Geistseelen und Feuerkugeln

C.G.Jung: “Die Geistseelen der Menschen sind ‘Feuerkugeln, und so ist vermutlich auch die anima Christi eine solche Kugel gewesen, denn Hildegard von Bingen deutet ihre Vision nicht etwa nur auf das Werden eines Menschenkindes im allgemeinen, sondern im besonderen auf Christus und die Gottesmutter. … Der zeugerische Aspekt des Heiligen Geistes verbindet die Gottheit mit der Materie, wie aus der heiligen Legende deutlich hervorgeht. Die Zwischenformen von Geist und Materie sind offenbar die rotunda, Vorstufen belebter und beseelter Körper. …In der Miniatur sind die Kugeln feuerfarben, die feurigen Samen, aus denen menschliche Lebewesen hervorgehen, eine Art von pneumatischem Rogen. Dieser Vergleich rechtfertigt sich insofern, als die Alchemie die rotunda mit den ‘oculi piscium’ (den Fischaugen) vergleicht. Die Fischaugen sind immer offen, wie die Augen Gottes. Sie sind synonym mit den scintillae, die ihrerseits ‘Seelenfunken‘ darstellen. … Das Bild zeigt deutlich, daß die Augen und Feuerkugeln keineswegs mit den Himmelskörpern identisch, sondern von den Sternen verschieden sind. Es bestätigt, daß die Seelen Kugeln darstellen.”
Don Juan Matus: “Die Menschen sehen anders aus, wenn du sie SIEHST. Der kleine Rauch (Anmerkung von mir: das Entheogen) wird dir helfen, die Menschen als Lichtfasern zu sehen. Fasern wie weiße Spinnenweben. Sehr feine Fäden, die zwischen Kopf und Nabel kreisen. Dann sieht ein Mensch aus wie ein Ei aus kreisenden Fasern…Daher ist der Mensch, wie du vielleicht eines Tages sehen wirst, gleich ob Bettler oder König, ein leuchtendes Ei, und es ist unmöglich, irgend etwas an ihm zu verändern.”
Schaut man übrigens genau die von C.G. Jung angeführte Illustration ‘Beseelung des Kindes im Mutterleibe’ aus Hildegards Scivias, dann findet eine Feuerkugel unterhalb des Kopfes Platz, erstreckt sich über den  Hals bzw. oberen Brustbereich. Eine Korrelation mit dem indischen Modell der Chakren (cakra = Rad, Diskus, Kreis)  liegt hier natürlich mehr als nahe, die Entsprechung mit den rotunda (gerade die Halsposition bei Hildegard entspricht dem dritthöchsten Halschakra) ist unverkennbar.

Zusatz
Ich finde beim Verfassen dieses Artikels  in einem theosophischen Wörterbuch von Gottfried von Purucker, das ich soeben mit der Post zugestellt bekam, beim Aufschlagen  unvermittelt -in synchronistischer Weise-  folgenden Eintrag (!):
“Aurisches Ei
Dies ist ein Ausdruck, der ausschließlich zu den tieferen Lehren der Esoterischen Philosophie gehört. Wenig kann hier darüber gesagt werden, nur soviel, daß es die Quelle der menschlichen Aura wie auch für alles andere ist, was die siebenfältige menschliche Konstitution enthält. Es ist gewöhnlich oval oder eiförmig, daher sein Name. Es erstreckt sich vom Spirituell-Göttlichen bis zum Astral-Physischen und ist der Sitz aller monadischen, spirituellen, intellektuellen, mentalen, leidenschaftlichen und vitalen Energien und Fähigkeiten der siebenfältigen menschlichen Konstutution. Seiner Essenz nach ist er ewig…”