Selbst, Durchdringung

C.G. Jung: “Wir haben Weltanschauung nicht für die Welt, sondern für uns. Wenn wir nämlich kein Bild von der Welt als Ganzem erschaffen, so sehen wir uns auch nicht, die wir doch getreue Abbilder eben dieser Welt sind. Und nur im Spiegel unseres Weltbildes können wir uns völlig sehen. Nur in dem Bilde, das wir erschaffen, erscheinen wir. Nur in unserer schöpferischen Tat treten wir völlig ins Licht und werden uns selber als Ganzes erkennbar. Nie setzen wir der Welt ein anderes Gesicht auf als unser eigenes, und eben darum müssen wir es auch tun, um uns selbst zu finden. Denn höher als der Selbstzweck der Wissenschaft und Kunst steht der Mensch, der Schöpfer seiner Werkzeuge. Nirgends stehen wir näher dem vornehmsten Geheimniss aller Ursprünge als in der Erkenntnis des eigenen Selbst, das wir immer schon zu kennen wähnen. Aber die Tiefen des Weltraumes sind uns bekannter als die Tiefen des Selbst, wo wir das schöpferische Sein und Werden fast unmittelbar belauschen können, allerdings ohne es zu verstehen.”

Und hier aber muß der Impetus erwähnt sein, der uns eben zur Durchdringung des ureigenen Selbst beauftragt. Unter der Last des Lebens (Schopenhauer) aber bricht dieser Wille fast gänzlich ein, die Lebenskraft selbst (u.a. als Mana, Prana, Libido im Jung‘schen Sinne), die aus diesem Zweck und für diesen Zweck fließen soll, bleibt dann gehemmt und erschöpft sich zumeist in der emotional behafteten Retrospektive auf eine Lebenszeit des (jugendlichen) Ungestüms ungerichteter und unbewußter (aber in Teilen zugelassener) Ursächlichkeit. Für eine viel weiter gefasste (energetische) Lebensdefinition einer zu entwickelnden Ganzheit erwähnt Volkmann-Schluck (im neuplatonischen Sinne) eine ekstatische Einung der vom Eros (also energetisch) geführten Seele: “Die maßlose Liebe erfährt ihr Woraufhin nicht mehr als Gegenüber einer schönen Gestalt, sondern als gestaltfreies Eines. In der Ekstase bringt sie sich in das als ein jenseits ihrer selbst begegnende überweltliche Selbst. Aber dieses wird nicht als Durchfühltsein des Subjekts erfahren, sondern als Alleinsein in der denkfreien Einung mt einem jenseitigen Einen.”
Und: “Die Ekstase widerspricht nicht der explikativen Tendenz, sondern diese findet im Innewerden des Ursprungs aller Fülle der Wirklichkeiten ihre Erfüllung.”