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Inhalt – Philosophisches

Abstraktionen

W. Beierwaltes zum Neuplatonismus: “Die relative und die abbildhafte Einheit in der Seele herzustellen, ist Aufgabe des Denkens – eines diskursiven Denkens, das die einzelnen Gegenstände durchläuft oder durchdenkt, sie im Begründen miteinander verbindet, das Verbundene oder scheinbar Verbundene analysiert und wieder synthetisiert, im (analytischen und) dialektischen Verfahren auf den Ermöglichungsgrund des Gedachten insgesamt zurückführt. Während das vom Geist Gedachte ‘Hieroglyphen’, einem im oder als Bild Geschriebenen oder Dargestellten – gleicht, dessen Sinn mit einem Blick als ganzer erfaßt werden kann, hat die Seele ihre in einer Buchstabenschrift verfaßten Gedanken konsequent zu buchstabieren, d. h. deren Sinn ist erst im Durchlaufen ihres Nach-und Auseinanders evident zu machen.”

Hierzu könnten folgende Sätze Werner Heisenbergs von der Abstraktion der Wissenschaften korrelieren. Auch diese sind darauf bedacht, verschiedene ‘Buchstabierungen’ der Realität (vorgenommen eben innerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen) schließlich als Ausdruck und Beschreibung eines ganzen gemeinsamen Ermöglichungsgrundes zu begreifen, der – die Analyse der einzelnen Stränge eben führt hierher – einer Zusammenschau bedarf, wesenhaft zu einer Zusammenschau führen muß – da erst in diesem Zustand schließlich alle Endbestimmung und -erklärung vorliegen kann:

“Die Naturwissenschaft hat den Schritt in die Abstraktion getan, hat die riesige Weite der modernen Technik gewonnen und ist bis zu den Urgebilden der Biologie und bis zu den Urformen vorgedrungen, die in der modernen Wissenschaft den platonischen Körpern entsprechen.”

“Sicher ist, daß in der modernen Naturwissenschaft die Abstraktion eine ganz entscheidende Rolle spielt. “

“Verstehen bedeutet, Zusammenhänge erkennen, das Einzelne als Spezialfall von etwas Allgemeinerem sehen. Der Schritt zum Allgemeineren ist aber immer schon der Schritt in die Abstraktion, genauer: in die nächsthöhere Stufe der Abstraktion; denn das Allgemeinere verbindet ja die Fülle verschiedenartiger Einzeldinge oder Vorgänge unter einem einheitlichen Gesichtspunkt, und das heißt zugleich unter Absehen von anderen, als unwichtiger betrachteten Zügen, mit anderen Worten, durch Abstraktion.”

Was kann nun ein solches “Absehen” im neuplatonischen Kontext heißen?
Zuvorderst geht es auch hier um Ent-Bildlichung als einen Blick hinter die Explikation, die ja gerade im Sinne der Physik nach Planck nicht einmal wesenhaft physikalisch-materiell genannt werden kann. Die Rückführung der einzelnen Beobachtung (und letztlich Symbolik, man nehme als ein Beispiel für Symbolik etwa das Bohr’sche Atommodell) zu ihrem Grund bildet zuläßt einen gemeinsamen Nukleus, aus dem sich dann alles der Beobachtung und Beschreibung Vorfindliche entfalten läßt. Dieser Grund ist jedoch zuletzt prä-materiell. Ein “Absehen von als unwichtiger betrachteten Zügen” ist im neuplatonischen Sinne – wie auch der gesamte Vorgang der Abstraktion – kein Hinwegnehmen im Sinne eines Auslassens oder Substrahierens, sondern es handelt sich vielmehr um ein Durchdringen auf den ersten Grund räumlich entfalteter – “buchstabierter”- Existenz, der bereits das ganze Wesen hat, nur in viel wesenhafterer/ wesentlicherer Form und daher ontisch – obwohl nicht explizit ausgesprochen – weit höherrangig ist.
Nach Proklos: “Die Modifikation der Vielheit ‘außen und innen’ müssen aufgehoben werden. Aufhebung meint hier, daß durch die Abstraktion die Spur des Einen im Vielen sichtbar gemacht werde.” (Beierwaltes)

Und: “Dialektik ist Prinzip jedes wissenschaftlich gesicherten Wissens, d.h. sie begründet, umfaßt und vollendet alle anderen Wissenschaften, indem sie deren Anfänge eint und und in den Anfang aller zurückführt. Sie konstituiert die zeitlichen und sachlichen Anfänge jedes wissenschaftlichen Wissens (also jeder Wissenschaft), indem sie den Weg zu diesem Wissen als Auflösen (Analysis), Scheiden (Dihairesis), Bestimmen und Erweisen sich vollziehen läßt, diese muß in einer Synthesis oder Synagoge und damit in der Evidenz eines Ganzen enden.” (Beierwaltes)

Diese Analyse indes führt immer zurück zum Atom und sucht dann ein prämaterielles ‘Davor’!

Seele, Durchlichtung

W. Beierwaltes zum Neuplatonismus: “Selbstpräsenz als Selbstdurchlichtung

Der Seele als solcher ist kein eigentlicher Selbstbezug und damit auch keine eigentliche Selbsterkenntnis möglich, dies nur dem Geist in ihr, d.h. einer Seele, die sich in den sie begründenden und in ihr wirkenden Geist transformiert und sich so ihres eigenen Grundes vergewissert hat. Als Bild in sich fixiert, d.h. ohne sich selbst als Bild zu realisieren, hätte die Seele zu wenig ‘Licht’ und Klarheit, sie wäre nur auf Anderes, nach außen, gerichtet. Geist als in sie einstrahlender Grund ist die Bedingung der Möglichkeit des erinnernden Selbstbezuges und damit des Aufstiegs.”

Im indischen Samkhya:
“Der Seele wird die Tätigkeit auf Grund ihres Herrseins nur in uneigentlichem Sinne zugeschrieben, wie z.B. Sieg und Niederlage, die doch den Soldaten angehören, uneigentlich dem König zugeschrieben werden … Das in Wirklichkeit handelnde Prinzip ist das zweite der inneren Organe, der Ahamkara… . Wie kommt es dann aber, daß uns, bevor wir nicht den wahren Sachverhalt begriffen haben, die Seele als handelnd erscheint? ‘ Weil infolge der Verbindung mit der Seele der ungeistige innere Körper scheinbar geistig, und ebenso die am Handeln unbeteiligte Seele scheinbar handelnd wird.’ (Karika) Oder spezieller: weil der ungeistige Ahamkara nur infolge des belebenden Lichtes wirkt, das die Seele auf ihn wirft, und weil es eine Funktion des Ahamkara ist, den Wahn zu erzeugen, daß unser Ich, unsere Seele das handelnde und leidende Subjekt sei.” (Richard Garbe)

Man sieht hier, daß im Samkhya ein sehr ähnlicher Sachverhalt wie im Neuplatonismus zum Ausdruck kommt, was aber durch die variante Zuschreibung der Begriffe Seele und Geist etwas verstellt wird. Was nämlich im Neuplatonischen das Verhältnis von Geist zu Seele meint, wird hier zum Verhältnis von Seele zu ahamkara. Seele aber wird dabei bereits als Geist, als geistig begriffen, ahamkahra wird zu einem dem Unten zugeneigten (Seelen-)Aspekt, der im Neuplatonischen prinzipiell die untere Seelenqualität meint, die den Blick in die falsche Richtung (unter dem falschen Bild von der Einzelseele), zum Materiellen hin gelenkt hat und nun im (bzw. zum) Hiesigen als tätiges Agens wirkt.
Wikipedia: “Ahamkara ist ein Individuationsprinzip, die Ursache eines (wenn auch illusionären) eigenständigen, separaten Daseins oder genauer: der irrigen Vorstellung von einem solchen Dasein. Auf Ahamkara beruht die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt.
Ahamkara bewirkt den irrigen Glauben, dass wir handeln oder etwas erleiden; in Wirklichkeit ist Purusha, das wahre Wesen der Seele, nach der Samkhya-Lehre unveränderlich und daher von solchen wechselnden Zuständen frei. Ahamkara ist die erste Ursache der Täuschung (abhimāna), nämlich der irrigen Meinung, die Objekte und Handlungen, mit denen das Bewusstsein zu tun hat, seien auf ein Subjekt, ein ‘Ich’ bezogen, das etwas vollbringt oder erlebt. Ahamkara hängt mit dem Vorherrschen der Rajas-Guna zusammen, der Neigung zu leidenschaftlichem Handeln.

Im Advaita Vedanta ist Ahamkara die illusionäre Identifikation des unbegrenzten Selbst mit besonderen, begrenzten Gegebenheiten, die irrige Annahme eines separaten Ich. “

Wirkung, Hemmung, Gnosis

W. Beierwaltes zum Neuplatonismus: “Der für das Sein, d.h. den ontologischen Status des Bildes gebrauchte Terminus ‘dialektisch’ möchte darauf verweisen, daß Ähnlichkeit und Unähnlichkeit, Identität und Differenz, im Bild nicht gegeneinander stehen, sondern daß sie in ihm zu einem Miteinander-Wirken verbunden sind. In dieser Verbindung schlägt allerdings die Identität oder Ähnlichkeit gegenüber der den Bezug zum Ursprung zunächst negierenden Differenz als ein intensiver Wirkendes, Rückführendes oder Rückbindendes durch. Rückbindende oder rückerinnernde Ähnlichkeit, durch die übergreifende Identität bestimmt, hebt also das negative Moment im Bilde zumindest insoweit auf, daß der je verschiedene Bezug zum Ursprung in je verschiedener Weise ‘realisiert’ werden kann.

Realisierung des Bildes heißt demnach: Bewußtmachen der Bildhaftigkeit von Wirklichkeit, damit aber zugleich deren denkende Überwindung oder Aufhebung. Bild ist nicht nur einsinnig es selbst, sondern von seinem Grund her ‘Ur-Bild in der Form seiner eigenen Veräußerung’. In der je verschiedenen Realisierung des Bildes führt es sich selbst in je verschiedener Form wieder in seinen Grund zurück.”

Hier führt die gnostische Vorstellung eine aktive – gleichsam selbstevidente – Hemmung in solche Dialektik ein- eine Instanz nämlich in personalisierter, objektivierbarer Form, als eine Macht, die das angesprochene intensiver wirkende Prinzip der Rückführung – also die Macht des Stärkeren, Höheren und Letzten, was zur teleologischen Verwirklichung drängt -in Bewußtheit behindern will. Es handelt sich um eine Ermächtigung, eine Auflehnung eines personifiziert gedachten, demiurgischen Agens, das, selbst gar seiner Inferiorität bewußt, doch je wirkmächtiger wird, desto mehr Kraft es durch individuelle und kollektivistische Bezüge (aus der Welt) zum Welt- Bild akkumulieren kann, die dann die durchwirkende Kraft des Höheren ebenso verstellen wie dessen Bilder im Hier, dies durch Abschirmung, Abtrennung der Blickrichtung zur eidetischen Sphäre, durch Entfremdung von der Idee, den Meta-Bildern und ihrer hiesigen Übersetzungen oder Symbolismen.
Eine solche Zwischeninstanz läßt sich indes – trennt man sie von ihrer mythologisierten Gestalt – wiederum doch der plotinischen, dezidiert antignostischen Ansicht annähern: Da selber ein Abkömmling (des Einen), lebte dies Ens zuvorderst ja selber als Idee oder Anlage, sodann als hiesige Manifestation defizienter Seelenqualitäten – die so erst zum (vermeintlichen) Agens genährt werden – somit als kollektiv bedingter Archont. Also bekommt dieser durch dauerhaften (falschen) Blick erst Bestand verliehen – aber dieser Bestand ist abhängig von der Seele, denn das Kollektiv verortet sich selber in seiner höheren verbindenden Identität als schaffende Weltseele (in Rückbindung zum Geist) – alles Resultat danach ist Psyche- der Archont als Wirkprinzip im Weltlichen (wie die Welt selbst und alles andere) ist Verwirklichung des seelischen Explikationsprinzips! Die gnostisch-demiurgische Hemmung wäre damit etwa als ein Übergewicht kollektiven Verbleibenwollens in einer sich entgeistigenden Umgebung defizienter, ‘beschädigter’ Immanenz(-vorstellungen) zu erklären. Die individuelle Abschottung oder Negation der selbstbestimmenden Aspekte der Person und schließlich des Selbst (“Selbst” im Sinne C.G. Jungs) schafft Möglichkeiten psychischer negativer Akkumulation, die – durchaus zu weltlicher Ermächtigung und Manifestation führend – in ihrer (Meta-) Fortsetzung umso mehr den Ruch der vorexplikativen (noussphärischen) Autonomie annehmen können – weshalb auch die demiurgischen Prinzipien prinzipiell dem Nous zugeordnet werden. Aber Plotin sagt schließlich selbst, die Menschen hätten die Götter erschaffen, und nicht etwa umgekehrt.

Rückgänge aus dem Bild

W. Beierwaltes über den Neuplatonismus: “..die Welt (kosmos) unmittelbar abhängig von der Welt-Seele, mittelbar aber vom Geist in seiner Funktion des demiurgischen (creativen) Prinzips, ist Bild beider: des Geistes als der intelligiblen, das Sein der Ideen zu einer reflexiven Einheit fügenden Welt, die sich in der sinnenfälligen Welt, diese konstituierend, abbildet und der Seele, die, rationale Verhältnisse und damit ‘Kosmos’ schaffend, Bewegungs- und Einheitsprinzip von Welt ist; der Mensch aber als Glied des Kosmos oder als individuell bestimmbarer Mitspieler im Welt-Drama ist in Raum und Zeit, mit Materie vielfältig verbunden, Bild des intelligiblen Menschen, ob man nun Ideen von Individuen im ‘Kosmos noetos’ annehmen kann oder nicht und damit einzig auif die Idee ‘Mensch’ rekurrieren müßte: Seele und Geist in ihm verbinden ihn jedenfalls mit der ihm transzendenten, intelligiblen Dimension absoluten Seins und Eins-Seins und dadurch mittelbar auch mit dem Einen selbt als dem eigentlichen Ur-Bild. Dieses ist als Erstes, als der absolute Anfang oder als Vor-Bild selbst bild-los – durch seine absolute und maß-gebende Transzendenz freilich in anderer Weise als Materie.”

Hierzu eingangs ein Satz aus meinem Artikel “Welt-Sehen”:
Wir als Menschen sind von höherer Warte selbst die Schöpfer des Sehens und somit der physikalischen Etablierung der Konkretisierungen von allgemeineren und höherrangigen Wellenfunktionen zur Weltausformung. Die Welt selbst kommt erst durch das Sehen. Aber wohin kommt sie? Schließlich ist sie selbst Welt und kann nicht in solche gebracht werden. Sie kommt eben nur zum Sehenden -in seinem Gesehenen- und so allein in seinem Innensein, daher auch kann Kant zu Recht sagen, die Welt wäre im Bewußtsein, im Denken.
So ist Bild immer Verwirklichung des Einen im Sinne einer unendlichen Brechung wie in einem Kaleidoskop, aber eben bereits in einem vorexplikativen (Teil-) Sinn oder Bewußtsein der noetischen Sphäre angelegt. Erst die Summierungen des Gesehenen ermöglichen einen Rückgang in den Urzustand nach Aufstieg über die Hierarchien der Ideen. Wie denn aber kann das Einzelne überhaupt sehen, was Alles ist? Nur, indem es die andere Sicht durchlebt und durchsieht – und weiter noch: Indem es die Sicht ganz hinter sich läßt und die ursächlicheren Anlagen wahrnimmt, die über dem physikalischen Sehen sind. Da man diesen Weg oft geistig nennt: Sinnenfälligkeit und Sehen, Schau, Geist und Denken sind im Höheren kein Verschiedenes oder gar ein Widerpart mehr, sie werden vielmehr eines. Daher – eine weltliche Propädeutik: Das Lassen von Denkinhalten, das Lassen auch von Sehen. Weiter: Von Konzepten, Sichtweisen (sic) und Blickwinkeln. Das Wirken ist dabei als solches als ein Durchwirken zu verstehen, dessen nämlich , was nicht zu erdenken ist. Zum anderen ein Übersteigen der Sinne – dies wird zumeist übersehen- als Anforderung an die (Hebung der) Physiologie. All dies dient der Überwindung, der Übersteigung der partiellen Sicht jenseits der normal-körperlichen Perzeptionsmechanismen und -möglichkeiten hin zur Synästhesie der Feinstofflichkeit, die das höhere Sein repräsentiert.

Monadische Weise

Proklos: “Alles ist in Allem, in jedem aber auf je eigene Weise.”

W. Beierwaltes: “Das Einzelne ist einfache, in sich unteilbare, nur sie selbst seiende Substanz: Monade. In diesem Selbst-Sein ist die Verschiedenheit des Einzelnen zu allem anderen, seine Individualität begründet. Der individuelle Selbststand besteht jedoch nicht nur in sich, sondern ist ebensosehr mit allem anderen, selbst wieder monadisch-Seienden intensivst verbunden. In dieser Verbundenheit erweist sich der dynamische Charakter der Monade, ihre Spontaneität für ihre je eigene Welt. Diese ist durch die Ur-Monade (primitiva monas = Deus) mit den anderen Monaden zu einer Ganzheit hin in Korrelation gesetzt. Der Zusammenhang der Einzelnen besteht so im Sinne einer ‘compossibilitas’. Jede Monade repräsentiert in ihr selbst das Ganze, sie ist Spiegel des Universums auf je eigentümliche Weise, so daß die universale Harmonie als ein perspektivisches In-Sein von Allem in Allem besteht. Als konzentriertes oder verkürztes Universum hat demnach die Monade ihre Grenze und ihre Universalität zugleich in sich. Alles ist in ihr in ihrer eigenen, individuellen Form; und nur als diese so charakterisierte einzelne ist sie in der harmonia universalis als in ihrem Grund. Zwei untereinander verbundene Formen von Einheit realisieren sich: die perspektivische Einheit des Einzelnen und die absolute Einheit alles Einzelnen im Ganzen.”

Wikipedia: “Leibniz charakterisiert die Monaden als metaphysische, beseelte Punkte oder metaphysische Atome, die im Unterschied zu den von der Atomistik postulierten physischen Atomen keine Ausdehnung besitzen und somit keine Körper sind.”

Nach meiner Ansicht könnte man die Monade gleichsam als einen zuvorderst nicht primär-belebt zu betrachtenden Grundbaustein zu einer Matrix oder Projektionsbasis sehen, die über eine bildzellenhafte Potentialität zur Darstellung unserer Raumzeitlichkeit (als illusionären Aufzug somit sogenannter Realität) verfügt. Da die Verursachung der Welt als Eidetisches oberhalb dieser Projektsfläche ihre causa hat, ‘strahlt’ diese ihr Wesen in ihrem Impetus zur Explikation potentiell auf alle Monaden gleicherart (summarisch) aus. C.G.Jung in diesem Kontext über Kepler: “Obschon die Monaden nicht gegenseitig aufeinander einwirken können, da sie keine Fenster haben, so sind sie doch so beschaffen, daß sie immer übereinstimmen, ohne voneinander Kunde zu haben.”

Michael Talbot über das Hologramm: “..Das Bild ist ein Hologramm, eine dreidimensionale Darstellung, die mit Hilfe eines Lasers entsteht. Die technischen Mittel, die für die Verfertigung solcher Bilder vonnöten sind, sind schon verblüffend genug, noch erstaunlicher aber ist es, daß inzwischen einige Wissenschaftler sogar der Ansicht sind, daß das Universum selbst eine Art Riesenhologramm ist, eine wunderbar detaillierte Illusion… Anders ausgedrückt: Einiges deutet darauf hin, daß es sich bei unserer Welt und allem, was in ihr existiert…, gleichfalls nur um Geisterbilder handelt, um Projektionen einer Realitätsebene, die die unsere so weit übersteigt, daß sie sich buchstäblich außerhalb von Raum und Zeit befindet.”

Nocheinmal Proklos: “Alles ist in Allem, in jedem aber auf je eigene Weise..” Und so kann man hinzusetzen: Und in der Summe ergänzt sich alle Weise zur Gesamt- Weise (dies die “Übereinstimmung” bei C.G.Jung) des Alles als Eines. Hierher führt die Überwindung der Sicht, das Einzelne, das Selbst-Sein stünde zweckhaft für sich selbst.

Einung mit dem Einen

W. Beierwaltes über den Neuplatonismus: “Mit der Henosis (henosis: classical Greek word for mystical “oneness”, “union” or “unity”) verbindet Plotin zwar die ‘Ekstasis’ als einen Selbstüberstieg des Denkens, intendiert jedoch keine durch ‘Solipsismus’ noch geförderte ‘Selbstauslöschung’ des Individuums, huldigt, wie ich glaube, nicht einem schopenhauerisch oder sonstwie verstandenen ‘quietiven Ideal’, gemäß dem das Dasein in einem dauernden Jetzt sich zur Ruhe legen will. Henosis meint vielmehr den punktuellen Zustand der intensivsten Verwirklichung des Selbst. Diesen aber muß das Individuum immer wieder verlassen – jedoch sicher nicht ohne Impulse, die für sein zukünftiges Handeln maßgebend werden könnten.”

W. Beierwaltes: “Die Einung mit dem Einen selbst ist nur als etwas zu denken, was lediglich im Akt eines Einzelnen und nicht im Kontext oder gar durch Vermittlung einer Gemeinschaft zu erreichen ist, Sie erst ist als Spitze und Ziel der Wendung des Einzelnen in sich Flucht des (jetzt) Einsamen zum Einsamen. Dies liegt in der Konsequenz des Gedankens, daß Anähnlichung an den Ursprung für die Seele zu einer immer intensiveren Einigung (monosis) mit sich selbst führen müsse, was die Vorbedingung der letzten Einung ist.”

Proklos: “Die Einsamen, auf sich selbst Gewandten, tragen die Hoffnung auf Heil in sich selbst.”

Was aber kann denn das Eine sein in seinem Vor-Allem-Sein im Innersten, kommt es hierin nicht einer reinsten Definition von Ruhe gleich? Es entbehrt ja aller Qualität und Bewegung – nicht in dem Sinne eines Mangels oder irgendeiner Wegnahme – als reinstes Sein hat es ja bereits alles als tiefste Existenz in sich selbst, und daher – in sich schon höchst verwirklicht, nun ganz ohne Begehr oder Drang – ist dort alles (von uns, von unserer Position der Minderung aus gesehen) eben höchste Potenz zu Allem, die aber aus sich schon einen ewigen Bestand meint, und so auch ruhend auf sich selbst ist, was freilich ein höchstes Sein bezeichnet.
Das “dauerne Jetzt” ist die volle Vergegenwärtigung, die monosis hingegen, die fortwährende Angleichung hiermit indes trägt diesen Zug ins Leben, daß aus diesem Zustand – zuvorderst ein punktueller – schließlich eine allmähliche Hebung, später ein dauernder und letzter Zustand wird – monosis prägt und durchwirkt die Existenz zu einer Existenz solcher Art, die jenseits unserer Begrifflichkeit von Leben und Tod ein totales Kontinuum bildet – und diese ist in sich völlige Ruhe, da alle Potenz in höherem Maße sich eigen sein kann als jedes Explizierte, somit für sich (ruhend) stehen muß. Dies ist das eigentliche Leben, das eigentliche Existent-Sein selbst, jenseits aller Sehnsucht, jenseits allem Drang – als ein ewig ruhendes, totales, endbestimmtes und -verwirklichtes Sein.

Erlösung

Arthur Schopenhauer sagt zum Begriff der Erlösung:
“Zwar wünschen alle erlöst zu werden aus dem Zustande des Leidens und des Todes: Sie möchten, wie man sagt, zur ewigen Seligkeit gelangen, ins Himmelreich kommen, aber nur nicht auf eigenen Füßen, sondern hineingetragen möchten sie werden, durch den Lauf der Natur. Allein das ist unmöglich. Daher wird sie zwar uns nie fallen und zu nichts werden lassen; aber sie kann uns nirgends hinbringen als immer nur wieder in die Natur. Wie mißlich es jedoch sei, als ein Teil der Natur zu existieren, erfährt jeder an seinem eigenen Leben und Sterben.”

Daher auch muß es zum Zwecke des Menschen um eine Erweiterung des Naturbegriffes gehen, der Natur als jenes begreift, was eben erst aus unserem menschlichen Bewußtsein evolviert, so auch unser eigenes raumzeitliches Subjekt-Sein. Dort aber ist keine Zuwendung von Außen – da gar kein Außen ist – , keine Gnade und kein Lohn wird uns hier zuteil außer eben dem Vorteil und Zuwachs, den wir uns selber erarbeiten. Die Erhebung der eigenen Natur zur eigenen wirklichen Wesenhaftigkeit aber bringt uns auf selbstständige Art über dieses Leben hinaus in ein höheres. Proklos sagt: “Die Einsamen (die am Intelligiblen teilhaben, die alles umfassen), auf sich selbst Gewandten, tragen die Hoffnung auf Heil in sich selbst.” Und W.Beierwaltes: Die Seele “begreift in sich selbst eine Möglichkeit, die es selbst übersteigt, der es sich jedoch übereignet – wir erreichen durch diese Übereinstimmung unser eigentliches Selbst.”

Und Meister Eckhart sagt: “Er (der Mensch) muß lernen, die Dinge zu durchbrechen und seinen Gott darin zu ergreifen und den kraftvoll in einer wesenhaften Weise in sich hineinbilden können. Vergleichsweise so wie einer, der schreiben lernen will. Fürwahr soll er die Kunst beherrschen, so muß er sich viel und oft in dieser Tätigkeit üben, wie sauer und schwer es ihm auch werde und wie unmöglich es ihn dünke… So sollen auch wir in allen Dingen bewußt nach unserm Herrn ausschauen. Dazu gehört notwendig Fleiß, und man muß sich’s alles kosten lassen, was man nur mit Sinnen und Kräften zu leisten vermag.”

Archaische Wiederkunft?

Zur Proklamation einer sogenannten archaischen Wiederkunft nach Terence Mc Kenna, die zugleich eine fundamentale Kultur- und Zivilisationskritik beinhaltet: Der letzte Zustand im Einklang mit dem eigenen Wesen-Sein wie der Umbegung als einem unverstellten sinnhaften Raum und Sanktum (protegiert durch psychotrope Pflanzen) habe im Neolithikum bei (afrikanischen) Stammeskulturen existiert. Dem muß widersprochen werden, und McKenna selbst sagt an anderer Stelle, daß etwas, was gleichsam eine Entität oder Kraft darstellt, den Menschen zu sich ziehe, nämlich heraus und weg von der Natur, nach einem Neuen, einem “Oben” hin, das nicht mehr Naturzustand genannt werden kann. Hierin schon die ganze Sonderstellung des Menschen, bei Nietzsche als das nicht festgestellte Tier benannt, bei Plotin das Augenmerk auf einen Amphibiencharakter gerichtet, disponiert durch die Seele, die alleine der Betrachtung (in ihrer Blickrichtung zum Nous) wert scheint, während der Mensch seiner reinen Natur nach nur als ein “bunt zusammengewürfeltes Tier” bezeichnet werden könne. Beide Bemerkungen belegen eine exponierte (teleologische) Position, dabei den Menschen in einer ihm ganz eigenen (Seins-) Defizienz ansiedelnd, in einer Unentschiedenheit, Geworfenheit und Heimatlosigkeit, die ihn beauftragt zu etwas – er ist der Statur nach also biologisch und ganz animalis (gebricht aber zugleich an seinem schwachen Naturell) und vor allem aber ist er kraft seiner Selbstreflexion und seines Hirnpotentials zu offenbar etwas weit darüber Befindlichem berufen; gleichsam geht es um Fragen und Findungen, die weit über die Bedingungen seines Urzustandes hinauszuragen scheinen. (Zuletzt dies auch der eigentliche Sinn der Inkarnation Jesu: sie richtet das Augenmerk auf die eigentliche – transzendende – Destination des Menschen, nun samt ethischer Implikationen.) Vom Blick des Einen her erschlossen kann man auch sagen – in der Übersteigung – ist der Mensch dazu beauftragt, seine eigene, vorfindliche Natur zu reflektieren, durchaus negativ zu konnotieren und somit in einem Prozeß die Natur selbst zu transzendieren (als defiziente Ansicht nämlich zu einem größeren, ursächlicheren Bild), und so wäre er gar in die Lage versetzt, die Natur im ganz Allgemeinen zu ‘befördern’, zu heben, zu befreien.
Die Menschen des Neolithikum begriffen die Welt aber keineswegs als Aufgabe in diesem Sinne, lebten ganz eingebettet in ihre Umwelt, im täglichem Kampf und Sorge um ihren Selbsterhalt, das Eigensein ordnete sich soweit in dieses ein, daß es – reflexions- und individuationslos – objektiviert wurde zum Dasein der Gruppe und ihrer Daseinsumstände. Kulturleistung aber ist erst entscheidend durch die Befähigung angestossen, die die umgebende und eigene Natur distanzvoll zu betrachten ermöglicht. Die Entwicklungen über die Kulturstufen – auch in all ihrer Irrtümlichkeit, falschen Wegführung oder schlicht in ihrer Dialektik per se abzulehnen heißt die Progressionsmöglichkeit des Menschen selbst ganz zu verneinen -und dies stünde im Widerspruch zu Errungenschaft und Zuwachs, die sich zweifelsfrei über den Lauf der Geschichte abbilden. Die Frage, ob auch eine innere Entwicklung des Einzelnen der äußeren mithielte, ist indes viel schwieriger zu beantworten. Hier werden vor allem Fragen um Moral, Vernunft und Freiheit berührt. Derartige Reflexion und Selbstbetrachtung und Eigendistanz waren dem archaischen Menschen indes völlig fremd- er führte ein Sein in tiefster ritualisierter Befangenheit und kollektivem Zwang. Die Teilhabe an der transzendenten Erfahrung – die indes anders als heute noch viel näher am ursächlichen Charisma positioniert war und eine tatsächliche Teilhabe am ‘Sakrament’ meinte – führte nicht zur lebensreelen Fortführung, das sie nicht geistig (mental) integriert werden konnte und im Individuum kein Bild zur Entwicklung hervorrief, das einer Teleologie im genannten Sinne zugetragen hätte.

Eigene Unendlichkeit

“Die Entdeckung des göttlichen, absolut Unendlichen selbst als des Grundes der eigenen (abkünftigen) Unendlichkeit (die sich in der unendlichen Kraft des Geistes manifestiert), die Möglichkeit einer denkenden Berührung mit der ‘Unendlichkeit selbst’, gibt dem Geist in Ficinos Sinne die Gewißheit eines unendlichen Lebens auch nach dem Tode des ‘Endlich -Unendlichen’. Dies gerade aus Grundintensionen des platonischen und neuplatonischen Philosophierens heraus zu erweisen und dadurch einen zumindest für diese Zeit zentralen christlichen Gedanken zu bestärken, ist das systematische Ziel von Ficinos Hauptwerk Platonica Theologica.” (W.Beierwaltes)

Hierzu zwei Assoziationen, die erste kirchenkritischer Art:
Die Kirche hat sich in ihrem Fragen ganz nach der Welt zugeneigt – ihr wird der Geistbegriff gar nicht zum wesenhaften, konkreten, ihn ins Stoffliche ziehenden – Gegenstand der (immanenten) Betrachtung, schon gar nicht im Sinne eines dem Menschen eigen-Seienden. Begriffe wie Inspiration und Ingenium sind zudem kaum ableit- oder begründbar, da innerhalb der Abgeschlossenheit eines Lehrgebäudes und Gotteswortes eben “Geist” als wesenhaft Nicht– Abgeschlossenes seinem freien unbegrenzbaren Wesen gemäß nicht in die Lage versetzt ist, seiner Eigen-Wirkung – die hierbei ein Denken vom Einen her zum Objekt implizieren muß – adäquat nachzukommen. Gerade die Glaubenspraktiken der Bitte, Repetition und Auslegung binden nicht an jenen originären Charakter von Geist zurück, man bemüht zur Verursachung vielmehr ein fremdes Agens- und so wird Geist in seiner Wirksamkeit zur – vermuteten – Gabe, bleibt seine vermeintliche Mitteilsamkeit doch ganz im Subjektiven, im Vagen, findet sich kein Instrumentarium zur Entfachung, Entwicklung und Verstetigung (im Eigenen), das sich zu seinem gelebten Eigensein steigern will. Alles bleibt allgemein und von Außen ‘zugestanden’. Hierher rühren theologische Topoi wie “in die Gnade stellen” oder die Suche nach äußeren -also materiellen – Gnadenerweisen als die Außeneinwirkung eines Anderen. Der Begriff des (höheren) Selbst, der zuletzt im Eidos wurzelt ist dem Theist aus seiner Lehre heraus immer fremd, ja anstößig geblieben.

Und auf künstlerische Intention bezogen:
Das Wort von einer “unendlichen Kraft” impliziert eine Verwurzelung im Allertiefsten, so daß es zur Aufgabe wird, wie aus einem solchen Brunnen danach zu schöpfen. Die Schöpfung, das Hervorgebrachte, ist somit unerkundet, kommt aus dem Unbeschrittenen, hat damit Qualität eines Neuen, hervorgeholt aus dem Ungesehenen. Die Aufgabe des Künstlers, der dem Ingenium verpflichtet ist, ist es, dieser Suche nachkommend – alles fortzutun, was die tiefsten Schichten verstellen kann – Fremdeinwirkung, Konvention, Prägung, Erwartung, Interessen der Aussenwirksamkeit usw. müssen ganz nach hinten gestellt sein, um diesen Zugang zum Unendlichen “Grunde der eigenen (abkünftigen)Unendlichkeit ” erst möglich werden zu lassen.

Jenseits der Gnade

Meister Eckhart sagt: “Am Mensch aber bewirkt das Licht Seligkeit. Das kommt von der Gnade Gottes: die erhebt die Seele auf zu Gott und vereinigt sie mit ihm und macht sie gottförmig. Soll die Seele göttlich sein, so muß sie emporgehoben sein. Sollte ein Mensch bis hinauf auf einen Turm reichen, so müßte er so emporgehoben sein, wie der Turm ist: so (auch) muß die Gnade die Seele bis zu Gott erheben. Der Gnade Werk ist, zu ziehen und bis an’s Ende zu ziehen, und wer ihr nicht folgt, der wird unglücklich. Dennoch genügt’s der Seele nicht am Werk der Gnade, weil diese eine Kreatur ist; sie muß vielmehr dahin gelangen, wo Gott in seiner eigenen Natur wirkt, wo der Werkmeister entsprechend der Edelkeit des Werkzeuges, das heißt: in seiner eigenen Natur wirkt, wo das Werk so edel ist wie der Werkmeister, und der, der sich ergießt, und das Ergossene völlig eins sind. Sankt Dionysius sagt, daß die obersten Dinge sich auf die niedersten und die niedersten in die obersten ergießen und sich mit den obersten vereinigen. So auch wird die Seele mit Gott vereint und umschlossen, und dort entgleitet ihr die Gnade, so daß sie (nun) nicht weiter mit der Gnade wirkt, sondern göttlich in Gott. Da wird die Seele auf wunderbare Weise bezaubert und verliert sich selbst, wie wenn einer einen Tropfen Wasser in eine Bütte voll Weins gösse, so daß sie von sich selbst nichts (mehr) weiß und wähnt, sie sei Gott.”

Plotin: “Wenn er (der Schauende) aber selbst von der Art ist, daß er alles ist, dann vernimmt er zugleich alles, wenn er sich selbst vernimmt; daher hält er im Blick auf sich selbst und sich selbst wirklich sehend, alles umfaßt, und im Hinblicken auf das Ganze hält er sich selbst umfaßt.’

Volkmann-Schluck zum Neuplatonismus: “Die Wesensbestimmung eines Seienden, das sich selbst in der Vollendung seiner Möglichkeit denkt, erlaubt nun auch eine genauere ontologische Charaktersitik der Seele: Sie ist eine defiziente Form der vollen Gegenwärtigung seiner selbt.”

Erkennt der Mensch nun diese Bestimmung, ist er wörtlich geneigt zum Eigentlichen, und hierin besteht die Erhebung – der Mensch schwingt sich selbst empor und gewährt sich selber den Zugang zum Göttlichen, es wird sein Werk, sich zu vollenden, daß er einst nicht mehr ist als Mensch oder aber in ganz anderem Sinne überhaupt erst wird. Denn der Mensch ist nur als Gott.