Konvergenz

Rudolf Carnap: “Die realistische Annahme einer ‘Realität der Außenwelt’ ist so irrelevant wie die idealistische Gegenposition: ‘Die Wissenschaft kann in der Realitätsfrage weder bejahend noch verneinend Stellung nehmen, da diese Frage keinen Sinn hat.’ Die philosophischen Positionen ‘liegen jenseits der Erfahrung und sind daher nicht sachhaltig.’ In seiner Autobiographie spitzt Carnap zu: ‘die These von der Realität der Außenwelt ist eine leere Zutat zum Wissenschaftssystem.’ “

Eine sehr andere Intention geht mit dem Ansatz von Gaston Bachelard einher: “In der Realisierung des Rationalen entsteht ein ‘technischer Realismus’, ein ‘Realismus zweiter Ordnung, der eine Reaktion auf die gewohnte Realität darstellt und im Streit mit dem Unmittelbaren liegt. (…) Die Arbeit des Verstandes ist Konstruktionstätigkeit.

Der wissenschaftliche Geist steht vor selbst provozierten ‘Erkenntnishindernissen’, solange er den spontanen Evidenzen der ‘ersten Erfahrung’ mit dem ‘Gegebenen’ des Sensualismus, Empirismus und Realismus folgt; er muß sich ‘gegen die Natur’ bilden; der Realismus ist, so Bachelard 1938, ein ‘Instinkt’, ‘die einzige angeborene Philosophie’, und es bedarf einer ‘Psychoanalyse des Habens’ (der Wahrheit über die Realität), um zur Bildung des wissenschaftlichen Geistes zu gelangen.

‘Dieses Bedürfnis, den Gegenstand zu fühlen, dieser Hunger nach dem Objekt, diese unbestimmte Neugier, sie entsprechen noch – in keiner Weise – einem Zustand wissenschaftlichen Geistes.’
Der Realismus des ‘Gegebenen’ ist, so Bachelard 1940, ‘eine Philosophie, die sich nie engagiert.’; im Vertrauen auf das ‘Gegebene’ ist der Realist ‘der Philosoph, der mit dem ruhigsten Gewissen der Welt in der Immobilität verharrt’, während der praktizierende Wissenschaftler, ‘wenn er Vermutungen anstellt (…), wenn er Schematisierungen vornimmt (…), wenn er Irrtümern unterliegt (…), wenn er Behauptungen aufstellt’ keineswegs wie ein Realist handelt.”

Man kann hier nur zustimmen: Der (Natur-)Wissenschaftler ist (heute) eigentlich der wahre Philosoph, so man von jenem spricht, dem es ernsthaft um die ersten Grundbestimmungen der Welt geht. So gibt es auch – wenige – Philosophen, die sich heute im Hauptgedanken um diesen Grund der Welt bemühen – und diese sind über die Implikationen der Physik seit Planck ausreichend unterrichtet, um hieraus ontologische Schlußfolgerungen zu ziehen, die eine fundamentale Absage oder Abkehr von der Objektivität unserer Lebensbedingung tätigen, ohne aber zugleich einer agnostischen Sicht oder Unerklärbarkeit ‘der großen Fragen’ das Wort zu reden. Denn die philosophischen Errungenschaften und Positionen ‘jenseits der Erfahrung’ sollen konvergieren anhand der exakten Wissenschaften, auch anhand der Mathematik und Physik deduzierbar werden, sie sollen erschlossen werden – gedanklich kühn, experimentell wie evident. Die Konsequenzen hieraus bieten die eigentliche Wegweisung für jede ‘wahre Entwicklung’, für jede sinnhafte Zukunft.