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Inhalt – Philosophisches

Grenzstein des Relativismus

Der Grenzstein für die relativistische “Methode” ist die Mathematik. Die Mathematik hat tatsächlich apriorischen Charakter, sie ist vor dem Mensch, und sie ist ÜBER dem Mensch. Daher spricht Peter Sloterdijk hier für den menschlichen Erkenntnisprozeß, für die Deduktion des Meta-Vorfindlichen von einer ‘Einwanderung von oben’, daher spricht Roger Penrose von der mathematischen Disziplin als einer stufenweisen Enthüllung einer höheren Wahrheit. Diese bezeichnet nebenbei gesagt das innere Korrelat zu Platons Reich der Idee. Die Körperwelt hingegen ist dessen perzeptive, also sinnes-konstruierte Minderung. Die Protegierung relativistischer Positionen stiftet indes (bewußt oder unbewußt) innerhalb dieser Minderung zusätzlich Verwirrung bezüglich kosmischer oder meta-vorfindlicher Gesetze.

Hierzu zwei neuplatonische Anmerkungen:
“Was die Natur zu einer solchen macht, das sind die logoi, die Gestaltungsformen der schaffenden Seele, welche die Naturgestalten in das Dasein treibt.” (Volkmann Schluck)

“Das Vernehmen des Nous ist das originäre Hinneinnehmen der Seinsverfassung des Noetischen, freilich nicht im Sinne eines subjektivistischen Idealismus, wonach das Denken das Sein des Seienden selbst setzt, sondern im Sinne der im Noein unmittelbaren Gegenwärtigkeit des Seienden in seiner mit Selbstevidenz sich bezeugenden Verfassung.” (Volkmann Schluck)

Platon, Plotin, Mystagogik

Eine platonische Mystik, ein platonischer Weg läßt sich anhand Platons berühmtem Höhlengleichnis am kürzesten mit folgender Reihe umreißen:

Steh auf, kehr dich ab, steig auf!

Mit “Steh auf!” ist gesagt: Orientiere dich am eigentlichen Wesen deines Selbst, das mit jenen entwickelteren Seinstufen verbunden ist, denen wir das Attribut “oben” verleihen. Es gibt hierbei keinen Grund zur Devotion, denn man selber ist es ja, der von aller Zeit an als Weltbewußtsein am Urgrund des Daseins stand.
Mit “Kehre dich ab” ist gemeint: Entsage der Welt, in folgendem Sinne: Entsage der profanen und trivialen Prozesse und Qualitäten, die das schimärenhafte Wesen der uns als solchen bekannten Welt affimieren und dieses so sogar ausmachen, entsage vor allem auch der Potenzierung der Scheinhaftigkeit duch Abbilder des Abbildes (hierzu Platons Kritik am Schauspiel), entsage schlicht jedem Zweck, der nicht zum Höheren, zum Geistigen ausgerichtet ist. Dies ist auf zweierlei Weg möglich: Durch die Entsagung im asketischen Sinne oder durch die Entsagung durch Durchdringung der Dinge und das Erkennen ihres Wesens. Verneine nicht zwingend alles Hiesige, aber siehe alles Hiesige als Symbol zum Höheren und so zugleich in seiner Begrenzung und Potenz.
Und mit “Steig auf” ist schließlich gemeint: Erkenne, sehe die höhere Bestimmung, werde und sei die höhere Bestimmung, die ein bewußtes und entwickeltes Leben im Über-oder Feinstofflichen meint.

“Das Höhlengleichnis erzählt nun von der durchaus mühsamen Erknntnissuche nach dem ‘Wesen’ der Dinge, die eine anstrengende Abkehr von den alltäglichen Lebenseinstellungen und Gewohnheiten erfordert.”
Dieser Satz stammt aus einem Buch über die Geschichte der Ethik, editiert von neun Professoren der Philosophie. Nun könnten hieran aber neun mal neun Professoren beteiligt sein, so ist dieser Satz doch solange nicht befriedigend, solange er nicht ausreichend die Tatache beleuchtet, daß der Kerngehalt, das Fundament der Philosophie Platons nicht primär aus der Perspektive deduktiver Prozesse und deren Resultate betrachtet werden sollte, sondern hier viel eher eine Kolportage einer initiatischen (Ur-)Erfahrung zu Grunde zu legen ist. Zwar ist das höhere Wesen der Dinge für Platon durchaus ja logisch ableitbar, und zur Evidenz seiner Philosophie muß er hierum enstprechend bemüht sein – doch kann diese Deduktion lediglich als rational abstrahierter (und sprachlicher) Nachvollzug eines Vorgefundenen (Tradierten), einer Gewißheit nämlich von Qualitäten einer höheren ontisch realen Anschauungs- bzw. Lebensebene bezeichnet werden.
In dem Zusammenhang liest sich dann auch folgender Satz wörtlicher, als er in seinem Kontext wohl intendiert ist, denn de facto beschreibt er in seiner Symbolträchtigkeit zugleich eine übersinnliche Konkretion, wie sie etwa in Nahtoderfahrungen geschildert wurde (was eben nicht wundert, handelt es sich dabei doch um Begebenheiten der geistigen (also feinstofflichen) platonischen Hypostasen: “Man zwingt ihn weiter, den steilen und schwierigen Weg zur Höhle emporzusteigen. Mühsam erreicht er schließlich das Freie und ist geblendet von Sonnenlicht, an das er sich erst langsam gewöhnen muß.”

In der späteren Ausdifferenzierung der Prämissen Platons durch Plotin lassen sich im Kontext der “Weltabkehr” vertiefend folgende Sätze sagen:

“Die Seele, die bei ihrem Rückzug im Vollzug der Selbstbesinnung auf die in sich geeinigte Ganzheit des Nous blickt, darf daher nichts mitnehmen von Vorstellungen aus der zerstreuten Sinnessphäre, die zerstreuend ist. Erst im Geist wird der Bezirk erreicht, von dem aus das schlechthin ungegenständliche Sein des Einen zugänglich wird. Sein Innewerden zwingt zum Rückzug des Denkens aus der Vielheit seines Gedachten in eine neue Einheitsdimension von seinsspezifischer Andersheit.” Volkmann Schluck

“Plotin erklärt, dieses Leben, in welchem sich das Sein und das Wissen aufs höchste erfüllen, sei die wahre Physis und ihm gegenüber stelle die sogenannte Physis eine lächerliche Anmaßung und eine bloße Vorspiegelung von Sein dar.” (Dies übrigens wird von Aldous Huxley in seinem Buch über einen Meskalin-Selbstversuch namens “Die Pforten der Wahrnehmung” ganz ähnlich zum Ausdruck gebracht.)

“Die Abwendung von dem Sein in seiner sinnlichen Vorfindlichkeit. Es bedarf einer Blickwendung von der somatischen Natur mit ihrer Grundbestimmung des Werdens und dem räumlichen Außer- und Gegeneinander der Dinge, deren Erfassungsart die sinnliche Wahrnehmung ist, zu einem der intelligiblen Ordnung zugehörigen zugheörigen Seineden von höherem Einheitscharakter.”
(Eine Anmerkung von mir: Die zunhemnde Teilhabe am Geistigen wird bemerkbar durch synchronistische Ereignisse und die verstärkte Empfindung somatisch-energetischer Zustände.)

Hameroff, Penrose, Nonlokales Bewußtsein

Die prominent von Stuart Hameroff und Roger Penrose propagierte nonlokale Quanten-Natur des Bewußtseins gewinnt an exakt-wissenschaftlicher Evidenz. Dem Neuplatoniker und dem Hinduist ist dies kein Schrecken, wohl aber dem abrahamitschen Theisten – dessen Weltbild schwerste Erschütterung erleiden muß – und ebenso dem Materialisten -dessen Weltbild hiermit über Nacht in Trümmern gelegt ist. (Daher auch die starke Abneigung der Traditionalisten, der Theisten wie der Materialisten (Atheisten, Neomarxisten…) gegen die neue Physik.
Hameroff macht für das Bewußtsein Quanteneffekte verantwortlich, die im Gehirn abgewickelt werden. (Die Evidenz hierfür sieht er gerade auch durch Nahtodschilderungen gegeben.) Er legt eine Quanten-Kohärenz als ein universelles Organisationsprinzip zugrunde, ein Prinzip, das in allen fundamentalen Eigenschaften natürlicher Systeme präsent ist. Bewußtsein ist dabei ein nicht-lokales Feld, das mit Strukturen im individuellen Gehirn verschränkt ist. Innerhalb der Hirnstruktur (Microtubuli und Pyramidenzellen) kommt es zum Kollaps der sogenannten Superposition, die als eine unerschöpfliche präexistente Disposition umschrieben werden kann. Das Bewusstsein ist so Ergebnis eines biologischen Prozesses, der in der Lage ist, quantenphysikalische Wellenfunktionen zu kollabieren.
Der Mathematiker Sir Roger Penrose hat hierzu passend ein Modell des Geistes entwickelt, das Raum für nichtberechenbare Vorgänge lässt. Penrose beruft sich dafür auf die moderne Mathematik und vermutet quantenphysikalische Effekte in den Nervenzellen des Gehirns. “Subtile und größtenteils noch unbekannte Prozesse befähigen das Gehirn zu seinen nichtrechnerischen Handlungen”, schreibt Penrose in seinem Buch “Schatten des Geistes”.
Die zwei Forscher Penrose und Hameroff glauben, dass das menschliche Gehirn ein biologischer Computer ist. Demnach ist das Bewusstsein der Menschen eine Art Programm, das auf den Quantencomputer ausgeführt wird und mit dem Tod des Menschen nicht beendet wird.
„Sagen wir, das Herz hört auf zu schlagen, das Blut hört auf zu strömen und die Mikroröhrchen verlieren ihren Quantenzustand. Die Informationen innerhalb der Strukturen werden jedoch nicht zerstört. Sie können nicht zerstört werden und gehen als diffuse Information in den freien Raum (Universum). Wird der Patient reanimiert, wiederbelebt, kehrt diese Quanteninformation zurück zu diesem Menschen und er erzählt von einer Nah-Tod-Erfahrung. Wenn der Patient nicht wiederbelebt wird und tatsächlich stirbt, ist es möglich, dass diese Quanteninformation außerhalb des menschlichen Körpers in unbestimmter Form, als Seele, weiter existiert.“
Gemäß dieser Theorie sind die menschliche Seelen mehr als „nur Interaktionen zwischen Neuronen im Gehirn“ und könnten bereits seit dem Beginn der Zeit vorhanden sein.
Stanislav Grof: “Neue Erkenntnisse…sprechen deutlich dafür, daß Bewußtsein kein Produkt des Gehirns, sondern ein primäres Seinsprinzip ist und daß es bei der Erschaffung der Erscheinungswelt eine entscheidende Rolle spielt.”

Stanislaf Grof, Einheit

Stanislav Grof -als einer der führenden Protagonisten der “psychedelic revolution” und der ihr assoziierten transpersonalen Psychologie äußerte in einem Interview die für den Geist dieser Ära wohlbekannten Sätze von umfassender Liebe und Verstehen und von einer prinzipiellen Einheit der Menschen, die ihrer Erfüllung harrt. Grof trifft hierzu etwa folgende Aussagen, die eine All-Einheit in einem panpsychistischen Sinne unterstreichen:
“Das sorgfältige Studium perinataler und transpersonaler Erfahrungen zeigt, daß die Grenzen zwischen der individuellen menschlichen Psyche und dem übrigen Kosmos letzlich willkürlich und überwindbar sind.”
“Es kann passieren, daß wir uns vollbewußt mit anderen Menschen, Menschengruppen, Tieren, Pflanzen und sogar anorganischen Dingen und Vorgängen identifizieren. Während solcher Erlebnisse können wir völlig neue, exakte Informationen über verschiedene Aspekte des Universums erhalten, auch solche, die wir unmöglich in unserem jetzigen Leben über die normalen Kanäle hätten bekommen können.”
“Ich konnte angesichts einer solchen Gewalt das Gefühl der eigenständigen Existenz nicht aufrecht erhalten. Meine gewöhnliche Identität wurde zerschlagen und vernichtet. Ich wurde eins mit dem Ursprung. Die Zeit verlor jede Bedeutung.”
“Die Erkenntnis unserer eigenen Göttlichkeit, unserer Identität mit dem kosmischen Ursprung, ist die wichtigste Entdeckung, die wir während der tiefen Selbsterforschung machen können.”

Dies sind nur einige Beispiele Grofs immanent-panpsychistischer Ansichten auf Basis seiner Erfahrungen mit der elementaren Identifikation einer Realitätsebene des All-Verbundenseins, wie sie ganz ähnlich etwa auch aus dem Hinduismus heraus formuliert werden.
Aber so ‘holistisch’ diese Proklamationen auch sind, so sollten sie doch gleichzeitig nicht -im heute gerne gebrauchten, profan-immanenten Sinne für die Rechtfertigung eines simplen relativistischen Universalimus verstanden werden, denn Stanislav Grof weiß auch folgendes zu sagen:

“Der Grad der Freiheit, den wir haben, verändert sich drastisch je nach dem Aspekt der Schöpfung und der Ebene des Schöpfungsprozesses, womit wir uns identifizieren.”

Freiheit wird hier also Vorausetzung, wird primäres Signum einer innerer Autonomie zur Geistigkeit. Innerhalb der individuellen Inkarnation wird hierfür der Begriff der “Identifikation” von zentraler Bedeutung, denn in der Identifikation trifft das Bewußtsein auf jene Inhalte und Formen seines Eigenen in seiner Option zur Entwicklung, die es in der Außenwelt repräsentiert vorfindet. Identifikation meint Zuordnung von jenem, was sich innerhalb seiner Explikationsstufe mit sich selbst ähnlich ist und so erkennt, eingefaßt in Verwandtschafts- und Gruppenverhältnisse und in (Geistes-)Familien als Notwendigkeit resonanzbedingter Zusammenkunft. Identifikation hat im Allgemeinen geschichtliche (zeitliche), geographische und ethnische Aspekte und bezeichnet dabei die Zuordnung metaphysisch autonomer und identitätsbildender Prozesse in Abhängigkeit von differierenden Freiheits- und Bewußtheitsgraden. Die gewaltsame Störung oder gar Zerstörung von Identifikation (und so Identität) – und hiermit sehen wir uns heute in gesteigertem Maße konfrontiert – evoziert nun maximales Zerwürfnis, da hiermit gegen das höhere Regelwerk der Schöpfungsprozesse mit ihren differenzierten, hierarchich-sinnhaft gegeliederten Bewußtseins-Explikationen und -möglichkeiten verstoßen wird. Hierbei ist im Hinterkopf zu behalten, daß der letzte Telos dieser sinnhaften Gliederungen ‘Das Gute” meint. Daher auch kann Terence McKenna, ebenfalls ein Haupt-Protagonist der “psychedelic revolution”, sagen: “Das große Böse unserer Zeit ist der Relativismus.” Die Grof`sche Zusammenfindung zur Einheit bezeichnet zwar den zwingenden und abschließenden Zweck der holistischen Weltsicht, dies aber als Resultat eines evolutionären Zusammenfindens des (transzendierten bzw. transzendierenden!) Wesens (des Menschen wie der gesamten transzendierenden Natur), womit der Zweck also seiner eigenen inneren Notwendigkeit (eben zur Transzendenz, nicht zur Immanenz-Zusammenkunft!) folgt. Diese Einheit erfolgt aus der wachsenden Übereinstimmung der Identifikationen, nicht im Synthetischen durch forcierte Auflösung der Verschiedenheiten, sondern weil die freie Zusammenkunft bei angleichender Identifikation schließlich jeden Widerstreit in ein sich selbst eigenes Verbundensein überführen muß. Die Oktroyierung dieses Prozesses hingegen gereicht zu Gegenwehr, gereicht den einen zum Rückfall, den anderen zur Überforderung. Beides produziert dialektische Rückschläge und Blockierungen der sich sinnhaft rückexplizierenden Schöpfungsprozesse.

Stanislav Grof, Synchronizität

Stanislav Grof über das Phänomen der Synchronizität:
“Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einen anderen wichtigen Aspekt holotroper Zustände behandeln, der weitreichende Konsequenzen für unser Verständnis von Zeit und Raum hat. Transpersonale Erfahrungen sind oft von seltsamen sinngemäßen Koinzidenzen begleitet, die sich mit linearer Kausalität nicht erklären lassen. In einem Universum, wie es von der materialistischen Wissenschaft beschrieben wird, sollten alle Ereignisse dem Gesetz von Ursache und Wirkung gehorchen. Koinzidenzen, die sich der kausalen Erklärung widersetzen, werden dann dem Umstand zugeschrieben, daß die fraglichen Phänomene zu komplex und wir nicht über alle daran beteiligten Faktoren im Bilde seien. Wegen all dieser unbekannten ‘verborgenen’ Variablen lasse sich das Endergebnis nur statistisch vorhersagen, nicht in den genauen Einzelheiten, mitunter jedoch ist die statistische Unwahrscheinlichkeit bestimmter Koinzidenzen in unserem Alltagsleben so haushoch, daß wir die Tauglichkeit einer solchen Interpretation in Zweifel ziehen müssen. …

Das Vorkommen so ungewöhnlicher Koinzidenzen läßt sich schwer mit der Auffassung vom Universum vereinbaren, die von der materialistischen Wissenschaft entwickelt wurde. Es ist eher vorstellbar, daß diese Vorfälle einen tieferen Sinn haben und daß sie das spielerische Werk kosmischer Intelligenz sind. Diese Erklärung ist besonders naheliegend, wenn sie, wie so oft der Fall, ein humoristisches Element enthalten.

Derartige Situationen (C.G. Jung, Skarabäus) zeigen, daß unsere Psyche in eine spielerische Interaktion mit der rein materiell erscheinenden Welt treten kann. Die Tatsache, daß so etwas geschehen kann, verwischt die Grenzen zwischen subjektiver und objektiver Wirklichkeit.
Synchronistische Ereignisse sind besonders häufig im Leben von Menschen, die in der Meditation, in psychedelischen Sitzungen, in der Erfahrungspsychotherapie oder in spontanen seelisch-geistigen Krisen in holotrope Bewußtseinsszustände geraten.

Viele Leute haben auch die Erfahrung gemacht, daß bemerkenswerte Synchronizitäten auftreten und ihre Arbeit überraschend leicht machen, wenn sie ein aus den transpersonalen Bereichen der Psyche inspiriertes Verhalten verfolgen. … Wenn wir uns auf einer systematischen inneren Suche befinden, die eine Arbeit mit holotropen Zuständen einschließt, können wir mit ziemlicher Sicherhheit damit rechnen, daß wir es früher oder später mit Synchronizitäten zu tun bekommen. Manchmal werden wir nur gelegentliche einzelne Koinzidenzen bemerken, dann wieder können uns ganze Ketten davon passieren. Je nach ihrem Inhalt können sie sehr erhebend oder bedrückend und beängstigend sein. So oder so können sie uns ernste Probleme im Alltag bereiten, wenn sie überzeugend sind und gehäuft auftreten. Die traditionelle Psychatrie unterscheidet nicht zwischen richtiggehenden Synchronizitäten und einer psychotischen falschen Wahrnehmung der Welt. Da das materialistische Weltbild strikt deterministisch ist und die Möglichkeit sinngemäßer Koinzidenzen nicht akzeptiert, wird jede Andeutung ungewöhnlicher Synchronizitäten in der Darstellung des Klienten automatisch als Beziehungswahn gedeutet, ein Symptom besorgniserregender Geistesgestörtheit. Es steht jedoch außer Frage, daß es echte Synchronizitäten gibt, bei denen jeder, dem die Tatsachen vorliegen, zugeben muß, daß die aufgetretenen Koinzidenzen jenseits jeder denkbaren statistischen Wahrscheinlichkeit sind.”

Psychedelic Revolution und Yippie!

“In der ursprünglichen Ausgestaltung der Theorie waren es nicht der Kapitalismus, ‘Amerika’ oder die protestantische Ethik, die als Behinderung der Selbstbefreiung angesehen wurden, sondern die Beschaffenheit des Menschen, der als Materie, Illusion oder gnostischer Demiurg definiert wurde. Mit der Ausbreitung sowohl der Hippies als auch des Hippie-Mythos von Haight-Asbury wurden solche Vorstellungen zum wesentlichen Bestandteil der àlternativen Gesellschaft’, und der Impuls durch Yippie! und andere Aktivistengruppen führte dazu, daß die Ethik der Befreiuung eine neomarxistische Sozialkritik befeuerte.” (James Webb “Zeitalter des Irrationalen”)
Führende Köpfe von Yppie! waren z. B. Abbie und Anita Hoffman. Jerry Rubin, Ed Rosenthal, Allen Ginsberg, Bob Fass, Tuli Kupferberg. Auch wenn Yippie! heute als Episode betrachtet werden kann, ist deren neomarxistischer Ansatz in Amerika zum wirkmächtigen Impetus des politischen Aktivismus geworden und heute gesellschaftlich und institutionell tief verankert. Ganz anders die ursächlicheren Ansätze der psychedelic revolution, die schnell (kommerziell) vereinnahmt wurden oder sich selbst in profanisierten Konzepten auflösten. Für die heutige Situation läßt sich gar gebündelt sagen: Die progressivistischen Sätze (gerade innerhalb der Sozialwissenschaften – ihre Aussagen sind dabei allesamt thetisch,-) sind Ideologie, sind unbewiesen, aber dabei höchst apodiktisch. Sie sind durch die Universitäten im Mainstream verankert und werden sogar institutionell exekutiert. Mit anderen Worten: Man erlebt die Renaissance der Scholastik, nur diese ist ohne Gott.

Philosophisch betrachtet geht es hier wiederum um die ganz grundlegende Positionierung zweier verschiedener oder sich ausschließender Weltsichten, die entweder zugunsten der Immanenz oder zugunsten der Transzendenz ausfällt.
Der transzendente Weg (der Hippie-Ära) verfügte in seiner prinzipiellen Weltabkehr schon aus sich selbst heraus, aus seinem esoterischen Charakter über keine echte Anlage zur Breitenwirksamkeit. Dazu noch wurde er weitgehend diskreditiert, dies von den Neomarxisten und den offiziellen Kirchen gleichermaßen. Ohne Abwägungen über das bessere Argument gewinnt der neomarxistisch-materialistsche Weg durch seine an der Welt (und nicht an der Weltüberwindung) ausgerichteten Agenda seine ureigene Dominanz. Naturgemäß geht es ihm – mehr als dem transzendenten (und so prinzipiell offengehaltenen) Weltbild – um die gefestigte Weltanschauung (diese versucht er durch Ideologieproduktion zu affimieren) es handelt sich schließlich um eine Lehre in chiliastischer, daher jeden Widerspruch ausschließender Tradition, nur daß die Formulierung des universellen Heilsbegehrs in diesem Falle säkular ausfallen muß. Die absolute Anschauung bedient sich dabei wie gewohnt einem totalitären Gebaren, um überhaupt ihr Überleben zu sichern.
Ein Wort zur Kunst aus materialistischer Perspektive.
Zwar läßt man in der Kunst “der Welt der Metaphysik” einen Platz, aber sie ist nur Teil eines Immanenz-Aufzuges, bekommt nur den Status einer eskapistischen Trugwelt als Facette der als unanfechtbar erachteten (ontischen) Wirklichkeit und der realen Begebenheiten zugesprochen. Nicht aber wird sie als Symbol für eine noch realere Eigentlichkeit gesehen, denn diese wird ja als transzendente oder numinose Größe geleugnet. Die psychedelische oder schamanische Erfahrung (gerade zu Beginn der Hippiebewegung stand auch der Gebrauch des initiatisch-schamanischen Peyote im Mittelpunkt) wird dabei adäquat zum Trug des Geistes oder Gehirns erklärt, welches wie die gesamte Körperwelt rein mechanistischen und reduktionistischen Vorgaben folgt. Die schamanische Initiation (durch Meskalin) oder die sogenannte LSD Mystik der frühen Hippies verlieren so jede Aussagekraft über ein tieferes Verständnis der Seinsbedingungen.

Kunst – Sieferle, Schelling

R.P.Sieferle: ‘Kunst ist Macht. In der systemischen Welt horizontaler Beliebigkeiten gilt jede Dezision (die nichts anderes als aus einem persönlichen Charisma fließende Machtausübung ist) nur mehr als sie selbt; gewinnt sie Gewicht nur insofern, als sie sich durchsetzen kann.’
So erschütternd diese Einsicht auch klingen mag, so zutreffend ist sie (gerade für den heutigen Kunstbetrieb). Und mein Zusatz: Der allseits gehegte, insgeheime Wunsch nach Erlösung aus jener systemischen Welt (der auf den Künstler projezierte Dezisionswunsch) führt also zur Minderung der eigenen Möglichkeit, weil der Erlösungsweg nicht selber beschritten wird, sondern weil man den Wunsch nach Erlösung dem ‘Charismatiker’ (bzw. dem, der sich dafür ausgibt) in die Hände zu legen bereit ist (was freilich im Ergebnis kläglich scheitern muss). Der Künstler akkumuliert seine -geborgte- Macht in der Art und Weise, wie der Einzelne und so die Menge die eigene Unterlegenheit oder Unbedeutendheit deklariert.

Freilich handelt es sich hier um eine Betrachtung einer prinzipiellen Travestie des gesamten Kunstbegriffes und also seiner Herabtransformation, ausgehend von einem Idealbegriff, wie er sich zur Veranschaulichung und Gegenüberstellung treffend beispielsweise bei Friedrich Wilhelm Schelling ausborgen läßt:
“Gleichzeitig mit der Vollendung des Produkts ist alle Freiheit hinweggenommen; sie wird sich durch eine Vereinigung selbst überrascht und beglückt fühlen, d. h. sie gleichsam als freiwillige Gunst einer höheren Natur ansehen, die das Unmögliche durch sie möglich gemacht hat.
Dieses Unbekannte aber, was hier die objektive und die bewußte Thätigkeit in unerwartete Harmonie setzt, ist nichts anderes als jenes Absolute, welches den allgemeinen Grund der prästabilierten Harmonie zwischen dem Bewußten und dem Bewußtlosen enthält. Wird also jenes Absolute reflektiert aus dem Produkt, so wird es der Intelligenz erscheinen als etwas, das über ihr ist, und was selbst entgegen der Freiheit zu dem, was mit Bewußtseyn und Absicht begonnen war, das Absichtslose hinzubringt.
Dieses unveränderlich Identische, was zu keinem Bewußtseyn gelangen kann und nur aus dem Produkt wiederstrahlt, ist für das Producierende eben das, was für das Handelnde das Schicksal ist, d.h. eine dunkle unbekannte Gewalt, die zu dem Stückwerk der Freiheit das Vollendete oder das Objektive hinzubringt; und wie jene Macht, welche durch unser freies Handeln ohne unser Wissen, und selbst wider unsern Willen, nicht vorgestellte Zwecke realisiert, Schicksal genannt wird, so wird das Unbegreifliche, was ohne Zuthun der Freiheit und gewissermaßen der Freieheit entgegen, in welcher ewig sich flieht, was in jener Produktion vereinigt ist, zu dem Bewußtsein das Objektive hinzubringt, mit dem dunkeln Begriff des Genies bezeichnet.”

Von diesem Ideal aus läßt sich nun wieder eine Sentenz entwerfen, die den Bogen zu Sieferle schlägt, denn der heutige Kunstbetrieb ist unleugbar -in Zeiten medialer Multiplikation und umfassender Kommerzialisierung – in unerhörtem Maße auf (anti-idealistische) Abwege geraten.

Kunstobjekt
Nach Schellings Philosophie ist es Ziel in der Kunst, das unbekannte Transzendente im Zusammenkommen von bewußtem und unbewußtem Prozeß im Anschaulichen – zum Produkt der Kunst – zu objektivieren. Hierzu ist das Ingenium des Künstlers vonnöten. Mein Zusatz: Der Künstler fungiert hier als der Transmitter für diesen Prozeß. Eine andere Rolle kommt ihm nicht zu. Tritt der Künstler hinter diesem Prozeß hervor, tritt die Kunst augenblicklich zurück. Der Künstler darf daher prinzipiell gar nicht sichtbar werden, ihm gehört keine Aufmerksamkeit.

Individualität, Individuation

Grundlegend zur menschlichen Individuation hatte einst Georges I. Gurdieff folgend geäußert: “Ältester meiner Enkel, höre und erinnere dich immer an mein strenges Vermächtnis: tu nie im Leben, was die anderen tun … Entweder tu nichts – geh nur in die Schule, oder tue etwas, was sonst niemand tut.”

Gurdieff stellt nun bekanntermaßen eine Pädagogik der Individuation auf, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll. Ganz allgemein gesagt, stellt er mit ihr folgende Aufgabe: “Verwirklichung der Dreidimensionalität – um höher zu steigen”. Dies ist prinzipiell der Weg der Gnosis, der Alchemie, der (tantrische) Weg der Durchwirkung des Seins zur Geistigkeit. Ich nutze ein Bild: Das ausgefüllte Sein, das sich bin in die letzten Winkel bekannt ist, tritt bzw. fließt über, verläßt die Grenze des Körpers und des Gehirns (und so die Profanität), es ist zu groß und voll geworden, als das es keine Teilhabe hätte an der Wirklichkeit neben, in und über ihm. Was aber ist hierfür die besonders wichtige Vorraussetzung? Es ist gerade die Besinnung auf das Ich und dessen Kenntnisnahme und Durchleuchtung zum Wesenskern (welche also zuletzt eine Ich – Überwindung bewirken muß), daher auch sagt Gurdieff: “Solange Menschen andere nachahmen, können sie nicht frei sein.” Freiheit ist das Fluidum, in dem der Geist sich zu sich selbst aufschwingen kann. Hier ist vor allem also die innere Freiheit oder Befreiung zum eigenen Geistigen angesprochen, allerdings muß man sehen, daß der Mensch in der alltäglichen Verhaftung kaum hierzu durchzudringen in die Lage versetzt ist, -auch wenn dies selbst im Alltäglichen durchaus möglich ist, was aber einiges an Disziplin und innerer Entwicklung und eine spezifische geistige Grundhaltung erfordert.
Daß die latente Profanität und Minderung der Umgebung -und ebenso deren Sublimationsmechanismen – wenig dazu angetan sind, diesen innerlichen und also bewußten Weg zu befördern, zeigt auch dieses folgende Zitat von Gurdieff: “Die zeitgenössische Kultur verlangt Automaten.”
R.P. Sieferle hat in eindrücklicher Weise diesen Zustand des anti-individualisierten Menschen in der Gesellschaft wie folgt umschrieben:
“Der postanthropomorphe Raum ist aus der Perspektive des Menschen fragmentiert und zugleich standardisiert. Individualität ist in ihm eher die Ausnahme – häufig wird sie auch mit der Kontingenz individueller Existenz verwechselt. Niemand nimmt mehr einen besonderen Raum ein, sondern jeder bewegt sich in Umgebungen, in denen immer die gleichen Artefakte in unterschiedlicher Konstellation vorkommen. So bildet auch er selbst in der Regel ein Mosaik vorgefertigter Stücke, deren Elemnte durchweg allgemein bekannt sind. Seine “Erfahrungen” sind so beliebig und in Massen produziert wie die Waren, mit denen er sich umgibt. Er hängt in einem umfassenden Netz, dessen Zuckungen er weiterleitet.”

Schopenhauer, Higgs-Feld

Wodurch erhält ein masseloses Teilchen Masse? Durch die Anregung des sogenannten Higgs-Feldes. Wer regt aber diese Massebildung im Higgs-Feld an? Es ist dies gerichtete, fokussierte Bewußtheit = WILLE. Massereiche Teilchen bilden nun sinnlich vorfindbare Strukturen. Diese sinnliche Vorfindbarkeit ist aber lediglich in (bzw. nach) der Wahrnehmung, ist also subjektive VORSTELLUNG. Die Absprache über diese Vorstellung kennt man indes unter dem Namen WELT.

„’Die Welt ist meine Vorstellung’ ist der erste Hauptsatz Schopenhauers Philosophie. Was uns als Welt erscheint, ist nur für uns, nicht an sich. Es gibt für Schopenhauer nichts Beobachtetes ohne Beobachter, kein Objekt ohne ein Subjekt. Die Welt, als Vorstellung betrachtet, zerfällt in Subjekte und Objekte, die sowohl untrennbar als auch radikal voneinander verschieden, jedoch letzten Endes beide nur Erscheinungen des Willens sind. Dieser ist nach Schopenhauer das Wesen der Welt, das sich, in Subjekt und Objekt erscheinend, gleichsam selbst betrachtet.”

“Der Wille ist das Wesen der Welt: Aber nicht nur der Mensch sei seinem Wesen nach Wille. Alle uns in Raum und Zeit umgebenden Erscheinungen seien Objektivationen eines blinden Weltwillens.” (Wikipedia)

“Bisher subsumirte man den Begriff W i l l e unter den Begriff K r a f t : dagegen mache ich es gerade umgekehrt und will jede Kraft in der Natur als Wille gedacht wissen. Man glaube ja nicht, daß dies Wortstreit oder gleichgültig sei: vielmehr ist es von der allerhöchsten Bedeutung und Wichtigkeit.” (Schopenhauer)
“Kraft, so betonte Schopenhauer, sei eine Erscheinungsform des Willens, des ‘Dinges an sich’. Daher beruhe der Wille nicht auf einer Kraft, sondern die Kraft auf dem Willen! Der Wille, der als Kraft, Trieb oder Wille im gewöhnlichen Sinne ‘erscheint’, wurde so von Schopenhauer begrifflich in den Bereich des Metaphysischen erweitert. Da dieser Wille, das ‘Ding an sich’, für Schopenhauer das innere Wesen der Welt und aller ihrer Erscheinungen ist, enthält seine Philosophie in ihrem Kern einen metaphysischen Voluntarismus. (Anmerkung von mir: Dieser Wille bezeichnet die tiefste Schicht des Seins, bzw die ‘überweltliche’ Disposition zum räumlichen, wahrnehmbaren Vor-Sein!)
Die Philosophie Schopenhauers erreichte (oder überschritt!) so die Grenze zur Metaphysik. Sie nahm dadurch, wie sich später bei einigen Verehrern Schopenhauers deutlich zeigte, gleichsam religiöse Züge an und kam mit der von ihr postulierten Möglichkeit der Willensverneinung den Aussagen abendländischer Mystiker und östlicher Weisheitslehren nahe.” (Arthur Schopenhauer Studienkreis.de)

Nahtoderfahrung, Schamanismus, Ayahuasca (DMT)

Ich habe mich insgesamt mit wohl einigen hundert Nahtoderfahrungen befaßt, Berichte in verschiedenen Zusammenhängen und Perspektiven studiert. Folgende zentrale Merkmale, die immer wieder geschildert werden, möchte ich hier besonders hervorheben und (knapp) in Beziehung setzen.

Bei Situationen des Ausfalls lebenswichtiger organischer Funktionen oder bei traumatischen Erlebnissen mit akuter Lebensbedrohung kommt es zu folgenden Phänomenen:

-Spontaner Austritt aus dem Körper (in personaler [Bewußtseins-]Identität)
Typischerweise erfolgt eine Beobachtung des Szenarios von erhöhter, schwebender Position. Es tritt umgehend ein starkes Desinteresse oder Entfremdungsgefühl vom eigenen Körper und der Körperwelt allgemein ein. Die räumliche Position der Beobachtung kann variieren, und man ist in der Lage, durch physikalische Hindernisse wie Wände oder Decken hindurchzugehen oder hindurchzuschweben.
(Im Schamanismus kommt es ebenfalls zum vergleichbaren Körperaustritt, beispielsweise bei Carlos Castaneda wird geschildert, wie der Proband einer Meskalin – Initiation in seinem Bewußtsein in persona durch Zimmerwände hindurchgeht.)
-Tunnel, Transit-Erlebenis
Es wird von einem Übergehen in eine andere, unbekannte Örtlichkeit berichtet. Zumeist wird dieser Übergang als Tunnel erlebt, als ein dunkler Durchgang, ein Transit zu einer anderen Erlebnissphäre oder einer anderen, als fremd und doch vertraut und dabei “höher” empfundenen Dimension. Dies kann von signifikanten Geräuschen oder optischen Eindrücken begleitet sein, ebenso von einem Gefühl “energetischer Hebung”.
(Eine vergleichbare Form der Entrückung wird gerade auch von den Zeugen von UFO-Entführungen geschildert. Typischwerweise kommt es auch hier zu einem Transit, begleitet von einem Hindurchschweben durch Hindernisse wie Mauern oder Zimmerdecken, ganz verwandt dem weiter oben Angeführten.)
-Lebensrückschau
Oftmals erfolgt eine Lebensrückschau, hierbei wird jeder Aspekt der Biographie gesehen, durchlebt und auch durchfühlt, das gesamte Leben wird so noch einmal in plastischster Art im Betroffenen entfaltet. Er durchlebt die Zustände alle auch in ihrer Emotionalität, nicht nur die eigenen, sondern auch die derjenigen, in denen er Emotion hervorgerufen hat, positiv wie negativ.
(Typisch für den Schamanismus: Der Schamane hat Anteil an der Emotion anderer und fühlt deren Zustände, hört deren Rede und Gedanken.)
-Gesteigertes Realitätsgefühl
Typisch auch ist ein gesteigertes Realitätsgefühl, d. h. das Erlebte wird als eine “wirklichere Wirklichkeit” wahrgenommen und auch nach der Rückkehr in das Normalbewußtsein als solche eingeordnet, die Rückkehr in den Körper (in die Körperwelt) hingegen wird als Minderung des Seins, als unangenehm und nicht (mehr) erwünscht empfunden.
(Dies ist ein ganz verbreiteter Topos, der nicht zuletzt tiefere philosophische Implikationen aufweist, so findet hier etwa die Ontologie Platons von der eigentlichen Wirklichkeit jenseits unseres raumzeitlichen Daseins (siehe sein Höhlengleichnis) eine Entsprechung. Aber auch der schamanische Proband, der am Ayhahuasca-Ritual teilnimmt, erlebt den Zustand der Entrückung eben gerade nicht als halluzinogen, sondern als gesteigerte, wahrhaftere Realität, die die uns bekannte raumzeitliche Realität als geminderte, reduzierte Form des Daseins erscheinen läßt.)
-Verändertes bzw. aufgehobenes Zeitgefühl
Das Zeitgefühl wird tranzendiert. Auch wenn sich beispielsweise im Angesicht einer tödlichen Gefahr das NDE nur während eines Bruchteils einer Sekunde abspielt, kann eine Erlebnissfülle auftreten, die nach Wiedereintritt in das Normalbewußtsein subjektiv in viel längeren Spannen, bis hin zu Jahren bemessen werden kann. (Auch genau dies kann im schamanischen Ritual ähnlich erlebt werden. Ein Schamane gab nach einem Versuch mit DMT, der etwa 10 Minuten dauerte, an, er hätte diese Zeit als Spanne von gefühlt eintausend Jahren erlebt.)
-Jenseitsschilderungen
Es werden Szenarien beschrieben, die unserem bekannten Bild von Landschaften ähneln können – dies aber in einer energetisch und visuell als gesteigert empfundenen Form. Oftmals werden phantastisch oder besonders komplex, aber gleichzeitig luzid anmutende Bauten, Städte, oder auch (seltener) unerklärliche Konstruktionen hoher Komplexizität beschrieben. Diese Schilderungen scheinen mir oftmals eine gewisse Repräsentation spezifischer, individueller Bewußtseinsinhalte des Betreffenden zu enthalten, aber dies ist wiederum nicht zwingend. (Solche Schilderungen sind auch von schamanischen Ritualen bekannt, sie lassen sich auch mit der zweiten Hypostase Plotins (Geist, Vielheit) in Beziehung setzen, oder naturwissenschaftlich mit Hyperräumen, Konfigurationsräumen, Parallelwelten usw.)
-Die Licht-Erfahrung
Absolut zentral aber und mehr oder weniger allen NDEs gemein ist eine substanzielle Licht-Erfahrung. Dieses als in seiner Intensität unbeschreibar helle und einnehmende, aber in der Regel nie blendende und äußerst angenehm erlebte Licht evoziert gleichzeitig eine totale Umfassung des Betroffenen und bewirkt in ihm das Gefühl bedingungsloser Liebe und absoluter Angenommenheit, das Erleben hierüber wird durchgehend als jenseits aller Beschreibungsmöglichkeiten geschildert. Ein oftmals berichteter und besonders relevanter Aspekt ist hierbei eine seinshafte Teilhabe des Ich an eben jener Umfassung. (Im Schamanismus die Äußerung: “I am an atom in the Gods cube” – oder ein anderer (DMT-)Proband: “I WAS the light”. Weiterhin ist hier also ohne weiteres an die neuplatonische Teilhabe des Individuums am hypostasierten Einen zu denken. Das Licht korreliert mit dem Einen, denn das Licht repräsentiert stets die höchste Instanz des Seinshaften.)

Nun, für eine Evidenz: Nach meiner Beobachtung wäre es wohl möglich, gerade die Schilderungen der Erlebnisse, die während der Zeit außerhalb des Körpers stattfinden und auf Beobachtungen des räumlich bzw. vom Körper befreiten Bewußtseins basieren, nach empirisch einwandfreien Kriterien auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen. Hier wurde bereits von vielen Beteiligten potentiell Beweiskräftiges erlebt, beobachtet und beschrieben, man hat dies aber bisher nie ausreichend auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Schildert ein im Koma liegender Proband etwa Gespräche, die zu gleicher Zeit im Nachbarraum stattfanden, oder schildert jemand, der operiert wird, was während der Narkose (von der Decke des Zimmers betrachtet) im Raum detailliert vor sich ging, so ist dies unbedingt ein Hinweis auf die Evidenz nichtlokaler Bewußtheit.
Es läßt sich hier also (angesichts der Potenz dieser Information) der begründete Verdacht nahelegen, daß die genauere Untersuchung hierüber (immer noch) mit allerhand hemmenden Kräften konfrontiert ist. Es bedarf keiner besonderen Phantasie, daß verschiedene Interessenlagen, die an nach wie vor mächtige Paradigmen gekoppelt sind (Materialismus, Theismus…), eben um den Einsturz jener fürchten und so bestrebt sind, erst gar kein größeres, nachhaltig in die Allgemeinheit diffundierendes Wissen um die Signifikanz solcher Berichte aufkommen zu lassen.