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Inhalt – Philosophisches

Kohärentes Psychisches

C.G.Jung: “…das kollektive Unbewußte” ist dies, “welches als ein Erbgut an Vorstellungsmöglichkeiten nicht individuell, sondern allgemein menschlich, ja sogar allgemein tierisch ist und die eigentliche Grundlage des individuell Seelischen darstellt.
Dieser ganze seelische Oragnismus entspricht genau dem Körper, der zwar stets individuell variiert, daneben aber und in allen wesentlichen Grundzügen der allgemeine menschliche Körper ist, den alle haben, und der in seiner Entwicklung und Struktur jene Elemente noch lebendig besitzt, die ihn mit den wirbellosen Tieren und schließlich sogar mit den Protozoen verbinden. Es müßte sogar theoretisch möglich sein, nicht nur die Psychologie des Wurmes, sondern auch die der Einzelzelle aus dem kollektiven Unbewußten wieder herauzuschälen.”
Diese Aussage korreliert mit schamanischen Schilderungen, die unter dem Einfluß eines Entheogens von der Möglichkeit (der Seelenreise) kündigen, so in jegliche organische Form einzugehen. Letztlich wird hier eine Teilhabe am höchsten und einzigen Ens geschildert, das panpsychistischen Charakter annimmt, als ein Prinzip, das unberührt hinter aller Erscheinung stehend sich aller Erscheinung bedienen kann, dies, indem es zum einen inkarniert – also in der Bewußtheitsstufe der hierarchischen physischen Explikation (befangen) ist, zum anderen aber sich aktiv in seiner eigenen Disposition bei vollem Selbstbewußtsein seiner Form bedient. Das Organum ist schließlich nur Bild, ist sekundäres Substrat einer Sichtweise. Das , was ‘panpsychisch’ genannt werden kann, ist an sich eine seelische Apriorie und absolut (formlos) ungebunden.
“Alles Streben von Schamanen wie Don Juan zielte darauf, wie sie es selbst definierten, am Ende selbst ein anorganisches Wesen zu werden, also Energie, die ihrer selbst bewußt ist und als kohärente Einheit funktioniert jedoch ohne einen Organismus. Diesen Aspekt ihrer Kognition nannten sie die absolute Freiheit, ein Zustand, in dem das Bewußtsein frei von den Zwängen der Sozialisation und der Syntax existiert.” (C. Castaneda)
Oder W. Beierwaltes über die Ansicht Meister Eckarts: “Die stetig wachsende Teilhabe des Intellekts am Unendlichen hat zur Voraussetzung den ‘exitus a semet ipso’, den ‘Ausgang von sich selbst’.”

Apriorie der Form

Graham Hancock: “Wir fühlen uns wohl sehr sicher in der Annahme daß es nicht mehr gibt als die materielle Welt, in der wir leben, aber wir können nicht überprüfen, daß dies der Fall ist. Theoretisch könnte ein anderer Seinsbereich existieren, andere Dimensionen, derart, wie alle religiösen Traditionen oder die Quantenphysik es behaupten.
Theoretisch könnte unser Gehirn genauso ein Empfänger wie ein Generator sein und könnte so in einer Feinabstimmung durch alterierende Bewußtseinszustände Wellenlängen aufnehmen, die normalerweise für uns nicht zugänglich sind. Abhängig von unserem Blickwinkel und unseren Erfahrungen können wir die Annahme , daß diese ‘Anderswelten’ wahr sind mehr oder weniger unwahrscheinlich finden, aber es ist wichtig zu verstehen, daß keinerlei empirische Evidenz besteht, sie auszuschließen.”

Das Gesagte entspricht der typisch- schamanischen Grundlegung:
“Die Schamanen von Don Juans Linie sahen, daß es zum Wesen belebter Energie gehört, die Energie des gesamten Universums in sensorische Daten zu übersetzen. ” – In diesem Kontext auch Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus: “Was das gewordene Sein auch sein mag, ein jedes muß Gestalthaftigkeit und Anblickbarkeit besitzen.”- “Im Falle der Menschen, so behaupten die Schamanen, ist die Interpretation von Sinnesdaten unsere Art der Kognition. Aber unsere Kognition kann, wie sie sagen, zeitweilig unterbrochen werden, da sie lediglich ein taxonomisches System ist, bei dem gewisse Reaktionsweisen zusammen mit der Interpretation sensorischer Daten klassifiziert werden. Falls eine solche Unterbrechung stattfindet, so sagen die Zauberer, wird es möglich, die im Universum fließende Energie direkt wahrzunehmen. Diese direkte Wahrnehmung von Energie hat, wie die Zauberer es beschreiben, einen ähnlichen Effekt, als sähe man sie mit Augen, obgleich die Augen nur eine minimale Rolle dabei spielen.” (Carlos Castaneda)
Bliebe anzumerken, daß wir hier mit einer nächsttieferen Ebene des Seins konfrontiert sind, die apriorisch zur Form als energetische Disposition (die visuell sichtbar werden kann) Anlage und Bereitstellung zur Form bedeutet. Zur Explikation im Bild drängt indes der Wille zur Werdung und Konkretion. Dies sind typische Signa der schöpferischen Seele, oder auch der Konzeption von Prakriti und Purusha – Prakriti, das zur Explikation drängende Naturprinzip, Purusha, das geistige Reservoir, das hierfür zur Verwirklichung vorhanden ist. Ihr dialektisches Miteinander bedeutet den tätigen Aspekt der Weltseele.

Offenbarung und Offenbarwerdung

Graham Hancock: “Es ist für mich hochplausibel geworden, zu erkennen, daß Halluzinationen frühe religiöse Vorstellungen von übernatürlichen Bereichen und Wesenheiten hervorgerufen haben könnten, ähnlich wie das Überleben des Todes durch die Seele. Wo in der Tat sonst sollten unsere Ahnen sich mit solchen Ideen vertraut gemacht haben als an erster Stelle in den visionären Bereichen, in denen die Schamanen aller Kulturen in allen Zeiten ihre spirituellen Reisen unternommen hätten?
Dort, wie ich bereits für mich selbst herausgefunden hatte, werden hybride Mensch-Tiergestalten, Lichtwesen, Transformationen und Begegnungen mit den Verstorbenen möglich.”

Es ist also an dieser Stelle von einem urreligiösen konkreten Erleben zu sprechen. Die Unmittelbarkeit und Erlebbarkeit des ‘Höherstofflichen’ ist so wichtigstes Signum und ursächliche Grundlegung für das Seinsverständnis von der Defizienz der raumzeitlichen alltäglichen Sicht. Der Begriff der Offenbarung verliert nun im theistischen Modell diese empirische Dimension bzw. betreibt die Verlagerung zum Erleben eines außerraumzeitlichen Agens und seiner Botschaft im Bruch und Kontrast zum eigenen Mensch-Radius, dem dieses Agens als das völlig Verschiedene gegenübertritt. Tatsächlich aber ist Offenbarung vielmehr Offenbarwerdung durch Teilhabe und aktives Erleben und bietet die Möglichkeit der eigenen Transzendenz, die statt Delegierung und Platzhaltertum Autonomie und Wissen um die wahre Disposition verspricht. So füllt das (feinstofflich) Vorfindliche, was als Grundlegung aller Religion anzusehen ist, bereits das ganze Bild von der höheren Bestimmung, hält für die Erfassung der Höherdimensionalität leitmotivisch bereits alles inne. Das von archaischer Zeit als Prinzipielles Bekannte muß auf der Zeitlinie nun stetige Durchwirkung in der differenzierenden und spezialisierenden Funktion erfahren – in dem monistischen Sinne, daß sich das (unendlich komplexe) Eine mit sich selber bekannt mache. So wird das Unfassliche, aber archaisch Erlebte in der Zeit eben fassbar gemacht. Die kulturelle Übersetzung in das theistische System ist hingegen schon Distanzbildung in das Symbol ohne Möglichkeit des Zuwachses, ohne Option zur Ausfüllung und hält den Menschen in der Position der Verharrung – ist somit Entfernung und Entfremdung, da sie im Keim schon den Verlust der Bestimmung birgt.

Zur theistischen Dämonie

C.G.Jung: “Rückschließend aus der Natur der Komplexe besteht nach dieser Ansicht das Unbewußte wesentlich aus inkompatiblen Tendenzen, die wegen ihrer Immoralität der Verdrängung verfallen. ” (Nach Freud)

“Der allgemein verbreitete Geisterglaube ist ein direkter Ausdruck der Komplexstruktur des Unbewußten. Komplexe sind nämlich recht eigentlich die lebendigen Einheiten der unbewußten Psyche, deren Vorhanden- und Beschaffensein wir in der Hauptsache nur durch die ersteren erkennen können.”

Man würde hier nun primär and den Bereich der Moral und Sitte denken, aber tiefer als die Faktoren, die zu kultureller (sittlicher) Prägung gereichen, greift die Tatsache, daß dem Menschen vor allem die Teilhabe am (einzigen) geistigen Prinzip – das potentielle ‘Eins-Sein’ – innewohnt. Dieser Verhalt -weil der Mensch eben aus dem Geist stammt – arbeitet sich auf die eine oder andere Art immer nach oben, wird aber in aller Regel nicht bewußt gemacht oder gar rational nachvollzogen, sondern vielmehr nur diffus gefühlt, oft als fremd einsortiert, als Irritation und störend für die lebenspraktische Anpassung empfunden und entsprechend verdrängt oder überwölbt mit außengerichteten Geschäftigkeiten oder Surrogaten aller Art. Zugelassen wird der geistige Impuls – wenn überhaupt – dann in aller Regel nur in einer Filterung und Bearbeitung am kulturellen Kontext und seinem ursächlich von außen angetragenen Erwartungshorizont. Hierbei werden die geistig (religiösen ) Impulse, die als eigen erlebt wahrgenommen werden, im theistischen Verständnis solcher Prägung gemäß als Fehlinterpretation gedeutet, da nur von Gott aus geistig/transzendentes Tun zu erfolgen hat. Wenn aber dieser Impetus eine gebührende Dynamik entfaltet, ist eine Verdrängung ohne weiteres nicht mehr möglich, und so kommt es zu einer Umlenkung der Begrifflichkeit und der Inhalte, die nun von außen aktiv als Einwirkung der Dämonie benannt werden können, um diese (Eigen-) Dynamik eben erklärbar zu machen, sich der Häresie zu entlasten, selber gesitiges Agens zu sein. Es ist zu vermuten, daß im Verlauf der Kirchengeschichte die Hölle immer evidenter wurde, weil der Mensch sie auf diese Art erst genährt und mit allerhand entsprechenden Entitäten zu füllen gewillt war.

Variantes Urbild

“Doch legt der Begriff ‘Urbild’ bereits etwas inhaltlich Bestimmtes näher als der Begriff ‘Archetypus’, der einen dem Wesen nach unbewußten und darum unerkennbaren Inhalt, einen formativen Faktor oder ein Strukturelement darstellt. Nur als ein Strukturelement, als ein anordnender Faktor im Unbewußten, vererbt sich der Archetypus, während das von ihm ‘angeordnete’ und vom Bewußtsein wahrgenommene Bild als subjektive Variante in jedem Leben immer wieder neu entsteht.”
Der Hintergrund hierzu läßt sich neuplatonisch wie folgt definieren: Die logoi, rationale Strukturen in der Seele, betrachten die Ideen, diese sind von Unexpliziertheit (im Sinne einer Nicht-Bildhaftigkeit) und in ihrer Bildwerdung abhängig vom Stand des Bildgebers.

Plotin: “Wenn nun die Seele jenem Logos zu eigen geworden ist und in eine entsprechende Verfassung gebracht ist, dann holt sie es hervor und nimmt sie ( zu Händen; denn was sie primär besitzt, das will sie auch kennen lernen, und durch dieses zu Händen nehmen wird sie gleichsam verschieden zu ihr selbst, und es diskursiv denkend sieht sie es als ein Anderes … sie ist nicht erfüllt, sondern sie hat Mangel gegenüber dem vor ihr; jedoch sieht auch sie in Ruhe, was sie hervorholt. Denn was sie einmal hervorgeholt hat, das holt sie nicht mehr hervor, was sie aber hervorholt, das holt sie aus Mangel zur Überprüfung hervor, um kennen zu lernen, was sie besitzt.”

Es geht hier um ein Foranschreiten (das freilich das Erinnern dessen bezeichnet, was die Seele einst inne hatte). Gemeint ist der Inhalt des Nous, der über ihr steht und sie in der Rückschau auf sich selbst gebiert. Insofern sind die Archetypen gemäß dem Entwicklungsstand formhaft variant, die Bildlichung der Urformen sind wohl dem ähnlich, was die Seele an Erinnerung besitzt, und je mehr sie erinnert, desto umfangreicher (und auf der Zeitachse auch entwickelter bzw. futuristischer) muß wohl auch ihre Form anmuten, bis sie schlußendlich aber zum Ziel der ‘Entformung’ kommt, da Ursprung und Auflösung der Bilder schließlich das selbe meint (insofern passt hier das Diktum vom Alpha und Omega). Der Fundus der archaischen Bilder des kollektiven Unbewußten erfährt also in der Progression (der Rückemanation) Ergänzung des Bildes gemäß der Befähigung, die eben zur Beschreibung hierzu zur Verfügung steht.

Alles ist Psyche

C.G.Jung: ‘Die Art, wie ich die Komplexlehre darstelle, klingt wohl dem unvorbereiteten Ohr wie eine Schilderung primitiver Dämonologie und Tabupsychologie. Diese Eigentümlichkeit rührt einfach daher, daß die Existenz der Komplexe, also abgespaltener psychischer Fragmente, noch ein ganz merkliches Überbleibsel des primitiven Geisteszustandes ist. Letzterer ist von hochgradiger Dissoziierbarkeit, die sich zum Beispiel in der Tatsache ausdrückt, daß von Primitiven sehr häufig mehrere Seelen, in einem Fall sogar bis sechs, angenommen werden, und daneben gibt es erst noch eine Unzahl von Göttern und Geistern, von denen nicht bloß, wie bei uns, geredet wird, sondern es handelt sich öfters um sehr eindrucksvolle psychische Erfahrungen.’
Nun wird von schamanischer Warte und Erfahrung durchgehend darauf hingewiesen – oder vielmehr darauf bestanden, daß die Geistererfahrung durchaus real ist, was bedeutet, daß sie im Außen stattfindet, daß sie wie die Raumzeitlichkeit vornehmlich nicht intrinsischer psychischer Natur ist, sondern ihr im Vergleich zu dieser vielmehr gar gesteigerte Realität zukommt. Jungs Ansatz hingegen läßt u.U. kurzschließen, hier läge lediglich ein symbolhaftes Sehen vor. Tatsächlich aber verwehrte sich Jung selber gegen den latenten Anwurf, von ihm beschriebene Phänomene seien dadurch erklärt, daß man sage, sie seien ‘lediglich psychisch,’ indem er darauf verwies, daß letztlich ja ‘alles Psyche sei’. Ein Satz , der sicher höchste Kompatibilität mit dem neuplatonischen Diktum aufweisen kann, alles lebe und webe durch die Weltseele. Hier wäre anzufügen, daß das Gesehene aus sich selbst heraus gar keine Aussage über die eigene Realität oder den Wahrheitsgehalt ‘von Welt’ treffen kann .
Daß diese angenommene Wahrheit also in Abhängigkeit des seelisch feinstofflichen (Perzeptions-) Prozesses als variierbar und relativierbar erscheint, enthält zudem eine monistisch-doketistische Herleitung, die alles als Schein oder Abbild in sensorisch-reduktionistischer Lesart zum höchsten und einen Prinzip behandeln muß. Monistisches Denken birgt darüber also die Konsequenz der völligen Abstraktion (oder Bilderleere), wie sie etwa im Buddhismus als erstrebenswerter Zustand protegiert wird-, denn auch die Welt der Devas, Götter usw. ist Bild, und es erscheint nicht einmal als erstrebenswert, in die göttlichen Sphären zu (re-) inkarnieren. Abhängig vom Entheogen ist diese Erfahrung totaler Transzendenz zwar ebenfalls schamanisch induzierbar, spielt aber – wohl aufgrund der schwierigen Physiologie der Evozierbarkeit – eine sehr untergeordnete Rolle.
Meister Eckhart sagt: “Meine Äußere Erscheinung ist nicht meine Natur, sie ist vielmehr ein Abfall von meiner Natur, und unsere Seele ist weit darüber erhaben und ist in Gott verborgen. Ich sage nun denn nicht allein: über der Zeit, sondern in Gott verborgen. Bedeutet das der Himmel? Alles, was körperlich ist, das ist ein Abfall und ein Niederfall.”
Und Volkmann -Schluck über den Neuplatonismus: ” Die Seele, die bei ihrem Rückzug im Vollzug der Selbstbesinnung auf die in sich geeinigte Ganzheit des Nous blickt, darf nichts mitnehmen von Vorstellungen aus der zerstreuten Sinnessphäre, die zerstreuend ist. Erst im Geist wird der Bezirk erreicht, von dem aus das schlechthin ungegenständliche Sein des Einen zugänglich wird. Sein Innewerden zwingt zum Rückzug des Denkens aus der Vielheit seines Gedachten in eine neue Einheitsdimension von seinspezifischer Andersheit.”

Transzendente Funktion, C.G. Jung und Plotin

“…auch unsere Seele ist nicht gänzlich hinabgesunken, sondern immer bleibt ein Teil ihres Wesens in der geistigen Welt; nur hat meist, was in der Sinnenwelt weilt, die Oberhand. Richtiger: es wird selbst vergewaltigt von dem Wirrsal – und hindert so daß uns zu Bewußtsein kommt, was der obere Seelenanteil schaut. (Denn das geistige Leben tritt erst dann in uns ein, wenn es herabsteigt und in das Bewußtsein kommt. Wir wissen ja alles was in einem beliebigen Teil der Seele geschieht, erst dann wenn es in die ganze Seele eingeht; der Begierde zum Beispiel werden wir nicht inne, solange sie im begehrenden Seelenteil bleibt, sondern erst wenn wir sie erfassen mit dem inneren Wahrnehmungssinn oder dem Nachdenken oder beidem.) Denn alles, was Seele ist trägt in sich ein Stück, das unten zum Leibe hin, und eines, das oben zum Geiste hin liegt.”
Und dieses Herabsteigen des Geistigen kann in psychologischen Termini gerade auch umgekehrt benannt ein Heraufsteigen unbewußter eidetischer oder archetypischer Inhalte aus dem Unterbewußtsein bedeuten. C. G. Jung spricht hier von einem sehr verwandten Sachverhalt, den er die ‘transzendente Funktion’ nennt: Die Trennung zwischen Bewußtem und Unbewußtem soll aufgehoben, überwunden werden. In einem aktiven Prozeß soll es zu einem ganzheitlichen Ausgleich der Positionen kommen, wobei der unbewußten zumeist ein kompensatorischer Charakter zum Bewußten zugesprochen werden kann. In der Tiefe des Unbewußten aber hat der Mensch darüber hinaus Zugang zum geistigen Prinzip, zum Eidos. Mit zunehmender Gewahrwerdung (auch durch Intellektualisierung – bei Plotin: “dem Nachdenken” sowie durch Ästhetisierung als Objektivierung des plotinisch “inneren Wahrnehmungssinns”) kann der Mensch sich so seiner eigenen und eigentlichen Disposition angleichen.
Dieses komplettierende Seele-Sein verweilt jedoch nicht beim Ich, sondern nimmt seinem Wesen nach überpersonalen und intersubjektiven Charakter an – man könnte auch sagen, die Seele in ihrem hohen Sein wird sich selber bekannt. Hiervon kann das raumzeitliche Ich also nur gebrochen handeln, eher nähert es sich an in der Ahnung und im Fühlen. Dies birgt auch einen solipstistischen Aspekt, denn die Komplettierung hebt die Subjekt -Objekt Relation auf, um dann jedoch im Subjekt besprochen zu werden.

Auf die Wichtigkeit des Prinzips der Freiheit zur Hinleitung auf die Eigentlichkeit, die geistiger Natur ist, hat Fichte hingewiesen:
“Wird nur durch Freiheit die Quelle des ursprünglichen Lebens und seiner Fortbewegung aufgenommen in das Leben, so wächst die Klarheit, und mit ihr die Kraft, so lange das Leben dauert. Ein solches Leben lebt sich besser, die Schlacken der irdischen Abkunft fallen immer mehr ab, und es veredelt sich hierauf zum ewigen Leben und blüht ihm entgegen.”

Bild, Übersetzung

Plotin: “Das haben auch, scheint mir, die ägyptischen Weisen, sei es aufgrund exakter Wissenschaft, sei es aus angeborner Klugheit erfaßt: sie verwendeten zur Darlegung ihrer Weisheit nicht die Buchstabenschrift, welche die Wörter und Prämissen nacheinander durchläuft und auch nicht die Laute und das Aussprechen der Sätze nachahmt, vielmehr bedienten sie sich der Bilderschrift, sie gruben in ihren Tempeln Bilder ein, deren jedes für ein bestimmtes Ding das Zeichen ist: und damit, meine ich, haben sie sichtbar gemacht, daß es dort oben kein diskursives Erfassen gibt, daß vielmehr jedes Bild dort oben Weisheit und Wissenschaft ist und zugleich deren Voraussetzung, daß es in einem einzigen Akt verstanden wird und nicht diskursives Denken und Planen ist. Und erst als ein Späteres entspringt von dieser Weisheit, welche nur mit einem einzigen Akt erfaßt wird, ein Abbild in einem anderen Ding, und dies ist nun entfaltet und legt sein Wesen selber im einzelnen dar und macht die Ursachen ausfindig, warum ein Ding so beschaffen ist…”
Hier läßt sich ein Parallelismus zum (plotinischen) Schöpfungsakt festmachen:
” …gleichsam mit einem Schlage in Erscheinung trat ein Nachbild und Gleichnis von Jenem, sei es unmittelbar, sei es durch Vermittlung der Seele – das soll uns im Augenblick nichts ausmachen – oder irgendeiner Seele; jedenfalls stammt all dies aus Jener Welt und ist dort oben vorhanden in einem schöneren Sein; denn die Dinge hier unten sind ja auch die Mischung und nicht jene.”

Man könnte hier kulturkritisch anschließen: Die Schrift und so die Kunde, die Benennung und Fixierung (der Apriorie) vollzieht sich auf der zeitlichen explikativ-diskursiven Ebene und ist so schon Signum der Distanz zum unmittelbaren Grund in seiner – metasensorischen – Gleichzeitigkeit und Authentizität, partikularisiert und zertrennt den Grund und hypostasiert somit sein Wesen. Andererseits aber ist diese rationalisierende (lebenspraktische) Explikation schon aufgrund der Tatsache, daß sie Anlage ist, Signum teleologischer oder menschlicher Notwendigkeit (eben als -diskursiver – Teil-Aspekt der Durchdringung).
Wie aber kann dann etwa Fichte – so gerade in seiner Rede an die deutsche Nation – die innere Eigentlichkeit als fundamental mit der Funktion der Sprache erachten? Hierzu das Wort von der internalisierten Sprache: “…Sprache (wird) als ein internes, mentales Vermögen, eine potentiell unendliche Anzahl von Sätzen zu generieren, verstanden, do daß der Fokus darauf gerichtet ist, wie Sprache als kognitives System eines Individuums repräsentiert und sprachliche Information verarbeitet wird.” (S. Dümig)
Bei Fichte wird das individuelle System indes zum kognitiven System der Gruppe.
Wie nun aber verhält sich die Internalisierung zur Bildlichkeit? Nun ist (ursächliche) Sprache die erste Kunde und Übersetzung aus dem Zusammensehen, bleibt dabei dem Bildlichen daher noch nahe verwandt. Dies auch, weil schließlich das Bild selbst frühe Übersetzung heißt, denn die Ideen sind ja über der Bildlichkeit, denn so wie das Geistige (der Nous) sein Innesein der Verwirklichung zuführt, indem er sich erst selbst vor sich selbst bringt, so gibt es eben ein in der Anschauung erst nicht vor sich selbst Seiendes, das sich im Denken erst in eine Vielheit ausbreitet (im Betrachter expliziert wird). Im Eide ist also dort schon Seinsverlust, wo er überhaupt artikuliert ist. Bildlichkeit, Sprache und Schrift sind hierin in ihrer Funktion nur graduell zu unterscheiden.

Grund der Sozietät

Für die Zivilisation der Maya:
“Nirgends sonst befasste man sich so obsessiv mit der Berechnung der Himmelszyklen, um auf diese Weise Kontrolle über die parallelen mikrokosmischen Vorgänge zu gewinnen. Während dies in Richtung einer Ontologie nach dem Schema des Analogismus deutet, begegnet man zugleich der animistischen Überzeugung, daß sowohl die natürliche Landschaft als auch die von Menschen erichteten Bauwerke belebt waren, erfüllt und durchdrungen von einer vitalen Kraft (k’uh), die bisweilen als unpersönlich gedacht wurde, aber auch als ‘Seele’ oder ‘Geist’ vorgestellt werden konnte, wenngleich unter den Letzteren keine fest umrissenen singulären Wesen verstanden wurden, sondern ein Ensemble multipler, verstreuter Teile oder Ko-Essenzen. Durch die Bezugnahme auf diese numinose Kraft wurde die Welt zu einem ontologischen Kontinuum, in dem es keine Trennung zwischen ‘natürlichen’ und ‘übernatürlichen’ Erscheinungen gab.
Zugleich wurde der Monismus jedoch dadurch relativiert bzw. spezifiziert, daß k’uh mit den Dingen keine dauerhafte Bindung einging und das Universum auch nicht gleichmäßig durchdrang. Was die Menschen betraf, so manifestierte sie sich nur in Königen und Königinnen sowie einer kleinen Gruppe von Adligen.” (Stefan Breuer)

Sei es in der Rede von der Seele als “Ensemble multipler, verstreuter Teile oder Ko-Essenzen” oder in der Ansicht vom “ontologischen Kontinuum”: Diese Konzeption korreliert (u.a.) stark mit der Vorstellung im Neuplatonismus. Dies ist kein Zufall, denn alle um Durchdringung bemühte Anschauung führt sich zuletzt auf die verwandte religiöse Urerfahrung zurück, die mit einer sensorischen Modifikation handelt und hierin nicht weniger als auf eine eine ontische (intersubjektive) Empirie verweisen kann.

Durch die Institutionalisierung dieses ursächlich Gewußten, aber lebenspraktisch Verborgenen, kommt es zur Entfernung und Übersetzung. Die Möglichkeit der Gewahrwerdung indes ist zwar durch Inkarnation determiniert, aber sie vollzieht sich nicht in erblicher Hierarchie, nicht über familäre Blutlinien (dies zumindest nicht per se, da hierfür eine metaphysische Verwandschaft als Vorbedingung zur Weltlichung in einer Familie vorauszusetzen ist), sondern weiter gefaßt erstreckt sie sich zur Gruppe (Sozietät), die durch geographische und zeitliche Determinanten eingerahmt wird und daher auch ein entsprechend kollektives Zugriffsrecht auf das Numinosum, das Sakrament innehält. Dessen Übersetzung wird zwar lebenspraktisch notwendige Bedingung, muss aber explizit immer wieder neu die Verursachung besprechen, authentische Kunde tun und Einbringung in die Lebens- und Vorstellungswelt Aller ermöglichen. Dies gerade durch lebensreelle Zugänge, die aus dem Verborgenen schöpfen können, durch gewährte Freiheit im Innen wie im Außen, etwa durch spirituelle autonome Praktiken, auch durch assoziatives Vorgehen, durch Imagination, künstlerische Betätigung usw.
Plotin: “Die Seelen: Nicht vermöge einer von außen kommenden Grenze ist jede, was sie ist, als ob sie eine bestimmte quantitative Größe hätte, sondern sie ist so groß, wie sie selber sein will, und niemals kann sie, wenn sie vorschreitet, aus sich selber hinausgeraten.”
Eine im Ritual und falscher Hierarchie befangene und entfremdete Gesellschaft hingegen verliert den Bezug zu ihrer Verortung und so (im zweifachen Sinne) den Grund ihres Bestehens.

Libido


C.G. Jung: “Unter Libido verstehe ich die psychische Energie. Psychische Energie ist die Intensität des psychischen Vorganges, sein psychologischer Wert. Darunter ist kein erteilter Wert moralischer, ästhetischer oder intellektueller Art zu verstehen, sondern dert psychologische Wert wird einfach bestimmt nach seiner determinierenden Kraft, die sich in bestimmten psychischen Wirkungen (‘Leistungen’) äußert. Ich verstehe unter Libido auch nicht eine psychische Kraft, als welche sie oft von Kritikern mißvertsanden wurde. Ich hypostasiere den Energiebegriff nicht, sondern gebrauche ihn als einen Begriff für Intensitäten oder Werte. Die Frage, ob es eine spezifische psychische Kraft gibt oder nicht, hat mit dem Begriff der Libido nichts zu tun. Ich gebrauche den Ausdruck Libido öfters promiscue mit ‘Energie’.”

Hierzu auch die Begriffe anderer Kulturkreise wie Prana, Mana, Chi oder etwa das K’uh der Maya. Die psychische Energie speist sich vom Geistigen, ist inhärente Kraft und will zuletzt zum Geistigen zurück.
Prana etwa (Sanskrit, m., प्राण, prāṇa, Lebensatem, Lebenshauch) bedeutet im Hinduismus Leben, Lebenskraft oder Lebensenergie.
Gelingt es, diese Energie begrifflich zu erfassen, ist im Sinne körperlicher Hinneigung ‘Leben’ lediglich als Aspekt oder Qualität des viel Größeren, des psychischen Ganzen verwirklicht. Körperlichkeit ist demnach Hervorbringung einer höheren Kraft (etwa des Willens im Sinne Schopenhauers), der aber nur perspektivisch zur Gattung und Welterhaltung geneigt ist. Der Impetus zum Weltverlassen ist der Vergänglichkeit der Gattungen, der individuierten Seelen und Seelenobjekte dabei ebenso wesentlich inhärent. Konstruktivistisch besehen ist diese Wechsel und Wanderbewegung des Energetischen apriorisch zur Erscheinung und relativiert diese entsprechend (sie treibt sie an und je mehr sie sich mit Bewußtheit assoziert, so mehr sucht sie den Ausgang aus der Hiesigkeit), im tieferen bleibt sie bei aller Form und Ansehen doch immer Geist. Nicht umsonst findet sich dann bei C.G. Jung in einer Abhandlung über ‘die energetische Betrachtungsweise in der Psychologie’ die Erwägung über die Möglichkeit, “das physische Geschehen energetisch zu betrachten ” – was gemäß der heutigen Naturwissenschaft nur eine logische Konsequenz darstellt, denn “die epiphänomenologische Betrachtungsweise ist noch ein Erbstück des alten wissenschaftlichen Materialismus.”
Alles ist Modifikation energetischer Dispositionen, alles ist Geist!