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Die Besten

Jetzt sind der Schall zur
Zeugung
die Sprache und Gabe
zum Wind hingetan
und die Fülle der Wesen
sterblich im Blau
die Besten hatten
von der Beute gelesen
und zum Tag der
Seelen war nur willkommen
wer rauh bisher
ins Leben genommen
mit dem allerersten Klang

Gelöst

Schwetaket du
sag vom Salz gelöst den Tod
und im Anfang sei der Sog
gewesen
dein Atem hat genau von hier
daß dreißig die
in Licht gekleidet bald die
Not bekannten
und gebeugt zum Sein
die eigene Hand
zum Opfer nannten
waren doch alle
nur zum Schein

Leere und Sinn

C.G. Jung für den Taoismus: “Die Begrenzungen sind nicht ursprünglich im Sinn des Daseins begründet. Die festgelegten Bedeutungen sind nicht ursprünglich den Worten eigentümlich. Die Unterscheidungen entstammen erst der subjektiven Betrachtungsweise.”
Und: “Das äußere Hören darf nicht weiter eindringen als bis zum Ohr; der Verstand darf kein Sonderdasein führen wollen, so wird die Seele leer und vermag die Welt in sich aufzunehmen. Und der Sinn ist’s, der diese Leere füllt.”
Die Totalität dieses Anspruches fürt uns im neuplatonischen Sinne über die zweite (also geistige) Hypostase hinaus: “Das Wesen des Nous ist Sehendsein, dieses schließt Vielheit und Angewiesenheit auf ein vorgängiges Anderes ein, auf das gerichtet die Denkbewegung zur Intentionsfüllung gelangt, wenn sie sich nicht ins Leere verlaufen soll.” (Volkmann-Schluck)
Hinter der Vielheit des Denkenden residiert die (so benannte) Leere, die zugleich Überfülle zum Sinnhaften beherbergt, und – so sie den Schritt zur Explikation vollzieht – das Sinnhafte (perspektivisch) sichtbar werden läßt. Die Rolle des Seelischen, die erst diese Art der Verwirklichung in die (uns so genannte) Existenz bringt, zeigt allein, daß jene Derivat des Einen sein muß. Sie kommt aber zurück zu ihrer wahren Herkunft, wenn sie die prinzipielle Defizienz iher Hervorbringung erkennt und aufzuheben gewillt ist.

Meister Eckhart: “Drei Dinge sind es, die uns hindern, so daß wir das ewige Wort nicht hören. Das erste ist Körperlichkeit, das zweite Vielheit, das dritte ist Zeitlichkeit. Wäre der Mensch über diese drei Dinge hinausgeschritten, so wohnte er in Ewigkeit und wohnte im Geiste und wohnte in der Einheit und in der Wüste, und dort würde er das ewige Wort hören.”
“Gott wirkt alle seine Werke darum, daß wir der eingeborene Sohn seien. Wennn Gott sieht, daß wir der eingeborene Sohn sind, so drängt es Gott so heftig zu uns, und er eilt und tut gerade so, als ob ihm sein göttliches Sein zerbrechen und in sich selbst zunichte werden wolle, auf daß er uns den ganzen Abgrund seiner Gottheit und die Fülle seines Seins und seiner Natur offenbare; Gott ist es eilig damit, daß es ganz so unser eigen sei, wie es sein Eigen ist. Hier hat Gott Lust und Wonne in der Fülle. Dieser Mensch steht in Gottes Erkennen und in Gottes Liebe und wird nichts anderes, als was Gott selbst ist.”
An der Wendung des Zitates sehen wir, daß auch Eckhart eine Totalität avisiert, die wir als Telos auch im Taoismus finden: Die Vielheit des Nous, und so die geistigen und feinstofflichen Explikationen (Welten) sollen dabei ohne Interesse sein. Mit der Ablösung des Perzeptiven und somit Unterscheidenden endet auch jede höherweltliche Vielheit, an die einzig verbliebene Stelle tritt die Leere als Totalsein (und Apriorie) des Sinnhaften.

Lebensprämisse

C.G. Jung: “Wie die Flugbahn des Geschosses im Ziel, so endet das Leben im Tod, der mithin das Ziel des ganzen Lebens ist. Selbst dessen Aufstieg und sein Höhepunkt sind nur Stufen und Mittel zum Zwecke, das Ziel, nämlich den Tod, zu erreichen. Diese paradoxe Formel ist nichts als der logische Schluß aus der Tatsache der Zielstrebigkeit und Zweckbestimmtheit des Lebens.”
An das Gesagte schließt sich zwangsweise die Frage nach dem Sinn. Fichte sagt: “Ich äße und tränke, damit ich wiederum hungern und dürsten und essen und trinken könnte, so lange, bis das unter meinen Füßen eröffnete Grab mich verschlänge und ich selbst als Speise dem Boden entkeimte? Ich zeugte Wesen Meinesgleichen, damit auch sie essen und trinken und sterben und Wesen Ihresgleichen hinterlassen könnten, die dasselbe tun werden, was ich schon tat? Wozu dieser unablässig in sich selbst zurückkehrende Zirkel, dieses immer von Neuem auf dieselbe Weise wieder angehende Spiel, in welchem alles wird, um zu vergehen, und vergeht, um nur wieder werden zu können, wie es schon war; dieses Ungeheuer, unaufhörlich sich selbst verschlingend, damit es sich wiederum gebären könne, sich gebärend, damit es sich wiederum verschlingen könne?
Nimmermehr kann dies die Bestimmung sein meines Seins und alles Seins.”

Ein Ausgang kann hier durch die Mitteilung eines (progressiven) Telos und darüber die Bedeutungsänderung des Vorganges des Todes selber erbracht sein. Zum einen: Ein globaler Fortschritt, ein evolutionärer Aufstieg wäre nicht ohne den Aufbau einer Ahnenfolge zu denken. Diese aber zu gewährleisten besetzt (heute) nur einen gewissen Teil der Biographie. Die Zeugung kostet indes keinerlei Mühe oder Zeit, die Aufzucht hingegen die einer Generation, bleibt dabei aber nicht dem Individuum zwingend beauftragt, sondern kann auch der Gemeinschaft übertragen sein. Die weitaus längere Lebenspanne, die weitaus größere Einlassung bleibt jedoch der Reflexion des Subjektes auf sich selbst übertragen und wird so zur eigentlichen und im Sinne des Wortes letztendlichen Lebensprämisse, die so die Werdung als individuellen Nutzen zur eigenen Individuation und Evolution betont. Ziel ist – den Tod hierbei als transformative Chance begreifend – die Aufhebung des von Fichte so monierten Zirkelschlusses eines Seins, das sich allein in seiner ewigen Perpetuierung schon zu genügen scheint.

Selbst, Durchdringung

C.G. Jung: “Wir haben Weltanschauung nicht für die Welt, sondern für uns. Wenn wir nämlich kein Bild von der Welt als Ganzem erschaffen, so sehen wir uns auch nicht, die wir doch getreue Abbilder eben dieser Welt sind. Und nur im Spiegel unseres Weltbildes können wir uns völlig sehen. Nur in dem Bilde, das wir erschaffen, erscheinen wir. Nur in unserer schöpferischen Tat treten wir völlig ins Licht und werden uns selber als Ganzes erkennbar. Nie setzen wir der Welt ein anderes Gesicht auf als unser eigenes, und eben darum müssen wir es auch tun, um uns selbst zu finden. Denn höher als der Selbstzweck der Wissenschaft und Kunst steht der Mensch, der Schöpfer seiner Werkzeuge. Nirgends stehen wir näher dem vornehmsten Geheimniss aller Ursprünge als in der Erkenntnis des eigenen Selbst, das wir immer schon zu kennen wähnen. Aber die Tiefen des Weltraumes sind uns bekannter als die Tiefen des Selbst, wo wir das schöpferische Sein und Werden fast unmittelbar belauschen können, allerdings ohne es zu verstehen.”

Und hier aber muß der Impetus erwähnt sein, der uns eben zur Durchdringung des ureigenen Selbst beauftragt. Unter der Last des Lebens (Schopenhauer) aber bricht dieser Wille fast gänzlich ein, die Lebenskraft selbst (u.a. als Mana, Prana, Libido im Jung‘schen Sinne), die aus diesem Zweck und für diesen Zweck fließen soll, bleibt dann gehemmt und erschöpft sich zumeist in der emotional behafteten Retrospektive auf eine Lebenszeit des (jugendlichen) Ungestüms ungerichteter und unbewußter (aber in Teilen zugelassener) Ursächlichkeit. Für eine viel weiter gefasste (energetische) Lebensdefinition einer zu entwickelnden Ganzheit erwähnt Volkmann-Schluck (im neuplatonischen Sinne) eine ekstatische Einung der vom Eros (also energetisch) geführten Seele: “Die maßlose Liebe erfährt ihr Woraufhin nicht mehr als Gegenüber einer schönen Gestalt, sondern als gestaltfreies Eines. In der Ekstase bringt sie sich in das als ein jenseits ihrer selbst begegnende überweltliche Selbst. Aber dieses wird nicht als Durchfühltsein des Subjekts erfahren, sondern als Alleinsein in der denkfreien Einung mt einem jenseitigen Einen.”
Und: “Die Ekstase widerspricht nicht der explikativen Tendenz, sondern diese findet im Innewerden des Ursprungs aller Fülle der Wirklichkeiten ihre Erfüllung.”

Wissenschaft und Spiritualität

C.G.Jung: “In der Weltanschauung alten Stils hat der Mensch seinen Geist naiverweise für die Dinge gesetzt, er durfte sein Gesicht als das Antlitz der Welt betrachten, sich als ein Ebenbild Gottes sehen, welche Herrlichkeit mit etwelchen Höllenstrafen nicht zu schwer bezahlt war. In der Wissenschaft aber denkt der Mensch nicht an sich, sondern nur an die Welt, an das Objekt: er hat sich abgetan und seine Persönlichkeit dem objektiven Geist geopfert. Darum steht der wissenschaftliche Geist auch ethisch höher als die Weltanschauung alten Stils.
Wir beginnen aber die Folgen dieser Verkümmerung der menschlichen Persönlichkeit zu fühlen. Allerorts erhebt sich die Frage nach Weltanschauung , nach Sinn von Leben und Welt. Zahlreich sind auch die Versuche in unserer Zeit, rückfällig zu werden und Weltanschauung ältesten Stils zu treiben, nämlich Theosophie, mundgerechter: Anthroposophie.”
Tatsächlich führt ja die älteste Weltanschauung zum Ursprung der Religion und ihrem eigentlichen Sinn und Grund zurück. In der esoterischen Tradition ist deren gnostisch -transzendent-empirisches Gedankengut und nach Fortschritt oder Wiederherstellung dieses Wissens als des Gewußten (Plato) Strebenden stets gewahrt worden. Alle Institution aber ist von der ersten Zeit an schon Übersetzung, die sich – weil bald jeder kenntnisorientierte und so eigenverantwortliche Impetus ausgeschieden wurde – in Symbol und Ritus und Mittlerschaft verlaufen hat, und dies bis zur Unleserlichkeit (und hier vorausgesetzt die Religion sei nicht schon qua Geburt Plagiat einer Übersetzung).
Wissenschaft und Spiritualität als Aspekte zur verschieden betrachtenden Klärung der Seinsbedingungen erfahren dann in der Erinnerung -diese aber im Angesicht technischer und rationalisierender Progression (daher auch handelt es sich nicht um einen regressiven Vorgang)- eine Synthese, die, die Defizienz der constitutio “Mensch” erkennend, den Auftrag zur Zielführung erfolgreich in Angriff zu nehmen hat. Dies (einst) im Überkommen aller raumzeitlichen Bedingung. Transzendenz wird immanent und empirisch, Empirie nimmt transzendenten Charakter an, und alles Wissen und alles Existieren strebt zur eigentlichen Verursachung, die Geist heißt.

Anzestrale Konstitution

Eine Gegenrede von C.G.Jung zur zeitkonformen wie irrigen Ansicht, der Mensch wäre qua Geburt unbeschrieben und seine Entwicklung hinge demnach ganz alleine von der darauf erst einsetzenden Sozialisation ab.
“In der individuellen menschlichen Seele gibt es vielerlei Dinge, die man nie erworben hat, denn der menschliche Geist wird nicht als tabula rasa geboren, sowenig wie jeder Mensch ein gänzlich neues und einzigartiges Gehirn hat. Es ist ihm ein Gehirn angeboren, welches das Resultat der Entwicklung in einer unendlich langen Ahnenreihe ist. Das Gehirn stellt sich in jedem Embryo in seiner ganzen differenzierten Vollendung her und wird unfehlbar, wenn es in Funktion tritt, Resultate ergeben, welche schon unzählige Male zuvor in der Ahnenreihe produziert worden sind. Die ganze Anatomie des Menschen ist ein vererbtes, mit der anzestralen Konstitution identisches System, das unfehlbar auf diesselbe Weise wie früher funktionieren wird. Infolgedessen ist die Möglichkeit, daß irgend etwas Neues, von Früherem wesentlich Verschiedenes produziert wird, sogar verschwindend gering. Alle jene Faktoren also, welche unseren nahen und fernen Vorfahren wesentlich waren, werden auch uns wesentlich sein, denn sie entsprechen dem vererbten organischen System. Sie sind sogar Notwendigkeiten, die sich als Bedürfnisse geltend machen werden.”

Die “anzestrale Konstitution”, dies sei noch bemerkt, gilt auch im Sinne der Spezialisation und Identität im Sinne sinnhaft- verwandter Dispositionen. Je höher die Verallgemeinerung, desto mehr Verlust der individuellen und gruppenbezogenen Errungenschaft. Diese ist ja kein Zufallsprodukt, sondern eben ganz in der Linie der Bedingung gemäßer Inkarnation(en) zu denken. Die teleologisch notwendige “Vergemeinschaftung” hingegen kann erst dann zu vollbringen sein, wenn jedes ihrer potentiellen Glieder aus sich selbst zur entsprechenden Eigenüberwindung in die Lage versetzt ist.

Sattva

C.G. Jung: “Es ist nämlich seelisch leichter, in einem Bewegungszustand, in einem Auf-und Abwogen des Geschehens, als in einem ausgeglichenen Dauerzustand zu leben, denn in letzterem Zustand – unbekümmert um seine vielleicht bewundernswerte Höhe und Vollendung – droht die Erstickung in unerträglicher Langeweile. Wir täuschen uns daher nicht, wenn wir annehmen, daß seelische Friedenszustände, das heißt konfliktlose, heitere, überlegene und ausgeglichene Stimmungen – sofern sie von Dauer sind – immer auf besonders entwickelten Einstellungen beruhen.”

Der erste Sachverhalt ist in vedischen Systemen mit dem Begriff rajas benannt, er meint die Bezeichnung der eigentlichen oder hauptsächlichen Lebenssphäre unseres Menschseins, somit aber unserer hierauf bezogenen begrenzten Definitionen, die aber gerade als das Lebensvolle im landläufigen Sinne erachtet sind. Freilich liegt es in unserer Problemstellung, dieses Bild zu erweitern, die Welt des “Auf und Abwogens” als zuletzt ‘undurchdrungen’ zu erkennen und entsprechend nach Entwicklung zu suchen. Mit den Lebensjahren – Jung spricht in dem Kontext von einer Lebenskehre – wird man zunehmend gewahr, daß viel der Affektion der jungen Jahre überwindenswert, die tieferen Ansätze jedoch unentwickelt blieben. Der Gemütszustand sattva hingegen ist der von hier überwindende und dabei durchaus integrierende Zustand, den nur jemand als ‘langweilig’ bezeichnen würde, der ihn vom Stand des Gemütszustandes rajas aus eben gar nicht zu verstehen oder zu erahnen in die Lage versetzt ist. Tatsächlich ja ist sattva die erhabene, souveräne und Selbst– genügsame (da in der Größe des Selbst selbst befasste) Haltung- hier nun bemühen wir das Jung‘sche Ansichtig-Werden des Selbst, also die Befassung des im erweiterten Sein befindlichen Ich mit Aspekten , die das Ich zu transzendieren befähigen, dies in der Erschließung der unendlichen Quelle entgrenzendem Mit-Sich-Seins, welche im Vollziehenden eine unerschöpliche Seins – Präsenz und -steigerung bewirkt.
Meister Eckart sagt: “Alle unsere Vollkommenheit und alle unsere Seligkeit hängt daran, daß der Mensch durchschreite und hinausschreite über alle Geschaffenheit und alle Zeitlichkeit und alles Sein und eingehe in den Grund, der grundlos ist.”
Ist schon im Befasstsein solcher Entwicklung und Annäherung ein gesteigertes Leben, so ist das eigentliche Leben überhaupt erst hier als solches zu benennen, wohingegen das, was uns zur üblichen Definition vom Leben diente, nur (im Besten Falle) als eine Art Propädeutik zu diesem erkennbar werden muß.

Die Blicke

Nachts bald zu fremden Gärten und im Haus die Geister die Blicke der Katzen vermehrt zur Zimmerdecke man wußte nicht wegen manchen Klängen konnte nichts von der Verursachung kennen und am Fenster nur in die Ferne wie in die Zukunft als Geräusche aus dem Nachbarzimmer schreckten und unerklärlich ging es täglich zur Wintermitte und rauh dabei zur Fahrt am höchsten Punkt wo einst die mit dem Holzfuß und ihren Schwestern manchmal nur zu Besuch aber fast überlegen entschwanden im Wald wie viel war da vom Leben bald schon ganz in dieser Nähe zwar ungeahnt ins Bild gebannt von dem was man schon immer hatte heute erst zur Ansicht