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Vom Weg

geklärt die
sieben Ströme und
wachsam der See ist leicht
zu finden
an den Hunden war
Wohlsein
doch Scham
das Napat nun vom Wasser gab
als alle Götter
von den Zahlen
und Wogen der Töne
ledig die Wunden verbargen
und Kunde vom Weg
tat ein eisernes Grab

Der erdachte Mensch

Plotin: “Wenn wir uns selbst denken, so erblicken wir zweifellos ein denkendes Wesen, oder es wäre nicht wahr daß der Mensch denkend ist. Wenn wir aber wirklich denkend sind, und wenn wir dann uns selbst denken, so denken wir ein Wesen welches gedankenhaft ist. Folglich ist vor diesem unseren Denken ein andres, gleichsam im Ruhezustand. Ferner hat auch das Sein und das Leben Denken; so muß vor diesem unserm Leben und Sein ein anderes Sein und Leben existieren, und dies ist es also, welches dasjenige erblickt, was wirkende Denkkraft ist. Wenn aber die in diesem uns-selbst-Denken wirksamen Kräfte Gedanken sind, so ist das Gedachte unser eigentliches Selbst und jenes ihr Denken gibt nur Abbild davon.”

Analog zum Satz von der Apriorie des Sehens:
Der Mensch als Ergebnis der Denkprozesse ist ein Erdachtes, und was ihn erdacht hat, muß also über ihm sein (als so auch benannter erster Mensch), denn das Gedachte kann nicht Ergebnis des erst dadurch Gebildeten sein, vielmehr handelt es sich um ein (nächst-) höheres Prinzip und Agens oberhalb der raumzeitlichen Bildlichkeit – oberhalb des Erdachten, das nun zugleich das Denken in abgeschwächter Form im Körperhaften repräsentiert. Denken indes scheint dem Menschen auf den Intellekt begrenztes geistiges Tun, ist dabei aber genauer besehen feinstoffliches Tätigsein und Bilden. In diesem Bilden ist die Idee zur Verfestigung dieses Gebildeten, also zur Verstetigung des Denk-Resultates angelegt, und hierzu nun dient der Körper und seine Physiologie der Betrachtungsorganik (letztere ist ja notwendigerweise ebenso zuerst geistig/feinstofflich und bildet die Aprorie zur körperlichen Veräußerung). Das Denken im Körperhaften ist wie schon bemerkt in diesem Radius ‘befangen’, wegen der inneren Kohärenz und dem Hervorgebrachtsein des einen (Niederen) aus dem anderen (Höheren) ist aber die Möglichkeit der Betrachtung über diesen Mangel gegeben, die den Menschen potentiell in die Lage versetzt, (nur auf geistigem Wege) aus diesem Radius hinauszugelangen.

Eros und Zweck

Plotin: “Daß aber dort oben das Gute ist, das erweist auch das Verlangen (Eros) welches der Seele (Psyche) eingeboren, weshalb denn auch in Gemälden und Sagen Eros mit den Psychen verbunden ist. Denn da die Seele etwas anderes ist als Gott, aber aus Gott stammt, verlangt sie nach ihm mit Notwendigkeit. Solange sie droben ist, ist sie erfüllt vom himmlischen Eros, denn sie ist dort oben eine himmlische Aphrodite; hier unten aber wird sie, gleichsam zur Hure entartet, zur gemeinen Aphrodite.

…der ermesse von hier unten aus nach diesen irdischen Liebesregungen, was es bedeut das zu erlangen wonach man am meisten verlangt und bedenke dann, daß diese Gegenstände irdischer Liebe sterblich sind und Unheil bringen und diese Liebe nur auf Nachbilder geht, daß sie sich wandeln, weil sie nicht der Gegenstand wahrhaftiger Liebe sind, nicht unser wahrhaft Gutes und nicht das was wir suchen; daß dort oben dagegen das wahrhaft und eigentlich Geliebte ist, mit dem auch eine wirkliche Vereinigung möglich ist indem man Teil an ihm gewinnt und es wahrhaft besitzt, nicht nur es von außen mit dem Fleisch umfängt.”

Schopenhauer wies darauf hin, daß das letztgültige (subjektive) Resümee über den Eros die Erkenntnis über den Betrug der Gattung eben am Subjekt zu ihrem Erhalt (dem Erhalt der Vielen) darstellen mag. Das Verlangen kommt hierin allerdings nie zum Erliegen. Dies kann so erklärt werden, daß ein dahinter vermutetes vages ‘Glück’, (Glück fälschlicherweise zumeist als Selbstzweck definiert) tatsächlich jenseits diesem Zwecke liegen muß, daher auch die Liebesdinge nur als exemplarisch oder als Vehikel zu einer Ansicht auf ein Darüber, auf ein viel höheres Empfinden zu deuten wären. Überhaupt ist in der Zweiheit nur der Selbstzweck ein verdoppelter, erst die Drei führt über diese ichhafte Limitierung hinaus. Richtet sich die Drei zur Präposition der Körper, erschafft sie im Geistigen, schaut sie aber (zwecklich) nach dem Körper selbst, wird sie wieder Verstetigung (so im Kind). Da der Mensch gerade über die aktuale Körperlichkeit definiert wird, ist die Libido zumal vordergründig eben körperhaft (endokrinologisch -nun als Sexus) wirksam. Die Libido als umfassende Wirkkraft ist aber mehr, wie der Mensch eben im Geistigen, im Ganzen weit mehr als (im) Körper ist. Unmittelbarkeit und Teilsein korrelieren im Körperhaften, zu Entwickelndes und Ganzes sind aber über all dem, schließen nebenbei den Körper jedoch nicht aus (daher auch das Nicht-Zielführende der leibfeindlichen Konzepte), aber rücken ihn und seinen Verstetigungsimpetus immer weiter aus dem Zentrum der Betrachtung. Der Impetus der Libido zur körperlichen Verstetigung wird somit transzendiert zum eigentlichen Ursprung, der der eidetischen Sphäre angehört.
C.G. Jung: “Mit zunehmender Befreiung vom bloß Triebhaften erreicht nämlich die partie superieure schließlich ein Niveau, wo die der Funktion innewohnende Energie gegebenenfalls überhaupt nicht nach dem ursprünglichen Sinne des Triebes orientiert ist, sondern eine sogenannte geistige Form erlangt.”
“Der Sinn oder Zweck des Triebes ist insofern keine eindeutige Sache, als im Trieb ein vom Biologischen verschiedener Zwecksinn, der erst im Laufe der Entwicklung sichtbar wird, verborgen sein kann. Innerhalb der psychischen Sphäre kann die Funktion durch die Einwirkung des Willens abgebogen und in mannigfacher Weise modifiziert werden.”

Allseele

Plotin: “Daß die Allseele aber in mir gut, in einem anderen böse ist, ist so gut wie möglich wie ein und dasselbe in dem einen in Bewegung, in dem andern in Ruhe sein kann. Wir fassen sie ja nicht in dem Sinne als eine, daß sie durchaus der Vielheit unteilhaftig wäre; das ist der oberen Wesenheit vorbehalten; sondern wir sagen; daß sie eines u n d Vielheit ist und Teil hat an der ‘Wesenheit die an den Körpern sich teilt’ und anderseits ‘an der unteilbaren’, so daß sie wiederum eine ist. Und weiter, wie in mir die Affektion eines Teiles nicht das Ganze zu ergreifen braucht, während das was an der höheren Stelle in mir geschieht, einen Einfluß auf den Teil ausübt, so sind die Wirkungen von dem All aus auf das Einzelne offenkundiger – leiden wir doch vielfach mit was im All vorgeht -, während es undeutlich bleibt ob die von uns ausgehende Wirkung eine nennbare Beisteuer zum All bedeutet.”

Hierzu läßt sich ergänzen: Zuletzt beruht alles auf Bild und Sicht, der Plural des Außen kommt erst zur Existenz in der gebrochenen singulären Wahrnehmung des Subjektes. Freilich sind Subjekt- und Objekt- Sein ja bereits Resultat dieser Veräußerung.
Die Allseele also, teilhaft am Höchsten, ist prinzipiell ein Ganzes, gibt aber gerade auch derart Gestalt, indem sie in die Beschränkung der Körper fällt und so in die entsprechenden Reduktionen der Wahrnehmungsentitäten und deren spezifische Wahrnehmungsformen veräußert ist. Die Brechung bedingt einen mannigfachen Singular, ein Subjektsein durch perspektivische Sicht. “Die Beisteuer zum All” ist indes das Schon-Sein, ein Teilsein an der Summe der Objekte, darüberhinaus aber vollzieht sie sich gerade in Teilhabe am Impetus ihrer Entwicklung. Die Handlung, die zum Ursprung schaut, wirkt indes auf das sich Schauende, also auf die geistige Sphäre und führt ihre Begrifflichkeit zu ihrem eigentlichen (vor der Schau befindlichen) Sein zurück.

Diskrete Seele

Plotin: “…die Zweiheit ist erst das Zweite, sie kommt von dem Einen her, dieses ist erst ihr Bestimmendes während sie selbst von sich aus ‘unbestimmt’ ist; und erst wenn sie bestimmt wird, ist sie Zahl. Zahl aber ist gleichsam Substanz, und Zahl ist auch die Seele, denn nicht Massen sind das erste oder Größen; die massigen Dinge hier; die die Wahrnehmung für seiende hält, sind später; so ist auch in dem Samen nicht die Flüssigkeit das Wertvolle, sondern das, was man nicht sieht, und das ist Zahl und Begriff. Die Zahl also von der man in der geistigen Welt spricht, und die Zweiheit sind Formbegriffe und sind Geist; indes ist die Zweiheit unbestimmt da sie gleichsam als zugrundeliegender Stoff begriffen wird, die Zahl aber, die aus ihr und dem Einen entsteht, ist Form indem jedes einzelne (der geistigen Prinzipien) gleichsam von den in es eintretenden Gestalten geformt wird; dabei wird es auf eine Weise durch Einwirkung des Einen, auf die andere aber durch eigenes Tun geformt so wie das Sehen in seinem Vollzuge; denn das Denken des Geistes ist ein Sehen welches blickt; und beide sind eins.”

Eine Computeranalogie hilft hier zu einer Veranschaulichung und gibt zugleich Einblick in das (diskrete) Wesen unserer Wirklichkeit: Das Eine und das Zweite bilden ein binäres System. Dieses liegt allem zu Grunde, hat für sich genommen aber noch weder Form noch Impetus, steht jedoch zur Verfügung für die substanzielle Bestimmung der Verhältnisse und Quantitäten, die aus ihnen gebildet werden können. Die Anordnungen innerhalb dieser potentiellen (Vor-) Substanz geben so eine Präposition zum Weltsein, evozieren später ein Resultat.
Die Anordnung der Eins und der Zwei (die Programmierung) ist dabei geschehen in der Einwirkung des Geistes, der den Impetus, die Idee, die Sinnhaftigkeit in die Quantitäten einpflanzt. Die Formung durch Perzeption (das “Sehen im Vollzuge”) exekutiert dann erst im Betrachter das Bild , wird somit Welt (Welt des Betrachters). Die Idee wird erst im Beobachter (schein-) real und konkret und schließlich perzeptiv fest und konstant, somit wird sie im (uns so erscheinenden) Dasein zur Form gehalten (die eben dieserart nur in der Betrachtung existiert).

Seelische Verwirklichung

Plotin: “Da also die Seele vom Geist stammt, ist sie nur geisthaft, ihr Geist bewegt sich in Überlegungen, ihre Vollendung erhält sie erst wieder vom Geist; es besteht aber auch die Verwirklichung ihres Begriffs darin, daß sie den Geist schaut. Denn wenn sie hineinblickt in den Geist, so hat sie das, was sie denkend verwirklicht, in sich selbst als ihr Zugehöriges, und das allein darf man tätige Verwirklichung der Seele nennen, was sie geistgemäß und als ihr zugehörig verwirklicht, während das Niedere ihr von anderwärts kommt und ein Leiden einer entsprechend niedrigen Seele ist.”

Daher soll die niedrige Seele sich das Prinzip der hohen zu eigen machen, dies gerade in tätiger Verwirklichung. Ihre primären Begriffe lernt sie dabei nur, wenn sie jenes erstrebt und versucht, was sie über ihre bisherige Begrifflichkeit und Begrenzung hinausführen mag, daß sie sich derart fortbildet und foranschreiten kann.
-Schöpferische Essenz: Die eigene Handschrift und Formsprache verweist auf die tiefe innere (wahre) Disposition, macht sie Stück für Stück bewußt und bietet aus der Vergegenwärtigung die Entwicklung und Verbesserung zu den unbekannten, bisher ‘unkartographierten’ Aspekten des Subjektes.
-Keine Fremdleitung: Inspiration mag in gewissen Zeiträumen und Maßen dem Subjekt willkommen wie hilfreich sein (auf tieferer Ebene gehört das Andere ja gar zum Selbst), im primären Seinsvollzug hat dies vor allem aber hindernde Aspekte. Die alltagsbezogene Fremdleitung bietet dem Mensch nur eine Vermittlung am Sein und daher eine Hinderung an ihm selbst, der Einzelne wird darüber zum Gefäß fremder Willensbekundung und Intention, seine Möglichkeit zum Selbstwerden ist hiermit nachhaltig blockiert.
-Kreativität: heißt die Verwirklichung der Eigenheit in allen Prozessen, die mit der eigentlichen tiefen Person korrelieren und im besten Falle aus ihr überfließen. Somit bleibt der Begriff etwa nicht auf spezifisch künstlerisches Tätigsein beschränkt.
-Suche: Leben ist Lernen, ist der Aufschwung der Seele zum höheren Prinzip. Dieser Prozeß kann zu keiner Zeit als abgeschlossen betrachtet werden.
– Vergegenwärtigung: Nur in der Zusammenkunft von Person und Gegenwart liegt das Momentum der Möglichkeit zur Gestaltung und Aktualität, also zur ganzen Sinnhaftigkeit der zur Entwicklung intendierten Inkarnation.
-Durchdringung: bedeutet Wachstum im Gegenwärtigen zur Totalität des ganzen, in meisten Teilen noch undurchmessenen Daseins.

Erkennen und Umfassen

C.G. Jung: “Die Seele war stillschweigende Voraussetzung, die sich seiner in allen Stücken bekannt schien. Mit der Entdeckung der Möglichkeit eines unbewußten seelischen Bereichs war die Gelegenheit zu einem großen Abenteuer des Geistes geschaffen, und man hätte erwarten können, daß ein leidenschaftliches Interesse sich dieser Möglichkeit zuwenden würde. Bekanntlich war dies nicht nur nicht der Fall, sondern es erhob sich im Gegenteil ein allgemeiner Widerstand gegen diese Hypothese. Niemand zog den Schluß, daß, wenn tatsächlich das Subjekt des Erkennens, nämlich der Seele, auch eine dunkle, dem Bewußtsein nicht unmittelbar zugängliche Existenzform besitzt, alle unsere Erkenntnis in einem unbestimmbaren Grade unvollständig sein muß.
Die Gültigkeit des bewußten Erkennens war in einem ganz anderen und bedrohlicheren Maße in Frage gestellt.”

Hier ist anzufügen: Bewußtes Erkennen birgt also lediglich eine Teilerkenntnis und diese muß sich – plotinisch gesprochen – durch einen anderen Prozeß, ein Art des hinter den Geist Gehens komplettieren lassen können.
Denken im Gebräuchlichen heißt vor allem Erfassen und darüber auch Gebären.
Das Komplettierte, das Einheit Bildende hingegen hat ja das Attribut, schon alles innezuhaben, es zeichnet sich daher durch die Eigenschaft des Umfassens aus.
Umfassen heißt für uns als Subjekt, als singuläre Entitäten: Erlangung, Durchdringung, Eigen machen, vergrößern, verstehen. Dies gerade durch alles Sein der Person, so es auch im ganz Verborgenen liegen mag – im Innen zum Organum des Erkennens wie auch im Außen in der bisher unberührten Welt (als Erkenntnis-Sphäre) – da es tiefer mit dem Ganzen korreliert als nur die intellektuelle Tätigkeit allein, bedeutet dies die eigentliche Exploration von Sein und Sinn.

C.G. Jung: “Ziehen wir die Hypothese des Unbewußten ernstlich in Betracht, so müssen wir einsehen, daß unser Weltbild nur als vorläufig gelten darf; denn wenn man am Subjekt des Wahrnehmens und Erkennens eine so grundlegende Veränderung wie die einer ungleichen Verdopplung vollzieht, so muß ein Weltbild, das von dem bisherigen verschieden ist, entstehen.”

Am Dezember

Als es unten am Feld gerade noch hell war aber am Haus schon deutlich die Dunkelheit lag wegen der Mauern und Bäume da dachte man wie es wohl gewesen sei dort vor den Jahren im Sturm und die Zwei die jetzt schwarz wie Silhouetten die Ferne bemaßen ob sie lohne als Revier aber diese Freiheit zu groß und undurchdringbar schien und daher es vorzogen von teurem Stein zu essen oder einfach so ihrem Herren zu gefallen da war es also fast Dezember geworden und die Welt selbst schien etwas ferner zwischen den Wänden nur ab und an ein Kratzen um die Uhrzeit ein Tier oder Bleche die sich krümmten im Feuer bis zur vollen Stunde nun Worte zu den Fenstern und dann und schließlich am Rauch der Nacht: das Leben.