“Schleiermacher gründet das Bewußtsein des Heiligen nicht im christlichen Gottesbewußtsein, sondern versteht umgekehrt das Gottesbewußtsein in den positiven Religionen als eine mögliche Ausdrucksgestalt des Bewußtseins vom Heiligen, das er als ‘Sinn und Geschmack für das Unendliche’ bestimmt. Damit ist im Wesentlichen ein Wirklichkeitsbewußtsein gemeint, das durch enthusiastische Erlebnisse initiiert und intrinsisch qualifiziert ist, das heißt durch Erlebnisse mit der Anmutung, den Einzelnen über die Grenzen seiner egozentrischen Selbst- und Weltwahrnehmung hinauszutragen und mit etwas Größerem zu vereinen, das vom erlebenden Zugang nicht abstrahiert und in vermeinter Selbständigkeit verdinglicht werden darf. Erlebnisse dieser Art differenzieren sich laut Schleiermacher im Vollzug der Selbstverständigung über das Erlebte aus in die ‘Anschauung des Universums’ und diese Anschauung begleitenden Komplex von Gefühlen der Demut, des Staunens und der Zuneigung.
Erlebnisse dieser Art sind dadurch bestimmt, daß sie einen kognitiven Gehalt besitzen, der nur sinnbildlich ausgesagt werden kann.” (Magnus Schlette)
Enthusiastische Erlebnisse sind als ‘klassische’ Stiftungsmomente heute – wegen der Ermöglichung individueller Zugänge zu Transzendenz-Stufen – nicht vonnöten, führen vielmehr- jeher – auf die Fährten falscher Propheten. Enthusiastisches Erleben hingegen handelt von Gewahrwerdung des Seins des tieferen Eigenen als Wahrnehmung, die am Eigentlichen partizipiert. Was in der Identität liegt, ist heilig, strebt und entflammt sich in sich selbst um einst zu sich selbst in seiner höchsten Stufe zu gelangen. Religion als Institutionelles, Angetragenes liegt dieser Unmittelbarkeit ausgelagert, weil zu viele Vermittlungsstufen sind, zu viel verstellender, ferner Rekurs. So sollen wir nicht von Demut und Glauben sprechen, sondern von Seinsteilhabe in der Identität – nur dies bedeutet Wirklichkeit (als Wirksam-Sein) im Sinne des Wortes und der Art des Sich-Verhaltens als Teilhaber des -einzigen- Subjekts.
Die Upanishad sagt: “Der Äther in dem Topf, dem Zimmer und den Wolken ist ein ein und derselbe. Aufgrund der verschiedenen Begrenzungen erhält er verschiedene Namen, z.B. ghatakasa (Topf-Äther), mathakasa (Zimmer-Äther), meghakasa (Wolken-Äther). So erhält auch das eine brahman verschiedene Formen, die jivas, aufgrund der verschiedenen begrenzenden Attribute, Namen und Formen. Wenn der Topf bzw. die Wände des Zimmers zerbrechen, werden der Topf-Äther und der Zimmer-Äther eins mit dem universellen Äther. Genauso werden auch die jivas identisch mit brahman, wenn die begrenzenden Attribute, also die verschiedenen Körper und manas nicht mehr sind. Genau wie aus dem Feuer tausende Funken hervorsprühen, wobei sie Feuer bleiben, so kommen aus dem unsterblichen brahman die verschiedenen jivas, und sie finden ihren Weg zurück in brahman.”