Lebensgrund

Der amerikanische Pädagoge G. Stanley Hall:
“Das Kind von neun bis zwölf Jahren ist an seine Umgebung gut angepasst und entsprechend entwickelt; es stellt vermutlich einen alten und relativ vollkommenen Zustand von Rasse-Reifheit dar. … Mit der hereinbrechenden Adoleszenz wird diese alte Einheit und Harmonie mit der Natur zerbrochen, das Kind wird aus dem Paradies vertrieben und muß sich auf einen langen, beschwerlichen Weg machen, es muß das höhere Königreich des Menschen für sich selbst erobern, muß in eine neue Sphäre eintreten und seiner psycho-physischen Natur einen modernen Kontext geben… Dies ist das kritischste Stadium des Lebens, denn wenn es nicht gelingt, beinahe andauernd aufzusteigen, bedeutet das Rückentwickung, Degeneration und Sturz.”
Hier kann man etwas anfügen, was an mancher (esoterischer) Stelle als die Versöhnung mit dem inneren Kinde benannt wurde. Die ursächliche karmische Anlage, mit der man in die Welt eintritt, ist durch das Beschriebene dem Problem unterworfen, von sich selber und seiner karmischen Intention elementar entfremdet zu werden, und das keineswegs nur in der Adoleszenz, sondern in Folge durch die ganze Lebensentwicklung des Erwachsenen, durch Berufsfindung und Beruf, durch Reproduktion, materielle Konsolidierung , Positionierung und Auseinandersetzungen in sozialen Gefügen und vielem Anderen mehr. So kommt es zu einer starken und dauerhaften Einsenkung “in die Materie”, denn das Genannte bezeichnet seinem Kern nach Bewegungen, die von den geistigen Prinzipien (der Dispositionen des höheren Ichs) wegführen. Hierin besteht also nun die Leistung, als erwachsener Mensch diese Umfassung der alltäglichen Profanität als solche zu erkennen und gemäß einer immanenten Anlage zur Überwindung zur inneren Anbindung an die geistige Welt zurückzukehren; einer Anbindung, welche im kindlichen Alter oftmals als Verzauberung oder Mystifikation festgestellt wird (was nach esoterischer Auffassung daher rührt, daß der spirituelle Teil des Menschen in den ersten Lebensjahren gar nicht fest im Körper konsolidiert ist und vielmehr zu einem gewissen Teil wiederholt in der geistigen Sphäre weilt). Nun aber ist eben jene Anbindung auf einer höheren, weil nun durchgeistigten und autarken Ebene zu integrieren und als eigentliche Lebensbedingung, die überraumzeitlich und überbiographisch Bestand hat, zu erkennen oder wiederaufzunehmen. Der Auftrag besteht darin, diese Kontinuität zum Lebensgrund zu machen und stetig und ständig fortzuentwickeln und zu vertiefen.