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Inhalt – Philosophisches

Postulat

“Die Veränderung der Sinnbedingungen läßt sich wie folgt zusammenfassen: Die Enstehungsphase der Begriffe ‘Säkularisierung’, ‘Religion’ und ‘Moderne’ war dominiert von einer eurozentrischen Perpektive und der Vorstellung von Einheit – damit verbunden Absolutheit und Universalisierbarkeit. Durch zunehmendes Wissen über die globale Heterogenität menschlicher Weltdeutung und Lebensgestaltung, begleitet von einer internen Pluralisierung der europäisch geprägten Gesellschaften und der Internationalisierung wissenschaftlicher Diskurse dominiert dagegen der Eindruck von Vielfalt. In Frage stehen dann ursprünglich hochgesteckte theoretische Ansprüche nach allgemeiner Gültigkeit, Klarheit und Neutralität der Begrifflichkeiten mit der Konsequenz, daß diese sich kontextuell pluralisieren, genealogisch relativieren, Demarkationslinien hybridisieren, hierarchische Unterscheidungen invertieren, daß es nötig wird, teleologische Globalprognosen zu revidieren und die Konzepte schließlich pragmatisch zu prozessualisieren – wenn man am Ende überhaupt noch an ihnen festhalten möchte.”
(Karsten Schmidt)

Fehlt aber der Rekurs auf eine ‘weltökumenische’ und übergreifende wahrlich religiös zu nennende Essenz, dies unter einem von allen geleisteten Verzicht auf die allermeisten ideologisierenden Aspekte institutioneller Religion, geht das eigentlich Religiöse ganz verloren. Ist Religion diversifiziertes Ergebnis oder Ereignis vielfältiger Gesellschaften und Lebensformen und ihrer Belange, wird sie zum lokalen und separaten Ausgestaltungsmodus in einer Tendenz zu Profanität und Eigeninteresse. Religion ohne Bindung an universelle Gesetze und Ansprüche ist ohne spirituelle Autorität, dabei ist es der Geist selber, der bestimmend ist und eben nicht der Mensch und sein Bezogensein in seiner gesellschaftlichen und kulturellen Normierung.
Geistigkeit, hohes Sein, Spiritualität erschließt sich von oben – wandert von oben nach unten ein in sein Medium, in seinen Träger. Angesprochene Pluralisierung indes wirkt perspektivisch und reduktiv auf den Findungsprozeß eines rekursiven Einen.

Zum Gedanken der Einheit oder Einheitlichkeit über die “Konsenstheorie (Einigkeit): Wahrheit ist das, worauf sich eine Gruppe von Menschen unter idealen, vernünftigen Bedingungen einigt.”(Quelle: KI)
Übereinkunft zur Wahrheit, dies unter Auslassung diversifizierender Hinabtransformation ist Voraussetzung zu universeller Hebung.

“Für den spätantiken Philosophen und Begründer des Neuplatonismus, Plotin, ist Wahrheit keine bloße Übereinstimmung von Sprache und Realität, sondern eine ontologische Identität im göttlichen Geist (Nous). Wahre Erkenntnis existiert für ihn nur dort, wo das Denkende (der Geist) und das Gedachte (die platonischen Ideen) absolut eins sind.” (Quelle: KI)

Ohne Wahrheitspostulat keine wirkliche Religion zu einem letzten und höchsten göttlichen Ens-Sein. Die Einlassung von Schmidt vermenschlicht und diversifiziert und reduziert Religion nach unten und denkt sie aus der und in die Defizienz, sie muß aber aus dem Oben aufgenommen und verstanden werden, sonst läge eine Zielumkehr vor. Die zu entschlüsselnde Wahrheit würde sich nach der Unvollständigkeit der mangelhaft Erkennenden ausrichten und sich so selber herabmindern zur Unkenntlichkeit. (Und nur nebenbei gesagt: Genau da stehen wir.)

Vernunft

“Im Humanismus der Renaissance förderte ein neuplatonisches Deutungsschema einen offeneren Blick auf andere Traditionen und auf die Einheit in der Vielfalt, etwa bei Cusanus oder dem florentinischen Humanisten Marsilio Ficino, der Religio umdeutete als ein allen Mensch angeborenes Vernunftvermögen in verschiedener Gestalt. Zunächst nur eine marginale Nebenbedeutung, bestimmte dieser Gedanke im Weiteren wesentlich die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts, mit der Vorstellung einer ‘natürlichen Religion’/Religio Naturalis als Vernunftreligion. Die Assoziation mit Vernunft leitete eine Verinnerlichung und Subjektbezogenheit ein, entgegen dem gebräuchlichen Fokus auf die öffentlichen Vollzüge. Zugleich jedoch geriet Religio/Religion ab der Aufklärung auch immer mehr in Konflikt mit der Vernunft.” (Karsten Schmidt)

Dies aber folgerichtig wegen ihrem vernunftwidrigen und somit obsolet gewordenen Rekurs! Der Verweis auf die Vernunftreligion muß schließlich – vernunftbedingt – die herkömmliche religiöse Überlieferung überwinden. Und es wäre absurd, die Vernunft selber aus dem Fokus der Religion auszuschließen! Es stellt sich seit dem Vernunftpostulat nicht die Frage nach der Interpretierbarkeit der überlieferten Bücher, es stellt sich vielmehr die Frage nach dem Ernst und Wirkungsgrad der Vernunft, nach dem Inhalt und Herkunft und Mechanismen der Kanonisierung jener ihren Beständigkeitsanspruch nicht weiter aufrechterhalten können.

Zum Thema der Vernunft bei Kant:
“Kernbereiche nach Kant
Theoretische Vernunft (Erkenntnis)Funktion: Strebt nach der absoluten Wahrheit und den großen Zusammenhängen.
Problem: Sucht Antworten auf Fragen, die die menschliche Erfahrung übersteigen.
Grenzen: Gott, Seele und die Unendlichkeit der Welt lassen sich damit nicht beweisen.” (Quelle: KI)

Nun soll dies jedoch nicht die Abwehr des Religiösen als solches implizieren! Die Suche nach Antwort beschreibt ja die Überschreitung einer (Erfahrungs-) Grenze – die alleine die Vernunft nicht zu beschreiben fähig ist, denn Vernunft als Signum geistigen Vollzuges soll zur Klärung der Daseinsbedingungen führen, was schließlich ihre Findung als ein Transzendentes meint, was somit erst zur – echten – religiöse Bestimmung erhoben werden kann.
In diesem erweiterten Dasein wird schließlich die Identität von Denken und Sein als eigentliche Vernunftbestimmung offenbar, dies aber meint eine Bestimmung zum – etwa neuplatonischen – Nous (ich nenne dies: das gehobene, feinstoffliche Sein). Man kann somit auch sagen: Diese religiöse Bestimmung per se ist das Resultat menschlicher Daseins-und Vernunftentwicklung. Vorher ist Religion nur aus der Ferne, aus der Erzählung. Die Ferne, gar der Widerspruch der Vernunft zur Religion entsteht nur auf Grundlage der (proklamierten) ontischen Trennung der menschlichen tiefen Disposition und einer absolut inhärenten religiösen Wahrheit, die in globalem Ausmaß noch der Findung unterworfen zu sein hat.

Unvermittelt

Heiner Meulemann: ‘Die Säkularisierung hat in christlichen, nicht aber in muslimischen und hinduistischen/buddhistischen Gesellschaften stattgefunden”

Aufgrund seiner Sterblichkeit unterscheide der Mensch zwischen Diesseits und Jenseits, Immanenz und Transzendenz, worin weitere Fragen enthalten sind nach Ursprung, Ziel und Sinn des Menschen bzw. der Welt. Weiter benennt er fünf ‘Weltanschauungen’ als mögliche Stellungsnahmen zu dieser Frage: Theismus, Deismus, Naturalismus, Existenzialismus und Agnostizismus. Die ersten beiden suchen nach Antworten auf die Frage im Bereich der Transzendenz und meinen damit Indikatoren für Religiosität, die nächsten beiden im Raum der Immanenz, der Agnostizismus lehnt die Möglichkeit einer Antwort überhaupt ab. Menschen die den letzten drei zustimmen, gelten als säkular.

Der empirische Befund mache deutlich: ‘Das Verständnis transzendenter Weltanschauungen als religiöser (Sic) Einstellungen, das für viele Menschen in jüdisch-christlichen Gesellschaften so selbstverständlich ist, wird in nicht vom jüdisch-christlichen Glauben geprägten Gesellschaften nicht geteilt.’
Tatsächlich besteht z.B. eine dominante Tendenz besonders nichtdualistischer Erlösungswege in Indien und Asien darin, die Welt als einen Erfahrungs-oder Bewußtseinsraum anzusprechen und unter dem Heilsziel vor allem eine Bewußtseinsveränderung zu verstehen – weg von einem leidvollen hin zu einem leidfreien Daseinserleben auch schon im Hier und Jetzt…. Die Betonung der Erfahrung führt dazu, das ‘Göttliche’ mit dem angestrebten erlösten (Bewußtseins-) Zustand gleichzusetzen und dabei die Unterscheidung zwischen einem ‘religiösen’ Subjekt und Objekt, bzw. zwischen ‘Immanenz’ und ‘Transzendenz’ als aufgehoben zu betrachten. (Karsten Schmidt)

Wir sprechen für diese Systeme zuletzt vom Prinzip eines Monismus; dieser aber impliziert stets den Selbstvollzug des Einen. Nichts ist ihm außerhalb, auch die ontisch abgestufte Welt nicht, und das eigentliche religiöse Prinzip ist das der Teilhabe des Einzelnen in dieser Welt, der sich nun fortschreitend seinem univoken Inneren und seinem entsprechend evolvierenden Außen annähert.

Meister Eckhart sagt:
“Der ist zwei, der Gott nicht ohne Vermittelndes sieht. Sein Erkennen und sein Sein oder sein Erkennen und das Erkenntnisbild, die werden (bei ihm) niemals zu einem. Nur da sieht man Gott, wo Gott geistig gesehen wird, gänzlich bildlos (= frei von Bildvorstellungen). Da wird Eins Zwei, Zwei ist Eins, Licht und Geist, die Zwei sind eins im Umfangensein vom ewigen Licht.”

Passend lehrt die Upanishad: “Er wird Wasser [‘wogend’] einer, der der Seher, ohne Zweiheit, das ist die Brahma-Welt, König.”

Konkretionen

“Die einzig verfügbare Antwort innerhalb der Viele-Welten-Interpretation besteht darin zu sagen, daß der verschränkte Zustand des Universums vor der Aufspaltung eine kausale Struktur ist, welche die Kraft oder die Disposition enthält, durch Dekohärenz eine Aufspaltung des Universums in viele Zweige hervorzubringen. Es wird uns jedoch nichts über die raumzeitliche Beschaffenheit des verschränkten Zugangs vor der Aufspaltung gesagt: Besteht dieser Zustand aus Objekten, die in der Raumzeit verschmiert sind und die anläßlich von Dekohärenz sich so aufspalten, daß sie jeweils einen der definiten numerischen Werte ihrer dynamischen Eigenschaften in einem Zweig des Universums haben?”
(Michael Esfeld)

Ich betrachte solche Aufspaltungen als eine Differenzierung in die Möglichkeiten der Verwirklichung durch Ansicht (Beobachtung, Messung). Die Möglichkeit zur Welt-Konkretion begründet sich dabei in der gehirnlichen Verarbeitung, Dekohärenz geschähe so im perzeptiven Abgriff. Carlos Castaneda spricht in diesem Zusammenhang – nun aus schamanischer Warte – von einem Montagepunkt, der durch Abgriff aus endlosen Informationsströmen oder -strängen verstetigte Ansicht (sprich Welt) erzeugt. Die kleinste Verschiebung des Abgriffspunktes ist zugleich der Beginn einer anderen Welt. Diese Welten aber sind nur insofern verwirklicht, so es eben zum Kollaps der Wellenfunktion in einem System der Makro-Welt kommt, das zugleich beschreibend tätig wird. Dies meint die Bedingtheit jener anderen Welten primär als hypothetisch, die so in der reinen Möglichkeit verharren. Eine einzige Person lebt daher nicht gerade wahllos gleichzeitig in vielen Welten, sondern eher in ihrem Radius perzeptiver Verwirklichung, dies auch durchaus in parallelen Entitäten. Man kann auch sagen: Sie ist überhaupt (oder immer) dort Person, wo ihre ihr selbst vorangehende Perzeption affizierend wirksam ist. Dies aber wird bestimmt durch die präpositionelle Disposition, also durch geistige Intentionen aus höherer transpersonaler Sichtweise; die makroskopische Ansicht indes meint zuletzt nicht weniger als Schaffung der Realität(en) in der Begrenzung durch Intention. Realitäten können dabei endlos variant gestaltet sein und bilden so intentionale, pluralistische Felder, die ontisch ihrer Bedeutung nach Vorrang vor den sie erblickenden Entitäten haben; die verschiedenen geistigen Intentionen drängen zwar in diese, sie sind aber lediglich Relata der intentionsgebenden Macht. Hierin bilden sie bei allen Verschiedenheiten in einem Seinstrang oder auch in parallelen Existenzen in ihrem Tiefsten wiederum eine kohärente Entität.

Absolute Bedingtheit

“Ist die Raumzeit nur eine Arena, in der Felder und Teilchen als ‘physikalische’ und ‘fremde’ Entitäten herumtollen? Oder ist das vierdimensionale Kontinuum alles, was es gibt? Ist gekrümmte leere Geometrie eine Art magisches Baumaterial, aus dem alles andere in der physikalischen Welt aufgebaut ist: (1) langsame Krümmung in einer Region des Raumes beschreibt ein Gravitationsfeld; (2) eine gewellte Geometrie mit einer anderen Art von Krümmung irgendwo anders beschreibt ein elektromagnetisches Feld; (3)eine verknotete Region starker Krümmung beschreibt eine Konzentration von Ladung und Masse-Energie, die sich wie ein Teilchen bewegt? Sind Felder und Teilchen fremde Entitäten, eingebettet in einer Geometrie, oder sind sie nichts anderes als Geometrie” (J.A. Wheeler)

“Teilchen sind stark konzentrierte Energiepakete in diesen Feldern.”
“Topologische Defekte: Manche Modelle sehen Teilchen als Knoten oder Verdrehungen (Topologie) in der Geometrie des Raumes.” (Quelle: KI)

Wenn alles Körperhafte die Geometrie auch selber ist, wird deutlicher, daß – so man die Wahrnehmung als konstitutiv zur Weltenbildung erachtet – jene eben alles wie im Handstreich konstruieren bzw. manifestieren und wiederum dekonstruieren könnte. Nahtod-Erlebnisse geben gerade hierüber Aufschluß: Sie sprechen ja im Besonderen über die absolute Flüchtigkeit und Bedingtheit von Welt als (nun gemindert wahrgenommene) und im Handumdrehen aufhebbare Realität.
Die totale Potenz indes ist höherrangig, sie ist vor der Raumzeit, sie ist Präposition und verweilt in sich selbst und bedarf nur in der Art der Verwirklichung, als sie Intentionen hat, sich ineinander abzugrenzen.
Der Überschlag in eine ontische Andersheit scheint indes näher, wenn der Wahrnehmende mit einem Einzigen aus einer einheitsbildenden Geometrie konfrontiert ist, die er selber abändern kann, da etwas, was sich lokal durch Relata bestimmt zeigt, eben durch Entzug des Relationssystems in toto entwirklicht wird. Eine Änderung bedingt die Änderung des Ganzen.

Plotin spricht von einem Rückzug des Denkens aus der Vielheit seines Gedachten in eine neue Einheitsdimension von seinsspezifischer Andersheit.
Dies kann auch so beschrieben werden: Die Gesamtheit des Sichtbaren als einer Bewegung wird aufgehoben, ist aufhebbar allein durch den Geist, dies dabei aber nicht im Sinne einer Nichtung, sondern im Sinne einer Komplettierung zur präpositionellen Potenz. Die ganze Weltansicht indes (bei aller Majestät und undurchdringlichen Größe) meint eine einzige Bedingtheit, die sich ontisch mit einem einzigen Fingerzeig verwandeln läßt – und dies ist das Mysterium.

In Relationen

“Der Strukturrealismus zieht die Konsequenz aus der Tatsache, daß in der Allgemeinen Relativitätstheorie (und der Quantenmechanik) keine intrinsisch individuierten Gegenstände vorkommen, also weder Gegenstände mit primitiver Identität noch solche, die durch intrinsische qualitative Eigenschaften individuiert sind.”
“Im Besonderen können nach dieser von Esfeld und Lam als moderater Strukturrealismus bezeichneten Position Raumzeitpunkte in der Allgemeinen Relativitätstheorie nicht unabhängig von der Metrik individuiert werden, sie besitzen keine intrinsischen Eigenschaften, die über die Instantiierung metrischer Relationen hinausgehen; auf der anderen Seite aber können die metrischen Relationen nicht ohne ihre Relata, die Raumzeitpunkte, existieren. Esfeld und Lam haben diese Position kürzlich zu einem moderaten ontischen Strukturrealismus modifiziert, nach der die ontische Unterscheidung von Eigenschaften und Relationen auf der einen und Objekten auf der anderen Seite hinfällig werden soll. Nach dieser Sicht stellen beispielsweise metrische Relationen die Art und Weise dar, in der Raumzeitpunkte existeren – die Notwendigkeit, sie mit Hilfe dieser Relationen zu ‘konstruieren’, würde dann entfallen.” (Andreas Bartels)


Alles ist Relation.
Dies bietet die Assoziation zum Thema der Synchronizität. Alles ist in der Raummetrik verknüpft und ist dabei auch sie selbst, da es ausschließlich sich zu sich selber verhaltende Relata gibt, die zugleich die Metrik wie auch Raumzeitpunkte konstituieren (ja sind). Man denke hier an Gedanken aus dem Buddhistischen zur Illusion des Raumes durch Beziehungen, die sich gegenseitig stützen und bedingen. “Alles greift ineinander. Wenn sich eine Bedingung ändert, ändert sich das ganze Resultat.”. “Im Buddhismus entsteht alles durch ein Netz aus Bedingungen und Ursachen. Nichts existiert für sich allein oder hat einen festen, unabhängigen Kern.” (Quelle: KI) Die einzelnen Raumzeitpunkte und Objekte sind zwar objektiv zugegen, jedoch handelt es sich ‘lediglich’ um eine Ansicht der totalen Korrelation von allem mit allem als einziger substanzieller Daseinsheit aus einem Einzigen. Dies erklärt auch die uneinsehbare Kausalität der Synchronizität: Sie ist eben Schema und ‘tätige Bewegtheit’ einer umfassenden Metrik,und bei weitem nicht Vorgang der Person (allein), die sie wahrnimmt. Die Wahrnehmung basiert vielmehr auf einer Ver-Ichlichung einer Komplexität, die so nicht dem Ich als Isoliertes gehört oder zukommt.
Ebenfalls aber scheint seelische Gravität im einzelnen Ens in der Lage, Kausalitäten zu formen. Schwerkraft, Gravitation korelliert dann wörtlich mit der (feinstofflichen) Gravitationskraft einer Person. Die Relata sind eben nicht einfach gleichberechtigt! Hierzu eine passende Äußerung von Albertus Magnus : “…fand ich, daß (wirklich) die Emotionalität (affectio) der menschlichen Seele die Hauptwurzel all dieser” (synchronistischen) “Dinge ist, sei es entweder, daß sie wegen ihrer großen Emotion ihren Körper und andere Dinge, wonach sie tendiert, verändert, oder daß ihr, wegen ihrer Würde, die anderen, niedrigeren Dinge untertan sind,”

Plotin: “Die denkende Wirksamkeit des Geistes ist das Wirklichsein des Seienden.”

Oder: Je wirklicher der Mensch wird, desto wirksamer ist seine allverbundene und allverbindende Realität als Eines.

Durchwirkung des Unerklärten

“Aus systemtheoretischer Perspektive deutet Luhmann deshalb Religionen als Teil eines globalen Funktionssystems, das in allen Gesellschaften der Welt einen Code zur Verarbeitung des Verhältnisses von Transzendenz und Immanenz bereitstellt und damit Einfluß auf die Weltgesellschaft nimmt.” (Michael Reder)

Geht es dem Menschen nicht aus sich um Durchwirkung des Unerklärten, um die Aneignung von Unerkanntem, und bezeugt diese Intention nicht, daß er bereits aus sich in Autarkie eine Transzendenz-Bestimmung im Hier vornimmt, vorzunehmen hat?
Es scheint doch, daß die Bearbeitung dieses Notwendigen aus sich heraus, eben als einzige unumstößliche Notwendigkeit erkannt, des Menschen tiefster Anlage folgt. Entsprechend ist es nicht die Religion – sie kennt schlicht nicht genau genug die zielführenden Definitionen von Transzendenz und Immanenz – , die hier ein Verhältnis klärt, eher verhindert sie ja gerade die Entschlüsselung der Daseinsfrage durch ontische Entrückung des Transzendenzprinzips in eine nebulöse Sphäre, die dem Menschen als Teilhabe mit einem Verdikt belegt ist, sie verhindert, daß überhaupt Immanenz als transzendenzgeleerte, aber zur Transzendenz strebende Substanzialität erkannt und ihres ureigenen drängenden Wesens gemäß zur Wahrnehmung kommen kann oder darf.

Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus: “Das Vernehmen des Nous ist das originäre Hinnehmen der Seinsverfassung des Noetischen, freilich nicht im Sinne eines subjektivistischen Idealismus, wonach das Denken das Sein des Seienden selbst setzt, sondern im Sinne der im Noein unmittelbaren Gegenwärtigkeit des Seienden in seiner mit Selbstevidenz sich bezeugenden Verfassung.”

Religion kapriziert sich in ihrer Unterlassung ontologischer Fragen auf weltliche Intentionen – die ursächlich zwar aus einer noussphärischen Ontologie ableitbar sind – und dies meint dann moralische Belange. Zwar lassen diese sich wieder ‘zurück-erweitern’ zu ihrer ersten Grundverursachung, jedoch fragen die Religionen nicht genügend nach der Verbindung von Subjekt und Objekt, vom inneren Verhältnis der Entitäten in ihrer Selbst-Referenz zur Objektivierung einer hohen und eigenen Bestimmung. Diese Unterlassung aber verhindert den Ausgang aus der Hiesigkeit, lebenspraktisch diskreditiert sie vielmehr tatsächlichen (noussphärischen )Teilhabe – eigenes Erleben jener Art wird vielmehr als Aberglaube verworfen.
Und zur “Weltgesellschaft”: In dieser hier nur angerissenen Fehl-Bestimmung residiert sie im Immanenten ohne richtige Verortung zum Ziel selbst, das unabhängig von ihr besteht, und scheitert so an ihren mannigfaltigen Distraktionen – die ja gerade auch durch die Absolutheitsansprüche dogmatisierter Systeme befördert werden.

Transpositivität

“Mag nämlich die von Tine Stein diagnostizierte und postulierte Offenheit (des Staates) zur Transzendenz mit der von ihr ebenfalls bejahten Säkularität des Staates auch vereinbar sein, so dürfte dies in dem Moment doch nicht mehr der Fall sein, wo statt Offenheit – etwa unter Berufung auf die in der Verfassung zu findende Invocatio oder Nominatio Dei – Angewiesenheit postuliert wird. Die meisten Autorinnen und Autoren stehen deshalb auch einer solch weitreichenden Lesart der Böckenförde-These skeptisch gegenüber und vertrauen, sofern sie nicht ohnehin Rechtspositivist/innen sind, darauf, daß die transpositiven Voraussetzungen des Rechtstaates sich mit den Mitteln der Philosophie zumindest ebenso gut begründen lassen wie mit denen der Theologie.” (Stefan Grotefeld)

Eine Begründung transpositiver Voraussetzungen findet sich schon allein aus dem innerem Impetus des Menschen, gemäß etwa des Diktums von Immanuel Kant:
“Das moralische Gesetz: Kant meint damit kein äußeres, von Staaten oder Religionen geschriebenes Gesetz, sondern unser angeborenes, universelles Gewissen – den sogenannten Kategorischen Imperativ” (KI)
Tiefliegend und letztbestimmend hierzu sehe ich das Das Gute bei Platon an.” Für Platon ist das „Gute“ (die Idee des Guten) das allerhöchste Prinzip. Es steht an der Spitze seiner Ideenlehre und ist die Ursache für alles Sein, für Wahrheit und für die Erkennbarkeit der Welt. Wie die Sonne das Sehen ermöglicht, so ermöglicht das Gute die wahre Erkenntnis.” (KI)

Was transpositiv meint, ist eigentlich errungen durch Einsichtigkeit des entwicklungsfähigen Einzelnen im Einen aus seiner inneren Notwendigkeit. Es bedarf nicht extra eines jenseitigen Ens – in dogmatisierter und bald profanisierter Vermittlung -um eine übernatürlich grundierte Wegweisung. Vielmehr muß diese Verortung aus sich selbst vernommen und entwickelt sein. Was nämlich aus Gottesfurcht befolgt wird, das ist noch lange nicht dem eigenen Wesen inhärent, gereicht daher nicht zur transzendenten Bestimmung.
Unumgänglich ist vielmehr die Teilhabe. Das Wissen wird aus der Quelle selbst und autark erlangt und ist unvermittelt. Man kann auch sagen: Das eine Ens ist somit im Vollzug der Subjekte. Die Summe (umrissener, eingehegter) Subjekte kann ein Staatsvolk ausmachen, das aus sich moralisch ist oder zur Moral drängt. Eine Weltgemeinschaft dieser Art ist indes in utopischer Ferne und verbietet jede Erzwingung zu diesem Zweck, eben weil alles Gültige nur aus innerem Sein, aus innerer Bereitschaft vollführt werden kann.

Religiöse Orientierung

“In der soziologischen Forschung wird außerdem diskutiert, wie sich die Ausdifferenzierung des religiösen Feldes auf die Vitalität von Religionen insgesamt auswirkt. Detlef Pollak beispielsweise ist vor dem Hintergrund seiner Forschungen zur Säkularisierung in westlichen Gesellschaften skeptisch gegenüber dieser These und betont, daß ‘die Effekte religiöser und kultureller Pluralisierung auf das religiöse Feld… überwiegend eher negativ zu sein’ scheinen.
Wenn sich religiöse Vorstellungen vervielfältigen, verlieren sie auch ihre Orientierungsfunktion, wodurch die Bedeutung der Religion tendenziell eher abnehme. Auch wenn diese These für Europa zutreffen mag, so ist allerdings fraglich, ob sie auch mit Blick auf nichteuropäische Regionen richtig ist.” ((Michael Reder)

Institutionelle Religion bietet ja eben hinterfragenswerte Orientierung, denn sie verweist nicht auf den Selbstvollzug der Seele zur Transzendenz, somit wird Religion vielmehr zum Hinderungsgrund teilhabender Spiritualität. Die Pluralisierung der Ansichten wird dann indes nicht die Verstetigung widerstreitender Konzepte und ganz allgemein eine Minderung meinen, sondern bietet nun eher Allen die Möglichkeit einer Hinwendung zum geistigen Selbstvollzug. Es ist nun Möglichkeit des Einzelnen, aus sich heraus Bezug zum Transzendenten zur Empfindung zu machen und hieraus ‘sakrale’ Entwicklungen zu initiieren, nur so kann einst eine Summenbildung zu einer kollektiven Erkenntnisfunktion voranschreiten. Diese manifestiert sich insofern, als sie verbindend und dabei aber entweltlichend wirkt in einem Blickwinkel, der zur Erhöhung drängt, man kann dann auch sagen, die Welt wird in kollektiver Durchdringung als überwindenswert (erst lebenspraktisch erträglicher) ausgestaltet und -utopisch besehen – einst transformiert zu Formen nun immanenter Welt-Apriorien. Dies aber ist eine Frage der Sicht und Perzeption von Superpositionen und ihren Ausformungen durch geistgebende Prozesse, betrachtet in langen Zeiträumen.
Volkmann-Schluck sagt über den Neuplatonismus:
“Die Seele, die bei ihrem Rückzug im Vollzug der Selbstbesinnung auf die in sich geeinigte Ganzheit des Nous blickt, darf daher nichts mitnehmen von Vorstellungen aus der zerstreuten Sinnessphäre, die zerstreuend ist. Erst im Geist wird der Bezirk erreicht, von dem aus das schlechthin ungegenständliche Sein des Einen zugänglich wird. Sein Innewerden zwingt zum Rückzug des Denkens aus der Vielheit seines Gedachten in eine neue Einheitsdimension von seinsspezifischer Andersheit.”

Zwar kann Religion diejenige Instanz sein, die überhaupt eine “seinsspezifische Andersheit” für die Menge ins Spiel bringt und damit entscheidend beiträgt, die Welt in ihrer Profanität zu relativieren, im zweiten Schritt aber muß diese Aussicht mit vitalen Vollzügen einhergehen, und nur im Vollzug der Seele zu ihrer Ursächlichkeit und Einsheit ist überhaupt Vitalität, nur die Seele kann als aktives Agens ‘Werk’ vollbringen.

Transformation des Religiösen

“Im Zuge dieser Veränderungen im Bereich der institutionalisierten Religionsgemeinschaften ist zweitens eine facettenreiche Transformation des Religiösen zu beobachten, denn religiöse Symbole und Sprachspiele wurden in den vergangenen Jahrzehnten in viele andere Bereiche übertragen. Weltweit finden sich Anleihen bei religiösen Traditionen, wie ein Blick auf das Leben vieler Gesellschaften oder die pseudo-religiöse Inszenierung politischer Ereignisse oder Musikevents zeigt. Gerade dadurch entstehen im transformierten religiösen Feld neue Varianten von Religiösität. Aus dieser Perspektive läßt sich das Verdunsten der traditionellen Religion genauso beobachten wie ihre Transformation in globale Populärkultur oder neue Livestyle-Formen. Die Adaption buddhistischer Elemente in den globalen Esoterikmarkt ist in dieser Hinsicht nicht nur ein europäisches Phänomen. Die semantischen und symbolischen Potenziale der Religionen prägen im Zuge dieser Transformationen kulturelles Leben der Weltgesellschaft, ohne aber dezidiert als Religion wahrnehmbar zu sein. Dies gilt für viele Länder weltweit, in denen sich unterschiedliche Mischformen kultureller Religiosität herausgebildet haben.” (Michael Reder)


Prinzipiell geht es im eigentlich religiösen (besser: spirituellen) Vollzug um die Immanentisierung wahrer, aber unentfalteter intrinsischer Verhalte, die zur Verwirklichung drängen.
Der Buddhismus indes wurde explizit zum europäischen und nordamerikanischen Interesse. Hier scheint kulturell bedingt eine gegebene Empfänglichkeit zum Idealismus angelegt zu sein.
‘Zur Esoterik’ läßt sich sagen: Sie wird oft im Kontext von Verflachung oder gar betrügerischer Absicht genannt. Zu welcher Tiefe sind aber je die konditioniert-unreflektiert Gläubigen hergebrachter Religion vorgedrungen, geschweige denn zu welcher (ethischen) Konsequenz in ihrem alltäglichen Sein und Handeln? Und wurde nicht allzeit institutionell wie individuell betrogen?
Auch in der Minderung des Esoterischen zum massenkompatiblen Gestus ist noch Hebung verortbar, nämlich dann, wenn durch Mikro-Transzendenzen Resonanzen des Menschen mit seiner inneren und ‘sakralen’ Anlage erzeugt werden können. Die Verbindung mit dogmatisierten Schriften der institutionellen Religionen indes muß künstlich und aufgesetzt erscheinen, da jene als entfernte Kolportage außerhalb des Unmittelbarkeits-Radius nicht mit dem transzendenten Gestus der Seele selber resonieren können. Gegenwärtigkeit und Unmittelbarkeit erst ermöglichen Näherung zum Selbstprinzip und (s)einem überraumzeitlichen Habitus.
Immanentisierungen sogenannter Mikro-Transzendenzen, die gerade von kirchlich-institutioneller Seite als pseudoreligiös bezeichnet werden, können hingegen Hinweise auf Selbstvollzüge echter Rückbindung aus dem Gegenwärtigen verkörpern, die eben aus sich selbst heraus wesenhaft zur Entfaltung zu streben haben.