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Inhalt – Philosophisches

Zum Symbolischen

Sexus, Kunst, Liebe, Religion:
Ein Verbindendes von Sexus und Kunst: Es handelt sich zuletzt um höchst unvollkommene Versuche zur Beschreibung der Kräfte, die auch den universalen Heilsprozessen zugrunde liegen. Dies ist die tantrische Lesart. Eben solches gilt für das, was die Menschen ‘Liebe’ nennen, eben solches gilt gar für die Religion, jedenfalls in ihrer theistischen Ausprägung. Zu subsumieren ist all dies unter einem einzigen Begriff: dem des Symbolismus.
Wie ist hier weiter anzuknüpfen? Erwähntes rekurriert auf einen angelegten Wunsch nach Übersteigung, und dieser ist in seinem Vollzug etwas, was eine Beziehung herstellt, etwas Verbindendes, da das Übersteigende die Eigenschaft besitzt, zur Einheit zu streben, es möchte dabei gleichsam eine Addition vollführen, die ihre Summe übertreffen muß. Auch das exkludierende Verharren auf einer Position ist als ein Symbolisches verstehbar, nämlich wenn es als (separiertes) ‘Trägertum’ für den Gedanken des auf das Eigentliche (Eine) Rückbezogene fungiert. Im Entwicklungsprozeß der divergierenden Meinungen kann es dabei zu “wilden” oder uneffektiven Verknüpfungen oder Synkretismen kommen, und zwar wenn ein Spektrum an Gedanken durch seine ungerichtete, fragmentierte und unzureichend reflektierte Sicht nicht zur aufsteigenden Bewegung deutet und so den aktualen Erkenntnisrahmen noch nicht zu transzendieren befähigt ist. Daher auch das Wesen der Geheimlehre, sie ist ein Destillat höchster Erkenntnis -sie birgt diesen Prozeß bereits als Abgeschlossenes in sich, sie ist ganz Resultat- und ihrem Wesen der Einsicht nach ist sie elitär und solange den Vielen vorbehalten, bis der breite Bewußtseinsstrom in die Lage versetzt ist, ihr zu folgen. Einige mögen hier anzweifeln, daß eine globale (Bewußtseins-)Hebung dieserart überhaupt je erreichbar ist, andere (zuletzt alle, die sich Idealist nennen können) erkennen hierin nicht weniger als die innere Notwendigkeit allen Daseins selber und schauen auf jenen universalen Telos, der immer in eine Erkenntnis-Bejahung mündet, zur Rückexplikation des Ursprungs drängt. In diesem Kontext erscheint die breitenwirksame Religion bekanntermaßen als eine Übersetzung für die Vielen. (Wohlwollend besehen: Um schlimmeren Irrtum zu verhindern, um den Menschen in seinem transzendent angelegten Grundwesen zu bestätigen und zu stärken, kritisch betrachtet fungiert diese Übersetzung aber schlicht als Hemmung aller bewußtseinsevolutorischen Bewegung.)
Erkenntnisgeleitetes Sein strebt zuletzt nach Durchdringung, begnügt sich nicht (mit einem Bild) und betrachtet immer die Möglichkeit zur Übersteigung aller Lebensbereiche und meint so die Konkretion eines immanent Transzendenten zur Lebenswirklichkeit (außerhalb deren Vollzug kein Anderes ist). Bleibt man aber(bewußt) im Symbolischen, muß man jenes in seiner Rolle als Platzhalter verstanden wissen und den geistigen Blick durch dieses hindurch offenlassen (um das Symbol) zur Konkretion bereitzuhalten), sonst nimmt das Symbol in einer Bezuglosigkeit (oder Bezugsferne) musealen Charakter an und wird ganz erstorben. Betrachtet man den Umgang der Menschen mit dem Symbolischen in der Zeit, gewinnt man den Eindruck, daß dessen Bedeutungsinhalte (und nicht weniger der von Namen) gleichsam beliebig varianten Charakter annehmen und der Mensch im Großteil jenen eine äußerliche Ehrfurcht entgegenbringen mag, und dies selbst dann noch, wenn der Gehalt gleich einer Travestie verkehrt worden ist. Oder anders gesagt: Symbole und Namen sind nicht viel mehr als Projektions-und Protektionsräume für die variante Begehrlichkeit der Menge (geworden). So hat man sich zuletzt Archonten geschaffen, die weit bessere Auskunft über die Menschen (und ihre Verfehlungen) geben als über ursächliche Intentionen.

Schopenhauer, Indoktrination

Schopenhauer sagt: “Obschon dem Intellekt die Form seines Erkennens angeboren ist, so ist es doch nicht der Stoff oder die Materie derselben: dies aber war es, was die Lehre von den angeborenen Ideen, die Cartesius und Leibniz behaupteten und Locke bestritt, eigentlich besagte. Er ist also in Hinsicht auf diese doch eine tabula rasa, ein Blatt weißes Papier: auf dieses gedenkt die Natur erstlich Bilder zu zeichnen, dann Begriffe zu schreiben, und diese mit immer schärfern und stärkern Umrissen: Sie sollen der Leitstern seines Handelns sein. –
Nun aber kommt man (unredlicher und schändlicher Weise) im 6ten Jahre des Kindes, und zeichnet mit dicken und unauslöschlichen Zügen die Begriffe der positiven Religion auf jene tabula rasa und verdirbt der Natur für immer ihr schönes weißes Blatt: man richtet den jungen Intellekt ab, gegen seine Natur und Organisation, den monströsen Begriff einer individuellen und persönlichen Weltursache zu denken, ferner absoluten Weltanfang u.dgl. m. Dadurch verbaut man auf immer den freien Horizont seines Geistes, versperrt die ihm gegebene Aussicht in die Unendlichkeit der Wesenwelt, verdeckt das Feld der freien Forschung, und verkrüppelt seine Natur, damit sie zur Assimiliation des Falschen tauglich werde.”

Warum ist dieser Satz so aktuell? An die Stelle der Religion ist die sich als neue Scholastik gerierende, hochrepressive amerikanische Sozialwissenschaft
getreten. Ein Unterschied zu Schopenhauer besteht aber doch: Man beginnt heute mit der Indoktrination bereits vor dem 6.ten Lebensjahr, sprich im
Kindergarten.

Schopenhauer und Christentum

Nun hat man Schopenhauer nicht zuletzt wegen unten aufgeführter (und ähnlicher) Aussagen ein apodiktisches Ressentiment gegen das Christentum vorgeworfen. Genau betrachtet kann hiervon allerdings keine echte Rede sein, denn Schopenhauer steht in einer eigenen und dieser Art positiven Resonanz zum Christentum, indem er nämlich in der jesuanischen Lehre Konvergenzen zu den östlichen Weisheitslehren (und so also zu seiner eigenen) entdeckt, die er dem Abrahmitischen gegenüberstellt und scharf kontrastiert. In der Äußerung, er selber, Meister Eckhart und Buddha würden das selbe lehren, vollzieht sich der genauer bezeichnete Interpretationsradius und noch mehr die Grundverortung eines von Schopenhauer identifizierten jesuanischen Kerns.(Der in gnostischen Texten viel klarer vor uns liegt, von Schopenhauer aber meines Wissens nicht gekannt werden konnte, was seine Klarsichtigkeit bezüglich der eigentlichen jesuanischen Intention umso bemerkenswerter macht.)

“Gott ist in der neuen Philosophie, was die letzten fränkischen Könige unter den Majores Domus, ein leerer Name den man beibehält, um bequemer und unangefochtener sein Wesen treiben zu können.”

“Die rohen Gemüter zu bändigen und von Unrecht und Grausamkeit abzuhalten, taugt nicht die Wahrheit: denn sie können sie nicht fassen: also der Irrtum, ein Märchen, eine Parabel. Daher Nothwendigkeit der positiven Glaubenslehren.”

“Wenn ein Gott diese Welt gemacht hat, so möchte ich nicht Gott sein: ihr Jammer würde mir das Herz zerreißen.”

“Pseudophilosophen nenne ich die, welche unter dem Vorgeben, nach der Wahrheit zu forschen, an der Perpoetuierung alter occidentalischer Irrtümer geflissentlich arbeiten.”

“Zum Glauben ist man kein Philosoph.”

“Seitdem die ultima ratio theologorum, der Scheiterhaufen, nicht mehr ins Spile kommt, wäre eine Memme, wer noch viel Umstände mit Lug und Trug machte.”

In folgenden Worten erkennt man sodann das eingangs festgestellte:

“Bei keiner Sache hat man so sehr Kern und Schaale zu unterscheiden, wie beim Christenthum. Eben weil ich den Kern liebe, zerbreche ich bisweilen die Schaale.”

“Parsen, Juden und Muhamedaner beten einen Weltschöpfer an, Hindu, Buddhaisten und Jainas hingegen Weltüberwinder und in gewissem Sinne Weltvernichter.Offenbar gehört das eigentliche oder neutestamentarische Christenthum dieser zweiten Klasse an, ist aber auf historischem Wege mit einer aus der ersten Klasse gewaltsam verbunden.”

Schopenhauer sieht in der Entwicklung der zweiten Kategorie eine Bewegung, die eben dem philosophischen Denkansatz nicht widerspricht: Das vornicänische, von gnostischem Denken durchsetzte Christentum ließe sich hier in seine Denkintentionen indes bestens integrieren.

Profanes Interregnum, Heisenberg

Zu Beginn zwei Sentenzen:

Skeptizismus und Transzendenz
Die Abkehr vom Numinosen liegt in der Natur der Auflehnung des erwachenden Geistes, der skeptisch sein muß bis zum Nihilsmus. Führt dies aber dauerhaft zur Verfestigung in Konzepten, die die Wirklichkeit höchst unzureichend erklären, schneidet sich der Mensch von eben der Wirklichkeit ab, indem er nämlich aufgehört hat, sie zu hinterfragen. Daher auch muß der wirkliche Skeptizismus früher oder später in das Transzendente münden.

Das profane Interregnum
Nach dem Austritt des Menschen aus seinem magischen Bezugrahmen (der aber sein Stammland war) folgt das profane Interregnum. Interregnum deshalb, weil die Physiker und Wissenschaftstheoretiker heute das Magische als Grundverursachung der Natur (wieder)entdeckt haben und hier die Zukunft der Klärung der allgemeinen Seinsbedingungen aufzusuchen (und zu finden) ist. Und in diesem Aufzug ist der Mensch natura naturata UND natura naturans zugleich.

In dem Kontext auch ein relevantes Zitat über Heisenberg von Ernst Peter Fischer: “Dabei ging es Heisenberg vor allem darum, den Zusammenhang mit dem antiken (Platon) und dem klassischen Denken (Goethe) aufzuzeigen. Sein wissenschaftliches Hauptziel lag darin, eine grundlegende Theorie der Elementarteilchen zu schaffen, die nichtlineare Spinortheorie, die als moderne Verwirklichung von Platons Vorstellungen der Struktur der Materie auf der Grundlage einfacher geometrischer Formen gelten konnte. Er suchte nach einer hochsymmetrischen Feldgleichung, der ‘Weltformel’, die den idealen Formen Platons entsprechen sollte.”
Und zum Bruch mit der klassischen (newtonschen) Weltsicht: “Kant hat die Anschauungsformen Raum und Zeit und die Kategorie ‘Kausalität’ als ‘a priori’ zur Erfahrung bezeichnet, so begibt er sich damit in die Gefahr, sie gleichzeitig absolut zu setzen und zu behaupten, daß sie auch inhaltlich in beliebigen physikalischen Theorien der Erscheinungen in gleicher Form auftreten müßten. Dies ist aber nicht der Fall, wie durch Relativitäststheorie und Quantentheorie erwiesen wird.” (Carl Friedrich von Weisäcker, nach Heisenberg)
Und ganz platonisch: “Der lateinische Satz ‘Die Schönheit ist der Glanz der Wahrheit’ kann auch so gedeutet werden, daß der Forscher die Wahrheit zuerst an diesem Glanz, an ihrem Hervorleuchten erkennt. Noch zweimal in der Geschichte der exakten Naturwissenschaft ist dieses Aufleuchten des großen Zusammenhangs das entscheidende Signal für den bedeutenden Fortschritt geworden. Ich denke hier an zwei Ereignisse in der Physik unseres Jahrhunderts, die Enstehung der Relativitätstheorie und der Quantentheorie.”
Und nach diesen neuen und nicht hintergehbaren Setzungen das Kardinalvergehen unserer Zeit: Die Bereitschaft, “die methodische Logik der Physik der so liebgewonnenen Einheit von Welt und Denken zu opfern” (Jürgen Busche) – Eine Einheit, die im besseren Falle auf Aristoteles zurückgeht, und im schlechtesten Falle aber auf Feuerbach und Marx.

Gnostischer Jesus, Wahrheitsauftrag

Thomasevangelium (Logion 10): Es sagte Jesus: “Ich habe Feuer auf die Welt geworfen und siehe, ich hüte es, bis es lodert.”
Thomasevangelium (Logion 16): Jesus sagte:”Vielleicht denken die Menschen, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und sie wissen nicht, daß ich gekommen bin, um Spaltungen auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Hause sein. Drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden als Einzelne dastehen.”

Wie sind diese auf den ersten Blick unerwarteten Äußerungen Jesu aus den Texten von Nag Hammadi zu verstehen? Sie sind eben im Sinne des Wortes ganz gnostisch, auf das Erkennen gerichtet, und sie zeigen dabei eine daran geknüpfte Priorität, nämlich einen Heilsauftrag, der eng an das Wissen gebunden ist.
Hierzu läßt sich ein passender neuplatonischer Satz bemühen, (wie überhaupt das Neuplatonische dem Gnostisch-Christlichen näher steht als das Latinisiert-Christliche dem Gnostisch-Christlichen): “Das Seiende ist nur im Modus des gleichbleibenden Eidos, das allein dem Auge der Seele erblickbar ist, vor Verbiegungen zu schützen und die noetische Dimension als die der eigentlichen Wahrheit festzuhalten.” (Volkmann-Schluck) Dies aber spiegelt die eigentliche Art des jesuanischen Auftrages, das Wort Gottes soll in diesem Sinne in die Welt getragen sein. (Johannes 18: 36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Johannes 18:37 Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.) Hier geht es -wie man sieht, auch im kanonisierten Bibeltext- um die Proklamation der ganzen Sinnhaftigkeit des Kreuzestodes durch den Kernsatz “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” Jesus überwindet den Tod, indem er ihn schließlich sucht (was in der Bestimmung seiner Inkarnation angelegt ist), um ihn aber so für ungültig zu erklären, indem er durch das Geschehen die Relation von Leben und Tod neu darzustellen vermag (um die Bedeutung von Leben und Tod gar umzukehren, was ebenso sokratisch ist) und damit den Unwissenden den Tod als subjektiv menschliche Bedrohung zu entkräften und ihn als Beendigung des weniger wahren Daseins zu einem eigentlichen höheren Dasein zu beschreiben.
Es ist dies -um die Diktion der Eingangszitate aufzunehmen- ein Feldzug gegen die Unkenntnis, die den Menschen in der Knechtschaft von Sterblichkeit und Furcht und Unterwürfigkeit hält, und so ein Kampf für die Wahrheit. Und der gnostische Jesus spricht dem Menschen diesbezüglich eine fundamentale Befähigung zu, indem er sagt: “Es ist ein Licht in jedem Lichtmenschen”. Der Auftrag zur Verkündung wird hier überaus zentral: Gefordert ist zur Erlösung und Befreiung die Erkenntnis über das Wesen der Welt in ihrem wahren Sinne. Zuvorderst ist dies eine ontologische Frage, also eine Frage, die die Erklärung des Seins betrifft. Und diese Frage nach den Seinsbedingungen ist -was viele nicht ahnen- von stupender Konkretheit, die Anmerkungen Jesu meinen gar kein Entrücktes, sondern sie bieten physikalische und geographische Bestimmung – sie bieten Klärung der Verhältnisse und der Rätselhaftigkeit der Existenz im und für den Standpunkt der Immanenz!
Auch das Ethische resultiert zuletzt aus dieser Bestimmung. Gerade auch für das Ethische ist aber die Erhellung und die Befreiung aus der Wirrnis -die folgerichtig auch für allen Irrtum und alle Lüge und das Böse selbst verantwortlich ist, von Vorrang, die Welt soll aus dem Dunkel zur Erhellung, zur universalen Wissen-schaft – eben zur Wahrheit – geführt werden. Die Kirche hingegen verlagert allen Aufstieg in die Vollmacht und Verantwortlichkeit eines personal gedachten Gottes -Jesus’ Geschichte wird zum reinen Symbol für eine prinzipielle Entrückung des Noetischen, und die Erlösung kann nur innerhalb einer Konstellation vollzogen werden, die einem Kind-Vater Verhältnis gleichkommt und -wenn überhaupt- ausschließlich durch ethisches Handeln positiv beeinflusst werden kann. Die Lehre Jesu aber gibt folgende Klarheit: Die Ethik liegt in der Wahrheit, nicht aber liegt die Wahrheit in der Ethik! Das Resultat jedoch der kirchlichen Anschauung bedeutet ein Verharren, eine Verstetigung in der Unwissenheit zur Bestätigung der Gefallenheit und Affirmation des Todes. Hier ist Leben nicht Entwicklung, nicht Vitalität. Daher auch die Priorität der düsteren jesuanischen Leidens- und Todespose vor der hellen transformatorischen Pose der Auferstehung.

Konservativismus, unkonsolidiert

Allerorts erkennt man ein Sich Scharen um wohlklingende oder bedeutungsschwere Namen oder Termini oder Konzepte, eher um des eigenen Besserergehens, aber ohne Durchdringungswunsch. Eine Form der Vermeidung und Tarnung zugleich, eher noch eine Expose innerer Erstorbenheit. Denn das Sich-Einrichten in ästhetisierender Begrifflichkeit bezeichnet ein Verharren außerhalb des Seinsbezuges. Und außerhalb des Seins ist kein Leben.
Dieser Satz läßt sich gerade passend in Bezug zum Kirchenkonservativismus setzen, und schließlich ist man hier mit einem besonders hartnäckigen Problem des Konservativismus im Allgemeinen konfrontiert, und man sieht kaum eine Chance, dieses je zu überwinden: Denn man hegt den Wunsch nach Sammlung, man möchte sich konsolidieren, rekurriert zur Konsolidierung auf eine Position, die als bestandswürdig deklariert wird, die genau besehen dabei aber in sich selbst eben das Gegenteil ist, weil sie den eigentlichen Bezug und Wesensgehalt der Proklamation vermissen läßt und so der evidenten Grundlegung entbehrt und damit einen Mangel an innerer Konsistenz (und so an Beweis- und Überzeugungskraft) aufweisend vielmehr eine Tradierung und Tradition willkürlicher Bezüge darstellt, die vom Charakter her viel eher politisch-historische Setzungen widerspiegeln als alles Andere, weil eben die eigentliche transzendente Verursachung nicht aufgesucht, in ihrer Bedeutung gar abgewiesen wird und folgerichtig in ihrer Willkür unter jeder kritischen Methode kollabieren muß und sich so zuletzt nur über repressive Maßnahmen am Leben erhalten kann und damit zu kaum mehr taugt als zur Aufrufung dialektischer Gegenkräfte. Diese Definition von Tradition entbehrt nicht weniger als ihrer eigenen Grundierung- man stelle sich einen Baum ohne Wurzel vor, den man also pflegt und zu prächtigem Leben verhelfen will. So bleibt ihm bestenfalls nur ein Symbolisches mit vagem Rekurs, etwas im Sinne des Wortes Konserviertes zur äußeren Bestandswahrung, was zwar noch nicht bedeuten muß, daß ihm in der Schwäche seiner Existenz seine Eigentlichkeit vollkommen wesensfremd geworden sein muß, was zumindest aber von dem, der die Proklamationen ausgibt, ohne Kontext für die vitale Ursache unternommen wird – und gerade hier liegt der Mangel. Daher kann hier viel passender von einem Ästhetitizismus die Rede sein. Alles ist Symbol, Ritus, Lithurgie, Sakrament, Maske zuletzt. Es wird kein Auftrag mehr erkannt und unternommen, das Symbolische seiner Gegenwärtigkeit und Intention zurückzuführen – im Gegenteil wird dies sogar mit einem Verdikt belegt. So wird das Heilige zum Gedenken, es wird museal und hat keine zukunftsweisende Kraft. Es handelt sich um eine Sache der wohlwollenden Betrachtung und der psychologischen Protektion und der pragmatischen Verortung, nicht aber um ein Ding des Daseins selber, nicht um den aktualen Seinsvollzug mit (bzw. in die) Zukunft. Außerhalb des Seins ist kein Leben -und ebenso keine Spiritualität!

Weltbilder, konvergierend

Karl Lanius Über das Weltbild der Jäger- und Sammlergemeinschaften:
“Wie bei den Sozialbeziehungen zeigen sich auch auf den Gebieten der ethischen Normen und religiösen Vorstellungen einige bemerkenswerte Gemeinsamkeiten;
Ziel der Menschen ist nicht die Herrschaft über die Natur, sondern mit und in ihr in Harmonie zu leben. Eine Vorstellung, die im Gegensatz zum Christentum steht, das den Menschen zum Herrscher über die Natur erklärte – ein Glaubenssatz, der mithalf, uns an die Schwelle des Zusammenbruchs der Biossphäre zu führen.”

“In der Religion bilden Diesseits und Jenseits eine unauflösliche Einheit. Jenseitige Kräfte bestimmen das Naturgeschehen.”

“Die Glaubensvorstellungen zahlreicher Gemeinschaften unterscheiden zwischen der Gegenwart und einer mythischen Vorzeit, in der Tiere und Menschen noch nicht getrennt waren.”

Es zeigt sich hier deutlich, daß Animismus und pantheistisches Denken in einem gewissen verwandschaftlichen Verhältnis stehen. Nicht ohne Grund hat man auch den Pantheismus den Animismus der Eliten genannt. In der Umkehrung könnte man den Animismus als einen mythischen oder symbolischen Pantheismus oder Panentheismus bezeichnen. Gemeinsamer Nenner ist die wesenhafte Nicht-Getrenntheit der hiesigen, raumzeitlichen und andererseits einer überraumzeitlichen und numinosen Sphäre. Es herrscht eine Art Panpsychismus, wobei die numinosen Seelenkräfte jederzeit verschiedene Form annehmen und entsprechend inkarnieren können.
Noch bei Platon findet sich die sehr verwandte Überzeugung von der Seelenwanderung, die keine prinzipielle Schranke zwischen Mensch- und Tierwelt kennt, sondern die durch die aller Spezifika der Gattung enthobene Vorform der Seele zu jeder Art der Inkarnation kommen kann. Es ist nicht ohne Grund annehmbar, daß hier eine Nähe im Sinne einer Sukzession zum ägyptischen Denken besteht, das sich gerade auch in der Formwandlung seiner Götterwesen ausdrückte. Die hybriden Darstellungen aus Mensch und Tier gelten in Ägypten dabei nicht so sehr wörtlich, sondern vielmehr als flexible symbolische Repräsentation einer viel höheren und universalen göttlichen Verfasstheit.

“Eine von den Kräften der Vorzeit ist im Trickster personifiziert. Er symbolisiert die Menschenähnlichkeit, die Schwachheit einer übernatürlichen männlichen Kraft. Der Trickster steht deutlich im Kontrast zum allmächtigen, allwissenden Gott in den Religionen der Hochkulturen.”

Bemerkenswert ist die Vorstellung der Zwischeninstanz des Tricksters, dies zeigt -wenn man so will- einen gnostischen Impetus des Früh-oder Urreligiösen. Oder anders gesagt: Der Trickster als urgnostisches Motiv läßt sich bis auf die animistischen Kulturstufen zurückverfolgen, was zeigt, daß das gnostische Denken prinzipiell frühreligiösen, schamanischen Ursprungs ist. Nicht anders aber verhält es sich im Kern mit einem zum philosophischen Idealismus stilisierten Monismus, wie ihn der Platonismus später verkörpert. Mircea Eliade hatte auf den Zusammenhang zwischen Gnosis, Mystik und Schamanismus seinerzeit aufmerksam gemacht. Entsprungen sind die frühreligiösen Vorstellungen ganz ursächlich einer Empirie, die auf initiatorischen Handlungen beruht. Diese wiederum beinhalten in jedem Kulturkreis und in jeder frühen Gesellschaft den Gebrauch bewußtseinserweiternder Pflanzenstoffe. Hierauf kann gar nicht eindringlich genug hingewiesen werden: Diese Handlungen bilden den eigentlichen Ursprung aller Religion. Religiöses Denken ist eben nicht (allein) das Konstrukt aus geistig-intellektueller Notwendigkeit angesichts der übermächtig erscheinenden, ungelösten Existenzfragen, sondern ganz und gar meint das Religiöse “den Bericht” einer induzierten Erfahrung, die Einblick in die Dispositionen einer das Weltliche umgebenden numinosen Überraumzeitlichkeit gewährt hat. Alle weitere kulturelle Übersetzung birgt dann eine Entfernung vom Erlebten und die Abstrahierung von diesem inneren Gehalt (gerade auch weil die Entfernung vom eigentlichen Sakrament vollzogen wird), hinzu kommt bald die (entleerte) Ritualisierung und gar Instrumentalisierung durch eine Priesterschaft, womit die Immanenz des Numinosen endgültig der Allgemeinheit (dem Individuum) entrissen wird und in die Hand der Wenigen gerät. Lediglich die auf die urreligiöse Tatsächlichkeit rekurrierenden geistigen Strömungen (Pythagoreismus, Platonismus, Gnosis, Mystik, Idealismus, Lebensphilosophie usw.) vermögen es, dem Einzelnen die unvermittelte Teilhabe am Transzendenten als fundamentalen Anteil seiner Persönlichkeit zurückzugeben. Es sollte an dieser Stelle zu tiefstem Nachdenken anregen, daß diese Ströumungen (zumindest in der westlichen und nahöstlichen Hemissphäre) allezeit bis zur Vernichtung bekämpft wurden.

Karl Marx und Tierrecht

An besseren Tagen möchte man zu einigen Veganern und Tierrechtlern, die in neodystopisch-marxistischer Manier gleich noch den ganzen Rest der Welt mitzuretten gedenken, wie mit Nestor bei Sophokles sprechen: ‘Nicht tadl’ ich dich: dein Thun ist recht, dein Reden schlimm.’
Der Hintergrund für diese kleine Polemik: Wiederholt versucht ein – besonders lautstarker- Teil der “veganen Szene” ausgerechnet Karl Marx zur ‘Befreiung der Tiere’ -und ebenso gleich zur Befreiung des Menschen – heranzuziehen. Zur Befreiung des Menschen nach Marx wären aber nun an dieser Stelle die Bücher von Cortois, “Schwarzbuch des Kommunismus” oder Alexander Solschenzizyn, “Archipel Gulag” heranzuziehen. Die Frage dann, ob wir heute noch eine Befreiung im Sinne von Marx wollen können – wollen dürfen – klärt sich nach der Lektüre eigentlich von alleine. Die Frage, was Karl Marx nun tatsächlich mit “Tierrecht” zu tun hat, ebenso. Nämlich genau gesagt überhaupt nichts. Zum Stammvater der linken veganen Szene hat ja eben jene daher auch TOLSTOI gekürt. Und der war “noussphärischer” (oder: neuplatonisierender) Christ. In Wirklichkeit heißen die Stammväter des Veganismus -für das westliche Denken- Pythagoras und Empedokles (in deren Tradition steht Tolstoi), und deren Welt-und Menschenbild schließt sich mit dem materialistisch-mechanistischen Weltbild von Karl Marx vom Grunde her aus. Insofern könnte man den ‘marxistische Veganismus’ als nichts anderes als den Versuch einer feindlichen (ideologischen) Übernahme der Thematik zu eigenen Zwecken bezeichnen und daher sollte dies also entsprechend eingeordnet und behandelt werden.
Der Begriff der “Freiheit”, wie wir ihn uns heute vorstellen, ist im Marxismus indes gar nicht vorgesehen.
Ein explizit marxistisches Motiv ist etwa die totale Dienstbarmachung und Unterwerfung bzw. Transformation der Natur unter den Willen und Zweck des Menschen. Die Freiheit des Menschen wird dabei immer nur von einer Anthropologie der Produktion aus gedacht (und die ihm versprochene Autonomie wird dem produzierenden Kollektiv untergeordnet und löst sich somit sogleich wieder auf). In diesem Sinne ist der höchste Zweck des Menschen ein ökonomischer. Auch Bewußtsein, das Marx den Tieren gar nicht zuspricht, ist für ihn nur ein Derivat materieller Produktion, zu der das Tier eben wie zu Logik, Kulturleistung usw. keinerlei Befähigung hat. Wie will also alleine anhand des gerade Gesagten die antispeziesistische Linke mit Marx ihren Antispeziesimus untermauern? Ein Ding völliger Unmöglichkeit!

Nietzsche, Schopenhauer, Ethik

Gunzelin Schmid Noerr:
“Moral geriet (bei Nietzsche) eher unter skeptischen Generalverdacht. Diesen Ideen gab Nietzsche auf höchst eigenwillige Weise Ausdruck, indem er sie zugleich zu einer Art Zukunftsmoral überhöhte. Seine Auffassung läßt sich durchaus als Gegenentwurf zu Schopenhauers Mitleidsethik verstehen. Hatte Schopenhauer die trüben Beimengungen des normalen moralischen Handelns herausgefiltert und nur das vollständig uneigennütze Handeln, das er mit dem Mitleid gleichsetzte, als moralisch wertvoll anerkannt, so radikalisierte Nietzsche nun diese ethische Kritik der Moral, indem er auch am Mitleid neue Schattenseiten, nämlich Machtimpulse, bloßlegte. Es mochte der Heuchelei, der Neugier, der Sentimentalität, der Unterwerfung, der Überwältigung, der Verstellung und anderer Winkelzüge dienen. So konnte es jede nur mögliche Funktion im Maskenspiel des ‘Willens zur Macht’ übernehmen. Letztlich sind die Menschen, so Nietzsche, nicht zur Verneinung ihres Egoismus in der Lage, der die einzige Triebfeder ihres Handelns darstellt. … In diesem Sinn bezeichnete beispielsweise Dolf Sternberger das Mitleid als das ohnmächtige Lösemittel der verhärteten sozialen Verhältnisse, ein Mittel zum Ausgleich und Schutze gegen Kritik, das Sammelbecken der aus Markt und Börse entwichenen Menschlichkeit, gern und wohlwollend betrachtet, eine verschlossene Arznei und ein kraftloses Arkanum.”
Man kann nun hierzu bemerken:
Von Nietzsches Denken her wird das Moralische im Prinzip einer kritischen psychologischen oder psychosozialen Betrachtung unterzogen. Tatsächlich ist all sein Einwand durchaus dienlich, um hiermit ein wahres Wesen des Ethischen zu ermitteln bzw. zu untersuchen, ob ein solches überhaupt proklamierbar ist. Löst sich das Moralische dadurch aber in sich gegenseitig bedingende “Berechnungen” oder “Zufälligkeiten” und so als unevidentes Konstrukt der verschiedenen menschlichen Motivationen auf, führt eine solche Betrachtung zuletzt zu einer Leugnung der Eigentlichkeit des Gegenstandes, die meines Erachtens unzulässig wird, weil sie zu anthropozentriert bleibt.
Schopenhauer sagt: “Grenzenloses Mitleid mit allen lebenden Wesen bedarf keiner Kasuistik. Sie ist ontologisch verankert.”
Nietzsche hätte diesen Satz Schopenhauers nicht akzeptieren wollen, war er doch gerade der Kasuistik verhaftet, somit der Welt, den Menschen, ihrer Historie und Psychologie. Zudem sein Weltbild: Sein amor fati war groß gedacht, blieb aber zuletzt doch zu beengend, weil es nie aus der Immanenzvorstellung seiner Zeit (der Newton’schen Raumzeit) ausbrechen mochte, und durch all die Unruhe der divergierenden Blickwinkel drang er so nie durch zum Wesen, zur eigentlichen Essenz der Dinge, die den Dingen aber abzusprechen ein absurdes Unterfangen darstellen muß. Und so sagt Karl Jaspers zu Recht: ‘Wohin will Nietzsche überwinden? Das letzte Wort ist von ihm nie und nirgends gesprochen. ‘
Schopenhauer aber weiß, daß die Ethik nicht Sache der Blickwinkel, nicht einmal Sache der Menschen ist. Ihm hätte die meiste Betrachtung Nietzsches -als ‘Allzu-Menschliches’- als Abhandlung über den Umkreis der Nichtigkeit gegolten, als Untersuchung und Unterscheidung über den Schein.
Oder anders gesagt: Nietzsche übt sich in Bezugnahme auf die äußere Darlegung der Motivationen menschlichen Verhaltens, Schopenhauer betrachtet Qualitäten, die sich im Menschen abbilden, die aber ihrem Grundwesen nach (nach seinen Betrachtungen) schon vor und über dem Menschen angelegt sein müssen, und in der Gewinnung dieser Perspektive kommt es gar zur Überwindung der ontischen Disposition “Mensch” und zur Annäherung an hinausführende, metaphysische Notwendigkeiten. Nietzsche ist beim Ethischen ganz Psychologe, Schopenhauer aber Philosoph. (Und ich bin ganz bei Schopenhauer.)

Kenneth Ring, Evidenz für Nahtoderfahrungen

Ein Textzitat zur Empirie von Nahtoderfahrungen:
“Ring und Cooper untersuchten die Nahtod- und ausserkörperlichen Erfahrungen von 31, teilweise von Geburt auf blinden Menschen. Es zeigte sich, dass Blinde während ihrer NTE ähnliche Erfahrungen machen können wie Sehende, wozu auch optische Wahrnehmungen gehören. Berühmt wurde der von ihnen dargestellte Fall von Frau Vicky Umipeg, die während ihrer NTE deutlich visuelle Erlebnisse im Kontext einer ausserkörperlichen Erfahrung machte. 1973, im Alter von 22 Jahren, wurde sie in einen schweren Autounfall verwickelt und fiel ins Koma. Nach ihrer Aussage schwebte sie über der Unfallstelle und konnte zum ersten Mal in ihrem Leben sehen. Sie erkannte, dass es sich beim Unfallbus um einen VW handelte. Sie folgte dem Wagen und der ihr unbekannten Patientin bis in die Aufnahmestation und nahm dabei Details der Umgebung oder Aktivitäten des Personals wahr. Sie wunderte sich beispielsweise, dass der Schrank der Notfallaufnahme von oben gesehen völlig verstaubt war. Aus der Deckenposition erkannte sie schliesslich an der unter ihr liegenden Patientin den eigenen Ehering. Dadurch realisierte sie, dass die komatöse Person, um die sich alle hektisch kümmerten, sie selbst sein müsse. Zum ersten und einzigen Male habe sie dabei ihr Gesicht gesehen. Frau Umipeg war kurz nach der Geburt aufgrund einer zu hohen Sauerstoffkonzentration im Inkubator erblindet.
Ein Farbenblinder schilderte ein ähnliches Erlebnis während seiner NTE: „Die Primärfarben kann ich zwar auseinanderhalten, aber Pastelltöne sehen für mich alle gleich aus. Damals konnte ich sie plötzlich doch unterscheiden, sogar in vielfältige Nuancen. Fragen Sie mich nicht nach den Namen, die kenne ich nicht, …” Die Sterbebegleiterin Siegelinde Fuchs berichtet von einem farbenblinden Patienten, der kurz vor seinem Hinscheiden verwundert war, dass er die “echten” Farben sehen konnte.
Während die oben dargestellte Aufhebung körperlicher Behinderungen nur subjektiv erfahren werden kann, sind die Fälle dokumentierter Sterbeluzidität objektivierbarer. Seit dem 19. Jahrhundert werden immer wieder Berichte publik von sogenannter Luzidität dementer Patienten kurz vor ihrem Tod. Nachdem sie teilweise seit Jahren ihre nächsten Verwandten nicht mehr erkennen konnten, werden ihr Blick sowie ihr Bewusstseinszustand plötzlich klar. Sie setzen sich auf und sprechen vollkommen adäquat mit den Anwesenden, die sie nun wahrnehmen und beim korrekten Namen nennen können. Meist sterben sie bald darauf.”