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Emergenz und Hinderung

Über Max Weber: “Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein sind relevante Teile der Geistes-und Sozialwissenschaften von dem Gedanken geprägt, die Geschichte der Moderne sei eine Verfallsgeschichte, eine Geschichte des Wert- und Sinnverlusts. Seine Position bleibt in diesem Punkt ambivalent, da er den Rationalisierungsprozeß für unabwendbar hält, aber nicht daran glaubt, daß dieser in eine gute Zukunft führe. Wie stark sein eigenes Interesse auf die Bedeutung der Werte und der Sinnfragen gerichtet ist, erweist sich insbesondere in seinen soziologischen, politischen und werturteilstheoretischen Schriften, in denen er sich auf die Interpretation des ‘Sinns’ sozialen Handelns wie auch die zentrale Bedeutung von Werthaltungen in der wissenschaftlichen und politischen Praxis kapriziert. Damit relativiert er nicht nur die These des Wert-und Sinnverlusts, sondern zeigt auch, daß der Verlust keineswegs irreversibel ist, sondern vielmehr Gegenbewegungen einer neuen Sinnsuche auslöst.” (Andreas Anter)

Wenn aber weder Rationalisierung und säkulares Bewußtsein noch Religion (im institutionalisierten, dogmatisierten Sinne ) in eine probatere Zukunft führen, wie kann dann ein Ausweg gedacht werden?
Hier könnte man einer Emergenz das Wort reden: Religion und Rationalität bilden ein Neues, in dem beide eben nur unvollständige Bedingtheiten sind in einem großen Telos des Bewußtseins der Bewußtwerdung des Menschen zu sich selbst in seiner ganzen Bestimmung. Selbstverständlich können die gerade abrahamitisch inspirierten und willkürlich kanonisierten Buchreligionen samt aller ihrer Irrationalismen vor keiner Art oder Anforderung der Vernunft bestehen, daher existiert zwangsläufig nur die Möglichkeit, sie völlig aufzugeben. Nur die den Religionen ursächlichsten, von jeder vermeintlich historisch konnotierten Dimension entkontextualisierten Intentionen könnten im Sinne einer weltumspannenden Philosophia Perennis von Belang sein – hierzu indes braucht es ihren gesamten Aufbau nicht -, nicht ihren Ritus und ihren Kanon; im Gegenteil bilden diese einen repressiven Hinderungsgrund zum Erkenntnisprozeß. Das Bewahrenswerte aber, der tiefste Kern -vor aller Institution – weist all dies Sekundäre und Irrtümliche ab und schaut nach dem Ganzen, somit heute gerade nach Konvergenzen mit Wissenschaft und gegenwartsbezogenen Denkprozessen.

Hegel sagt zum “Wesen der Religion: Religion ist das Wissen des göttlichen Geistes von sich durch die Vermittlung des endlichen Geistes (des Menschen). Sie ist der Prozess, in dem der endliche Geist seine Endlichkeit aufhebt und sich als eins mit dem Göttlichen erfährt.

Religion und Philosophie: Beide behandeln denselben Gegenstand – die absolute Wahrheit. Der Unterschied liegt in der Darstellungsform: Religion nutzt ‘Vorstellungen’ (Bilder), Philosophie nutzt Begriffe. “(Quelle: KI)

Ich aber erwidere auf Hegel: Religion wirft das Schlaglicht auf den Prozess, worin der endliche Geist sich ‘metaphysisch’ betätigend in seiner Endlichkeit erfährt und an seiner zeitgemäßen Begrenzung scheitert oder zum Stehen kommt. Der Ewigkeitsanspruch der Buchreligionen hindert dabei eine nötige Entwicklung, die das Wachstum des menschlichen Geistes in der Zeit ausreichend repräsentiert. Sie sind so ‘Bewußtseins-Anachronismus’ und große Hinderung am Menschheits-Telos zur Ganzwerdung, zum Geist-Sein.

Christentum, griechisches Erbe

“Anders als Hegel, aber auch Troeltsch verstand Löwith das Christentum denn auch als eine Religion, die nicht von dieser Welt ist und auch von ihr hinwegführen möchte. Sie in der Welt verwirklichen zu wollen, verkehre sie gänzlich.” Jörg Dierken

Ein säkularisiertes Christentum als weltlich-ethisch befasste Identität kann in der Tat nicht als ein ‘Christentum mit anderen Mitteln’ gedacht werden. Der zentrale Bezugspunkt der Lehre ist ihre Eschatologie, ihr großer transzendenter Endzweck eben als Ziel und Grund allen Daseins. Eine im Säkularen abgebildete Religiosität durch Ethik, eine Moralisierung der Welt indes gereicht nie zur Transzendenz. Diese geschähe – nun ‘häretisch’ gedacht – nur aus Überwindung und Beendung der Welt aus dem Individuum heraus durch (energetische, geistige) Hebungen. Das ethische Prinzip – als einzige weltlich-mögliche Referenz zu einer messianischen Proklamation und Seinsart – bietet indes nicht Erlösung, sondern erscheint vielmehr als notwendiges Seitenprodukt von Ansichten über ein großes oder letztes transzendentes Prinzip in den Händen eines Gott-Ens. Die Delegation aller Hebungen an einen Erlöser von Außen beläßt dabei Welt, Sein und Selbst im fortschrittslosen Status Quo.

Dabei aber weist die christliche Lehre -in Erwartung der nahenden Endzeit – durchaus einen weltabgewandten Charakter aus – Jesus spricht bekanntlich, sein Reich sei nicht von dieser Welt – daher auch der Verzicht des Erlösers auf die Insignien weltlicher oder sakraler Macht. Daher auch die Standhaftigkeit in Leiden und Tod. All dies soll keine Bedeutung haben, das eigentliche Leben ist das ewige Leben. Die Welt indes ist ein zu überwindendes Jammertal. Und nicht zu unrecht wurde auf den ‘griechischen Charakter’ dieser Einstellung verwiesen:
“Die Entwicklung des christlichen Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele und an einen kosmologisch allmächtigen, epistemologisch allwissenden und ethisch allguten Gott kann oder sollte durchaus als eine Art Nebenprodukt der großen Idee der Pythagoreer, Eleaten, Platons und dann auch des Aristoteles angesehen werden, ein möglichst verlässliches, in Bezug auf die beschränkte Zeit- und Ortsperspektive der einzelnen Personen invariantes Wissen anzustreben.” (Pirmin Stekeler-Weithofer)/Disziplinen der Phlosophie)

Theistischer Futurismus?

Löwith knüpft an die an die zuerst von Hermann Cohen formulierte These an, erst die jüdische nachexilische Geschichtsprophetie habe den Sinn für die Zukunft entdeckt und damit den Horizont der Zukunftsoffenheit wie der Zielorientierung in das abendländische Denken eingespeist, das gegenüber dem an zyklischen Zeitstrukturen des Kosmos orientierten griechisch-heidnischen Denken ein echtes Novum bedeute. Einen Fortschrittsgedanken habe es nur (!) durch den jüdisch-christlichen Futurismus geben können, so sehr die Moderne der Geschichtsphilosophie und vor allem einer positivistischen Wissenschaft eine antichristliche Tendenz hervorkehre.” (Jörg Dierken)

Es gibt keinen solchen Futurismus. Die Zukunft ist für die theistischen Erlösungsreligionen determiniert in einem einzigen Endzustand, daher besteht kein Bedarf an einem geschichtlichen Dazwischen, einer Zeitlinie, einem Weg. Im Dazwischen findet Geschichte und Fortschritt nicht statt, denn es geht im Messianismus nicht um ein Voranschreiten, sondern allein um Erwartung.
Dies meint die Heilsbegehr im theistischen Sinne, sie ist prinzipiell passiver, abwartender Art und spricht eben nicht von Fortschritt – nicht geschichtlich, nicht kollektiv, nicht einmal individuell-, sondern nur von einer totalen Erfüllung als Erlösung aus einem völlig anderen Außen eben auch von der Zeitlichkeit. Zwischen Endzustand und Gegenwart indes klafft ein schwarzes Loch, ein unauffüllbarer Abgrund prinzipiell zweckentleerten, unabgeholten Daseins, dessen eigentlicher Sinn Abwarten und Bereitschaft meint. Das Diktum von der Bewährung indes erscheint vage wie umstritten, bleibt zuletzt reiner Glaubenssatz. Wir kennen den Ausspruch des Neuen Testamentes, das Königreich sei nah. Dies sagt, man solle die innere Bereitschaft haben zum ‘Abschied’ aus dem weltlichen Zusammenhang, einem erlösungswürdigen Zustand der nicht überwindbaren Defizienz, denn in diesem ist prinzipiell nichts zu bestellen. Das Fatale (oder Fatalistische): Hier ist kein eigenes Wachstum indiziert, sondern die Affirmation eigener Machtlosigkeit und Abhängigkeit – der Mensch selbst kann schließlich rein gar nichts erwirken.
Zwar hat die hierdurch gezogene ontische Trennlinie des Theismus von Sakralem und Profanen die Welt zum Objekt der Erforschbarkeit erklärt, aber auch diese bleibt zuletzt ohne eigentliches Telos, denn die Ergebnisse oder Errungenschaften bleiben Indikatoren rein pragmatischer, zuletzt kontingenter Gegenwartsgestaltung – und –verwaltung.

Und zum Begriff des Fortschritts die Eingangsthese korrigierend Wikipedia: “Die Fortschrittsidee im heutigen Sinn entstand als eine der entscheidenden Leitkategorien der Moderne erst während der Hochrenaissance.”
Und über Ursprünge des Fortschrittsgedankens in der Antike: “Der Fortschrittsgedanke in der griechischen Philosophie ist kein einheitliches, lineares Konzept, wie wir es heute verstehen, sondern entwickelte sich in einem Spannungsfeld zwischen der Vorstellung von zyklischen Zeitläufen, dem Mythos eines goldenen Zeitalters und ersten rationalen Erklärungen menschlicher Kulturentwicklung. Während viele Denker den Lauf der Geschichte als Kreislauf von Entstehen und Vergehen sahen, gab es dennoch Ansätze, die eine Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen durch Techne (Technik/Handwerk) und Nomos (Gesetz/Ordnung) betonten. ” (KI)

Metaphysik, ganze Physik

Über Habermas Thomas M. Schmidt: “Nach diesem klassischen metaphysischen Verständnis ist Bios Theoretikos, ein der kontemplativen Schau gewidmetes Leben, jeder anderen Tätigkeit vorzuziehen. Während im Handeln vergängliche Dinge auf eine vorläufige Weise geregelt werden, widmet sich die Kontemplation der Schau des Ewigen und Wahren. Daher ist Metaphysik eine Haltung, die sich mit den Erlösungswegen der Weltreligionen vergleichen läßt. Sie tritt je nach Konstellation in Konkurrenz zu den religiösen Heilslehren oder geht Verbindungen mit ihnen ein.”

Metaphysik aber definiere ich nicht als eine Verständnisform, nicht als Angelegenheit des Glaubens, sondern letztlich als ganze (Aufgabenstellung der) Physik, Physik eben auch des bis dato Unbekannten und Unerklärbaren, daher mehr nur als Annahme, eher als Dynamik des inneren und unweigerlichen menschlichen Impetus zum wahren Sachverhalt aller seiner Bestimmung.
Kontemplative Schau meint indes gerade auch physikalische, energetische Hebung. Und Schau beinhaltet auch Lernprozesse, die sich ganz der höheren Natur im Gegenwärtigen widmen. Es muß verstanden werden, daß gerade Rationalität, Evidenzcharakter und Wissenschaftlichkeit nicht gegen die Metaphysik stehen, sondern im Gegenteil als Aspekte der Findung als in sie eingefaltet betrachten werden sollten.

Erwin Schrödinger sagt als Wissenschaftler:

“Darum ist dieses dein Leben, das du lebst, auch nicht ein Stück nur des Weltgeschehens, sondern in einem bestimmten Sinn das ganze. Nur ist dieses Ganze nicht so beschaffen, daß es sich mit einem Blick überschauen lässt. – Das ist es bekanntlich, was die Brahmanen ausdrücken mit der heiligen, mystischen und doch eigentlich so einfachen und klaren Formel Tat twam asi (das bist du).”

“Die Welt wird mir nur einmal gegeben und nicht einmal als Existierend und einmal als Wahrgenommen. Subjekt und Objekt sind eins.”

“Der Grund dafür, daß unser fühlendes wahrnehmendes und denkendes Ich in unserem naturwissenschaftlichen Weltbild nirgends auftritt, kann leicht in fünf Worten ausgedrückt werden: Es ist selbst dieses Weltbild. Es ist mit dem Ganzen identisch und kann deshalb nicht als ein Teil darin enthalten sein.”

“Die wahrgenommene Vielheit ist nur Schein, sie besteht in Wirklichkeit gar nicht.
Die Philosophie des Vedânta hat dieses ihr Grunddogma durch manches Gleichnis zu verdeutlichen gesucht, wovon eines der ansprechendsten das vom Kristall ist, der von einem einmal vorkommenden Gegenstand Hunderte von kleinen Abbildern zeigt, ohne daß doch der Gegenstand dadurch vervielfacht würde.”

Metaphysischer Bestand

“Die große Umwälzung, die das Ende der Metaphysik einläutet, setzt nun Habermas zufolge bei Hegel ein, also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es waren ‘historische, von außen auf die Metaphsik zukommende, letztlich gesellschaftlich bedingte Entwicklungen, die diese Denkform problematisiert haben. Hierin besteht also eine Entsprechung von gesellschaftlicher und und ideengeschichtlicher Dimension des Säkularisierungsvorganges. Zu diesen Entwicklungen gehört eine zunehmende Arbeitsteilung der Vernunft, die den von Weber konstatierten Prozeß der Ausdifferenzierung der Wertsphären, die Trennung von Wissenschaft, Recht und Moral von der Religion reflektiert. Der Aufschwung der erfahrungswissenschaftlichen Methode der Naturwissenschaften seit dem 17. Jahrhundert und die wachsende Bedeutung der formalen Methode in der Moral-und Rechtstheorie im 18. Jahrhundert erschüttern das Erkenntnisprivileg der Philosophie. Ein neuer Typ funktionaler Verfahrensrationalität tritt an die Stelle substantieller Vernunftideen. Die historischen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts bringen schließlich die Zeitlichkeit und Endlichkeit sowie die Kulturabhängigkeit menschlichen Erkennens zu Bewußtsein. Eine komplexer und unübersichtlicher werdende Welt läßt das menschliche Leben in stärkerem Maß als etwas Endliches und Kontingentes erscheinen. Die wachsende Entdeckung der Endlichkeit und Kontingenz menschlicher Erkenntnis führt letztlich zu einer Situierung der Vernunft in Leib und Geschichte.” (Thomas M. Schmidt)

Der Begriff “Metaphysik” geht auf Aristoteles zurück (“ta meta ta physika”, das, was nach der Naturlehre kommt).

Was aber steht hinter der Natur? Die eigentliche oder höhere Ordnung (eben der Natur), und so die Maßgabe tatsächlicher Vernunftorientierung. Metaphysik bezeichnet dann in Abgrenzung zum Religiösen einen rationalisierenden Umgang mit Bereichen des bisher Ungewußten und Unangeeigneten. Insofern widerspricht nichts der Rede von der Diversifikation und Rationalisierung solcher metaphysischen Proklamation und Grundannahme. Der Aufbruch der Moderne in die Rationalität ist ein nötiger Schritt – bewußt oder nicht – zur fortwährenden Transzendierung hiesiger Bestimmungen, die bisher immer nur teilhaft ansichtig sind und daher der Welterklärung nicht genügen. Die ganze Welt aber ist die hohe Welt. Der Ausspruch indes von der wachsenden Entdeckung der Endlichkeit und Kontingenz menschlicher Erkenntnis übernimmt gerade eine religiöse Ansicht, die diese Fähigkeit zur Erkenntnis dem Menschen abspricht und diese Haltung außergeschichtlich manifestiert. Auch so funktioniert Säkularisierung: Die Ohnmachtserfahrung der Offenbarungsreligion wird rational affirmiert und alltagweltlich überführt in ein Dasein ohne (individuelle) spirituelle Teilhabe, ohne Geistigkeit, ohne Zweckrichtung irgendeiner Erkenntnis. Die Ohnmacht besteht hierbei gerade in der Unerreichbarkeit des Transzendenten. Alles wird einst in aller Ferne geschehen, in einem (Gnaden-) Akt des handelnden Gott-Ens. Die einzige Brücke, die so dorthin noch führt, mag ethisches Handeln sein. Dessen Resultat oder Verdienst bleibt in seiner Auswirkung zum eigenen Heil aber im Vagen, bleibt reine Glaubenssache. Durchwirkung des Hiesigen zum Ganzen ist nicht intendiert, ja steht unter ‘göttlichem’ Verdikt.

Absetzungen

“Weiterhin externalisiere sich das Subjekt permanent selbst, etwa durch Sprache, Interaktionen, Schrift oder der Herstellung von Artefakten. Die Summe dieser Externalisierungen von vielen Menschen bildet das Grundgerüst für die Entwicklung einer Gesellschaft. Die Gesellschaft repräsentiert die Externalisierungen als objektive Wirklichkeit. Gesellschaft ist somit die Objektivierung von individuellen Externalisierungen (subjektiven Sinns) und erscheint daher als vom Individuum losgelöste Entität.

Die Gesellschaft erzeugt sich bzw. ihre Wirklichkeit einerseits permanent selbst, andererseits überdauern Objektivierungen oftmals mehrere Generationen und verfestigen sich in sozialen und kulturellen Traditionen, Weltanschauungen, Institutionen und Verhaltensweisen. Das Individuum internalisiert die Verhaltensweisen und orientiert sich kognitiv und normativ an den Traditionen. Individuum und Gesellschaft stehen also in einem dialektischen Zusammenhang, und solange die gesellschaftliche Wirklichkeit eine verbindliche und reale Größe in der Sinndeutung des Individuums gewährleistet, garantiert diese Dialektik den Bestand sozialer Ordnung.” (Sebastian Schüler)

Warum nun die institutionelle Religion nicht hierunter fällt: Sie ist nicht Externalisierung der Vielen, ‘die Gesellschaft’ bringt sie nicht hervor, schon gar nicht eine solche der gleichberechtigten Entitäten, sondern sie ist ‘Stiftung’ aus undurchdringlicher Zeit aus ebensolcher undurchdringlicher und willkürlicher Setzung- man denke hier alleine an den Vorgang der Kanonisierung und Dogmatisierung. (Goethe nannte die Kirchengeschichte einen “Mischmasch aus Irrtum und Gewalt”.) Weitere Herausbildungen bedürfen somit zwar langwierigen und verstrickten geschichtlichen – und unbedingt menschengemachten – Prozessen, aber hierbei tritt immer eine ‘elitäre’, hindernde Macht als die federführende Kraft in Erscheinung, dies in Absetzung von den Vielen und unter Verhinderung aller Teilhabe. ‘Religion’ ist Ergebnis der ‘repressiven Gesellschaft’ der Wenigen, die durch die Geschichte stets die institutionelle Oberhand behalten oder ausreichend an ihr partizipieren.

Der Strom

Sieh den Strom
der schaut nach Sein und
kennt noch nicht die
Form die denkt herbei
die Eigenwesen und
besiegt die
Seligkeit der Dinge
denn stumpf ihr Reiz und
Stand der
Saat besprach am
Feld den Leib
er bringe jene Frucht und
Leben und alles
was gegeben ist zu
seiner Art zu neigen

Heute

Heute kam ein neuer Wind die Tiere trieb es hinaus bis zu den anderen Häusern Lichter sah man dort nur sporadisch die meisten Mauern blieben dunkel hier wohnt ja kaum noch wer ja der Tod hielt Einzug in der Straße zur kalten Zeit und die Leiden in die Körper der Überlebenden und nun wird es also März so ist man genötigt zur Hoffnung und vielleicht fällt aller Widerstand so schnell wie das Grau der Himmel von Monaten und man hat zuletzt gesehen daß ein Dahinter ist an dem jemand leben mag verborgen noch aber von unendlichem Willen wohl