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Traditionalismus und Gegenwart

Felix Herkert: “Dem gewöhnlichen heutigen Menschen muß die Gedankenwelt des Traditionalismus zunächst unweigerlich fremd erscheinen, steht sie doch im Grunde allem, was der moderne Mensch sich und seiner Epoche positiv anrechnet, ablehnend gegenüber  und beruft sich demgegenüber auf Werte, die der moderne Mensch als ‘erledigt’ oder ‘überwunden’ glaubt. … Bevor man sich ein allzu schnelles – und meist negatives – Urteil zu einer Denkrichtung bildet, das zumeist auf eine Verurteilung als ‘antimodern’, ‘reaktionär’, ‘kulturpessimistisch’ oder’esoterisch’ (im pejorativen Wortsinn) – häufig einhergehend mit einer Überakzentuierung der politischen Implikationen des ‘Antidemokratismus’ und ‘Antiegalitarismus’   hinausläuft, sei folgendes einmal grundsätzlich ins Gedächtnis gerufen: Wenn man sich das geistige Profil der traditionalen Denker vor Augen stellt, fällt auf, daß es sich bei ihnen zumeist um außerordentlich begabte und vielseitige Menschen mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten – nicht wenige von ihnen beherrschten z.B. ein Dutzend Sprachen – und einer oft schier universalen Kenntnis der spirituellen Überlieferung verschiedenster Traditionen handelt, die zumal nicht selten zu den führenden Repräsentanten ihres Fachgebietes zählten.”
Diese Ausführung  mag den Traditionalen zu gewisser Ehre gereichen, aber gleichzeitig kommt es auf tieferer Ebene hierauf nicht – oder besser: nur in sekundärer Weise –  an.
An einer Fremdheit trägt der Traditionalismus in gewisser Weise selber seinen Anteil, falls er  nicht dem Diktum der Überzeitlichkeit der Kernlehre  folgend Bezugspunkte für heute erschließen kann oder will – eben um   in der Tradition der Alten stehend-  allerdings derer, die auch für heute noch Gültigkeit beanspruchen können -einen Fortbestand (des Gewußten) in die Zukunft zu erwirken. Um ein Beispiel zu nennen, wären etwa Heisenberg oder von Weizsäcker die heutigen Bürgen für die Lehre Platos von der nichtapriorischen Masse der Teilchen oder der Materie als solcher.  Es wäre also sozusagen eine Schwächung der eigenen Position, würde man  unaufhörlich um die  geometrische Symbolik in Platos Naturlehre kreisen, und sie nicht mit heutiger Evidenz  anfüllen und ergänzen zu wollen bzw.  aus einem Mißtrauen gegen die Wissenschaft überhaupt hiervon gar nicht erst Kenntnis haben.
Der ganze spezifisch westliche Weg der Rationalisierung (auch des Sanktums)  muß zuletzt auf eine Synthese der heutigen Ansprüche  mit der  einst mythisierten Unmittelbarkeit, die mit einer  unverifizierten Empirie einherging und die nur subjektiver bzw.  intersubjektiver Erfahrung nach Bestand hatte und in Folge gar nur symbolisch kolportiert wurde, hinauslaufen.  Nur so kann der Mensch in dem gesamten Fundament seiner  Befähigung zu seinem  zweckgerichteten (individuellen und somit auch globalen) Aufgang  zu erfassen sein. Es soll  heute -genügend Bewußtsein und Bereitschaft hierfür  vorausgesetzt- zu einer Zusammenkunft  von Intuition, Ahnung und Ratio, Mythos und Buchstäblichkeit, schließlich von immanentem und transzendentem Inhalt  kommen – ohne Abwehr, Abscheidung oder  Auslassung irgendeiner Komponente der zur Entfaltung bestimmten teleologischen Anlagen. Hier wird auch das Verständnis von einem esoterischen Inner Circle obsolet. Tatsächliche Mystagogen -wie Meister Eckhart oder auch Thomas Müntzer ´-haben sich in ihrem Wissen um die Universalität des Werkes für eine ‘Demokratisierung’ der Einsicht und des Wissens gerade an das nicht-gelehrte  Volk gewandt .  Und heute ist es noch unabdingbarer,  das Esoterische in die  profan-immanente Breite diffundieren zu lassen, um das Immanente von Innen zu entwickeln und es letztlich seiner eigentlichen (transzendenten) Art nach begreifbar zu machen  (was einer Sakralisierung des Raumes gleichkommt).  Daß dies selbstredent nicht alleine mit intellektueller Absonderung -und schon gar nicht durch einen  ästhetisierenden und historisierenden Meta-Diskurs bewerkstelligt wird, das bringt nicht zuletzt der bekannte Traditionalist  Rene Guenon mit der Bemerkung zum Ausdruck, daß der Traditionale einen Lebensweg zu beschreiten hat,  der ein Studium ‘von innen’ meint.

Gedanken zu Evola

Julius Evola: “Wesensbestimmend für die Methode, die wir, im Gegensatz zur profanen-empirischen oder kritisch-intellektualistischen Betrachtung der modernen Forschung ‘traditionsgebunden’ nennen wollen, ist die Hervorhebung des universalen Charakters einer Lehre oder eines Sinnbildes, indem es mit entsprechenden Elementen anderer Traditionen in Verbindung gebracht wird .”
Hier schon könnte der Eindruck entstehen, die in diesem Sinne verstandenen Traditionen – die ich  allesamt in ihrer Wesensart als gnostisch bezeichnen will –  wären ihrem Verständnis nach von damaliger Warte nicht auf der Höhe ihrer Zeit gewesen bzw. sie stünden in einem Gegensatz zur Gegenwart und ihrer kritischen Methode. Ein Zitat von Hans Leisegang: “Die Gnostiker waren zu ihrer Zeit durchaus moderne Menschen. Die Gründer der einzelnen Sekten waren Gelehrte und Philosophen, die die ganze Wissenschaft ihrer Zeit in sich aufgenommen hatten, und ihre Weltanschauung stand in keinem Widerspruch zur wissenschaftlichen Erkenntnis, die sie nicht abwiesen, in der sie auch keine Gefahr für den Glauben sahen, sondern die sie nach der religiösen Seite hin ergänzten und vertieften.”
Dies offenbart einen gewichtigen Aspekt  für das Verständnis jenes Traditionalen, das eben ein in der Relation zur Moderne, zur Empirie abgesetztes Verhältnis gar nicht zulassen kann, weil die angesprochene Universalität der ‘reinen’ Lehre nur im Kontext ihrer Ratio-tauglichen Bewährung  und unter Anlegung aller  modernen Instrumentarien und aller kritischen Methode eine ihr ja ureigen inhärent zeitlose und sich höchst logisch entfaltende  Gültigkeit in Anspruch nehmen muß. Es existiert dabei  kein Widerspruch zwischen Tradition und Moderne, zwischen Mythos und Ratio (mythisierendem und rationalem Mensch), zunehmend auch keine Dualität von Geheimwissen und Profanwissen(schaft). Alles kommt und fließt zusammen in das Werk, den Vollzug der Rückexplikation der inkorporierten Hypostase.

Evola: “Damit wird das Vorhandensein eines Bedeutungsgehaltes festgestellt, der höherstehend und ursprünglicher ist als jeder seiner unterschiedlichen und doch gleichbedeutenden symbolischen Ausdrucksweisen , wie sie den Kulturen der verschiedenen Völker eigen sind.”
Prinzipiell ein Plädoyer zur Überwindung des Symbols?  Die symbolisierte Kolportage meint ja in gewisser Hinsicht schon eine Entfernung – eine Ent-Sinnung, eine Scheidung. Das Symbol  wird zur  Repräsentanz ohne die Möglichkeit zum verlässlichen Rekurs , es steht alsbald für sich selbst und entbehrt des Inhaltes, – es bedarf gar keines Inhaltes, keiner Korrelation zu seinem (eventuell gar nicht wesenhaft wahren) ursächlichen Gehalt, da es schon aus sich selbst heraus nur als veräußerte Form lebensfähig ist  und  hierbei aber die Zugänge zum Eigentlichen durch die Allgemeinheit und Unbeweglichkeit sowie die  Fraglosigkeit seines Charakters abblockt.

Weiter Evola: “Außerdem kann die eine Tradition mehr als die andere einem gemeinsamen Bedeutungsgehalt vollkommenen und durchsichtigen Ausdruck verliehen haben: so bildet dieses vergleichende Verfahren die fruchtbarste Methode, Ideen zu erfassen und in metaphysischer Reinheit zu begreifen.”
Diese Aussage kann allerdings nur echte Gültigkeit beanspruchen, indem man proklamiert, daß zu keiner Zeit und an keinem Ort die eigentliche Intention je in Reinform ausgesprochen wäre. Evola schont wohl  alle Offenbarung, er sieht offenbar nicht, daß Offenbarung schon im Beginn irrigen Charakters  und Inhaltes   (oder schlicht an verschiedenerlei Intention gebundener Betrug) sein kann. Zudem ist gerade geschichtliche Religion schon in ihrer ursächlichen Kanonisierung  ein Anthropomorphismus, Menschenwerk, oder gar ein Irrweg, der so falsch beschritten wurde, daß es müßig wäre, in diesem Labyrinth zurückzugehen um wohl doch nie  an der richtigen Stelle herauszufinden. Die Katharer sagten über das christliche Dogma: “Die Kirchenväter stehen schon ganz in der falschen Richtung und werden allesamt abgelehnt, sie sind wie die Vogelfänger, die Tierstimmen nachahmen” (A. Borst)
Zur Reduktion der Religion auf ihren esoterischen Kern (so sie überhaupt einen brauchbaren esoterischen Kern aufweist): Man erwehrt sich mitunter nicht des Eindruckes, daß man eine spirituelle Vakanz im Nachhinein esoterisch  zu verbrämen gewillt ist und einiges allegorisch so weit herbeibiegt, bis das Ganze eine nachträgliche tiefere Rechtfertigung erhält (wohl auch um eigene kulturelle Präferenzen gegen Kritik zu konsolidieren) – dabei bedeutet  die Reduktion der Religion auf ihren (wahren) Kern eben zugleich nicht weniger als die Zurückweisung des Dogmas, das aber diese Religion schon so weit ausmacht, daß es gar als alleine konstitutiv erachtet werden muß. Was aber etwaige postkanonische spirituelle  Rudimente betrifft: Von einem Rest einer Ruine auf das ursächliche Haus zu schließen, muß wohl ab einem gewissen Grad der Zerstörung ganz  unmöglich werden.
In diesem Sinne auch Schopenhauer: “Die Versuche, den Theismus vom Anthropomorphismus zu reinigen, greifen, indem sie nur an der Schale zu arbeiten wähnen, geradezu sein innerstes Wesen an: durch ihr Bemühen, seinen Gegenstand abstrakt zu fassen, sublimieren sie ihn zu einer undeutlichen Nebelgestalt, deren Umriß, unter dem Streben, die menschliche Figur zu vermeiden, allmälig ganz verfließt; wodurch der kindliche Grundgedanke selbst endlich zu nichts verflüchtigt wird.”

Felix Herkert: “Man könnte das hier beschriebene’traditionsgebundene’ Vorgehen als komparatistisch verfahrende Hermeneutik der Einheit bezeichnen, insofern es 1) ein ‘vergleichendes Verfahren’ ist, das jedoch 2) auf die ‘Hervorhebung des universalen Charakters’  eines jeweiligen Symbols bzw. einer Doktrin abzielt. Den privilegierten Gegenstand dieses komparatistischen Verfahrens bilden Symbole, Mythen, Heilige Schriften, Weisheitstexte, aber auch als folkloristisch zu bezeichnende Überlieferungen verschiedener Traditionen, die in ihrem Wesen als Ausdruck überzeitlicher Wahrheiten betrachtet werden. Als eigentlich erfahrungsmäßige Basis dieser Schriften, Mythen und Symbole wird eine überrationale, als intuitiv zu bezeichnende Erkenntnis postuliert, deren Veräußerlichung sie letztlich darstellten.”

Auch dieser Satz erscheint mir zwar berechtigt (störend ist allerdings die Weigerung zur Evidenz der modernen Naturwissenschaft sowie  Naturphilosophie oder Wissenschaftstheorie),  und doch ist er gleichzeitig zu diffus, zu nivellierend und relativistisch und daher nicht zielführend genug . Die Trennung verläuft schließlich nicht alleine zwischen  rationalistischer Moderne und Glauben (man soll zumal wissen, nicht glauben), sondern gerade  auch zwischen Glauben und FALSCHEM Glauben, als dessen Ausfluß gerade seine  uns heute so stark befassenden säkularen Heilsderivate zu bezeichnen sind! In diesem Sinne schließe ich mich der elementaren  Kritik  durch Spinoza an (die aber  doch die Evidenz eines allwaltenden Göttlichen in Korrelation  mit der höchsten Vernunft anstrebt, – ich behaupte hier, das gegenwärtig Profane, das  der Traditionale sieht, ist lediglich das unsakralisierte Sanktum, daher kann hier nicht von einem Dualismus oder einem Antonym gesprochen werden! Yirmiyahu Yovel also über Spinoza: “…die geschichtlichen Religionen (vor allem Judentum und Christentum) sind die größten Hindernisse auf dem Weg zu klarer, philosophischer Erkenntnis und allmählicher Einsicht in das Prinzip der Immanenz.” (Im Kontext verstehe ich Immanenz als Immanenz der Transzendenz ) Die rationaliätswidrige Kraft, die Descartes dem ‘Vorurteil’ und der Tradition im allgemeinen zuschreibt, die wie ein Schleier das natürliche Licht der Vernunft verdunkeln, legt Spinoza mutiger und radikaler insbesondere den geschichtlichen Religionen zur Last, ihren Dogmen, Bildern und eingewurzelten Überlegungen. Daher muß aller positiven Philosophie der Immanenz eine Kritik dieser Religionen vorausgehen, um das Bewußtsein von transzendentalen Bildern freizumachen und um für seine Erweckung (oder seine Aufklärung) den Boden zu bereiten, damit es dem Ruf der immanenten Vernunft folge. Mit anderen Worten, Verunsicherung und Skepsis in Bezug auf die geschichtliche Religion sind notwendige Voraussetzungen, um zu wahrer Erkenntnis und durch diese zu einem lebenswerten Leben, ja sogar zur Erlösung zu gelangen.”

Traditionalismus und Erinnerung

Felix Herkert: “Primat der Erkenntnis, der von allen Traditionalisten so stark gemacht wird: Erkenntnis meint hier aber wesenhafte Erinnerung und insofern ist der Traditionalismus eine Erinnerungsbewegung, in der einerseits das Erinnerte (bzw. Verinnerte) zugleich verwandelt bzw. anverwandelt wird. Und in dieser Erinnerung des Nicht-Vergesslichen, wahrheitsbürgenden Grundes der Tradition darf Erinnerung nicht als äußerlicher Vorgang im Sinne eines bloßen Ins-Gedächtnis-Rufens beliebiger Inhalte, sondern als ein den Vollziehenden verwandelndes Geschehen begriffen werden.”
Dies ist alles richtig, aber man bleibt hier doch  zu sehr in der Andeutung, man verharrt im Schattenhaften einer eigentlich real gemeinten  Ansicht (das Erinnerte ist -dies sei hier nur vorab erwähnt-  genauer besehen eine Aussicht in die Zukunft) , man verbleibt mitunter gar beim Symbol, offenbar weil man  über die Andeutung hinaus keine wirkliche oder nur eine sehr diffuse Vorstellung von dem entwickelt – entwickeln will? – ,  was eigentlich erinnert werden soll  und was dieser Vollzug  dann lebenspraktisch tatsächlich meint.  Platon spricht im Menon aus, daß die Seele alles innehatte und sich dessen gewahr zu werden hat, indem sie sich erinnert, “was lernen heißt”. Was kann dies konkreter bedeuten? Aus Sicht des platonischen monistischen Idealismus geht es um die Rückexplikation oder den Wiederaufstieg der verkürzten Seelendisposition zurück zu ihrer hohen Herkunft,  zu ihrem eigentlichen höheren Sein und Selbst – hier  erschließt sich ein ‘dynamisierter Dualismus’ (der Dualismus von Leib und Seele ist natürlich  zuletzt viel älter als Platon, hier sei z.B. die Orphik genannt(…die -weitergedacht- auf die ‘vorkulturelle’ Dimension des Gemeinten verweist).
Zitiert man nun zum Beispiel  einen Satz der gnostischen Katharer, wird die Disposition des Seelischen etwas plastischer: “Die Menschenseelen selbst sind nicht von hier, sie sind die Engel, die vor Beginn der Zeiten aus dem Himmel fielen und nach dem Tode endlich wieder heimkehren dürfen.”
Es geht also grundlegend um einen Zuwachs am Eigensein, eine Gewahrwerdung, die über einen Seinszustand, der – und dies ist relevant – schließlich  über die von der inkorporierten Perzeption gesetzte Diesseits-Disposition hinaus verweist. Dies meint nun aber  einen instantanen,  lebenspraktischen Vollzug und im Bewußtsein dieser ‘Option’ einen Fortschritt zum  Gewahrsein jener  bereits gegenwärtig immanenten und eigentlichen Existenz oberhalb der raumzeitlichen Bindung und somit ein Selbsverständnis, das die wandelbare Konstituierbarkeit perzeptioneller Manifestation ( Welt, Parallwelten, höhere Dimensionalitäten) erkennt oder -plotinisch ausgedrückt –  in Anbetracht der Hypostase des Geistes von dem Imperativ  ihrer teleologisch nach oben gerichteten Vollzüge auszugehen hat. Da dieser Zustand  raumzeitlich betrachtet gleich einem Zeitpfeil in die Zukunft weist,  meint das Erinnern des Gewesenen -negativ gesprochen die Kompensation des malum metaphysikum, also des Falles aus der ursächlichen Verfasstheit in die Inkorporation –   eine fortschrittliche (progressive!)  und zukünftig anmutende Seinsart, was vom traditionalen Standpunkt, der eine  latente Neigung  zum Historismus und Ästhetizismus  aufweist, gerne unterschlagen wird. Das  Bild des Wiederaufstieges , der spirituellen Gewahrwerdung, gleicht in seiner Schau mehr einem utopischen Szenario, einem Science Fiction -haften Bild, als irgendeinem historischen Bezug.
 Überhaupt wäre es falsch,  die Gegenwart nur an ihrer (unbestrittenen) Geistesferne zu  bemessen – denn gerade auch diese  hat ihre geschichtliche Konstante, nämlich durch falsche Religion und ihre gegenwärtige Fortsetzung durch ihre säkularchiliastischen Derivate. Und doch drängt alles zur Entwicklung jenseits des raumzeitlich Immanenten, denn die Unvermeidbarkeit des Prozesses universaler spiritueller  Progression ist auch teilhaft im vermeintlich Profanen aller Gegenwart. Die Verwandlung, von der oben die Rede ist, ist dabei ein Leben, das unserem alltäglichen Leben weit voraus ist, indem es die Bildung zu einem neuem Wesen – und Weltenverständnis  eröffnet, somit ist hier  nicht weniger als die Befähigung und Aufgabe angesprochen , Welt und Person disponabel und erweiterbar zu definieren und -selbst innerhalb der alltäglichen ‘Daseins-Grenze’- eine entsprechende (spirituelle) Seins-Hebung in diesem Bewußtsein erwachsen zu lassen.)
Hierzu auch ein passendes Zitat aus Carlos Castaneda, Neue Gespräche mit Don Juan Matus: ” ‘Der bloße Gedanke, von allem, was ich weiß, losgelöst zu sein, läßt mich schaudern’, sagte ich. ‘Das kann nicht dein Ernst sein! Nicht der Gedanke an das, was dir bevorsteht, sondern die Vorstellung, daß du ein Leben lang das tun mußt, was du immer getan hast, sollte dich schaudern lassen. Denk an den Mann, der Jahr für Jahr Korn säht, bis er zu alt und zu schwach ist, um aufzustehen, und dann herumliegt wie ein alter Hund. Seine Gedanken und Gefühle, das beste in ihm, kreisen ziellos um das einzige, was er immer getan hat, das Kornsäen. Für mich ist das die furchtbarste Verschwendung, die es gibt. Wir sind Menschen, und es ist unser Schicksal, zu lernen (Plato!) und uns in die unvorstellbaren neuen Welten (plotinische Hypostase der Vielheit!) schleudern zu lassen.’ ‘Gibt es wirklich neue Welten für uns?’, fragte ich halb im Scherz. ‘Wir haben noch nichts ausgeschöpft, du Narr’, sagte er gebieterisch. ‘Sehen ist etwas für makellose Menschen. Mäßige deinen Geist, werde ein Krieger, lerne sehen, und dann wirst du die Endlosigkeit der neuen Welten unserer Vision erkennen’ “

Gegen Rousseau

Rousseau: “Man habe sich zu schließen beeilt, der Mensch sei von Natur aus grausam und benötige die politische Ordnung, um sanft gemacht zu werden. Hingegen ist doch nichts so sanft wie der Mensch in seinem ursprünglichen Zustand.
Je mehr man darüber nachdenkt, daß dieser (wilde) Zustand am wenigsten zur Umwälzungen neigte und der beste für den Menschen war und daß der Mensch ihn nur infolge irgendeines unheilvollen Zufalls verlassen haben kann, der – um des allgemeinen Nutzens willen-niemals hätte eintreten dürfen.”
Und: “Für den Philosophen sind es Eisen und das Getreide, welche die Menschen zivilisiert und das Menschengeschlecht ins Verderben gestürzt haben.”
H.S. Anton dagegen: “Demeter ist die Göttin der Pflanzenwelt und des Getreides und als solche Lehrerin und Förderin der Kultur des Erdbodens und Gründerin sittlicher Ordnung und somit des Staatswohles. Denn der Ackerbauer bleibt sesshaft und baut sich Wohnung, hält auf gute Sitte und Religion, schreitet zur Ehe und liebt friedliches Leben. So feiert Cicero die Demeter als die Gottheit, welche Sitte und Gesetz, Sanftmut und Humanität einzelnen Menschen und ganzen Staaten gelehrt hat. ”

 

Der Schlüssel zum eleusinischen Mysterium

Erwin Rohde: “Von den einzelnen Vorgängen und Handlungen bei dem langgedehnten Feste kennen wir kaum das Äußerlichste, und auch dies nur sehr unvollständig. Das Mysterium war eine dramatische Handlung, genauer ein religiöser Pantomismus, begleitet von heiligen Gesängen und formelhaften Sprüchen. Dies wäre an sich nichts Singuläres; eine derartige dramatische Vergegenwärtigung der Göttererlebnisse…war eine sehr verbreitete Art griechischer Kultübung. Aber von allen ähnlichen Begehungen … unterschied das eleusinische Fest sich durch die Hoffnungen, die es dem an ihm Geweihten eröffnete. Nach dem Hymnus auf Demeter, hörten wir, darf der fromme Verehrer der Göttinen von Eleusis hoffen auf Reichtum im Leben und besseres Los nach dem Tode. …Weit nachdrücklicher wird uns aber, von Pindar und Sophokles an, von zahlreichen Zeugen verkündet, wie nur die, welche in diese Geheimnissse eingeweiht seien, frohe Hoffnungen für das Leben im Jenseits haben dürfen. Diese Verheißungen einer seligen Unsterblichkeit sind es gewesen, die durch die Jahrhunderte so viele Teilnehmer zu dem eleusinischen Feste zogen; nirgends so bestimmt, so glaubhaft verbürgt konnten sie gewonnen werden. Die Forderung der Geheimhaltung der Mysterien, die sich offenbar auf ganz andere Dinge richtete, kann sich nicht auf diesen zu erhoffenden höchsten Ertrag der Weihe zu Eleusis bezogen haben. Jeder redet laut und unbefangen davon, zugleich aber lauten alle Aussagen so bestimmt und stimmen so völlig und ohne Andeutung irgendeines Zweifels miteinander überein, daß man annehmen muß, aus den geheimgehaltenen Begehungen habe sich für die Gläubigen diese Verheißung nicht als Ahnung oder Vermutung des Einzelnen , sondern als festes, aller Deutung enthobenes Ereignis herausgestellt.”
Hierzu  dann  folgende Anmerkung von Hans Eckstein: “Wie das bewirkt wurde, ist freilich rätselhaft….Irgendwie muß nun den Mysten der eigentliche Sinn der ‘natursymbolischen’, mystisch eingekleideten Handlungen zu verstehen gegeben worden sein.”
Eckstein fährt nun fort bezüglich  der Fragwürdigkeit einer sinnbildlichen Vermummung und der Vorgänge in der Natur unter der Hülle menschenähnlicher Gottheiten – gemeint ist eine natursymbolische Handlung mit Demeter und Persephone, wobei Persephone als Saatkorn symbolisiert wäre und den jährlichen Untergang und die Erneuerung versinnbildlicht- und sagt: “Ich wüßte aber nicht, daß man die Griechen so leicht mit nebelhaften Ahnungen von dem Wege logischer Klarheit habe ablocken und damit gar noch besonders beseligen können.”
Nun H. S. Anton in seiner eigenen Abhandlung über die eleusinischen Mysterien: “Bevor Demeter jedoch den duftigen Tempel, den sie ein Jahr bwohnt hatte, verließ, lehrte sie die Herrscher von Eleusis und alle Gebräuche und sandte den Triptolemus, der den Pflug erfand, aus, daß er auf einem geflügelten Schlangenwagen über die Erde fahre, die Frucht der Demeter, das Samenkorn des Getreides verbreite und die Menschen mildere Sitten lehre. So hinerließ Demeter dem Lande, wo sie freundlich aufgenommen war, den Ackerbau und der Weihen hohes Geheimnis.”
Und zur Mystenfeier, dem zweiten  Grad der Weihe: “Dann erschien die Priesterin der Demeter und Kore (Persephone) und bot ihnen mit der Daduchin vor der versammelten Gemeinde den Kykeon = den Mischtrank, wie er, aus Gerstenmehl und Polei (mentha pulegium) bereitet wurde.”

HIER also kommt man endlich dem Grunde der Sache – wenn auch offenbar unbewußt- einen entscheidenden Schritt näher. Rohde, Eckstein und Anton können – bei all ihrer Gelehrsamkeit und Folgerichtigkeit –  durch diese Tür nicht gehen, weil sie den Schlüssel zum Verständnis nicht in der Hand halten! Natürlich muß  ihnen “rätselhaft” bleiben, wie die eleusinische Verheißung als “festes, aller Deutung enthobenes Ereignis” herausgestellt werden konnte. Die Erklärung hierfür ist nämlich alleine in dem urreligiösen Schema -der grundspirituellen (physisch)  induzierten Empirie – zu suchen, der Erfahrung einer ganz anderen, ontologisch verschiedenen und gehobenen Welt, die von allen Probanden intersubjektiv begehbar ist, die, real, existent, existenter sogar als die gewohnte Umgebung der Raumzeit erscheint.
Wir finden in der theosophischen Sicht Schures eine  in diesem Sinne sehr weiterführende Erhellung des eleusinischen Szenarios:
“Mit einer Gebärde, die keinen Widerspruch duldete, zwang ein phrygischer Priester die Ankömmlinge, beim Eingang sich niederzulassen und warf in den Kessel große Bündel von narkotischen Essenzen. Alsbald füllten dichte Rauchwolken den Saal und man erkannte in einem wirren Durcheinander wechselnde Formen, sowohl tierische, als auch menschliche: Manchmal waren es Schlangen, die sich zu Sirenen ausdehnten und in nichtendende Knäuel verwickelten; manchmal verwandelten sich Büsten von Nymphen mit wollüstig ausgebreiteten Armen in Fledermäuse, Köpfe reizender Jünglinge in Hundeschnauzen.” (An dieser Stelle auch Plutarch: “…daß die Dämonen in den Mysterien eine Rolle spielen, er dürfe jedoch nicht davon reden.”) “Und alle diese Ungeheuer, bald schön, bald gräßlich, luftartig, täuschend, wirklichkeitsfremd, ebenso schnell verschwindend wie auftauchend, wirbelten, schillerten, erregten Schwindel, umringten die erstarrten Mysten, wie um ihnen den Weg zu versperren. Manchmal streckte der Priester Kybeles seinen kurzen Stab durch die Nebelmassen und der Strom seines Willens schien dem vielgestaltigen Bilde selbsteigene Bewegung und inneres kraftvolles Leben zu geben.”
Und: “Soll man Plato, Jamblichus,  Proklus und allen alexandrinischen Philosophen glauben, so hatte die Elite der Eingeweihten im Innern des Tempels Visionen von ekstatischer und wunderbarer Art.”
“Ein ungekanntes Glück, ein übermenschlicher Friede erfüllte dann die Herzen der Eingeweihten. Das Leben schien überwunden, die Seele erlöst, der furchtbare Zyklus des Daseins vollendet. Alle fanden sich wieder voll lichter Freude, voll unsagbarer Sicherheit in dem reinen Äther der Weltenseele.”

In diese Richtung  (zum Kykeon) weiterführend auch Wikipedia “Man hat aber Vermutungen über weitere Bestandteile des in Eleusis getrunkenen Kykeon angestellt, da übereinstimmend von einer überwältigenden Erleuchtungserfahrung berichtet wurde, die sich zuverlässig bei allen Teilnehmern der Mysterien eingestellt hätte. Daher wurde die Theorie diskutiert, dass die Visionen eine Drogenwirkung gewesen seien, die durch dem LSD verwandte, im Mutterkorn-Pilz enthaltene Stoffe (Ergin und Ergometrin) verursacht worden sei. Auch andere Pflanzen und entsprechend andere entheogene Substanzen wurden diskutiert.”

Bereits die Poleo-Minze übrigens wird von G. Samorini in seinem Werk über in der Antike besprochene Rauschmittel als psychoaktiv angegeben!

Das Böse, das Antigeistige

Ivan Iljin: “Die Moral des L. Tolstoi sieht in der Idee des Guten das Element der Liebe und nicht das Element des Geistes. Deswegen bestätigt sie als den höchsten Wert die geisteslose und antigeistige Liebe, die sich als willenloses, sentimentales Mitleid erweist und hinter sich alle höchsten Lebenswerte auf die Ebene der elementaren, instinktiven Herzlichkeit schleppt. Demzufolge sieht die Moral des L. Tolstois in der Idee des Bösen das Element des Hasses, und sieht nicht das Element der Antigeistigkeit. (deswegen erblickt sie die schwerste Sünde in der Feindschaft oder in ihrer äußeren Manifestation, verurteilt die geitig richtige Trennung von Wohl-und Übeltätern, und sieht nicht, daß sie selbst in ihr ‘Ideal’ den Charakterzug der wesentlichen Bosheit -der Antigeistigkeit – ,mit einschließt. Demzufolge erweist sich die ganze Lehre über das Gute und das Böse als verzerrt und haltlos.”

Ohne diese Kritik an Tolstoi in dieser Konsequenz zu teilen, verstehe ich diesen Satz als geeignete Ergänzung  zum Verständnis eines wesenhaften,  ontologisch Bösen zu meinem Artikel über das moralische bzw. einen lebenspraktischen Vollzug des  Bösen.  Definiert man das Höchste (platonisch) als gut -und dieses ist transzendent –  dann ist jede Anschauung, jeder Faktor, der von dieser eigentlichen Bestimmung fernhält (also im materialistisch-Profanen verharrt), von grund auf antipodisch, demnach als böse zu nennen. Dies ungeachtet der individuellen moralischen oder ethischen Vollzüge, die sich in diesem Kontext divergierend verhalten können (und dies nicht selten wirkungsparadox),  denn im Falle einer  Unbewußtheit über den eigentlichen Rahmen der Verortung sind die ethischen Vollzüge nicht konsequent  rückgebunden.  (Mitunter bezeichnen sie so also auch eine Kraft, die – so könnte man es ausdrücken –  stets das Gute will und doch das Böse schafft.)  Zum Unterschied zum sich im Alltag bewährenden ethischen Vollzug  muß man hier von der Mittelbarkeit sprechen, da  sich eine solche wesenhafte Qualität (des Bösen)  mitunter subtiler(bis hin zur Unkenntlichkeit) zeigt, dabei aber umfänglicher -total – ist,  dem Menschen aber oft nur übersetzt  in der von Innen heraus in ihm wirksamen verschiedenen Defizienz erschließbar wird, die in  Verwirrung, Verkehrung, durch Sinn-und Ziellosigkeit,  durch Angst und durch die mangelnde Perspektive, diese Defizienzen  sinnhaft (nämlich in Rückbindung an das transzendente Prinzip) aufzulösen, sichtbar werden kann. In dieser Hinsicht ist das Anti-Geistige (besser: das den Geist überhaupt Negierende) auch überindividuell durch Zwang, Oktroyierung, als Hinderung – auch Travestie- der geistigen idealistischen Prozesse identifizierbar und in diesem verkürzenden Sinne auch als Immanenzüberschuß (oder Immanenzverdichtung  (Peter Strasser) zu beschreiben, der, den transzendenten Raum negierend, seine aber daher nicht  weniger vorhandenen Inhalte ins Hiesige ziehend, die Immanenz mit uneinlösbaren (utopischen) Anforderungen überfrachtet. Die derart (politisch) vollzogenen Weltprozesse, die ins größere Unglück führ(t)en, sind wohlweislich bekannt und ereignen sich auch heute, wenn auch mitunter weit subtiler, was  ihre Gefährlichkeit sogar steigert.  
Eine Anmerkung zur Tolstoi-Kritik:  Tolstoi ist noussphärischer, idealistischer Christ und natürlich erschließt sich für ihn das Geistige über die altruistische, liebende Öffnung im konkreten lebensphilosophischen Vollzug, was ja wegen dem Wesen des Einen konsequent erscheinen muß. In der Tat besteht hier aber gleichzeitig die Gefahr, die Transmissionen  des Guten zu unterminieren oder sogar zu zerstören, indem man das Gute durch einen selbstauflösenden Vollzug (eines Radikal-Altruismus) gerade abschafft.  
Tiefste Grundlage für jede Defizienz am Guten ist das Unwissen über das Wesen bzw. die Leugnung oder Verkehrung des Transzendenten. Verheerend wäre die Preisgabe des Guten an diese Prinzipien.

 

Grundlage und Wesen der Zauberei

August Gladisch: “…haben die Menschen den Zauber wahrgenommen, der in dem All selbst wirkt, indem den Bestandteilen desselben eine Kraft der Liebe eingeboren ist, vermöge derer sie von einander angezogen und bezaubert werden, so sind sie darauf geführt worden, durch künstliche Mittel die innewohnende Kraft der Liebe zu erregen und die gegenseitige Anziehung zu erzeugen, so daß das Geheimnis der Zauberei darin besteht, zu wissen, auf welche Weise die Anziehung erweckt wird. Übereinstimmend mit Plotin bezeichnet auch Jamblichos die Zauberei als die Wissenschaft, die den Bestandtheilen des Alls eingepflanzte Liebe, vermöge derer sie von einander angezogen werden und sich miteinander vereinigen, mittelst der Kunst in Wirksamkeit zu setzen. Das Gleiche lehrt Synesios: die den Gliedern des Alls innewohnende Liebe und Anziehung sei die Handhabe für den Zauberer, welcher dadurch selbst über Dämonen Macht erlange, indem er wisse, wie dieser Stein oder diese Pflanze eine Verwandschaft mit diesem oder jenem Dämonen habe und eine Herrschaft über ihn ausübe.
…Und mit diesen Aufklärungen über die Grundlage und das Wesen der Zauberei steht in dem vollsten Einklange, dass auch gerade Isis, welche sich in unserer Untersuchung als die Empedokleische Aphrodite ergeben hat, die das Verwandte zum Verwandten zieht, den Ägyptern die Offenbarerin und Vorsteherin der Zauberei ist, und daß die ägyptische Zauberei in ihrer Wirksamkeit gerade auf das Osirismysterium, ihre tiefste Wurzel hinweist. Daß aber auch Empedokles aus der gleichen Ansicht von dem im All waltenden Zauber der Aphrodite, welche das Verwandte zum Verwandten zieht, die gleiche Offenbarung der Wissenschaft und Kunst der Zauberei empfangen, darüber wird sich wohl niemand wundern.”

Agrippa von Nettesheim sagt: “So ist die Weltseele ein gewisses einziges Leben, das alles erfüllt, alles durchströmt, alles zusammenbindet und in Zusammenhang bringt, damit sie Eines mache aus der Maschine der ganzen Welt. Und ‘die Dinge, in denen dieser Geist besonders mächtig ist, haben daher eine Tendenz, sich selber Ähnliches zu erzeugen.’

Von monistischem Standpunkt handelt es sich um ein Sich Auf Sich Selbst Beziehen – dies durch die verschiedenen Seinsbereiche hindurch, die miteinander in Interaktion treten, aber nicht direkt von jedem Standpunkt aus in dieser Interaktion erkannt werden. Geist, Materie, Raumzeit, höheres Sein und höhere Dimensionalität wirken zusammen, sind aber ‘nur’ potentiell (teil)bewußt in der zeitlichen Person.  Treten sie aus dem Vorbewußten in die rationale Perzeption, werden sie z.B.  als synchronistische oder hellseherische Aspekte beschrieben.  Sind diese  schwer zu greifenden Ereignisse aber willentlich und geplant herbeiführbar, ist es wohl angebraucht, von fortgeschrittener magischer Praxis  zu sprechen.
Und an dieser Stelle mein Diktum: Indem man sich selbst bewußt wird als das Ganze, macht man sich mit sich selbst bekannt. (Und in diesem Bekanntwerden erkennt man das vormals bzw. eigentlich als unmöglich Erachtete.)

Selbstbesitz der Seele

Volkmann -Schluck: “Zum wahren Selbstbesitz gelangt die Seele  durch die im ‘Lernen’ vollzogene Aneignung der Wissensgehalte, die ihr zunächst fremd gegenüberstehen, die sie sich aber im Lernvollzug zu eigen macht. Die Einung mit dem Wissensgehalt ist aber in Wahrheit die eigene Wesensaneignung -‘er-innertes’ Wissen – durch die sie sich gegenüber dem Taumel des Tuns zur ruhigen Schau erhebt.
Sie muß, anders als der Nous, der in der Notwendigkeit eines Wesens ruht, im Gegenzug gegen eine in ihr wirksame Verfallenstendenz, die zu ihrem Wesen gehört, sich immer auf das neue zu sich selbst zurückbringen.
…Die Wesensbestimmung eines Seienden, das sich selbst in der Vollendung seiner Möglichkeiten denkt (Nous), erlaubt nun auch eine genauere ontologische Charakteristik der Seele: Sie ist eine defiziente Form der vollen Gegenwärtigung seiner selbt.
(Plotin)… gibt in dieser Abhandlung einen Aufweis der Idee der Theoria als der allgemein ontologischen Grundform, von der Natur an, die sich in die Anschauung verliert, indem sie ihre Gestalten in das Dasein treibt, bis zur einigen Zweiheit des Nous – bis dann in der jenseits des Nous gelegenen nicht-noetischen Dimension des Seins der sich in allen Weisen der Theoria durchhaltende Charakter des An-Etwas-Sein ausgelöscht ist in dem absoluten Einssein.”

Meister Eckhart lehrt prinzipiell genau dies, verwendet aber – worauf gerade auch Schopenhauer hingewiesen hatte – eine christliche Diktion, die  die Erfassung des Wesensgehaltes oftmals erschwert:
“Wenn Gott in der Seele wirkt, so wird im Brande der Hitze geläutert und ausgeworfen, was es an Ungleichem gibt in der Seele. Die Seele geht mehr in Gott ein als irgendwelche Speise in uns, mehr noch: es verwandelt die Seele in Gott. Und es gibt eine Kraft in der Seele, die spaltet das Gröbste ab und wird mit Gott vereint: das ist das Fünklein der Seele.”

 

 

 

 

Einheit und Vierheit

August Gladisch: “Die Einheit des Sphairos ist kraft der hereintretenden Zwietracht oder des Neikos auseinandergegangen in die Vierheit der Elemente, aus denen dann Aphrodite oder die Liebe die ganze harmonische Weltbildung und durch mannigfaltige Mischung die einzelnen Geschöpfe in der früher angegebenen  Weise hervorbringt. ”
“Eine gerundete Kugel, in Ruhe behaglich sich kreisend”, so bezeichnet Empedokles diese Einheit des Sphairos.
Gladisch: “So hat die ägyptische Grundansicht von der Schöpfung der Welt und allem Entstehen und Vergehen nicht bloß aus der ausdrücklichen Überlieferung des Althertums, sondern auch aus diesen und noch anderen heiligen Bildwerken des Volkes selbt sich als völlig dieselbige mit der Empedoklischen erwiesen.”

“Die Obelisken und Pyramiden als riesenkräftige Zeugen und Bestätiger der ganzen ägyptischen Grundansicht.” (Gladisch)
Gemeint ist hier die Vierheit als Vierseitigkeit der ägyptischen Pyramide. Der Hinweis auf  sogenannte schwarze Pyramiden verdichtet diese Symbolik als ein Hervortreten aus dem Einen, Unbenannten, das als schwarze Spitze  seine sichtbare Darstellung findet.  Auch die griechische Erzählung vom Dionysos birgt diesen Topos -als ein Auseinandergerissen-Sein, einem  Vereinzeltwerden in die Formen und Elemente. Die Störung dieses Ureinen meint jeher -und  dies ist allen Kulturkreisen gemein – die Verstofflichung in der Körperwelt. Offenbar liegt hierfür eine (transzendente) Empirie zu Grunde, die ihren Ursprung in Kulthandlungen hat, die -relevant für die abendländische Tradition- schon Eingang in die Orphik fanden.  W. Capelle  sagt: “Ein kurzes Wort muß noch über den orphischen Seelenglauben gesagt werden. Dieser hat in besonderem Maße Pythagoras, Empedokles und Platon beeinflußt. Das Gefühl des feindlichen Gegensatzes von Seele und Leib hat dabei den Ursprung in den alten religiösen Ekstasen.” Capelle verortet die eigentlichen Ursprünge hierfür in Thrakien, dessen (hoch)kulturelle Entwicklung insgesamt noch früher rückdatierbar ist, als die frühdynastische Zeit Ägyptens.
Und nicht zuletzt die Theosophen wollten uns lehren: Die (der Orphik verwandten) Mysterien von Eleusis wären von Ägypten auf Griechenland gekommen. Eventuell, so könnte man spekulieren – und es ist etwas mehr als nur Spekulation – kam so also uraltes thrakisches (oder ureuropäisches)  Wissen über den Weg über Ägypten zurück auf das europäische Festland,  nach Griechenland.
Diese Ansicht bleibt offenbar nicht ganz ohne Evidenz, denn “…erstmals konnte ein internationales Wissenschaftlerteam Genmaterial von ägyptischen Mumien aus der Zeit um 1.400 v. Chr. bis 400 n. Chr. umfassend rekonstruieren und analysieren. Bei drei Individuen konnte das Team unter Führung von Professor Johannes Krause sowie weiteren Forscherinnen und Forschern der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena sogar das Genom entschlüsseln. Die Analysen ergaben, dass die alten Ägypter nicht nur mit der damaligen Bevölkerung des östlichen Mittelmeerraums eng verwandt waren, sondern auch mit der neolithischen Bevölkerung Kleinasiens und Europas.”

Empedokles, Abstieg der Seele

Plotin sagt: “…und wie ist einst meine Seele in den Leib geraten, die Seele die trotz dieses Aufenthaltes im Leibe mir ihr hohes Wesen eben noch, da sie für sich war, gezeigt hat? Heraklit…überläßt…uns bloßen Vermutungen… . Nicht anders Empedokles: Gesetz sei es, hat er gesagt, daß die fehlende Seele hinabstürze in diese Welt; er selbst sei ‘herabgekommen ‘, ein ‘aus der Götterwelt Verbannter’ da er ‘traute dem rasenden Streit’; und hat uns damit nicht mehr Klarheit gegeben als wohl Pythagoras und seine Nachfolger, die in dieser Frage wie in vielen andern doch nur dunkle Andeutungen gaben… ”

August Gladisch schreibt hierzu: “Empedokles lehrte, daß die Seele einst in seliger Gemeinschaft oder Einheit mit der Gottheit gelebt habe, aber durch Versündigung sei sie des Glückes verlustig geworden und in das irdische Dasein herabgefallen, wo sie nun durch alle Arten der sterblichen Leiber wandern müsse, bis sie endlich, durch diese Büssung geläutert, ihre Göttlichkeit zurückempfange und in das selige Leben mit der Gottheit zurückkehre.”

Empedokles:
“Also besteht ein Verhängnis, ein alter Beschluß von den Göttern,
Der für die Ewigkeit gilt, durch mächtige Eide besiegelt:
Wer mit Frevel im Sinn entweder die theueren Hände
Hat mit Blute befleckt, oder wer sich vergangen durch Meineid,
Von den Dämonen, sovielen verliehn langdauerndes Leben
Muss unzählige Jahr entfernt von den Seligen irren
Wo er von Zeit zu Zeit sich in allerlei Wesen verwandelt,
Die mühseligen Bahnen des irdischen Lebens vertauschend.
So leb’ ich auch jetzo verbannt von den Göttern, ein Flüchtling,
Dienend dem rasenden Zwist.”

Und  ein prägnanter  Ausspruch zur Seinsminderung:
“Also gelangten wir hier in die dunkele Grotte”
“Und ich weinet’ und schrie, da ich sah den unheimlichen Wohnsitz.”

Gladisch: “Nach Empedokles sind in dem Urwesen, dem Sphairos oder der Gottheit, die vier Elemente, die Urwurzeln und Bestandtheile aller Dinge, in völliger Unterschiedlosigkeit und EInheit beisammen kraft der in ihm waltenden Liebe, und die Weltschöpfung ist ihm nichts anderes als Entwicklung oder Trennung des Urwesens oder der Gottheit aus der Einheit in die Vielheit. Der Leib der Gottheit wurde zerissen.”