ihm konstituiert), so daß von lebensweltlicher,  alltäglicher Perspektive keine Außensicht,  kein Grund vorhanden scheint, irgendetwas, was darüber hinaus reichen könnte, ernsthaft in Erwägung zu ziehen, und man könnte dies schon als deutlichen Hinweis dafür nehmen, daß Existenz  ganz an Empirie gekoppelt zu sein scheint (auch dies eine Unterschreibung des Berkeley‘schen esse est percipi!). Und was es noch  schwieriger macht: Der Illusion kommt ja durchaus noch ihr eigene Existenz zu, wenn auch in stark geminderter Form (als explizierte Existenz), dies zu erkennen entbehrt es aber eben  der Skala, an der man dies festmachen sollte, diese wäre etwa der empirische Vergleich . Die mystische Einsicht in eine Seins-und Existenzstufung ist hingegen fern, die rational diskursive  Einsicht verfügt aus sich heraus über mangelne Vitalität und wird zudem  nur zu gerne als Spekulation markiert, ist in ihrer Intellektualität -neuplatonisch betrachtet- gerade auch seinskonstitutiv und
affimiert  ja gar den Trug des Daseins: “Für Plotin ist die Vielheit die Weise, wie das unterscheidende Denken das ursprünglich Eine und Ganze, das unteilbar Innerliche, begegenen läßt. ” (Volkmann-Schluck) (Ich stelle die Denkform in die Kausalität der gewonnenen Eindrücke. Denken ist  dann von der Sensorik her inhaltlich bestimmt  und geht dieser nicht voran (hier das eigentliche -konstruktivistische-malum unserer  Existenz/siehe dazu  auch Platons Höhlengleichnis).
“Das Denken bedingt so Seinsmomente eines gegenwärtigen Ganzen, keinesfalls handelt es sich um die Hinwendung zu etwas Jenseitigem. Zwar gleitet die Sprache immer wieder in diese Form ab, um ein Anders-Sein zu deklarieren, aber es meint nur die nicht in die Sichtbarkeit getretene Explikation des Einigen Immerwährenden. ” (Volkmann Schluck)
In  energetisch gehobenen Zuständen  hingegen kann auch  eine höhere Einsicht (subjektiv) empirisch, sprich in diesem Kontext auch sensorisch der Erfahrung erschließbar werden. Wie etwa eine Probantin über ihr Erlebnis einer Ufo-Entführung schilderte:
“Es gibt verschiedene Dimensionen und Welten, die innerhalb anderer Welten existieren und es ist wie eine Achterbahnfahrt, wenn man von einer zur anderen gelangt. Man muß die Energie beschleunigen, und dann kommt man in eine andere Dimension, in der die Wirklichkeit eine andere ist. In dieser Wirklichkeit kommt man sich vor, als ob man sich gleichermaßen zusammenzieht und ausdehnt… es ist, als ob man einerseits ein Teil von allem wird, und alles wird Teil von einem selbst .”
(Man beachte hier auch den  solipsistischen Aspekt der Schilderung sowie den Aspekt der Subjekt-Objekt-Relativierung, der für den Aufstieg in den Hypostasen so typisch ist.)
“Es ist so, dass unser normales, waches Bewußtsein, das rationale Bewußtsein, wie wir es nennen, nur eine besondere Abart des Bewußtseins ist, während überall um uns herum, von ihm nur durch einen hauchdünnen Schirm getrennt, vollkommen andere Formen des Bewußtseins liegen.” William James
Fichte sagt : ‘Erhebe über den Schein dich zum Denken, laß von diesem dich ergreifen.’
So herum also der Weg, wie das (Nicht-)Sein das Bewußtsein bestimmt!
Und ein Bezug zur Kunst mit Vjaceslav Ivanov: “…daß die symbolistische Kunst es uns ermöglicht, der inneren Beziehungen und der Bedeutung dessen gewahr zu werden, was nicht nur in der Sphäre des irdischen, empirischen Bewusstseins existiert, sondern auch in den anderen Sphären.”

 

Plotin und Platonismus, Abgrenzung zum Christentum

Ergänzend zur (fundamentalen)  Abgrenzung des Neuplatonismus gegen das Christentum:
Plotin gilt als Begründer und wichtigster Vertreter des Neuplatonismus.
Plotin vertritt einen radikalen idealistischen Monismus.
Plotin versteht sich als Platoniker, als orthodoxer Interpret der Lehre Platons.
In der Betrachtung der dritten Hypostase muß daher auch über das metaphysische Dogma der Präexistenz der Seele sowie über die  Seelenwanderung (Reinkarnation) gesprochen werden.
Dies gilt es auch ungeteilt für den ausgehenden Neuplatonismus, Proklos (200 Jahre nach Plotin) zu bedenken. Proklos tritt ja gerade als Verteidiger der spätantiken Philosophie gegen das Christentum hervor.
Man hat auch die Theurgie dem christlichen Gebet an die Seite zu stellen versucht. Was die Theurgie (also die Erfragung von Hilfe an göttliche oder übersinnliche Geistwesen) betrifft: Keinesfalls handelt es sich hier um Gebet im christlichen Sinne. Es geht vielmehr um Anrufungsformeln zur konkreten Manifestation höherer   Entitäten des “demiurgischen Sektors”  … in dem auch nach Platon der Schöpfergott anzusiedeln wäre, sofern dieser überhaupt seine Existenz als  didaktische Hilfestellung zur Erklärung  des schöpfenden Prinzips (des Nous) übersteigen sollte,  während die eigentliche Gottheit selbst in der Qualität des ganz Anderen (dies ist  in der Ausformulierung  gerade neuplatonisch) transzendiert wird. Allein dies wohl  die zentralste Häresie für einen Christen.
Im Westen verdammt, findet der rituelle Aspekt der Theurgie  über Byzanz übrigens eine gewisse Fortführung und wird für den Westen nicht umsonst von der Theosophie aufgegriffen.

Und mehr Häretisches  (zu Plotins Weg) bei Störig: “Wir begegnen solcher (plotinischer) Mystik überall da, wo mit dem Gedanken der Wesenseinheit der Menschenseele mit dem Göttlichen ernst gemacht …”

Und führ den ausgehenden Neuplatonismus: ” Die athenische Schule des Neuplatonismus, von dem allmählich zur Herrschaft kommenden Christentum …aufs heftigste bekämpft, bildet zugleich den Schlußstein der alten heidnischen Philosophie…”

Die Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie (Metzler) zur gnostischen Grundhaltung des Neuplatonismus:
“Nach H. Jonas (1993) ist Plotin der Repräsentant der Transformation der ursprünglich mythologischen Gnosis in eine philosophisch-metaphysische Form.” (meine Anmerkung: In Anbetracht Plotins Haltung gegenüber der Gnosis, die vor allem in seiner Schrift “Gegen die Gnostiker” zum Ausdruck kommt, aber eine etwas ambivalente Feststellung.)
“Plotin hat über den Neuplatonismus die europäische Geistesgeschichte nachhaltig beeinflußt. Direkte Nachwirkungen finden sich bei zahlreichen Kirchenvätern(z.B. Augustinus);indirekte z.B. bei G. Bruno, A.A.C. Shaftesbury und G. Berkeley; in Deutschland sind vor allem J.G.v. Herder; F.H. Jacobi; F. Hemsterhuis und D. Tiedemann, ferner J.W. v. Goehte, Novalis, F.W.J. Schelling und F. Creuzer zu nennen. G.W.F. Hegel sah in Plotin die Vollendung der griechischen Philosophie.”

Indifferenz, spirituelle Findung

Kurt Flasch: “Glaubensverkünder drängen auf Entscheidung. Wer nicht für sie ist,sagen sie, sei gegen sie. Sie gestatten nicht den unorganisierten prüfenden Zuschauer. Philosophen des 20. Jahrhunderts haben Kierkegaards Analysen aufgegriffen und werteten Indifferenz als uneigentliches Leben. Aber manchmal ist Indifferenz empfehlenswerter als Engagement. Wer Entscheidung fordert, verpönt das Spielerische des bloßen Dahinlebens, er rät zu Ernst und Eigentlichkeit.”

Indifferenz kann hier genauer auf zweierlei Weise behandelt werden. Im negativen Sinne  ist sie einfach  Ausdruck von Ungeistigkeit oder geistiger Bequemlichkeit (die sich aber gerne einen eleganteren Namen zulegt, so etwa den der ‘Agnosie’ ). Das “Dahinleben” ist hier kein spirituelles  “Im Moment sein”, kein bewußtes Leben. Marie von Ebner Eschenbach sagt:-“Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei.”
Und genauer betrachtet zieht das Leben somit am Christen vorbei, denn der Christ hat sich die Gedankenlosigkeit -allerdings nicht in ihrer kontemplativen Ausprägung- zum eigentlichen Prinzip erklärt, denn das Christentum meint-einfach gesagt-  ein System der Nachfolge, ist dabei ganz eine Anschauung des Herzens (geworden), und steht eben nicht in der tätigen geistigen Auseinandersetzung und Durchdringung, daher auch der christliche philosophische Anspruch gerade  einen unvollständigen Platonismus bei Augustinus oder etwa die zirkelschließerische Denkart bei Thomas Aquin hervorbringen kann, denn zuletzt geht es nur um einen  Nachvollzug des Offenbarten, und dieses Vorgehen ist zuletzt nicht als ‘geistig’ im Eigentlichen zu erachten, da der Intellekt  hier auf reine Akzeptanz, also auf seine Selbstbeschränkung abstellt und sich  seinem freien und schöpferischen Selbst entfremdet hat.  Schelling sagte: “Wir fordern höchstes Leben, freiestes eigenstes Daseyn und Wirken ohne Beengung oder Begrenzung des Absoluten.”
Indifferenz kann aber auch im positiven Sinne  eher als Distanz zu einer vorschnellen oder unreflektierten Zusage an etwas als absolut proklamiert Vorfindlichem, wie also die sogenannten Offenbarungsgehalte, verstanden werden. Nicht -und hier möchte ich über Flasch hinausgehen-, weil man  einer Offenbarung per se die Möglichkeit eines Ewigkeitscharakters absprechen möchte, sondern weil ihr Ausdruck und Vollzug, ihre Konkretion positiv besehen  lediglich als eine Erklärungs-Option, im Negativen aber  als Willkür oder gar Betrug erkannt wird. Hier wird Indifferenz eher zum Signum kritischer und im weiteren Zuge progressistischer Vorgehensweisen. Und gerade dies darf religiös genannt werden, die Apostasie ist sozusagen Teil  der dialektischen Bewegung   im Sinne einer Rückexplikation (des göttlich Emanierten), einer Aufwärtsbewegung, die sich in der tätigen Entkleidung, in der Entschleierung, im zunehmenden Ausschluß allen  Irrtums als positives Bekenntnis im Sinne einer Findung definiert.
Madame Blavatsky : “Wenn irgendwo, in der Linie des Aufstiegs von der Pflanze oder dem Rädertierchen bis zu dem edelsten Menschen eine Seele entwickelt wurde, begabt mit geistigen Fähigkeiten, so kann es nicht unverständig sein, zu folgern und zu glauben, daß eine Fähigkeit der Wahrnehmung auch im Menschen im Wachsen ist, die ihn mit der Zeit befähigen wird, Tatsachen und Wahrheiten selbst jenseits unseres gewöhnlichen Gesichtskreises zu erschauen. Wir zögern jedoch nicht, die Wahrheit von Biffe s Behauptung anzuerkennen, dass das wesentliche immer dasselbe ist. Ob wir den Marmor, der die Bildsäule im Blocke verbirgt, nach innen zu behauen, oder nach außen hin Stein auf Stein setzen, bis der Tempel vollendet ist, unser neues Ergebnis ist nur eine alte Idee. Die letzte aller ewigen Wahrheiten wird die ihr beigeordnete andere Hälfte in der ersteren selbst finden.”
Bestätigt dieses Zitat auch indirekt die Ewigkeit und Zeitlosigkeit eines Offenbarten, so betont sie jedoch zugleich die Notwendigkeit der tätigen Findung.  Und dies ist ganz gnostisch und platonisch. Die Entscheidung meint hier eine  positive  Bestimmung in der fortwährenden Abscheidung des Falschen.
Diese Haltung  prägt übrigens auch eine exoterische oder politische Implikation: “Jeder Tag bringt die Reaktionäre ihrem Punkte näher, wo sie ihre despotische Autorität über das öffentliche Gewissen niederlegen müssen.” (Madame Blavatski)