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Inhalt – Philosophisches

Parallele Welten, buddhistisch

Unter dem Begriff des Chiliokosmos  im Buddhismus kommt es zu einer erstaunlichen, frühen Vorwegnahme aktueller  Proklamationen möglicher  paralleler Welten in der Naturwissenschaft.
G. Coleman: “Nach der traditionellen Kosmologie des indischen Buddhismus bildet die Welt der vier Kontinente, die den Berg Sumeru umgeben, wenn man sie eintausend mal multipliziert, einen Chiliokosmos paralleler Welten. Wird der Chiliokosmos eintausendmal multipliziert, bildet er den größeren Dichiliokosmos, der wiederum eintausend mal multipliziert den noch größeren Trichiliokosmos bildet. Diese Evolution sich ausdehnender Welten geht schrittweise weiter, bis eine unvorstellbar großé Zahl multipler Welten erreicht ist, in denen ein einziger höchster Buddha-Körper der Emanation gleichzeitig seine Wirkung entfaltet.”

“Im Zusammenhang mit der Interpretation der Quantenmechanik führte Andy Nimmo im Dezember 1960 und Februar 1961 in einem Vortrag…den Begriff des Multiversums ein. Nach seiner Wortverwendung ist ein Multiversum ‘ein [unserer Beobachtung] manifestes Universum, wovon eine Vielzahl das gesamte Universum ausmachen’. Im Kontext von Interpretationen der Quantenmechanik verwendete den Ausdruck Multiversum z. B. David Deutsch, allerdings in der Bedeutung der unendlichen Gesamtheit aller physikalisch möglichen Aufteilungen der Realität in lokale physikalische Systeme. Hier bezeichnet der Ausdruck ‘Multiversum’ also ungefähr das, was Nimmo ‘gesamtes Universum’ nennt. Deutsch schlug vor, die Struktur des ‘Multiversums’ mittels der Quanteninformation zu erklären, in Analogie zu den unendlich vielen Möglichkeiten innerhalb der allgemeinen Relativitätstheorie, die Raumzeit auf Hyperflächen zu beziehen. ” (Wikipedia)

Eternalistische Seele

G. Coleman: “Im allgemeinen buddhistischen Gebrauch bezieht sich der Begriff ‘Eternalist’ auf die vier sogenannten eternalistischen Schulen im alten Indien, nämlich den Samkhya, den Vishnuismus, den Shivaismus und den Jainismus, welche die Existenz eines unabhängigen Selbst oder einer Seele (atman) postulieren. Im Gegensatz dazu identifizieren die buddhistischen Schulen das Selbst (oder Ich) in Begriffen der fünf psycho-physischen Aggregate (wie Empfindung, Wahrnehmung, …Neigung) und akzeptieren deshalb keine Vorstellung eines Selbst als einer ewigen, unveränderlichen und unabhängigen existierenden Entität. Eternalismus ebenso wie Nihilismus gelten im Buddhismus als die beiden extremen Ansichten, die man vermeiden sollte, wenn man auf dem mittleren Weg Einsicht in die Leere, die wahre Natur der Wirklichkeit, sucht.”
 
Das Selbst als Hervorbringung (der Raumzeitlichkeit) muß nach meiner Meinung einer tieferen Herleitung folgen als in dieser Konzeption angedeutet.  Die Aggregate, auch als  “Gruppen der Anhaftung” (Sanskrit: Skandhas) benannt,   bzw. deren innere und auf Wechselseitigkeit beruhende Kausalitäten betrachte ich nicht  als wesenhaft konstitutiv, denn zwar konstituieren sie die Verfassung des Selbst, nicht aber das eigentlich Substanzielle des Selbst.  Die menschliche Persönlichkeit kann zwar recht zureichend durch diese Daseinsfaktoren beschrieben werden, jedoch offenbart sich so ein zu sehr auf die Hiesigkeit gerichteter, zuletzt unzureichender  Blickwinkel, der die wesenhaft transzendente Disposition  des höheren, des tatsächlichen Selbst  nicht ausreichend beleuchtet.  Viel eher ist etwas zu denken, was sich  nicht  in Wahrnehmungsfaktoren auflösen läßt und daher substanziell mehr Sein und Beständigkeit hat als die Form des Selbst selber – nämlich ein im Bewußtsein wirkender apriorischer Grund , ein Über- oder Anders-Sein einer apriorischen Wahrheit oder Entität , was in dieser  höheren Form also substanziell geistig gemeint ist und als erschaffendes Prinzip im Sinne von atman benannt werden könnte. Ohne diese Herleitung fehlt dem Konzept der Skandhas der ursächliche Impetus, der Impuls, überhaupt Faktoren und Bedingtheiten darzustellen.
Für den Neuplatonismus sei hier Plotin angeführt: “…so ist die Seele selbst der ausgesprochene Gedanke des Geistes, die ganze Wirkungs-und Lebenskraft, die er ausströmt, um ein anderes zur Existenz zu bringen.”
“Da also de Seele vom Geist stammt, ist sie nur geisthaft, ihr Geist bewegt sich in Überlegungen, ihre Vollendung erhält sie erst wieder vom Geist, der gleichsam wie ein Vater den Sohn aufzieht, den er als ein im Verhältnis zu ihm noch Unvollkommenes gezeigt hat. So kommt also der Seele die Existenz vom Geist.  … denn es ist nichts zwischen ihnen (Geist und Seele) als die Andersheit, diese jedoch besteht nur in dem Sinne daß die Seele die nächste Stufe und der aufnehmende Stoff ist, der Geist aber die Form; und selbst diese Materie des Geistes ist noch schön, da sie geisthaft und einfach ist.”

Buddha-Natur, Meister Eckhart

G. Coleman: “Buddha-Natur:  Der Same der Erleuchtung, der dem mentalen Kontinuum aller fühlenden Wesen inhärent ist. Es ist dieses Potenzial, das es jedem Individuum möglich macht, die endgültige Natur zu realisieren, vorausgesetzt, daß es die geeigneten Mittel anwendet. Die Vorstellung von der Buddha-Natur ist eng verknüpft mit dem buddhistischen Konzept des wahren Wesens oder der essenziellen Natur des Geistes, die aus der Sicht des Buddhismus als rein, wissend und leuchtend betrachtet wird.”
An dieser Stelle  sei wegen ihrem Gleichklang eine Zielvorstellung der Theologie von Cusanus genannt, nämlich “Die lichthafte, wissende Erfahrung des Grundes.” (Beierwaltes)
Weiter Coleman: “Unstimmige Geisteszustände wie Anhaften, Verblendung (aus der Subjekt- Objekt – Dichotomie” (zwei Teilen also, die einander ohne Schnittmenge gegenüberstehen. / Siehe hierzu das Gott-Mensch Verhältnis im Theismus!) “entstandene Verwirrung…die unseren Geist ständig heimsuchen  und Leiden hervorrufen, sind keine essenziellen Bestandteile des Geistes, sondern hinzukommende und konditionierte Neigungen. Außerdem wurzeln diese unstimmigen Geisteszustände in einer Geistesverfassung der Unwissenheit, die zu einer Fehlwahrnehmung des wahren Wesens der Wirklichkeit führt. Wenn man unverfälschte Einsicht in das wahre Wesen der Wirklichkeit gewinnt, lassen sich Mißverständnisse deshalb auflösen, wodurch die Wurzel all unserer unstimmigen Geisteszustände abgeschnitten wird, sodaß die Buddha-Natur in unserem Inneren sich manifestieren kann. “
Meister Eckart sagt nichts anderes (in seiner kulturell vorgegebenen Diktion), indem er einen ausschließlichen Fokus auf die Prädominanz eben dieses Substanziellen im Menschen richtet (angelegt im Seelenfunken), dies hat ihm alleinige Bedeutung, alleiniges Sein, abzüglich aller Erscheinungen und Zusätze, ja Hypostasen (‘…was die Sinne hinausgetragen haben’), die jene Substanz nur verstellen können: “In jenem Sein Gottes nämlich, wo Gott über allem Sein und über aller Unterschiedenheit ist, dort war ich selber, da wollte ich mich selber und erkannte ich mich selber. Darum bin ich die Urache meiner selbst meinem Sein nach, das ewig ist. “
Und: “Darum bitten wir Gott, daß wir Gottes ledig werden und daß wir die Wahrheit dort erfassen und ewiglich geniessen, wo die obersten Engel und die Fliege und die Seele gleich sind, dort, wo ich stand und wollte, was ich war, und war, was ich wollte.”
“Denn wo der Vater den Sohn gebiert, da ist ein gegenwärtiges Nun.”
Noch einmal Coleman: “… sodaß die Buddha-Natur in unserem Inneren sich manifestieren kann.”

Kontinuum (Tantra)

G. Coleman: “Das Sanskrit-Wort Tantra bedeutet wörtlich Kontinuum oder ‘ununterbrochener Fluss’, der von grundlegender Unwissenheit zur Erleuchtung fliesst. Der Begriff steht für die Kontinua von Grund, Pfad und Resultat. Durch das Kontinuum des Pfades wird das ursprünglich gegenwärtige Kontinuum des Grundes verwirklicht oder vollständig als das Kontinuum des Resultates manifestiert. Da das Tantra fortgeschrittene Techniken umfasst, die es erlauben, unstimmige Geisteszustände wie Begehren, Anhaften und Hass, Abneigung ohne Abkehr, Entsagung oder Zurückweisung in Zustände der Verwirklichung umzuwandeln (Einsicht in das geistige Kontinuum und dessen Umwandlung [zum erleuchteten Zustand]) , kann der Praktizierende ein ununterbrochenes Kontinuum zwischen seinem anfänglich gewöhnlichen Geist, dem fortgeschrittenen Geist auf dem Pfad und dem sich als Resultat ergebenen vollkommenen Erleuchteten Geist des Buddha kultivieren. Sechs Klassen repräsentieren Stadien der immer weiter abnehmenden Betonung von äußeren Ritualen und der immer weiter zunehmenden Subtilität der inneren Meditation.”
In dem Kontext sei hier ein auf den ersten Blick überraschend wirkender Sprung zu Nikolaus von Kues getan: Er entwirft ein System von Handreichungen, “für einen im Sinnlichen anfangenden Rückgang ins Intelligible.” (W.Beierwaltes) Zugrunde liegt hier ebenfalls eine Zusammenführung von Immanenz- und Transzendenzgedanken, und dies offensichtlich als cusanische Reminiszenz an Meister Eckhart bezüglich  der Befähigung des Menschen zur “lichthaften, wissenden Erfahrung des Grundes.” (Cusanus)
Cusanus: “Nach dem sinnlichen Bilde gedenke ich euch, geliebte Brüder! auf dem Weg frommer Betrachtung in das Gebiet der mystischen Theologie zu erheben.”
Die tantrische Prämisse ist also gerade auch außerhalb eines sich intitutionalisierenden Sakral-Bezuges zu denken und so vollständig auf das ganze eigene Sein, somit auf einen  allezeit und alltäglich manifesten Zustand übertragbar. An Stelle des Rituals setze man tägliches  und stetiges Gewahrsein und begreife so alle Handlungen und Abläufe und Szenarien ihrer Eigentlichkeit nach als Transmissions-Faktoren zu einer fortschreitenden Erkenntnis immanenter Substanzialität (des Höheren). Hierbei geschieht auch eine Überschreitung des diskursiven Intellektes  (ohne diesen aber aufzuheben), denn solche Durchdringung meint vor allem auch  lebenspraktischen Vollzug (im Aufstieg) zu dem, was ‘hinter dem Geist‘ ist, zu dem in seiner Wesenheit ganz den Geist Übersteigenden und so zur Erfahrbarkeit  der diesem eigenen (prinzipiell unverkündbaren) Subtilität. Hierin liegt zuletzt die Aufforderung zu einer Angleichung, einer Gleichwerdung mit dem Immanenten  in seiner Hiesigkeit und Verfügbarkeit als transzendente Gabe.
Gerade in diesem Sinne erlangt also der Begriff vom ‘Kontinuum’ erst seine eigentliche Bedeutungstiefe. Das gesamte Dasein wird von jener beschriebenen Durchdringung erfasst und durchwirkt, so daß schließlich nichts außerhalb ihm verbleibt.

Substanz und Eidos

G. Coleman: “Leere, die endgültige Natur der Wirklichkeit. Nach der Madhyamaka-Schule ist Leere die totale Abwesenheit von innewohnender Existenz und von Selbst-Identität in Hinsicht auf sämtliche Phänomene. Zu ihren Synonymen gehören Endgültige Wahrheit, Wahre Wirklichkeit und Soheit. Nach dieser Sicht ermangeln alle Dinge und Ereignisse, sowohl äußere als auch innere, jeglicher unabhängigen wesenhaften Wirklichkeit, die ihre Essenz konstituieren würde. Von keinem dieser Dinge kann man sagen, dass es unabhängig von dem komplexen Netzwerk von Faktoren, die zu seiner Entstehung führen, existiert. Ferner sind diese Phänomene auch nicht unabhängig von den kognitiven Prozessen und begrifflichen Benennungen (mentalen Konstrukten), die den konventionellen Rahmen bilden, innerhalb dessen ihre Identität und Existenz postuliert wird.  Es ist unsere tief verwurzelte Neigung, uns die Dinge als an sich materiell existierend vorzustellen, die uns dazu konditioniert und treibt, eine substanzielle Realität der Dinge und unserer eigenen Existenz wahrzunehmen und danach zu greifen.”

Wikipedia zur Madhyamaka-Schule: “Die Welt und ihre Erscheinungen sind nicht, da sie immer nur aus verursachenden und selbst wesenlosen Bedingungen oder Voraussetzungen hervorgehen und folglich kein eigenständiges Sein in sich tragen. Die Dinge sind ohne Eigennatur (ohne inhärente Existenz) (svabhavata); sie sind letztlich leer (śūnya). Die Leere (śūnyatā) ist aber kein Nichts, denn ein angenommenes Nichts wäre ja auch ein Etwas und somit als ein Sein zu qualifizieren. Somit gibt es weder Sein noch Nichtsein, sondern nur die allen Phänomenen zugrunde liegende Leerheit.”  

 Aus Kausalketten (von Faktoren) gebildete Wirklichkeit kann sich meines Erachtens indes nicht aus sich selbst bedingen.  Ihr Wesen ist vielmehr die Explikation vom Geist, ohne die sie nämlich schlicht keinen Impetus zur Form und Existenz besitzt. Denn was sich selbst konstituiert ist nicht gleichzeitig agens der Ebene der konstituierenden Umstände,  gegenseitiges Bedingen wäre sonst rein Zufälliges und So-Zustandegekommenes, das sich nicht selbst überschaut und im Konstituiertsein kein Selbst oder Wesenhaftes im Sinne einer Essenz (eines Sinnes) hat,  das demnach erst in der Interpretation zu Sinnhaftem erhöht würde, tatsächlich also als nach dem anthropischen Prinzip zu Sinn interpretierter  Zufall zu bezeichnen wäre. Oder anders: Es sei hierzu folgende Frage in den Raum zu stellen: Hat etwas Sinn, weil es ist, oder ist vielmehr etwas, weil es Sinn hat?  Eher ist von einer  Hierarchie der Existenz und ihrer inneren Substanzialität auszugehen (auch ein Bild hat Substanz, nämlich von seinem Impetus her) und so von einem der Kausalitäten hierarchisch beigeordneten apriorischen Sinn (zumal im Monismus, in dem sich schlicht keine Herkunft verleugnen läßt!), der der  Explikation als Anlage zu Grunde liegen muß.  Diese wesenhafte Wirklichkeit ist die Idee. Daß ihre Existenz tatsächlich wiederum in eine ‘Leere’ (im Sinne der Bestimmung einer negativen Theologie) rücküberführbar ist,  ändert schließlich nichts an ihrer konstituierenden Position für die Erscheinungswelt.

Karma und Physiologie

Folgendes Zitat aus  einem Kommentar zum Tibetischen Totenbuch bietet eine Erklärung der Wirksamkeit von Karma, welches auf die subtile Energie- und Geist-Ebene im Körper zugreift. So wird eine Schnittstelle von Tat bzw. ihrer psychischen Implikation sowie von Haltung und somatischer Ebene vorausgesetzt, also auf  eine  psychosomatische  Auswirkung der  Implikation des Handelns – und so zuletzt auch auf eine Verknüpfung  von ethischer Prämisse und Physis auf die (subtilste) Ebene der Körperbiologie (die eine energetische ist)  hingewiesen:
G.Coleman:  “Im Kontext der Vollendungsphase  der Meditation wird die Bewegung der Lebensenergie durch die Energiekanäle des subtilen Körpers verfeinert. Im Falle von Individuen, die solche Praktiken nicht kultiviert haben, sind sowohl die Lebensenergie als auch der subtile Geist über die rechten und linken Energiekanäle verbreitet und durchdringen deshalb das gesamte Netzwerk der kleineren Kanäle des Körpers. Diese zerstreute Lebensenergie wird die Lebensenergie vergangener Taten genannt, weil sie von den untimmigen Geisteszuständen aktiviert ist (Grundlegende Unwissenheit, Anhaften, Abneigung, Stolz, Zweifel, leidvolle oder unstimmige Ansichten- untergeordnet: Zorn, Boshaftigkeit, Heuchelei, Wut, Neid, Geiz, Unehrlichkeit, Irreführung, Überheblichkeit, Mutwille, Unziemlichkeit, Unanständigkeit, Verschleierung, Erregung, Misstrauen, Faulheit, Achtlosigkeit, Vergesslichkeit, Abgelenktheit und Unaufmerksamkeit) und der Einfluss vergangener Taten vorherrscht, sodaß der innere Glanz des subtilen Geistes verdunkelt wird. Werden jedoch die Praktiken der Vollendungsphase der Meditation angewandt, dann werden die Knoten,  die ihre gemeinsame Bewegung durch die auf dem zentralen Energiekanal liegenden Energiezentren (Cakra) blockieren, aufgelöst, und sowohl die Lebensenergie als auch der subtile Geist treten in den zentralen Energiekanal des Körpers ein, verweilen dort und lösen sich dort auf. Dann entsteht der nichtbegriffliche Innere Glanz, der deshalb auch die Lebensenergie des Reinen Erkennens genannt wird. “

Für den Jainismus besteht ein sehr ähnliches Modell, das den gleichen Sachverhalt  etwas anders erläutert, statt der Energie und ihrer Zerstreuung geht es hier um die Akkumulation von (hinderlichen) Partikeln: “Jains sprechen in diesem Zusammenhang von feinstofflichen, nicht wahrnehmbaren ‘Karma-Partikeln“'(karma vargana) oder auch von ‘karmischer Materie’ (karma pudgala):
Ein zwischen der karmischen Materie und den Seelen herrschendes Spannungsverhältnis hält gemäß dieser Darstellung den Kreislauf der Wiedergeburten (samsara) in Gang. Unzählige Karmapartikel, die seit anfangsloser Zeit das Universum durchdringen, werden von den Seelen durch Handlungen angezogen, die sie aus Unwissenheit heraus begehen. Das Karma sammelt sich infolgedessen im Kausalkörper jeder einzelnen Seele an – einer feinstofflichen Hülle, die sie umschließt und in zwei weitere Hüllen mit graduell zunehmendem Dichtegrad eingebunden ist. “
(wikipedia)

Grundaussagen

Fundamentale Aussagen zu Religion, die gerade in meinem Blog vielfältig erörert wurden, hier wie in einer Zusammenfassung und Bestätigung als Reflexion einer Erfahrung mit dem pflanzlichen  Entheogen:
M. Pollan: “R. gewann aus den psychedelischen Erkundungen drei unerschütterliche Überzeugungen:
-Normalerweise können nur der Gründer einer Religion und vielleicht ein paar frühe Gefolgsleute die Autorität beanspruchen, die sich aus der direkten Erfahrung des Heiligen ergibt. Allen, die danach kommen, bleibt nur die dünne Suppe der Erzählungen, die Symbolik des Sakraments und der Glaube. Die Geschichte verringert die ursprüngliche Kraft des Ganzen, die jetzt von Priestern vermittelt werden muß. Doch die Kirche der Psychedelika bietet die außergewöhnliche Verheißung, daß alle mithilfe des Sakraments, das ein psychoaktives Molekül ist, jederzeit Zugang zur grundlegenden religiösen Erfahrung bekommen können. Glaube ist damit überflüssig. Wer tief oder weit genug in sein Bewußtsein vordringt, stößt auf das Heilige. Das ist nichts, was wir erzeugen, sondern etwas, das irgendwo darauf wartet, entdeckt zu werden. Und das passiert zuverlässig Ungläubigen genauso wie Gläubigen.
-Die zweite lautet, ‘daß diese Erfahrungen mystischen Bewußtseins, ob ausgelöst durch Drogen oder etwas anderes, aller Wahrscheinlichkeit nach die Hauptgrundlage von Religion darstellen.’
-Und die dritte, ‘daß das Bewußtsein eine Eigenschaft des Universums und nicht des Gehirns ist.’ ”

Ahankara

M. Pollan über einen Probanden einer psychedelischen Versuchsreihe: “Die Reisen haben mir …gezeigt, daß, was die Buddhisten uns zu sagen versuchen, ich aber nie richtig verstanden habe: daß das Bewußtsein aus viel mehr als dem Ich besteht. Und daß man vor der Auflösung (oder Transzendenz) des Ichs keine Angst haben muß; in Wirklichkeit ist es eine Grundvoraussetzung für jeglichen spirituellen Fortschritt…” Und: “Wenn Aldous Huxley vom ‘Reduktionsventil’ des Geistes spricht – die geistige Fähigkeit, die genauso viel von der Welt aus unserem Bewußtsein ausschließt wie sie hereinläßt – redet er vom Ich. Dieser knauserige, aufmerksame Wächter läßt nur eine geringe Bandbreite der Wirklichkeit ein, ‘ein spärliches Rinnsal der Art von Bewußtsein, die uns hilft…am Leben zu bleiben.”
Dies bedeutet also, daß das Ich nur als Reduktion und in dieser Reduktion als Schein- bzw. Teilidentität begriffen werden sollte, und  wie die ungefilterte Welt sich als eine ‘ Welt an Sich’ benennen ließe, so wäre ein ‘Ich an Sich’  eben jenes Ich in seinem Begriffensein das, was die fäschlicherweise als ‘ganz’ erachtete  Identität (bei erweiterter Sicht) rigoros übersteigt. Diese Identität an Sich hieße aber nun Seele, und Seele meint dann zugleich mehr als einen psychischen Ich-Korpus, sondern vielmehr  transpersonales Gewahrsein.
Pollan über ein eigenes Psylocibin-Experiment: “Das souveräne Ich…existierte einfach nicht mehr, und es war niemand da, der sein Hinscheiden betrauern konnte. Doch etwas hatte seine Nachfolge angetreten: dieses nackte, entkörperte Bewußtsein, das die Auflösung des Ichs mit milder Gleichgültigkeit betrachtete. Ich befand mich in einer Realität, aber als etwas anderes als  mein Ich. Und obwohl  kein Ich mehr da war, das fühlen konnte, bestand eine Gefühlstönung, die gelassen, unbeschwert, zufrieden war. Es gab ein Leben nach dem Tod des Ichs. Das war eine bedeutsame Nachricht.”

“Zwischen Buddhi (Geistesklarheit) und Mana (niederes Erkenntnisvermögen/Verstand) erscheint Ahankara, der ‘Ichmacher’. Es ist dies das dinglich vorgestellte Bewußtsein des Individuums, sein Trieb, alles auf sich zu beziehen und sich als Einzelwesen zur Geltung zu bringen.” Es ist ein “substantiell gedachter Ich-Wahn des Menschen, der ihn dazu veranlaßt, sich für ein von dem Welt-Atman verschiedenes Sonderwesen zu halten.” (Glasenapp)
“Im Advaita Vedanta ist Ahamkara die illusionäre Identifikation des unbegrenzten Selbst mit besonderen, begrenzten Gegebenheiten, die irrige Annahme eines separaten Ich.”  (Wikipedia)
Man beachte hier den Gleichklang zur Defintion des C.G. Jung`schen Selbst! Zitat C. G. Jung:  “Wie immer man das Selbst definieren mag, so ist es etwas anderes als das Ich, und insofern eine höhere Einsicht vom Ich überleitet zum Selbst, so ist letzteres ein Umfänglicheres, welches die Erfahrung des Ich in sich schließt und dieses daher überragt. Gleich wie das Ich eine gewisse Erfahrung meiner Selbst ist, so ist das Selbst eine Erfahrung meines Ich, welche aber nicht mehr in der Form eines erweiterten oder höheren Ich, sondern in Form eines Nicht-Ich erlebt wird.”
Das Selbst meint also den Atman, die plotinische Weltseele, das Unbewußte in seiner Transpersonalität, das so in der wesensanteiligen Verbundenheit mit dem Archetypus,  der gleichbedeutend mit dem platonischen Eidos ist, auch die ontische Durchlässigkeit der plotinischen Hypostasen unterstreicht.
Ahankara aber meint einen Impetus zu einem perzeptiven Abgriff, der die (geradezu visuelle)  Erkennbarkeit von Verbundenheit ausfiltert und so die Subjekt/Objekt- und  Körpergrenze erschafft. Wohl aber bleibt die nun nicht-perzipierbare Verbundenheit als psychisches, emotionales Grundmuster (im Ahnen und Sehnen)  naturgemäß von allerzentralster Bedeutung. 
 

Kernbereich der Realität

Ein Proband nach der Einnahme eines Pflanzen-Entheogens: “Interessant  dabei ist, daß ich ganze Gruppen von Halluzinationen zu erleben begann und mir dachte, das müsse wohl der logos sein. Im Wesentlichen ist das der blau-gelbe Kern jeglicher Bedeutung und Semantik.”
“…kam ich an etliche pulsierende Orte. Ich staunte darüber, daß es so viele gab. Es fühlte sich dort gut an. Dann brach das ganze auseinander und ich fand mich in einer ziemlich durcheinander geratenen Realität wieder. Als ich mich umschaute, kam es mir vor, als ob  hier die Bedeutung und die Symbole vorhanden waren, Ich war in einer Art Kernbereich der Realität gelangt, in dem alles an Bedeutung gelagert wird. Ich platzte mitten in die zentrale Kammer dieses Bereiches hinein.”

Für den Neuplatonismus: “Die Seele enthält rationale Strukturen (logoi), die auf die im Geist/Sein enthaltenen Formen zurückgehen; und wenn die Seele diese logoi anschaut, ensteht auf selbstverständliche, unthematische Weise die sinnlich wahrnehmbare Welt.” (K.Kremer)

Rick Strassmann: “…Die Visualisierung von Informationen…sich bewegende, bedeutungsvolle Hyroglyphen, vorüberschwebende Zahlen und Worte, die Informationen vermitteln.”
Neuplatonisch: “Wo haben nun diese idealen Figuren ihren primären Ort? Im Sein selbst sind sie nicht als Figuren. Im Lebewesen, dem Ideenganzen, bestehen sie als Bestimmtheiten der Ideen der körperhaften Dinge, also nicht als sie selbst. Es bleibt nur übrig, daß sie in dem die Ideen bildenden Geist ihre primäre Anwesenheit haben.” Volkmann Schluck
Und weiter: “Hier tritt nun die ontologische Bedeutung der geometrischen Gebilde zutage…Das Geometrische manifestiert die äußerste Kraft der Einheit des Seins, die auch noch das außernanderseiende Viele im Sein hält, diese jedoch wie alles andere durch die Bestimmtheit und Bestand gewährende Zahl. Wenn also den Figuren selbst mit Recht das Sogroß abgesprochen wird, dann deshalb, weil ihnen das Quantitative überhaupt nicht zukommt, das erst innerhalb des Sinnlichen dadurch auftritt, daß das Unbegrenzte durch die geometrischen Figuren aus der Kraft der Zahl in ein begrenztes Außereinander gebunden wird. “

Der oben genannte “Kernbereich der Realität” meint  nichts anderes als den Vielheit konstituierenden (und somit den höchsten) Bereich des Nous.

Innen und Außen

Ein Proband nach der Einnahme eines Pflanzen-Entheogens: “Ich hatte zwar schon immer gewußt, daß wir nicht allein im Universum sind, hatte mir aber eigentlich vorgestellt, der einzige Weg, auf dem wir diesen anderen Wesen begegnen könnten, habe etwas mit hellen Lichtern und fliegenden Untertassen im Weltraum zu tun. Die Idee, daß wir diesen Wesen in unserem eigenen inneren Weltraum begegnen könnten, war mir nie gekommen. Ich hatte gedacht, dort könnten wir nur auf irgendetwas aus der Späre unserer persönlichen Archetypen oder aus der Mythologie stoßen. Ich hatte geistige Führer und Engel erwartet, aber keine außerirdischen Lebensformen.”
Es ist anzumerken, daß  diese Art ‘geographischen Denkens’ zur Umfassung des Seins und seiner Form nur unzureichend sein kann, denn mag man ‘den Erlebnisraum’ nun Innen nennen, so führt dieses Innen wie jeder andere  Begriff nicht weit genug oder gar in die Irre, die Erkundung der angesprochenen Sphären verlangt schließlich nach einer anderen Kategorie des Denkens und Wahrnehmens,  die vielmehr  eine Transdimensionalität zu bedenken hat, und insofern sind auch die Archetypen zwar  im Ich erfahrbar aber zugleich Signa  transpersonaler Teilhabe an einem   höheren Begriff vom Selbst, das im Innen gerade auch ein Außen hat, dem Objekt-Sein und eigene Existenz zukommt.  Bei der  Unterscheidung zwischen Engeln, Außerirdischen oder anderen Entitäten ist indes zu bedenken, daß diese von perzeptiv-konstruktivistischer Warte Abbildungen in unserer ureigenen Verständnisebene sind und hier vielmehr von formwandelnden Prinzipien auszugehen ist, die adäquat unserer Möglichkeit manifestiert werden. In ihrer höheren Entwicklungsstufe, einen Weg zur Rück-Emanation zum Höchsten beschreitend,  bilden diese Formen  (Zukunfts-) Szenarien ab, denen gemein ist, daß sie näher am Geist residieren als wir selbst, was sich uns als  spiritueller Charakter dieser Sphären darstellt.

Rick Strassmann: “Unsichtbare Existenzebenen, Paralleluniversen , Dunkelmaterie. Wenn wir…Überlegungen über den Ort anstellen, an den uns DMT führt, steht beides zur Wahl, sobald sich unser Bewußtsein nicht länger auf dieser Existenzebene hier befindet. Die Plötzlichkeit des Übergangs macht diese beiden alternativen Standpunkte im Hinblick auf die unglaublich ungewöhnlichen Orte, die unsere Freiwilligen beschreiben, gleichermaßen anziehend. Das liegt daran, daß sie in gleicher Weise hier wie dort vorhanden sind. Die Frage nach dem ‘Innen’ im Gegensatz zum ‘Außen’, die viele Freiwillige aufwarfen, macht daher überhaupt keinen Sinn mehr.”

Nag Hammadi “Werden wir…in das Königreich eingehen?” Jesus sagte zu ihnen:”Wenn ihr… das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere…” “Weshalb wascht ihr die Außenseite des Bechers? Erkennt ihr nicht, daß der, der die Innenseite schuf, auch der ist, der die Außenseite schuf?”
Und im tibetischen Totenbuch lesen wir: “Wie schädigend ist doch die Sicht, die Außen und Innen dualistisch voneinander trennt, wo doch der himmlische Palast frei ist von den Dimensionen von Innen und Außen!” (Kapitel 7, Befreiung durch Akte des Bekennens)

Würde der Mensch sehen können, welcherart  er in seiner Hiesigkeit eigentlich in einer viel komplexeren Dimensionalität  und Existenz eingebettet ist, würde er  die feinstofflichere Form erkennen – wie auch die holografisch immanente Durchwirkung des Seins bis hinab in die raumzeitliche Reduktion, so daß die Suche nach dem Transzendenten eine ganz andere Kartierung erkennen ließe, als wir gewohnheitsmäßig zu denken bereit sind. So überflüssig  man einen Gott in einem entrückten Himmel vorstellt, so wenig zielführend (oder unvollständig) ist die raumzeitliche Suche nach Zivilisationen ferner Sterne  im monistisch-immanenten Weltverständnis.   Das Entheogen scheint hierfür eine beeindruckende Einsicht zu ermöglichen.