Michael Schaffer Blog

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Verehrte Netzgemeinde!

Ich bitte bei Interesse meinen Einlassungen zu Gesellschaft/Politik/ Geschichte*
Philosophie
* Kultur* sowie Dichtung* und Diaristischem* zu folgen.

*Mai 2012 Update (13 Artikel)Tanzverbot--Päpstliche Anmaßung--Boot (unbootmäßig)--Häuslebauer--Offenbarung, menschengemacht--Sakrale Architektur--Religion und säkulares Heil--Schellings Metall--Platon, christliche Lehre,Häresie--Spinozismus, Gnosis, Wissenschaft--Auferstehung--Nach Königsberg--Hier finden philosophische und theologische Dispute der vergangenen Wochen einen Niederschlag.

*April 2012 Update (13 Artikel)Religion-ursächlich--Unschärfe und Beobachtung--Totales Wissen (vergessen)--Russische Wahlen, deutsche Demokraten--Rassismus in Libyen--Aktivisten in Syrien--Befangener Gott--Joachim Gauck--Mysterium--Leere--Unbekannte DNA--Im März--Ikone--Der April kommt nicht ohne Schlaglichter auf wissenschaftliche Grenzbereiche aus.

*März 2012 Update (12 Artikel)Bilder des 20.Jahrhunderts--Scherbenökumene--Verheimlichte Metaphysik--Wetterübertreibung--Opferhierarchie--Wutbürgers Fluglärm--Platos Führung--Krone der Idiotie--Flaschenhals--Du hast gezittert--Erstarrt über Nacht ist die Welt--Februarabend--Die Kälte der letzen Wochen hat auch in meinen Texten Spuren hinterlassen.

*Februar 2012 Update (11 Artikel)Kampagne--Mission accomplished--Mord an Christen--Ungleichbehandlung--Schon wieder Christchurch--Die Berge--Im Sturmzimmer--Das Sturmauge--Ummagumma--Verhinderung durch Konvention--Viele Welten--Das verwunderlichste an den aktuellen Schräglagen ist, daß sie nicht ausgesprochen werden.

*Januar 2012 Update (11 Artikel)Verkennung--Verbot--Utopia--Umwidmung--Strassenköter und Schakale--Abziehende Briten--Eigener Kanon--Konservative Übereinkunft--Menschwerdung--Soziales Netzwerk--Dezemberabend--Ziele für das nächste Jahr? Am besten stetes Bemühen und richtiges Leben vor dem falschen.

*Dezember 2011 Update (12 Artikel)Mittelstand in Afrika--Anti-Hemingway--Babel--Entropie--Hunsrücker Identität--Klang,nicht-sakral--Gaddafi--Seltsame Krone--Metaphysischer Tellerrand--Die UNESCO und die Schurken--Am Kraterhang--Der Tod--Zu den anstehenden Festivitäten möchte ich wie auch im Vorjahr den kurzen Text von N.B.Nordman bescheren.

*November 2011 Update (11 Artikel)Fernseh-Europa--Tauschgeschäfte--Gottloses Berlin--Kirchenschwund--Glück--Spiritualität und Erkenntnis--Progressiv--Erkenntnisraum--Gequantelte Welt--Herbst--Stadtbild--Die Tage fliegen, die Nachthimmel drehen rasant, der Mensch in der Mitte schaut zu, erscheint im Vergleich statisch und endlos verlangsamt.

*Oktober 2011 Update (10 Artikel)Unruhen--Wahlen--Anmut und Prostitution--Abgesang des Helden--Verlorene Autonomie--Burn down the Kigs Road--Erdogans Fakten--Alptraumstoff--Nine Eleven Ten--Nach der Nacht--Mir bleibt nichts, als das verschiedene Lob für meinen Blog so hinzunehmen; Begebenheiten, Ereignisse und eigene Überlegungen dazu werden wohl auch in Zukunft nicht ausbleiben.

*September 2011 Update (12 Artikel)Frankreichs Atom--Vorbilder--Zu Stauffenberg--Akuter Hunger--Bahnschelte--Sätze--Schrift abschaffen--Auf der geomantischen Wiese--Die Kapelle spielt zum Tod der Schweine--Exiliert--Amor Fati?--Immanenz der Transzendenz--Atair fällt schon früh in den Horizont, unweigerlich steht der Herbst bevor.

*August 2011 Update (12 Artikel)Preußen--Rechts/Links--Historikerstreit--Elstern--Griechenland--Körperästhetik--Präsident--Toni Iommi--Elstergarten--Der Bann--Schutz--Hedonismus versus Transzendenz--Ein völlig verregneter Juli kann durchaus die Produktivität befördern.

*Juli 2011 Update (11 Artikel)Der Bauer und der Zehnte--Europa der Regionen--Hunger--Revision--Katastrophenreiter--Oblast--Kriegsverbrecher--Politirrtum--Golden Youth--Heilung--Fluchtwild--In den vergangenen Wochen: Viel Hitze und Arbeit und nebenbei Reminiszenzen an das Mittelalter.

*Juni 2011 Update (10 Artikel)Bin Laden und der Hegemon--Die Brücke--Nein, Herr O.--Planetenkritik--Abglanz--Widersprüche--The Plasmatics--Müde--Tag im Mai--Die fünfte Dimension-- Ich spreche mir hiermit Glückwünsche zum einjährigen Blog-Jubiläum aus.

*Mai 2011 Update (12 Artikel) Der deutsche Atom-Michel--Netzmeister--Benes--Raspail--Mythos und Monismus--Abschalten!--Happy on the road--Diesel--Gemeinsamkeiten--Manny Charlton--April--Spalier--Wenn dieser Blog nicht den Unterton einer tiefen Pauke hätte, würde mir das ganze Unterfangen recht überflüssig erscheinen.

*April 2011 Update (12 Artikel) Der gestohlene Hevelius--Rule Britannia!--Christchurch--Common Sense TV--Die Befreiung des Klaviers--Subhumans--Geschoss--Allein--Unter Menschen--Wermuth--Schweben und Fallen--Anthropische Teilchen--Im März: Gefahr im Verzug, Irrationalität allerorten. Autarkie des Gedanklichen immer seltener anzutreffen.

*März 2011 Update (11 Artikel) Satrapen--Reisesucht--Nachrichtensprecherin--Dioxinskandal--Mick Bolton--Die 70´er auf Erbsengröße--Am Tag--Abschied--Februar--Nach Nordost--Freiheit ist ungerichtet --Dieser Blog ist meine (eine) Verbindung zur Außenwelt unter Auslassung alltäglicher Geschwätzigkeit.

*Februar 2011 Update (9 Artikel)Konservativer Flaschengeist--Gender Mainstreaming--Irrtum--Bestmöglich--Beständigkeit,Winter--Kulturradio--Gliese 468--Ich will nicht--Januarwind--Nach dem Dezember-und Januar-Nadir wird es allmählich heller, man verbindet damit Aufwärtsbewegung, Inspiration und Elan für Kommendes.

*Januar 2011 Update (11 Artikel)*:Terrorwarnung--Adelstisch--Saum des Lebens--Gespenster--Die Uhr--Vorweihnachten--Quicksilver Messenger Service--Dezemberbild--Sommer vor Odessa--Neujahrstag--Bildergang--Wenn Sie mir im neuen Jahr gewogen bleiben würden, ich nehme mir das Selbe vor.

*Dezember 2010 Update (8 Artikel)*:Menschenexperimente--Jagdzeit und Mobilmachung--War Dracula ein Sozialist?--Reinigung--Pastell-Paradies--Schlachtenhymnen--Damals in Podolien--Okkasionalismus in den Parallelwelten--Mich beschlich zu Beginn des Monats echter Zweifel an diesem Blog-Unternehmen, Zweifel, der sich schon bald wieder ausräumen ließ - wohl ein Anzeichen für Konsolidierung. Passend zu bevorstehenden Festivitäten möchte ich gerne noch einmal auf das Zitat von N.B.Nordman aus dem Juli-Blog verweisen.

*November 2010 Update (10 Artikel)*:
Nein,Herr P.! -- Selektives Gedenken-- Hundetrost--Behördentristesse--Stuttgart 21--Vermächtnisse--Maßlosigkeit--The dark side of the moon--Herbstabend-- Ayahuasca--Neben Einlassungen, die mehrheitlich von aktuellen Anlässen inspiriert sind, habe ich hier den ersten kurzen Versuch einer Dichtung unternommen.

*Oktober 2010 Update (8 Artikel)*: Solowezky, nachgestellter Prolog--Historical Correctness--Die Linke und Rom--Yang in der Garage--Hasen--Sterne--Das "Viel zu virtuos" Pamphlet--Jenseitsprägungen-- Nun zeigt sich bei dem Vorhaben, acht geschliffene Artikel in einem Monat herzustellen, wie vier Wochen förmlich durch die Finger rinnen können!

*September 2010 Update (9 Artikel)*: Vegetarismus--Klöster--Solowezky Golgotha--Torero--Zeitbanditen--Der Garten--Harry S.Truman--Das elektrische Tipi--Gestalt-Autarkie?-- Nachdem es mir versehentlich "gelungen" war, meine drei längsten und "wichtigsten" Artikel dieses Monats ersatzlos und ungesichert zu löschen, war einiges an Extra-Arbeit gefragt, um alles aus dem Kopf zu rekapitulieren und erneut in gute Form zu bringen. Daß Artikel mitunter sehr düster ausfallen, liegt weniger an mir , als am Wesen des vergangenen Jahrhunderts.

*August 2010 Update (8 Artikel)*:
Der Anti-Ouroboros --Befleckung--Polen--Das Gewittertierchen--Der große rote Punkt--Sie stirbt--Stiche--Sonnenbekenntnis--Verschränkung--
Dieser Monat ist der Beginn meiner diaristischen Einlassungen, ob dort nun Autobiographisches oder Tagesaktuelles einfliesst, persönlich ist es allemal.

*Juli 2010 Update (7 Artikel)*:
N.B.Nordman--Warum Europa fallen muß--Naher Krieg--Ein Abbruchunternehmen ist kein Architekturbüro--Das anthropische Prinzip und ich--Das ekpyrotische Szenario--Über Ideen--
Ich möchte im Juli nichts explizit hervorheben, aber die Worte N. B. Nordmans zum Thema Fleischverzehr waren mir ein ausführliches Zitat wert und meine eigene Entdeckung des "anthropischen Prinzips", das bereits von Anderen beschrieben war,-was ich nicht wußte-, war mir vor mir selbst erstaunlich.

*Juni 2010 Update (7Artikel)*:
Befreiung--Yes--Blue Öyster Cult--Mountain--Ganzheit?--Das Quantenauge--Menschwerdung--
Manchmal darf man sich zum Geburstag selber einen Wunsch erfüllen, und genau dies tue ich ,indem ich einen Blog aus der Taufe hebe , in dem ich einiges schriftlich zu fixieren gedenke, was mir im Kopf umherspukt, bevor es sich möglicherweise ungefragt wieder davonstehlen will.

Gesellschaft/Politik/Geschichte

*(09.05.2010)/Befreiung
Frau Bundeskanzlerin Merkel nimmt an Moskauer Militärparaden zur Befreiung Deutschlands 1945 teil.Dort wird stramm militaristisch aufmarschiert!(Alleine doch den unendlich belasteten Namen "Rote Armee" noch auf dem Banner zu führen,kommt einem Kapital-Verbrechen gleich!)Und wie man so den ungezählten Opfern und unausprechlichen Greueltaten, die diese (blutrote) Armee (keinesfalls nur , aber in besonderem Maße in Deutschland)in der Hauptsache an Wehrlosen, Kindern und vor allem Frauen begangen hat,durch einen solchen Kniefall in Moskau Rechnung tragen will, das kann wohl nur Luzifer allein beantworten.

 

*(03.06.2010)/Warum Europa fallen muß:
Wie man beobachten kann, verläuft der gesamte öffentlliche politisch/mediale Diskurs über die europäische Union dergestalt, daß kritische oder konkurrierende Vorstellungen per se als illegitimes Pariah-tum diskreditiert werden. .Im aktuellen Scheitern der Währungsunion werden zudem ökonomisch- unbequeme Wahrheiten systematisch negiert und unterdrückt.Diese Verfahrensarten aber sind untrügliche Insignien einer totalitären Ideologie. Tasächlich hat man das "nationale Fieber" mit einer "postnationalen Bessenheit" abgelöst. Welche Erkrankung den besseren Verlauf zu nehmen hat, ist dabei völlig ungeklärt, Gewiß aber wird nicht die kleine, pseudoprogressive "Elite" der proeuropäischen Ideologen die nötige Kur für diese Krankheit bezahlen, sondern -wie jedem Totalitarismus eigen-werden sie dieses Leiden unbehandelt über die Massen verteilen.

 

"By the pricking of my thumbs
something wicked this way comes.
"

(Shakespeare 1606/Macbeth)

 


*(17.06.2010)/Naher Krieg
Ich zitiere aus der Zeitschrift"Gesundheit der Ernährung"--Organ der Leningrader gesundheitswissenschaftlichen, vegetarischen Gesellschaft-- aus dem Jahre 1928: (neben einer ideologisch verbrämten Umkehr von Tolstois Intensionen zu seinem Todestag findet sich dort wie beiläufig folgender außerordentlich bemerkenswerte Satz: "Die Agitation für eine Ernährungsreform und deren Vorbereitung unter den Bedingungen des unausweichlichen nahen Krieges (!!)ist unsere vordringlichste Aufgabe."
Wohlgemerkt wird hier 1928
bereits von einem unausweichlichen Krieg gesprochen. Welche geographische Stossrichtung dieser Krieg zu nehmen hat, bleibt hier ungenannt. Daß aber der kapitalistische Feind von Leningrad aus betrachtet westwärts aufzusuchen war, ist wohl nicht sehr spekulativ.Meines Erachtens ist viel zu wenig kolportiert, viel zu wenig darüber nachgedacht und geschrieben worden, welche kriegerischen, nach Außen gerichteten agressiven Optionen Der Sowjetstaat damals tatsächlich hegte, und was evtl. davon in Westeuropa, insbesondere in Deutschland bekannt war.Das 20. Jahrhundert harrt nach wie vor der echten Aufarbeitung.

 

*N.B.Nordman
"Oh, dieses Stadtleben! Man muß sich an seine Nikotinluft gewöhnen, sich mit Leichenessen vergiften, die sittlichen Empfindungen dämpfen, die Natur vergessen und Gott, um es aushalten zu können. Kellner, putze mir schnell eine Gurke, hörst Du. (...) Auf unserem Tisch gewärmter Rotwein, Whiskey, verschiedene Gerichte, wunderschönes in Papierfolie gewickeltes Aas. Ich bin müde und möchte nach Hause. Und auf der Strasse Betrieb.Morgen ist Heiligabend. Überall zieht man Handwagen mit gefrorenen Kälbern und anderen Lebensmitteln. Auf dem Jägermarkt hängen Girlanden von getötetem, an den Füßen aufgehängtem Geflügel. Übermorgen ist die Geburt des sanften Schöpfers.Wieviel Leben wird in seinem Namen zerstört."

(Natal`ja Borisovna Nordman, 1909)

Die Finnin N.B. Nordman war die Frau von Repin, für ihr Landhaus "Penaten" entwarf sie einen runden , "vegetarischen " Tisch, in dessen Mitte eine sich drehende Scheibe die Speisen für alle Gäste selbständig erreichbar machte. Die ehemals Bediensteten schickte sie so in die Freiheit.

 

*(03.07.2010)/Der Anti-Ouroboros
Es gab in dieser Umbruchsphase zum zwanzigsten Jahrhundert,die ja gerade von Industrialisierung, rasanter Technisierung und Ökonomisierung geprägt war,so viele Konzepte, so viele Gedanken und Vorschläge für gesellschaftliche und soziale Innovationen, die auf diese Beschleunigung positiven Bezug nahmen, um den Menschen in eine gerechtere Gesamtlage zu bringen.Gerade im spätfeudalen russischen Zarenreich war dies von besonderem Belang. Doch mit dem unerwarteten Militärstreich der bolschewistischen Partei (der Zar war ja bereits entmachtet, ein Parlament war ja etabliert) wurde all diesen reformatorischen Ansätzen ein ganz jähes Ende bereitet.Leo Bronsteins Schöpfung namens "Rote Armee" ersäufte nämlich all das in einem blutigen Terrorfiasko, was sich der gerade angerollten Diktaturmaschine entgegenstemmte.Ob Royalisten, Sozialisten, Anarchisten, Reformisten, Werkarbeiter und Intellektuelle, ganz gleich-, alles, was allein auf dem Reißbrett als potentiell abtrünnig ausgemacht worden war-,wurde weggemetzelt oder zumindest in die lebensfeindlichste Geographie verbannt, und das war letahler als der finsterste Traum der Orchrana.
Bronstein (mit Kampfnamen "Trotzki") geriet letzlich selbst in die Nähe dieses todbringenden Räderwerks, aber ging privilegiert ins Exil, nicht dem Tod anheimgegeben wie die Vielen, sondern in verschiedenen herrschaftlichen Häusern residierend,dabei sich in stetiger Bekümmerung um die Belange der Arbeiterklasse wähnend.Im Februar 1940 veranlaßte ihn der luxuriöse Blick aus "seiner" mexikanischen Villa zu der Festellung: "Das Leben ist schön, laßt die künftigen Generationen es von allem Bösen und aller Unterdrückung und Gewalt reinigen, um es in vollem Maße zu genießen." (so spricht der Atheist). Dies muß eben ein der jüngeren Generation zugehöriger NKWD-Agent namens Ramon Mercador vernommen haben, denn schon 6 Monate später streckte dieser -mit einem Eispickel bewaffnet-Trotzki mit "einem furchtbaren Schlag auf den Kopf" -wie er später selber aussagte- in dessen Arbeitszimmer zu Boden. Trotzki überlebte dieses Attentat fast genau einen Tag mit zertrümmertem Schädel.Mercador selber starb 1978 an Krebs, er ist bis heute als Held der Sowjetunion dekoriert.
Ob ich nun will oder nicht: Ich fühle mich bei diesen ganzen Düsterkeiten an das Prinzip des Ouroboros, jenes myhtisch alchemistischen Schlangenwesens erinnert, das -sich selbst in den Schwanz beißend- für das Lebensprinzip steht, daß sich ständig neu erschafft.Nur ist es hier genau umgekehrt: Das Übel gebiert den Tod und stirbt durch die eigene Hand.


*(12.07.2010)/Befleckung
Im Zuge der zähen und gewaltsamen Christianisierung des mittelalterlichen Baltikums kam es zu langjährigen Kreuzzügen gegen die Pruzzen, Kuren,Esten und einige andere Völkerschaften im Osten Europas. Besonders widerstandsfähig(und ausserdem den Landweg zum leidlich bekehrten Schwertbrüderordenland versperrend)zeigte sich das staatlich organisierte Lithauen.Die Fürsten und Priester waren heidnisch und deren Volk wollte weiterhin den eigenen alten Göttern gehorchen.Es war unterdessen eine Veranstaltung der vereinten Ritterschaft, zusammengekommen aus vielen kirchentreuen Ländern, sich mit imposantem Gefolge und mit Schlachtrössern und Turkopulen-Volk zu festlichen bunten Jagdgesellschaften zu treffen. Und von trutzigen Burgen aus, die an der Memel und an den Ostseeufern lagen, ging es hinaus ins feindliche fremde Land, um die Christen-Mission voranzutreiben. (Einschub: Versuche, diese militärischen Vorhaben einer deutschen Mördergenetik anzulasten , -wie ein gewisser Goldhagen es weitgehend erfolglos versuchte- sind bereits nach kurzer Fachlektüre als dreiste und denkfaule Agitprop entarnt.)
Auf den Litauerfahrten indes machten es sich die Ritter zur Gewohnheit, ein zusammengerolltes Bild der Jungfrau Maria in den Schwertknauf einzulegen,und mit diesem Schwert-dann rot vom Blut-kehrte man abendlich in die heimische Burg zurück ,-wie man sah mit Erfolg!-nicht ohne tief im lithauischen Land stehend ein heeres Kontigent an Unbedarften und Unschuldigen niedergestreckt zu haben.Und dieses Blutvergießen geschah allein zu Ehren der Gottesmutter Maria.Und weil sie unbefleckt empfangen hat und die Befleckung hingegen Sünde ist,hielten die tapferen Krieger nachts ihre Hände ebenso mit Macht über den Decken,wie sie im Feindesland den Gegner niedergeschlagen hatten -freilich doch nicht ohne harte Aufsicht - und so kämpften sie gleich an zwei eisernen Fronten. Denn der Same, der als Ursprung und Symbol des Lebens dient, gereichte zur Schande und Verdammnis, das Blut der Unschuldigen aber gereichte zur Ehre vor dem Herrn.
Ganz und gar nicht märchenhaft ist dies zu Ende erzählt:Weil mir dies wie eine Umkehrung von allem Naturgegebenen erscheint, denn hier wirkt nicht allein die Ablehnung des irdischen Prinzips ,mit dem Ziel der Überwindung , es ist vielmehr eine Total-Negation und der Vernichtungswille gegen das Lebendige und Schuldlose, ohne Respekt vor dem irdischen Sein.

 

*(14.07.2010)/Polen
Wegen meiner latenten Beschäftigung mit der polnischen Geschichte steht mir heute der Sinn nach einer Aufzählung der Errungenschaften, die unter den Sachsenkaisern und der deutschen Einwanderung - sprich Kolonisation - den dünn besiedelten Landstrichen des östlichen Mitteleuropa(später Polonia genannt)beigebracht wurden.Nach den vagen Slawentheorien lebten dort bis dato vereinzelte Nachkommen der weitergezogenen Goten und Sarmaten und -eigentlich weiß niemand etwas genaues!
Diesem Land wurde zu Beginn seiner Staatlichkeit im Mittelalter nun also folgendes -nicht unwesentliches- vom Westen her beschert:

-die Einwohner
-das Königtum
-die Bischöfe
-das Bürgertum
-der Mittelstand
-das (deutsche) Recht
-das Expertentum
-die Geldwirtschaft
-die Dreifelderwirtschaft
-der eiserene Pflug
-das Handwerk und Kunsthandwerk
-der Bergbau
-die Pferde
-die Städte(z.B.Krakau,Posen, Warschau)
-die dörflichen Gemeinden
-die Grenzsicherung
-die Wassermühlen
-der Buchdruck
-die Architektur
-der Kirchen-und Altarbau
-...

Selbst bedeutende Nationaldenkmäler wie die Domtür zu Gnesen oder die Figuren der goldenen Kapelle zu Posen stammen aus deutscher Hand (letzere erst in preußischer Zeit, aber essentiell wichtig für das polnische Nationalverständnis, weil die staatsbildenden Piasten-Herrscher Mieszko I. und Bolesław Chrobry dorthin umgebettet wurden.
Anders als in der oft tendenziösen polnischen Geschichtsschreibung geht die seriöse Forschung heute davon aus, daß ohne diesen Landesausbau Polen "als Folge der zivilisatorischen Rückständigkeit vermutlich später der Expansion ihrer moderenen westlichen Nachbarn zum Opfer gefallen wäre" (Rogall).
Zur Verdeutlichung: ich spreche nicht vom (ursächlich baltischen) Preußen, sondern von Kernpolen,also Gebieten wie Kleinpolen, Großpolen, Posen, Kujawien usw. Auch noch vom Ende des 17. Jahrhunderts wird folgender zeitgenössischer Ausspruch zitiert: "Ohne Ausländer könnten die Polen nicht existieren, denn die Kaufleute und Handwerker sind alles Deutsche, die Sänger ausnahmslos Italiener , die besten Schneider sind Franzosen und die Spanier alle Doktoren."
Diesen geschichtlichen Hintergründen wird in aktuellen Debatten überhaupt gar keine Beachtung geschenkt.
Für mich, als einen Anhänger der "Historical Correctness" (den Begriff gilt es allerdings erst noch zu prägen), eigentlich nicht hinehmbar.

 

*(03.08.2010)/Vegetarismus
Ich fühle mich veranlaßt,etwas ganz Grundlegendes zum Thema "Vegetarismus" zu schreiben: Es ist ja nun eben nicht so, daß im Weglassen der vermeintlichen(Fleisch-) Hauptsache und der damit verbundenen Reduktion auf die Beilagen ein Verzicht gegeben wäre. (Nebenbei: vor Kurzem saß ich an einem Tisch mit Kindern, sie hätten schöne bunte Sommerteller mit Salaten und anderen leckeren Dingen vor sich gehabt, wäre dieses Bild nicht mittendurch von einer fett-verunzelten Schweinewurst in trist-grauer Darmpelle zerschnitten worden.)
Im Gegenteil ist es ja so, daß gerade im Weglassen des Fleisches allem Anderen zu neuem Recht oder überhaupt zur erstmaligen Beachtung verholfen wird(eine Anmerkung noch hierzu:das Fleisch ist außerdem meist denaturalisiert, geschmacksverstärkt, in Form gepreßt und eingefärbt, selbst das unverzichtbare Vitamin B12 nur künstlich durch die Beigabe ins Mastfutter zugesetzt.)Durch den vegetarischen "Verzicht" aber können nun erst die vielen verschiedenen Gemüse und Gewürze eine wahre Emanzipation und der Konsument eine echte Geschmacks-Ent-Deckung erfahren. Der Esser nimmt ganz neu und sensibler wahr,findet nun plötzlich feine, vorher ganz verdeckte Geschmacksabstufungen und kocht subtile Ensemble, die ihm bisher entgehen mußten, weil ja ein klotziges Kotelett oder eine wuchtige Wurst dies andere überlagert, gar komplett "erschlagen" hatten. So aber wird sich der Esser mit der Differenzierung seines Geschmacksinnes bewußter, wacher, freier und letzlich auch viel froher fühlen. Nur ein Beispiel: Wo für ihn bislang zum Anbraten ein einfaches (zudem meist der Gesundheit abträgliches) Fett genügen mußte, da brutzelt nun in der vegetarischen Pfanne gemahlener Koriander neben Kreuzkümmel zu einem duftend hellgoldenen Schaum, der eine Grundlage zum Weiterösten bietet, mit aromatischen Curryblättern und Sesamsamen, damit frischer Ingwer und Chilli eine Weile darin schmoren können, bevor ein feiner Rauch des beigegebenen Kurkumapulvers eine gut abgestimmte Gemüsevielfalt -currygelb eingefärbt- auf den eigentlichen Garvorgang hinleitet.Ist es nicht tragisch, wie dem Fleischesser allein schon ein solches Szenario für immer unsichtbar bleiben muß? So laßt uns ein Licht für ihn anzünden. Am besten eine Tempel-Lampe. Ich empfehle als Brennstoff pures vegetabiles Butterfett.

 

"Ich esse nichts, was einmal ein Gesicht hatte"
(Paul Mc Cartney)

 

*(06.08.2010)/Klöster
Immer wieder gerne wird das Argument vorgebracht, die mittelalterlichen Klöster hätten die Tradierung und Beförderung von Kulturgut und Wissen sowie allerlei Zivilisationstechniken gewährleistet, über die Jahrhunderte hinweg und vornehmlich als Wahrer des Lichtes durch die "dunklen", mittelalterlichen Zeiten hindurch, mit entsprechender Strahlkraft auf die sie umgebende kulturelle und evolutorische Brache, versteht sich. Aber war dem denn wirklich so? Hat die Kirche nicht im Gegenteil, sobald sie zur Macht gekommen war und Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, wie zum Symbol für das, was alles folgen sollte, die Bibliothek von Alexandria ihrem endgültigen Untergang zugeführt? Jene berühmte Bibliothek also, die durch hundertausende archivierte Schriftrollen das gesamte niedergeschriebene Wissen, das komplette geistige Vermächtnis der damaligen bekannten Welt repräsentierte? Was der eroberungs- und kriegswütige Julius Cäsar auf seinen Zügen gegen die Chaldäer mit Zerstörungskraft und Brandschatzerei nicht ganz vollenden konnte- die Christen schafften es binnen allerkürzester Zeit, dieses Vermächtnis zurückzudrängen, zu vernichten oder auch "nur" dem Vergessen anheim zu geben.Jedes Unterfangen freier Forschung und Wissenschaftlichkeit wurde ab diesem Wendepunkt unmöglich gemacht, weil zensiert oder direkt mit aller Gewalt unterbunden. An die Stelle von geistiger Auseinandersetzung oder antikem metaphysischem Diskurs traten nun abrahamitsche Legenden-oder besser: Wahnhaftigkeiten, die man mit einem verrückten Kraftakt zu allein verbindlichen Wahrheiten emporhob. Die Philosophie wurde so zur armen Magd einer entsprechend enggefaßten Theologie.Scholastik nannte man das Verfahren, den Geist in Ketten zu werfen und Fragen, die zu stellen erlaubt waren, ausschließlich nach Antworten auszurichten, die bereits durch erzwungene Gottgefälligkeit vorgegeben waren.Jede alternative geistige Strömung wurde zur Häresie ("=Irrlehre")erklärt, auch wenn diese moralischer oder gottergebener war als der korrumpierte Klerus selbst. Abtrünnige und ihr Gedankengut wurden verfolgt, verbrannt und ausgemerzt(wie die trockenen Reben im Weinberg, man verstehe!) Kaum zu erwähnen, daß auch das Uralte, Keltogermanisch/Heidnische durch Entsakralisierung und Umwidmung aus dem Bewußtsein zu verschwinden genötigt wurde.
Ich möchte ja gar nicht an dem Punkt wiedersprechen, daß innerhalb der Klostermauern zum Beispiel ein altes Garten- oder Kräuterwissen kultiviert wurde(aber erfunden hat man dies dort mit Gewißheit nicht!),und wo sollte man diesen Fertigkeiten auch sonst nachgehen, wenn außerhalb dieser Mauern ein solches Wissen bereits zum Schafott führen konnte?
Und doch ging es nicht ganz ohne einen gewissen Rekurs auf die alten Weisen, nur beschränkte man sich ganz auf die Griechen, auf Plato und noch mehr auf den pragmatischeren Aristoteles und man stritt darum,was von ihnen- in genehmen Auszügen nur natürlich- zu zitieren sei.Offensichtlich konnte man an diesen Alten nicht vorbei, sie waren wohl einfach zu groß. So folgten Verbiegungen, Entstellungen und endlose Spitzfindigkeiten.Dabei hätte man sich den alten Weisheiten durch deren offene Rezeption, aber auch durch Rezeption anderer Denker, wie Phytagoras, Plotin oder der Naturphilosophen, essentieller nähern können. Was wäre das Mittelalter um einiges weniger dunkel ausgefallen!Was hätte man Denkverbote, Umwege, Sackgassen und Zeitverluste erspart!
Alleine die Naturphilosophen hatten schon lange vor Christi Geburt die Annahme eines kopernikanischen Weltbildes formuliert, sogar gab es die Theorie, daß weitere Sonnensysteme existieren müßten, mit Sonnen, die der Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls von Planeten umkreist würden.(in den 90 `er Jahren des letzen Jahrhunderts wurden die ersten Exoplaneten nach langen theoretischen Kontroversen tatsächlich entdeckt!) Auch Demokrits postulierte kleinste Teilchen, die Atome, ließen sich ungefähr 2000 Jahre später unter dem Elektronenmikroskop anschaulich nachweisen. Und was die Glaubensachen betrifft: Die metaphysische Erkenntnisebene eines Plotin oder Phytagoras darf man getrost höher ansiedeln, als eine vage, in endlosen Konzils-Streitereien kanonisiere Theologie der Amtskirche. Eine komplizierte,in sich widersprüchliche Theologie zudem, die der Klerus letzlich selbst nicht verstand und bis heute nicht durchdringt, der Laie gar nicht verstehen sollte.Statt Progression und Erkenntnis:Verharren im Dunkel und in der Unmündigkeit.Und das für Jahrhunderte.

 

*(12.08.2010)/Solowezky Golghota
Der alles umspannende Gulag, also das bolschewistisch - sowjetische Straflagersystem, nahm einst seinen Anfang auf den Solowezky Inseln.Fünfhundert Kilometer nördlich von St.Petersburg, am Polarkreis im Weißen Meer gelegen, hatten dort Mönche im 15. Jahrhundert eine große und wehrhafte, nicht selten umkämpfte Klosteranlage errichtet. Es gab Zeiten, zu denen dort hunderte Menschen ihr Auskommen und ihre Unterkunft hatten und trotz langem, hartem Winter gelang es unter Führung der Klosterbrüder, neben florierendem Acker- und Gartenbau sowie effizienter Fischerei eine dauerhafte Stätte für handwerkliches und kulturelles Schaffen zu etablieren.
Diese stattlich verzweigte Anlage ließ nun Lenin bereits in den 20´er Jahren des letzen Jahrhunderts zu einer frühen Gefangenen- und Zwangsarbeiterinsel umfunktionieren. Jetzt auf einmal wurden dorthin Kolonnen von Sträflingen verbracht, die nur durch eine einzige Gemeinsamkeit verbunden waren, nämlich der Willkür einer diffusen Anklage ausgesetzt zu sein, die besagte, daß ihre Gesinnung nicht auf Linie der bolschewistischen Partei läge. Ob es sich nun um Akademiker, Aristokraten oder Künstler handelte, oder ob es Handwerker oder Bauern waren, Männer oder Frauen aller Altersklassen, sie fanden sich unterschiedslos,gleichsam über Nacht in einer völlig fremden und furchterregenden Umgebung wieder, für deren Schrecken es bis dato noch gar keinen Präzedenzfall gab. Und man nahm sie alle dort gefangen, um ihnen die schiere Hölle zu bereiten. Steckte man sie nicht gleich in Leinensäcke mit ausgerissenen Löchern für Kopf und Gliedmaßen,so ließ man sie in der oft nicht weniger unpassenden Kleidung, in der sie willkürlich aus ihrem Alltagsmoment verschleppt worden waren- sei es nun im festlichen Frack oder im Sommerkleid ohne Schuhe- ungeachtet ihrer körperlichen Konstitution Zwangsarbeiten verrichten, wie z.B. das Bäumefällen im polaren Klima. Damit längst nicht genug: Eine völlig entfesselte Tschekisten-Bande spannte die Gefangenen wie Vieh vor Ochsenwagen oder schleifte sie hinter Pferden kreuz und quer durch den Wald über Baumstümpfe, bis man keinen Schrei der Gequälten mehr vernehmen konnte.Man schickte sie auch einfach hinaus in die schauerliche Nacht und in den Schnee, wo sie alle erfroren. Willkürliche Erschießungen ganzer Menschengruppen waren an der Tagesordnung. Konnte man etwas anderes erwarten, wenn sie bereits beim Durchschreiten des Lagertores von einem verrückt schreienden Kommandanten -überliefertmaßen-wie folgt in Empfang genommen wurden: "Ich bringe Euch bei, den Toten den Rotz aus der Nase zu lecken!" Dies war das Menetekel für das, was folgen sollte, also Ausbeutung und Vernichtung, denn erst wurde den Gefangenen die Arbeistkraft geraubt, dann taten zumeist Unterernährung und Folter -wie schon oben beschrieben-ihr übriges. Dabei war dies wohlkalkuliert und geschah ganz gemäß der Weisung des Ideologen und späteren Solowezky-Vorstehers, des in Haifa gebürtigen "schwarzen Sterns" (Solschenizyn) der Solowezky-Lager, Naftaly Frenkel, der proklamierte: "Aus dem Häftling müssen wir alles in den ersten drei Monaten herausholen, danach brauchen wir ihn nicht mehr".
Und der Schrecken ist noch nicht zu Ende erzählt:Eine besondere Infamie der Tschekisten war es, die Gefangenen im Karzer zu zwingen, sich auf dünne Holzstangen zu stellen, wo sie viele Stunden lang die Balance zu halten hatten. Verloren sie ihr Gleichgewicht, wurden sie auf der Stelle erschossen.Auch band man die ahnungslosen Deliquenten der Länge nach an Baumstämme, um ihr Körpergewicht zu erhöhen und stieß sie eine damals von Mönchen zu Ehren des Herren erbaute 365-stufige Treppe(vom Axtberg)hinab.
Die Strafversetzen hingegen kamen in die sogenannte "Golghota Klause": Dort wurden sie in großen Gruppen auf engstem Raum zusammengezwängt,langsam und planvoll ließ man sie auch dort an permanenter Mißhandlung und Nahrungsentzug zugrunde gehen. Auf stetiges Drängen der Sterbenden hin, sie doch von ihren qualvollen Leiden zu erlösen, verabreichte der Lagerarzt vielen von ihnen Strychnin.Die Toten brachte man dann in die Vorhalle der Klause und lehnte sie dort in aufrechter Haltung an die Wände, schlicht um Platz zu sparen. Schließlich warf man sie einfach den Golghota Berg herunter.

Aber warum trug dieser Platz den für eine Klause eher ungewöhnlichen Namen "Golghota"? Hierfür gibt es eine sehr bemerkenswerte Erklärung:
In einer Handschrift des Solowezky Klosters ("Heiligenbuch") aus dem 18. Jahrhundert wird berichtet, daß ein Pater während des nächtlichen Gebetes einer Marienerscheinung beiwohnte. So soll die Gottesmutter Maria am 18. Juni 1772 folgendes zu ihm gesprochen haben: "Dieser Berg sei fortan `Golgotha´ genannt, eine Kirche und eine Kreuzigungsklause wird darauf errichtet werden. Unermeßliches Leid kommt auf sie herab."

 

*(08.09.2010)/Solowezky, Nachgestellter Prolog
Ich nehme Bezug auf den Artikel"Solowezky Golgotha" vom 12.08.2010:
Denn es gibt es eine Vorgeschichte zur dort geschilderten Katastrophe, die über dieses Kloster am Weißen Meer hereingebrochen war. Und diese impliziert eine Relativierung des friedfertig romantischen Idylls der alten Jahrhunderte, wie ich es dort gezeichnet habe. Was nämlich dort unterschlagen wurde,leitet zu Überlegungen bezüglich Kausalitäten, somit Erklärungsversuchen für das Unvermittelte, das eigentlich Unfaßbare, was dort seit der Oktober"revolution" geschah. Hier nun der "Prolog" oder auch die "ganze Geschichte":
In den vorevolutionären Zeiten diente das Gemäuer des Solowezky Klosters auch als Gewahrsam für Gefangene des Zaren.Man weiß, es bedurfte nicht eines Verbrechens, um unter die Räder des zaristischen Gesetzes zu geraten, allein eine opposotionelle Haltung reichte bereits schon aus, um in sibirische Verbannung zu geraten oder direkt in Kerkerhaft geworfen zu werden. Da waren die geographische Abgelegenheit sowie die schweren Mauern des Solowezky-Klosters mit seinen weitläufigen Kellergewölben für diese dunklen Zwecke wie geschaffen.Zwar läßt sich heute so gut wie nicht mehr nachvollziehen, ob diese Geschichten wahr sind, aber man kolportierte zu Zeiten der Revolution, daß die Häftlinge dort damals auch gefoltert worden sein sollen, denn man fand unheimliche Dinge wie im Mauerwerk eingelassene Eisenringe und anderes suspektes schweres Gerät. Und wer konnte schon - war er auch noch so wohlgesonnen- die Klosterbrüder ganz von diesem Verdacht freisprechen, schließlich ließen diese ja die oftmals Unschuldigen bereitwillig in ihren düsteren Kirchenverliesen darben, warum sollte man da nicht davon ausgehen können, daß sie nicht auch bereit gewesen wären, noch Unmenschlicheres anzuwenden?
Hier wird nun ein gewichtiges Schlaglicht auf die Verschränkung von kirchlicher Orthodoxie und Zarenmacht geworfen. Beide stützen sich nämlich auf die große, verarmte russische Volksmasse, die man in Leibeigenschaft oder andere Abhängigkeiten gezwungen hatte und bis auf ihr Blut auszupressen bereit war. Es gereichte wohl gar nicht zur Sorge, daß man so die besten Töchter und Söhne Rußlands halb zugrunde gehen ließ... (halb nur, unter den Bolschewiken gingen dieselben dann perfiderweise endgültig und ganz zu Grunde!)
Dieses nachhaltige Unrecht, von Kirchenstuhl und Zarenmacht etabliert und aufrechterhalten, wurde aber immer bewußter und dringender empfunden und führte wegen der besonders eklatanten russischen Verhältnisse mehr noch als in anderen europäischen Nationen zu anwachsenden Gegenbewegungen.Durch die darauf ihrerseits einsetzende überbordende Staatswillkür wurde bald ein Feld geschaffen, in dem sich Repression und Opposition heftig gegeneinander aufschaukeln konnten. Schließlich gipfelte die antizaristische Gegenkraft in einem Radikalismus, der 1881 zum Zarenmord an Alexander II. und 1905 bereits zur Revolution führte, letzlich und entscheidend aber die zentrale Figur der noch einmal 17 Jahre später folgenden "Oktoberrevolution", nämlich Lenin hervorbrachte.Man bedenke die tiefe Beeindruckung auf diesen, als sein älterer Bruder Alexander Iljitsch Uljanow -revolutionäre Schriften hinterlassend- 1887 wegen Beteiligung an genanntem Zarenmord gehenkt wurde.Lenin indes hat danach selber die Verbannung erfahren, allerdings mit allen Privilegien eines Adeligen ausgestattet (sein Vater war tatsächlich in den Adelsstand erhoben worden, was man später -bis heute!-freilich konsequent zu verschweigen bemüht war).
Und nun- wegen der Klosterthematik- möchte ich diese Erzählung gerne in sakral-theologischem Duktus zu Ende führen:
Denn jenseits einer solchen Zuspitzung und vermeintlich kausalen Radikalisierung der oppositionellen Handlungen, wie sie dann vor allem unter Lenins Neugründung der bolschwistischen Partei zustande kamen, gesellt sich meines Erachtens noch ein weiteres Phänomen hinzu: Aus dem vagen, nicht weiter umrissenen Feld der Möglichkeiten der geschichtlichen "Entwicklungsoptionen" manifestiert sich etwas, und zwar in diesem Falle ein Dämonisches, das zur Konkretion kommen mag, etwas wie ein Baal ,oder wie ein Belial oder vielleicht eine düstere Lilith. Es kann auch wie ein vom menschlichen Kollektiv hervorgebrachter Archont erscheinen(wie in der Gnostik),der da in den Geschichtsverlauf als Über-rationales,Überkausales eingreifend, sich in letzer gedanklicher Instanz so unerklärbar wie unaufhaltsam Geltung verschafft.
Dieses unbestimmte Dämonische findet in einer Person wie Lenin seine komplette Verwirklichung und Vollendung. Denn durch seine Handlungen fällt ja nicht einfach nur ein vermeintlich "verdientes", wenn auch furchtbares "Strafgericht" auf die Verantwortlichen der Repression zurück, sondern Lenin entfesselt in höchster zynischer Verachtung alles Menschlichen und Lebendigen einen überlebensgroßen Terror, eine entindividualisierende, den Menschen in seiner eigenen Würde, Schuldhaftigkeit oder eben auch Schuldfreiheit außer Acht lassende Vernichtungsmaschine, die in ganz wenigen Jahren in der Lage war, 4 - 17 Mio. Gewaltopfer zu produzieren (Je nach Biograph fallen die Zahlen verschieden aus). Der lebensfeindliche Nihilsmus Lenins wurde aber eventuell auch zusätzlich dadurch befeuert, daß er durch permante Krankheit dem Reich des Todes eher verbunden war als dem des Lebens, wie sein Vater schon litt er an wiederholten Hirnblutungen.
Mag die Kausalitätenbildung, die vordergründig geschichtliche Verantwortung für den Pendelschlag vereinfacht bei der herrschenden Klasse Rußlands zu suchen sein, das metakausale, überschießende Moment der Folgehandlungen aber läßt sich eher im Zusammenhang eines hegelianischen (hier im Marx´schen Sinne)oder religiös metaphysisch geprägten Geschichtsbildes erklären.
Da finden doch Atheismus und kirchliche Orthodoxie mal eine seltene Schnittmenge!

Übrigens fand ich wenige Tage nach Fertigstellung dieses Artikels wie zufällig in einer Zeitung einen Nietzsche-Satz über die Dämonie der Revolutionen bzw. ihrer Revolutionäre. So schnell wie es vor meinem Auge auftauchte und ich es hier als Zitat einfügen wollte, so verschwand es auch wieder und blieb seitdem hartnäckig unauffindbar.

 

(07.09.2010) /Historical Correctness
Wie in meinem Artikel "Polen" vom 14.07.2010 bereits angedeutet, wurde der Begriff der "Historical Correctness" bisher erstaunlicherweise gar nicht geprägt.Dabei stellt dieser Terminus einen überfälligen Anspruch auf Richtigkeit in der Darstellung historischer Ereignisse her. "Korrektheit" ist dabei im Sinne des Wortes zu verstehen, nicht als verbrämte moralisierende,Fakten verschleiernde Rücksichtnahme, wie es bei der Begrifflichkeit der "Political Correctness" mittlerweile meist zu assoziieren ist.
Mir scheint aber, als gäbe es kaum einen Wissenschaftszweig, der weniger korrekt, sprich unwissenschaftlicher zu arbeiten bereit ist als die moderne Geschichstschreibung.Denn diese ist wohl mehr als jemals zuvor von nationalen Befindlichkeiten,Ressentiments und Anspruchshaltungen verschiedenster Lobbygruppen geprägt. Wirft man nur den Blick auf die jüngere europäische Geschichte, so wird man schnell feststellen müssen, daß das so gerne und lauthals verkündete postnationale Zeitalter hier noch gar nichts gelten mag, im Gegenteil scheint man hier mehr denn je bemüht, auf nationalen Mythen und verzerrtem Gedenken zu beharren. Stehen gar etwaige negative Bilanzierungen der eigenen Vergangenheit an, wird in der Regel unterdrückt, gefälscht und manipuliert. Archive werden hastig verschlossen - manche waren noch nie geöffnet- denn ein jeder will seine kleinliche Haut retten, sich für diese und jene Vergehen, für die eine oder andere Untat auf die billigste Art und Weise exkulpieren. Was hat man sich doch über die Jahre eine so feine Fassade zurechtgeputzt, die darf doch nicht gleich wieder beschädigt werden, übertüncht sie doch so gut den üblen Gestank und den alten Moder! Dabei aber verhält sich das wie bei einem wirklichen Haus: Die Fäulnis, ganz egal wo sie ihren Anfang nahm, muß irgendwann zum Sichtbaren durchbrechen.

Der Anspruch, historische Korrektheit herzustellen, zielt doch in die diametral entgegengesetze Richtung: Es geht um Entkernung und Trockenlegung von Anfang an, um auf einem gesunden Fundament weiter aufzubauen. Dies geht nicht ohne das redliche Bemühen, aus sittlicher Verantwortung und aus dem Wunsch nach Wahrheit und Gerechtigkeit vergangene Begebenheiten mit einer historisierenden und objektivierenden Sicht zu belegen. Auch wenn ein Geschichtsbild nicht ohne Subjektives, nicht ohne Andenken des Zeitzeugen und somit emotionale Plastizität auskommen muß oder soll, so ist es doch Zeichen der nötigen Professionalität, eine unvoreingenommene und verfälschungsfreie Position zur "Faktizität des Vergangenen" zu gewinnen. Wegen "Befangenheit" werden auf dem Gebiet der Rechtssprechung schließlich ganze Verhandlungen unterbrochen und das komplette Personal ausgetauscht! Warum gilt das nicht auch für die Zunft der Historiker? Sind wir denn nicht um die Wahrheit bemüht? Objektivierung kann doch nur auf der Grundlage von Fakten, Zahlenmaterial,Belegen und Dokumenten geschehen.Kausalitäten lassen sich nachzeichnen, Geschichte wird beweisbar, meßbar und falsifizierbar. Jedes politische, religiöse oder nationale Interesse, jeder pädagogische und moralische Impetus hingegen ist der Objektivierung völlig abträglich und stört die wissenschaftliche Arbeit bereits im Kern. Einer Intrumentalisierung der Vergangenheit zu verschiedenen Selbstzwecken kann nur das unverrückbar Erwiesene entgegengesetzt werden. Und auch wenn dies ein mühsamen Unterfangen darstellt, sollte man zumindet schon einmal damit beginnen, denn die Wahrheit, frei nach Schopenhauer- ist zwar unvermeidbar , aber sie hat viel Zeit. Und wir sind ungeduldig.

 

*(12.09.2010)/Die Linke und Rom
Das kann überhaupt nicht meine Sympathie ernten, daß ein Teil der politischen Linken, nur damit sie ordnungsgemäß ihre altbewährte antideutsche Mechanik bedienen kann, zum 2000-jährigen Jubiläum der Varusschlacht eine Position einzunehmen meint, die Arminius mit Häme und Herablassung belegt, um den Sieg der germanischen Barbaren über das kulturbringende Volk der Römer zu bedauern, wohinter natürlich die Betrauerung der Tatsache steht, eine bei weitem präferierte Geschichtsoption verpaßt zu haben, die da besagt hätte, daß bei gegenteiligem Verlauf dieser Schlacht, dann mit einem siegreichen Varus, ein freies Germanien, später eine ethnische Konsolidierung, somit daraus folgend eine deutsche Staatsausformung, schließlich dann ein Preussen und ein daraus erwachsendes Drittes Reich zum Glück für alle Beteiligten niemals existent geworden wäre.
So simpel sind die Denkverläufe! Man sieht dies plötzlich alles in einer Linie. Eine widersprüchliche Haltung, denn man wurde ja sonst nie müde, Kontinuitäten und Herleitungen bezüglich einer ethnischen germanischen Homogenität und die daraus eventuell resultierenden Legitimationen alter Ansprüche oder Grenzziehungen (Apage Satanas!)per se abzuleugnen. Und jetzt soll doch nun ausgerechnet der alte Stamm der Cherusker als Platzhalter für alles Verhaßte und Teutonische,was in den Folgejahrhunderten die mitteleuropäische Geschichtsbühne betreten hat, herhalten!
Noch bedenklicher aber ist die Leichtfertigkeit, mit der man bereit zu sein scheint-nur um den einstudierten antinationalen Zwangsreflexen nachgeben zu können,das "Römische" so unverblümt wie unreflektiert hochzuhalten und für zivilisatorisch weit überlegen zum damaligen kelto-germanischen Raum zu erklären.
Woher ist man sich bei dieser Sache eigentlich so sicher? Wegen des gerne herausgehobenen römischen Rechts? Wegen der fortschrittlichen Hygiene und den schönen wie zweckmäßigen Äquadukten? Denkt man vielleicht an die eigene Romreise mit Sightseeing zum Kollosseum(welch ein Ort des Grauens!), ja, was gibt es schließlich aus dieser alten Zeit im Norden Europas zu bestaunen? Nichts doch außer der endlosen Öde heimischer Wälder!Oder ist man ganz einfach von der Schulzeit noch entsprechend konditioniert? Wie naiv und schwarz-weiß gezeichnet diese Haltung doch ist!Und man scheut für diese Sicht nicht den allerhöchsten Preis: Denn den liefert das Wesen und die Geschichte der despotischen Cäsaren gleich mit:Man denke nur an Roms ewiges Hegemonialstreben und an seine rücksichtslose Militärgewalt: der gesamte Habitus- doch schlechthin eine Blaupause für den Imperialismus! Dies muß natürlich auf Kosten und gegen den Willen der vielen unterdrückten autochthonen Völker und Stämme gehen.Diese wurden bekriegt, deportiert oder gleich ganz vernichtet. Oder man unterwarf sie in mannigfache Abhängigkeit, schröpfte sie mit Zwangsrekrutierungen, belegte sie mit ständigen Abgaben und jagte sie in die Sklaverei. Vielerorts handelte es sich schlicht um frühen, antiken Völkermord. So ist es doch ein notwendig sittlicher Akt der germanischen (und keltischen)Stämme gewesen, sich gegen diese brutale militaristische Knute zu erheben! Warum bloß möchte das Herz der Linken da heute nicht schlagen? Neben diesem imperialen Größenwahn steht Rom in unserer Wahrnehmung zudem für allerhöchste Dekadenz und allgemeine gesellschaftliche und politische Degeneration. Und es gab nicht mal-wie sonst oft in der Weltgeschichte- einen wirklich plausiblen Grund für diesen machtverrückten Habitus.Das ganze Schauspiel diente nur dem einen einzigen Zweck:Dem Imperialen wegen des Imperialen willen.Für Schlachtenruhm und Stillung der unstillbaren Machtgier.Und für wieviele Diktatoren und Menschenschinder -durch die Jahrhunderte hindurch- die Cäsaren daher ein blendendes Vorbild abgaben! Dieser Preis für altbewährte antideutsche Pflichtübungen scheint mir von einer Linken,die es sonst gerne präferiert, von Egalitarismus und Recht des Unterdrückten zu sprechen, ganz gehörig falsch kalkuliert. Wessen Symphatien will man mit diesen schlecht reflektierten Dummheiten eigentlich gewinnen?
Und zudem auch folgendes:Es zeigt mal wieder die alte Anfälligkeit des linken Lagers, über das Individualrecht die geschichtsmächtige Idee zu stellen, koste es eben dabei, was es wolle. (Hekatomben Menschenleben inbegriffen).Dabei wäre schon zu Genüge Gelegenheit gewesen, aus geschichtlichen Irrwegen zu lernen,um ein für alle Mal von leidbringenden Großmachts-und Hegemonialideen Abstand zu nehmen.Besonders peinlich und tragisch, daß gerade der Linken dies überhaupt nicht gelingen will.

 

*(04.10.2010)/Nein, Herr P.
Nein, Herr P., ihre Exkulpation des Fleichessens scheint mir einfach zu bequem und abgedroschen: Daß die Pflanzen ein fein entwickeltes, gar sensibleres Nervensystem haben sollen als Fische, Vögel und Säugetiere und daher mindestens genauso oder eher mehr noch zu leiden haben als diese, wenn sie für die vegetarische Speise abgerupft und abgeschnitten werden, ist vom sachlichen Standpunkt her schlicht und einfach Humbug. Zum anderen verweise ich aber noch auf tieferliegende Implikationen:
Herr P., sie haben doch langjährig die philosophischen Fakultäten besucht, da wissen sie doch bestens Bescheid um den Plotin ´schen Amphibiencharakter der menschlichen Seele, sprich seiner unentschiedenen Existenz zwischen geistigem Sein und schwerer Materie. Sein Auftrag ist nun zu streben zum Hohen, nach oben, zurück zur geistigen Heimat. Wie kann er das aber, wenn er seine nächstverwandten Gattungen aufzufressen hat,-denn dann- und das hat der Ihnen ja nicht weniger bekannte Grieche Empedokles ja bereits fünfhundert Jahre vor Christus festgestellt- würden wir uns ja schließlich -weil alles mit dem Gleichen beseelt ist-selbst verschlingen.

 

*(06.10.2010)/Selektives Gedenken
Selektives, sprich hierarchisch angelegtes Opfergedenken ist gar nichts anderes als postmortaler Rassismus.
Und hat daher nach allgemeinen UN-Konventionen dringend zu unterbleiben.

(Michael Schaffer, 2010)


*(01.11.2010)/Menschenexperimente
Das war ein ganz zentrales Motiv des totalitären Denkens im 20. Jahrhundert, daß das Werk der Natur durch Züchtung und Veredlung ebenso wie durch Ausmerzung und Vernichtung zu beschleunigen oder gar zu Ende zu führen sei. Und viele wollten daher gerade das Absterben des Unvollkommenen, Krankhaften oder schlicht Überlebten gewaltsam herbeiführen. So hat beispielsweise der Vater der sowjetischen Raumfahrt, Konstantin Ciolkovsky, immer wieder die künstliche Selektion der Besten und die Liquidation der Minderwertigen (darunter das gesamte Tierreich -zur Leidminderung allerdings, er selber war Vegetarier) gefordert.Sein Zeitgenosse, der Biologe und Bolschewist Merkovsky wollte Leiden und Unglück durch planmäßige Zuchtwahl aus der Welt schaffen.Dies sollte durch künstliche Befruchtung der Besten sowie durch Zwangssterilisation der Beschädigten geschehen. Unter deren psychisch und physisch defekten Vertretern verstand er u.a.auch alle Juden. Die so gezüchteten und unbeschwert glücklichen Wesen sollten, nachdem sie die Freuden der Kindheit und Jugend genossen haben, mit 35 Jahren durch schmerzlose Tötung vor dem Leiden des Alters bewahrt werden. Hierzu sollte ein euphorisierendes Gift mit Namen "Nirwana" zur Anwendung kommen. Diese Züchtungs-und Vernichtungsutopie wurde direkt nach ihrem Erscheinen sehr beifällig von Jörg Lanz Liebenfels rezensiert.Der alte Zisterzienser und Antisemit (wahrscheinlich mit jüdischer Mutter) blieb wiederum nicht ohne Einfluß auf Adolf Hitler. Auch wenn dieser Einfluß heute in seiner genauen Tragweite mehr denn je umstritten ist, weiß man, daß Hitler in Wien Liebenfels` sämtliche Ostara Hefte rezipiert hat. So schließen sich die Kreise!
Gespeist war dies alles aus viel älteren theosophisch gnostizistischen Denkweisen und Utopien, die immer wieder von der Erhebung des Menschen zurück zu einem lichteren, höheren Zustand, ja zum Licht selbst, gekündet haben.(Ciolkovsky wollte mehr als nur eine klassenlose Gesellschaft, er wollte den Menschen tatsächlich durch physikalischen/wissenschaftlichen Fortschritt zu einer biologisch beschreibaren Licht-Entität weiterentwickelt sehen).
Das zwanzigste Jahrhundert war, insofern der göttliche Heilsplan in die Hände und die Verantwortung des Menschen übertragbar zu sein schien, das Zeitalter der säkularen, letzlich selbsternannten Menschen-Architekten. Diese "Baumeister" aber unterlagen allesamt dem kardinalen Irrtum,daß gerade in der Epoche nach Industrialisierung und dem atemberaubenden Aufstieg der Naturwissenschaften (nicht zu vergessen auch des Darwinismus!)Fortschrittsglaube und Machbarkeitswahn in nicht gekannter Art Platz nahmen und sie zu der Ansicht verleiteten, die evolutionären und natürlichen Prozesse in rabiater Weise, zuletzt in hoher Selbstüberschätzung beeinflussen und lenken zu können. Man wollte dabei gar nicht in Erwägung ziehen, daß diese Naturvorgänge bis dato nur in rudimentärster Weise durchdrungen waren, -eher stellte man sich trotzig gegen diese höheren, unerkannten Gesetzmäßigkeiten-und deutete alleine schon den Aufbruch der Wissenschaften als Höhe der Erkenntnis.Die praktischen Auswirkungen dieser Denkweise mußten zwangsweise in die Katastrophe führen.
Ein Analogon hierzu: Sowjetische Biologen starteten Versuche, Amphibien künstlich erfrieren zu lassen, um sie wieder zu neuem Leben zu erwecken, was natürlich zu kläglichem Scheitern verurteilt war. Das Ziel eines neuen Menschen, einer leuchtenden Zukunft, wurde mit ebenso dilettantischen, ja eher schauerlichen Methoden versucht und führte zum Tode Millionen Unschuldiger. Diese Verluste aber führten bis heute keineswegs zur Abkehr von den elementarsten Zielen dieser "vergangenen" Utopien, man ist nur leiser geworden, geht subtiler und (scheinbar) evolutorischer, vor.

 

"Es ist ohne weiteres klar, daß der Mensch, solange er sich vermehrt wie das Tier, auch stirbt wie das Tier."

(Vladimir Solov`ev, russischer Religionsphilosoph, 1853 -1900)

 

*(03.11.2010)/Jagdzeit und Mobilmachung
Herbstzeit ist Jagdzeit, soviel ist bekannt, und einigen Gattungen ist dann dringend zu empfehlen, für eine Weile besser die Ohren anzulegen. Im Falle der deutschen Vetriebenen hatte man sich jedoch schon fast aus einer "Jetzt erst recht" Haltung eine gewisse Form der aufrechten Gangart zugelegt, wohl auch, weil man latent genötigt war, sich gegen jahrzehntelange systematische Diffamierung und Schikane zu behaupten.Ein zudem obskur zusammensgesetzer Vertriebenenrat und eine konsequent feindlich gestimmte polnische "Politik" machten die Sache zuletzt nicht einfacher. Freilich war es ein erneuter Schlag ins Gesicht, daß nach acht Jahren rotgrüner, vertriebenenfeindlicher Bundespolitik sich gerade der neue FDP- Außenminister Westerwelle als polnischer Hilfsaußenminister gerierte, was leicht daran abzulesen war, daß ihn sein Auslands-Antrittsbesuch sinnigerweise ausgerechnet zu diesem östlichen Nachbarn führte.Was hat diese Fahrt das bürgerlich Lager verschreckt und umgehend einige Prozentpunkte Zustimmung gekostet! Denn das wäre noch nicht einmal dem unterwürfigen "Joschka" Fischer eingefallen,doch hatte man von diesem damals auch gar keinen Diener verlangt, weil man seiner gebückten Haltung ebenso wie seiner Rolle als Plan-Soll-Erfüller (in Sachen "deutscher Sühne")schlicht sicher sein konnte. Anders bei Erika Steinbach. Sie wurde im Herbst erneut zur Zielscheibe diverser Kampagnen, die hier gar nicht weiter Gegenstand der Betrachtung sein sollen.Letzlich zu Fall (Aufgabe ihres Sitzes im Vertriebenrat)brachte sie aber die zugebenermaßen nicht allzu klug platzierte Äußerung, Polen hätte im März 1939 bereits gegen Deutschland mobil gemacht, sei also der Mobilmachung bzw.Agression Hitlers zuvorgekommen. Nun, daran ist zunächst nichts unwahres. Gerechtfertigt wird diese Mobilmachung allerdings allgemein damit, daß Polens damaliger Außenminister Beck nach Hitlers sogenannter "Zerschlagung der Rest- Tschechei" die Integrität seiner nationalen Grenzen gefährdet sah. Und dennoch kann man aus heutiger Sicht diesem Schritt nur schwerlich deeskalierenden Charakter zumessen.
Ebenso ist auch nicht von der Hand zu weisen, daß genau innerhalb dieser polnischen Grenzen seit Versailles bedeutende nationale Minderheiten unter vorsätzlicher Mißachtung ihrer international festgelegten Rechte zu leben (und zu leiden!)hatten.
Passend hierzu äußerte selbst Lloyd George ,der britische Premier, der während des ersten Weltkrieges in wundersamer Weise vom Pazifisten zum Munitionsminister mutiert war, gegenüber einem polnischen Unterhändler bereits 1930 in Paris : "Wir haben für die Freiheit der kleinen Nationen gekämpft, auf die ihr ohne uns nicht die leiseste Hoffnung hattet,wir, Franzosen, Engländer, Italiener und Amerikaner... es schmerzt mich bitter zu sehen, wie ihr alle, kaum daß ihr noch in das Licht der Freiheit gekrochen seid, Völker oder Teile von Völkern unterdrücken wollt, die nicht zu euch gehören. Ihr seid imperialistischer als England und Frankreich." (!)
Allerdings schmückte sich hier Lloyd George mit fremden Federn, denn die Staalichkeit Polens (wie auch z.B. Lettlands und Estlands oder Finnlands) ging ursächlich auf den Vertragstext des deutschen Friedens von Brest-Litowsk zurück, und vor allem auf die Tatsache, daß die kaiserliche Armee das seit spätestens 1795 gänzlich von der Landkarte verschwundene Land von russischen Truppen freigekämpft hatte.
(Was die Politik Polens in Hinsicht auf die Tschecheslowakei betrifft, ist zudem zu beachten: Der polnische Botschafter in Paris, Lukasiewicz hatte bereits im Mai 1938 zu Außenminister Georges Bonnet geäußert, daß die Tschecheslowakei ein "willkürliches Compositum mixtum zahlreicher einander äußerst feindlicher Minderheiten sei, ein zum Tode verurteiltes Land."Polen hingeben selbst war nicht mal ein "Compositum mixtum", sondern nur "die häßliche Mißgeburt von Versailles" zumindest nach den Worten des sowjetischen Außenministers Molotow.
Und was das Münchner Abkommen vom 30. September 1938 betraf: Polens Außenminister Beck spielte Hitlers "Spiel" gerne mit und forderte für sein Land umgehend die (geteilte)Stadt Teschen im polnisch-tscheslowakischen Grenzgebiet. Am 2.Oktober zogen bereits polnische Truppen in die Tschecheslowakei ein und besetzen Teschen, am 3. Oktober stießen sie nach Trynytz, Lazy und Karwina im Teschener Distrikt vor, besetzen Oderberg und annektierten die Provinz Teschen im Olsagebiet.Weitere Besetzungen im Karpatengebiet folgten. Dies konnte natürlich nur im Windschatten Hitlers gelingen. Polen war ja überhaupt schon von Beginn der Neugründung an extrem expansiv, führte schon 1921 Kriege gegen die Sowjetunion, 1920 bereits gegen Litauen (Besetzung von Vilnius)und zettelte verlustreiche "Aufstände" 1922/23 in Schlesien an.Damit nicht genug, wenige Jahre später,im Jahre 1930, erscheint in der Warschauer Zeitung "Liga der Großmächte" folgender Artikel:
"Der Kampf zwischen Polen und Deutschland ist unausbleiblich.Wir müssen uns dazu systematisch vorbereiten. Unser Ziel ist ein neues Grunwald,aber diesmal ein Grunwald in den Vororten Berlins... Unser Ideal ist ein Polen im Westen mit der Oder und der Neiße als Grenze Polens. In einem Krieg mit Deutschland wird es keine Gefangenen geben noch wird für menschliche oder kulturelle Gefühle Raum sein.Die Welt wird erzittern vor dem deutsch-polnischen Krieg. In die Reihen unserer Soldaten müssen wir übermenschlichen Opfermut und den Geist unbarmherziger Rache und Grausamkeit tragen..."
Man könnte noch viele Begebenheiten und Zitate anfügen, neigt aber hier bereits zu folgendem Resümee:
Der polnischen militärischen Mobilmachung war wohl schon einige Jahre zuvor eine umfassende geistige Mobilmachung vorrausgegangen.

 

*(10.11.2010)/War Dracula ein Sozialist?
"Der Tod trennt die Menschen, das private Eigentum kann nicht wirklich abgeschafft werden, wenn jeder sein privates Stück Zeit besitzt."
Nach dieser Aussage der russischen Biokosmisten (einer Gruppierung intellektueller und anarchistischer Utopisten des frühen 20. Jahrhunderts) kann man festhalten, was Bram Stoker schon in seinem berühmtesten Roman dargelegt hat: Dracula war der konsequenteste aller Sozialisten. Denn die Vampyre bilden eine Gesellschaft der totalen Biomacht, nämlicher einer kommunistischen Gesellschaft der unsterblichen Körper.
1926 gründete der russische Bolschewist und Biologe Aleksandr Bogdanov mit Unterstützung Stalins und Bucharins in Moskau ein Institut für Blutransfusionen.Ziel war der kollektive Blutaustausch zwecks physischer und geistiger Annäherung der Individuen. Die Grenzen der Einzelwesen und deren Verschiedenheiten (wie Geschlecht, Alter, Bildungsgrad)sollten schwinden, sie sollten sich aneinander angleichen, und -noch weitergedacht- dann zu kleinen Zellen des (Gesamt)Organismus werden und schließlich im (unsterblichen) Kollektiv verschmelzen. Ob dies allerdings noch im Sinne des transsylvanischen Grafen gewesen sein mag, bleibt dahingestellt.Der Mensch vermag darüberhinaus nach Bogdanov somit seine Lebenskraft und -dauer zu steigern, um die "Unsterblichkeit des Protoplasmas" zu sichern.In seinem Werk "Der rote Stern" meint Bogdanov nicht etwa das Sowjetsymbol, sondern den Mars: Die dort lebenden Marsbewohner sind sozialistisch-kollektivistisch organisiert,weit entwickelt, bereits unsterblich und-um diesen Stand zu halten-quasi ständig mit der gegenseitigen Bluttransfusion beschäftigt.
Wie bescheiden, ja peinlich begrenzt die Ziele Lenins von einer klassenlosen Gesellschaft sich dagegen ausnehmen!
Bogdanov übrigens hat immerhin zwei Jahre lang in seinem Moskauer Institut Bluttransfusionen durchführen können. 1928 ging er im Selbstversuch an dem Blut eines Malaria- und Tuberkulosekranken, das er sich selbst injiziert hatte, zu Grunde.
Dracula hätte es besser gemacht.

 

*(11.11.2010)/
"Wir verlangen die unverzügliche Beseitigung der Knechtschaft durch Raum und Zeit!"
(Biokosmistisches Postulat, 1920` er Jahre.)
Dieser Forderung schließe ich mich allerdings nahtlos und unverhohlen an.

 

*(10.12.2010)/Terrorwarnung
Es ist nicht allzu lange her, daß in einer hierarchischen Gesellschaft die Oberen sehr darauf bedacht waren, die Menge der Untertanen-heute spricht man wohl eher von "Staatsbürgern" -gefügig, sprich in berechenbaren wie funktionalen Zuständen, zu halten.Zur Hütung der nebulösen Grenze von Loyalität und Leistungsbereitschaft zu Unterwürfigkeit und zweckdienlicher Ausnutzung installierte man die Forderung nach Gottgefälligkeit und devoter Verneigung vor einer Gott repräsentierenden weltlichen wie kirchlichen Führungschicht, immer unter Unterstreichung der individuellen Kleinheit, ja Nichtigkeit des Angesprochenen.Später, mit der Aufklärung und der damit verbundenen Forderung nach Selbstvergewisserung und sukzessiver Säkularisierung sollte an Stelle der Gottesfurcht eine (zumindest formelle) Mündigkeit treten.Nach Preisgabe des göttlichen Angstmoments drohte den Autoritäten aber fortan der Kontrollverlust über ihre Untertanen, denn nichts hat eine Regierung mehr zu fürchten als die innere Freiheit des Einzelnen.Denn die innere Freiheit schafft ja in letzer Konsequenz jede Form ab, also auch die Staatsform. Diese latente Gefahr abzuwenden, hat heute, nach dem Zusammenbruch der ersten großen säkularen Furcht, der Atom-Angst der Achtziger Jahre,eine aktuelle Anpassung in Form der Terrorwarnung gefunden.Denn diese verhält sich gleich einer metaphysischen (aber gottlosen) Machtinstanz.Die Terrorwarnung ruft immer ex cathedra, ist genauso omnipotent wie unnachvollziebar, weil den Erkenntnismöglichkeiten des Einzelnen total entrückt, sie ist (wie eine echte Gottheit auch)Lebens-Schoner oder Lebens-Zerstörer, je nach Erfordernis.
Wohl nie darf der Lebensradius des Menschen ohne Androhung eines solchen existentiellen Schreckensszenarios auskommen ,so denke man alleine an die diversen Gottesplagen, die schon in der Bibel auf die Sündhaften hinabzukommen hatten. Anders als heute war man sich aber da noch gewiß, das diese eine göttliche (Straf-)Antwort auf menschliche Verfehlungen darstellten. Solche Kausalitäten weist man heute weit von sich. Dabei ist in unserem aktuellen Falle der Terror (so er kommt, so er überhaupt jemals existent wird) lediglich die asymetrisch/militärische Antwort auf den ökonomisch/imperialistischen Kriegszug, den die USA und ihre subalternen Vasallen durch Nahost bis an den Hindukusch meinen führen zu müssen.

 

*(03.12.2010)/Adelstisch
Was mich immer wieder wundert ist die Tatsache, daß es die heutige Linke offensichtlich gar nicht interessiert,den sakrosankten Status des -freilich degenierten und auf Klatschniveau heruntergekommenen- Adels zu hinterfragen. Lebt dieser denn nicht mehr in den Palästen und viel zu viele noch in ihren unterprivilegierten Hütten? Fahren Erstgenannte nicht mit vergoldeten Kutschen und Rolls Royces von einem Bankett zum nächsten gesellschaftlichen Anlaß und führen dem offen staunenden Normalbürger, der mit all seinen schnöd-jämmerlichen Existenzfragen befasst ist, vor Augen, was es heißt, in jeder einzelnen Hinsicht (von Geburt/ohne Zutun)hoch-privilegiert zu sein? Die Linke erhebt da überhaupt keinen Ruf mehr nach Egalisierung oder gar Enteignung, scheinbar hat man es als unhinterfragbaren Allgemeinplatz akzeptiert, daß hier eine gesellschaftliche Super-Elite wie eine autonom-entrückte Parallelgesellschaft fungiert, evtl. utilitaristisch betrachtet auch als Projektionsfläche, sprich Tranquilizer für die Sehnsüchte der unzufriedenen Massen fungiert.
Und der Adel lebt heute besser situiert als die meisten Könige vergangener Tage. Diese (man denke nur an die Zeit der Ottonen oder Staufer) waren meist auf höchst beschwerlichen Fahrten, um ihren Machtanspruch zu festigen, den Rest ihres kurzen Lebens verbrachten sie auf zugigen Burgen oder tödlichen Kriegsplätzen. Da hat es die royale Gesellschaft heute wesentlich komfortabler.Und weil man wohl nicht nur und "ausschließlich exklusiv" erscheinen mag, geht man mit der Zeit und öffnet sich ein Stück weit zur "gewöhnlichen" Gesellschaft. So treffen sich die Blaublütigen an den Bankett-Tischen und in den Ballhäusern auch schon mal mit anderen Privilegierten, wie Vertretern der politisch- medialen Kaste sowie mit Spitzensportlern oder Repräsentanten der höheren Wirtschaft. Die Journalisten (oder Hofberichterstatter?) verstehen sich dabei interessanterweise als Künstler, der Politiker aber ist der am wenigsten Erlauchte, sozusagen der äußerste profanisierte Vorposten des Privilegiertentums. Der Sportler hingegen verdient am meisten Geld, der Adlige muß nichts verdienen, er hat einfach. Tatsächlich eine feine Gesellschaft-und eine Wagenburg ohne Vetomöglichkeit von Außen. Das linke Lager müßte aber protestieren, weil es prinzipiell von der Gleichheit des Menschen ausgeht. Es müßte Michael Schumacher ein Stück vom Kuchen klauen und der Adelsgesellschaft auf die Hauben der Luxuskarossen pinkeln. Es unterläßt dies aber. Sitzen deren ofizielle Vertreter nicht an den selben Tischen?

 

 

*(08.12.2010)/Saum des Lebens
"Warum habt ihr sie sterben lassen?", nöhlt es aufgeregt und penetrant- theatralisch aus dem Fernseher im Nebenzimmer. In endlosen Schleifen laufen da grelle Mord-und Totschlagfilme, nur unterbrochen von noch aufreibenderen Werbesequenzen.
Die Antwort ist doch so klar, wie die Frage überflüssig:"Ihr habt sie sterben lassen, weil Ihr, das Publikum es so wollt!" Man könnte, um mit Robert A.Wilson zu sprechen, ein munteres "Heil Discordia" als Kommentar hinüberrufen. Weil offensichtlich eben nur mit Auseinandersetzung, Zwie-und Niedertracht überhaupt eine Regung im Publikum hervorzurufen ist.Ist dieses mediale "Kriegsgeschehen" frei nach Heraklit nicht Vater aller Spielfilm-Plots? Es ist ja anders gar nicht vorstellbar als am Rand, am Saum des Lebens:Alles, was zwischen Zeugung und Sterben angesiedelt ist, scheint unerträglich langweilig und gar keiner filmischen Behandlung würdig zu sein. Der andere(konstruktivere) Pol der Existenz-die Zeugung-ist freilich in ihrer Darstellung als obszön aus dem öffentlichen Raum verbannt, daher beschränkt man sich eben auf das Sterben, nun aber in all seinen Varianten und Einzelheiten. Und die endlosen Beziehungs und Liebesdramen? Sie sind letzlich nichts weiter als ein Platzhalter für den (verbotenen) Zeugungsakt, weil sie ausschließlich Handlungen beschreiben, die als Anbahnung zu eben diesem aufzufassen sind. Natürlich verfängt das um so mehr, wenn das mit Verwerfung, Betrug, Leid, Neid und Eifersucht gespickt wird. Kein Schauspiel, kein Thaterstück, kein Fernsehfilm ohne dies.
Bestimmt die Regie und Redaktion dieses Interesse oder antwortet diese nur auf den destruktiven/lethalen Voyerismus des Publikums? Ich denke, es ist ein Regelkreis. Und es ist zudem eine verückte Regelung:Eine Gesellschaft, die realiter jede Diskriminierung und jede Form von Abusus auf allen Ebenen auszuschließen bemüht ist, ergeht sich medial-virtuell in endlosen Colloseum -Spielen/Betrugs- und Mordszenarien.Verwischt ein Einzelner diese seltsame Grenzmarkierung, indem er zur echten Tat übergeht, kommt es zu dauerhaft konsternierter Betroffenheit. Warum wundert man sich?

 

*(04.01.2011)/Konservativer Flaschengeist
Die konservative Fraktion bemüht beim Blick auf das moderne gesellschaftliche Treiben bevorzugt den Ungeist der Libertinage aus der Flasche, der da mit verzerrter Fratze sein liderliches "Anything goes!" in die Menge wirft. Und man sagt, früher seien die Zeiten geregelter, sittsamer, ingesamt besser geordnet gewesen, aber zeitgleich droht man dabei außer Acht zu lassen, daß der Vorgänger des "anything goes", das große Gebot oder Verbot, oder anders gesagt das garstige "nothing is allowed!" bedeutete. Und wie sollte man über das daran gekoppelte "nothing did work!" reflektieren? Soll man etwa Gedanken an eine voremanzipatorische Zeit bemühen, in der eine ganze Männergeneration ohne weiblichen Beistand in ängstlicher Unwissenheit um die Bedienbarkeit eines elektrischen Drehknopfes vor den Herdplatten dem langsamen Hungertod ausgeliefert gewesen wäre? Besser man schaut eine Schicht tiefer: Da ranken sich ungute Erinnerungen um eine staatlich/kirchliche Dauer-Restriktion, um ein mächtiges, eklatantes Kasernierungssystem,das den Menschen in seiner Totalität in ein funktional reduziertes (und einzig erlaubtes) Daseins-Terrain zwang, und nur unter dessen Einhaltung er den Kopf-und Fingerschlägen einer stabil gebundenen Katechismusausgabe oder noch viel weiterführenden Traktierungs- und Ausgrenzungsmaßnahmen entkommen konnte. Und das verstand man als Hinleitung zur Tugend? Was meint man dann überhaupt damit? Die heutigen, von konservativer Seite gerne beklagten gesellschaftlichen Auswüchse und Abwege stellen ja nicht das eigentliche Wesen einer gesamten emanzipatorischen Entwicklung dar,sondern sie sind eben nichts anderes als die Nebenkosten auf dem Bilett der Freiheit. Wer bereits diese Kosten scheuen mag, kann nicht umhin, schon am Beginn Bedingungen zu formulieren und damit dieses Wesen bei Geburt zu beschneiden, um eine korrumpierte Mißgestalt an das Licht der Welt zu befördern. Denn so kommt vor dem Versuch schon ein Regelwerk, vor der Option auf Evolution kommt schon die Installation. Und in der Außendartellung wird ein Tugendpfad gegaukelt,der eher ein Hohlweg zu sein scheint, an dem man dieses und jenes einzufrieren und zu blockieren gedenkt, an dem man Barrieren errichtet und Räder anhält.Seltsam verinnerlicht ist der Irrtum, daß dieser Pfadt der "rechte" sein könnte.
Er war es nach Außen nicht, weil die gesellschaftlichen oder nationalstaatlichen sowie lokal-bzw.familiensoziologischen Strukturen im Kern erzwungen und friedlos waren, er war es nach innen nicht, weil der Mensch durch die staatlich/kirchlich verordnete Metakontrolle(man bedenke nur z.B. den Blick in das einzelne Gehirn durch das Sakrament der Beichte) permanent von seinem Vitalistischen, Ursächlichen, Eigenen weggezwungen wurde.
Ernstzunehmender Konservativismus könnte schon daher nur bedeuten, sich zeitlich (wie moralisch)vor diese ebenso misskonstruierten wie epochalen Regelwerke zu positionieren, um erst dort ein Bewahrenswertes (und sei es nur hypothetischer Art) ausfindig zu machen. Was dafür nicht in Frage kommen kann, sollte man der Progression überantworten, was sich darüberhinaus schon im Ansatz untauglich zeigt, sollte man ganz unsentimental zum großen Abholdienst geben.

 

*(05.01.2011)/Gender Mainstreaming
Daß das Sein das Bewußtsein bestimmt hat ja wahrlich einen alten Rauschebart und ist, zumindest wenn es um die äußeren Schalen der Realität gehen mag, gar nicht so falsch formuliert. Nach dieser Maßgabe sollte im Zuge der frühen kindlichen Bewußtwerdung prinzipiell die geschlechtliche Selbstvergewisserung ausreichen, um spontan zu einer ebensolchen Indentifikation zu finden. Diese aber im ebenso frühkindlichen Stadium durch reglementierte Konditionierung ab-und umtrainieren zu wollen, wie es die um sich greifende Transgender-Ideologie vorsieht,kann daher nur mit schwierigem Erfolg bedacht sein, denn diesem Vorhaben liegt ein (für den linksideologischen Mainstream durchaus typischer) Widerspruch zugrunde: Die Umkonditionierungen sollen ja gerade auf der Ebene greifen, auf der Bewußtsein geprägt wird und da soll dieses nun ausgerechnet auf das (geschlechtliche)Sein einwirken.So dreht man sich das wie man gerade möchte? Bestenfalls mag sich dahinter eine rudimentäre Ahnung von der tatsächlichen Bestimmung von dem Bewußtsein als Präger zum Sein verbergen. Aber wissen Sie nicht, meine verehrten Damen und Herren Materialisten/Atheisten, daß das Generationen, ja Inkarnationen braucht? So wird es bei frühkindlicher (Zwangs)Konditionierung zwar durchaus zu (halbherzigen) mentalen Konsequenzen kommen, anders aber als bei anderen ideologisch-totalitären Konstrukten oder gar fundamental-religiösen Systemen, die den Mensch in seiner gesamten psychischen Disposition ergreifen und "erstellen", kommt es hier zu einem simplen wie unumgehbaren Widerspruch zur eigenen Biologie,(und dies wird sich vorläufig nicht ändern lassen, so promethisch sich der Mensch auch gerieren möchte -er träumt davon schon lange und eine der ersten Projekte der naturwissenschaftlich entwickelten, egalisierenden Linken wird es sein, die Biologie der Geschlechter aufzuheben, aber bis dort ist es noch weit-), denn ein Blick in die Hose (vorne)und die zu erwartende Vehemenz der zugehörigen Vitalfunktionen werden nie als üble List eines trickreichen großen Reaktionärs empfunden, sondern als ursächliches Agens der Natur "in persona"gespürt.(Und die übersteigt in Form,Kraft und Ursächlichkeit bei ganz weitem schwaches, gekünsteltes Menschenwerk.

 

*(03.02.2011)/Satrapen
Nach jahrzehntelanger Dauer-Repression und polizeistaatlichem Ausnahmezustand, nach grenzenloser Vetternwirtschaft der staatstragenden "Eliten"und hartem Mangel für die Massen kommt nun Bewegung in die lange erstarrten, von Amerikas Gnaden künstlich im Sattel gehaltenen Despotien Nordafrikas und des Nahen Ostens. Es ist nun mehr als geheuchelt, wenn neuerdings die westlichen parlamentarische Parteien (sowie die Medien) ihr Herz für die Freiheit der dortigen Völkerschaften entdecken, haben sie doch bis dato in der Rolle der ktitiklosen US-Lakaien jede außenpolitische Aktion derer Administration willfährig wie hasenherzig mitvollzogen.Zusätzlich aber ist die plötzliche westliche Lust auf Demokratisierung dieses Raumes sichtbares Zeichen des großen Unverständnisses für das innere Wesen muslimisch geprägter, korangläubiger Gesellschaften, deren autoritäres Selbstverständnis zwangsweise ein Gegensatzpaar zum Wesen der demokratischen Staatsform bilden muß, ganz unabhängig übrigens von der nachhaltigen Erkenntnisresistenz westlicher Zweck-und anderer-"Optimisten".
Nach Umbruch und Aufruhr in Tunis und Kairo stellt sich also die Frage,welcher US-Satrap als nächster zur Disposition gestellt wird.- Oder unschöner formuliert: Welches Schwein man nun als nächstes zu schlachten gedenkt-doch soweit wird es gar nicht kommen, man (das Schwein) hat zur Not alle Optionen und Privilegien im Exil.
"Dummerweise" sind es auch gerade die an Israel grenzenden Länder - mit Milliarden von Wall-Street-Dollars zu dauerhaftem Ruhe-Halten verordnet - die nun die Wut der arabischen Bevölkerungen nicht länger im Zaum halten können. Dies wird auch für den jordanischen König gelten, der zudem die Angelegenheiten der unter Besatzung lebenden (und leidenden)Palästinenser ebenso schäbig behandelt hat wie der Despot Mubarak. Während dieser Wackelphase nun schlägt die Stunde der Geheimdienste und Dollar-Diplomatie.CIA und Mossad müssen versuchen zu retten, was zu retten ist. Israel ist momentan beunruhigt in diesem ungewissen (Zwangs)gefüge, denn Freiheit und arabischer Volkswille sind mit seiner Staatsräson völlig unvereinbar.Für welche Haltung wird sich der angeblich so freiheitliebende Westen entscheiden?

In diesem Zusammenhang begegnet mir so prompt wie passend ein Zitat des Publizisten Alexander Gauland: "Der Westen wird sich also entscheiden und dabei Risiken eingehen müssen.Entweder folgt er der Staatsräson Israels, für die jeder einigermaßen berechenbare Potentat immer noch besser ist als die unberechenbaren Volksmassen in ihrem Drang nach Selbstbestimmung. Oder er nimmt das westliche Credo von Menschenrechten, Pluralität und Demokratie ernst und akzeptiert auch Entscheidungen gegen die Interessen des Westen und Israels."
Zu dieser meines Erachtens irrigen Konnotation "Westen/Israel" siehe mein Artikel "Irrtum". Ansonsten aber weiß, wer mich kennt: Von diesen moralischen Unvereinbarkeiten erzähle ich seit wenigstens geschlagenen 10 Jahren.

 

*(03.03.2011)/Der gestohlene Hevelius
Traue nie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und schon gar nicht seinem Staatsauftrag, denn überall lauert zeitgeistkonformer Neu-Sprech und "politisch korrekte" Manipulation.
Als Johannes Hevelius zu seinem 400.Geburtstag im Radio als polnischer Astronom geehrt wurde, schöpfte ich direkt Verdacht und machte mich daran, einmal genauer nach seiner Biographie zu schauen, um dann schnell folgendes an den Tag zu bringen: "Hevelius" ist die latinisierte Version von "Hevel", es handelt sich hier um einen Deutschen, der 1611 in Danzig geboren wurde. Die Hansestadt Danzig war eine deutsche Kaufmannssiedlung, die bereits 1124 das lübische Stadtrecht verliehen bekam, später geriet sie unter den Einfluß des Deutschen Ordens, auf den hingegen die Gründung der Danziger Neustadt zurückzuführen war. Nachdem (einiges später) Danzig im Preußischen Bund mit anderen deutschen Städten zusammen maßgeblich und erfolgreich gegen die Ordenspolitik gekämpft hatte (in der Hauptsache wegen Steuerlasten und wirtschaftlicher Konkurrenzstellung),begab sich Danzig aus Pragmatismus unter den Schutz der polnischen Krone.Dies geschah unmittelbar nach deren Stärkung durch den 2.Thorner Frieden (eben durch den siegreichen Kampf der deutschen Städte gegen den Orden ermöglicht), der damalige König hieß Kasimir, Sohn Jagellios aus Litauen,(Polen war zu der Zeit durch die Union mit Litauen -letzlich bewirkt durch den heiligen Stuhl und nach knapper Abwehr eines habsburgischen Anspruches - mehr oder weniger plötzlich zum Machtfaktor dieses geographischen Raumes geworden).Obwohl aber unter polnisch litauischer Oberhoheit, genoß Danzig quasi Autonomie, so war es der Stadt 1572 beispielsweise möglich, dem neuen König Stefan Bathory die Huldigung zu verweigern, bis dieser bereit war,die Privilegien Danzigs uneingeschränkt zu bekräftigen. Nebenbei erwähnt war vom polnischen Senat für diesen Trohn eigentlich der deutsche Kaiser Maximilian II. gewählt worden(polnisches Wahlkönigtum), der sich letzlich nur durch einen Trick und Militärgewalt zum Verzicht auf die Krone gedrängt sah. Um den deutschen Charakter Danzigs weiter zu veranschaulichen: Zählte man in der folgenden langfristigen Entwicklung der Stadt -sie stand in späteren Zeiten vor allem Einwanderern aus dem niederländischen Raum offen - bis zum Jahr 1831 76% Deutsche, waren es 1923 dann 95% deutsche Einwohner, von 335.921 Einwohnern lebten in Danzig also nur 6.788 Polen und Kaschuben (guten Tag, Herr Grass!)Es geht hierbei überhaupt nicht um "verklemmte" oder nationale Distinktionen, schon gar nicht um irgendeine Form der Tümelei, sondern einzig um den Anspruch auf geschichtliche Faktizität, die ja andererorts sonst zu gerne und akribisch eingefordert wird. (siehe mein Artikel "Historical Correctness")
Aber zurück zu Hevelius:Er studierte an der Universität zu Krakau -die wiederum von deutschen Professoren wie Thomas Morner, Benedikt Hesse oder Laurenz Rabe eingerichtet worden war. Nebenbei auch hier:das Bürgertum und die Oberschicht Krakaus waren damals deutsch, die Lehrsprache an der Universität war Latein, Hofsprache ebenfalls -zumindest zeitweise- Deutsch. Wo ist also bis hierher das Polnische? Ich finde nichts!
Hevelius erbaute bald ein eigenes Observatorium und gilt heute als der Begründer der Kartographie des Mondes. Er brachte es "nebenbei" (er war auch Bierbrauer)zum Ratsherren und Bürgermeister der Danziger Altstadt und widmete dem polnischen König Johann III Sobieski das Sternbild "Schild". Sobieski hingegen war mit französischer Mithilfe auf den Trohn gehievt worden.Sobieski war entscheidend an der Bezwingung der Türken vor Wien 1683 beteiligt. Er war der zweite Sohn des Königs Wladyslaw IV Wasa. Dieser war der älteste Sohn von Sigmund III Wasa. Alle diese Könige waren Schweden. Nach Sobieski folgte dann bald der Sachse August der Starke nach einem nicht weiter relevanten Interregnum auf den polnischen Trohn.
Zusammenfassend gesagt:Johann Hevelius, nach Studium an der deutsch geprägten Universität zu Krakau, war ein deutscher Astronom aus der deutschen Hansestadt Danzig, die zwar temporär politisch (als theoretisches Konstrukt)unter polnischer Krone stand,-ermöglicht durch den deutschen Städtekampf gegen den Deutschen Orden-die aber wiederrum auf dem Kopf eines Schwedenkönigs saß. Heute gehört Danzig zu Polen (komplette Austreibung der deutschen Bevölkerung 1945), so hat man dieser "Logik" folgend aus Johann Hewel kurzerhand einen Jan Heweliusz gemacht. Denn so einfach ist das; man hängt einen einzigen Buchstaben an den latinisierten Namen und braucht für diese dreiste Aneignung nur noch willfährige Verkünder, und die gibt es in der Rolle der deutschen konformistischen Medien zu Genüge. Denn diese gefallen sich in einer Übereinkunft aus zwanghaft postnationalem Sühnedenken und unreflektierter Polonophilie. Und dieses System funktioniert sehr gut, denn (fast)keiner fragt weiter nach, schon gar niemand weiß etwas genaues oder interessiert sich überhaupt. Das sind allerbeste Vorraussetztungen für unlautere, nationalistisch motivierte Aneignungen - aus Ermangelung des Eigenen. (Siehe hierzu auch mein Artikel Polen.)

 

(08.03.2011)/Rule Britannia!
Was mich bei dem ganzen Lybien-Thema doch verwundert hat, war die Tatsache, daß England und der Premier Cameron dort von Anfang an eine militärische Intervention erwägt haben.Hat man richtig gehört? Wie konnte denn das eigentlich sein? Wieso nun gerade England, woher diese Befugnis?
Es gibt darauf meines Erachtens nur eine schlüssige Antwort: Lybien liegt an einem Meer. Und dazu sehr passend kennt man in England den Ausspruch:"Britannia rules the waves". Dieser geht zurück auf das Lied "Rule, Britannia!", ein (sehr)patriotisches Lied des englischen Komponisten Thomas Augustine Arne(1710-1778),aus dem folgendes Zitat stammt:"Ganz dein soll das unterworfene Meer sein,und dein jedes Gestade, das es umschließt." Diese Zeilen gelten noch heute als inoffizielle englische Nationalhymne und werden gerne und regelmäßig zu diversen offiziellen Anlässen gesungen.Da die Erde zu ca.72 Prozent mit Wasser bedeckt ist,kann man also getrost davon ausgehen, daß bei Beherrschung der umgebenden Flächen ein deutlicher Anspruch auf Weltherrschaft gemeint sein muß. Ein anderes Lied hingegen mit den Worten "...und morgen die ganze Welt" zeigt, daß es auch durchaus andere Nationen gab, die einst solche oder ganz ähnliche Großmachts-Träume gehegt haben. Mittlerweile aber, sozusagen einige Katastrophen später,hat man diese unbescheidenen Utopien größtenteils zu Grabe getragen.Vielleicht könnte jemand auch England ganz dezent darauf hinweisen, daß die Zeiten chauvinistischer Weltherrschaftsphantasien heute mehrheitlich als obsolet und anachronistisch erachtet werden.

 

*(04.04.2011)/Der deutsche Atom-Michel
Im Zuge der Fukushima-Katastrophe hat die hiesige Anti-Atom-Lobby natürlich nicht gezögert, eine bewußt wie breit angelegte Hysterie loszutreten. Der Partei der Grünen, die den lauen Marsch durch die Institutionen schon lange erfolgreich abgehandelt haben - folglich im Einklang mit den entsprechend ausgerichteten Leitmedien- kam dies bei den letzen Landtagswahlen mehr als zugute. Denn der deutsche Wähler-Michel hat sich diesesmal eine grüne Mütze aufgesetzt. Sein Verhalten dabei ist affektiv wie irrational. Es zeigt sich nun abermals besonders deutlich, auf welche Weise diese, unsere "Demokratie" gestützt wird. Nämlich auf Ad-Hoc Entscheidungen, die entweder durch Charisma der beworbenen Politiker, durch Kampagnen oder simple wie starke Affekte beeinflußt sind. Wie soll denn -rational betrachtet- durch eine Abschaltung von Biblis (nebenbei: wer schaltet eigentlich endlich die über alle Maßen opportunistische CDU ab?)eine latente Atom-Gefahr gemindert werden? Wenn quasi alle Nachbarstaaten gerade neue Atomkraftwerke bauen und im Traum nicht daran denken, die veralteten abzuschalten? Was, wenn das atomstarrende Frankreich bei seinem ersten Gau mit anhaltendem Westwind einen strahlenden Gruß hierher zu uns schicken würde? Durch die überstürzte Abschaltung deuscher AKW werden wir zudem auf Atom-Strom-Importe aus Frankreich angewiesen sein. Wie verrückt sind wir? Und warum hat man bisher eigentlich keine deutschen Atom-Gegner in Paris demonstrieren sehen? Muß aus Gründen der Political Correctness folglich allein am deutschen Umwelt-Wesen die Welt genesen? Und das Argument ist, man müsse ja einmal anfangen, und dann schließlich vor der eigenen Tür, denn das hätte ja eine positive Ketten-Wirkung zur Folge.Wie kann man so verkürzt denken? Man kann anfangen, ja, aber aufhören werden die anderen - aufsteigenden Länder - deswegen lange nicht, nicht einmal, wenn sie in sehr ferner Zukunft energetisch saturiert sein werden (gibt es diesen Zustand überhaupt?) Selbstverständlich werden sie sich einen Teufel um die Wünsche deutscher Umwelt-Ideologen scheren.
Es ist dabei nicht zu bestreiten, daß eine kritische Haltung zur Atomenergie mehr als berechtigt ist, die Furcht vor den gigantischen Halbwertzeiten und den damit verbundenen Risiken ist sehr wohl nachvollziehbar, nichtdestotrotz aber ist diese Technik-einmal in die Welt gebracht- nicht zu revidieren, so wünschenswert man das auch darstellen mag. (Was ist eigentlich mit den Atomwaffenarsenalen, die teilweise vor sich hinrotten? Warum spricht davon niemand mehr?)Nein, in Sachen "Atom" gibt es kein Rad-Zurückdrehen und ebenskeine große (naive) Undo-Taste.Und was die Halbwertzeiten der Borniertheit der Ideologen -überhaupt mal wieder der deutschen Bereitschaft zur Ideologie- angeht,so steht zumindest zu befürchten, daß diese die Dauer der Halbwertzeiten der atomaren Spaltprodukte von Jod und Caesium bei weitem übersteigen wird.

 

*(05.04.2011)/Netzmeister
Es vergeht kein (medialer) Tag mehr, keine Stunde, keine Sendung im Fernsehen oder im Radio ohne Kolportage über Ereignisse im und um das Internet oder Hinweise auf dortige Begebenheiten oder Webangebote. Bemerkenswert dabei ist, daß die etablierten Medien nicht viel anders als eine geschwächte Gazelle agieren, die voller Empathie von der Kraft des sich nähernden Löwen spricht.So wölbt sich exponentiell über die hergebrachten Massenmedien ein Informationsnetz ganz anderer Dimensionalität, daß mitten dabei ist, nicht weniger als alles Hergebrachte zu schlucken, das "auf einmal Überholte" völlig obsolet erscheinen zu lassen. So wie der Stummfilm nach Einführung des Tons plötzlich obsoleter nicht sein konnte und für immer durch neue Technik abgelöst wurde.Aus einem "Video killed the radio star", wird sehr bald ein "worldwideweb killed the videostar".
Der neue Stern aber heißt nun "webmaster", oder "Netzmeister". Er ist die einzige Instanz, die alle Fäden, alle Möglichkeiten und somit die Macht der Gestaltung (der Zukunftsoptionen/ der Schwerpunkte) in der Hand hält. Naturgemäß werden die großen Kraken auch weiterhin versuchen, ihre Tentakeln auszuwerfen, aber dieser Ozean ist einfach zu groß, als daß sie ihn durchwalten könnten.Im Gegenteil: Die alten Redaktionsstuben werden irgendwann restlos veröden,-und das ist gut!- denn damit freilich auch stirbt die kapital-und poltikgelenkte Meinungsmache, das Mogulen-und Lobbyiestentum und deren mannigfache Indoktrinationsstrategien.Jenseits dieser alten Instanzen wird man die Liberalisierung und Demokratisierung der Meinungen und Möglichkeiten gebührend begrüßen und die fälligen Emanzipationen nachhaltig hochleben lassen.

 

*(06.04.2011)/Benes
Zur Geschichte Böhmens schreibt Friedrich Prinz in "Deutsche Geschichte im Osten Europas" im Siedlerverlag: "Denn erst durch die einzigartige Intensität der hochmittelalterlichen Kolonisation enstand, was man den großen Innovationsschub des Mittelalters oder auch den Vorgang nennen kann, der Mitteleuropa östlich des deutschen Altsiedellandes eigentlich hervorbrachte." Dies ist vorweg zu vergegenwärtigen, wenn man an die tragische Wende erinnern möchte, die diesem Kulturraum im Zuge des Zweiten Weltkrieges beschieden wurde.
Als bereits 1918/1919 dreieinhalb Millionen Sudetendeutsche durch Versailles gegen ihren Willen einem neuen (Kunst)Staat mit Namen "Tschecheslowakei" einverleibt wurden, deutete dies von Anfang an auf eine ganz neue Problemlage.Zumal Benes dieser (tragenden) Bevölkerungsgruppe durch seinen neoslawistischen Ansatz schon als Außenminister 1918-1935 (also lange vor Hitlers Machtergreifung) eine nationalistisch gesonnene, zunehmend rassistische und feindselige Politik entgegentrug. Im Zuge der "Chance" einer Um-Ordung und Um-Ethnisierung des europäischen Raumes 1945/1946 kam es so letzlich zu Massendeportationen der deutschen, aber auch magyarischen (sprich ungarischen) Bevölkerungsgruppen.Die Zahl der Getöteten bei der Vertreibung von 3,5 Millionen Deutschen wird vorsichtig auf 200 000 geschätzt. Ebenso vertrieben wurden über 200 000 Magyaren).Deren 800-jährige Gschichte ging so unweigerlich dem gewaltsamen Ende entgegen.(Hat uns jemand in der Schule gelehrt, daß Prag einst deutsche Kaiserstadt war?)
Weiter schreibt Prinz: "Sieht man von den blutigen Ereignissen ab, die sich aufgrund einer hochexplosiven Situation im Mai 1945 in Prag abspielten und denen ein Teil der deutschen Bevölkerung der Stadt zum Opfer fiel, kann von einer allgemeinen Volksrache in den deutschen Gebieten kaum die Rede sein.Erst zwei Monate nach Kriegsende und dann nur nach umfangreicher propagandistischer Vorbereitung durch die heimgekehrte Londoner Exilregierung setze die Massenvertreibung der Deutschen ein-als von oben angeheizte planmäßige Aktion."
Es steht dann allerdings außer Frage, daß diese "Aktionen" von beispielloser Grausamkeit waren und unzählige unnennbare Exzesse hervorbrachten,die hier nicht Gegenstand sind, aber in den "Schriften des Bundesministeriums für Flüchtlinge, Vertriebene und Kriegsgeschädigte" sehr nachhaltig dokumentiert wurden.Ein zusätzlicher Zynismus indes stellte die Vorgehensweise dar, den Stillstand der (nunmehr tschechischen) Industrieproduktion zu vermeiden, indem man eine halbe Millionen deutsche Fachkräfte von der Deportation ausnahm und unter unwürdigen Bedingungen in der entfremdeten Heimat festhielt.Und was viel weniger bekannt ist: Um seinen lange gehegten Wunsch nach einer Zwangsaussiedlung der nicht-tschechischen Ethnien nachzukommen, machte Benes schon während des Zweiten Weltkrieges von seinem Londoner Exil aus entscheidende Konzessionen an Stalin, die die bald folgende Sowjetisierung der Tschecheslowakei wesentlich erleichterten, durch diese Anbiederung an Stalin und Molotow nämlich war die Tschecheslovakei der einzige Staat, der ohne sowjetische Besatzungstruppen in den Ostblock überführt werden konnte und dann in Folge 45 Jahre die Eisenknute der sowjetischen Nachkriegsordnung zu erdulden hatte. Benes war so durch dieses Taktieren gerade auch sämtlichen tschechischen politischen Parteien (und Widerstandskämpfern gegen die deutsche Besatzung!) in den Rücken gefallen und lieferte seine sozialistischen Parteigenossen an den Moskauer NKWD Apparat aus.Kein Preis war ihm zu hoch, um seiner besessenen Vision von einer ethnisch bereinigten Tschecheslowakei nachzukommen.
Daß die Dekrete, die diese unseelige Politik begründeten, heute aktuell von Europas Justiz ausdrücklich nicht aufgehoben, sondern im Gegenteil sogar bekräftigt worden sind, ist ein unaussprechlicher Skandal, ein Affront an jedes ethische, jetztzeitliche rechtliche Selbstverständnis.
Auf einem Misthaufen der Amoral kann nie mehr gedeihen als eine Faulfrucht der Zersetzung. (Mal wieder)schlechte Aussichten für Europa.

 

*(07.04.2011)/Raspail
Karlheinz Weißmann schreibt in einer Reflektion über das Buch "Heerlager der Heiligen" von Jean Raspail:"Die Intelligenz hat alle Traditionen zersetzt und die Auffasung etabliert, daß Selbstbehauptung unmoralisch ist, die Geistlichen glauben längst nicht mehr an die Wahrheit der alten Lehre und predigen Indifferenz oder eine als Nächstenliebe getarnte Sentimentalität. Die Wirtschaft ist allein auf Gewinnmaximierung aus und schert sich nicht um das Gemeinwohl, die Politiker sind korrupt... Längst sind die Vorhuten der Invasion (davon handelt das Buch) im Land, haben Brückenköpfe errichtet und Verbündete gesucht und gefunden und den Tag vorbereitet, an dem Europa untergehen soll." Gerade die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, zudem die Verschiebung der weltanschaulichen Koordinaten in Deutschland zeigt, wie sehr Raspails Buch aus den Siebziger Jahren als visionär zu bewerten ist. Also ganz konkret: Mit dem Erstarken der grünen Partei wird nun dem Ideologischen vor dem Politischen sprunghaft Vorschub geleistet werden. Eine Vermischung von Unwissen, Perzeptions- bzw.Realitätsverweigerung und blanker Ideologie befeuert bald exponentiell die genannten und gedfürchteten Entwicklungen.Im Verbund mit einer quasi gleichgetakteten Presse ist man bereits jetzt versucht, politisch Unliebsames, was aus dieser Linie ausscheren will, in immer dreisterer Art zu demontieren oder vor sich herzutreiben. Das Klima wird so allgemein ideologischer, letzlich totalitärer, eine Wagenburg aus unterwanderter Justiz und politisch/gesellschaftlichem Zwangskonsenz wird den politischen Gegner in nicht gekannter Art mundtot zu machen versuchen, denn es geht nun gerade nicht (und immer weniger) um den freien politischen Diskurs der divergierenden Meinungen und Ansichten, sondern einzig alleine um die unerbittliche Umsetzung der eigenen, als einzig heilsbringend erkannten Überzeugung.

 

*(12.04.11)/Mythos und Monismus
Setzt man Auschwitz als Gründungsmythos der "Bundesrepublik Deutschland" (oder gleich ganz Europas)und interpretiert gleichzeitig nicht etwa Cäsar, Stalin, Pol Pot, Timur Lenk oder Dschingis Khan als Nadir des Humanen, sondern eben alleine Hitler und denkt dann entsprechend den Nationalsozialismus als das maximal "Böse" (indem man in eine metaphysische Kategorie überwechselt), so entschließt man sich (selektiv) für die simplifizierte Form einer säkularen, doch religiös geprägten Denkart. Denn sowohl die "säkular-metaphysische" Denkweise von einer Teleologie der progressiv-kollektivistischen Humanität als auch die individualistisch- christliche Theologie von der Entwicklung des einzelnen Individuums hin zum "Guten vor Gott" bieten einfache Positionierung durch Glauben (an das -wiederum metaphysische- "Gute")und geben so(für die Masse vor allem aus Gründen der Überschaubarkeit und Sicherheit-für die Eliten aber aus Gründen der Legitimaton) Orientierungsmöglichkeit durch Setzung einer Antithese zum "Sakralen" bzw. zum leicht zu erwerbenden moralischen Verdienst, weil dieses Vorgehen unweigerlich immer im "common sense", einer (mittlerweile) von Kindesbeinen an erworbenen und zu erstrebenden Breitenakzeptanz münden muß. Da sich gerade die deutsche etablierte Parteienlandschaft allein in dieser Erwartung und (doch sehr neuen) Tradition bewegt und daher keine Abweichung dazu kennen kann und mag, kommt es quasi zu einem moralischen Monismus,zu einer gleichsam religiösen, heilserwartenden Einstellung, von der aus gesehen außerhalb eben nichts anderes mehr existieren kann, es sei denn es handele sich (im besten Fall) um etwas im weiten Abseits Ausgelagertes, Verstoßenes, aus dieser Ordnung Gefallenes, individuell betrachtet um einen Pariah, einen geistig Zerrüteten oder im ganz allgemeinen, und noch beängstigender, um einen zu exorzierenden Dämonen.

 

*(02.05.2011)/ Bin Laden und der Hegemon
Nicht erst seit den Interventionen im Irak und in Afghanistan hat man sattsam genug von staatlich gelenkten Hinrichtungsaktionen gehört. Für Völkerrechtler gibt es schon lange vieles zu monieren, gerade auch im aktuellen Falle der Tötung Bin Ladens in seinem durch eine amerikanische Spezialeinheit gestürmten pakistanischen Refugium. Verwundern aber kann das Vorgehen niemanden, zumal sich die USA bisher noch nie an bestehendes Völkerrecht gebunden fühlten. China und Russland halten in diesem Fall völlig still, denn auch sie verfügen über geographisch/ideologisches Terrain, das sie gerne als schmuddeligen Hinterhof deklarieren, um dort bei Bedarf ebenfalls Terroristen auszumachen und zu liquidieren. Frau Merkels Beschränkung hingegen auf den dümmlichen Satz (als vermeintliche Christdemokratin!) über die Freude an der Tötung Bin Ladens verweist lediglich auf Deutschlands außenpolitische Statistenrolle sowie vor allem auf ihre Sozialisation als real-sozialistische DDR - Physikerin mit Implikation für Minimalgespür bezüglich geistiger oder ethischer Belange(ihr Vater war Geistlicher!).
Wir sollten mehr als überdrüssig sein, angesichts überkommener, atavistischer Tötungsjustiz, zumal wenn sie von staats wegen erfolgt. Das ist einem als „überlegen deklarierten“ Gemeinwesen schlicht unwürdig! Unsere Demokratien, wenn sie dieser Handlungen bedürfen oder mindestens nicht in der Lage zu einer deutlichen Distanzierung sind, wahren nicht mehr als den müden zivilisatorischen Schein. Zwar war Bin Laden ein Drahtzieher des internationalen Terrorismus, doch seine „geplanten zivilen Toten“ waren prinzipiell nichts anderes als die Antwort auf ebenfalls wohlkalkulierte "Kollateralschäden" westlicher militärischer Eingriffe mit eklatant höheren Opferzahlen (siehe Irak Krieg: mindestens 650 000 Tote!)oder der beständigen nadelstichartigen Tötung von palästinensischen Zivilisten durch die israelische Militärmaschinerie. Der Kampf wird nachhaltig, asymetrisch und ohne Bindung an völkerrechtliche Konventionen geführt, und das auf beiden Seiten. Aber steht nicht die Politik der USA im Unterschied zu Bin Ladens hypothetischem Gottesstaat für Freiheit und Menschenrechte? Nun, das mag gerade noch für die eigenen Bevölkerung gelten(?), doch dieser Anspruch hielt die USA nie davon ab, überall auf der Welt Satrapen zu halten, die bis dato ihre Völker knebeln und den Unterdrücker-Status Quo nach US-amerikanischem Gusto austarieren. Letztlich geht es bei der Ausübung der Weltordner-Rolle dann doch nur um Hegemonie und ökonomische Belange, nicht etwa um Ideelles/Moralisches .
Kriegsführung, Tötung, Blutzoll und Hinrichtung aber gebiert nur neuen Haß, neue Gewalt, neuen Tod. Im Zuge eines weltweiten, nachhaltigen Zivilisierungsprozesses müßte dem alttestamentarischen Blutgericht endlich abgeschworen werden.

 

*(10.05.2011)/Die Brücke
Endlich hatte man sich dazu durchgerungen, eine Brücke bei St.Goarshausen über den (Mittel)Rhein zu bauen. Seit ewigen  Jahrzehnten schaute man zur anderen Rheinseite hinüber und fasste dabei immer den gleichen Gedanken, auch wenn, oder gerade weil man mit scharfem Auge noch die Uhrzeit auf dem Kirchturm des anderen Ufers ablesen konnte: “So nah und doch so fern!“ Denn jene(eigentlich nächste) Region war schon immer völlig entrückt von der eigenen, hiesigen Welt.Schlicht und einfach abgebunden, unerreichbar. Fasst man doch den (eher undenkbaren) Beschluß, dorthin hinüber zu wollen, hängt alles ab von einer willkürlich (und schamlos überteuert)  schippernden und unfassbar umständlichen Fähre mit ihren beschränkten Kapazitäten und Fahrzeiten.
Zur Brücke: Der Rhein fungierte seit Gedenken als natürliche, weil kaum zu passierende Grenze. Schon Julius Cäsar ließ daher einen Übergang über den Fluß errichten (Auch wenn der despotische Kriegstreiber ein denkbar schlechtes Beispiel abgibt, Cäsar hatte schlicht zu keiner Zeit etwas anderes als Krieg im Sinn). Denn im Positiven erschließen Brücken Nähe, Verbundenheit, neue Freundschaft, neue Ressourcen und Möglichkeiten. Die Moselregion hat das schon lange vorgemacht, und berühmte Städte, an Flüssen gelegen, -wie Florenz etwa- florieren ja erst durch die Verbindung beider Ufer und optisch/architektonisch macht sich das -wie in diesem Falle- oftmals großartig. Die Mittelrheinregion aber soll verrückterweise auf ewig durchschnitten und durchtrennt bleiben. Schuld ist aktuell die neugewählte Landesregierung, respektive die Fraktion der Grünen, denen es mittlerweile ein Leichtes ist, eine opportunistische, schwächelnde SPD, die sich bis dato noch mit allen Mitteln an die Macht klammert, vor sich herzutreiben.
Mehr noch als der Fakt, daß die Grünen hier gegen einen parteiübergreifenden common sense auf einer borniert konservativen Linie verharren, - eigentlich ist das nur dummer Ökotrotz von einer Partei, die gleichzeitig  für die Zerstörung aller Landschaftsbilder durch Windräder (und noch eklatanter:Sonnenkollektoren!)steht - mehr noch also verstört die Tatsache, daß es ihr ein besonderes Anliegen ist, eine Bürgerbefragung dazu im Vorfeld unbedingt auszuschließen. So verhält sich das also mit der Partei der bürgerlichen Mitbestimmung, sobald sie nur etwas von der Regierungsverantwortung ergattert hat. Die Demaskierung der Ideologen kann beginnen. Fukushima ist weit, aber die Konsequenzen der letzen (irrationalen) Wahl sind schon außerordentlich nahegerückt, der Bürger wird noch schmerzlich lernen müssen, wem er da zur Macht verholfen hat.
Es wäre eine zeitgemäße Herausforderung, Umweltverträglichkeit, ökonomisches Interesse, Fortschritt und Ästhetik in diesem Brückenprojekt zusammenzuführen, wären doch nur die Gehirne(einer penetrant dominanten Minderheit)nicht in dieser Art ideologisch vernagelt. Eine (mindestens) regionale Schande.

 

*(10.05.2011)/Nein, Herr O.
Was kann der von Ihnen kritisierte Ausspruch einer Esoterik- Werbung mit den Worten „Kann ich meine Kraft umsetzen, mein Können, meine Fähigkeiten? Ich kann, weil ich meine Balance finde.. und weil all das in mir ist“ denn  dafür, dass er im Duktus eventuell nach Scientology klingt oder an Albert Einsteins Rede von den nur 10 Prozent Ausnutzung unseres Gehirns erinnert? Natürlich kann man diesem Slogan für ein käufliches „Mini-Hologramm“, das in Form eines Kunststoffarmbandes aktuell gerne von Sportlern getragen wird, weil es  leistungssteigernd wirken soll, durchaus skeptisch begegnen, wie auch dem Esoterik-Markt insgesamt, und doch geht es hier letztlich um mehr als nur um latent vermuteten Hokus Pokus, denn es stellt sich nämlich die Frage nach etwas ganz Ursächlichem, der Materie Impliziten. In allen Religionen und Kulturkreisen spricht man von solch einer Kraft. Man benutzt dafür die Begriffe "Prana" oder "Chi", man nennt es auch "Odem" und "Mana" oder "Orgon"; doch wie man es auch deklarieren mag, es handelt sich letzlich immer um eine gespürte, zumindest aber angenommene (göttliche)Urkraft, die absolut alles durchwirkt. Umso essentieller ist dieses Prinzip, da letzlich unser Sein selbst auf energetische, implizite Zustände zurückzuführen zu sein scheint, wie gerade auch die neuen naturwissenschaftlichen Theorien mehr als nahelegen.(Quanten-,String-,Branen-Modelle).
Wenn Sie, Herr O., also schreiben und bemängeln: „Wir glauben nicht mehr an Gott, sondern an Polyester“, zeugt das nur vom Unverstand für die seit vedischen Zeiten (und früher) bekannte Tatsache von dem grundlegend energetischen Prinzip (göttlichen) Ur-Seins. Konsequenterweise ist das in jeder Form, in jedem Wesen, in jeder Struktur vorhanden. Daher ist der Stoff „Polyester“ gut geeignet, als Symbol für das molekular/atomare (bzw. subatomare) Spektakel selbst im Unspektakulärsten (eben im Polyester!) zu fungieren. Weder bedarf es eines am laufenden Band PSI -Phänomene produzierenden Heilsbringers (wie Jesus) noch überhaupt irgendeiner figürlichen, vermenschlichten Gott-Entität (wie vornehmlich in den abrahamitischen Religionen vorgestellt). Diese anthropozentrierten Spiegelungen in den Himmel sind in Wirklichkeit ein Rückschritt auf der Leiter der Transzendenz.

 

*(14.05.2011)/Planetenkritik
Habe gerade eine kirchenkonservative Kritik wegen wissenschaftlich-astronomischer Ansinnen gelesen. Es läuft gewohnt auf Ähnliches hinaus, man fragt “Wer braucht das, dieses Orchideenfach, was soll das bringen... wer kann das bezahlen?“ usw. usf.
Nebenbei: Mit diesem engefassten Nützlichkeitsdenken hätte man nie nach irgendeinem Ideal gestrebt oder je überhaupt einen wie auch immer gearteten Fortschritt errungen. Bei dieser Kritik ging es genau genommen um die Erforschung, bzw.Auffindung von Exoplaneten. Planeten also, die außerhalb unseres Sonnensystems liegen, deren Existenz man vor nicht langer Zeit per se noch allgemein angezweifelt hatte. Kirchenleute haben - wohl hauptsächlich wegen der Lehre von der Einzigartigkeit von Gottes Schöpfung - nun Unbehagen gegenüber einem neuen Weltraumfernrohr namens „Kepler“ angemeldet, das in den ersten 128 Tagen seines Einsatzes schon 1200 mögliche extrasolare Planeten identifiziert hat, 68 Exemplare sind bereits darunter, die die Größe der Erde aufweisen (die meisten haben bisher Jupitergröße), 54 liegen gar in der lebensfreundlichen (habitablen) Zone um ihr Zentralgestirn. Und durchmustert wurde nur ein kleiner Himmelsauschnitt. Bei Einbeziehung des gesamten Himmels würde man jetzt schon mit 400 000 Planetenkandidaten rechnen. Und das wiederum wären nur diejenigen, die ihren Transit vor ihren Zentralgestirnen vollführen und so mit den aktuellen Methoden überhaupt zu fassen sind. Wahrscheinlich (und hochgerechnet) gibt es somit allein in der Milchstrasse  Abermillionen dieser Planeten. Und es existieren ja weiterhin etliche Millionen, ja Milliarden von Galaxien. Zur Disposition steht also allen Ernstes das Alleinstellungsmerkmal von Gottes Schöpfung, der Mensch als „Krone“ derselben(ein Überrest der geozentrischen Anschauung) auf einem stecknadelkopfgroßen Planeten unter unendlich vielen ähnlicher Art würde das bisher geglaubte Bild von Gottes Plan unwiderbringlich wie spektakulär zu Fall bringen.
Die Gefahr besteht sowieso, daß man(wie schon immer, wenn es um irgendeine Form von Erkenntniszuwachs ging) Gott ein gutes Stück weiter nach Außen verlagert, biblische Glaubensätze dabei kippen muß, teilweise Gott seinen  Nimbus nimmt, weil man das vormals Unerreichbare ins nun Erklärbare verlagert.
So wie die Kirche von Beginn an jede gnostische oder rein wissenschaftliche (also auf Erkenntnis basierende) Strömung (blutig) bekämpft hat, so wie sie schon immer  nicht-glaubenskonforme Wissenschaft negiert, unterdrückt und verfolgt hat, so hat man sich nun in modernen Zeiten -der eigenen Machtlosigkeit und gesellschaftlichen Irrelevanz schmerzlich bewußtgeworden - auf eine trotzige innere Abwehr zurückgezogen. Den ernsthaften Wissenschaften kann das egal sein. Dem Weltall ist es das sowieso.

 

*(02.06.2011)/Der Bauer und der Zehnte
S. Fischer-Fabian über den Bauer des Mittelalters:„ Der Bauer, der ein Getreidekorn aussähte, erntete im Sommer zwei Körner, in besonders günstigen Jahren sogar drei Körner. Die Hälfte des Ertrages musste er für die nächste Saat einlagern und dafür sorgen, dass die Mäuse das Korn nicht fraßen, Feuchtigkeit es nicht faulen ließ. Bei einem Verhältnis von 1:3 wäre es ihm einigermaßen gut gegangen, wenn nicht die Kirche auf ihrem Zehnten, der Grundherr auf seinen Abgaben bestanden hätte...Er betrug je nach Region und Bodenqualität ungefähr 30% der Ernte.“
So aber ging es ihm eben nicht mal einigermaßen gut, sondern für ihn herrschten latente Notzeiten, quasi ständiger Hunger. Vielen blieb nur, an die Klostertüren zu klopfen und um Almosen zu bitten. Die Kirche war nämlich nicht nur für die Notlage der Bauern, sondern gleichzeitig auch für die Hilfe an den Armen verantwortlich.
Mit dem Leitspruch “Alle, die kommen, sollen bewirtet werden wie Christus, und am Jüngsten Tag, wenn die guten Taten belohnt werden, wird er sprechen: Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ schritt man zur milden Tat. Allerdings stand nur ein Viertel des abgepressten Zehnten für die Armen zur Verfügung, daher für die Kirche - die den „Rest“ einbehielt und in diesem Paradox offenbar Gottes Willen und Wirken erkennen mochte und keinerlei moralische Bedenken kannte- in doppelter Hinsicht ein einträgliches Vorgehen. Man half sich und anderen gleichzeitig (materiell) und schuf zudem ein Feld, um Seelenheil zu erlangen.

 

*(04.06.2011)/Europa der Regionen
Deutschland will mal wieder Vorreiter sein. In diesem Falle geht es um das postnationale Selbstverständnis. Hypothetisch wäre das Szenario in etwas so zu beschreiben: Im Zuge der Europäisierung und Auflösung der staatlichen Räume und Grenzen entstünde ein metanationales Europa der Regionen. Schlussendlich gäbe es kein (segregatives/polarisierendes Konstrukt) wie "Deutschland" oder "Spanien", kein "Italien" oder "United Kingom" mehr-(letztere drei sind eh schon länger in Selbstauflösung begriffen)-und was ist eigentlich mit Belgien, existiert es noch? -man ist sich nicht so ganz sicher-... Stattdessen fordert man (allerdings ein nicht weniger segregatives) Baskenland und Schottland oder Padanien. Und die Nationalbewussten, die die Nation als solche nicht zu entlassen bereit sind? Wie Frankreich und Polen etwa? (die einen wegen der Grande Nation, die anderen, weil sie endlich den Nationalstaat ihr eigen nennen dürfen, den sie sich seit Boleslaw I, also seit geschlagenen 1000 Jahren so sehr ersehnt haben?). Auch das alles vorbei? In Konsequenz dann sogar-welch Schreckgespenst- könnte etwa neben der Normandie plötzlich auch ein Elsass und neben Masowien ebenso ein Schlesien wieder auf einer Landkarte vermerkt werden? (wo man das Veraltete doch mit Nachdruck überwunden hatte?)- zudem noch mit völliger Freizügigkeit und Gleich“wertigkeit“ aller Ethnien und Minderheiten? Ohne "Nationalkontrolle"? Im Idealfall würde nach erfolgreicher gerechter Migration das Wort "Minderheit" (wegen der Durchmischung)sowieso obsolet werden, Ziel ist ja eben die Ent-Territorialisierung und Ent-Ethnisierung.
Wie weit aber ist man davon de facto noch immer entfernt! Noch 2008 z.B.bemängelte zum Beispiel der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen u.A. zu wenig Deutschunterricht an den Schulen, mangelnden Objektivismus im Geschichtsunterricht, den erschwerten Zugang zu Massenmedien, ungünstige Sendezeiten von Minderheitensendungen im öffentlichen Fernsehen und Radio oder gar ihr völliges Fehlen. Zudem wurden der eingeschränkte Gebrauch der deutschen Sprache in Behörden und Probleme beim Verwenden von deutschen Vor- und Nachnamen angesprochen. Kritisiert wurde auch die fehlende Möglichkeit, zweisprachige Namen außerhalb der kommunalen Ebene zu nutzen, beispielsweise auf Ebene der Landkreise. Sieht man dagegen zum Beispiel die (vehmente) Förderung der(süd)dänischen Minderheit oder der Sorben in Deutschland (daher Vorreiter!),läßt sich erkennen, wie weit unsere Nachbarn teils noch in ihren alten nationalen Gesinnungen verstrickt sind und dass sie noch nicht wirklich begonnen haben, ihre europäischen (postnationalen) Hausaufgaben zu erledigen.

Nachsatz:
Und da Polen ab dem Krieg nie ganz Herr über sein Minderheitenproblem geworden ist (trotz Zwang zur Optierung und Sprachverbot)- Frankreichs Zentralgewalt etwa hat die Zwangsassimilierung gegenüber einer deutschen Minderheit (ehemals Mehrheit) im Elsass und Lothringen einfach bewußter und erfolgreicher durchgeführt- ist man heute eben mit der neuen Aufgabe konfrontiert, diese Minderheiten den aktuellen europäischen Konventionen entsprechend (gut)zu behandeln. Und im Visier zudem winkt das Ende der Nation. Kann es für die Nationalen etwas tragischeres geben?

 

*(06.06.2011)/Hunger
Wenn man  vom früheren Mittelalter spricht:„Das ganze Jahr satt zu essen zu haben“, schreibt der französische Historiker Georges Duby, „war damals ein außerordentliches Privileg, das Privileg einiger Adliger, einiger Priester und einiger Mönche. Alle anderen waren Sklaven des Hungers. Sie empfanden ihn als die wesengemäße Bedingung des menschlichen Daseins.(!) Das Leiden, so glaubten sie, liegt in der Natur des Menschen. Und dieser Mensch fühlt sich nackt, völlig entblößt, dem Tod, dem Bösen, dem Schrecken ausgeliefert. Weil er Sünder ist. Seit Adams Fall quält ihn der Hunger, und wegen der Erbsünde kann niemand von sich behaupten, ihn überwunden zu haben.“
Und nun unsere Gegenwart dagegen! Insbesondere doch gilt unser Dank Aldi und Lidl und ähnlichen Lebensmittelketten. Für die unbekümmerte Versorgung und den befreiten, aufrechten Gang . In Komfort und ganz ohne Erbsünde. Was plagt den Mensch also eigentlich noch?

 

*(20.06.2011)/Revision
Wie ist das zu verstehen mit dem Begriff der „Revision“ und dem Attribut „revisionistisch“? Wäre das bereits anzuwenden, wenn man den Franzosen "ihren" Charlesmagne (Karl der Große)streitig machen wollte, weil es zu seiner Zeit erstens noch gar keinen deutschen oder französischen Boden gegeben hat, man demnach  noch von überhaupt keinem nationalen Selbstverständnis sprechen konnte und weil neben den propagierten Geburtsorten Saint-Denis oder Quierzy eben auch Worms oder Aachen oder Karlstadt oder Karlsburg gut in Frage kämen und er selber  aus dem Geschlecht der Karolinger stammte,  ein erwiesenermaßen germanisches, von der Romanisierung völlig unberrührtes?
Revision? Sicher wäre sie für diesen Fall die Zurechtrückung national(istisch) eingefärbter, zweckgebundener Geschichtsinterpretation.

 

*(06.07.2011/Preußen
Ich lese ein  Buch über die drei Vettern Wilhelm, George und Nikolaus, die als Kaiser, König und Zar nicht unbeteiligt daran waren, den Ersten Weltkrieg mit heraufzubeschwören. Informativ einerseits (vor allem wegen der Einblicke in die königlichen Korrespondenzen),aber leider insgesamt ein haltloses Machwerk, scheinbar tief in der Tradition englischer Nationalpropaganda verhaftet, bis in jede Zeile tendenziös und parteigreifend ,wenn´s denn sein soll, auch einfach dreist fabulierend. Hat man im Lektorat bei Bertelsmann kein Gespür, um zwischen Wissenschaftlichkeit und platter Agitation zu unterscheiden? Und schreibt ein Heinrich Lutz in Zwischen Habsburg und Preußen(Siedler-Verlag) auf über 200 Seiten über die mehr als diffizilen Vorbedingungen, die zum deutsch/deutschen Krieg 1866 führten, handelt  die (BBC) Historikerin C. Cloy dies dreist wie unzulässig mit einer einzigen Zeile ab: „Bismarck hat einen Krieg vom Zaun gebrochen“ In der selben Flachheit (und Verkehrtheit) wird auch der deutsch französische Krieg von 1870, der für Deutschland in Sedan ein Jahr später ein siegreiches Ende nahm, als  Werk eines kriegslüsternen deutschen Kanzlers Bismarck dargestellt. Dabei hatte umgekehrt Napoleon III, um sich innenpolitisch zu profilieren, dem deutschen Bund den Krieg erklärt; Hintergrund dabei waren Auseinandersetzungen um die spanische Thronfolge, ein Hohenzoller, der Anspruch hatte, verzichtete sogar zur Beruhigung Frankreichs, doch gab sich Frankreich nicht zufrieden und forderte nun irrigerweise territoriale Kompensationen wegen der Angliederung deutscher (!) Gebiete  in den deutschen Bund.
Und überhaupt dieser ewige süffisante Rekurs auf den preußischen Militarismus! Nicht nur der deutsche Kaiser liebte den militärischen Proporz, der englische Kronprinz Georg verbrachte entscheidende Jahre bei der Kriegsmarine, mit deren Hilfe England über die Jahre (Jahrhunderte)  in einer einzigen singulären Piraterie die Welt unterjocht hatte und diesen Status um alles (militärisch!)zu halten bemüht war. -Was nahm man es  daher Tirpiz auch übel, als dieser dann auch für Deutschland eine starke See-Flotte (Deutschland war mittlerweile die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt) forderte. Doch nicht mehr als ein angemessenes Anliegen! Wer kann und will sich schon- auch wenn das Bismarcks hartnäckiges Leitmotiv war- dauerhaft kleiner machen als er tatsächlich ist? Und warum? Aus Rücksicht auf ein hegemoniales (und absteigendes) England?
Ich bin dabei durchaus der Meinung, das Preußen im 19.Jahrhundert den falschen Weg eingeschlagen hat, das Gesamt- Europa nach dem Wiener Kongreß den grundverkehrten Weg der Restauration und des Antirepublikanismus eingeschlagen hat.
Und England in der Inselstellung? Wie liberal war dies Land tatsächlich als Welthegemon, als Welt-Besatzer und „Befrieder“, mit einer konstitutionellen Monarchie (Queen Victoria alleine zog unantastbar durch Heiratspolitik europaweit die machtpolitischen Fäden) und einem Parlament mit einem House of Lords, mit Legitimation also allein durch Blut, bzw. Abstammung?
Man sollte auch bedenken, wie es überhaupt zum ausgeprägten militärischen Wesen Preußens kam: Nach dem 30jährigen Krieg war Schweden im Besitz quasi aller Ostseeländer und deutscher Ostseehäfen, besaß zudem Vorpommern; mit der Eroberung Preußens wäre der (bedrohliche) schwedische Ring um die Ostsee geschlossen gewesen. Zudem kehrte nach dem westfälischen Frieden keineswegs Ruhe ein, sondern Preußen war wiederholt Polen- und Tatareneinfällen ausgesetzt, Teile der Bevölkerung wurden in die türkische Sklaverei verkauft. Unter diesen Bedingungen hatte der Kurfürst Friedrich Wilhelm ein stehendes Heer gegründet. Dem lag ein neues, fortschrittlicheres Verständnis vom Soldatenstand als "Ehrenstand" zugrunde. Der beutemachende Söldner des 30jährigen Krieges galt nun als verwerflich, Plünderer wurden gehängt.
Und: Als (einiges später) Friedrich der Große Österreich überfiel (es gab durchaus dynastische Ansprüche) und der Siebenjährige Krieg seinen Lauf nahm,(was hatte sich die Zarin einzumischen?) sprachen Historiker hier auch vom ersten tatsächlichen Weltkrieg, denn schaute man nach Übersee, sah man England und Frankreich in Nordamerika erbittert und blutig um die Kolonialherrschaften kämpfen. Und das liberale England teilte –in "Abgrenzung" zum „verwerflich- militaristischen Preußen“ -pockeninfizierte Decken unter Indianderstämmen aus, in genozidaler Absicht, sozusagen als Fanal für spätere biologische Kriegsführungen.

 

*(10.07.2011)/Rechts/Links
Im politischen Tagesgeschäft kann sogar mal Ungeplantes eintreten: So wurden Linksparteimitglieder quasi über Nacht zu Antisemiten.(Sie hatten ihrem Selbstverständnis gemäß gegen Militarismus, Apartheid und Besatzung Stellung bezogen, was man für den israelischen Sonderfall aber allzu gerne (sehr) krumm nimmt. Daß im Gazastreifen eine Völkerschaft geknechtet wird, ohne Perspektive oder ausreichende Nahrung und  medizinische Versorgung, interessiert momentan aber tatsächlich sonst keine andere Partei, die über der Fünf-Prozent Hürde liegt. Diesen Wundkrater der deutschen Morallandschaft ist man stets bemüht, parteiübergreifend in stillschweigendem Übereinkommen zuzudecken.
Die politische Rechte hingegen (auch und gerade Geert Wilders) bekundete die letzte Zeit eifrige Solidarität mit Israel, wohl in der Hauptsache, um ihrem Standpunkt gegen die Islamisierung eine breitere Legitimation zu verschaffen und sich gleichzeitig vom ewig- klebrigen Nazi-Verdacht zu emanzipieren.
Verkehrte Welten? Mitnichten, denn es werden so nur die inneren Widersprüche und die Unlogik offenbar, die obsoleter Richtungs-Zuordnungen zugrunde liegen.
Aber diese Ironie: Gerade derjenige, der den „Kampf gegen Rechts“ am lautstärksten vollführt und amortisiert hat, bekommt nun eben selber feste seine Lieblingskeule
um die Ohren gehauen.
Die NPD aber wäre ihren Positionen nach, so hört man immer wieder, relativ sozialistisch und somit eigentlich eine linke Partei, eben nur unter nationaler Ägide (was natürlich absolut nicht erlaubt ist - und was man nebenbei auch schon einem Oskar Lafontaine zum Vorwurf gemacht hat.)
Ganz offensichtlich: Die alte Sitzordnung der Paulskirche wirkt immer weniger suffizient, um Realitäten abzubilden und das zu kategorisieren, was in dieser (primitiven) polaren Art nicht zu kategorisieren ist. Einzig probat aber scheint immer noch die althergebrachte Kampffloskel vom „Antisemiten“, um politisch Unliebsames gleichsam  kampflos auszuhebeln und unter Umgehung eines lästigen, unbequemen Diskurses unschädlich zu machen.

 

*(09.07.2011)/Historikerstreit
Ein wahrlich unerfreuliches Jubiläum: 25 Jahre Historikerstreit. Und vorweg: Bis heute wurde nie ein einziges Argument von Ernst Nolte widerlegt. Im Gegenteil haben sich durch Quellenzuwachs seine Ausführungen immer nur weiter bekräftigen lassen. Dem Wesen dieses Streites nach ging es dem Angreifer Habermas ja nie um einen sachlichen Diskurs, (Habermas ist gar nicht vom Fach, er ist Sozialphilosoph),Ziel war nicht die historische oder wissenschaftliche Aufarbeitung der Causa (und Kausalitäten) des 20. Jahrhunderts, sondern alleine die nachhaltige Etablierung des Vergangenen (das eben nie vergehen soll) als eben antikausale, aus dem Geschichtsrahmen fallende (deutsche) Singularität, um auf solch erzwungenem „Fundament“ eine Art säkulare Geschichts-Metaphysik zu verfestigen, von dort aus dann am liebsten eine genehme moralische Normierung der Gesellschaft zu befehligen. Es bedurfte dann nur noch Schreihälsen wie Brumlik (ebenfalls bei weitem kein Historiker), um den Nachweis zu führen, dass es im höchsten Klientelinteresse war (und ist), diese nützliche Geschichtsmythik mit allen verfügbaren Kanonen zu verteidigen. Schließlich wäre gerade die Nolte´sche Proklamation vom kausalen Nexus nur zum gefährlichen Antidot gegen dieses im Kern faule Ideologem geraten, also daher deren Unschädlichmachung höchsten Vorrang hatte. Mit Schützenhilfe von einem aggressiven Polemiker (und Historiker) wie Wehler war man da ebenso gut beraten wie mit dem Ansatz, durch Geld und Einfluß (und willfährige Journalisten) die Leitmedien im eigenen Sinn zu agitieren. Bis heute funktioniert diese Mechanik. Aber wie besagt der vielzitierte Schopenhauer-Satz? „Die Wahrheit kann warten, sie hat Zeit.“ Wem das Wort „Wahrheit“ hier zu pathetisch daherkommen mag, kann es ja einfach durch „geschichtliche Faktizität“ ersetzen.
Ich meine sowieso, dass der alte Habermas schon zu Lebzeiten wie ein Schatten einer verblassenden Post-Nachkriegs-BRD-Vergangenheit, einer ideologisch verrenkten Zeitnische daherkommt; im Geistigen scheint mir das schon lange überkommen, was aber wesentlich träger  nachfolgt, sind die realen gesellschaftlichen Rahmen- und Diskursbedingungen.

Nachsatz: Als im Nachhall des Historikerstreits Ende der 80 ´er Jahre plötzlich das Buch Der Eisbrecher von Viktor Suworow in Deutschland erschien (in dem dieser die These von Stalins Angriffsplänen gegen Hitler-Deutschland darlegt und sein Kalkül eines für die Sowjetunion nützlichen europäischen Krieges nachzeichnet) muß das wie ein wundersamer und hundsgemein respektloser Nachtritt für die Habermas-Fraktion gewirkt haben.(So diese überhaupt ihre Perzeptionsverweigerung in Frage gestellt hat)
Daß man sich gerade aktuell ausführlich (im Ausland) mit diesen Thesen auseinandersetzt, zeigt auf einfachste Art das steigende Interesse an der Historisierung bzw. Objektivierung des Vergangenen sowie die natürliche Unberührtheit und das völlige Desinteresse an Habermas´schen ideologisierten deutschen Sonderwegen.

 

*(12.08.2011)/Frankreichs Atom
Habe eine lange Dokumentation im Fernsehen verfolgt, über die Atompolitik Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg, vornehmlich über die französischen Atomversuche auf den pazifischen Inseln. Von 1966 bis 1996 wurden dort auf Mururoa insgesamt 188 Atombomben gezündet, davon 41 in der Atmosphäre und 147 unterirdisch. Der erste oberirdische Kernwaffentest fand am 2.Juli 1966 statt. So wurden nachhaltig diese (paradiesischen) Landstriche sowie die Einwohner der Nachbarinseln atomar verseucht. Konkret meßbar wird das z.B. noch heute mit einer 5 mal höheren Schildrüsenkrebsrate „über Normal“, außerdem kommt es dort häufig zu Kinderlosigkeit. Auch haben die Atomversuche im Südpazifik ca. 15.000 polynesischen Mitarbeitern zum Teil erhebliche Strahlenschäden zugefügt. Die Langzeitschäden durch austretende Radioaktivität und die damit verbundene Verseuchung einer ganzen Region sind noch gar nicht wirklich absehbar. Systematische Untersuchungen von unabhängigen Wissenschaftlern wurden von den Franzosen immer wieder blockiert, erst im Jahre 2000 zogen die Franzosen überhaupt erst von dort ab. Seinerzeit ließ es sich gar der französische Premiereminister De Gaulle nicht nehmen, selbst nach Mururoa zu reisen, um vor den dortigen Inselbewohnern zu erklären, wie wichtig und notwendig der damalig aktuell bevorstehende Bombenabwurf für den allgemeinen Fortschritt sei, und wie in besonderem Maße gerade sie als Inselbewohner davon profitieren würden. Darauf verschwand er schleunigst auf sein Schiff, um aus sicherem Abstand dem Abwurf und der Verstrahlung des Atolls zuzuschauen. Das  Schauspiel beobachtend gab er ein bewunderndes “Magnifique!“ von sich, um in seine französische Heimat(der atomar unbelasteten Grand Nation) zu entschwinden und niemals mehr dort im Pazifik aufzutauchen.
Warum hat man es eigentlich bis heute versäumt, de Gaulle als Zyniker, Rassisten, ja schlichten Verbrecher zu bezeichnen?

 

*(17.09.2011)/Vorbilder
Daß Hitler bücherbesessen war, ist hinlänglich bekannt, dass einige Bücher während seiner frühen Jahre gehörige Mentorfunktion auf ihn ausübten, ebenso. Man denkt da wohl automatisch an H.S. Chamberlain oder an Henry Ford. Weniger bekannt aber ist der prägende Einfluß des Amerikaners Madison Grant, der das Buch `Untergang der grossen Rasse´ geschrieben hatte, das in deutscher Übersetzung 1928 erschien. Beispiel - Zitat Grant: „Die Naturgesetze verlangen die Vertilgung der Untüchtigen, und ein Menschenleben ist nur dann wertvoll, wenn es für die Allgemeinheit oder die Rasse von Nutzen ist.“ Und man liest weiter: „So hat der Standpunkt, dass der Negersklave ein unglücklicher, von der Tropensonne braungebrannter Vetter des Weißen sei, dem man die Segnungen des Christentums und der Zivilisation vorenthalten habe, bei den Gemütsmenschen der Bürgerkriegsperiode keine geringe Rolle gespielt und es hat 50 Jahre gedauert, bis wir einsehen lernten, dass englisch sprechen, gute Kleider tragen, die Schule besuchen und zur Kirche gehen einen Neger keineswegs in einen weißen Mann verwandelt“. Grant warnte, die gleiche Erfahrung werde man mit den polnischen Juden machen, deren „Zwergengestalt, eigentümliche Denkweise und rücksichtslose Einstellung auf ihre Sonderinteressen dem Stamm der Nation aufgepropft werden.“
Der Autor T.W. Ryback („Hitlers Bücher“)schreibt hierzu: „Grant lieferte seinen Lesern eine rassische Haltung, die es an Bösartigkeit und Virulenz mit allem aufnehmen konnte, was Hitler bei seinen Tutorien mit Ditrich Eckart erfahren oder selbst in den Münchner Bierkellern herausgebrüllt hatte.“
Was nun die Gewichtung von Grants Einfluß auf Hitler aufzeigt: Grant hatte einen Brief von Hitler (den er stolz verwahrte) erhalten, wo dieser sein Buch als „seine Bibel“ bezeichnete.
Und mich befremdet umso mehr: dass man sozusagen im Vertändnis eines Gegensatzpaares sozialisiert wurde, einem totalitären, rassistischen Deutschen Reich einerseits und einem „Land of the free“, nämlich der neuen toleranten Welt Amerikas andererseits. Was aber blieb in Übersee eigentlich bei genauerem Hinsehen vom Wahrheitsgehalt eines "Melting Pot" oder von der friedlichen Koexistenz der verschiedenen Einwanderer-Ethnien?
Denn die Pointe dieser Geschichte ist: Grant war keineswegs ein abseitiger Extremist oder entrückter Intellektueller, sondern ein erfolgreicher Yale- Jurist, von der amerikanischen Regierung beauftragt, die Einwandererquote festzulegen und Eugenikgesetze für Virginia und Kalifornien auszuarbeiten.

 

*(19.08.2011)/Zu Stauffenberg
Alle Jahre wieder im Juli bemüht man Stauffenberg, um eine zerstörte „deutsche“ Ehre wiederherzustellen. In Wahrheit ist seine  Gestalt aber mindest ambivalent zu behandeln, denn
Stauffenberg war in erstem Rang Hitlers Kämpfer, die Wandlung vom „Saulus zum Paulus“ setzte dann erst ein, als er eine Hand und sein halbes Augenlicht verloren hatte und Deutschland militärisch unverrückbar zum Scheitern verurteilt war. Glaubhafter wäre ein Widerstand zu Beginn der Machtergreifung gewesen.
Stauffenberg taugt auch daher heute so schwer zur Identifikation, weil er seinem Habitus nach geradezu als Synonym des erzaristokratisch-reaktionären preußischen Generals herhalten kann.
Stauffenberg hat weiterhin den Tod Unbeteiligter/Unschuldiger (Adjutanten usw.) in Kauf genommen, bzw. willentlich herbeigeführt. Wäre es nicht ehren- und heldenhafter gewesen, wenn er Hitler mit Pistole ins Angesicht getreten wäre, unter Opferung seiner Person?
Außerdem die politische Implikation: Wenn Deutschland 1944 von Stauffenberg oder anderen des Widerstandes geführt worden wäre, wäre es dann trotzdem nicht mehr als illusorisch zu glauben, irgendein Kriegsgegner Deutschlands wäre zu einem Separatfrieden  bereit gewesen ?(Man bedenke Winston Churchill: “Deutschland wird zu stark, wir müssen es vernichten!” So zu dem Militärfachmann und Industriellen General Robert L. Wood schon im November 1936. Und Churchill  bereits 1934 zu Heinrich Brüning:
Wenn Deutschland wirtschaftlich zu stark wird, muß es zerschlagen werden. Deutschland muß wieder besiegt werden und diesmal entgültig.”)
Und gar Stalin? Wie weit wohl wäre seine rote Armee marschiert, ohne Abwehrkampf im Osten? Bis Paris, bis zum Atlantik? Wer das Schicksal der ostpreußischen Zivilisten kennt, wird bei diesem Gedanken das Atmen einstellen. Und zu guter letzt dieser Einwurf, wie zur Untermauerung: Selbst nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 starben geschätzte 8,8 Millionen (schutzlose/rechtlose/entwaffnete) Deutsche einen gewaltsamen oder unnatürlichen Tod.

 

 


Diarium

 

*TAGEBUCH/(07.07.2010)/Das Gewittertierchen
Das gesamte addierte Wissen einer weltumspannenden Forscherelite und tausend ambitionierte Traktate dazugenommen und das noch einmal potenziert mit fabelhaften hunderten Supercomputern, planetenweit zu einem ultimativen Hyperrechner vernetzt, könnte nicht die Komplexizität eines einzigen winzigen Gewittertierchens hervorbringen.Und schon gar nicht das Prinzip der Belebung in diesen diffizilen Insektenapparat einhauchen- dergestalt, daß es in die Lage versetzt wäre, autark zu entscheiden, ob es den rechten oder den linken Weg vorbei an einer Bleistiftspitze nehmen mag.

(aber man wird durchaus sehen, wozu die Zukunft fähig ist...

*TAGEBUCH/(11.07.2010)/Der große rote Punkt
Der große rote Punkt ist das weithin durchs All sichtbare Fleckenauge des Jupiter. Was für uns als unabänderliche Struktur erkennbar wird, ist in Wahrheit ein riesiger wütender Wirbelsturm, der seit über drei Jahrhunderten über die endlos vasten Welten dieses Gasgiganten tobt.Giftig und rot von Phoshpor und Sulfit (so sagen die Theorien) dreht er sich mit vierhundert Kilometern in der Stunde um sein Zentrum und hat genug Durchmesser, daß unsere Erde zwei bis dreimal ganz hineinpassen würde. Diese Vorstellung mag einem den Atem nehmen.

Es prasselt an mein Fenster. Draußen herrschen noch angenehme Temperaturen um die acht Grad Celsius bei windigem Schauerwetter. Mein Hund gibt mir Zeichen,daß es wieder Zeit ist, einmal um den großen Acker zu streunen.Und so bin ich froher Dinge! Ein Regenschirm indes ist nicht in meinem Besitz. Vor längerer Zeit besaß ich aber mal einen. Nicht weiter schlimm, daß er verschwunden ist: Mit Überzeugung habe ich ihn sowieso nie bei mir getragen.

 

*TAGEBUCH/(13.07.2010)/Sie stirbt
Sie stirbt endlich an einem heißen Juliabend. Das Fenster steht weit geöffnet, wie passend zu einer volksfrommen Gewohnheit.Durch das Fliegengitter dringt die ganze Fotokalender-Szenerie eines perfekten Sommerabends. Auf dem Tisch rauscht laut ein großer Ventilator.
Wird er das Astrale verwirbeln und dort hinausbefördern? Oder wird dies anders passieren oder wird gar nichts oder ist es schon unwürdig, diese Gedanken zu hegen?
Aber alles scheint besser als das unendliche weiße Elend dieses nahen Todes.


*TAGEBUCH/(20.07.2010)/Stiche
Ich sagte: "Es ist immer so eine Sache mit diesen gespornten Einstech-Blumenvasen auf dem Friedhof, daß einen das Gefühl beschleichen kann, man würde am Grab zu arg den kleinen sakralen Erdhügel spicken und gar den Toten stören, weil man nach ihm sticht oder bohrt."
Darauf sie: "Er spürt es ja nicht, der Tote. Dafür liegt er ja zu tief!"
Ich: (in Gedanken)"...ach so, ja ja, na dann ...

 

*TAGEBUCH(29.7.2010)/Torero
Er hat sich mit zwei dicken Socken im Schritt drapiert und ist so auf´s Töten aus, in der Hauptsache für die Frauen, denen das so gefällt-eine durch und durch ölige Karikatur von einem Mann:Der Torero.
Katalonien hat heute glücklich und endlich den Stierkampf verboten und damit einen Fuß in Richtung Zivilisation gesetzt.Die Täter und Tatbeteiligten fürchten nun den Dominoeffekt für die anderen Provinzen, denn dies wäre das endgültige Ende ihres niederträchtigen Geschäftes. Der spanische König bedauert bereits, er bangt um den inspiratorischen Effekt auf die Künste (aber wohl eher um die verquere -und monetäre-Reputation). Ich spüre das ganz anders: Mir fehlen bereits beim Gedanken daran die Adjektive. Und ihnen dann endlich das Tier-Material. Sie könnten dann ja gegenseitig aufeinander losgehen-die Arenen wären bestimmt gut gefüllt.

 

*TAGEBUCH(06.08.2010)/Zeitbanditen
Zeitbanditen! Störet meine Kreise nicht! Wegen tempus fugit und tempora mutantur und carpe diem - et prime noctem! Und außerdem noch wegen labora - und ora und in meiner Alterstufe sowieso, und überhaupt: erst recht keine Zeit mehr für profanes Geschwätz.

 

*TAGEBUCH(02.08.2010)/Der Garten
Die offensichtliche Tatsache, daß es mit dem Garten und dem Gärtnern etwas Besonderes auf sich haben muß, dahingehend, daß man, wie von höherer Hand geführt, Stunden über Stunden darin verbringen möchte, um in ihn Gestalt hineinzugeben und einen sinnhaften Zusammenhang zu erschließen; und ähnlich wie beim Malen oder Komponieren dabei einer kaum ergründlichen höheren Gesetzmäßigkeit nachzugehen und eine Art von besonderer Erfüllung zu verspüren meint,dies ist wahrscheinlich selten treffender, eleganter und vertändiger in Worte gekleidet worden, als der deutsche Philosoph Hugo Fischer das vor einigen Jahrzehnten vermochte, so daß sich jede weitere sprachliche Näherung an diesen Sachverhalt als überflüssiges Unterfangen herausstellen muß. Denn er sagte:
"Gott erteilt den Zivilisationsauftrag, die Landschaft durch kultivierende Arbeit zu einem Garten Gottes, Wiege; Grab und verherrlichende Wohnstätte zu verwandeln. (...) Dieser Garten schlummert, bebt und erwacht im Zaubertraum eines unnennbaren Geheimnisses, des Atum, des Namenlosen (...). Der Garten des diesseitigen Lebens ist die Station auf dem Wege zum jenseitigen Sternengarten, der räumlich und zeitlich nicht mehr begrenzt ist."

 

*TAGEBUCH/(02.08.2010)/Die sehr großen Ferien
Passend zur Ferien-Jahreszeit erinnere ich
mich an eine der wenigen Hörspiel-Schallplatten meiner Kindheit. Sie trug den Titel "Zwei Jahre Ferien": Kinder waren auf einer einsamen Insel gestrandet und es war ihnen für die nächsten zwei Jahre nicht mehr möglich, eine Schule zu besuchen, stattdessen lebten sie in einer traumhaften Inselwelt voller spannender Abenteuer, bis sie schließlich zu Ende der Geschichte von Erwachsenen geortet und aus ihrem "Robinson Dasein" in ihren normalen Alltag zurückgeführt wurden. Eine Geschichte, die durchaus ihre Faszination auf mein Kinder-Dasein ausüben konnte und mich wohl auch für meine folgende Jugend zumindest im Unterbewußten mitgeprägt hat. Denn da wurde aus zwei Jahren plötzlich ein ganzes Jahrzehnt: Zehn Jahre verbrachten wir -meine Freunde und Ich- auf einem lustig-schlingernden Urlaubsschiff, und die einzige Abträglichkeit bestand darin, das Schroffe und das Scharfe einiger Alltagsklippen zu umschiffen, oder noch besser, diese mit einiger Geschicklichkeit erst gar nicht zu sichten.
So verging die Abenteuerzeit wie im Fluge und was ist in der Retrospektive schon eine Dekade? Und wenn man mich heute in diesen Dingen zu Rate ziehen würde: so würde ich das alles genau oder ähnlich weiterempfehlen.


 

*TAGEBUCH(10.08.2010)/Truman
Daß die US-Regierung sich von offizieller Seite auch noch 65 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, bei dem schätzungsweise 80.000 Menschenleben ausgelöscht wurden, nicht entschuldigen mag, ist ohne jeden Zweifel ein denkwürdiger wie skandalöser Vorgang. Wenn diese Entschuldigung von Regierungsseite also weiterhin ausbleibt,sollte vielleicht eine private amerikanische Initiative mit gutem Beispiel vorangehen. Mein Vorschlag hierzu: Die Nachkommen des Präsidenten Harry S.Truman könnten sich doch für die Champagnerlaune entschuldigen, in der ihr werter Vorfahre im Kreise seiner Generäle einen besten Tropfen kredenzte, als er an Bord des Kreuzers "USS Augusta", im Mittelatlantik gen Heimat schippernd, vom Gelingen dieser epochalen Operation unterrichtet wurde.Truman befand sich übrigens gerade auf dem Rückweg von der Potsdamer Konferenz. So fügt sich nahtlos das Eine zum Anderen.

 

*Tagebuch (04.09.2010)/Yang in der Garage
Wird man jemals erfahren, wieviele Angehörige des männlichen Geschlechts einen Großteil ihres täglichen Daseins in Garagen und Kellerräumen zu fristen haben? Wieviele von ihnen gebeugten Hauptes,einst vom Zentrum der Wohnstatt verdrängt, in diese kargen und kalten Räume gezogen sind, die bisher kein Sonnenstrahl erreicht hat, um dort ihren verschiedenen Leidenschaften zu frönen? Schiksalsergeben dann irgendwann, mit gesenkten Blick, haben sie sich dort ihr letzes armes Refugium errichtet. Im Vorfeld haben sie schon nachgegeben, in weiser Vorraussicht kommendenen Ungemaches, oder sie waren unterlegen, nach langen und zermürbenden Kämpfen. Ehedem Hoffnungsvolles und Unbeschwertes liegt nun unter Depression und Sedativa begraben, doch bleibt man immer unerfüllt und voller nagender Trauer.
Man (besser: Frau) hat sie in diese Lage gebracht, da nach ihrer Ansicht diese männlichen Berufungen doch in der Hauptsache nicht viel mehr als Schmutz und Unrat oder Lärm verursachen können,höchstens noch übermäßige Kosten zum penibel beäugten Haushalt beisteuern.
Sie hat sich indes zum Herrscher über die Wohnstatt aufgeschwungen, unbemerkt erst, wie einem inneren unausweichlichen Plan folgend. Wer würde es nun noch wagen, diese festen Absichten zu durchkreuzen? (Aber was will sie eigentlich? Das Nichts? Was bleibt denn nach dieser Substraktion?)
Also mein Widerspruch hier! Ist man doch mindestens seit Konfuzius der Meinung, daß das Männliche viel mehr das luftige, nach oben drängende Element repräsentiert, das mit stetiger Tätigkeit in nach vorne und oben strebender Bewegung begriffen sein will, sei es mit seinem Geist oder mit der Hand. Hieraus muß mein Aufruf an alle Betroffenen erfolgen: Beginnt Euch auf diese Bestimmungen zu besinnen,ihr euren Rechten Enthobenen! Entwindet Euch nun also aus dieser pragmatischen Tyrannis des Weibes, erhebt euch über deren unterschwellig matriacharlich- utilitaritisches Diktat!
Hebt Euch empor zum höchsten Stock, direkt zum Licht, zum Ausblick unter dem Glasdach! Zur Sonne! Zum Himmel! Zu den Wolken und den Sternen mit den Augen und den Gedanken! Es geht um nicht weniger als um eure Befreiung zur Bestimmung am angestammten ewigen Platz.

 

*Tagebuch (04.09.2010)/Hasen
Auch wenn wir vermeintlich noch so viel beschäftigt sind und vollbracht haben und obendrein noch so vieles hinzulegen können und dazuzulernen meinen: Ist dies doch alles nicht mehr als das Schaukeln eines Hasen an einer Schnur? Den man so aufgehängt und geöffnet hat zum Ausbluten?

 

*Tagebuch (10.09.2010)/Sterne
Das hat sich nun in einer klaren Halbmond-Nacht gezeigt, daß ich noch immer ein ganz blutiger Teleskop-Anfänger bin. Vor allem habe ich bisher dies gelernt:Die Himmelsbeobachtung ist keine leicht zu entwirrende Angelegenheit! Aber Jupiter wenigstens war immer "vor Ort", stand immer gleißend hell am Himmel und rückte zur rechten Nachtzeit fast in den Mittelpunkt.Von dort aus schwenkte ich -eher ungeplant- meine Optik zum hellen Band der Milchstrasse, die sich in riesigem Bogen von Horizont zu Horizont über den Himmel spannte.Dort verlor ich mich schnell in endlosen Feldern, die vollgespickt waren mit tausend funkelnden Stecknadelköpfen. Und doch zog mich plötzlich etwas in den Bann, was noch viel mehr Aufsehen erregen konnte: Verschwenderische Sternengebiete lagen unvermittelt vor meinem Auge, als hätte man Juwelenschatullen in den Himmel gekippt. Sie lagen dort verstreut wie glitzernde Ortschaften, vom Flugzeug aus betrachtet, in dunklen Stoff gebettet-noch eher war es flüssigschwarze Samtmilch,die dazu eine tiefglatte Sternennachtkulisse bildete. Und unvollkommen ist auch der Vergleich mit Juwelen, denn die Sterne waren ein jeder für sich um Lichtjahre schöner und funkelnder als alles andere und irdische. Ich spürte wegen einer gewissen Aufregung das Kühle und Klamme der späten Nacht gar nicht mehr.Ich wähnte mich dort in der Nähe und war ja doch fest am Boden. Doch gleichzeitig erhoben und inspiriert! Und ich legte mich bald-der Morgen zog ja nun schnell herauf-zufrieden zum Schlafen. Und war dort.

 

*Tagebuch (01.10.2010)/Hundetrost
Mein Schäferhund wird alt, das läßt sich nun in seinem elften Lebensjahr nicht mehr gut verleugnen. Und seine linke Hinterhand versteift zusehends. War es nicht der Engländer Lord Byron, der meinte, daß ein Mensch, der Hunde liebt, sich besser keinen zulegen sollte?
Einmal um den großen Acker herumlaufen,das will er nach wie vor und das meistert er auch noch ganz souverän (Die endlosen Exkursionen zu Fuß und am Rad sind lange Geschichte!).
Und wenn am Wochenende nicht gerade die dickbäuchigen, weißhaarigen Männer mit ihren Millionärs-Jeeps und fremden Nummernschildern ihre Jagdpachten abfahren, bewegt er sich dort immer frei. Und dann- kommt ihm erst einmal etwas interesantes in die Nase-schafft er es wie eh und je, sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde zu benehmen, etwa wenn er sich vor einem Spaziergänger, der ihm eigentlich längst bekannt sein sollte, in übermäßig dominanter Art und Weise aufbaut. Nach wie vor sind es aber die Katzen, die ihn in höchste Erregung versetzen können und in seiner Rage möchte es dann scheinen, als hätte er sich im Affekt um sieben Jahre verjüngt. Wenn seinem Jagdtrieb da nicht meistens ein plötzlicher Gliederschmerz eine Grenze ziehen würde!
Zwangsläufig habe ich seit gewisser Zeit das Ende dieses guten Freundes vor Auge. Und so enstand mein großer Hundetrost, ein Bild, das schon länger eingeübt, daher nicht mehr gar so sentimental, eher schon sachlich und quasi tränenfrei daherkommt:
Ganz zu guter Letzt, dann wenn auch das eigene Ableben ansteht, wenn man also durch die berühmte Lichtröhre fährt und dort (vermutlich)von Freunden und Verwandten in Empfang genommen wird, dann fällt mir plötzlich auf:jemand löst sich aus diesem noch entfernten Pulk und rennt mit freudigster Erregung auf mich zu, ein Vierbeiner ist es, mein geliebter Hund! Weil er der beste - und natürlich der schnellste-ist, hat er mich zuerst erkannt und ist am ehesten bei meiner Seite.
Reunion,mein großer Freund!

 

*Tagebuch (02.10.2010)/Behördentristesse
Es gibt Erledigungen, die man nicht grundlos vor sich herschiebt. In folgendem Fall tat ich dies genau ein ganzes Jahr lang.
Ich möchte diesen Nachmittag "Ausflug in die Tristesse" nennen:
Und da bestehe ich zumindest auf einen Wochentag wie Dienstag oder Mittwoch, 13-14 Uhr muß es sein, und unbedingt muß es dauer-nieselregnen. Das sind die Rahmenbedingungen, wenn man - weil nun endlich ernsthafte Sanktionen drohen- letzlich zu einer Kreisverwaltung muß, um seinen PKW an- oder umzumelden. Und was gehört noch weiter zu diesem gelungenen Tag? Natürlich ein schwerst -auffindbarer Behördenparkplatz, bei dem man nur ganz wenige Chancen hat, wegen dieser verqueren Verkehrsführung die richtige Einfahrt zu nehmen und-weil man sie verpaßt hat- kilometerweit,ohne jede Möglichkeit zu wenden, natürlich vom nachfolgenden Verkehr gnadenlos nach vorne getrieben, zum Ortausgang dieses ungeliebten Mittelzentrums geschoben wird, ein Ort, den man aus freien Stücken mit Sicherheit nie aufgesucht hätte und ab nun erst recht nie wieder aufsuchen wird.Auderdem muß dieses seltsame,ja liderliche Fahrzeugschildermacher-Häuschen anvisiert werden. Niemals darf dieses in der Behörde selber angesiedelt sein, sondern viel eher in einer Ecke auf der anderen Seite des besagten Parkplatzes,hierfür wird es mit Sicherheit einen triftigen amtlich/verwaltungsrechtlichen Grund geben!Und diese winzige Bretterbude bringt dennoch den ganzen unvergleichlichen Charme einer kompletten KFZ Werkstatt hervor. Natürlich muß dort an einer schmuddeligen Wand eine schmuddelige Kaffeemaschine stehen,(für die ärgerlichen Wartezeiten), dazu noch braucht es eine Person mit der Eloquenz in der Art eines Bananenverkäufers für Jahrmärkte, genauer gesagt ist es eine gesottene weibliche Einzelkämpferin, die weiß, wie man kumpanenhaft mit der (männlichen) Klientel umzugehen hat:("...Klar, Männer, ja Männer, wir machen das, Männer")...,das hat etwas von Rasttätten-Trucker Atmosphäre und verpatzen Lebensläufen, und leidlicher Kompensation durch schwindelerregenden Zigarettenkonsum. Mit gepreßten neuen Nummernschildern muß man dann wieder zurück zur Behörde laufen(wo war da jetzt nochmal der Eingang? Warum bin ich zum Teufel in der Tiefgarage? da war doch vorhin keine!), um die weiteren Amtshandlungen abzuwarten.Gerade aber das Warten kann zu einem solchem Leerlauf des Geistes führen, daß selbiger aus der puren Langeweile heraus geneigt ist, sich gegen sich selbst zu richten, um sich in vollkommen überflüssigen, ja quälerischen Selbszweifeln zu ergehen, befeuert noch durch eine schlecht bis falsch reflektierende Behördenglastür, in der die eigene äußere Gestalt minutiös eine groteskere Erscheinung annimmt, bzw. die desolate innere Verfassung wiederzuspiegeln scheint.Und dies alles nur wegen einem lächerlichen Nummernschild!
Tatsächlich gibt es nur genau zwei Möglichkeiten, dieser ganzen Malesse zu enkommen:
1.Man ist weiblichen Geschlechtes; aus hier nicht weiter verifizierbaren Gründen muß eine Frau definitiv niemals ein Auto an-oder ummelden.
2. Oder man ist so prominent, daß man sich einen Lakaien halten kann, der diese Arbeiten für einen erledigt.
In meinem Fall hingegen bleibt wohl nur das Schriftprivileg für zweifelhafte Anekdoten.

 

*Tagebuch (05.10.2010)/Stuttgart 21
Man kann es schon ganz lange nicht mehr mit anhören, wie Medien und Prostestkomitees die Auseinandersetzung um einen Bahnhof-Abriß tagein tagaus hochstilisieren, als ginge es um den manichäischen Kampf des Guten gegen die Mächte der Finsternis. Dabei wird hier doch nur das exekutiert, was nach 15 Jahren Genehmigungsverfahren und parlamentarischen Vorläufen legitimiert und bis ins Detail verifiziert worden ist. Mir will scheinen, als käme man mit gesundem Verstand nicht umhin,dieses Prozedere einen lupenrein demokratischen Vorgang zu nennen. Wer nun aber die persönlichen Schmerzen, einer demokratischen Minderheit anzugehören, nicht aushalten mag, scheint mir nicht reif für diese Staatsform oder neigt von vorneherein eher zum Totalitären.
Dabei liegt es doch klar auf der Hand:
Glaubhaft anderer Meinung zu sein,hätte sich jeder früher überlegen müssen. Wo war der Protest während der letzen 15 Jahre, also seit der Zeit, als Abriß und Neubau zu Beschlußkraft kamen? Nun plöztlich auf der Idee herumzureiten, "dagegen zu sein", hat den Geruch (oder das Geschmäckle) von purer Agitation und allgemeiner Lust auf Strasse und Opposition.Und das Ganze nimmt immer skurillere Formen an. Menschen veranstalten Montagsdemos, als ginge es um ihr Wohl oder Wehe,Bürger im verantwortlichen Alter, respektive Lehrer, entblöden sich nicht, ihre naiven Schüler in die allerersten Protestreihen vor die Wasserwerfer zu schieben...Grandios!
Man übt sich in Nostalgie und scheint von seeligen Anti-AKW Zeiten, oder besser noch von Brokdorf-Demos oder ähnlichen Wochenendaktivitäten zu träumen(Brokdorf ist dann eher die Variante für die adoleszent- Gewaltbereiten und die verhärteten Ideologen:"wo geht es zum Bauzaun, Leute?").Aber das alles ist vor allem Ausdruck der Verlogenheit der sich ach so gerne demokratisch gebenden Initativen und Parteien, die diesen Streit laufend künstlich befeuern müssen,-es geht letzlich gar nicht um den Bahnhof- weil es sie dem eigentliche Ziel näherbringt, zu den baden-würtembergischen Landtagswahlen im kommenden Früjahr die dort eingesessene, hartnäckig-konservative Hochburg zu schleifen. Welch ein Lehrstück also in Populismus! Der süffisant verschmitzte Ausdruck, mit dem Linke und Grünenpolitiker von Polizeigewalt und schützenswerten Parkanlagen schwadronieren, offenbart, daß es-frei nach Joschka Fischer- eben nicht um Bäume, sondern alleine um Macht und Pfründe geht. Grüne entdecken plötzlich sogar ihr Herz für die Kriegsgeneration, der man keine weitere Vernichtung von Bausubstanz zumuten möchte (wegen dem Bombentrauma). Wie verlogen das von einer Partei daherkommt, die bisher alles dafür getan hat, die Belange eben dieser Generation mit Füßen zu treten!
Also stop!(nicht Baustop, sondern Agitprop-Stop!)Das alles ist unredlich und unerträglich! Hier mein Rat an die (bis dato noch)Regierenden: Bitte konkrete Veranlassung des schnellstmöglichen Abrisses des anachronistischen Sack(!)Bahnhof-Klotzes. Illegitime Strassen-Agitation unterbinden.Darauf medial aufbereitete(schwierig-da Medien nach wie vor fest in linksliberaler Hand)Blitz-Aufforstung adretter Parkbäume.Dann Schaffung supermoderner Möglichkeiten von Mobilität und zugkräftiger noch:von Konsum. Mit Glasaufzügen muß es hinab gehen in unterirdische Einkaufs-Welten , so hat man die konsum- und fortschrittsvernarrte Jugend schon schnell auf seiner Seite!Aber was ist mit der Renitenz der pseudoelitären Post-Achtundsechziger Großtadtschickeria?(nebenbei: die interessiert sich definitiv für alles, nur nicht für Bäume!)
Das weiß der Henker.

 

*Tagebuch(07.10.2010)/Vermächtnisse
Er hatte es schlicht und einfach nicht vermocht, eine Persönlichkeit auszubilden, geschweige denn sie zur Entfaltung zu bringen. Was nicht unschwer an der völligen Weiße seiner Zimmerwände abzulesen war. Dort hing nämlich kein einziges Foto, kein Ausblick in Vergangenes und für eine Zukunft indes war es längst schon zu spät. Und bald wird selbst sein karges Jetzt getilgt sein.
Aber man hat auch ganz andere gehen gesehen:Betuchte und Beliebte. Bei ihnen war schlußendlich Besitz wie Reputation zusehends zusammengeschmolzen.Was blieb war ein abgewetzter Spazierstock oder eine unnütze Handtasche mit nichts darin als zerknüllten Papiertaschentüchern und ein paar hineingeschmolzenen Bonbons der vorigen Jahre. Ganz am Schluß läßt sich das so schnell in eine letze Ecke platzieren. Und selbst dort stört dieses terminale Ensemble jede noch so bescheidene Ästhetik. Aber es steht ja nur kurz dort bereit, zur Abholung, will sagen-zur Entsorgung.

 

*Tagebuch(08.10.2010)/Maßlosigkeit
Vorrausgegangen ist die Meldung, daß im kommenden Jahr die Gehälter der Ärzte abermals angehoben werden sollen, damit aber längst noch nicht das Ziel ihrer Lohnforderungen erreicht ist. (Da war doch mal was mit den Piloten!?)
Mein Kommentar hierzu:Die Ärzteschaft ist einfach maßlos.Natürlich steht sie mit dieser Haltung bei weitem nicht alleine. Aber sie hat es besonders gut vermocht, die alten Pfründe, die wohl noch aus den mittelalterlichen Gildebestimmungen herrühren mögen, in die heutige Zeit hinüberzuretten.Das gewünschte Mehr-Geld soll über erhöhte Krankenkassenbeiträge beschafft werden.Auf´s Schröpfen haben sich die Ärzte eben schon immer gut verstanden!Ich habe insoweit Vertändnis: Flugbenzin für Privatjets (welch schönes Klischee; wie alle Klischees mit wahrem Kern), aufwendige Reisen oder einfach nur die Unterhaltung eines ambitionierten Besitzstandes schlagen recht teuer zu Buche.So weit so gut.
Aber dies ohne jede Scham auf dem Rücken der eh schon unter Last ächzenden "Normalbürger" auszuagieren, muß zwangsläufig Gegenwehr hervorrufen:
Daher meine dringende Empfehlung,dabei das allerbeste,zudem naheliegendste Rezept!: Boykottiert sie doch!, verweigert den Herren in Weiß die Gefolgschaft:Werdet einfach nicht mehr krank!

 

*Tagebuch(06.11.2010)/Reinigung
Habe vor einem guten Jahr Besitz erworben. Ein großes Haus mit noch größerem Garten.Habe bis dato zwei richtige Reinigungsaktionen hinter mich gebracht.Zum einen habe ich das unangenehme Andenken an die formale Abwicklung des Kaufes hinter mir gelassen,als sich Instanzen wie etwa Notare und Finanzkassen zu involvieren meinten. Diverse blutsaugende Spezies und Institutionen, die ihr Auskommen dadurch erlangen, daß sie Unbescholtenen den Lebensaft auspressen.
Zum zweiten habe ich dort hinter dem Haus,wo vor meiner Zeit ein Zaun den Garten mittendurch trennte und die Erde übersäht war mit Glascherben und Plastikschrott, einen Kräutergarten enstehen lassen. Vorbild soll ein Mittelding aus englichem Garten und Klostergarten sein.
Und wohltuend ist Hygiene für Seele und Leib.

 

*TAGEBUCH(10.11.2010)/Pastell-Paradies
"Drinking Lemonade Shandy, there` s nothing here to do me harm, I`am like a fish out of water, down here at the farm."
Nicht abwegig, dieser Ausspruch, für den alten Punk-Recken Charlie Harper, der in diesem Song dazu verdammt war,das ungewohnte Landleben zu genießen, für einen unbewußten Städter ohne Augen und Sinne für das Eigentliche mußte das tatsächlich einer harten Strafe gleichkommen.
Diese Zeilen kamen mir aber spontan in den Sinn, als ich mal wieder einen -diesesmal recht ausführlich geratenen- Jenseitsbericht gelesen hatte. Wie schon von solchen Erzählungen gewohnt, erschien dort einfach alles, das gesamte Land wie auch seine Bewohner, in endlos harmonischen Pastelltönen. Nie ging dort die Sonne unter und man wandelte-na klar!- zwischen diversen Hallen des Lebens und Bibliotheken voller Weisheit umher.Hier und da fand man-was wohl noch?- eine vereinzelte Pyramide und ab und an konnte man dort einem Ägypter oder Assyrer oder zumindest einem beflissenen Chaldäer begegnen.
Aber ist dies alles etwa viel mehr als ein grober Unfug? Wie soll nur eine dröge Dauersonne jemals die Mystik und Erhabenheit einer Dämmerung mit fernem rotem Horizont und schwebenden dunklen Wolkenfetzen ersetzen, geschweige denn übertreffen? Das ständige Licht muß ja schmerzen! Und überhaupt: Immer diese hierarchische Schichtung von Licht- und Erkenntnisebenen und dem Wunsch nach Weiter-und Höherkommen (hört das denn nie auf?);und natürlich gibt es dort keine Hölle, nur die eigene, selbst geschaffene, die einen im Schmutz einer Jenseits-Unterstadt herumkriechen läßt. Aber wer bestimmt das, ohne Gericht? Und ganz über allem die wallenden Gewänder, die zutiefst erhabenen Gestalten.
Nun...
entweder bringen die medial Begabten, die uns diese Berichte zutragen, künftig etwas mehr Phantasie und Hingabe für diese letzen unbekannten Welten auf, oder ich werde mir dort einst selber den Zutritt verweigern!

 

*TAGEBUCH(13.12.2010)/Gespenster
Mir ist die letze Zeit wiederholt das Wort von der "Gespensterdebatte" begegnet, und zwar im Zusammenhang mit Erwägungen, die Fragestellungen oder Details bezüglich der jüngeren deutschen Vergangenheit als fruchtlos und obsolet zu erklären versuchen.Dies betrifft gerade die Untersuchungen zu politisch-kausalen Fakten wegen des Vorlaufs zu beiden Weltkriegen oder auch den Kontext von deutschen Schadens-oder Opferbilanzen.Ich finde diese Etikettierung aber mehr als befremdlich, denn niemand würde es wagen, historische Details, die etwa deutsche Verantwortung oder Schuld herausarbeiten, als obsolet, fruchtlos oder überflüssig zu bezeichnen, im Gegenteil werden diese Untersuchungen nicht nur mit höchster Akribie verfolgt und dokumentiert und mit besonderer gesellschaftlicher(?) und politischer Beachtung und Zustimmung begleitet, sondern schließlich auch bevorzugt gewürdigt und entsprechend alimentiert. Für das hiesige Land aber und seine eigenen Verwundungen hat alles nebulös und unangestastet, sprich geisterhaft zu bleiben. So geht hier wohl wirklich ein Gespensterzug um, nämlich ein riesiger, angsteinflößender Troß der Unkenntlichen, die einst durch die unbeschreiblichsten Arten zu Tode gekommen waren. Nie hat man diese Umstände nachhaltig aufgeklärt und bei weitem schon gar keinem Täter die Schuld zugesprochen, bis heute hat man ihnen kein offizielles Andenken zugestanden, somit die letze Ruhe verwehrt. Würde man ihnen endlich die nötige Pietät und Würde zukommen lassen,dann würde auch das Gespenstische in diesem Land bald weniger werden. Denn unmenschliche posthume Aberkennung der elementaren Rechte produziert Böses, Kaltes, Ungreifbares,aus dem Ruheloses, Untotes aufsteigt.

 

*TAGEBUCH (11.12.2010)/Die Uhr
Ich hatte vor einigen Tagen den Zulauf an meiner Spüle verändert. Es war dann an einem Donnerstag Nachmittag, als ich vermutete,dort in der Ecke der Küche ein tropfendes Geräusch zu hören. Aber bald merkte ich, daß es meine Uhr oben auf dem Regal war, die gerade zu ticken begonnen hatte.Das aber war mehr als überraschend, da sie bereits seit einem ganzen Jahr stillgestanden hatte. Trotz Batterietausch war sie damals einfach nicht mehr weitergelaufen. Und nun fing sie nach all dieser Zeit von ganz alleine wieder an. Als ich also meinen Blick hoch zum Zifferblatt lenkte, kam mir unvermittelt ein einziger Gedanke: Die Uhr zeigt die richtige Zeit! Also schaute ich direkt im Nebenzimmer auf meiner "richtigen" Uhr nach.Und so verblüffend, so sehr unwahrscheinlich dies auch immer sein müßte, so war es doch-wegen der Gewissheit des Gefühls- keine wirkliche Überraschung mehr: Es war 16:50, die Uhr zeigte exakt die gleiche Zeit wie die Uhr in der Küche.
Ein Jahr hatte diese stillgestanden, um nun von alleine auf die Minute korrekt weiterzulaufen.
Das macht nachdenklich! Mittlerweile,mit einigen Tagen Abstand, ist sie übrigens wieder stehengeblieben,ich erwäge aber durchaus höhere Zusammenhänge und werde in dieser Sache wachsam bleiben.

 

*TAGEBUCH(12.12.1010)/Vorweihnachten
Während ich mir gemäß der Jahreszeit Stück für Stück einen angeblich "traditionsreichen" und "hochwertigen" Christstollen einverleibe, - der zu einem guten Teil aus gehärteten Fetten besteht, die letzlich die menschliche zellulare Struktur zertören und daher bereits in einigen Ländern verboten sind- komme ich doch über das Weihnachtsfest allgemein und insbesondere über den allgegenwärtigen Weihnachtschmuck ins Grübeln:
Und da beobachte ich:Die Dekoration an den Häusern wird wohl Jahr für Jahr spektakulärer.Ich könnte mir vorstellen, daß es einigen eine klammheimliche Freude bereiten würde, dicken aufgeblasenen Gummiweihnachtsmännern, die zunehmend dreist von Fenstersimsen und Vorgärten grüßen, die Luft aus dem Wanst zu lassen. Doch noch eher sticht mir dieses Jahr die Art der Weihnachtsbeleuchtungen ins Auge.Mir fallen Tannenbäume aller Größen auf, die nicht wie gewohnt in statischer Weise leuchten, sondern in gewissen Intervallen oder reihum in verschiedenen Farben vor sich hinblinken. Sie sehen genaugenommen eigentlich gar nicht mehr aus wie Weihnachtsbäume, eher wie kleine Raketen oder Weltraumstationen.
Und von den Plakaten in den Strassen und Geschäften schauen mich dauernd charmante wie leichtbekleidete Damen in Weihnachtsmann-Farben und mit eindeutigem Aufforderungscharakter an.
Also reduziert sich das alles auf "Weltall und Sexus".
Mir scheint, als wäre die Ausprägung des alten christlichen Weihnachten auf dem Rückmarsch: Zu still, zu bieder, zu langweilig.Stattdessen Rückkehr zu vorabrahamitsch- vitalistischer Religiösität (der linke Pfad!) und altgnostischer Sehnsucht nach Heimkehr in die höheren Sphären des Alls.

 

 

*TAGEBUCH(06.01.2011)/Irrtum
Das hatten sich verschiedene europäische Rechtsparteien so einfach wie angenehm vorgestellt, daß man eine Reise tut, in diesem Fall nach Israel, um dort europäische Solidarität zu bekunden, im Kampf gegen die radikalen, arabischen, islamistischen Kräfte.
Doch nicht nur, daß dieser Urlaubstrip mit Rambo-Weste und Stacheldraht-Sightseeing ("dort schau im Fernglas, da hinten,das muß der Gaza-Streifen sein!") in Hinsicht auf menschenrechtliche Konventionen auf höchst töneren Füßen steht,(und das ist noch sehr blumig umschrieben), dieser naßforsche Versuch einer lange angestrebten Reinwaschung vom ewigen bösen Hitlerismusverdacht offenbart zudem eine höchst mangelhafte Kenntnis der alten biblischen Schrift, denn sonst hätte man im Bewußtsein um den ewigen (Halb-)Bruderzwist zwischen Isaak und Ismael dessen asymetrisch globalisierte Kampflinie nicht mit der Front zwischen fundamentalem Nahost- Abrahamismus und säkular- -humanistischer Denkweise des Westens verwechselt.

Nachsatz:Und weil Herr Strache von der FPÖ keine Kippa trug, sondern eine österreichische Hinterkopfbedeckung in den Korporationsfarben seiner Burschenschaft "Vandalia"(!), sprach der gleichzeitige Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und der B´nai-B`rith-Loge, Ariel Muzicant, prompt davon, daß ihm "kotzübel" geworden sei wegen der Entweihung von Yad Vashem. So prompt, die Herren, folgt Jahwes berüchtigter Zorn auf den Fuß!

 

*TAGEBUCH(08.01.2011)/Bestmöglich
Lieber sein Dasein im bestmöglichen aller Gulags fristen, in einer Art Freilauf mit Blick auf das Himmelblaue und reeller Überlebenschance, als in lichtloser Gruft bereits schon sein Ende einzuläuten. Auch besser in einem sicheren wie komfortablen Hamsterrad zu rennen, als mit gebrechlichen Beinen am Käfigboden ausharren zu müssen. So unterliegt man zumindest der Illusion, man könne etwas bewegen! Freiheit freilich sieht ganz anders aus und ist ohnehin unerreichbar -- mindestens so unerreichbar wie das Blaue des Himmels.

 

*TAGEBUCH(12.01.2011)/Beständigkeit/Winter
Die Ringe des Saturn bestehen zum allergrößten Teil aus reinem Wassereis und sind wegen ihrer großen Sonnenferne so masssiv und stabil wie Gesteinsformationen. Daher bleiben Strukturen dort im Eis für Milliarden von Jahren (!) unveränderlich. Das nenne ich Beständigkeit, das nenne ich Winter. Was sind wir schon im vergangenen Dezember, den wir bereits als unangenehm arktisch empfunden haben, so unbeholfen durch den Schnee gestolpert, was haben wir da schon unter seiner großen Kälte geächzt.
Der Mensch ist durch und durch eine Memme.

 

*TAGEBUCH(08.02.2011)/Reisesucht
2010 war ja das Jahr der verordneten Stillstände auf Bahnhöfen und Flughäfen, letzere medial noch stärker in Szene gesetzt und Emphatie mit den Gestrandeten einfordernd. Erst war es ein isländischer Vulkan, der die Beweglichkeiten hemmte und dann ausgerechnet am Jahresende zu Weihnachten (eigentlich das Fest der Einkehr), wo sich Menschenmassen aufgefordert fühlten, kreuz und quer um die Welt zu hetzen, legte der strenge Frost ohne Nachsicht für solche kleinlichen Belange die Triebwerke aller Flugzeuge lahm.
Da mir erst neulich und passend eine kurze Einlassung Schopenhauers über die Reiselust-oder besser: "Sucht" in die Hände viel, trete ich gerne einen Meter zurück und erspare mir eigene Worte, zumal der Sachverhalt vortrefflicher kaum auf den Punkt zu bringen wäre: Schopenhauer also nennt es die "Reisesucht" und sagt:
"Die Menschen bedürfen der Tätigkeit nach Außen, weil sie keine nach innen haben.Wo hingegen diese stattfindet, ist jene vielmehr eine sehr ungelegene, ja oft verwünschte Störung oder Abhaltung.Aus dem ersteren ist auch die Ratlosigkeit und zwecklose Reisesucht der Unbeschäftigten zu erklären. Was sie so durch die Länder jagt, ist die selbe Langeweile, welche zu Hause sie haufenweise zusammentreibt und zusammendrängt, daß es ein Spaß ist, es anzusehen."

 

*TAGEBUCH(02.02.2011)/Nachrichtensprecherin
Da lamentierte die Nachrichtensprecherin nicht ohne Erregung im Unterton vom Freiheitswillen der unterdrückten Massen und der Art der Revolution in Tunis und wann wohl die anderen arabischen Länder damit an der Reihe wären und die Redaktion zeigte dazu Bilder, wo die Villen der Reichen schon gestürmt und verwüstet dalagen und das Establisment zum Teufel gejagt worden war; aber was sie selbst betrifft-darauf dann, nach getaner Arbeit -da doch selber zum Establishment gehörend(das nebenbei gesagt stets supranational wie sozialistisch agiert)-stieg sie,- so ist zumindest nicht auszuschließen- nach dem adrettem Nachrichten-Ablesen in einen Privatjet ihres reichen Ehegatten, weswegen sie wohl schon während der Sendezeit dauerhaft gute Laune ausstrahlte, um wie nebenbei dann mitten im Januar entlegene warme Wellnessplätze aufzusuchen, gleichzeitig in Ermangelung an Vorstellungsvermögen außer Acht lassend, daß sie ein staunendes Volk im winterkalten Land hinter sich ließ, selbst der Mittelstand nur partiell seine Behausungen heizend und wegen der eklatanten Heizölpreise also die Pullover übereinanderschichtend dem Frühling harrte und hie und da nicht ohne Neid oder gar Zorn nach den Villen der Superreichen im eigenen Land schielte, fragend, wann denn diese wohl zur Stürmung bereitgegeben wären.

 

*Tagebuch(04.02.2011)/Dioxinskandal
Wegen den Funden von Dioxin im Tierfutter:
Mit Massentierhaltung und Fleischindustrie verbinde ich assoziativ fabrikartige Bunker und Hallen, stinkende Silos mit Kunstfutter voller Chemie,industrielle Abfertigung hinter Eisengattern, Schmerzen, Gestank und Schmutz, fehlender Auslauf ohne Tageslicht, Angst, Blut und Fließbänder, Abfall, Gedärme, Leichengeruch, Fäulnis, Schlote und Maschinen, dann Rationalisierung, Effizienz, Betrug, Falschdeklaration, Profitmaximierung um jeden Preis...und nirgends im Ansatz kann irgendwo etwas positives keimen.Warum um alles in der Welt also sollte dort kein Platz für Giftstoffe sein, die man unter dem Sammelnamen "Dioxine" subsumiert?

 

*Tagebuch(04.03.2011)/Christchurch
Wieviele religiöse Lieder mögen es sein, die mit Zeilen ähnlich wie:"Heiland, deine Menschenliebe war die Quelle deiner Triebe,die dein treues Herz bewogen,
dich in unser Fleisch gezogen,"
gerade die Güte Gottes(oder des Menschensohnes- was nicht ganz das gleiche ist-)in den Mittelpunkt stellen möchten.
Meine aktuelle Frage aber hierzu: Galt diese Güte denn auch für den neuseeländischen Ort Christchurch, wo unlängst ein grosses Erdbeben stattfand, mit mindestens 65 Toten und 200 Vermißten und anderen Verheerungen? Ich muß sogleich auch an das Beben von 1997 in Assisi, Italien, denken, wo Geistliche in der berühmten Basilika, -einst zu Ehren Gottes erbaut- während ihrer akribisch- gottergebenen Restaurierungsarbeiten von der einstürzenden Kuppel getötet wurden.
So drängt es ja doch immer wieder zum gleichen Problem der Theodizee: Warum erschlägt Gott seine eigenen (zudem ergebensten) Kinder oder eine Stadt, die sich ihren Namen zu seinen Ehren gegeben hat? So Gott doch als unendlich allmächtig wie gütig beschrieben wird? Warum nur sollte er dies alles tun, zumal es für ihn das allerleichteste wäre, dieses unnütze Zerstören und Sterben mit einem Fingerschlag abzuwenden?(Weil der Mensch sich im Leid mit (und wie) Jesus als Gekreuzigten von Gott geliebt erfahren soll- oder gar darf-, wie von Frau Käßmann zu vernehmen war? Ein seltsamer Masochismus. Und warum hätte Gott das nötig?)Nein, man kann hundert Bibliotheken mit Abhandlungen über dieses Thema füllen, an diesem Punkt scheitern sowieso alle Erklärungen, vom Kirchenlaien bis zum gebildeten Theologen findet man keine echten Antworten.Nur Vages, Hilfloses, das Problem Verlagerndes.Es gibt schlicht keinerlei Lösungsmöglichkeit für dieses allerschwerste Problem und zurückbleibt immer nur der mehr als berechtigte Zweifel an der inneren Logik und Wahrheit "unseres" grundschulvermittelten antrophomorph-abrahamitischen Gottesbildes.

 

*(09.03.2011)/Common-Sense-TV
Was die Eloquenz wie die maßgeschneiderten Anzüge der seriösen Führungsriege einiger deutscher Privatsender nur schwer kaschieren können, ist, daß sie Vorsteher der Vulgarität sind, deren Vollstreckung und Förderung sie als hocheffizientes Geschäftsmodell professionalisiert haben. Ähnlich wie bei der Klatschpresse funktioniert dies nur über einen vermassten, trivialisierten Anprechpartner.Und wo milliardenschwere Geschäfte abgewickelt werden, wo Medienmacht mit Politik und Wirtschaft so tief kommerziell verzahnt sind, da ist Einflußnahme und Absprache nie mehr von der Hand zu weisen. Kommerziell setzt man auf Apellshows, abgerichtet auf die Bedürftigkeit der Menge:Diese kennzeichnet sich hauptsächlich durch Frustration aufgrund Langeweile und allgemeiner Leere, Sucht nach Spektakel und Niedergang, sexuelle Deprivation und schlicht allgemein verkürzte Emotionalität. Werbeblöcke beten zudem laut wie dreist das unaufhörlich grelle Mantra vom Überflüssigen und noch obendrein lenken und verrenken politische Kampagnen (cui bono?) manipulativ die schwachen Köpfe, wie neulich erst der Wettbewerbsaufruf an das hiesige Prekariat bestätigte, der zur "Auf Teufel komm heraus-Integration" des ebensolchen trommelte, daß sich, nach wirtschaftlicher Verbesserung lechzend, bisher noch außerhalb der EU Grenzen aufhält. Hier ist eine fatale Verschränkung von Geld und Einflußgier,verbunden mit politischen Indoktrinationen durch geldschwere Lobbygruppen zu beobachten; indes werden zur notdürftigen Tarnung deren harte Interessen mit Schein-Gefühlen und kitschmoralinem Gesinnungsschwachsinn verbrämt.
Auf daß der Menge die schwachen Sinne schwinden mögen.Und dazu noch all diese (gebildeten?)Claqueure... was patschen sie dazu in die Hände?

 

*(06.04.2011)/Abschalten!
Warum schalte ich seit langem schon reflexartig den Fernseher ab? Unerträglich ist der Habitus, dem Nachrichtenpublikum vor der Wettervorhersage zum Zwang Sportmeldungen vorzusetzen.Die große Mehrheit der Zuschauer ist wohl latent daran interessiert, einen Blick auf die Wetterlage der nächsten Tage zu werfen. Ergebnisse von Skiabfahrten oder irgendwelcher Bundeliga-Spiele aber interessieren per se nur eine ausgewiesene Minderheit, so daß, würde man es umdrehen und die Sportnachrichten eben nach der Wettervorhersage präsentieren, dies kaum noch jemand beachten würde, was es natürlich von vorneherein zu verhindern gilt, alleine wegen der millionenschweren Lobby dahinter und den kapitalverrückten Sponsoren und Managern und soweiter. So ist man eben gezwungen, irgendwelchen grau melierten Fußballtrainern bei ihren Wochenend-Erregungszuständen beizuwohnen(verständlich ist die Erregung für den Betroffenen-denn es geht um Geld-um Millionen-, aber meine Emphatie ist dort ebenso wie beim zehntelsekundenschindenden Ski-Abfahrt-Trophäenjäger mit Sicherheit einfach nicht einforderbar. Was bleibt zu tun? Ganz einfach:Ärgernis vermeiden durch Abschalten! Die Wetterprognosen haben sowieso nicht mehr die Qualität von einst,die Fülle der Meßdaten vernebelt den Meteorologen scheinbar zusehends den Kopf. Mein Ratschlag:Den eigenen Interessen Angepaßtes aus dem Netz zusammensuchen-Redaktionsstuben ausheblen, Sportbonzen und Lobbiesten links liegenlassen.
TV-Geräte nachhaltig abschalten!

 

*(10.04.2011)/Happy on the road
Heute der Tag ist schon wie im Sommer, im Auto wird es bereits zu heiß und stickig, so sehr brennt die Sonne. Und vor mir auf der Strasse taucht plötzlich ein Tiertransport auf.Schlagartig größtes Unbehagen! Dieser Elends-LKW fährt die erbarmungswürdigsten Kreaturen von einem Leidensort zum nächsten, oder gehen diese Tiere einfach "nur" ihrer überfälligen Erlösung entgegen, der Beendigung und Auflösung einer sinnlosen pervertierten Existenz, wenn sie von ihren lebenslangen Gefängnissen zum Schlachthof zum Bolzenschuß verbracht werden? Diese hochentwickelten Säugetiere,als Vieh, als Markt- und Fleischware deklariert, störenderweise mit vier Beinen und einem eigenen Willen versehen, verfügen ja über feinere Sinne, bessere Ohren und Nasen als der tumbe Mensch.Dessen Willen wie Intellekt aber sind sie chancenlos unterlegen, und wir gebrauchen (besser:mißbrauchen)dieses Gefälle, um die Unterlegenen, nicht Wehrhaften gnadenlos auszunutzen, in Beschlag zu nehmen, zu töten. Die Tiere sind im Angesicht der Enge des LKWs, dem Stress-Gestank, im Gefühl der völligen Ausgeliefert-und Gefangenheit in Ahnung eines nahenden blutigen Todes. So wie man darüber nachdenkt, wird man traurig, zynisch, betroffen, wütend, misanthrophisch; alles zugleich. Noch eine Weile habe ich hinter dem Transporter herzufahren.Da fällt mir auf dem Heck des LKW´s ein großer Aufdruck auf: Wie in einem Comic gezeichnet sehe ich da einen lachenden Kuhkopf neben einem ebenso glücklichen Schweinekopf, jener gar mit Glücksklee im Mund. Darüber eine Aufschrift in Sprechblase: "Happy on the road".

 

*(13.04.2011)/Diesel
Habe heute der Zeitung entnommen, daß Dieselkraftstoff durch eine EU- Verordnung ganz eklatant im Preis steigen soll, daß es zu einem regelrechten Preisschock kommen wird, und da 99 Prozent aller Nutzfahrzeuge mit Diesel betrieben werden, in Folge auch sämtliche Güter, die daran logistisch verknüpft sind, eine entsprechende Preissteigerung erfahren werden. Von den Millionen privater Haushalte, die bereits unter den schwindelerregenden Heizölpreisen ächzen, soll hier gar nicht erst die Rede sein. Etwas beruhigend wirkte das kleiner Gedruckte unter dem Aufmacher, wonach diese Verordnungen erst bis zum Jahre 2020 voll umgesetzt werden sollen (oder können). Weitaus beruhigender aber wäre die Gewißheit, daß bis zum Jahre 2020 dieses verückte ideologische Konstrukt namens "EU" endgültig als politischer Irrweg entlarvt wäre und der ganze Einheits-Spuk schlicht wie unprätentiös in Frieden ruhen könnte.

 


*(14.04.2011)/Gemeinsamkeiten
Es ist ja fast zu einem Fetisch der deutschen (Leit)Medien geworden, in schöner Regelmäßigkeit die mangelnde Pressefreiheit in Rußland anzuprangern, so auch gestern Abend in einer Nachrichtensendung des Zweiten Deutschen Fernsehens, als man beflissen wie (vermeintlich) investigativ, mit stolz-überlegener Selbstgewissheit mal wieder den russischen Mangel an Demokratie monierte. Aber fast trotzig wurde ein Ausweg aus diesem festgefahrenen totalitären Dilemma aufgezeigt: Das Internet unterminiere nämlich mittlerweile immer mehr die Fernsehpropaganda, berichtete ein Oppositioneller vor Ort.
Na also,dies wird der Verständigung zwischen Russen und Deutschen nicht abträglich sein: Es gibt noch echte Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern.

 

*(06.05.2011)/Abglanz
Die Einschaltquote einer britischen Adelshochzeit mag Anlass zur Spekulation darüber geben, ob neben der unterstellten Reife der Untertanen zur demokratischen Verfassung möglicherweise doch noch tiefere Sehnsüchte nach als attraktiver befundenen Staatsformen vorhanden sein mögen. Attraktiv etwa wie eine strahlende Braut mit wehendem, langem Haar in einer offenen Pferdekutsche vorrüberfahrend, wie sie von Kinderköpfen an in den verschiedensten Märchen auftauchte. Sind wir so schon bei C.G.Jung, gar bei den Archetypen? Möglich ist das. Zumindest geht es um massentaugliche Projektionsflächen. Soweit ist das zumindest verstehbar. Bei dem skurillen Begleittross aber, aus überlebten alten Adels-Fratzen und deplaziert wirkenden Kostümfilm-Statisten findet man sich mitten im Herzen des Kitsches wieder, mitten in einem gelebten, vor allem als überflüssig wie unnötig empfundenen Anachronismus. In der Ernsthaftigkeit der Inszenierung ist das peinlich überkommen, ja letztlich einfach verkehrt bis über die Schmerz- und Schamgrenze.
Die Sehnsucht nach Glanz akzeptiert aber letztlich auch alle obskuren Nebenfiguren. (Am obskursten ist die englische Königin). Alleine nur der Abglanz, die Abstrahlung des Hohen/Prominenten soll dann zur Erhebung des Eigenen führen. Dabei müsste Erhebung –die über den Tag hinaus gedacht ist- doch vor Allem von innen heraus (wenn möglich) erfolgen, und nicht künstlich und fremd von Außen erbracht werden.
Dann eher wie bei vergangenen Andenvölkern, die den Urin der Königlichen und Priester auffingen, denen allein das Privileg des Peyote-Genusses zukam, um diesen  zu trinken, um sich so an den Rest-Spuren der Droge zu berauschen.

 

*(23.05.2011)/Widersprüche
In der aktuellen Parteipolitik mal wieder sehr Widersprüchliches:
Zum einen die Grünen, originär programmatisch mit Religion oder Kirchendingen äußerst wenig verbunden, in alten Parteigründungstagen schwerpunktmäßig von Tierrechten schwadronierend, solange bis an Bundesstrassen eine sichere Krötenwanderung gewährleistet war (wogegen per se überhaupt nichts einzuwenden ist). Sie kriegen nun aber den Mund keinen Zentimeter weit auf, wenn es zum weitaus prekäreren, dabei religiös motivierten Schächten (das heißt –absolut unzeitgemäßen - schmerzhaft betäubungslosen Ausbluten) des vermeintlichen „Schlachtviehs“ kommt, wie es auch in Deutschland von Anhängern des mohammedanischen und jüdischen Glaubens praktiziert wird. Die Grüne Partei versäumt es einfach, dies als Unterminierung unserer zivilisatorischen Mindeststandards zu brandmarken und entsprechend ein alsbaldiges Verbot dieser atavistischen Handlungen anzustreben. Ich frage: Welches Rückgrat lässt sich unter politisch korrekter Maxime einfacher und nachhaltiger verkrümmen als das grüne?
Zum anderen ist da die Linkspartei, die seit jeher stolz ihrem Atheismus frönt, die bis heute nicht mal von Lenin (und seinen fanatischen Jüngern wie Rosa Luxemburg!) lassen kann, der damals sämtliche russische Kirchen in Zwangslager und Schweineställe umgewandelt hatte und Priester wie Gläubige von dort aus massendeportierte oder gleich vor Ort zur Erschießung an die Wand stellen ließ. Gerade also diese Linke - die noch immer nicht abgeschworen hat! - macht sich nun ausgerechnet als Wortführer stark gegen eine überall zu verortende, -besser gesagt vermutete- Islamfeindlichkeit. So wird sie zum Fürsprecher eines religiösen Systems, das rigider und repressiver daherkommt, als man es vom  Christentum je (als Alp) zu erträumen wagte. Will man so Lenins Religions-Terror wieder gutmachen? Wohl kaum. Es geht einfach nur um die zwanghafte Einnahme einer anti-anti-islamischen, adäquat als anti-xenophoben und somit nach simplifizierter Denke -und das ist entscheidend:- als antifaschistisch- interpretierten Position.
Feigheit und parteiprogrammatische Borniertheit siegt so über Vernunft und Freiheit. Von Würde ist sowieso lange keine Rede mehr. Und das  Ideologische siegt einmal mehr über das Moralische.

 

*Tagebuch(07.06.2011)/Katastrophenreiter
Nachdem die Grünen die Fukushima –Atom-Welle mit Erfolg geritten haben (Potenzierung der Wählerstimmen wegen diffuser Atomangst und deren Kopplung an irrationale Ausstiegsszenarien), reitet (vorneweg Frau Kühnast) die Partei des schambefreiten Populismus bereits die nächste Katastrophe: Nämlich EHEC. Mit als Vorwürfen verbrämten, undifferenzierten Plattitüden geht Kühnast schon mal in den Vor-Wahlkampf. Was da eigentlich konkret gesagt, bzw. der Regierung als Versäumnis unterstellt wird, ist weder versteh-noch zitierbar (weil logik-und sinnfrei) noch spielt es überhaupt eine Rolle, es geht eben einzig nur darum, die Welle zu reiten. Frau Roth fühlt sich mittlerweile überlebensgroß und erklärt lapidar die FDP als überflüssig (zugegebenermaßen: als Partei, die in der Außenwahrnehmung nur noch grünen Inhalten hinterherstolpert, wird sie das auch sein- und quasi über Nacht). Nebenbei ein Vorschlag: Wie wäre es mit einer grünen Ermächtigung, denn wer braucht schließlich noch den lästigen Parlamentarismus, wenn man sowieso die einzige zulässige Wahrheit auf seiner Seite hat?
Das System, auf die Ängste der Menschen und potentiellen Mehrheiten diffus aufzusatteln, funktioniert allerbestens. Die Grünen sind mit der (devoten und machtbeflissenen) SPD im Verbund bereits bundesweit im Besitz der absoluten Mehrheit.

 

*Tagebuch(08.06.2011)/Oblast
Der deutsche Außenminister Westerwelle weilt in Königsberg,(Kaliningrad):
Er ehrt gefallene Rotgardisten! Kein Wort zum gewaltsamen Untergang der 750 Jahre alten Stadt 1944-1946. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurde sie wie kaum eine andere deutsche Stadt der totalen Zerstörung, die Bewohner indes der völligen Vernichtung (auch und gerade nach Kriegsende) anheim gegeben. In Königsberg, in der Nähe des Doms existiert ein winziges Grabmahl- ohne erkennbare Inschrift- für die Opfer der deutschen Ziviltoten, ein Grab wie für einen Hund gemacht, doch muß wohl irgendjemand dort ein Andenken wahren, denn man sieht darauf frische Blumen. Die Kaliningrader selber sagen, dass Churchill die extremen Bombardierungen im August 1944 aus dem einzigen Grund verfügt hat, weil er diese symbolträchtige, altehrwürdige Stadt Stalin (dessen Armee 1944 schnell vorrückte)nicht als Beute lassen wollte, ihm die Besitznahme schlicht nicht gönnte. Hat nun der deutsche Außenminister vor Ort 2011 kein einziges Wort für 50 000 (80 000?)zivile Opfer, die nach Todesmärschen, Massenvergewaltigungen (Alte und Kinder bei weitem nicht ausgenommnen) und der systematischen Ausplünderung und Abfackelung der einzelnen noch stehengebliebenen Strassenzüge durch eine marodierende russische Soldateska (diese hat Westerwelle geehrt) starben oder gerade noch entkamen, um – sich von Mäusen ernährend oder mit Hungerbäuchen vor den Pforten der eigenen Krankenhäuser (der Zugang war verwehrt)niederlegend– letzlich doch auf das jämmerlichste zu verenden? Kein Wort der Erinnerung, kein Wort der Trauer? Auch  nicht von russischer Seite? Was soll das für eine Form der Verständigung darstellen? Sieht so etwa die Überwindung des alten (mörderischen) Denkens aus? Ich habe Königsberg vor einigen Jahren selber gesehen, selber besucht. Es ist eine völlig untergegangene Stadt,doch der Untergang, die Katastrophe ist noch unmittelbar greifbar, als wären die Ereignisse konserviert, eher: als schwebten sie über dem Boden. Sie manifestieren sich vornehmlich atmosphärisch, gerade auch in den Baurelikten und schlicht im Charakter einer gesichtslosen "neuen" Kunststadt, einer heruntergekommenen Improvisation auf desolater Katastrophenerde. Substantiell lässt sich sagen, Königsberg ist ein einziges großes Grab, der Aufbruch daraus kann nur voller Hemmung und Störung sein, zögerlich - wenn konstruktiv - überhaupt nur mit Referenz auf die (deutsche) Vergangenheit, eine eigenene russische Perspektive zeichnet sich nicht ab, scheint auch gar nicht möglich in diesem „akausalen“ Hinterland, ohne eigene Zielvorgabe, ohne jede Verortung.
Ist das Verhalten Westerwelles nun gespeist aus Geschichtslosigkeit (und Gesichtslosigkeit), aus Unkenntnis und Gleichgültigkeit? Ist es nur vordergründige Schwanzwedelei vor einer multilateralen Erwartungshaltung? Vor den Opfern ist es auf jeden Fall ein zynischer, trauriger, gar nicht nennbarer moralischer Eklat.

 

*Tagebuch(10.06.2011)/Kriegsverbrecher
Ratko Mladic wird als mutmaßlicher Kriegsverbrecher vor dem europäischen Gerichtshof in Den Haag angeklagt. Er soll während des Bosnienkrieges ausschlaggebend an einem Massaker an 8000 Muslimen bei Srebrenica beteiligt gewesen sein. Man stuft dies als Völkermord ein. Bei aller Bitterkeit und Dramatik aber ist das eine relativ kleine Opferzahl im Vergleich zu den Ziviltoten (nicht Kombattanten!), die die US Invasion im Irak ab 2003 gefordert hat. Schon 2006 erschien eine Studie, wonach 655 000 Tote zu beklagen waren. Ein offizieller aktueller Bodycount gibt 110 437 konkret dokumentierte zivile Opfer dieses Krieges an. Dabei war die amerikanische Invasion im Irak weder in irgendeiner Weise legitimiert noch völkerrechtlich gedeckt. Der Generalinspekteur im US-Justizministerium (der einzige hochrangige Vertreter, der nicht dem Weißen Haus selbst unterstellt ist) und Agenten des FBI  bestätigen zudem die Einschätzungen über die Opferzahlen (Unschuldiger). Das unterstreicht die Schwere der Verbrechen. Das ebenfalls unabhängige britische Institut ORB (opinion research business)ermittelte 2008 gar, dass bis heute über eine Million Menschen ums Leben kamen. Zudem wurde eine Million verletzt, fast fünf Millionen sind auf der Flucht. Deswegen nach Todenhöfer: Will man das komplett ungesühnt lassen? Der Internationale Strafgerichtshof muss sich endlich der Frage stellen, ob er ein Weltgericht sein will, dessen Gesetze für alle gelten, oder nur ein Strafgericht des Westens gegen Nicht-Westler - ein Gericht der Mächtigeren gegen die Schwächeren. Rein formal könnte man darauf verweisen, dass die USA, anders als Blair in Großbritannien, das Gesetz über den Internationalen Strafgerichtshof nie ratifiziert haben, und eine Anklage gegen den US-Präsidenten deshalb ausscheide. Dann könnte man allerdings auch den sudanesischen Staatspräsidenten nicht anklagen, da dessen Land den Internationalen Strafgerichtshof ebenfalls nicht anerkennt.
In der damaligen Urteilsbegründung des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals heißt es: "Die Entfesselung eines Angriffskriegs ist das größte internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen nur dadurch unterscheidet, dass es in sich alle Schrecken vereinigt und anhäuft."
Der Literaturnobelpreisträger (2005) Harold Pinter  stufte die Invasion im Irak als "Banditenakt" sowie einen "Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus" ein, bei dem der Tod von mindestens 100.000 Irakern für US-Präsident George W.Bush und den britischen Premierminister Tony Blair eine "bedeutungslose Lappalie" gewesen sei. Für beide Politiker forderte er einen Kriegsverbrecherprozess vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Ich sage: Möchte man allgemeingültige Rechtsnormen und eine moralische Glaubwürdigkeit, möchte man nicht die Prozesse gegen die serbischen Kriegsverbrecher zu einer politisch motivierten Farce verkommen lassen, ist dem allem nichts hinzuzufügen – So müssen Bush und Blair dort auf der Anklagebank sitzen. Und zwar sehr bald schon, nachdem der „kleine“ Mladic dort seine Strafe empfangen hat.

 

Tagebuch*(13.06.2011)/Politirrtum
Die FDP hat bisher noch nicht verstanden, dass sie vor allem daher keinen Zuspruch mehr ernten kann, weil sie das von der CDU enttäuschte, massenweise heimatlose Klientel in ihrer damaligen Erwartung (Bundestagswahl)an die FDP als bürgerliches, liberales Korrektiv nicht im Geringsten erfüllen konnte. Im Gegenteil: Mit Westerwelles Antrittsbesuch ausgerechnet in Polen war ein fragwürdiges außenpolitisches Fanal gesetzt und mit den wachsweichen, correctness-konformen Aussagen zum EU Beitritt der Türkei oder lästigen Bücklingen vor Israel war eine neue „liberale“ Unterwürfigkeit eingeleitet, die ganz den Geist des dauerdevoten (und daher mit Ehrendoktorwürden überhäuften)Vorgängers Josef Fischer atmete-den man eigentlich soeben abgewählt wähnte-,die dann in würdelosen Aktionen vor allem gegen Erika Steinbach so etwas wie eine triste Vollendung fanden. Daß irgendwelche Steuersenkungsversprechen nicht gehalten wurden, mag ja eine Nebenrolle bei der neuen Unbeliebtheit der Partei spielen, wurde aber - weil obige Themen im Tabu-Bereich angesiedelt sind - viel zu dominant erwähnt. Natürlich aber half auch dies, in kurzer Zeit das liberale Profil abzuschleifen. Was Westerwelle im Hintergrund falsch gemacht haben mag, dass er dann so dringlich geschasst wurde, wird zwar letztlich ein Geheimnis bleiben, die Verfahrensweise aber spricht ebenfalls gegen den Charakter dieser Partei, sie steht für Diskontinuität und Verantwortungslosigkeit. Der völlig unprofilierte und ausdruckslose neue Vorsitzende Rösler steht nun für einen noch mehr geglätteten, dem Zeitgeist und seinen Erfordernissen angepassten, sozusagen final aufgelösten Kurs (ganz im Zeichen des neuen Konformismus)und wird die Partei mit noch größerer Nachhaltigkeit – beispielsweise als desorientiertes Plagiat der Grünen- endgültig überflüssig machen. Es besteht so tatsächlich die erstmalige und ernste Chance, sich selber abzuschaffen. Unter diesen aktuellen Prämissen wird den Verlust kaum jemand beweinen.

 

*Tagebuch(25.06.2011)/Golden Youth
Eine Anmerkung noch zu den Erhebungen in den arabischen Ländern: Die „Revolutionen“ dort sind gar kein wirkliches Aufbegehren der Volksmassen, sondern mehrheitlich Aufläufe der sogenannten „Golden Youth“ einer kleinen privilegierten (Jugend)Schicht, die sich an der Verheißung eines ihr bisher vorenthaltenen, westlichen materiell exponierten Lebenstils orientieren möchte. Die Mehrheit der Bevölkerung weiß von diesen Prämissen  nichts, ist sowieso tief in Tradition und islamischem Recht verankert, so dass „Demokratie“ als Staatsform gar keine Option sein kann oder soll. Der größte Teil der medienwirksamen Aufläufe wird durch den Kamerawinkel inszeniert oder zumindest in tendenziöser Weise kolportiert. Die von uns herbeibeschworene„Demokratisierung“ oder „Liberalisierung“ bedeutete nach westlichem Verständnis in der Tat nicht etwas viel anderes als die Aufnahme in einschlägige, nivellierende, globalistisch-ökonomische Rahmenkonzepte. Im Sinne des Wortes „revolutionär“ aber –in  Abkehr der bestehenden  Erwartungen lediglich an die Teilhabe an den Privilegien einer Geldelite - würden sich diese Gesellschaften nur dann verhalten, wenn sie dezidiert traditionalistisch, dann isolationistisch und protektionistisch agierten und dies folgerichtig durch den Austritt aus fortschreitenden Abhängigkeiten durch Organisationen wie vor allem der Weltbank unterstreichen würden.

 

*Tagebuch(14.07.20011)/Elstern
In einem historischen Bericht gelesen: Die russische Zarin weilte einst in England, war dabei höchst verstimmt, fand nämlich wegen dem prächtig herausgeputzten Schah von Persien, der ebendort zur gleichen Zeit empfangen wurde, nicht die erwartete Beachtung. Und darüberhinaus: „Was die britische Öffentlichkeit betraf, so war die große Mehrheit vollkommen uninteressiert an möglichen politischen Implikationen des Schah- Besuchs, sondern lediglich fasziniert vom Anblick eines Mannes, der gewissermaßen von Juwelen funkelte. Diamanten und Smaragde zierten seine Brust, bedeckten seine Epauletten und seine Kopfbedeckung aus Astrachan. Rubine bildeten die Knöpfe an seinen Gewändern, und deren Gürtel waren mit Edelsteinen jeder Farbe und Form besetzt.“
Ich kann mir das gut vorstellen, auch ähnlich bestätigen: Als ich in Florenz an einer Kunstausstellung teilnahm, hingen neben meinen eigenen zwei (nicht übermäßig gelungene) Bilder, dafür mit blinkenden Goldplättchen durchwirkt, die wie magisch alle Aufmerksamkeit von der Umgebung abzogen und sämtliche Blicke wie nach einem unumgehbaren inneren Gesetz auf sich lenkten.
Ist der Mensch nicht sehr mit der Elster vergleichbar? Er interessiert sich in der Regel mit Abstand am meisten für das, was oberflächlich glitzert und glänzt.

 

*Tagebuch(14.07.20011)/Griechenland
Jetzt liegt es an den Griechen, ihrem urdemokratischen Vermächtnis gerecht zu werden, also mit vereinten Kräften das Parlament in Athen (als Wiege der Demokratie) zu stürmen, um unverzüglich jene Politiker aus diesem Hause zu verjagen, die unter Brüssels eurokratischer Knute die griechische Souveränität und Identität verspielen und stringent Politik gegen den Demos betreiben. Nicht anders ließe sich die alte Würde wieder herstellen.

 


*Tagebuch(17.07.20011)/Körperästhetik
Warum denn, wenn der Mensch die Krone der Schöpfung sein soll, ist ihm das Tier im allgemeinen ästhetisch (aus dem Griechischen: "wahrnehmbar schön, harmonisch")haushoch überlegen? Der Mensch hat sich in der Regel in endlosen Stilfragen –einschließlich mannigfacher peinlicher Irrtümer - zu ergehen, muß dies und jenes kaschieren und kompensieren oder umgekehrt in Szene setzen, um überhaupt erst „schön“ zu wirken. Ein Tier muß gar nichts davon, denn anders als das „Schön-Sein“-als ein Privileg einer verschwindend geringen  Menschenzahl  besitzt das  Tier - wenn es sich nicht gerade um einen zerupften Gänsegeier oder einen seltsam (un)proportionierten Schlammspringer handelt- das „schön Sein“  ganz im Allgemeinen  von sich aus, verfügt über eine selbstverständliche, natürlich „mitgegebene“ Schönheit, sozusagen von Innen heraus. Oder anders gesagt:Das Tier ruht ohne weiteres Dazutun eigentlich immer souverän in Ausdruck und Proportion, in Haltung und Bewegungsbild. Der Mensch kann all dies bei weitem nicht. Wie selbstentfernt, wie schwächelnd, ja wie degenerativ kommt sein Körper daher! Und wie bewusst wird einem das gerade jetzt in der Hitze des Juli! Wenn dann ungewohnt viel  menschlich- körperliches frei dem Auge zugänglich wird, wollte man das allermeiste (sei es noch so gut gemeint) viel lieber verdeckt halten und niemals zu Gesicht bekommen haben. Somit mein Gedanke an den bevorstehenden Herbst und die passende Kleidung dazu:Ewiger Trost und Gnade!

 

*Tagebuch(20.07.20011)/Präsident
Man hat aus dem Volk heraus dem Präsidenten Wulff bescheinigt, man wünsche von ihm mehr politische Einmischung. Verständlich, denn so einen gesichtslosen und konturfreien Bundespräsidenten hat das Land noch nie gesehen. Ganz passend eigentlich zur allgemeinen deutsch- zeitgeistigen Befindlichkeit. Bloß nicht mit einer eigenen Meinung auffallen. Denn etwas „Eigenes“ hätte in sich schon etwas Exkludierendes, eventuell potentiell Diskriminierendes. Das gilt es um Himmels Willen zu vermeiden. Wulff als Staatsoberhaupt soll, wenn er überhaupt sichtbar tätig wird, höchstens repräsentativ, vermittelnd, ausgleichend wirken. Daß er so zum Spielball derer wird, die ihrerseits nun keineswegs bereit sind, ihr Eigenes bzw. ihre Anliegen aufzugeben, kommt ihm scheinbar erst gar nicht in den Sinn (oder ist ihm vielleicht auch einfach egal. Amtsausfüllend werden so gewohnheitsmäßig nur platitüdenhafte Gesten ausgegeben und leere konformistische Phrasen gedroschen. Wenn überhaupt. Beim Besuch des polnischen Präsidenten sprach er erst gar nicht selber, sondern überließ dem Gast gleich die ganze Redezeit. Allerdings ist das nur konsequent, wenn man schließlich absolut gar nichts zu sagen hat.

 

*Tagebuch(02.08.20011)/Akuter Hunger
Im Grenzgebiet Somalias, Afrika, scheinen nach aktueller Nachrichtenlage 12 Millionen Menschen akut vom Hungertod bedroht zu sein. Eine in diesem Kontext schwer zu fassende Zahl. Die Weltgemeinschaft ist aufgerüttelt und bereit zu Hilfsmaßnahmen. Als Hauptproblem erweist sich hier die „Politik“ der islamistischen „Rebellen“ vor Ort, denn neben der Dürre wurde der Massen-Hunger durch Bürgerkrieg hervorgerufen und verschärft und nun lässt diese militante „Partei“ keine ausländische Hilfe zu. So sterben die  Menschen dort bereits minütlich.
In diesem Kontext aber meine Frage: Wo sind die hohen Vertreter des Islam, wo die offiziellen moslemischen Autoritäten, die hierzu dringend sprechen müssten, um ihre Glaubensbrüder zur Räson zu rufen, ihr Verhalten als amoralisch zu brandmarken? Man hat da schlicht nichts vernommen. Keine Mahnung, kein Urteil. Und wenn jemand etwas gesagt haben sollte - Es war  nicht vernehmbar, weil unendlich zu leise.

 

*(10.08.2011)/Bahnschelte
Typisch deutscher Volkssport: Die Bahnschelte, denn die Bahn ist der Deutschen liebstes Hau-Drauf-Objekt. Von der Bahn will man alles mindestens ganz genau wissen oder einfordern, vor allem will man Pünktlichkeit auf die Sekunde, am besten gekoppelt an Rechenschaftsberichte und bei Bedarf an ausgeklügelte Schadensersatzforderungen. Zudem hört man von Stress-Tests und ähnlichem Bürokraten- Zeug. (Im Vergleich: Die stundenlange Verspätung eines Flugzeuges hingegen gilt als schick, weil weltläufig) Ich vermute hinter dieser Kleingeisterei die selbe Klientel, die sich am ehesten über den „typisch deutschen“ Ordnungs- und Pünktlichkeitswahn mokiert und gerne in tumbe Lobhaltung verfällt, wie unspießig und entkrampft man Abfahrtzeiten und Gesetze und Regeln und überhaupt das ganze Leben im Ausland zu behandeln weiß. (Hier  noch  nebenbei: Wenn ich noch einmal nur das Wort „Stuttgart 21"  -Jetzt schon das absolute Unwort der ganzen letzten Jahre-höre, werde ich für absolut nichts mehr garantieren können.) Daß der deutsche Neu-Spießer keine anderen Belange artikuliert als diesen Bahnhofs-Käse, zeigt nichts anderes als den rasanten gesamtgeistigen Abfall in diesem Land.

 

*(22.08.2011)/Sätze
Henryk M. Broder
:„Man muß die Politiker dorthin zurückschicken, wo sie herkommen. In die Provinz, bis sie begriffen haben, dass man den „Menschen“ die Politik nicht wie Heizdecken verkaufen kann. Wenn Wolfgang Schäuble in seiner Eigenschaft als Finanzminister sagt: Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, dann aktiviert so ein Satz nur Erinnerungen an ähnliche Placebos, die als Sedativa angeboten wurden:“Niemand, hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ (Ulbricht), „Die Renten sind sicher“ (Blüm), „Ich gebe ihnen mein Ehrenwort“ (Barschel).
Eigentlich ganz schön ausgedrückt hat das Henryk M. Broder. Aber mit einer  Einschränkung, denn ich möchte ihm unterstellen, dass er wissen könnte, dass der letzte Satz nicht wirklich in diese Reihe passt. Uwe Barschel ist vor allem selber Opfer intriganter Verstrickungen gewesen und wie man heute gesichert weiß, vom Mossad ermordet worden.

 

*Tagebuch(13.08.2011)/Schrift abschaffen
Habe in der Zeitung gelesen: In Hamburg wird an den Schulen demnächst die Schreibschrift abgeschafft. Ist bereits beschlossene Sache. Das nenne ich gelebten Sozialismus, denn: Es ist nicht nur einfach eine lästige, schwierige Angelegenheit mit dieser Schreiberei, sondern unerwünschterweise auch noch Ausdruck von Individualität, eigener Persönlichkeit. Zum Teufel also damit (weil antiegalisierend). Aber mein Vorschlag: Was sollen wir uns überhaupt noch mit der Schrift plagen? Viel zu unökonomisch und antiqiert-analog ist das. Besser die Schrift ganz abschaffen! Es gibt ja völkerübergreifende Bildersprachen. Oder besser noch Computer-Icons, steuerbar über allgemeinverständliche Kurzbefehle. Das korreliert zum allgemein sinkenden Geisteszustand und lässt zum anderen (restlos) keinen „Unterprivilegierten“ mehr im Regen stehen. Die Zukunft gehört eben allen!

 

 

 

 



 

 

Kulturell

*(17.05.10)Yes
Man darf nicht die LP"Going for the one" von Yes unter "Ferner liefen"abtun. Natürlich ist der Einstieg in dieses Album grell-hektisch verpatzt und man muß lange warten, bis sich überhaupt etwas ordnet (aber das ist man von Yes ja immer wieder gewohnt,  das Ganze zudem in ruhe-und fast-ratlosem Dur) . Aber dann:Rick Wakeman, angemessen unbescheiden, wartet er mit einer großen Kirchenorgel auf. Die Abklingzeiten hält man bei aller "Kirchenmacht" unter bester Kontrolle, eigentlich eine Studio-Großtat. Ich nenne es "Dom-Rock"!. Aber das ist nur eine Nebenstelle. Zentral ist die Strahlkraft genau zweier Stücke in ihrem Zusammenklang, und das sind zum einen "Wonderous Stories" und zum anderen "Awaken".
"Wonderous Stories" ist ein ganz zentrales Stück der Siebziger Jahre und formte das Kollektivgedächtnis einer Generation. Es glänzte in hundertausend Kinderzimmern . Mit jahrzehntelangem Abstand läßt sich diese Wirkung fast erklären, es ist bei aller immensen Komplexität ein greifbar melodisches Stück(für Yes nicht gerade selbstverständlich!)und eine  Welt für sich, eine Wunderwelt ,goldglänzend und mystisch- wie der Nachklang eines großen versunkenen Zeitalters. Der Produzent Bill Inglot tränkt alles in luftigen, silber-wattierten Hall. Kongeniale, atmosphärische Meisterschaft ist das. "Awaken" hingegen ist nicht weniger als der Höhepunkt und Ausklang der gesamten 70er Dekade und klingt für all das, wofür sie stehen mag. Der Zusammenhalt von Kompliziertheit, kompositorischer und dynamischer Raffinesse, von spiritueller Kunst und schlichter Anmut und glänzender Majestät  wurde genau hier (und nur hier), eigentlich im Jahre 77 schon als arger Nachzögling einer verblassenden Ära, erreicht.Nach diesem essentiellen Hochklang war das Pendel zwangsweise in Richtung Einfachheit (und Einfalt) ausgerichtet-- und es schlug voll aus. Remember `77

 


*(28.5.2010)BÖC
Manchmal frage ich mich , ob Buck Dharma 1979 zittern mußte, als Michael Schenker im Vorprogramm von BÖC(Ja, im Vorprogramm--Im Rahmen des monumentalen "Strangers in the night"-Livealbums) Brilliant-Feuerwerke wie"Mother Mary", "Lights Out " und "Rock Bottom" abgebrannt hat. Wenn man nun aber beispielsweise von der BÖC"Extraterrestrial live " zu"Last Days in May" lauscht, weiß man, daß er dazu keine Veranlassung hatte. Gestaunt hat er aber bestimmt. Aber er war ja selber vom Himmel gefallen.Somit Staunen über Staunen. Schade, daß Blue Oyster Cult nicht in der Lage waren, ihr Blues-and Boogie Korsett zu sprengen. Wo sie es doch taten, waren sie genial. Und Buck Dharma ließ Flüssigsilber aus seiner Gitarre fließen und sang ausnahmsweise dazu.

*(29.05.2010)Mountain
Ergänzung zu oben: Ähnlich wie bei der Konstellation Buck Dharma-Eric Bloom ist es mit der Konstellation Felix Pappalardi und Leslie West. Hätte man Papparlardi(dem Freund Salvadore Dalis)erlaubt, das Songwriting ganz zu übernehmen und darüberhinaus regelmäßig die Vocals beizusteuern, wäre Mountain fürwahr ein Sitz der apokryphen Hippie-Entitäten geworden. Wie gerade bei "Nantucket Sleighride" und "Travellin in the dark" hätte alles von diesen goldenen Gipfelhöhen gekündet. Ein imaginäres zweites San Franzisko , irgendwo im Himalaja versteckt. Freier esoterischer Rock, , weite Felder, Gebetsfahnen- -Blumen -Wind- und Sonnestrassen ,ursächliche amerikanische Hippieträume.
So aber mußte man mit Leslie West (bei aller Gitarren- Meisterschaft) vom Berg herabfallen. Nicht mal daran, daß Mountain in Woodstock gespielt haben, erinnert man sich heute.Und das ist die Tragik der Konstellationen. Der Konstellation von Luftigem / Tranzendentem und ganz und gar Erdverhaftetem. So kann kein freier Flug zustandekommen.

(02.06.2010)
"Ich will keine Leistung erbringen, ich bin kein Rad in eurer Uhr." (Die Heteros, 1982)



(14.06. 2010)Ein Abbruchunternehmen ist kein Architekturbüro
Die Einstürzenden Neubauten formulierten 1983 auf dem Rückcover Ihrer Veröffentlichung " Die Zeichnugen des Patienten OT" den Satz : "Destruction ist (!) not negative, you must destroy to build."Eine Losung,die Ansatz bietet,über deren musikalisches Wirken nachzudenken.Ich gehe dabei in meiner Betrachtung zurück zum offiziellen Debut- Album "Kollaps" aus dem Jahre 1981. Ja, dort ist vielerorts aurale Dekonstruktion und Dekomposition. Aber abseits vom brachialem Beton-Unterführungs- und Baustellenklang entwickelten sie auch hochauthentische, sensible Milieubilder mit Mauerstadt-Farben("Draußen ist feindlich" und komponierten schlichtweg minimalpoetische Seelenmusik "Sehnsucht").Daher kam das in den frühen 80 èr Jahren charaktervoller ans Ohr, als die fast zeitgleichen Industrial-"Fallstudien" der Engländer von Test Department oder Nocturnal Emissions z.B.es vermochten.
Zwei Jahre später dann, wie aus einem mystischen unterirdischen Röhrenlabyrinth/Fundament gelang ihnen "Armenia", in jeder Hinsicht ihr tiefstes und geheimnisvollstes Stück. Wiederum 5 Jahre später und mit einigem Erfolg baute man ein "Haus der Lüge".Dieses Haus blieb aber das Einzige. Ein Abbruchunternehmen- auch ein poetisches-ist eben kein Architekturbüro.

 

(13.06.2010)
Help me I´ m falling
take me I´ m yours
I´ll never be
whatever I was again

(unbekannter Interpret, 90´ er Jahre)


*(14.06.2010) Der Monster-Magnet
Dave Wyndorf hat sich selbst im Jahre 1993 mit dem Album "Superjudge" zu Überlebensgröße aufgeblasen und fünf Jahre danach mit "Dopes to Infinity" seine Herrscherklasse mit Eindruck bekräftigt.Das wuchtige Zentrum dieses Albums,"Look to your orb for the warning " war dabei nicht mehr als eine Adaption von Hawkinds akustischem "Children of the sun", 1971 auf dem Album "In search of space"erschienen. Aber tatsächlich wußte das kaum jemand und wer es wußte, den störte es nun daher nicht, weil Wyndorf den Klau überraged arrangierte und die Bestandteile auf Monstergröße auftürmte.Was er sowieso bei all seinen Stücken von den frühen Hawkwind übernommen hatte, war das beständige psychedelisch-tonale Hintergrundszenario, mit dem es ihm im Handstreich gelang , den harten 90´ er Rock seiner vielen Kollegen um mehr als nur eine Dimension zu transzendieren.Umso tragischer dann, daß er mit dem Nachfolger "Powertrip" alle Fenster dieses kosmischen Hauses öffnete und all die nebulösen , galaktischen Dinge zum Teufel jagte. Die Esoterik sollte entweichen,das Weltall wurde verabschiedet .Eine Weile noch vermochte er auf der Welle seines alten Ruhmes der Vorgängeralben zu reiten, dann verschwand er und mit ihm seine Band in der Bedeutungslosigkeit. Denn zu viele haben ihm diese Abwärts-Transformation nicht verziehen.

 

(20.06.2010) "You can´t always get what you diserve."
(immergültige Abwandlung eines bekannteren Ausspruchs, Michael Schaffer)

*(14.07.2010)Sonnenbekenntnis
Noch ein Wunderkind der Gitarre und vielleicht eines der wundersamsten überhaupt ist Helios Creed.
Ich sehe ihn in den achtziger Jahren in seiner Rolle als extraordinären Kontrapunkt zu seinem Mitstreiter und Song - Magier Damon Edge (RIP),als sie unter dem Namen "Chrome" in der Lage waren, den unabhängigen Sektor in ganz signifikanter Art zu vitalisieren(und zu transzendieren). Das Spätere ist von weniger Strahlkraft, als er ohne ihn, wie zurückgelassen, deutlich schmalgewandiger und eher mäßig inspiriert(es gibt die Ausnahme "Alien Lady") landauf und -ab in Bierlachen Spelunken aufpielte, als Drogisten Attraktion in einem leeren Stadt-Nachtleben , und als er 80`er Jahre Visionen zusammendampfte auf eine Trash -Blondinen Galerie im Weltnetz.
Da gab es doch die Ära, als sie Schimären gleich nur selten, eher gar nicht hinabstiegen, um Fremdartiges, Ausserweltliches zu zelebrieren. Das kündete von einem unergründbaren Science-Fiction Planeten, in dessen metallischen Pyramiden sich giftig grüne Sonnen spiegelten und wo sich allerhand abstrakte Mischwesen umhertrieben. Und es handelte von Gefahr, von Blut auf dem Mond und von Überresten lange vergangener, weit entfernter Mythologien. Und das alles in dunkelschillernden Reflektorfarben wie aus Kobalteisen und schepperndem Messing.
"Chrome" erzählten von überheblichen Außerirdischen und Relikten erkalteter (Pseudo)Zivilisationen und von Nachtfahrten zu abgeklärten Tälern mit glattschwarzen Kraterseen und Spiegelstädten aus Kristall.Und man wußte nie genau, was unter diesen obskuren Sternen alles sonst noch gedeihen konnte. (Auch der eigentlich profane Satz "I ll meet you in the Subway" bekam so seine mehr als befremdliche Bedeutung).
Man konnte schlicht gar nicht anders, als ihr verfallen, der Majestät dieses fernen, chromefunkelnden Weltall-Traumes.
Und welche Gitarreneffekte Helios Creed wirklich benutze, dieses Geheimnis bleibt wohl für immer auf den allerfernsten der Exoplaneten vergraben...

 

 

(21.07.2010)
"Let there be no ill will
"
(90er Jahre, Autor restlos verschollen)


*(06.08.2010)/Das elektrische Tipi
Wenn Dave Brock(Hawkwind)zum Schluß seines sonst hochelektrifizierten 90 ´er Jahre-Albums mit Namen "Electric Tipi"authentische Gesänge der nordamerikanischen Indianer erklingen läßt, dann transportiert er dort nach meiner Vermutung eine Sehnsucht nach Verbindung zum Natürlichen, zu einem zumindest hypothetischen, als verloren beklagten Urzustand. Da ist der Wunsch nach Anbindung an die vermißte Symbiose von Mensch und Natur erkennbar, und neben dem "Beschwören" eines kosmisch- esoterischen, weil immergültigen Gesetzes schwingt zudem die Anklage über die Maßlosigkeit und dauerhafte Entfremdung des weißen Mannes mit, die nicht zuletzt in der Konsequenz eines gierigen Überrennens des "Neuen Kontinents" und schließlich sogar im genozidalen Akt an dessen Ureinwohnern gipfelte. Dabei bedient sich Dave Brock hier eher ungewollt einem Paradox, denn er benutzt ja gerade die Fortschritts-Technik jener "entfremdeten" Zivilisation,um diese Botschaft überhaupt erst herzustellen und transportieren zu können.Sein Handwerkszeug, d.h. seine elektronischen Instrumente und seine komplexe computerisierte Aufnahmetechnik basieren ja genau auf dem "Immer Fortschreitenden" eines analytischen, rastlos strebenden Forschergeistes, der gerade dem anglo-amerikanischen wie keltogermanischen Raum zuzurechnen ist, der eben lange schon keinen Urzustand mehr kennen möchte, der das "In Sich Sein" einem Bewegungsdrang, einem Streben nach neuer Errungenschaft, nach Transzendierung des Status Quo nachgestellt hat.Und das spätestens seit der Zeit der Renaissance und des Humanismus in ganz mechanistisch/wissenschaftsgläubiger Art. Und dieses "Sich von Außen betrachten" bringt das extensive Wirtschaften und Produzieren voller Arbeitsteilung und Entfremdung hervor,einhergehend auch mit der unumgänglichen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen,woraus letzlich aber all die Potentiometer, jene Kondensatoren und alle elektrischen Spulen resultieren, mit denen sich eine zeitgemäße CD eben nur realisieren läßt.
Ob nun so gewünscht oder betrauert, wir alle sind Kinder dieser Entwicklung.Man kann zwar gerne einen "antimechanistischen" Paradigmenwechsel proklamieren, man kann sich in Romantizismen ergehen und in Utopien wie in Anachronismen üben, und doch gibt es keinen Weg mehr zurück in diese Naturharmonie, diesen grausamen, erbarmungslosen Urzustand.Es läßt sich nicht rückwärts in eine Wiege kriechen, wenn man dieser mannigfach entwachsen ist.
Ich möchte aber Herrn Brock (und vielen Anderen)keinen Vorwurf in dieser Sache machen,denn ich beobachte bei ihm ja mit Symphatie Eskapistisches und Emphatisches, das mir -wie vielen anderen auch- eher zusagen möchte als die schnöde Profanität eines einseitig fortschrittsgläubigen Alltag-Seins.
Vielleicht gelingt ja in unserer westlichen Evolution simultan zur technischen auch eine Bewußtseins-Progression und somit die Transzendierung zu einem wirklich umfassenden (ungeschauten)Urzustand, der nicht in der Vergangenheit eines vermeintlich goldenen Zeitalters liegen mag, und den daher niemals ein nativer Stamm geschaut haben kann,allein schon weil diesem ja bekanntermaßen keine Synthese aus harmonischem Naturbefinden und einem technologisch spezialisierten Impetus gelungen ist.
Nach dieser Lesart wäre der Brock´sche Synkretismus vom elektrischen Tipi ein Platzhalter für die Vergegenwärtigung der Tatsache, daß nur "wir" -wenn überhaupt-in der Lage sind, diese "utopische" Ganzheit jemals herzustellen. Man erinnere sich an Capra und schaue weit, weit nach vorne.

 

*(14.09.2010)/Das "Viel zu Virtuos"- Pamphlet
Es gibt da so einige unausgesprochene Probleme zwischen der europäischen klassischen Musik und mir. Wo soll ich beginnen?
Nach J.S. Bachs Temperierung des Klaviers stand der europäischen Musik eine tiefgreifende Erneuerung und Rationalisierung bevor. Denn Musik wurde planbarer, repetierbarer und tonal geklärter.In Bachs Werk scheint freilich das große Alte, das Metaphysische noch durch jede einzelne Note hindurch. Ab da aber wird Musik zunehmend zu Zwecken eingeteilt: Der eine Part ist sakral und für die Kirchen bestimmt, der andere wird ganz in die höfische Umgebung verlagert.Dort wird Musik gebrauchsfreudiger, aber auch verkopfter und imaginationsloser.Gleichzeitig steigt die kompositorische Komplexizität und damit auch die technische Versiertheit der Ausführenden um ein Vielfaches. Doch hinter vermeintlicher Virtuosität stehen zunehmend enge Formvorgaben und ein Ehrgeiz um das "Sich- Übertreffen" und Vorführen des Gekonnten. Die einzelnen Takte werden mit viel zu vielen Noten gespickt! Und dieses ständig Verspielte, dabei Pittoreske und Zeigefreudige! Dieses immer Ruhelose und gar nicht Zentrierte! Alles lebt nur vom schnellen Anschlag oder Anstrich. Es wird kaum ein Ton gehalten und schon gar nicht darf etwas ausklingen! Doch gerade im Halten und Ausschwingen liegt ja das Ernste, das Ruhige, das Tiefe und Kraftvolle. Ich finde es nirgends!
Die höfische Musik kommt mir vor wie eine überdrehte Skala für die Ent-Mittung und Entsakralisierung des Post-Renaissance-Menschen, da höre ich überall Entfremdung, Technisierung, Rationalisierung und nicht zuletzt europäische Degeneration. Warum kennt die Klassik kein fühlbar starkes Metrum? Warum keine Einfachheit und Schönheit in der Melodieführung, warum keine echte Repetition? Überall ist nur kompositorische (Über)Ambition und ein großes notenreiches Hangeln im Unverorteten. Und warum gerät alles Melodieführende oft so hell und süßlich? Mußte es ausgerechnet die Violine sein, die man zum führenden Instrument vor alles andere gestellt hat? Mit ihrer kurzen Mensur verstärkt sie noch das Schnelle, Kurzschwingende, das Gekünstelte! Ist das nicht bereits Nietzsches "Seelenrokoko"?
In der Kammermusik zum Beispiel, in Streichquartetten Mozarts etwa, mag sich einiges anders verhalten, -zugegeben-, denn hier gibt es eher eine Reduktion und Konzentration auf den Ton als solchen. Der Ton wird zumindest in Teilen in die Mitte des Interesses gerückt, man beachtet, ja zelebriert das Schwingungsverhalten der Saiten und es enstehen mitunter natürliche Schwebungen zwischen den einzelnen Instrumenten.Letzlich wird viel mehr dem reinen Klang als der Komposition, sprich der Notenfolge gehuldigt. Aber auch hier ist zuviel Ehrgeiz,der die Konzentration und die (Ab)klärung verstellt.Erfreulicherweise geschieht dies nicht so endlos übersättigt und auf Effekt angelegt, wie wir es vom Orchesterklang kennen, dessen Summencharakter für mich zum Überdruß so seltsam in die Ferne gerutscht erscheint, so daß meine emotionale Distanz zu allem Syhmponischen nur noch größer werden muß.
Ich sagte ja bereits zu Eingang, ein schwieriges Verhältnis habe ich.

 

*(06.10.2010)/Dark side of the moon
Es geht um das epochal erfolgreiche Album von Pink Floyd aus dem Jahre 1973:Und vorweg,das wahrscheinlich interessanteste daran ist für Anhänger von Verschwörungen und Synchronozitäten geeignet: Einige sagen dieser Produktion nämlich nach, sie würde, wenn man sie nur zeitgleich zu dem Film "The Wizard of OZ" starten würde,genau auf die Handlung und Schnittfolge dieses Streifens passen.Das mag jeder, wen es angeht,im Experiment für sich nachvollziehen, unstrittig jedenfalls ist, daß
mit ihrem Album " Dark side of the moon" Pink Floyd ihr größter kommerzieller Erfolg gelungen war. Aber nach den entschiedenen Innovationen der vorangegangenen Jahre(bei der Produktion "Echoes" wie vor allem im Auftragswerk "Obscured by clouds" deutete sich allerdings schon eine Zuwendung zum Konventionelleren, Bodenständigeren an),wird mit "Dark side of the moon" eine sehr deutliche Abkehr vom Stil des (Londoner) psychedelischen Underground und von der experimentellen Konsequenz(Ummagumma!) der Vorgängeralben vollzogen. Aber was verheißt das Resultat? Nun, es klingt bei allem Respekt wie ein großes Ausruhen oder Zurücklehnen, oder etwas strenger ausgedrückt, wie ein Verharren in saturierten Konventionen.Auch wenn an den Instrumenten mit neuartigen Klängen experimentiert wird (Moog Sequenzer oder Ringmodulator- und Phasereffekte für Gitarre)so führt dies nicht zur Innovation, vielmehr ordnet sich dies alles streng unter eine Gewöhnlichkeit der Songtrukturen und die standardisierte, für Pink Floyds Verhältnisse bisher ungewöhnlich glatte, ereignislose Produktion.Hier ist weder etwas von den genialisch, von Orff und Stockhausen inpirierten Chorälen von "Atom Heart Mother",(auch nicht von der intimen Melancholie wie bei " Fat old Sun!", noch von den elegisch mystischen Klangexkursionen oder der freien Kraft und Entschlossenheit von ("Echoes"/"One of these Days") von dem Album "Meddle" übrigeblieben. Auch die Entgrenzung und Klangverliebtheit des Nachfolgers "Wish you were here" oder der nachdenkliche, düster-goldene Glanz von dem darauffolgenden "Animals"liegen hier noch unbekannt in der Zukunft.Man hat hier ein Album (bewußt oder nicht) für den großen Markt geschrieben. Andauernde Mainstream- Reminiszensen durch farbige Backgroundsängerinnen oder Nachtclub-Saxophon-Klänge vehindern, daß die wenigen erhebenden Stellen ("On the Run"/ Beginn von " Time")zum prägenden Elemet werden.So bleibt gerade dieses Album ein prinzipiell "normales" (Soft)Rock-Produkt.Wieviele Anhänger man damals wohl auf diese Weise verschreckt hat? Vor allem hat man all denen, die Pink Floyd nie mochten, das beste Argument zur Hand gegeben: Den Vorwurf der Langeweile. Die einzelnen Stücke(vielleicht mit Ausnahme des antizipatorischen "Money", das riff- und gesangsstark die Siebziger-Dekade mitgeprägt hat), durchzieht eine konsternierende Schläfrigkeit (ist das Alan Parsons Handschrift? Man kennnt dies von seinen eigenen Werken!),an vielen Ecken lauert schlicht und (gar nicht) ergreifend der Leerlauf. Gelohnt aber hat sich dieses Ausruhen und Luftholen für Größeres allemal. Das Album war in den Billbord Charts 741 Wochen lang(!)unter den Top 200 notiert notiert und gilt mit über 40 Millionen verkaufter Exemplare als das dritt-erfolgreichste Album aller Zeiten. Im Vergleich zu den schnellebigen FastFoood Produktionen der Gegenwart, die Dank eines eingebrochenen Marktes mit lausigen Verkaufszahlen bereits in der Lage sind, die Charts stürmen, ein wahrer Monolith.

*(13.11.2010)/Schlachtenhymnen
Es müssen 1982 diverse mythische Entitäten (wahrscheinlich aus dem alten Skandinavien)über Amerika geschwebt haben, um dem Bassisten, Wagnerianer und Halb-Indianer Joey DeMaio den Song Battle Hymns in die Komponistenfeder zu legen. Wen interessiert, was dieser Mann ab 1984 dann mit Manowar produziert und veranstaltet hat, denn diese Zeit davor war seine wirklich kraftvolle. Und dieses Stück von 1982 kündet genau davon und von wilder Freiheit, klanglich fühlbar geworden in tonalen archaischen Stammes- und Kriegerphantasien.Und ist dabei bei aller Härte und Entschlossenheit mit kompositorischer Geschicklichkeit und musikalischem Ornament versehen. Was bedeuten da latente Vorwürfe wegen faschistoidem Habitus oder gewaltverherrlichenden Texten,("Hail to thee ..our infantery..." "By moonlight we ride, ten-thousand side by side" (Heavy Metal ist schließlich immer faschistoid, oder etwa nicht?-Nach E. Nolte ist Faschismus eine (Straf)Expedition mit wehenden Fahnen... )
Im jungen Jugendalter hat DeMaio uns so entflammt wie ein Gebet es nie vermocht hätte, daß wir Schilder malen und an Strassenecken und Haltestellen aufhängen wollten, um auf unsere Begeisterung für die Größe dieser damals völlig unbekannten Amerikaner hinzuweisen, was dazu führte, daß die latent zur Gewalt neigende Bushaltestellen-Jugend und ihr subalternes Mainstream-Gefolge Schläge austeilte und später auch Kasettenrekorder kaputtmachen wollte.Aber ist es nicht eine edle Tat, für das Wahre und Hohe leiden zu dürfen,um heilige Opfer zu bringen?

*(04.12.2010)/Quicksilver Messenger Service
War nun Jerry Garcia der Größte aller Hippies,oder doch John Cippolina? Cippolina prägte mit Quicksilver Messenger Service wie kein anderer den Spätsechziger-Sound von San Franzisko. Nach Garcia wurde zuguterletzt eine Eissorte benannt, vor Allem aber schuf er den großen Klassiker "Dark Star". Beide waren standesgemäß LSD-Jünger und Morphinisten,beide sind selbstverständlich viel zu früh gestorben, Cipollina ist allerdings nicht am Heroin zugrunde gegangen, sondern an angeborenem Asthma und Nikotinabusus. Er war die fragile, geheimnisvolle Gitarristenerscheinung der Westküste, sozusagen die Inkorporation des dortigen,damaligen großen Sommers und er prägte zudem einen völlig eigenen Klang, der auf sehr individuellem, gleichzeitigen Gebrauch von Wah Wah-Pedal- und Tremoloeffekten beruhte,daher auch sein Spitzname "Wimmerkralle" rührte.
Er (und seine Band) waren allgegenwärtig im Fillmore-East und in den (viktorianischen) Häusern von Height Ashbury- und waren die Mit-Erschaffer des dortigen Lebensgefühls. Was deutsche oder europäische Blumenkinder eher abwegig gefunden hätten, war seine spätere Vernarrtheit in Waffen, vielleicht aber wird dies dadurch verstehbar, daß sich seine Vorväter mit der Flinte vorraus nicht vor allzu langer Zeit erst ihren Platz im Westen erkämpft hatten, ein Platz, an dem ihre Enkel nun deren Sehnsucht nach Freiheit ausleben konnten.Auf dem zentralen Album von Quicksilver Messenger Service,"Happy trails", das live aufgenommen wurde, weil das Banddebüt und Vorgängeralbum nicht die eigentliche Vitalität und Inspiration der Band einzufangen vermochte, wird aus dem profanen Bo Diddley Klassiker "Mona" nach nur wenigen Minuten eine große, psychedelische Reise in die hypothetischen Landschaften, die diese Ära geographisch absteckten.Der Vocalist der Gruppe, Gary Duncan, läßt schon nach der zweiten Gesangszeile vergessen, daß jemals ein Jim Morisson oder die Doors existiert haben. Nebenbei:Wer lenkt eigentlich die Ströme der Aufmerksamkeit auf immer die selben Köpfe und warum bleiben Andere, nicht weniger wichtige, jenseits dieser Fokussierungen so stetig unbeachtet? Sollte man nicht besser die ganze Geschichte erzählen?
So reist man mit Duncan und Cippolina über weite phrygische Landschaften, die sich bald in entrückte abstrakte Luftgebäude entwinden.Cippolinas Gitarre kann unvermittelt dunkel und bedrohlich wie ein überfliegendes Jagdgeschwader klingen, um dann wenig später helle, fast sakrale Töne zu erschaffen. Es ist kaum bekannt, daß Quicksilver Messenger Service 1967 beim berühmten Monterey Pop-Festival aufgetreten sind. Die mediale Aufmerksamkeit galt dort ganz den Ego-Darstellern wie z.B.Janis Joplin oder Jimi Hendrix. Cipollina war aber nie weniger spektakulär, sein Spektakel lag aber eine Schicht tiefer,subliminal und subkutan wirksam, sozusagen, wie ein Archetyp einer Generation. Und sein Spiel war- völlig unverkennbar- im mythischen Zeitalter verankert!

 

*(04.01.2011) Kulturradio
Es ist kaum zu leugnen: Die Zustimmung zur klassischen Musik befindet sich latent auf einem absteigenden Ast.Und das geht nun schon seit vielen Jahren so.Vehement zeigt sich, was man so nicht denken wollte:Das Zeitlose bewährt sich nicht unbedingt als solches, schon gar nicht in hiesiger Gegenwart.Die das proklamierten, hatten wohl die Option auf eine klang- wie gesamttechnische Evolution und Dynamiken des perzeptiven Bewußtseins und dessen Rückschlag auf Kompositions- wie Rezeptionsmuster außer Acht gelassen. Darauf reagierten die Kulturedaktionen ursächlich nervös, dann aber bald in der Art, die diese selber als Anpassung an die Moderne zu interpretieren gewillt ist: Doch das Ergebnis? Ich höre in einem Kultursender, der sonst (meist schon nur später des abends)für die ernste Muße zuständig zeichnete, ganz zum Erstaunen und fast in ununterbrochener Weise nichts anderes mehr als südamerikanische Urlaubsmusik (und Verwandtes--Nein, ein Baden Powell, eine Mercedes Sosa retten es nicht!). Warum diese "Erweiterung" des redaktionellen Angebotes deplatziert bis lächerlich klingen muß? Die Verantwortlichen offenbaren mit dieser musikalischen Selektion nichts weiter als ihr totales Unverständnis für mental-geographische Topologien geschweige denn deren geomantisch-inspiratorische Koordinaten hiesiger Längen und Breiten. In Ignoranz der immensen Option auf die Tiefen-Kontinuität europäischer E-Musik- Tradition und deren Weiterverfolgung durch zeitgenössische mental-ästhetische Äquivalente serviert man flachen Eskapismus an südamerikanische Party-Strände.In seichter Fahrlässigkeit und ohne inneren Willen für die Chance auf kulturelle Selbstvergewisserung okkupiert man hiesige (mediale) Landschaften mit trivialer Urlaubssehnsucht als Katalysator einer mentalen Unverortetheit, wenn nicht gar -was ich latent zu unterstellen geneigt bin-einer nachkriegs-induzierten (öffentlicher Auftrag!)Eigen-Aversion. Kann man nicht eine Konsequenz in Erwägung ziehen, die Staatsbürgerschaft wechseln, sich zur Ruhe setzen, das Kulturamt vakant hinterlassen und an wetterlauen Türkis-Stränden ein Domizil erwerben?

 

 

To all co-pilots of spaceship Earth-
this is Your Captain speaking:
"Your captain is dead".

(Robert Calvert/Hawkwind)

 

*(04.02.2011)/Mick Bolton
Wer kennt den Gitarrist Mick Bolton? Anders als ein jedermann bekannter Jimmy Page oder Richie Blackmore schien dieser als einer der wenigen Instrumentalisten der frühen 70`er Jahre so gar nicht im Rhythm and Blues oder im Rock `n´ Roll der vorangegangenen Dekaden zu wurzeln, er schritt viel eher unvoreingenommen und befreit, zeitgenössisch mit dem Blick nach vorne gerichtet zu Werke, und von seiner Spielart tief geprägt,lieferte die Formation UFO von 1970 bis 1971 zwei überaus essentielle Alben ab,("Ufo 1" und "Flying-One hour Spacerock-") - darauf verschwand Bolton wieder für alle Zeiten aus der öffentlichen Wahrnehmung. Selbst die durch das Internet möglich gewordene Tiefenrecherche hat zu seiner Person nie etwa Neues ans Licht gebracht, höchtens hier und dort etwas marginales, ernüchterndes und gar entmythologisierendes, denn Mick Bolton hat weder jemals bei den "sagenumwobenen" Pink Fairies gespielt, noch ist er in den Achtziger Jahren unter dem Namen "The Edge" bei einer wesentlich bekannteren Band namens U2 wieder aufgetaucht(was verwegenste Verschwörer tatsächlich so kolportiert haben),auch wenn sein echobeladenes und Flageolett-haltiges Spiel evtl. zu solch kühnen Assoziationen hätte verleiten können.
Bei einem Stück wie "Treacle People", in dem es um Lebewesen eines anderen Planeten geht, die sich hauptsächlich durch einen dauerhaften Lach-Drang und die Bedeckung mit Sirup auszeichnen, schafft er frequenzmodulierte Gitarrenkaskaden, die so groß sind wie Weltraum-Leitern, mit denen man von Planet zu Planet quer durch Sonnensysteme klettern könnte.Einem "reduzierteren" Stück wie "Galactic Love" wäre in einer gerechteren Welt niemals weniger Erfolg beschieden gewesen als einem "Whole lotta love" von Led Zeppelin oder "Paranoid" von Black Sabbath. Und wer im Kontext dieser frühen Aufnahmen-wie wiederholt geschehen-von schwacher Produktionstechnik spricht,sollte "reduziert auf das Essentielle", nicht mit dem Attribut "schwach" verwechseln. Gerade das erste Album klingt vielmehr sehr nah, authethisch,ungezügelt energetisch. Wer tatsächlich Interesse an Früh-Siebziger "Low-Budget" Produktionen mit zweifelhaftem Klangbild hat, sei zum "guten" Beispiel auf entsprechende Alben von Budgie oder Blue Cheer verwiesen.
Bei einem Long-Track wie "Star Storm" erschafft Mick Bolton mit einfachsten wie effektiven Gitarrenmitteln seine große autonome Galaxie, man lauscht einer imaginativ-extensiven Dichte,-jede einzelne Sekunde,scheinbar selbst das Knacken des Poti-Umschalters, ist hochinspiriert- wie sie vielleicht nur ein einziges Mal wieder (freilich auf andere Art) von Jimmy Page bei "Dazed and Cofused" in der Live-Version von dem Album "The song remains the same" erreicht wurde.Während Page aber Hilfsmittel wie Phasereffekte, Ringmodulatoren oder einen Geigenbogen einsetzt, erzielt Bolton diese große Wirkung ausschließlich durch gitarrenspezifische, spartanischste Werkzeuge wie Wah-Wah Pedal, Delay, und Volumenpoti-"Behandlung". Und bei "Silverbird", dem fulminanten Opener des zweiten Albums, spielt er mit Unterstützung von Pete Ways akribisch und unruhig/oktavisch akzentuiertem Bass vollends die (pentatonische) Quintessenz und Eleganz der frühen Siebziger Jahre-Atmosphäre aus,(hier ohne Echo-Psychedelik, mit kraftvoller Direktheit),tranzendiert und befreit den zeitgenössischen (harten)Rock zur Zukunftsmusik.Und alles ist durchzogen von einer eigentümlichen Erdferne und silbrig -mystischer (Science)Fiction("Big silverbird, let me inside your plane...I wanna fly high away". Obwohl nur puristische, "klassische" Instrumente im Einsatz sind ,ensteht durch einen Habitus der regelrechten Distanz zu Allen und Allem eine selten erreichte klanglich- kompositorische Autarkie. Das ist eben nicht"best forgotten" wie Way viel später ganz fälschlicherweise behauptete und zudem lieferte Phil Moggs bezaubernde vocale Überheblichkeit das perfekte Medium, um zu erörtern, ob der Protagonist namens "Timothy" vom Himmel oder der Erde oder den Sternen stammte oder um den seltsamen "Prince Kajuku" in all seiner Anmut zu beschreiben, auf dessen Ankunft man gespannt wartete. Man beachte gerade auch die letze Vocal-Strophe des 26(!)Minuten-Stückes "Flying" mit gediegenem Bandecho, damals ein Novum und gleichzeitig Lehrstück in Sachen studiotechnischer Umsetzung von Ferne, Sehnsucht und Verlorenheit-(wer hatte sich damals außer Hawkwind gewagt, Echo dem Gesang beizumischen?)Obwohl "echte" Rockmusik, ist das kein bodenverhaftetes Wurzelwerk mehr, sondern Aufbruch mit behenden Raumgleitern in neue, ätherischere Essenz-Zonen.Das ist in Wahrheit"best remembered!"
Zwar habe ich in "BÖC " eine Lanze für Boltons Nachfolger Michael Schenker(das deutsche Wunderkind)gebrochen, doch was war UFO ohne Bolton zuallerst ein Einbruch beschert, nach den abgeklärten Höhen, dann nach Zeiten der Gitarristenvakanz(die u.a. mit Larry Wallis und Bernie Marsden gefüllt wurde - hier gibt es die mythenbildenden Schnittmengen mit Bands wie Bloodwyn Pig,den Pink Fairies oder The Damned und Motörhead)erschien ja erstmals mit Schenker die überaus schnöde Single "Give her the gun" mit simplifiziertem Bubblegum -Rock, profanisiert für den damaligen amerikanischen Massengeschmack. Welch unschöne Bauchlandung dieses stolzen Flugobjektes! Anfangs unter Schützenhilfe des Ten Years After-Bassisten und Produzenten Leo Lyons hangelte man sich sukzessive von Album zu Album,-In der Retrospektive hieß das: "they went on to fame and fortune"-nun das war relativ, man war ja meistens einen halben Schritt hinter dem Ruhm (In Wahrheit brauchte man Jahre, um sich nach Boltons Abgang zu rekonsolidieren, Hypgnosis aber schuf wunderbare Coverkunst), man produzierte einiges an Mittelmaß, schuf diverse Ausrutscher und komponierte auch immer wieder große (Rock-)Perlen. Das Live-Album mit Schenker "Strangers in the Night" von 1979 ist natürlich höchste Meisterschaft-vielleicht eines, wenn nicht das beste Live-Album aller Zeiten-,hat aber eben rein gar nichts mehr gemein mit dem UFO-Urklang. Es bietet Rockmusik-"Normalität", auf olympischem Niveau. Aber die entrückte, strahlende Magie, ja Kosmologie des unidentifizierbaren Weltraum-Gefährts war mit Boltons Abgang schon Jahre vorher unwiderbringlich vergangen.

 

*(06.02.2011)/Die 70´er auf Erbensgröße
Folgende Namen füllten einst die ganz großen Hallen und waren konstitutiv für die Seele einer Generation: Und heute? Die Band Grobschnitt gibt es seit einiger Zeit wieder (allerdings ohne Eroc), sie spielen ein Konzert in der Stadthalle von Osterholz Schornbeck(?!). Uriah Heep gibt es ,wie Nazareth -diese allerdings ohne Darrell Sweet (RiP)und Mannie Charlton),wieder (mal wieder) oder eben immer noch. Sie wiederum spielen in den Stadthallen von allseits unbekannten Mittelzentren wie Morbach (Hunsrück)und Lorsch.Sehr passend dazu ist die Pressemeldung, daß eine Band wie Status Quo soeben ihre "erfolgreiche" Deutschlandtournee im Vorprogramm der Spider Murphy Gang (!!/ Wie bitte?) beendet hat.
Das ist ja so, als hätten die musikalisch-epochalen 70´er Jahre quasie gar nie existiert. Als hätte man nun einen Erdball auf Erbensgröße zusammengeschrumpft um ihn dann beliebig durch die Luft zu schnipsen. Oder man hätte den Glanz einer Kathedrale reduziert auf eine mit Gnadenkerzen beschienene Betkapelle. Den wenigen Gealterten,Verirrten, die dort noch hinpilgern, schaut das Gros nur befremdet hinterher. Das dort einst ein planetengroßer Dom stand, ist heute ja weitgehend unbekannt.

 

"Dont kill the whale"

(Jon Anderson 1978)

 

*(04.03.2011)/Die Befreiung des Klaviers
Hätte man als Pianist beim Spielen von Chopin-so hörte ich zumindest-ein hartes, eher anstrengendes Handwerk vollbracht, so spürt der Interpret nach Partituren von Debussy vielmehr anatomische Entspannung und "manuelle" Harmonisierung. Debussy, so kann man sagen, hat wohl mit der Geschmeidigkeit seiner Tonfolgen wie nebenbei die Hände der Pianisten befreit.
Karlheinz Stockhausen aber hat nicht die Hände der Pianisten befreit, sondern das Klavier selbst. Er vollführt die endgültige und völlige Emanzipation von Form, Schablone, Vorgabe und Erwartung.
Ich kann es nur im eigenen Erleben umschreiben:Endlich höre ich den bald nicht möglich geglaubten Verzicht (auf obiges), die Auslassung, den Sieg des reinen Klang-Ausdruckes.So bildet sich Geklärtes, Bereinigtes, und gleichzeitig kontemplatives "Klang-Zulassen".
Es ist ein spätwinterlicher Abend und es ist bereits heller- die Räume des Hauses liegen in aufgeladenem Dämmerlicht. Ich suche eine Packung Myhrre-Harz aus dem Schrank und nehme dazu eine Schaufel Glut aus dem Ofen. Bald steigt kirchlicher Duft in den Raum,trifft dort auf Töne, deren Wesen zum Vorteil auch Entfaltung,Gehalten-Werden und Auschwingverhalten einschließt. Jahrhunderte hat man an diesen elementarsten Dingen vorbeikomponiert.Bilder des Essentiellen, des Eigentlichen/Wahren steigen auf, ich sehe freihe, abendliche, sonnige, nördliche Landschaften.Die Klavierschwingungen transzendieren denRaum. Somit ein guter Abend!

 

*(12.03.2011)/Subhumans
Zu Beginn der Achziger Jahre veröffentlichte die Band The Subhumans einige bemerkenswerte Produktionen. Schon von Anfang an aus dem gewöhnlichen britischen Punk herausstechend, fand ihr Schaffen neben den frühen EP´s in dem Longplayer "The day the country died" einen echten Höhepunkt. Hört man auf Stücke wie "It`s a dying world" oder "No more gigs" trifft textlich gekonnte Subversion auf autonome, charismatische(Punk)-Klangbilder, versetzt gar mit psychedelischen Passagen. Der Gesang ist zumeist charismatisch gedoppelt und verleiht dem Ganzen etwas Eindringliches, Unmittelbares.Nach meiner Meinung besteht interessanterweise eine eigenartige Verwandschaft zu einer anderen Produktion namens "The land of the lost" von der amerikanischen Band The Freeze aus dem Jahre 1984, einem der energetischsten Longplayer der Musikgeschichte überhaupt. Zwar hatte das britische Kollektiv The Crass bereits 1979 den Tod der Punkbewegung verkündet, aber es sollte tatsächlich noch bis zu Beginn der 90´er Jahre dauern, bis diese wirklich und nachhaltig zu Grabe getragen wurde.Subersion, Intelligenz und Innovation, dazu Wut, Kraft und Authentizität,(und eine ganze Menge Spaß und Freiheit nicht zu vergessen) das alles aber war damals im Zusammenklang noch möglich.
Kinder, was die Zeit vergeht!

 

*(10.04.2011)/Manny Charlton
Auch ein sehr prägender Gitarrist der 70-er Dekade: Der "spanische Schotte" Manny Charlton. Im perfekten Verbund mit dem Vocalisten Dan McCafferty machte er sich mit der Formation Nazareth von Glasgow aus auf,den frühen Siebzigern entscheidend Identität und Gesicht zu stiften.Ihr erster Beitrag, ganz den Geist der Zäsur und das dunkle Timbre des Jahres 1970 atmend, erzählte man von der Frau eines Hexenjägers (Witchdoctor Woman)oder Caffertys erster Liebe zu einem Mädchen aus einem Hurenhaus (House of the red light). Neben dem elegischen akustischen Orchesterausflug King is dead,der mit dem gnostizistischen I will not be led auf dem zweiten Album der Band, Excersises, eine unerwartete Reprise erfährt und die Dramatik eines Königsmordes kolportiert:"I have not come, to worship you our lay flowers at your throne", wird das Album von einer Yardbirds Coverversion namens Morning Dew gekrönt, mit einem frühen Simon Phillips als Gastmusiker an der umfangreichen Percussion, und mystisch treibender,hochimaginativer Atmosphäre und -darauf will ich eigentlich hinaus-, Manny Charltons sehr individueller, bis dato ungekannten Spielart.Tatsächlich ist mir bis heute kein anderer Gitarrist bekannt, der die Effekte "E-Bow",(elektronischer Geigenbogen),"Delay"(Echo),"Phaser"
(phasenverschiebender Jet-Effekt) und Bottlenek (Flaschenhals statt Griffhand) in Kombination benutzte. So kommen die eigenwilligen, singenden, anschlaglosen Soli Charltons zustande, wie etwa bei dem (einzigen) Megaseller Love Hurts oder der von Joni Mitchell zutiefst geschmähten -grandiosen- Interpretation ihres This flight tonight.(Wer kennt da eigentlich das Original?)Charltons Gitarreneffekte sind gerade vor dem Hintergrund seines Traditionalismus erstaunlich, denn eigentlich ist er im Blues und Folk verwurzelt und beherrscht eine puristische, exzellente Slidegitarre. 1974 erscheint die LP Rampant, mehr noch als der Name schon vermuten läßt, beherbergt sie eine Überfülle an Klang, Austattung und Experimentierfreude. Ausgerechnet der bodenständige Roger Glover(Deep Purple) verpaßte dieser Produktion ein nicht gehörtes extravagant experimentelles Soundgewand,abermals ist ein Höhepunkt ein Yardbirds Cover-hier Shapes of things-ganz anders als das Original oder die Version von Jeff Beck mit Rod Stewart am Gesang-in überbordendem Arrangement epischer Breite und futuristischer Psychedelik, das schließlich und konsequent in einem Outro mit Namen Space Safari aus umherschwirrenden Raumgleitern und Spähren-Zischen endet. Das ist hochimaginativer Futur-Rock! Schon die Einleitung des Albums mit dem Stück Silver Dollar Forger und den programmatischen Zeilen: "I m tired of nervous running, hiding from the light, I want to walk out in the sun´" weist den Weg in eine musikalische Selbstbestimmung, die sich dann in üppigen, fremden, doch sonnenbeschienenen Klang-Welten entlädt.Selbst konventionellere Ansätze wie etwa die Ballade Loved and Lost, versteht Manny Charlton durch sein hochfliegendes Spiel in Paralleldimensionen zu überführen. Selten, -eher nie!- wurde eine "klasische Rockplatte" mit solch ausladenden Effekten "geflutet"(und selten wurde ein Album leider so schmählich unterbewertet!), wobei Nazareth mit Rampant glücklicherweise aber aufgezeigt haben, daß es prinzipiell kein echtes Gegenargument gegen eine Totalausschöpfung produktions-und klangtechnischer Mittel geben muß. Nach dieser Großtat setze Manny Charlton in den weiteren Jahren dann selber als Produzent der eigenen Band weitere wichtige Akzente.Sein besonderes Gespür für Coverversionen brachte u.A. die nennenswerten Versionen von Beggars Day von Nils Lofgren oder The Ballad of Hollis Brown von Bob Dylan zuwege. Letzere ist in ihrer musikalisch-quälend mahlenden Umsetzung der desolaten Textbotschaft nur als Früh-Industrial zu bezeichnen. Ein letzter großer Glanzpunkt ist die rauhe, geheimnisumwaberte Produktion No Mean City (1978) mit Zal Cleminson von der Sensational Alex Harvey Band als Zweitgitarristen.
Heute hingegen werkelt Manny Charlton abseits von Nazareth an einigen völlig unbekannten Projekten, sein Wikipedia-Eintrag ist erschreckend kurz. Dies ist symptomatisch für die Tatsache, daß er zu den zu Unrecht wenig Beachteten, gar fast vergessenen ganz großen Gitarristen der Rock-Historie gehört.

 

*(10.05.2011)/The Plasmatics
Hohen Kultstatus besitzt das Album „New hope for the wretched“ von den Plasmatics.1980 erschienen, bietet es originären, harten amerikanischen Frühpunk. Dagegen nimmt sich etwa eine andere US-Band dieser Zeit, die Ramones, wie ein Einschlaf-Chor für harmlose Bubblegum-Mädchen aus. Die Protagonisten spielen geradlinig, voluminös und hochauthentisch (sie waren vor Ort, zur richtigen Zeit!) Bei Dream Lover wird auch einmal versuchsweise ein Instrumentalpart eingespielt, ohne das man sich im Studio gegenseitig hören konnte - entsprechend kakaphonisch ist das Ergebnis, -und absolut niemand kam vorher auf diese Idee! Wendy O. Williams zeigt schon hier die Tendenz, ab und an eine Gitarre mit der Motorsäge zu durchtrennen, was sich aber hier ins Klangbild noch passend einfügt. Gerade bei Stücken  wie Butcher Baby oder Living Dead agiert Wendy O. Williams gekonnt die richtige Dosis eines naturgegebenen weiblichen Animalismus aus. Auch die dauernden schnoddrig-unverständlichen Einzähler (des Bassisten?) zwischen den Stücken gehören zum Unverwechselbaren (und absolut Kultigen)dieser Produktion.
Warum ist diese Sorte des frühen Siebziger-Punk so chronisch unterbewertet, ja quasi vergessen? Warum werden die Plasmatics bei der Geburtsstunde des Punk überhaupt nie erwähnt? (Gegründet schon 1977,und das im Punk-Nachzüglerland Amerika!)
Also:Eine Band wie Television in allen Ehren, aber ich konnte dort nie eine Verbindung zum Punk erkennen, ebensowenig wie gar bei Patti Smith (?!). Auch nicht bei anderen, noch früheren, aber härter rockenden Protagonisten wie  etwa  MC5 oder The Stooges (zu hoher konventioneller Rock ´n Roll Faktor!) Die New York Dolls traten zu tuntig und rock-dekadent auf (ihr Song Frankenstein ist allerdings grandios, eine große Vorwegnahme, ein Dekaden-Meilenstein.) Nicht zu vergessen ist in diesem Kontext auch die australische Band Radio Birdman. Aber Punk? Die englischen The Damned führten 1976 in der Tat mit dem Stück New Rose vor, wohin die Punkrock-Reise 1977 gehen sollte. Sie waren fast die ersten, die sich von den alten Wurzeln weitgehend getrennt hatten. Die ganz frühen Motörhead mit Larry Wallis (um 1975) waren überraschenderweise ebenfalls ziemlich punkig und daher ihrer Zeit voraus. Einige dieser Protagonisten zelebrierten dann als Veteranen viele Jahre später ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse in Projekten wie etwa  The New Race, was mal wieder unter Beweis stellt, daß Garage, Rock und Punk dann eben doch sehr nahe zusammenhängen (nicht wie einige New Wave und Public Image Limited -Hörer fälschlicherweise dachten) den  Boutiquen und der Cocktailpartyszene zuzuordnen waren, sondern von der schmutzigen Strasse kamen und eben für diese gemacht wurden.

 

*(24.07.2011)/Toni Iommi
Warum hört und sieht man komplette Welten, schon in den allerersten Takten von Wheels of Confusion von Black Sabbath (Vol.4), wo sich Toni Iommies Gitarren-Stil exemplarisch offenbart? Warum sieht man einen dunkelroten Sommersonnenuntergang über (englischen) Grafschaften oder Intentionen von Bruegel-Bildern, dunkle, farbige Reminiszenzen an Vergangenheit, Erhabenheit und Unwiederbringlichkeit oder wehmütige Ergriffenheit, ja "freudig" schaudernde Verlorenheit? Man siehe die Korrelationen zu dem fast surreal farblich übersteigerten Coverfoto der ersten LP Black Sabbath mit einer schwarzgekleideten Frauenerscheinung im Garten unermesslichen Alleinseins. War es diese tiefe Art (und eine sehr mystische Physiognomie, die damals alsbald englische  Hexenzirkel auf den Plan rief oder ging das doch konkret vom umgedrehten Kreuz im Innencover aus, das allerdings gegen den Willen der Gruppe aus markttechnisch-provokanten Gründen eingesetzt wurde? Black Sabbath waren nie die schwarzen Magier, für die manche sie gerne ausgaben, diese Rolle kam viel eher ihren obskuren englisch/italienischen Zeitgenossen namens Black Widow zu,die sich live zu gerne in diversen schwarzmagischen Exerzizien ergingen. Ozzy Osbourne hingegen zog es vor, von der kommenden Ära der Liebe zu künden: „Show the world that love is still alive you must be brave, or you children of tomorrow are children of the grave.“ Daß man nur die letzte Phrase „children of the grave“ isoliert als Songtitel benutzte, verfälschte den Eindruck und war Wasser auf die Mühlen einiger Verfasser „christlicher“ Anti-Rockmusik – Traktate. Osbourne aber grub das Wasser ab mit Worten wie folgt: “Could it be you´re afraid of what your friends might say if they knew you believe in God above? They should realize before they criticize that God is the only way to love“ (sic!).
Zurück zum Begriff des Magischen: Warum sah die Band während eines Studioaufenthaltes kollektiv eine Reitergruppe aus einem vergangenen Jahrhundert vorüberziehen, wie es Toni Iommi Jahre später mit wankender Stimme erklärte, und wieso schöpfte ausgerechnet der Birminghamer Arbeitersohn, um zum Eingang zurückzukehren - mit so unfassbar wenig Tönen aus einem Allertiefsten, Alleressentiellsten (wie kaum jemand sonst- eher niemand - es vermochte? Selbst beim verwässerten späten Album Technical Ectasy -der (Gruppen)Zauber und die Inpiration waren hier prinzipiell verflogen,(die letze inspirierte LP war Sabotage, Never say die 1978 schöpfte dann aus einer anderen Quelle, war doch wieder inspiriert und ein gelungenes Epitaph) -,warum also war es selbst bei einem Stück wie It`s alright, bei dem der(großartige) Bill Ward hinter dem Schlagzeug gar lennonhaften, epigonenartigen Gesang (und dessen Aussehen) übernahm, Iommi dann endlich sein Solo annstimmte und doch zugleich der alte unerklärliche Zauber -sozusagen aus dem Nichts- wieder einsetzte? Wieso war das alles?
Niemand kann es sagen.

 


Dichtung

*Dichtung(06.10.2010)/Herbstabend
Atair, der große Vogel/
ist wieder in den Horizont gefallen/
und über meiner Furcht des späten Jahres/steht hoch das Siebengestirn/
und du bist aus dem Bach aufgestanden/ diesesmal für immer/damals hatte ich dir diese seltsamen Egel
von Deinem schönen Rücken genommen/
ein Hundebein kann mehr vertragen/
weiß Gott warum/ selbst im Januar.

 

*Dichtung(01.11.2010)/Damals in Podolien
Da hatten wir die Schalentiere/rechts der Fluß führte nämlich welche/links der nein/aber der war näher, wie auch anders?/immer in das siedende Wasser (damit)/lilarot waren sie und sofort tot/

wir hatten eine lustige Jugend.

und fünfmal ein Steckschuss, der letze saß gut/es wurde nur warm/und der Himmel drehte/ wie die geplatzten köstlichen Beine für das gute Fleisch /und einen halben Knobelbecher Blut dazu (gegossen)/

wir hatten eine lustige Jugend.

 

*Dichtung(01.12.2010)/Dezemberbild
Um uns die unbekannte Größe/
eine Flammenzunge leckt im Spiegelhauch/ruft aus stillem Fenster in eine hohe Nacht/
und daneben wohnt ein Tier und ein Stein/
Schau das nutzlose Recken/
nach der Höhe der Zimmer/
nur eine Kerze spendet Wärme/ und
draußen, direkt am Haus/ rauschen-mehr noch surren- die alten Nadelbäume/
heilig und rauh.

 

*Dichtung (12.12.2010)/Sommer vor Odessa
Um diese Zeit ohne Wölfe/
der Vater meines Vaters/
und ich bin schon zum Greis geworden/
hatte Ar an Ar ein Land gebaut/
so daß wir Lotkirschen aßen/
und in die Sonne riefen:
"Wir sind noch zu jung für den Winter!"/
und darum den bleichen Relikten folgten/
noch vor dem Regen nach Hause.

 

*Dichtung(14.12.2010)/Neujahrstag
Weit vorn` am Rand des Himmels/
scheinen dunkel rote Luftgebirge/
Schnee hat die Rufe der Krähen bedeckt/
und Eisgedanken reissen an den Händen/
der Frost liegt tief im Morgenfeld/
und alles muß nun sterben/
den gnädigen Neujahres-Tod.

 

*Dichtung(03.01.2011)/Gliese 468
Schau die rote Felsensonne/so nah als malte sie ganz den Himmel aus/als wäre der Sommermond herabgestürzt und vor den Wald und unsere Türen gerollt/noch unbetretbar ist diese helle Fremde aus Leuchtgestein und Feuergebirgen/sie trohnt so hoch/ und lodert magnetisch/es ist jetzt eine große Zeit/Also komm!

 

*Dichtung(04.01.2011)/Ich will nicht
Ich will nicht meine Kraft vergeben/ schon gar nicht meinen Geist versetzen/
und hab` nicht die geringste Lust Tiere zu überfahren/also nur noch diese eine Heimkehr/an eine trutzige Stelle/ich wandle und Ihr sollt weichen/dies´ Leben und Sterben ist nicht Sache der Tribüne.

 

*Dichtung(04.01.2011)/Januarwind
Das war genau vor dreissig Jahren/so
spricht das dürre Hutzelweib/
ein seltener Wind hatte die Klammer gelöst/und das Eis im Bach davongetragen/fast wie im späten März/ so einfacher wurde das Leben/nur unser Spätgeborener/er war verschwunden und erst im Früjahr angeschwemmt in der Stadt an der großen Flußbiegung.

 

*Dichtung(04.02.2011)/Am Tag
Nun zeigt der Wind/keine Baumgabeln biegen/ich kann nicht zum Berg/darin lauert ein Tag/auf der Zeitprärie sind schon die Wochen getan/und ich warte nicht mehr/ denn das Leben selbst war schon zerwartet/ bereits mehr als zehnmal /und daher ist heute das heute nur hier.

 

*Dichtung(04.02.2011)/Abschied
Du hast dein Naß in das Abschiedsrad gegeben/das richtungslos fährt/doch über Salzwunden lenkt/dann immer hinunter zum Tiefsten hinab/und der Knecht muß voran/nach dort wo es gleichgültig träumt/vom Darüber und Dahinter/ohne dich und ohne mich.

 

*Dichtung(10.02.2011)/Februar
Orion am Abend/und Februar hat kleine harte Wogen in den Waldmorast gefroren/ knochenkalt liegen heute alle Wege/die Einen halten inne hinter Bäumen/und wir sind in den Häusern dezimiert/ausgehungert und noch immer ungebrochen - wartet das Leben.

 

*Dichtung(13.02.2011)/Nach Nordost
Eisen und Tier ist hinübergesetzt/so laß uns empor nach Nordost/zu den schwarzen Mauern wollen wir fahren/denn nach hinten liegt undurchdringbar die See/und zum Mond rufen die Kinder/für Schwert um Schwert und den Untergang.

 

*Dichtung(05.03.2011)/Geschoss
"Gar nicht gut sind die schmutzigen Splitter"/und zeigte auf seinen mürben Bauch/da lob´ich mir ein Geschoß der Infanterie/wie schon die alten Brigaden immer sagten/es muß nur recht abgebremst werden im Fleisch/ damit es dort bleiben kann für alle Zeit/ da überaus passend- und steril.

 

*Dichtung(06.03.2011)/Allein
Draußen ist schon das Helle/ luftig schimmern nun die letzen Tage/und erzählen der kalten Erde von ihren vielen Vorhaben/auch der Windgeschmack ist neu/und alles Hoffnungsvolle unterstreicht mein Allein-Sein.

 

*Dichtung(06.03.2011)/Unter Menschen
Aus den langen Dunkelgängen/muß ein Weg hinaus vor diese Tür/oder man geht hinauf zu den Alten/die schon lange waren/auch hinab ins Himmelreich /wo die Lebensläufe liegen/ nur um nicht weiter zu fallen/
Als wir das dachten hörte ein Mensch auf zu atmen/und vergoß aus dem Mundwinkel etwas Blut/so daß alle Uhren hielten /und an der Tür jemand stand/und um Einlaß bat/den wir nicht sahen und daher nicht fragten was sein Begehr sei/da wir die Antwort schon wußten.

 

*Dichtung(07.03.2011)/Wermuth (Abschied II)
Hast Du gesehen/ich habe den hellgrauen Wermuth geküßt/umarmt zuerst mit überlangen Liebesarmen/das hat an anderem Ort seine Wirkung nicht verfehlt/bevor er mit kleinen schwarzen Parasiten kämpfte und im Silberland verbrannte war noch alles gut.

 

*Dichtung(11.04.2011)/April
Gestern noch Zeitlupenworte gesprochen/und graue Bleistrahlen durch die Aprilkälte gequält/aber heute schon tragen die anderen ihre Sommerfarben/und rufen an den geöffneten Fenstern/so haben wir von draussen etwas Asphaltwärme entnommen/und in Laken enthüllt einen Körperaustritt exzerziert.

 

*Dichtung (20.04.2011)/Spalier
Bleibt ihr im Bereich des Erdigen/und geht gewohnt an euren Schattenplätzen/so wird das euch nur hilfreich sein/denn was habt ihr meine Worte benutzt/und klettert an meinem Spalier/um schon vor dem Herbst an den Wetterwänden zu vertrocknen?

 

*Dichtung (18.05.2011)/Müde
Nun auch noch Muskelschwund/sagte sie mir/und über der noch genährten Wange blickte erstmals der Tod aus ihrem Auge/traurig war ich/und fragte wer hat sich das so gedacht/ wurde schnell müde/schloss von außen ihre Tür/und suchte mir eine Ecke zum schlafen.

 

*Dichtung (22.05.2011)/Tag im Mai
Fast regungslos kühl liegt der helle Maimorgen/Noch gestern haben die Vögel hinter den Ästen gestritten/Ich selber kam von den Elstern und wohne nun im Rabenhaus/Heute im Hinterland/so sagt man/hätten gar die Adler mit den Drachen gekämpft/So herrscht am Abend völlige Stille/Nur ab und an das blöde Pochen einer Fernstrasse/und ein Wettermast blinkt schon rot für die Nacht.

 

*Dichtung (10.06.2011)/Heilung
Wenigstens nehme man Flaschenkürbis gegen die Würmer/und Frauenminze gegen die Unruhe des Herzens/ wie haben wir durch die Jahrhunderte gefleht/und doch hat es niemand gehört/was soll uns so bekümmern dass der Trank des Waldes nach dem Bocke schmeckt/denn bei uns weilt eh nur ein Gast/der Hunger, die stinkende Dämonenklaue.

 

*Dichtung (11.06.2011)/Fluchtwild
Fluchtwild kehrt die Rücken in das hohe Nebelgras/an der Maria aus Stein dort an der Ecke zur Landstrasse
scheint nun alles wie totenverstummt/
nur hier und dort ein metallisches Reißen -vielleicht/und alles was nun locken mag ist der Schlaf zur ewigen Wiederholung.

 

*Dichtung (05.7.2011)/Elstergarten
Wo sind nun die Stimmen der Singer geblieben?/
Wer harrt hier noch aus außer mir?/
unter der Erde/
ganz kalt/
vom Sommer überschwemmt/
so fließt alles/
Tragt ihr zuletzt noch die Kinder davon?/
Oder habt ihr schon von den Dächern auf sie geschossen?/
Wie uns die Dämonenköpfe aus den Bäumen lachen/
Seht nur wie das allen gefällt.

 

*Dichtung (07.7.2011)/Der Bann
Als es hart an der Tür schlug und sie angstvoll horchte um schließlich in die Winternacht hinauszutreten weil sie noch etwas nachzurufen hatte aber hinter dem Haus sich auf einmal jede Spur verlor ganz richtungslos und unerklärlich aufgehoben trotz dem tiefen Januarschnee da starb in der Nacht noch ein Kind und zwei Ehen zerbrachen und der Bann ist indes im zweiten Sommer danach nicht gelöst.

 

*Dichtung (17.7.2011)/Schutz
Heute am Bett der Alten/
hundert Augen schauen /
Und das  Zimmer bricht auf
Zum endlosen Raum/
Die Väter rufen aus der Ferne bis zum Hier/
Und für dich zum Schutz eine Mahnung/
Aus dem Bild deines Mannes ein strenger Blick/
So dass selbst die Schinder weichen müssen.

 

*Dichtung (07.08.2011)/Auf der geomantischen Wiese
Auf der geomantischen Wiese
sagte ich ein einziges schütteres Wort.
Für dieses Leben verspätet
und schaute vor meinem nahen Tod
an kleinen Wipfeln hinab
wie die müden Entdecker
auf ihr neues Land.
Versuchte dann Gräser und Steine
Von dort fortzutragen
Und sei es nur,
um in meinem schlafenden Garten
das Eigentliche zu erproben.

 

*Dichtung (09.08.2011)/Die Kapelle spielt zum Tod der Schweine
Die Blutstiefel sind abgestreift zum Sonntagsgang/
vielleicht spielt man für die runden Fleischköpfe und abgezehrten Jubiliare zum letzen Mal
ein Lied der alten Freunde oder Feinde/
Die Anderen halten sich die Bäuche
und verdauen das Blut aus der Nachbarstrasse/
noch stinkt es aus dem Hinterhof/
Kinder verstehen nichts
und kotzen an die Häuser/
hinter den Gattern rasselt verhalten die letzte Abwehr/
und die Kapelle spielt zum Tod der Schweine.

 

* Dichtung (22.10.2011) /Herbst
Späte Flut an Sonnenzeit/
zeigt ein Nussfeld in Gold
und tausend Mückentänze/
an den Bäumen.
Zum tiefgerücktem Horizont/
klagt Wehmut.
Wieder schon sind die Felder geleert/
und der Geruch der gebrochenen Krume/
liegt an den vom Wein gefärbten Feuerwänden.
Die Wälder aber zeigen noch zum Sommer/
doch niemand ist mehr mit uns/
wir sind nun alleine und frei für alle Himmel
stehen nur noch in eigenem Bann/
Nachts fliehen die Sternbilder über
die Köpfe hinweg/
unbemerkt
schneller dreht das Firmament/
vom Herbst zum Sommer/
und wieder nach vorne zum Herbst.

 

*Dichtung(20.11.2011)/Am Kraterhang
Am Kraterhang
steigt bedächtig der Eisenvater/
nur rot waren die Himmel
und Wege dorthin/
Und es zogen drei Stürme vereint/
wie rauh tosend.
Im Weltallwind schlägt
jetzt die Hand aus Titan/
und sinkt in die
Tiefe aus Zeit und
Eis und Metall.
Ein Tor stand dort harsch
wie zum allerersten/
Und niemand wird je sehen
was dort gelang/
weil alle Augen verschwanden/
die Sonne erkaltete/
und unser Leben zerstrahlte im Nachtgas der ewigen Zeit.
--

wartend auf die Hoheit des Letzten.

 

*Dichtung (19.12.2011)/Dezemberabend
Hier warte ich am Ackerrand vor meinem nassen Garten/
und alle Dächer ächzen nun unter den atlantischen Stürmen/
meine Schulter ist gerade gerissen im Tagwerk/
und schmerzhaft scheint mir der Himmel/
schon früher Abend thront wie eine dunkle Nacht/
so kalt muß es dort sein bei den fernsten blauen Sternen dass mir im Dezemberwind fast warm werden könnte/
aber kein Trost, nur Tränen zu den großen leeren Bäumen/
und der schiefe Tisch soll stehen bleiben zum Winter/
Vielleicht setzt sich dort später noch Besuch in einen Frostgarten um mit den unbekannten Tieren zu sprechen/
während ich schlafe am Tag.

 

*Kurzprosa(11.08.2011)/Exiliert
Ahnen hätte ich es so nicht können, dass bei der kleinen Wiesenlandschaft an der Waldbiegung -sie schien unwirklich ,wie bilderbuchhaft-, so dass man fast in Erwartung einer sich nähernden Märchenfigur zu dem Hügel hinaufschaute, wo dann das Tal den großen Blick auf die Baumriesensäumung freigab, mit dem geschlungenen Bach, der in den Kurven die plötzlichen Untiefen hatte, wo man so gerne die Stöcke hineinwarf, damit der Hundegefährte danach schwimmen, bald fast tauchen konnte, dann dort unverhofft die alte Ärztin erschien, die vor Zeiten eine quadrophonische Musikanlage in ihrem Mühlen-Zuhause installiert hatte, in das sie mit dem begehrlichen Wunsch ausgewichen war, ohne Nachbarn zu leben,auch hätte man weiter links kaum mit dem zurückgesetzen maroden Hof gerechnet, mit dem alten krummen Weiblein, humpelnd und wild gestikulierend und dem Mann mit der Bärenstimme oder noch weniger mit dem Haus am dunklen Felsen mit den hundert Hunden hinter den Fenstern, deren wildes Durcheinanderbellen mich dann lange begleitete auf dem Weg zurück nach oben an den geomantischen Pfaden entlang zum alten Gebäude am weiten freien Außenposten dieses kleinen Dorfes.
Hier dagegen fehlt jedes Verschlungene, man wird fast geradewegs bergab zum Bach geleitet, dort ist schon bald gar niemand mehr, nur fiebrige Riesendisteln im Sommer und über das ganze Jahr eine zerbrochene Brücke, hinter der der überwachsene Weg  sich sowieso direkt ins Nichts verliert.
Keine Frage, ich bin exiliert. Aber am Wasser hatte ich zuletzt große blaugrün schimmernde Steine und ebensolche libellenartige Fluginsekten gesehen.
Immerhin.

 

*Kurzprosa(20.09.2011)/Nach der Nacht
Vor mir der Erste an der Tankstelle trinkt wie jeden Morgen beim Bezahlen seinen Flachmann an der Kasse, um rotgesichtig in sein Auto zu steigen, nicht ohne weitere Wegzehrung in der Hand für den Start in den Tag, ich aber bin bereits mit allem fertig, habe mein Tagwerk mit der vergangenen Nacht schon hinter mir gelassen und davon nun wie entrückt finde ich mich zwischen Vergessen und Selbsvergewisserung im kalten Nieselregen-Wind an der Zapfsäule, also nun endlich und schnell- mit Dauer-Heißluft aus dem Auto-Gebläse- zur Straße nach Hause. In Ermangelung eines CD- Spielers und wegen der Abgenutztheit meiner alten Kinderkassetten begleitet mich klassische Musik vom Radio, die mir wenig sagt, die mich aber immerhin genauso wenig berührt, wie sie mich stören kann, es sei denn, es wird zu großorchestral, zu angestrengt nach Effekten haschend, wie etwa bei Offenbach oder Strawinsky oder nicht wenigen anderen auch, zum Glück steuert das unweigerlich auf die Kurznachrichten zur vollen Stunde zu; sind sie gelesen, bin ich punktum am Haus. Dort dann der gleiche Ritus, die große Begrüßung meines betagten Hundes, es ist bereits schon wieder dunkel um diese Uhr- und Jahreszeit und trotz lautem Ziehgeräusch des automatischen Garagentores scheine ich ihn geweckt zu haben, denn er bleibt überraschend noch hinter der Haustüre liegen, wie zu Welpenzeiten gehe ich vor ihm zu Boden, ziehe seinen Kopf heran zu mir wegen der Zugehörigkeit und dem Nähegefühl. Kurz darauf dann im Garten. Die Luft ist schon unentschieden zwischen Spätsommer und Herbst, ich streife zwischen meinen Pflanzen umher, berühre hier und da ein Blatt, halte die Hand unter meine Nase, zupfe etwas von den Stengeln um zu probieren, muss immer aufpassen,dass er der weißen Katze nicht nachstellt, die morgens hier oft nach Feldmäusen sucht, denn das bekäme seinem Skelett nicht mehr gut, weil zu artrihtisch und schmerzanfällig. Gleich darauf dann im Haus das große Lassen meiner gesammelten und beherrschten Müdigkeit, ein menschlicher Gefährte im gleichen Zimmer würde nun wohl störend schnaufen, schnupfen, stöhnen, husten, irgendetwas dieser Art. Mein Hund aber atmet tief und klar und ruhig, wie das Synonym völligen Friedens klingt das. Nichts mehr kann jetzt irgendwie verbessert oder komplettiert werden. Ich schlafe sofort ein.

 

* Kurzprosa (07.10.2011) /Stadtbild
Ich muß auf den Weg in eine Großstadt und schon bald, nach einem wilden Durcheinander von Zubringern und Verteilern, befiehlt mir das Navigationsgerät die Autobahn zu verlassen, eine einzige lange Einfallstrasse führt mich schnurgerade in die Innenstadt,dort zwingt mich die strenge Verkehrsführung direkt an eine Hauptfußgängerzone, jeglicher Einblick dort wird durch einen endlos langen Wall eines Einkaufscenters versperrt. Nachdem ich mein Fahrzeug verboten abgestellt habe (alle Parkhäuser hier sind geschlossen, weil voll), frage ich mich das letzte Stück zu Fuß durch, von rechts oben aus einer Seitenstrasse ergießt sich wie unwirklich ein dichtes, diese Richtung ganz ausfüllendes Menschenheer, das gesamt nur ein Ziel, eben dieses Center zu kennen scheint (es gibt schließlich sonst nichts anderes hier),- dieser plötzliche Kontrast zu meiner eigenen, gewohnten Welt! Eben noch startete ich vom Waldrand und war alleine,-noch im Auto fast wie in einem Kokon umschützt-und nun bin ich wie geworfen in dieses befremdliche Großstadt -und Asphaltbild. Und passend dazu Nieselregenwetter. Von vorne dann dröhnt unfaßbar laute „Einkaufsmusik“ auf die Strasse, irgendetwas hochkommerzielles, südamerikanisch "inspiriertes“. Aggressiv und trostlos. Ich muss diese dreiste Lärmquelle passieren, die sich dominant wie unwidersprochen über die aberhunderte Menschen ergießt. Der Verursacher des unsäglichen Lärms steht vor einem zugehörigen Lifestile-Laden und scheint während ich mich nähere von mir Kenntnisnahme zu erwarten. Auf keinen Fall möchte ich seinen Blick erwidern oder irgendeine Form von Beeindruckung vermitteln, schaue also stur nach vorne, sehe auf gestrandete junge Männer aus anderen Kontinenten, wie sie das Gespräch zu hiesigen hübschen Mädchen suchen. Man drückt verlegen auf Mobiltelefonen herum, schaut halb nach unten,andere sitzen bloß auf dicken Betonklötzen und blicken um sich, umgeben von abgestellten Einkaufstüten. Der niederträchtige Muzak-Lärm unterbindet sowieso jede verbale Kommunikation. Zum Nieselregen kommt jetzt ein unangenehm nass-kühler Wind. Die Menschen verschwinden traubenweise in dem hohen Wall, in dem die Geschäfte sind. Samstagnachmittag in einer deutschen Großstadt. Totale Befremdung, maximale Seelenferne.

 

*Kurzprosa(20.11.2011)/Der Tod (erste Version)
Weil du den Tod nicht zugelassen hast
als er vor dir stand
um dich sanft und geregelt an der Hand zu nehmen kommt er nun mit der Hintertür(wegen der Unausweichlickeit) steigt in dir hoch wie eine leise Gezeitenflut tritt von innen aus den Poren und färbt deinen Körper mit
Blutflecken und faulen kleinen Stellen
und sickert ein in deinen Brustkorb
Tag für Tag für Jahr wirst du mehr an Herznot darben und am eigenen Lungenwasser ertrinken.
Hättest Du dich angemessen verbeugt wärest du gut gestorben.

 

 

*Tagebuch(03.09.2011)/Unruhen
Was die Migrantenunruhen in London betrifft, ist nicht damit Genüge getan- wie es erwartungsgemäß von linksliberaler Warte und konformistischen (Leit)medien praktiziert wurde- von innerer Rechtfertigung der Exzesse zu sprechen, weil der „Unterjochte“ sich jetzt eben endlich zu holen hat was er zu lange entbehrte, was ihm aber eigentlich seit jeher rechtmäßig zusteht und da er ja sowieso überreif ist, aus seiner gesellschaftlichen (xenophob/rassistischen) Zementierung der Unterprivilegiertheit auszubrechen. Denn der das so benennt, muß verkennen, dass die Handhabung eines bisherigen „eigenen“ Unterprivilegiertseins, nämlich die Armut der autochtonen Bevölkerung, seit jeher komplett anders (nämlich mit einem Wort:"kulturinhärent") gehandhabt wurde (wenn auch nun -in zweiter Reihe- der Nachwuchs der weißen Mittel-oder Unterschicht unter dem Anpassungsdruck der stärkeren neuen ethnischen Gruppen diesen adäquat agiert). Man sollte zudem nicht unterschlagen, dass die ganze „Auseinandersetzung“ eine anti-ideelle, rein materialistische Ausprägung hat und daher vor allem diese europäische Tragik zum Ausdruck bringt: Die Zurückdrängung nämlich des (unseres) Individualisierten, des in Individuation Begriffenen, (Individuation, die wir die letzten Jahrzehnte in unserer Hemisphäre so vordringlich behandelt wissen wollten), der Zurückdrängung sowieso jegliches (errungenen/endlich "erlaubten")Sensiblen, des Sensitiven, der Nötigung zurück in die als hoffentlich für immer abgelegt geglaubte Rolle eines Frontkämpfers, (dies nach aufgenötigter innerer Auf-und Zurüstung). Und das wegen der langsamen, aber stetigen Erkenntnis des Sich –Erwehren-Müssens, der Verteidigung der eigenen als ideell/progressiv befundenen Errungenschaften (kultureller, gesselschaftlicher, sozialer, schlicht eigener Art). Die Zurückweisung des Überlegten, des Reflektierten, oder des pazifistischen (oder pazifizierenden) kulturellen Rahmens und Raumes durch vitalistische, rein extrovertierte, materialistisch orientierte Gruppierungen abzuwenden, die nicht-europäisch archaisch, anti-individualistisch, anti-säkular,patriarchalisch, hierarchisch, (antihumanistisch/antifeministisch sowieso) geprägt sind, wird so als Alternative zur Selbstaufgabe zur aufgenötigten wie bitteren Agenda.

 

*Tagebuch(08.09.2011)/Wahlen
In Mecklenburg Vorpommern wurde ein Landtag gewählt und im Prinzip blieb alles beim Alten. Anzumerken ist das außerordentlich schwache Abschneiden der FDP (unter 3 Prozent) (wie ja von mir in Politirrtum vorausgesagt), sowie der weitere, stetige Sinkflug der CDU. Das bürgerliche Lager ist schon lange heimatlos geworden. Die NPD bleibt trotz  millionenschwerer Abwehrkämpfe von staats wegen (sic!) stabil. Pastörs muß in den Talkrunden an den Katzentisch und bekommt von erregt/rotbäckigen Moderatorinnen das Wort abgeschnitten. Warum lässt man dann den zum Polit-Pariah erklärten überhaupt vor die Kamera? Klar deswegen:Weil man sich im Dilemma weiß und nicht sicher ist, wie man sich am besten offiziell verhalten könnte (Ausschluß oder zumindest angetäuschter demokratischer Gestus ?). Also bleibt im Prinzip alles wie gehabt. Vor allem relevant scheint mir, dass überhaupt nur 52 Prozent der Berechtigen zur Wahl gingen. SPD und andere fühlen sich zwar als Sieger, aber bezogen auf die wirklichen Zahlen scheint so eine Haltung  vermessen, und weitaus am größten  ist die „Partei“ der Nichtwähler. Diese fühlt sich für die demokratisch Besorgten nun noch umso mehr an wie eine dunkle Materie. Undefinierbar und beängstigend machtvoll scheint sie. Man schiebt das am Wahlabend weg mit Sekt und Häppchen, dann darauf mit der Tagesordnung und dummen Geschwätz. Und doch schwelt eine nachhaltige Bedrückung unter den etablierten Parlamentsstühlen. Wenn man doch nur wüßte, mit welcher Pädagogik oder Didaktik das Unkalkulierbare kalkulierbar zu machen wäre!

 

Tagebuch(11.09.2011)/Anmut und Prostitution
Bin wie zufällig bei Youtube mitten in einem Auschnitt eines alten Marx-Brothers Filmes gelandet. Goucho Marx stimmt hier eine lustige Weise an und der Raum voller Statisten schwingt sich zusehends darauf ein, bis schließlich alle tanzen und mitsingen. Mir muß nicht der Zeitgeist, die Musik, die Mode zusagen, aber eines fällt mir schon bald angenehm auf: Nämlich die Attraktivität, die Anmut, schließlich ein (verhaltener)Zauber der Darstellerinnen, der sich gerade in deren zurückhaltenden (Tanz)bewegungen und in einer dezidierten Gestik/Mimik entfaltet.Anschaulicher Charme eben! In diesem nach heutigen Maßgaben bescheidenen Gestus offenbart sich ganz offenbar umso mehr die weibliche Attraktion. Nichts davon ist geblieben in den aktuell übersexualisierten, grelldreisten Fernsehclip- und Show-Prostitutionen, den Schwangerschafts-Einleitungsgebärden und brutalen afrikanischen Hüftstößen der Sternchen und Halbsterchen, der Madonnas und Aguilleras oder wie man die ähnlich ermüdenden Sex-Sells-Körpermaschinen sonst noch so nennen mag.

 

*(11.09.2011)/Abgesang des Helden
Zum Abgang und Abgesang des (männlichen) Helden hat der Schriftsteller und Journalist Michael Klonovski ein ganzes Buch geschrieben. Ohne es gelesen zu haben fallen mir spontan diese(eigentlich ausreichenden) Dinge dazu ein: Zum einen ist der Spezies „ Mann“ wohl über die Jahre endlich auch ein Anteil an umfassend und stetig geforderter (und errungener) Egalität und Emanzipation beschieden, was ganz konkret bedeuten kann, dass er nicht zwingend weiter als ein Held –wie seit Gedenken üblich- in irgendwelchen Schützengräben für die Interessen fremder Herren herumzukriechen -und zu sterben- hat, und genauso wenig hat er sein Dasein unbedingt in tristen Überstunden - Schichtdiensten in noch traurigere Fabriken zu fristen, um dauerhaft die Interessen der Frauen (vordringlich Sicherung des Nachwuchses und Komfort) zu bedienen. Stattdessen nun die historische Möglichkeit, eigene Prämissen zu formulieren (welch ungeheuere Impertinenz!) um zum Eigenen vorzustoßen (führt freilich zur Verteufelungswut derer, die dabei adäquat ihre eigenen Interessen geschmälert sehen).Und wie schnell zeigt sich, wie erhellend und befreiend es ist, kein Held mehr zu sein, denn ein Held ist schließlich nichts weiter als ein großer Narr, ein erbarmungswürdiger und ausgenutzter Dummkopf.

 

*(14.09.2011)/Verlorene Autonomie
Als subkulturulle Spezies, als Kind der Zeit, war der "Punk" ja eh nachhaltig zur Kritikbereitschaft sozialisiert worden (dies entsprach nicht wirklich seinem eigenen Verdienst) und er selber gemahnte sich sukzessive unter Gleichgesinnten unentwegt zu allumfassender Autarkie. Ich erinnere mich da an unhintergehbare Leitsprüche. Die gab es sowohl im heimischen Plauderton: „Kein Chef für dich, kein Boss für mich, keine Führer für dich und mich“ (Slime) oder als allgemeiner gehaltene, aber stärkere Phrase: „No Gods, No Masters!“) (Amebix) oder auf diese deutliche Art:„ There s no god in heaven, so get off your knees“(MDC.) Das nur zum Beispiel.
Nun führte zuletzt in Berlin eine politische Demonstration, die sich gegen die schleichende Islamisierung des Landes richten sollte, eben dazu, dass ein Teil dieser in die Neuzeit hinübergeretteten „kritischen Klientel“ (um sich üblicherweise gegen den identitätsstiftenden Feind von rechts zu stemmen) stramm skandierte “Baut in jede Strasse eine Moschee!“ Scheint denen also gar nicht bewusst, dass sie so noch tiefer auf die Knie fallen, als der von ihnen jeher in seinem unterwürfigen Gestus geschmähte Christ es je tat? Tauschen sie doch so ihre angebliche Autonomie gegen größte Bereitschaft zur Erniedrigung vor einem höchst autoritären, rigiden und reaktionären monotheistischen Anspruch aus. Wofür das verstehen? Wo ist da die so hochgehaltene essentiell-atheistische Überzeugung abgeblieben? Das unbedingte Begehr gegen Klerus und Institution? Auch hat ja ein guter Teil der Protestierer mittlerweile die Insignien gegen Imperialismus und Militarismus („Jankees raus!“) durch die US-amerikanische Flagge sowie die Israel-Fahne ausgetauscht.
Kaum mehr als mitleidig muss man diese aktuellen Hirn-Absurditäten und sonderdeutschen Verrenkungen beobachten, deren innere Widersprüchlichkeiten in fruchtlos-verannten Querelen zu beharken aber zum Glück nicht meine Aufgabe sein soll.

 

*(16.09.2011)/Burn down the Kings Road
Das, was nun in London "Umsturz-"Realität wurde, war doch eigentlich immer das Postulat der Punkbewegung! Aber doch eher teorethischer Art.In Kontrastierung zu den Ereignissen dort im August hat sich sehr deutlich gezeigt, was diese Bewegung (1977-1987)eigentlich retrospektiv repräsentierte. Eine lockere Zusammenrottung nämlich des bildungsbürgerlichen Nachwuchses in den Städten, vornehmlich um die Bahnhöfe und Kaufhöfe und Karstadtmärkte herum gruppiert. In dieser fröhlich/misanthropischen Jugend-Nische (der ähnlich veranlagte Arbeiterklasse-Nachwuchs bewegte sich adäquat in der  Oi- oder Skinbewegung) traf man sich zum Opponieren, Saufen, zum Angeben und Selbstdarstellen ebenso wie zum Gemeinschaftsgefühl mit all den sozialen und gruppentypischen Zutaten, wie sie eben in jeder anderen Zusammenkunft auch vorkommen mögen. Die (identitätsstiftende) Begleitmusik dazu lieferte die zugehörigen (Anti-)Postulate in Aufforderungsform: „Burn down the Kings Road!“ und „From protest to resistance!“. Es ging gegen den (eher imaginären) Feind, der recht abstrakt hinter den schimärenhaften Termini von Staat und Gesellschaft residierte. Wie einfach war das noch alles bei Siouxie oder Sid: Sie opponierten noch unbedarft wie wirksam mit Hakenkreuzen auf ihren T-Shirts gegen ihre weltkriegsstolzen englischen Eltern. Doch bald schon richtete sich der „Widerstand“ dann in der Hauptsache (und diffus)gegen Rassismus oder Faschismus oder Ungleicheit und  Konsum und Krieg (vor allem in Deutschland auf stark ideologisierte Art) und andere ähnliche Gemeinplätze. Nun, bei aller kritischen Distanz oder Sympahtie –je nach Gusto-, diese „Bewegung“ konnte gar nicht unterschiedlicher sein zu den aktuellen Einwanderer- (Jugend-) Gruppierungen, die nun gar nicht Gedanken an Kontrollverlust oder ideele Befreiung im Hinterkopf hegen, sondern die sich im Grunde ja gerade im Gegenteil über feste hierarchische Kontrollmechanismen, materialistisch-konsumausgerichtete Denkweise und antiqierte, reaktionäre „Werte“ definieren. Was waren im Vergleich die Punks? Auf jeden Fall kulturnah, aus gutem Haus, juvenile Austober, weißer als weiß im Habitus, nordeuropäisch sowieso, und entgegen etwaiger Gewalt-und Umsturzphantasien per se "integriert" und gar artig rücksichtsvoll: Was die Migrantengruppen (und ihre "Gangsta-Kultur" binnen kurzer Zeit an Destruktion vermochten, weil einer ihrer Drogenbarone auf der Strecke blieb oder der allgemeine und unlimitierte Zugang zur Unterhaltungselektronik (wie Handys u.Ä.) verwehrt war, hätten die Punks (Rebellen!) in ihrer sozialromantischen Bürgersohn-Art nie vermocht: Man trank Bierlachen vom Asphalt und übertrat so (eigene)Tabus, aber in 15 Jahren „Protest and Resistance“brannte nicht einmal ein einziger Mülleimer.

 

*Tagebuch(20.09.2011)/Erdogans Fakten
Die Türkei weist israelische Diplomaten aus und friert die Beziehungen zu diesem Land weitgehend ein, wegen dem israelischen Mord an acht türkischen Friedensaktivisten einer Hilfsflotte für Gaza im letzen Jahr. (Ich frage: wieso jetzt erst?)
Erdogan spricht offen von Staatsterrorismus. Er hat ja natürlich recht. So moralisch korrupt und desavouiert ist Europa (und seine Gerichtsbarkeit)bereits, dass man das Aussprechen dieser Fakten einem solchen geschichtlich und moralisch unbefugten Land zu überlassen hat.

 

*Tagebuch(22.09.2011)/Alptraumstoff
Ich sollte eigentlich für eine Woche ins Krankenhaus. Mit Operation und Vollnarkose. Habe mich aber noch gerade rechtzeitig vor dem Messer weggeduckt. Nun, es wäre so, dass man von einer Sekunde zur anderen jeder eigenen selbstverständlichsten Fähigkeit beraubt würde, um sich fremder Kunst und anderem Willen anzuvertrauen. Eine Frage von Aufgabe, Selbst-Abgabe ist das und von Hoffnung vor allem auf ein gelungenes Wiedererwachen. Angstbehaftet. Nur eine Situation, die einen vergleichbar jedweder persönlichen Autarkie und Entscheidungsfähigkeit beraubt, fällt mir noch ähnlich ein: Das Besteigen eines Flugzeuges. Dies ist der Stoff, aus dem die Alpträume sind.

 

*Tagebuch(24.09.2011)/Nine Eleven Ten
Alle Jahre wieder im September wird „Nine Eleven“ gewürdigt, ab Ende August spätestens dann mit medialem Countdown zu den Einschlägen Im WTC heruntergezählt. Zum  zehnten Jahrestag muß das noch stärker aufbereitet werden als sonst schon, so steht zumindest zu befürchten. Da ich die einschlägigen Medien (Fernsehen) aber nur noch sehr selektiv goutiere, bekomme ich davon wesentlich weniger mit als den Verantwortlichen wohl lieb sein kann.
Und  gerade zehn Jahre danach stellt sich immer noch die Frage des „Cui bono?“ Denn dass der Vorgang ein Fanal zur Dekonstruktion und Neuordnung des nahöstlichen wie mittelasiatischen Raumes war, ist retrospektiv nicht zu bestreiten. So klischeehaft diese Feststellung auch klingen mag, so lässt sich auch glaubhaft nicht viel mehr hinzudichten. Und wie zur Betäubung wurde von Beginn der Berichterstattung an auschließlich über die Logistik dieses Terrors oder über Katastrophendetails –wie vor allem für Kino-Drehbücher erforderlich - gesprochen; nach den Ursachen des Terrors aber hat man aus sehr guten Gründen erst gar nicht publikumswirksam gefragt.(Wäre auch nur störend bei der Errichtung von neuen Fronten, Bildern und Ordnungen von „Gut und Böse“ gewesen.) Das westliche Bündnis indes schloß (und schließt) sich wie ein Volltrottel den Erfordernissen des (morschen) Noch-Hegemon USA an und verkauft seine Vasallenschaft als Kampf um Freiheit und Demokratie. Die Folge-Ziviltoten der amerikanisch-britischen Feldzüge—siehe Kriegsverbrecher- haben Bush und Blair zu verantworten und überwiegen quantitativ bei weitem die Toten der gestürzten Twin Towers. Die Bestrafung der Beiden  in Den Haag steht noch aus. Natürlich vollzog sich dieses Töten ohne wirkliche Publikumskenntnis und über Jahre gestreckt im Hinterland Vorderasiens, geographielos, bezuglos, unauffällig eben. Es bedurfte erst konkreter medialer Eeignisse wie z.B. der Kolportage über die Ausplünderung der irakischen Museen, um überhaupt Betroffenheit herzustellen. Die Verantwortlichen wissen natürlich um die massenpsychologische Macht der medialen Inszenierung. Daher evoziert der Fokus auf den Sturz der Twin Towers (und dessen ständige Wiederholung)ein Gebilde gleichzeitig subliminalen wie metaphysischen Ausmaßes. Und doch sind die diversen Verschwörungstheorien bis heute nicht verstummt, und das nicht ohne gute Gründe. Und nur wer sich der auf Wirkmächtigkeit und Massendidaktik ausgelegten Bilder entzieht, bekommt überhaupt erst die Chance auf Objektivierung und Relativierung des Geschehenen.

 

*(13.10.2011)/Fernseh-Europa
Habe wiederholt beobachtet, nach welcher Art für eine Fernsehdiskussion über das leidige Dauer-Thema Europa eine Pro/Kontra Situation eingerichtet wurde. Der eine Kandidat kam von der SPD, sein Kontrahent von der programmatisch ähnlichen CDU, was nichts anderes besagt, als daß redaktionell über einen Modus befunden wurde, in dem man über gewisse ökonomische Detailfragen (in angenehmer Streitform) zu befinden (oder zu „streiten“) hat, dies aber dann bitte vor dem Hintergrund einer grundsätzlichen Übereinkunft, sprich Zustimmung zu dem rein ideologisch motivierten Konstrukt namens „Europa“. Und genau das ist  symptomatisch für die ganze hiesige aktuelle mediale Diskurs-Kultur. Man hätte ja ohne weiteres eine wirkliche Pro/Kontra- Position zur Verfügung, -um die echten Postionierungen realistischer abzubilden- denn es gibt genug ausgewiesene Experten mit einer konturierten Meinung, die Europa und/oder den Währungsraum per se, oder zumindest in seiner so avisierten Form ablehnen. Tatsächlich aber ist dieses (echte) „Dagegen“ jenseits einer kanonisierten Meinung überhaupt nicht mehr im öffentlichen Raum erwünscht. Gestritten wird, wie in anderen Punkten höchsten öffentlichen Interesses nur noch über das „Wie“, lange nicht mehr über das „Ob überhaupt“. Dieser allseits praktizierte Meinungs-Monismus offenbart den ganzen tristen,ins Totalitäre abgerutschten Anstrich der deutschen Medien- und Polit- Landschaft. Zum Glück gibt es das Internet. Gott gebe,dass die allseitig bemühten Kontroll-Instanzen hier kurz- wie langfristig mit Haut und Haaren scheitern werden.

 

*(04.10.2011)/Tauschgeschäfte
Medial dominant präsentiert und zubereitet: Ein Gefangenenaustausch zwischen Israelis und Palästinensern. Ein blasser, kindhafter israelischer Soldat gegen tausend palästinensische Inhaftierte (diese bleiben gesichtslos –wie lange und warum eigentlich waren sie gefangengenommen?) Man sagt zwar, darunter sei ein Teil „Terroristen“, aber wer will schließlich dieses Etikett verifizieren (und überhaupt definieren?), alles bleibt daher (bewußt)im Nebulösen. Vom Armee -Junge weiß man zumindest aufgrund seiner handwerklichen Zugehörigkeit, dass er als kleines Rädchen im exekutiven Uhrwerk einer Repressions-Maschinerie gedient hat, die Palästina nach wie vor die Staatlichkeit verwehrt, fremdes Land bewußt zersiedelt und die angestammte Bevölkerung dort adäquat vertreibt oder zumindest schikaniert. Josua, 1.3.:„Alle Stätten, darauf eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben...")Und das vor diesem Hintergrund?  "...die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott, Dich hat der HERR, dein Gott erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind". Es könnte sich der Verdacht aufdrängen, daß das (Miß-)Verhältnis von 1:1000 etwas mit diesen alten Sprüchen zu tun haben könnte, man weiß ja um den starken Einfluß irgendwelcher Talmud-Parteien auf die israelische Knesset.Vielleicht aber war es nur überfällig, die berstend gefüllten israelischen Gefängnisse zu leeren. Und so schnell man welche freiläßt, so schnell hat man wieder neue Gefangene gemacht. (Das allerdings steht im Widerspruch zum Alten Testament, Jahwe pflegte nicht Gefangene zu machen, sondern den Gegener gleich mit Stumpf und Stiel -"alles, was Odem hat", auszurotten.)So kann einen schnell Befremden, Wut und Entsetzen packen. Ist heute niemand befähigt, Kritik zu äußern? Sind wir nicht aufgeklärt, säkularisiert, nach humanistischen Vorgaben erzogen? Wollen wir nicht aus Kriegen und der (größtenteils verpfuschten) Vergangenheit lernen? Niemand, der sich traut? Was sind uns Menschen (und deren Rechte) für einen Einsatz wert?

 

*(14.10.2011)/Gottloses Berlin
Nach dem Papstbesuch fand naturgemäß von verschiedener Seite eine Nachlese zu diesem Großereignis statt. Aus der kirchenkonservativen Richtung sprach man in diesem Kontext unter anderem von Berlin als einer „gottlosen Stadt“. Nun, an diesem pauschalisierten Urteil mag ich mich sofort reiben, da es unverhältnismäßig und letztlich einfach falsch daherkommt. Beim Attribut „gottlos“ denke ich spontan eher an den Kontinent Afrika, der, sieht man einmal von der Dogon-Kultur und ihrer speziellen Methaphysik ab, prinzipiell nie eine Gottheit oder einen Gottglauben hervorgebracht hat, sondern alleine in (schwarz)magischem Hexen- und Zauberglauben befangen blieb(natürlich wird das wegen Nichtwissen und politischer Korrektheit nie sachlich und freimütig ausgesprochen).
Nein, Berlin ist nicht eine gottlose, vielmehr eine teil-säkulare Stadt mit Inhabitanten, die zudem verschiedene Götter anbeten. Oder auch eben gar keine. Was andererseits ja auch durchaus Gottes Wille entspräche, weil ja auch dies der Logik nach überhaupt nicht ohne seinen Willen geschehen könnte (weil er ja schließlich omnipotent ist), was ihn aber paradoxerweise gleichzeitig auch eifersüchtig oder ärgerlich stimmen sollte (das Problem ist aus der Bibel, vor allem aus dem AT hinlänglich bekannt). Die Kirchengläubigen stehen ihm in Widersprüchlichkeiten und Ärgernissen in nichts nach.

 

*(27.10.2011)/Kirchenschwund
Was den Schwund der Kirchenmitglieder betrifft: Man diskutiert, rätselt, überlegt, wo die Ursachen dafür zu suchen sind. Man spricht von der Rolle der Medien, der schleichenden Säkularisierung seit Rousseau, von kontraproduktiven Einflüssen einer falsch gearteten Erziehung, einer verkehrt gelenkten Einwanderung, einer falschen libertären Grundhaltung, einem latenten Hang zu (unerwünschter) Individualisierung, zu gesellschaftlicher Atomisierung, allgemeinem Hedonismus und Verantwortungs-Verlust, man geht von schädlichem Einfluß von moderner Musik und Computerspielen und falschen Predigern und esoterischen Sekten und Glaubensbekenntnissen und anderen Aufweichungen „des wahren“ Bekenntnisses durch unerlaubte Synkretismen etwa oder Falschauslegungen der Schrift und anderen ähnlichen "Fehlleistungen" aus. Hat man dabei aber nicht eventuell vergessen, das Allereinfachste in Erwägung zu ziehen? Dass der Glaube, dem man sich verlustig sieht, schlicht von Beginn der falsche Glaube(gewesen) sein könnte und sich nach Zurückhaltung von institutioneller Knute und staatlichem Zwang einer inneren, allgemeinen Vernunft gemäß sukzessive zurückzuziehen hat, sich in den Köpfen quasi eine lange vorenthaltene Normalisierung, Neuverortung , ja Gesundung durchzusetzen beginnt?

 

*(12.10.2011)/Glück
Nach einer aktuellen Studie wäre die Frau, das weibliche Geschlecht, durch alle Lebensstadien hindurch ein gutes Stück glücklicher als der Mann – (nebenbei: steht das nicht eher im Widerspruch zu den Aussagen, die Frau sei zu ihrem Unbill in vielen Belangen noch dem Mann benachteiligt?)-
Wie dem auch immer sei, in Zeiten von umfassender Gleichberechtigung und angeschlossenem Beauftragtentum fordere ich nicht weniger als die Bildung einer Komissison, die alsbald darüber zur Aufklärung beizutragen hätte, welche Faktoren den Mann denn durch alle Lebensstadien hindurch als in diesem ganz essentiellen Ding namens „Glück“ ungleich hintanstehen lassen. Hat man die aufgedeckten Defizite durch entsprechende Glücks-Förderungsmaßnahmen kompensiert, lässt sich der männlichen Spezies in dieser drängenden Frage hoffentlich bald zur nachhaltigen Gleichstellung verhelfen. Es kann nicht sein, dass noch in der heutigen Zeit und in diesen elementarsten Fragen ein ganzes Geschlecht unwidersprochen in dauernder Benachteiligung zu leben hat.

 

*(10.10.2011)/Spiritualität und Erkenntnis
Immer wieder ist festzustellen, dass man Spiritualität mit Klerikalem, Suche nach „Göttlichem“ mit christlich religiösem Dogma gleichsetzten möchte. Dies synonym zu denken ist letztlich nur und simpel Ausdruck unserer frühkindlichen (Schul)Konditionierung. Kirchenkonservative Kreise ergehen sich turnusmäßig in Diskriminierung zwischen Zuständen des wahren Glaubens und den „geistesschwachen“ Haltungen, die man bereitwillig im (nebulösen)Bereich der Esoterik zu verorten geneigt ist. Dabei bezeichnet das Wort „Esoterik“ ursächlich die Exklusivität einer inneren, tiefsten und ältesten Geheimlehre. Und die übersteigt demnach schon per definitionem das christliche (dogmatisiert/partielle)Glaubensverständnis. Was die Kirche aus diesem/ihrem Anspruch vor allem eliminiert hat, ist das "Streben nach Erkenntnis", das man  ausgetauscht hat durch Gottvertrauen, oder besser gesagt - durch Unterwürfigkeit.
In diesem Zusammenhang kann man ein folgendes Zitat von Albert Einstein einführen „Für mich ist das Streben nach Erkenntnis eines von denjenigen selbständigen Zielen, ohne die für den denkenden Menschen eine bewusste Bejahung des Daseins nicht möglich erscheint“.
In dem Kontext muß sich erschließen, warum die Kirche folgerichtig erkenntnisfeindlich zu agieren hatte: Denn sie bejahte ja eben nicht das Dasein, sondern verortete (bzw. stieß) es in die Abgeschiedenheit, in das Jammertal. Ihr Irrtum. Denn wir sind nicht daher abgeschieden, weil wir vom Baum der Erkenntnis gekostet haben, sondern im Gegenteil, weil wir die Erkenntnis zur Sünde verbannt haben.

 

*(24.10.2011)/Progressiv
Ironischerweise ist das Genre, das den Begriff Progrock umschreibt, wahrscheinlich das anti-progressivste Genre, das in der aktuellen Populärmusik überhaupt existiert. Anders als die Genres „New Artrock“ oder „Postrock“ (die in der Tendenz nach vorne gerichtet sind) ist „Progressive“ feste wie eng an den alten und dominanten Vorbildern der 70er Jahre orientiert, somit viel eher als regressiv zu bezeichnen. Prinzipiell eifert man ehrwürdigen Institutionen wie Yes oder King Crimson und Van der Graaf Generator nach, man kann- wie es privilegierter Usus geworden ist- sich mit Synthesizerburgen aus altem originalen Retro- Equipment umgeben (oder einmauern) und sich zudem von amerikanischen Studio-Koryphäen wie Bob Katz das Endprodukt veredeln lassen (als hätte das in solch einem Falle eine entscheidende Rückwirkung auf den künstlerischen Ausdruck!), denn was nutzt das schließlich alles, wenn man nicht annähernd Charisma oder Talent für Melodie und Struktur, (wo und wann ist das eigentlich abhanden gekommen?) zu enfalten in der Lage ist wie die Vorgenannten?
Die Erklärung liegt natürlich darin, dass die Vorbilder von einst im wahrsten Sinne „schöpferisch“ waren, sie waren Enstehen-Lasser, Baumeister, zukunftsweisend, nach vorne schreitend, progressiv eben. Heute ist man bestenfalls von begabten Synkretisten umgeben. Kaum mehr findet man Architekten. Meist gar nur Zement-Säckeschlepper. Und fast nirgendwo mehr blitzt Genius durch, kaum irgendwo weht der Wind der Inspiration, - in dieser kargen Zeit.

 

*(04.11.2011)/Mittelstand in Afrika
Habe in der Zeitung gelesen: Nach Ansicht der Migrationsforscherin Susanne Schmid (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) werden die Zahlen von 110 000 nordafrikanischen Zuwanderern, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, sehr bald schon veralten, wenn die EU-Entwicklungspolitik in Nordafrika nicht bald für ökonomische Perspektiven sorgen sollte. Ohne mittelständische Strukturen und aufnahmefähige Arbeitsmärkte, ohne den Abbau sozialökonomischer Spannungen im nordafrikanischen Mittelmeerraum gäbe es vor allem für die jüngere Generation keine „existentielle Alternative“ zur Auswanderung.
Man könnte nun an dieser Stelle die leidige Geschichte der französischen Kolonialpolitik aufrollen, um von der europäischen Mitverantwortung für die afrikanischen Misstände zu  sprechen. Aber auf die Dauer wird dies nicht mehr als alleinige Erklärung dafür herhalten können, dass Nordafrika (von Zentralafrika gar nicht zu reden) schon langfristig nicht in der Lage zu sein scheint, sich selbst auf die Beine zu helfen, schon gar nicht aus sich selbst heraus eine mittelständische Struktur zu bilden. Königshäuser, eine dünne Oberschicht, diese existieren seit jeher, aber eben kein tragfähiges, besser gesagt: überhaupt kein Bürgertum. Was sich in Europa als Fundament und Korpus einer Gesellschaft herausgebildet hatte, ist dort schlicht nie vorhanden gewesen, einfach unbekannt. Das nun europäische Länder dort eben diesen Mittelstand künstlich aufbauen sollen, ist die eine kritikwürdige Sache. Warum denn sollte das überhaupt noch in europäischer Verantwortung liegen? Welcher Art von Sendungsbewusstsein käme dieser Ansatz nach? (und wodurch unterscheidet sich prinzipiell die Logik: „Damit sie dort in ihren Ländern bleiben…“ von der FPÖ-Politiker Aussage, man müsse den Islam vor Wien wieder zurückschlagen?)
So oder so:Was nicht von innen heraus, aus dem „Selbst“ geschaffen wird (was ein Staatswesen und ihre Bewohner, ihre kulturellen/historischen Strukturen aus sich selber nicht vermögen) ist ein Künstliches, Aufgepropftes, Wesensfremdes. Und es ist völlig ausgeschlossen, daß das Künstliche, Wesensfremde jemals Bestand haben kann.

 

*(05.11.2011)/Anti-Hemingway
Können schlechte Menschen gute Bücher schreiben? Wohl ja. Muß man daher in einen allgemeinen Lobhudel-Tenor wegen einem 50.Todestag verfallen? Nun, das hängt wohl von den eigenen Prämissen und Verträglichkeiten ab. Denn in vorliegendem (Problem-)Fall beschreibt das Biografische doch eine ganz andere Ebene als etwa das Beispiel eines Jean Jacques Rousseau, der Bahnbrechendes zur Kindeserziehung geäußert hatte und dabei seine eigenen Kinder ins Waisenhaus gab.
Denn:
Daß Hemingway sich brüstete, während des Zweiten Weltkrieges (als Kriegsberichterstatter - nicht einmal als Kombattant, der er nie war, also demnach ohne kriegsrechtliche Deckung -), 122 deutsche Soldaten erschossen zu haben, - noch immer ist das nicht hinlänglich genug bekannt gemacht - ist das Eine. In diesen Briefen brüstet er sich ja auch z.B. mit der eigenhändigen Erschießung eines 17jährigen deutschen Soldaten, der um sein Leben bettelnd vor ihm gekniet habe. Zitat:„ich schoß dem Kriegsgefangenen  dreimal schnell in den Bauch und dann, als er in die Knie brach, schoß ich ihm in die Birne, so dass sein Gehirn aus dem Mund kam oder ich glaube, es war die Nase.“ (Selected Letters, (S.672).
Allein dies ein Vorfall höchster menschlicher Brutalität, Kälte und Feigheit. Der Bericht darüber nur ein Zeugnis von widerwärtiger Verrohung und Zynismus. Man sagt zwar, diese Textstellen seinen ihrem Wahrheitsgehalt nach umstritten, aber es gibt kaum plausible Gründe, warum Hemingway (obwohl er tatsächlich als Angeber und Aufschneider bekannt war) das alles umständlich erfunden haben sollte.
Hemingway, der von seinem Vater an erster Stelle eine endogene Depression geerbt hatte, suchte zeitlebens Formen der Erfahrung, die er als Grenzerleben empfinden konnte (wohl um überhaupt zu „empfinden“). Nun ist dies aber eigentlich nichts besonderes, schon gar nicht für die Biographie eines Künstlers. Und es schließt sich die Frage nach der Art und Weise an. Man kann sich wie Gauguin gleichberechtigt prügeln (und schließlich elend an den Folgen zu Grunde gehen) oder sich selbst verstümmeln wie es ein Van Gogh getan hat oder die Herauforderungen weit  konstruktiver in der Auseinandersetzung mit der Macht der Natur (als Bergsteiger zum Beispiel- wie Aleister Crowley) nutzen - und finden. Bei Hemingway aber war dieser Mechanismus offensichtlich nur auf Kosten unterlegener Lebewesen gangbar. Seine Großwildjagd, die Fischerei oder der Wunsch nach  Inspiration aus der Zuschauerrolle beim tödlichen Stierkampf sind ähnlich ungleiche „Spiele“ wie die „Sache“ mit dem jungen Kriegsgefangenen. (Und auschließlich mit "Tod" und "Töten" und "Blut" behaftet). Die Kraft, die er daraus letztlich so in seine schriftstellerische Arbeit einbringen konnte, war zwar in gewisser Weise eine ungestüme, vitale, aber keineswegs eine archaische, ursächliche, sondern eine künstlich gesetzte, verzerrte  Kraft des „Überlegenen“ vor dem Chancenlosen, dem ausgelieferten Wesen vor dem (eigentlich feigen, labilen) Mann am Gewehrabzug.
Diese destruktive, degenerative,(in moralischen Kategorien dann „böse“) Struktur bildet sich auch in seiner schweren Alkoholsucht ab, die ihn zeitlebens zerrüttete. Dort, wo er sich endlich einem wirklichen Gegner gegenüber sah, hat er nur erbärmlich versagt. Statt Selbst-Überwindung nur hierarchische Weitergabe innerer Drücke „nach unten“ an Unterlegene. Als er seinem Leben 1961 durch Suizid ein Ende bereitete, setzte er dem Kreislauf aus Sinnleere, Depression und Kompensationsgier durch Gewalt ein Ende.
Männlich, charakterstark?  Stärke offenbart sich anders als in ungleichen „Spielen“ und juvenilem Geprotze. Stärke bedeutet vor allem nicht „Lust am Morden“, sondern sie ist gekoppelt an Venunft und Weisheit und ermöglicht Lassen, Aushalten, Seelenruhe und Souveränität.
Und zum unguten Schluß: Weil der Protagonist aus „Der alte Mann und das  Meer“ ein Kubaner war und auf Kuba 104 Jahre alt wurde, verehrt man Hemingway dort heute fast wie einen Heiligen. Wen wundert das? Und wie passend: Kuba ist ja bekannt für seine Mörderikonen.

 

*(07.11.2011)/Babel
Habe in einer Zeitschrift vor kurzem das Gemälde „Turmbau zu Babel“ von Pieter Brueghel betrachtet. So imposant das Werk ja immer noch wirken mag, so fallen mir doch die eigentlich relativ wenigen Stockwerke des Turmes auf. Der Mensch vermag heute ja architektonisch einiges mehr als die Phantasie und Vorstellungskraft der Verfasser des Alten Testamentes oder die Maler der Renaissance ihm noch zuzustehen bereit waren.(Hier zeigt sich die  Wandelbarkeit des Fortschrittes, und der geht exponentiell und schwer vorhersehbar!)
Und offenbart die ganze biblische Geschichte um diesen Turmbau - als ein  Synomym für die Untergebenheit/Unterwerfung des Menschen unter Gott - nicht gleichzeitig auch seine Unter- und Geringschätzung? Der Mensch strebt schließlich immer nach den Himmeln, dies scheint so in ihm angelegt. (Das geht an die Herren Theologen und Exegeten: Warum straft Gott ihn dann, wenn er dieser Anlage nachkommt- er (und dies) ist doch sein göttliches Werk!? Diese ewigen unlösbaren Paradoxien bilden einfach kein elegantes System!)
Während das Streben nach Erkenntnis, Durchdringung und Transzendenz in den alten gnostischen Schulen zum innersten und ersten des Glaubens- und Gottesverständnisses gehörten, haben die jüdisch-alttestamentarischen Texte mit dieser Babel-Geschichte vehement jene Kopplungen eleminiert. Fürchtete man um die Unantastbarkeit einer Priesterkaste durch die Emanzipation „des Eigenen“ im Individuum oder spiegelte das lediglich ein patriarchalisch/hierarchisches Menschenbild in den Himmel? (das sowieso). Jedenfalls machte sich das Christentum durch die (überflüssige) Kanonisierung dieser Schriften für ihr eigenes(?) Glaubensverständnis dieses erkenntnisfeindliche Modell bald zu Eigen. Seitdem: Ein Verharren, Warten, sich bescheiden, beten und beugen.
Platon aber sprach vom Lernen und Erinnern und Wissen. Das erst  verleiht dem Individuum echte Würde, Schönheit und Majestät(!), denn jenes lebt in der heiligen Gewißheit, dass es alles in sich trägt.

 

*(11.11.2011)/Entropie
In der klassischen Thermodynamik bezeichnet der Begriff der „Entropie“ zum einen den Grad der Unumkehrbarkeit eines Vorganges oder aber einen mittleren Informationsgehalt, daneben auch ein Maß für Unordnung. Wegen dieser Charakterisierungen hat sich auch in der Sozialwissenschaft der Gebrauch des Begriffes für die Beschreibung von Zuständen, die man als „soziale Unordnung“ beschreiben kann, eingebürgert. Da all diese Bedeutungen geeignet erscheinen, wird verständlich, dass dieser (schwierige) Begriff auch mittlerweile umgangssprachlich zunehmend in der Auseinandersetzung um eine unerträgliche, staatlich betriebene allgemeine Gleichmacherei benutzt wird. Denn der idiotische (ideologische) Quotenwahn, mit dem wir mittlerweile in allen Belangen konfrontiert werden, führt über das fortwährende gegenseitige Anheben und Absenken weiter zur allgemeinen Nivellierung, Hinab-Transformation, Auflösung, letztlich dann zur Zerstrahlung, zum totalen Nichts. Entropie also. Allerdings wird die Anbetung eines falsch verstandenen Fetisches „Egalität“ auf diesem Weg erst ganz gehörige Unruhe -daher paßt die Definition umso besser-(das meint dann aufs Menschliche übertragen: blutige Auseinandersetzung, Krieg und humanen Niedergang) hervorbringen.
(Und das soll entschuldbar sein mit dem Satz „Wir haben es ja nur gut gemeint?“)

 

*(13.11.2011)/Hunsrücker Identität
Herbstzeit ist im Hunsrück, der linksrheinischen unteren Hälfte des Rheinischen Schiefergebirges, immer Seppelhosenzeit. Das hat zwar wenig bis gar nichts mit einer eigenen Tracht, Kultur oder Tradition zu tun, aber da man prinzipiell gar keiner eigenen Vergangenheit gewahr ist, greift man der Einfachheit halber gerne zu Gelegenheiten auf klischeehafte, bayerische Accessoires zurück und lässt dazu auf hiesigen Volksfesten alpine (tumbe) Bergmusikanten aufspielen.
Es kommt aber noch weit schlimmer: In der Hunsrück- Kreisstadt Simmern wurde jüngst ein Schinderhannes – Denkmal enthüllt. Es handelt sich dabei um einen Kriminellen und aller Wahrscheinlichkeit nach auch um einen Mörder aus Habgier, der im späten 18.Jahrhundert sein Unwesen trieb und sehr bald abgeurteilt und hingerichtet wurde. (Seine meisten Taten richteten sich übrigens gegen Juden.) Und ausgerechnet der muß heute zur Identitätstiftung für eine ganze Region herangezogen werden. Schinderhannesradweg, Schinderhannesturm, Schinderhannesmenü. Hartnäckige Versuche, ihn als lokalen Robin Hood hochzustilisieren, scheitern schlicht an den tristen (vor allem brutalen) historischen Realitäten. Im Prinzip ist das nur peinlich und beschämend, zudem auch verwerflich.
Der Hunsrück ist tatsächlich nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht strukturschwach, sondern scheint darüber hinaus auch geistig  nicht besonders gut aufgestellt zu sein.

 

*(15.11.2011)/Klang, nicht-sakral
Aus Kirchoff: Klang und Verwandlung:
"Die große Musik des Abendlandes (die sogenannte klassische Musik)enthält eine Tiefendimension, die als kosmisch zu bezeichnen ist und sich nur einer meditativen Herangehensweise zu enthüllen vermag. Klassische Musik ist die eigentliche Meditationsmusik, die ein Äußerstes an konzentrietem und ganzheitlichem Hören verlangt. Nur derart wird die verwandelnde Kraft dieser Musik offenbar, ihre bis heute unerkannte, unenthüllte Botschaft erahnbar (...) " (S.10f.)
Zwar ist der klassische Sektor zu umfassend, um zu pauschalisieren - pauschal scheint mir die Aussage von Kirchoff zu sein- ,aber ich sehe einen ganz großen Teil der klassischen Musik seit/nach Bach eben nicht als Ausdruck metaphysischer Tiefendimension, sondern genau im Gegenteil als Weg der Ent-Sakralisierung und Profanisierung (des Menschen und seiner Umgebung). Seit der Temperierung des Klaviers entbehrt die europäische Musik einer spirituellen Möglichkeit (durch "freie Oszillation"),an die Stelle tonaler (kraftvoller) Zentren rücken Technik und kompositorische "Akrobatik". Viel "Seelenrokoko" (in höfisch- zweckgerichtetem Auftrag) statt "kosmische" (Kirchhoff) Inspiration und Tiefenwirkung...
Oder anders: In ganz großen Teilen hat die europäische klassische Musik (Jahrhundert um Jahrhundert-erst seit kurzem gibt es Gegenbewegungen) das tonale und meditative Zentrum verworfen (oder ist dieses Zentrum eh nur meine persönliche Chimäre?) um kompositorischer „Athletik“ und Gekünsteltem Platz zu machen. Nicht Klang-Zulassen, tonale Versenkung (und somit auch Einfachheit), sondern Technik, Ambition, Wille, „Verkopfung“ - sogar geistige Kasernierung. Im Prinzip sind das unvermeidbare Äquivalenzen eben zur Entspiritualisierung und Technisierung (Europas).Und spätestens dann in den italienischen Opern zeichnet sich wirkliche Degeneration und Niedergang ab.
(im Umkehrschluß: Sind Ligeti, Preisner oder Pärt ein Hinweis auf eine Re-Sakralisierung unseres Raumes?)

 

 

*(15.11.2011)/Gaddafi
Der gestürzte Gaddafi war im Besitz des grünen Buches, das den Einzelnen in eine rechtliche Position versetzte, seiner eigenen, individualisierten Auslegung der islamischen Lehre nachzukommen. Gaddafi schuf seit seiner Amtsübernahme 1969 erst ein Gebilde, das überhaupt über eine Staatlichkeit und nationale Identität verfügte. Grassierendes Analphabetentum und Massenarmut verschwanden nach und nach durch seine (damals neuartigen) sozialistischen Staatskonzepte.
Nun, nach seinem Sturz, spricht man bereits von über hundert verfeindeten, kämpfenden Gruppen und Stämmen im Land. Clans stecken ihre Einflußsphären ab und  fahren wild  in die Luft schießend durch die Straßen. Die einzige Macht, die diese Anarchie momentan zu zügeln und zu kanalisieren  weiß, ist die islamistische Partei „Al Fouruk“.
Diese Partei war es auch, die  am nachhaltigsten und radikalsten den Kopf Gaddafis gefordert hat, denn sie hat ihm  seine Aufweichung und Individualisierung der Lehre Mohammeds seit seiner Machtübernahme nie verziehen. Im eher säkularisierten Westen Libyens  spielte hingegen der Haß auf die schwarzafrikanische (von Gaddafi geförderte)  Einwanderung eine entscheidende Rolle.
Diese Bemerkungen sollen nicht die Tatsache und Problematik einer Despotie unter der Knute eines Herrschers vom Schlage Gaddafis schmälern. Die Despotie ist dabei aber intrinsisch/symptomatisch für alle islamischen Gesellschaften, weil ihr Charakter ein Äuqivalent zu den hierarchisch- totalitären (die ganze Gesellschaft durchdringenden) Ansprüchen des Koran darstellt.
Die wilde (illegitime) Bombardierung (und der nun folgende milliarden-teure Aufbau)—Deutschland wird hier einen enormen Ablass einlösen müssen –spielt dabei den antisäkularen, antidemokratischen (sprich islamischen bzw. islamistischen –die Unterscheidung  existiert  nur im europäischen Sprachgebrauch)Kräften direkt in die Hände. Wer für dort von westlich demokratischen Verhältnissen träumt (aus welchem Sendungsbewusstsein das auch immer gespeist sein mag), wird bald schon sehr ernüchtert aufwachen müssen.

 

*(16.11.2011)/Seltsame Krone
Nun leben neuerdings sieben  Milliarden Menschen auf diesem kleinen geplagten Planeten „Erde“. Wenn das Überleben der Menschheit (als Spezies)gewährleistet werden soll, wird es die geballte Anstrengung, einen höchsten (und wahrscheinlich letzten) kollektiven Kraftakt erfordern, alles an ein technisches Konzept zu setzen, diesen Planeten innerhalb der näheren Zukunft zu verlassen, um ein Refugium auf einer anderen habitablen Welteninsel zu erreichen. Denn die Erde und ihre Ressourcen  werden –und darüber kann kein Zweifel bestehen-, unter dem Vermehrungsdruck und vor allem unter der unendlichen Gefräßigkeit der menschlichen Spezies sehr bald  komplett verspeist sein. Denn Raubbau, Dominanz und Expansionswut (ziel-und zweckgerichtet? Wohin dann, wenn hier gar kein Platz mehr ist?) stossen jetzt bereits an alle Grenzen, führen schon nun zur täglichen Vernichtung ungezählter Arten, Lebensräume und Bevorratungen.Die menschengemachten Klimaveränderungen werden sehr bald unermeßliche, lebensfeindliche Prozesse nach sich ziehen.Die unerschöpfliche Ignoranz und Arroganz, dazu gepaart mit Dominanz und Dummheit (Krone der Schöpfung?—eine seltsame Krone muß das sein) unserer Spezies lässt uns dabei wie zwanghaft alle roten Linien und Warnsignale negieren. (überflüssig zu erwähnen, dass dies in Folge kriegerische Auseinandersetzungen ganz neuen unbekannten Ausmaßes evozieren wird). Die Gnadenlosigkeit dieses Kahlschlages wird dabei nachhaltiger (und zudem weit toxischer und verstrahlter)als nach den furchterregendsten Heuschreckeneinfällen ausfallen. Das wachsende Gewaltpotential der unversöhnlichen Weltreligionen traue ich mich hier erst gar nicht anzusprechen.
All die gut gemeinten Ansätze, dieses große zerstörerische Rad anzuhalten, werden von Abermillionen täglicher neuer menschlicher Gier-Fresser und Raubbauer im Keim ad absurdum geführt. Für die Massen-Verankerung von Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit sind  alle Chancen (so es sie jemals gab) sowieso lange abgelaufen.

 

*(14.11.2011)/Die UNESCO und die Schurken
Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), zu deutsch Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur)wurde vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges gegründet, indem die Gründungsstaaten folgende Lehre zogen:
Ein ausschließlich auf politischen und wirtschaftlichen Abmachungen von Regierungen beruhender Friede kann die einmütige, dauernde und aufrichtige Zustimmung der Völker der Welt nicht finden. Friede muss – wenn er nicht scheitern soll – in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden.
Und weiter aus der Präambel der Verfassung der UNESCO:
Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“
Nichts von diesem geistigen Anspruch scheint aber nunmehr bei der israelischen Regierung vorhanden: Denn statt ernsthafter Bemühungen um den Wiederanstoß eines  Friedensprozesses hat die israelische Regierung unerträgliche Strafmaßnahmen gegen die Palästinenser beschlossen, nachdem die UNESCO die Aufnahme Palästinas als ihr Mitglied verkündet hatte (immerhin doch eine Art der friedlichen, politischen Intervention). Sie will nun den (völkerrechtswidrigen)Siedlungsbau in und um Jerusalem beschleunigen sowie Gelder zurückhalten, die sie für die Autonomiebehörde einnimmt (warum darf sie das überhaupt?)und die alleine den Palästinensern zustehen. Gleich zweimal also greift sie so zu illegalen Mitteln, um die Menschen zu bestrafen, die sie sowieso seit 44 Jahren mit allen negativen Begleiterscheinungen unter Besatzung hält.
Aber bei all dieser Tristesse: Dieser  Staatszynismus entspricht mehr oder weniger einer lange etablierten negativen Erwartungshaltung. Und der Folge-Skandal: Die USA frieren zusätzlich eine Zahlung von 60 Millionen Dollar an die UNESCO ein: Eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington sagte, die amerikanischen Gesetze würden die Regierung dazu verpflichten.
Was sind das aber für Gesetze, die auf diese Art darauf aus sind, weiter jede berechtigte Form von Anerkennung und Staatlichkeit Palästinas zu unterminieren und gleichzeitig den illegalen israelischen Siedlungsausbau tatenlos hinzunehmen?  Die USA desavouieren sich damit vor der „Völkergemeinschaft“ lediglich wiederum einen Schritt mehr. Und bewegen sich mal wieder außerhalb jeder völkerrechtlichen Konvention: Wie dies eben einem „Schurkenstaat“ zukommt. In neuerer Zeit bekannt geworden ist dieser Begriff im Zusammenhang mit der deutschen Übersetzung des von der Regierung der USA (!) geprägten Begriffs Rogue State. Hiermit sind diktatorisch regierte Staaten gemeint, die sich angeblich aggressiv gegenüber anderen Ländern verhalten und nach Ansicht der US-Regierung (sie selbst verhält sich mit Vorliebe so!) die Stabilität ganzer Weltregionen untergraben und sich internationalen Verhandlungen und Beschlüssen völlig unzugänglich zeigen. Und laut Peter Sloterdijk verhält sich das Schurkendasein per definitionem adäquat zu einem Tier, „dass außerhalb der Herde ausgewildert und einsam umherstreift“. Mich mutet das momentan dabei eher wie zivilisationsfernes Getrampel an (freilich mit noch-hegemonialer Wall-Street-Deckung im maroden Rücken).
Wie lange noch?

 

*(03.12…2011)/ Verkennung
Sarah Wagenknecht von der Linken verweigert den Toten des Stalinismus (nach Schätzungen 9-22 Mio oder weitaus mehr) per se die Opfer-Anerkennung, weil darunter auch Faschisten wären(das liegt hingegen in der Natur der verfeindeten Ideologien des totalitären 20.Jahrhunderts.)Außerdem bezieht sich die obige Opferzahl nicht auf Kombattanten, sondern nur auf Zivilisten. Sie verkennt dabei vor allem (wohl mutwillig) Zeitabfolgen und Kausalitäten, denn der Faschismus war ursächlich eine Kreation, die als Antwort auf den als Bedrohung empfundenen Sozialismus/Bolschewismus ins Leben gerufen worden war (man denke an  die Entwicklung Mussolinis, an den italienischen Faschismus- nach Maurras´ Action Francaise  dem ersten eigentlichen Faschismus- dieser zudem lange vor Hitler.)
Und die Aber-Millionen umgebrachter Nicht-Faschisten nimmt man so gleich -kalt und gnadenlos- mit in postmortale Sippenhaft. Wer bestimmte (und bestimmt) überhaupt den Terminus „Faschist“? Stalin vielleicht ? Das Kapitel in SolschenzyzinsArchipel Gulag“, als die strammsten Kommunisten –darunter er selbst- das Gefangenentor zu den Arbeitslagern passieren mussten, hieß bezeichnend: „Die Ankunft der Faschisten“.
Da historische Faktenlagen(gar Bemühungen einer Historisierung) aber für das Wagenknecht -Dogmatiker-Lager vom Teufel wären, -wegen dem Angriff auf die sichere Nische, in der man sich feist weltanschaulich eingerichtet hat, unterdrückt man sie der Einfachheit halber. Wehrt echte Argumente einfach ab wegen der möglichen unkomfortablen Konsequenzen. Das nenne ich linke Neu-Scholastik. Man hätte diese Form totalitäres Handelns gerne längst überwunden geglaubt.

 

*(04.12.2011)/ Verbot
Kaum jemand hat von einem Verbot der NPD so so wenig Vorteile wie die Linkspartei. Denn die extreme Linke fasst ja von Beginn an ihre Kontur, ja Legitimation zu einem ganz großen Teil aus der  Positionierung gegen einen anschaulichen "faschistischen" Gegner. War damit zu Weimars Zeiten eher das bürgerliche Lager um die Sozialdemokratie gemeint, hat man heute dieses Bild des Sozialfaschisten gegen das Bild eines „Rasse-Faschisten“/bzw. Nationalisten ausgetauscht, den man eben gut fokussierbar in der NPD verorten kann, seine Ausläufer zudem aber (diffus) in die Mitte der Gesellschaft verlegt, so dass sich ein ideologischer Dauer“widerstand“ zudem recht allumfassend gestalten soll und zu mannigfacher praktischer Betätigung und Alimentierung führen läßt. Würde man der Linkspartei diesen „Gegner“ einfach wegnehmen, verlöre sie quasi über Nacht allzu stark an ideologischem Fahrtwind. In Zeiten linker Partei-Neugründungen wie den „Piraten“ und der Konkurrenz durch die nicht minder linken Grünen (die SPD dümpelt auch noch) wäre die Beschneidung dieser klassischen Profilierungsmöglichkeit ein fatales Signal für zukünftige eigenen Umfragewerte.
Und noch ein Profil-Problem: Selbst die NPD wird -von konservativer Seite– wegen diverser sozialistischer Positionen- als (allerdings nationale) Linkspartei bezeichnet.

 

*(08.12.2011) / Utopia
Bemerkenswertes aus Thomas Morus „Utopia“ (1524): „Das zentrale Prinzip des Regimes beruht darauf, das Leben über die Arbeit zu stellen und sicherzustellen, „dass so viel Zeit wie möglich vom Dienst für die Gesellschaft abgezogen und der Freiheit und Kultur des Verstandes gewidmet werden sollte.“
Nun, dem gibt es bis heute ja gar nichts hinzuzufügen, dass hat man schließlich bis heute noch nicht verinnerlicht, schon gar nicht umgesetzt. Im Gegenteil eher schlittert man durch Zeitgeist–Dominanz und grassierenden Europa-Wahn immer weiter in eine Ökonomisierung des Denkens, einen Rationalismus und unhinterfragten (geistesfernen) Pragmatismus aller Lebensbereiche. Aber es ist eigentlich gerade nötig, schon in den Schulen und den Elternhäusern zu lehren und zu zeigen, das „richtige Leben“ vor das falsche zu setzen, flankiert von der Förderung durch geistige/ musische/geisteswissenschaftliche Betätigung. Eben wie nach den alten humanistischen Idealen. Sie drohen uns immer mehr abhanden zu kommen. Weit jenseits von Utopia.

 

*(08.12.2011)/Umwidmung
Wir wissen von den groß angelegten Umwidmungen, wir wissen, dass es den   Missionaren und Vorposten des Glaubens nur gelungen ist, ihre Religion -das Christentum- zu etablieren, in dem man eine weitreichende Umkonditionierung betrieben hatte. Auf die heiligen heidnischen Plätze baute man die neuen Kirchen und vor allem besetzte man die Feiertage mit den neuen christlichen Festen. Ziemlich genau daran fühle ich mich erinnert, wenn ich -zuletzt am Tag der deutschen Einheit- quasi ohne Unterlaß- medial darauf verwiesen wurde, dass man an diesem Tag gleichzeitig auch der Pogromnacht-die war doch im November!?- (eliminierter Terminus: "Reichskristallnacht" 1938)gedenken sollte und zudem der 3.Oktober auch noch zum Tag der Moschee(!) ausgerufen wurde. Eventuell doch etwas überfrachtet, dieses Datum, oder nicht?  Neu-Besetzung und Umkonditionierung : Die Botschaft ist klar: Eine deutsche  Einheit eben nur unter der Dauermahnung und strengen Ägide einer unablässigen Bringschuld gegenüber der eigenen NS Vergangenheit, (die nicht vergehen darf, historisch einzugliedern nicht erlaubt ist). Und Bringschuld auch gegenüber dem Islam - als Religion der größten Einwanderergruppe. (Einwanderung in diesem Kontext als sakrosankter Pendelgegenschlag gegen den latenten nazi-deutschen Hang zu Xenophobie und Fremdenfeindlichkeit)- Dies ungeachtet jeder totalitären Implikation des zugrunde liegenden Koran. Nicht wenige werden dies als Zangengriff werten, manche werden das ganze auch gutheißen und die meisten werden bewusst davon gar nichts mitbekommen. (denen gilt es halt subliminal beizukommen). Unabhängig davon aber handelt es sich um eine schamlose  Unterwanderug der staatlichen, nationalen und letztlich persönlichen Identität, legitimiert alleine durch harte (fremde) Interessen (cui bono?)—da geht es nun lange nicht um Ethik) und durch den intrinsischen Sühnewunsch einiger (gut etablierter), auf (primitive) Geschichts –Dialektik bauende Ideologen, die irgendwann den Marsch durch die notwendigen Institutionen erfolgreich absolviert haben. 
Aber diese Maßnahmen- als schrieben wir im Jahr 2012 das Jahr 1945- stoßen sich an jedem Verständnis von Individuation und geistiger Autarkie. Das ist Gängelung wie bei einem kleinen ungezogenen Schulknaben. Den wachsenden Gegendruck aber kalkuliert man falsch.

 

*(11.12.2011)/Strassenköter und Schakale
In Polen und in der Ukraine pflegt man–der Erwartung gemäß-nicht die bei uns selbstverständlichen tierrechtlichen Standards. Ich möchte hier gar nicht darauf abheben, dass man die Zivilisiertheit einer Gemeinschaft auch immer daran ablesen kann, wie sie mit den Schwächsten (also mit ihren  Tieren) umgeht und folgerichtig von einem Zivilisationsgefälle Nord/Süd oder West/Ost räsonieren. Nur werden dort gerade wegen einer anstehenden Fußball- Europameisterschaft (!- Wie kann das ein zureichender Grund sein?) frei lebende und wild vermehrte Hunde im großen Stil getötet und „beseitigt“, weil man eben dem „zivilisierten“ Zuschauer (aus den zivilisierten Ländern) zumindest einen (oberflächlich) zivilisierten Eindruck bescheren möchte. Naturgemäß haben sich Widerstände gegen diese Aktionen entwickelt, aber mit welchem Erfolg? Ich möchte hier auch bewußt die Tötungs-Details aussparen, denn wie sollte diese Angelegenheit anders vonstatten gehen als ganz falsch und grausam.
Daher nur eine Abkürzung dieses tristen und unerklecklichen Dramas:
Wer in die wilde Ukraine fahren will, darf sich konsequenterweise nicht von einem wilden Hund erschrecken lassen. Punkt. So einfach.(So wie ein Mexiko-Stadt-bei-Nacht-Urlauber keine zu große Angst vor langen Fingern und Messern hegen sollte.) Wenn Polen und die Ukraine zudem für einen solchen Event nicht gerüstet sind, sollen sie ihn besser gar nicht ausrichten.
Aber vor allem: Ich bevorzuge jeden Straßenköter vor den Akteuren in einem selbstgefälligen Big Business Fußball Spektakel mit aufgeblasenen Pomade-Spieler-Millionären und Leuten, die kaum zusammenhängend artikulieren können. Überflüssig und degenerativ ist das. Die Instinkte, die dort frei gesetzt werden, heben sich sowieso nicht aus dem Niveau einer Fauna heraus, dazu kommt noch das Korrupte und Diebische der Funktionäre. Die wiederum kommen mehr nach den Schakalen denn nach den Hunden. Erbärmlich. Merke: Ein Hund ist nicht nur höchst sportlich,(auch ohne Bankkonto) sondern dazu noch unbestechlich.

 

*(14.12.2011)/Abziehende Briten
Habe in der Zeitung gelesen, dass nun - nach fast 70 Jahren (!) die letzten britischen Soldaten, die gemäß irgendwelcher (längst überholter) Beatzungsstatute noch in Deutschland als Siegermacht stationiert waren, endlich und endgültig abziehen. Eine Nebenfrage ist erlaubt: Was haben die hier eigentlich  so lange gemacht? Möglicherweise etwas konstruktives zum Staatswesen beigetragen ? Das wäre allerdings nicht bis zu mir vorgedrungen.
Habe kurz darauf ebenfalls in der Zeitung gelesen, dass durch den Jahrhundert–Wasser-Niedrigstand im Rhein (bei Koblenz) ständig gefährliche Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden. An hiesigem Sonntag wird gar wegen der besonderen Gefährdungslage bei einer Entschärfung einer Megabombe eine Evakuierung von 45 000 Bürgern (!)(inkl. kompletter  Krankenhäuser und einem Gefängnis) vorgenommen.
Dies betrifft die gesamte Innenstadt und darüberhinaus einen Radius von 1,5 Kilometern und somit beinahe die Hälfte der Einwohner. Eine sehr geeignete Gelegenheit, einmal innezuhalten und sich die letalen Absichten hinter diesen monströsen Sprengkörpern und deren ganz bewussten Abwürfen in die dicht besiedelten Zentren der (vielen) Innenstädte zu vergegenwärtigen. Jedenfalls lag mir im Kontext der Gedanke nahe, dass die stationierten Briten doch ein einziges Mal in 70 Jahren einen nützlichen Job vollbringen könnten, wenn sie nämlich auf ihrem Heimweg ihr liegengebliebenes  Bombenmaterial gleich mit einpacken und zurück auf ihre königliche Insel nehmen könnten.
Und ob die „Bomber-Harries, do it again! - Fraktion“ aus Freude am Fund die Evakuierung negieren und ein Feierstündchen bzw. einen Umtrunk am Rheinufer mit Blick auf die geliebte Bombe einlegen wird? Wahrscheinlich eher nicht. Denn dazu fehlt ihr wohl doch der nötige Mut.

 

*(16.12.2011)/Eigener Kanon
Thematik "Glauben": Hierzu ein Zitat des Publizisten Toni Roidl: „Und dennoch gibt es eine diffuse Sehnsucht nach Spirituellem, die konstant  wächst. Neopagane (Neuheiden) zimmern sich aus Druidentum, Walpurgisnacht und Esoterik eine Privatreligion. Aus dem Supermarkt der Glaubensbekenntnisse legt sich der Sinnsuchende Westeuropäer in seinen Warenkorb, was ihm gefällt: Ein  bisschen Buddha, etwas Jesus und was mit Ufos.“ „Jeder ist sein eigenes Evangelium“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Christine Aka.
Ich sage: (aber vorneweg in die Klammer: was heißt diffus? Diffus bis nebulös war jegliches Spirituelle bisher immer.)
Viel besser man schafft seinen eigenen Kanon und schöpft dabei aus dem reichhaltigen esoterischen Erbe der Menschheit (und potenziert so spirituelle Tiefe und Weisheit), als dass man den Kanon alter (und fragwürdiger) Kirchenväter übernimmt, die diesen (so auf jeden Fall mein Verdacht) vor allem installiert (willkürlich zusammengeschustert)haben, um ideologische Oberhand zu gewinnen, um einfach der Amtskirche als Institution zu schnöder Vormacht zu verhelfen und (das ist vor allem der Unterschied zum oben angesprochenen Erkenntnisgewinn:) um den Einzelenen bzw. die Masse dumm und klein und folgsam zu halten.

 

*(19.12.2011)/Konservative Übereinkunft
Bei Gelegenheit kann man den Eindruck gewinnen, dass sich hiesige (Erz)konservative , auch resolut veranlagte Christen gerne mit korangläubigen Muslimen in einer heimlichen Absprache treffen, in der es nämlich darum geht, eine rigide moralisch/ sittliche Ordnung aufrechtzuerhalten oder eine verloren geglaubte wiederherzustellen.Ganz patriarcharlich/präfeministisch/prä-libertär.
Das Attribut „moralisch“ verstehe ich hier synonym für gelungene vollzogene Anpassung unter eine Kontrolle, Kontrollwunsch hingegen als die Verlängerung der Determinante „ Macht“, also als Versuch der Ausdehnung/ Dominanz, schlicht Auf-Oktroyierung egoistischer (meist eingeschliffener/tradierter/unhinterfragter) Prämissen- auf Andere (in der Regel auf Schwächere oder Schutzbefohlene). Für dieses Unterfangen ist das eigentlich eine praktische und nicht wenig versprechende Union. Ob das die linksegalitaristischen Einwanderlobbiesten von Sozialdemokratie und Linke und Grünen so gedacht und geplant haben? Natürlich haben sie nicht. Also: Holz- und Ideologenauge sei wachsam, wegen der möglichen neuen (restriktiven/restaurativen) Allianzen!

 

*(20.12.2011)/Menschwerdung
Dem Mensch gefällt es natürlich sehr gut, sich als Krone der Schöpfung zu bezeichnen und sich entsprechend dominant zu gerieren. Wenn man seine Spezies aber objektiv und fast vollständig durch die ihn determinierenden animalischen Grund-Erfordernisse (wie Fortpflanzung  und Nahrungsaufnahme - und Ableben) beschreibt (worum sich prinzipiell der irdische Aufzug ja fast alleine dreht—freilich mit verschiedener Kulturleistung sublimiert), hebt er sich in der Summe (und im Kern) kaum noch merkbar vom Säugetier ab. Einen Abgang aus dieser ungewollten verwandtschaftlichen Nähe böte der spinozistische Ansatz, dass der Mensch zwar sämtlichen Affekten (wie eben auch das Tier) unterworfen ist, aber im ganz entscheidenden Unterschied zu diesem darüber hinaus noch einen höchsten Affekt der „Vernunft“ kennt, der ihn dann eben einzig aus der ihn umgebenden Natur aufsteigen lassen könnte. Demnach aber müsste der Mensch diesen Affekt „Vernunft“ erst einmal als erstrebenswert erkennen und entsprechend entwickeln (wollen), um überhaupt erst in die Nähe einer verdienten Erhebung zu gelangen. Und diese gekrönte Vernunft setzte dann ja im Umkehrschluß, wegen der Beigabe zur Vernunft -nämlich der „Verantwortung“- gerade auch Achtung vor allen „unterlegenen Spezies“ voraus. Die eigentliche Menschwerdung steht also in Zukunft wohl erst noch an.

 

*(19.12.2011)/Soziales Netzwerk
Einige belächeln süffisant die persönlichen Web-Präsenzen in den sozialen Netzwerken-vielleicht inspiriert durch die zeitgeistige(medial dauerbefeuerte) Entwicklung in Casting- Shows, wo jeder Hinz und Kunz Pseudo-Star spielen darf, um sich letztlich doch nur der Lächerlichkeit preiszugeben. Jeder „Nichtkönner“, gar Volltrottel könne dort zu etwas kommen, was einer allgemeinen gesellschaftlichen und kulturellen Verflachung und Vulgarisierung gleichkäme(sind die akzeptierten Sterne und Sternchen nicht flach?) Nun, das mag ja für irgendwelche TV-Niederungen gerne zutreffen, aber bei der Teilnahme bei Facebook oder ähnlichen Communities ist der Fall doch sehr anders gelagert. Zwar bleibt auch dort das Resultat vom Format des Einzelnen abhängig, aber entscheidend ist doch der Aspekt der Eigenverantwotlichkeit. Zentral ist die persönliche Autonomie, die readaktions-/einfluß-/geld-/beziehungs- und lobby- freie Betätigung und Möglichkeit des Einzelnen, seine Talente oder Sichtweisen öffentlich zu vernetzen und zu befördern, eben ohne Anbiederung und Kommerz. Das ist in der Tat ein ganz anderer Effekt, als für eine kurze Weile im Fernsehen etwas sowieso Nicht-Nachahmenswertes nachzuäffen!). Es geht um die Egalisierung von Chancen und Möglichkeiten , um das alte rousseausche Proklamat von der potentiellen Gleichheit Aller, vollzogen lediglich durch ein paar unkomplizierte  Mausklicks. Vorbei an allen Kommerzmühlen, (wann werden die endlich endgültig fallen?) Denn Talent braucht keine Geneigten und Mäzene mehr, sondern erfordert nur sich selbst (in Betätigung) und einen Computer mit Netzanschluß. Es wäre falsch bedacht, diese große Option auschließlich mit Geringschätzung zu begleiten.

 

*(20.01.2012)/ Kampagne
Früher machte es ja noch Sinn, durch Kampagnen einen politischen Gegner zur Strecke bringen zu wollen, um dann eigene Personen und Positionen gebührend in Stellung oder Amt zu bringen. Im Falle des Präsidenten Wulff aber spiegelt sich mittlerweile ein ganz anderer Zustand der aktuellen Parteien/Demokratie-Situation wieder: Der deutsche Präsident vertritt nämlich sowieso nichts eigen-staatsverantwortliches, sondern nur von Außen oktroyierte und zeitgeistkonforme Vorgaben. Und jeder mögliche  Präsidentenkandidat einer anderen Partei würde diese quasi deckungsgleich verbalisieren (in diesem Sinne nun mehr als bezeichnend, dass die CDU im Hintergrund für den Fall von Wulffs endgültigem Abstieg eine grüne Kanditatin vorschlägt). Nennt man so etwas  nicht  einen durchschlagenden Konsens?
Die Demontage durch nicht wohlgesonnene Einflussnahme, die Kampagne selber, kommt somit nicht von den anderen Parteien, sondern diesmal allein von den Medien und einer vagen, aber latent feindlichen öffentlichen Meinung. Da schwingt ein Neidgedanke mit, die Lust am Heimzahlen (was eigentlich?) und allgemein die gestiegene Chance auf Einwirkung. Dafür  muß lediglich ein Fokussierungspunkt her, die Inhalte zählen sowieso nur am Rande. Der „Wutbürger“ (siehe Stuttgart Einundzwanzig) ist das Phänomen, in dem sich diese neuartige Hysterie Bahn bricht. Ein diffuser Wunsch nach Aufbegehr und danach, es „denen da oben“ zu zeigen.
Da Wulff überhaupt kein präsidiales Charisma hat, geschweige denn eigentliche präsidiale Inhalte vermittelt, wäre sein Rücktritt kein Verlust, vielmehr nur eine Genugtuung. Das Amt könnte man dann bei dieser guten Gelegenheit zugleich per se in Frage stellen. Es wirkt ja so nur obsolet und geldverschwenderisch. Kann man diese Geschäfte nicht effektiver von Brüssel aus (komissarisch) durch einen Verwaltungsbeamten abhandeln? Das spart Aufwand, Geld und vor allem Verdruss. Aus dem Schloß Bellevue könnte man derweil z.B. eine gemeinnützige Begegnungsstätte machen, das teure wie nutzlose Inventar verhökern um es an mittlelose Mitbürger zu spenden. Rechtfrei(und abgemildert) nach dem alten Motto: Friede den Hütten und Krieg den Palästen.

 

*(04.01.2012)/ Mission accomplished
Obama spricht nun das Ende der Kampfhandlungen im Irak aus und kündigt den bevorstehenden Rückzug aller amerikanischer Soldaten an. Doch man wird ja wohl nicht von dort abziehen, ohne vor Ort geeignete strategische amerikanische Stützpunkte etabliert zu haben? Man hat darüber gar nichts gehört. Davon aber abgesehen: Egal, welche Schätzungen oder Zählungen der verschiedenen involvierten Organisationen man zu Grunde legen möchte, durch den illegitimen amerikanischen Einmarsch sind seit dem Jahr 2003 im Irak unzählige/abertausende (zivile) Menschenleben (LINK) vernichtet worden. Und auch dieses weitere Resümee: Kulturgüter sind geraubt und unwiderbringlich zerstört, die Region ist insgesamt ganz eklatant destabilisiert, Christen (und weitere Minderheiten) sind plötzlich dauerhaft der genozidalen Verfolgung preisgegeben, aber vor allem anderen dies: Die antizionistische Baath Partei ist erfolgreich enthauptet. In diesem Sinne:„Mission accomplished!“ Oder zu Deutsch: Operation geglückt, Patient tot.

 

*(10.01.2012)/ Mord an Christen
Nach Angaben der evangelischen Allianz wird in den islamischen Staaten zusammengenommen alle drei Minuten (!) ein Christ wegen seines Glaubens umgebracht. Da ich um die Weihnachtszeit - also dann, wenn Kirchen- und Staatsmänner besonders gerne (schwangere) Reden halten, das nirgends erwähnt finde, leite ich daraus ab, dass dies wohl niemanden ausreichend zu interessieren oder gar aufzuregen scheint. Oder hat sich am Schluß ein ernstes Anliegen in den zu verallgemeinerten und daher schließlich nichts sagenden  Aufrufen „gegen Gewalt“ aufgelöst? Gerade leider auch die Kirche als „Moralinstanz“ versagt immer wieder eklatant, wenn es darum geht, Ross, Reiter, Opfer und Täter und Verantwortliche (die alle gibt es ja!) beim Namen zu benennen. Sie schlingert viel lieber unverbindlich und somit unangreifbar im Meer der Beliebigkeiten (ist das etwa jesuanisch?), so dass Mahnungen zu nichts weiter als gewissensexkulpierenden Floskeln verkommen, ohne jeden Apellationscharakter (zur konkreten Intervention), ohne irgendwelche Konsequenzen . Was passieren würde, wenn in Europa nur ein einziger Anhäger des mohammedanischen Glaubens aus feindlichen Gründen getötet würde, erleben wir gerade im Zuge der zehn NSU-Morde.
Ethische Normativen scheinen so völlig aus dem Ruder, relationlos, irrational, ideologisch aufgeheizt bis zur Menschenfeindlichkeit. Und in diesem aufgelösten Rahmen bestimmt immer mehr jeder Einzelne ganz individuell für sich seinen eigenen Legitimitätshorizont, wo und wann eben Gewalt erlaubt ist und wo nicht.

 

*(04.01.2012)/ Ungleichbehandlung
Würde man, wenn man von den drei abrahamitischen Religionen spricht, wie es H.B.Blavatski getan hat, im öffentlichen Raum vom „inthronisierten Irrtum“ sprechen, würde dies in Hinsicht auf das Christentum „en vogue“ wirken und wohl automatisch genügend Zuspruch finden, wenn es sich hingegen dabei um den Islam handelte, könnte das kaum ohne gewisse(gar gesundheitliche) Risiken auskommen, und wenn es sich aber schließlich um das Judentum handelte, würde dies einem adhoc das Urteil des Antijudaismus anheften, der begrifflich ja nicht (mehr) vom „Antisemitismus“ (wer definiert den wiederum?) abgesetzt ist. Da jener aber arg paragraphen-und straf-bewehrt wurde, würde das eben bei Nicht-Achtung schnell Ruf und Haus und Hof kosten können. Kann und darf aber eine  solch ungleiche Behandlung überhaupt jemals rechtens sein?
Und außerdem erinnere man sich an Voltaires „Ecrasez l` infame!“. Wer will also heute ernsthaft  -wie hasenherzig- wieder so weit den Schritt zurück vor Aufklärung und Humanismus tun wollen?

 

*(04.01.2012)/ Schon wieder Christchurch
Nachdem vor fast genau einem Jahr in Christchurch/Australien ein schweres Erdbeben viele Tote und Verletze gefordert hatte und die Menschen nun dort nach langwierigem Wiederaufbau wieder begannen, neue Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen, mußten sie genau an Heiligabend erneut in Todesangst aus ihren Häusern fliehen, weil ausgerechnet da ihre Erde wieder bebte. In einer Stadt mit dem so gottgefälligen Namen “ Christchurch“, dazu noch am Abend der Geburt des Herren, wie (bei Gott!) kann so etwas passieren? Wirkt dort etwa irgendeine Plage, eine Strafe, ein Symbol? Warum lässt Gott das zu? Oder steht er gar nicht selber dahinter? (Wenn nicht: Wo ist er dann?) Und wenn er dies nicht selber zu verantworten hat, so lässt er es zumindest (bei all seiner Allmacht) doch zu. Wer möchte hier nun noch hartnäckig von „Allgüte“ reden? Wie jeher treten hier die unlösbaren, ja entsetzlichen Widersprüche zu Tage. Paracelsus sprach davon, dass wir in der Hölle lebten, denn die Hölle sei bereits hier. Immerhin kann diese doch weltverneinende Sichtweise auf postmortale Phantasien  von Feuer und Bratrost-Torturen wohl verzichten und würde zudem einiges über unsere Zustände erklären. Wie man es aber auch immer drehen oder wenden mag: Das Wesen dieser Welt: So wie die Haut und das Fleisch das Skelett darunter verhehlen, so verhehlt die Geschäftigkeit und vitale Bewegung (was wir Leben nennen), den Untergang zum Tod  und die finale endgültige Katastrophe.

 

*(04.01.2012)/ Die Berge
Seit ich quasi kein Fernsehen mehr schaue, bekomme ich glücklicherweise nicht mehr mit, wie wieder - immer zu Jahresbeginn - zur Magersucht getrimmte Bergwelt-Jünglinge mit alpinen Nachnamen, in bizarre Werbeplakatierung gehüllt, durch die Luft fliegen, um im Kampf um Meter und Zentimeter für ihre Clubs und Manager und Familien das große Geld nach Hause zu holen. Dies ist aber nur die professionalisierte Speerspitze eines irren Winterbetriebes, in dem ganze Heerscharen astronautenartiger Plastik- und Glasfiberfetischisten für einen kurzen Geschwindigkeits- und Geselligkeitskick ihre angestammte Heimat verlassen, um die -für sich genommen- unschuldige Bergwelt nicht nur allein mit ihrer Fremdkörper-Ästhetik zu belasten, sondern sie vor allem auch mit ihrem ego-zentriertem Kommerz-Lärm und einer nachhaltigen Ignoranz gegenüber der sensiblen Umgebung zu traktieren. Die Schneetouristen begnügen sich ja lange nicht mit dem stupenden "Hoch-und Runter" auf planierten weißen Berghängen, schon gar nicht treten sie in Kommunikation mit den Besonderheiten der dortigen Natur, vielmehr sinken sie in einem Wunsch nach Ventil und Vergessen in einen Gefühlszustand likörgetränkter Dauerkarnevalslaune (apres Ski), so als hätte die Bergwelt (wohl derjenigen, die unerschlossen ist) nicht schon genug darunter zu leiden, das sie bereits so gut wie unauflösbar mit irgendwelchen kitschigen Schlagerklängen (die unter dem falschen Begriff der „Volksmusik“ firmieren) assoziiert wird. Wenn ich ein Berg wäre, würde ich mir all das einfach verbieten. Ich würde mit den Wolken absprechen: „Der Mensch ist doch ein Trottel, daher  bitte keinen Niederschlag mehr produzieren!" (oder zuviel davon, damit eben alles Alberne ins Stocken kommt). Die Provokation eines Bergrutsches ließe sich so gerade noch vermeiden.

 

*(14.01.2012)/Kurzprosa/Im Sturmzimmer
Ganz oben in dem hohen Haus im Wald bricht der Sturm laut an den Kanten und die Person ist nun alleine geräuschlos am Fenster wie verschwunden so klein vor dem großen Wind immer wartend auf ein mögliches leichtes Schwingen der Dielen im Boden denn auch dieses Haus muß doch irgendwo eine Schwäche offenbaren wenigstens während der garstig aufheulenden Böenspitzen fast schon ein Ärgernis dass dies so einfach ausbleibt und nur der Regen drückt mit hohem Geknister an die Scheiben und bildet diese vielen Rinnsale wie kleine wilde Flußdeltas in denen sich vielfach das rote ferne Leuchten bricht/ nun zwischen den Windwehen ist es als hätten ganz leise zwei Stimmen gesprochen, wie Geister, die sich nur kurz in den Dimensionen vertan haben wie der Abklang eines verwehten Gespräches so wird es jetzt endlich Zeit für die Reduktion der Kerzen und einen entschiedenen Ton auf einer Taste oder einer Saite oder doch nur für einen blassen Hauch durch eine Flöte neben einem Blatt für ein Wort vor dem  Weg zurück zum Tisch an die hohe weiße Nachtwand und den Blick hinaus in die Weite --versperrt vom eigenen Gesicht im Fenster der hehren Alleinheit.

 

*(07.01.2012)/ Dichtung/Sturmauge
Stetig schlägt das Nordmeerauge
großen nassen Wind voran/
Dass von Osten wie an einer hohen Mauer/
Nichts weiter zu uns dringt/
und was die Winterväter raunten/
an den langen Inseln/
hatten die dunklen Wellen schon geschluckt/
Und in den schwarzen Burgen spielen gebrochenen Schatten an den kalten leeren Fenstern/
-alt und noch sommerrauh klopfen die Geister vom Krieg.

 

*(12.01.2012)/ Ummagumma
Mit der LP Ummagumma (1970), ihrem frühen Opus Magnum (wie sich textlich diesem nähern?) schöpfen Pink Floyd zwar auch noch aus dem Fundus des seltenen Genius Syd Barrets, aber dessen  Lehrer -und –dann- Pink Floyd - Gitarrist David Gilmore findet hier endlich mit Mason, Wright und Waters den Weg aus dem Krawattenzwang der sechziger Jahre und adäquater Lösung der festen Strukturen in die folgende große freie Dekade, dabei stilführend  für den „Londoner Underground“. Die Live-Hälfte des Doppelalbums bietet mit „Set the controls for the heart of the sun“ neue „kosmische Musik“ mit unausgesprochenen Referenzen an alte Hochkulturen (das weiß man hier schon  vor dem nachfolgenden Pompeii-Kinofilm) und in „Careful with that axe, Eugene“ löst sich ein essentieller Schrei wie ein Herausbrechen aus einer harmonisch fließenden Ruhe, ein Symbol genau wie der Schlussgesang als mutiges, postsnatales „Gerade-Werden/ erst Entstehen“. Eigentlich flieht diese Musik radikal London und überhaupt alle  Städte und findet sich  wie in „Grantchester Meadows“ (auf der Studioseite) in goldener Naturidylle wieder, ganz spät nur unterbrochen von einem Königsfischer, den man in den stetig vor sich hinplätschernden Bach stürzen hört. Dies als echtes Klangsample darzustellen, war nebenbei gesagt revolutionär, während die Authentizität und hohe Eindringlichkeit, korrelierend zu der warmen Tiefe der Frequenzen von Waters und Gilmores Stimmen, die neuen Räume dieses Sphären-Gebäudes anfüllten. Mit dem hörspielartigen Zerschlagen einer störenden Fliege durch eine Person, die zuvor die Treppe hinuntergepoltert war (in einem Kunstkopf-Stereopanorama,) beschritt man nun fast schockartig das Entre in eine verstörend – neue Tonband-Avantgarde-Welt.  "The narrow way“ ist bis heute hingegen die Referenz für psychedelisch inspirierte akustische Gitarrenmusik. (Und noch immer frappierender als ähnliche Nachfolge -Taten). Den Bewusstseins-Exkurs beschließend folgt eine weitere "freie Form" (-nun perkussiv orientiert- Nick MasonsThe Grand Viziers Garden Party“) mit der schließlichen Reduktion und Verdichtung aller tonaler Ebenen auf ein letztes brummschleifenartiges Restgeräusch, dass er aber nicht ausklingen läßt, sondern plötzlich unterbricht und rhythmisiert, um damit die neue Grundlage für eine exzessive Coda zu bilden. Und Masons Schlagwerk verliert sich dabei in uferlos editierte Klänge, perkussive Schläge bilden ewige Räume ab!  Das alles ist weit gedacht und bis heute ohne Beispiel. Schon der Eingang dieser Platte weist diese Richtung: Denn die Eröffnung geschiet durch Rick Wright, durch ein von Karlheinz Stockhausen inspiriertes, ursächlich "schöngeistig" zu nennendes, dann exzentrisch mutierendes Klavier, das zum Schluß wieder tonal eingefangen wird, um die Untermalung eines antiken Monumentalfilms vorzustellen.
Dieses Album ist ein Monolith, kennt in keiner Hinsicht einen Vorgänger oder Nachfolger, ist der große Wurf ohne jede Referenz. Und es führt wie kein zweites Album eine Form der epischen Kompositorik in die Rockmusik ein, beschreibt Zustände größtmöglicher Freiheit und gleichzeitig intrinsischster Emotionalität. So folgt konsequente Etablierung von Stoizismus, Ernst, Intellektualität und Melancholie. Und Entrückung in eine andere (fiktive) Zeit und Welt. Eine Welt der Metaphysik und Sonnenschatten der aufgehenden siebziger Jahre. Keiner sonst hat es so vermocht.

 

*(04.01.2012)/ Verhinderung durch Konvention
Als ein nordisches Dreigestirn kündigt man mir im Radio Sibelius, Mussorgski und Schostakovich an, man spricht von Kompositionen aus einem weiten leeren Land mit nebelumhüllten Bergen und Landschaften, die schon seit jeher tieftse mythische Assoziationen hervorrufen, wenn überhaupt, dann wären nur stürmischer Wind, gar Trolle oder Hexen in der Lage, diese dauerhafte Ruhe zu durchbrechen.
Aber alsbald frage ich mich: Höre ich denn so unendlich falsch? Oder was passiert? Da schlägt sich im dargebotenen Stück weder Mystik oder Weite noch Verlorenheit nieder. Viel eher nur eine stetige Unruhe, ein ständiges musikalisches Sich-Beweisen -wollen, ein orchestrales Rauf- und Runterzeigen des ganzen kompositorischen Repertoires, das klingt schon fast wie das Geklingel bei einem Spielmannszug. Mythisches Land und Zauberei? Eher eine kirmes-und karnvalsähnliche Szenerie. Als diese sich endlich vor dem inneren Auge mit abflauender musikalischer Nervosität in ein halbgares adagio löst, ist es bereits zu spät für mein Ohr. Denn es will oder kann jetzt nicht mehr folgen.
Eine Frage schließt sich an:
Gibt es denn wirklich keine alten Vorgänger für die vielen Ambient-Künstler , die heute genau diese beschriebene Weite und mystische/mythische Tiefe suchen und in verschiedenster Ausprägung musikalisch umzusetzen gewillt sind? Die Seelenlagen wie die Landschaften dazu waren ja schon ewig da... Haben die Komponisten doch zu lange an den Höfen und in den Städten gelebt? Oder vielleicht ließen sich kompositorische Konventionen so einfach nicht beiseite schieben. Letzlich ist es heute schwer zu ermessen, was damals so alles das kontemplative Komponieren ausbremsen konnte. Und heute holen die  Vielen wohl „nur“ nach, was vor hundert Jahren zwar bekannt und gefühlt, aber durch innere und äußere Beschränkungen verhindert war.

 

*(03.02.2012)/Bilder des 20.Jahrhunderts
Zwei Bilder hatten mich seinerzeit sehr beeindruckt, in diesem Fall sehr abgründige Bilder des menschlichen Grauens. Vor Jahren, ohne jede Vorwarnung, wurde ich folgender Sequenz in einer Fernsehdokumentationen ausgesetzt: 1931, während des Feldzuges der Japaner in China, lief eine Kamera mit, wie Frauen mit ihren Kindern in einem ausgehobenen Erdloch liegend lebendig begraben wurden. Man sieht gerade noch ihre Oberkörper, auf ihren schreienden Gesichtern den unbedingten Lebenswunsch sowie gleichzeitig das unnennbare Todes-Entsetzen, dabei schaufelweise die Erde, die auf sie geworfen wird. Ein ganz anderer Schauplatz, ein anderes Entsetzen: Bei der Flucht deutscher Vertriebener über die Ostsee im Winter 1945 hatte sich ein Mann wohl knapp vor dem Ertrinken aus dem Eiswasser auf ein floßartiges Trümmerteil retten können. Eine mir völlig unbekannte Filmsequenz aus irgendeinem verborgenen Archiv. Der Schrecken, der in seinem Gesicht abgezeichnet war,kommt in keinem Spielfilmen vor. Denn dieser Schrecken war unspielbar, total, in  dieses Gesicht mit unnatürlich aufgerissenen Augen eingefroren, der ganze Körper zitternd und aus dem Innersten heraus erschüttert. Auch diese Filmsekunden gehen mir bis heute nicht aus dem Kopf.
Und es sagt mir:  Bilder sind es, die am nachhaltigsten, am allereinfachsten unser Bewußtsein prägen. Und wer über die Bilder des 20.Jahrhunderts verfügt, der schreibt auch dessen Geschichte. Berkeley` s „esse est percipi“, mal von einer anderen Warte und doch mit Gültigkeit. Was nicht auf Schwarz-Weißfilmen und -Fotos oder im Fernsehen und in den Geschichtsbüchern auftaucht, hat auch quasi gar nie  existiert. Findet keinen Eingang in die Köpfe und die Herzen und die Seelen. Und Prägung von Kindheit an prägt Wissen und Gewissen—oft für ein Leben. Wer hat(te) die besten Kameras und Verbreitungsmechanismen?

 

*(05.02.2012)/Scherbennökumene
Im Rahmen der Kolumbus -Ausstellung in Chicago, zur Feier des 400.Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, fand im September 1893 eine einzigartige Veranstaltung statt. Es war das Weltparlament der Religionen. Rick Fields, ein führender amerikanischer Autor auf dem Gebiet des Buddhismus, berichtet: „Um diese Ausstellung unterbringen zu können, hatte man entlang der Ufer des Michigansees eine ganze Stadt aufgebaut. Die schimmernden Paläste der „weißen Stadt“ erinnerten an die großen Reiche der Antike – Griechenland, Rom, Ägypten, das Italien der Renaissance... Die Reaktion auf die mehr als 10.000 Einladungen, die die Organisatoren in die Welt hinausgeschickt hatten, überwältigte sogar die optimistischsten unter ihnen."
Bei der Eröffnung des Weltparlamentes der Religionen sagte der Vorsitzende, Dr. John Henry Barrows: „Wie das weiße Himmelslicht, ist auch die Religion durch die Prismen der Menschen in viele farbige Fragmente zerlegt worden. Eines der Ziele des Parlamentes der Religionen ist, das vierfarbige Strahlenbündel wieder in das weiße Licht himmlischer Wahrheit zurückzuverwandeln.“
Und also der heutige Fehler: Man bleibt beim Gebrochenen und möchte die Bruchstücke (wenn überhaupt)gleichwertig aneinanderlegen. Aber Farbe bedeutet hier Verunreinigung. Die einzig wahrhaftige Aufgabe einer Welt-Ökumene wäre nämlich die Überwindung jeder Brechung, jeder (spirituellen, theologischen, erkenntnistheoretischen)Reduktion, um das Beschädigte „wieder“ (eher:erstmalig) herzustellen. Das „Ganze“ als Summe der Scherben hebt den Anspruch der einzelnen Scherbe, für sich selber komplett zu sein, auf.

 

*(07.02.2012)/Verheimlichte Metaphysik
Durch den zerissenen Schleier der Natur war die materialistische Wissenschaft tödlich getroffen: In seinem Werk „Time, Matter and Values“, nach Aufzählung der neuen Entdeckungen, zog der Physiker Robert Millikan 1932 den Schluß: „Ergebnis: der dogmatische Materialismus in der Physik ist tot.“ Raymond S. Yates sagt in „These amazing electrons“: Die alte Schule befand sich voll im Rückzug. Die Physik wußte nicht mehr weiter. Sie war vorübergehend betäubt von einer Lawine schwieriger Fragen. Der letzte solide Baustein war aus dem Fundament des Materialismus herausgefallen und das kleine ordentliche System aus Kategorien und Schubladen, das man so mühsam aufgebaut hatte, war mit einem entsetzlichen, dumpfen Geräusch zusammengebrochen.“
Was also in meiner Biographie versäumt wurde: In dreizehn Jahren Schulzeit hat uns in diesen Sachverhalt einfach niemand  eingeführt. Als Kinder wurden wir im Glauben gelassen, daß alles an der Welt um uns herum auch genau so ist wie es scheint. Und irgendwie darüber thronte noch ein Gott. Daher schob man all die Meta-Dinge „der Physik“ in das Nischen-Schulfach „Religionskunde“ ab. Und dieses beschäftigte sich nebenbeigesagt auch noch zumeist mit ganz weltlichen Dingen. Fast schien die Religion nur wie eine verlagerte Spielart der materialistischen Weltsicht. So hat man uns wieder besseren Wissens zu Realisten erzogen. Und Paradigmenwechsel wie auch Sozialisationen sind behäbige Sachverhalte.

 

*(10.02.2012)/Wetterübertreibung
Ein eher nebensächliches, doch bezeichnendes Beispiel für die Lust auf Sensation und Superlativ in den Fernseh-Redaktionsstuben: Denn es war nicht so, daß man sich schon einfach mit der Kolportage über ein bevorstehendes strenges und anhaltendes Frosthoch aus Nordost zufrieden gegeben hätte. Selbst daß es direkt aus Sibirien zu uns käme, mit 15 Grad Minus im Schlepptau, war nicht genug des Aufsehens. Und so dehnte man den dramatischen Tenor dahingehend aus, daß die Temperatur die nächste Nacht gar die minus 35 Grad-Grenze erreichen würde. So schaute ich doch unweigerlich genauer hin. Denn das wäre eine andere Wetter-Dimension, da friert schließlich längst Diesel ein, da platzen Rohre, die man für sicher eingestuft hätte, dafür sind wir hier in unseren Breiten überhaupt nicht ausgelegt. Aber der Sprecher hatte dann doch noch etwas anzufügen: Es handele sich bei diesem Wert von minus 35 Grad um die „gefühlte“ Temperatur, und zwar auf der Spitze des Brocken.
Für das Fernsehen gilt: Das ist symptomatisch und exemplarisch - und vor allem idiotisch. Wie soll man eigentlich dem Rest der alltäglichen Berichterstattung Glauben schenken können? Mit dem wird man ähnlich tendenziös und aufschneiderisch verfahren, zudem aber weniger gut verifizierbar – und da liegt die Tücke der Redaktion .

 

*(11.02.2012)/Opferhierarchie
Im Kontext mit der aktuellen Reisetätigkeit und den typisch freigiebigen Geldgeschenken eines deutschen Außenministers (Name ist austauschbar) in Nahost sollte man bedenken, daß 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und überhaupt wegen der Errungenschaft eines als zeitgemäß und (selbst juristisch) allgemeinverbindlich erachteten humanen Habitus jeder Versuch einer Opferhierarchisierung diesen schon gleich ad absurdum führen würde. Denn eine solche Hierarchie könnte nur funktionieren, wenn man den Begriff des „Opfers“, (im Sinne von Kriegsopfer) unterminiert, schließlich aufhebt: ("Kriegsopfer sind Personen, die von organisierter Gewalt, die im Rahmen von bewaffneten Konflikten ausgeübt wird, betroffen sind. Unter diese Definition fallen im Krieg gestorbene Soldaten und Zivilisten, Opfer von Genoziden, Demoziden, Massenmorden, Hungersnot, Seuchen und Terrorismus. Als Kriegsopfer werden außer Toten auch Personen bezeichnet, deren weiteres Leben durch die Konsequenzen bewaffneter Konflikte beeinträchtigt wird (z. B. Versehrte, Vertriebene, Flüchtlinge / Familienmitglieder Gefallener sowie Kriegstraumatisierte mit Spätfolgen.)
Demnach kann es keine Opfer mit vollem „Opferrecht“ und andere Opfer, die man nach Belieben als Täter deklarieren kann, geben. Denn so banal es klingt: Letztlich ist ein Opfer (als ein von Gewalt Betroffener)eben immer ein Opfer.Selbst ein Mörder in der Todeszelle wird zum Opfer seines Henkers. Am  untersten Glied einer (zur Relativierung herangezogenen) geschichtlichen/politischen Kausalkette wird aber unabhängig von Umständen, Ideologien oder Verantwortung darüberhinaus zumindest ein völlig Unschuldiger, ein Schwächster, Unbeteiligter stehen, und wenn dieser Schwächste der Evidenz wegen zuletzt die Gestalt eines neugeborenen Babys anzunehmen hätte. Zuallerletzt dieses kann objektivierbar weder Verantwortung noch irgendeine Form von Schuld kennen. Aber auch jenes trotzdem noch als schuldig oder mitverantwortlich zu erklären, wäre nur Sippenhaft und Blutgericht, blinder Atavismus. In diesem Kontext ein Weltskandal, daß Deutschland  auch nicht nach 70 Jahren die seelische und sittliche Reife aufbringt, 14 Millionen Vertreibungsopfern (unter denen zum Großteil Zivilisten, Frauen, und eben Kinder waren)ein adäquates Gedenken einzuräumen. In Abrede dieser Verantwortung der verbindlichen (Menschen -und Opfer-)Würde ist –und das sei den unlauteren Zeitgeist-Parteien ins Programm geschrieben- gar keine plausible und ernstgemeinte ethische Positionierung für Gegenwart und Zukunft formulierbar.

 

*(18.02.2012)/Wutbürgers Fluglärm
Der Wutbürger zieht weiter, denn der Stuttgarter Bahnhof wird nun bald verschwunden sein. Wie nun einmal seit Jahrzehnten geplant und jahrelang widerspruchslos beschlossen.
Und nun geht es um Fluglärm in Frankfurt und Berlin. Nachtflugverbot und Stilllegung gerade fertiggestellter Startbahnen werden eingefordert. Absurd: Man meint schon wieder, man könne dieses oder jenes nach Gusto einfach so erzwingen, mit Plastiktröten und bunten Pappschildchen.(Nebenbei: Eine Metropole ohne Lärm war mir bisher nicht bekannt.)Große internationale Drehkreuze sollen sich den Wünschen einer (überschaubaren) Gruppe zumeist gutsituierter und graumelierter Wochenend-Protestler anpassen. Wenn schon die Welt als Ganzes nicht mehr zu verändern ist, dann soll es doch wenigstens und schlussendlich der eigene Vorgarten sein.
Ich kenne Fluglärm von Kind an, lebte während der Zeiten des kalten Krieges nicht unweit von einem militärischen Fliegerhorst. Amerikaner, Briten und Belgier donnerten jahrelang im Tiefstflug mit Phantom und Starfighter über alle Gärten und Kinderköpfe hinweg. Ein stetiger, zermürbender jahrelanger harter Terror war das, noch gesteigert durch jedes schöne Wetter, jede Stunde  blauen Himmels. Bei dieser Lautstärke geronn das Blut in den Adern und Köpfen, alle Bewegung, jede Aktion war gelähmt, die Hände plötzlich in krampfendem Reflex an beide Ohren gepresst.
Zivile Luftfahrt hingegen hat etwas beruhigendes. Einige Jahre lebte ich genau unter einer solchen Einflugschneise. Ich mochte das tiefe gleichmäßige Geräusch der Düsentriebwerke, und nur die Vierstrahligen waren etwas lauter, aber zu gleich imposant, wie sie stetig stiegen. Ein Triumph der Technik, totaler Sieg der Ingenieurskunst über die Schwerkraft. Manchmal winkte ich nach oben und wurde mir des Bodens unter meinen Füßen gewiss –und fühlte mich nah und fern zugleich – und überlegen.

 

*(12.02.2012)/Platos Führung
Was die Führung dieses Landes und ihre Politik betrifft, sollte man wegen der allgemeinen Dauerkrisenstimmung neben der Unmöglichkeit einer ökonomischen Formel, die dazu geeignet wäre, das Konstrukt „Europa“ aus dem Schulden-Fiasko zu retten, sowieso ab und an folgendes Zitat von Plato  bedenken:
„Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden oder die man heute Könige nennt, echte und gründliche Philosophen werden, und wenn dies nicht in eines zusammenfällt: die Macht in der Stadt und die Philosophie, so wird es mit dem Elend kein Ende haben.“
Ich füge noch hinzu: Man betrachte die Berufsbilder der Parlamentarier und schließe daraus: Ein Studium oder ein Diplom ist Sache des Intellekts, nicht der Geistigkeit. Und schon daher allein bricht uns die Politik in allen relevanten Fragen Stück für Stück, Schritt für Schritt das Genick.

 

*(14.02.2012)/Krone der Idiotie
Man traktiert das Fernsehpublikum mit einer weiteren Staffel der halbglitschigen Plump- Voyer-Sendung „Dschungelcamp“, basierend auf Soft-Ekel-Faktoren und sexueller Sonnenbank/Bikini-Attraktion: Hierzu der Publizist Toni Roidel:  "Der Bund gegen den Mißbrauch der Tiere hat gegen die Sendung protestiert, da Schaben und Würmer unnötigerweise in Streß versetzt würden. Welche Kakerlake möchte schon mit diesen Irren Bekanntschaft machen?“
Ich habe noch eine andere spontane Assoziation hierzu: Mir scheint, der Mensch ist nicht Krone der Schöpfung, sondern eher Krone der Idiotie.

 

*(01.02.2012)/Flaschenhals
Man geht nun von einem sibirischen Hoch aus, das nach mildem Dezember und zögerlichem Januar Europa in klirrenden Frost tauchen soll. Und das zudem dauerhaft: nach Langzeitprognosen wird dieser Zustand mindestens zwei Wochen anhalten. Meine Hauswände, mein Dachstuhl, meine Ölrechnung (und ich) werden ächzen.
Und damit nicht genug (der Härte), dies noch dabei: Ich bin berufsbedingt von Karnevals-Frühboten umgeben, noch eben hat man die eigentlich frischen, saftigen Weihnachtsbäume entsorgt, nun hängen Luftschlangen und überall blöde Clowns-Plastikfratzen an den Wänden. Dabei ist gerade Anfang Februar! Noch 20 geschlagene Tage also bis zu diesem von mir ungeliebten Gesellschafts-Ventil. Denn dann ist Rosenmontag und  da kommt die Sache zu ihrem Höhepunkt, und dann werden bald das Fernsehgelächter und die endlosen Tröten-Tusche verstummt sein. Mädchen werden älteren schnapsnäsigen Herren bereitwillig Blicke auf Beine und Schoß gewährt haben, man hat dann massig die befreiende Wirkung zotiger Späße und Busengrapscher-Liköre probiert und am Aschermittwoch wird sich sowieso alles wieder in riechendem Alkoholdunst auflösen müssen. Und spätestens da wird sich auch der eiserne Winter zurückzzuziehen haben.
Und ich bin durch den Flaschenhals.

 

*(18.02.2012)/(Dichtung)Du hast gezittert
Du hast gezittert im Bett so klopfte dein Herz/
kaum zu verstehen waren deine Worte,deine Not/
und das schon gar nicht um diese Zeit
Weißt du denn nicht wie es draußen ist?
Eisland - Totenfrost – Februarnacht/
So löschen wir einfach das Licht/
Schwarz deckt zu und reißt in den Schlaf/
Bedenke: Du bist alt --
vielleicht ist es Zeit.

 

*(19.02.2012)/(Dichtung)Erstarrt über Nacht ist die Welt
Erstarrt über Nacht ist die Welt/
Und weil den Bäumen nun die letzten alten Blätter fehlen
Schlägt der Ostwind hart in jeden Schutz
so daß bald unbemerkt die Vögel sterben.
halb schon liegt der Mond über dem Dach/
noch vielfach kälter muß es dort bei ihm sein/
trüb-weiß kalter Planetenschein ohne Trost
So ziehen wir zurück zu den Flammen
wo der Wind sachte an den Eisenkanten zischt/
blau und zäh schwelt dort die Eiche/
Und im Flur und auf der Treppe zum Bett fällt Kälte hinab/
die uns immer antreibt-
und am Schluß doch besiegt.

 

*(21.02.2012)/(Dichtung)Februarabend
Eisenrauh und frosterstarrt liegt das Dorf ohne Namen/
der dürre Wald davor biegt jetzt schwarz gegen das Tal/
und am kalten Sonnenhimmel droht schon früh ein weißer Mond mit der Nacht/
fast wie Metall spiegeln die Dächer das gebrochene Eislicht der neuen Tage/
und ihre Rauchfahnen wehen lautlos zu den Bergen mit den Tieren/
die man nachts von dort immer schreien hört/
Oben im kalten Fenster flackern weiße Sterne über dem endlosen roten Meer des Abendhorizonts/
bezeugen erhaben und stumm die Unbezwingbarkeit des Winters.

 

*(04.03.2012)/Religion-ursächlich
Wenn  es stimmt, daß DMT-Einnahme (Dimethyltryptamin, ein "halluzinogenes" Tryptamin-Alkaloid)- zu Eindrücken führt, die mit den bekannten Nahtoderfahrungen(durch als eben nicht halluzinogen zu bezeichnende Erfahrung einer höheren "realeren" Realität) identisch sind und körpereigenes DMT im Todesprozess als Auslöser für diese Nahtoderfahrungen diskutiert wird, kann der "Beginn jeder Religion" in dieser "psychedelischen" Erfahrung gesucht werden, der Kern der Religion quasi in einer Urform schamanistischer Grunderfahrung in die Welt gekommen sein. Nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens oder die Angst angesichts der Sterblichkeit oder gar die Offenbarung einer Schriftreligion durch einen manifesten Gott steht dann am Beginn. Die einzige Offenbarung bleibt die körpereigene transzendierende Offenbarung durch dieses Alkaloid.
Den Gläubigen sei zur Beruhigung gesagt: Ich verstehe das bei weitem nicht als einen materialistischen Ansatz, in dem auf biochemischem  Weg eine Sinnestäuschung erklärbar wird, die dazu angedacht ist, einen Sterbeprozeß zu erleichtern, sondern DMT ist hier interessanterweise eher der Schlüssel, um eine "natürliche" Schranke zu einem mehrdimensionalen Überraum, in dem eben ein erweitertes Bewußtsein waltet(siehe meine Einträge Jenseitsprägungen,Erkenntnisraum und Ayahuasca), aufzuheben.

 

*(06.03.2012)/Unschärfe und Beobachtung
Thema Unschärferelation nach Heisenberg. Zitat:
Bei einer Beobachtung werden die unzähligen Möglichkeiten (Wahrscheinlichkeitswellen) auf ein einziges Faktum reduziert, auf den Ort, an dem sich ein Teilchen in diesem Moment befindet.Jede Wahrnehmung der Wirklichkeit ist subjektiv, denn das Bewußtsein des Beobachters bestimmt, was wahrgenommen wird. Und wenn zwei oder drei Beobachter in ihren Wahrnehmungen übereinstimmen, müßte man das eigentlich als Intersubjektivität und nicht als Objektivität der wahrgenommenen Wirklichkeit bezeichnen.“
Ich sage: Nicht aber das Bewußtsein bestimmt, sondern die Sinnesorgane (einschließlich dem Gehirn).
Sonst wäre die Wahrnehmung vor den Sinnen schon reduktionistisch. Es ist aber meiner Meinung nach erst die Körperlichkeit, die hier reduziert. Das Bewußtsein ist aber unkörperlich (und tendenziell unendlich). Der Sache mit der Intersubjektivität  stimme ich zu, dabei gehe ich davon aus, daß sie  artenspezifisch intersubjektiv angelegt ist, also innerhalb der Art zweckorientiert determiniert ist. Hier erscheint als relevantes Kriterium das der Ermöglichung, der Zurechtfindung in dieser (spezifischen) Welt.
Aber warum fallen Wahrscheinlichkeitswellen in Bewußtwerdung überhaupt in die Materie? Siehe oben: Laut Heisenberg doch durch Beobachtung.
Anschlußfrage: Warum aber findet Beobachtung überhaupt statt?

 

*(08.03.2012)/Totales Wissen (vergessen)
Aus dem Bericht einer Nahtoderfahrung: “Im gleichen Augenblick durchdrang mich mit einem Schlag eine ungeheure Erkenntnis, ein umfassendes Wissen und Verstehen. Alles Wissen. Universales Wissen. Ich verstand, wie das Weltall entstanden war, woraus das Universum bestand, ich verstand das Handeln der Menschen. Ihr positives Handeln, aber auch ihre Gründe, sich manchmal mutwillig Leid zuzufügen. Krieg-und Naturkatastrophen, alles hatte einen Sinn, einen Grund. Es ist logisch. Ich begriff die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Ich sah die Evolution. Alles und jedes entfaltet und entwickelt sich gemeinsam. Ich sah und verstand-ohne zu urteilen-den Zusammenhang, die Kohärenz, die logische und manchmal weitreichende Konsequenz, die jede noch so kleine Handlung hat. Und zwar auf jeder Ebene und bis ins kleinste Detail… Die Funktionen aller mechanischen, elektrischen Geräte, Apparate und Motoren, Alles. Ich kannte und verstand die gesamte Mathematik, die Elektronik, die Physik, die DNA, die Atome, die Quantenmechanik und Quantenphysik, Ich erkannte auch, worauf alle Evolution hinausläuft, worin letzen Endes ihr Ziel liegt. Mir wurde bewusst, daß nicht nur ich Teil dieser großen Einheit bin, sondern alles und jeder, jeder Mensch, jedes beseelte Wesen, jedes Tier, jede Zelle, die Erde und jeder andere Planet, das Universum, der Kosmos, das Licht. Alles ist miteinander verbunden, alles ist untrennbar. Ich weiß es, dachte ich froh. Ich verstehe es. Es ist alles so einfach. So logisch. So naheliege...“
Aber nun dieser arge Bruch bei Rückkehr in den Körper:
„Nein, dieses Wissen selbst durfte ich nicht mit hinüberbringen. Warum weiß ich nicht.Vielleicht liegt der Sinn nicht darin, daß wir hier und jetzt als physische Wesen über derlei universelles Wissen verfügen? Weil wir hier sind, um zu lernen? Oder aus einem anderen Grund?

Ich (und viele, viele Interessierte und sowieso alle Physiker und Theoretiker und Theologen und überhaupt): Einfach zu schade, daß er alles (komplett)vergessen hat (gar selbst das Wissen um den Grund des Vergessens). Mindestens eine Affenschande, wirklich.

 

*(09.03.2012)/Russische Wahlen, deutsche Demokraten
Momentaner deutsch-medialer Lieblingssport ist die skeptische Berichterstattung über Rußland, man soll wohl auf Biegen und Brechen mit einer russischen Opposition Symphatie empfinden. Ohne zu wissen, was diese politisch eigentlich will oder aus welchen Anhängern welcher Lager(Stalinisten sind einige dabei/-Opferbilanz Stalin geschätzte 44 Mio.Zivilisten-)sie sich zusammensetzen mag. Mittlerweile kann man gar via Wahlstudiokamera von zu Hause aus zum beflissenen Beobachter der aktuellen Präsidentschaftswahl werden. Und natürlich lauert erwartungsgemäß überall Wahlbetrug und Stimmenkauf.
Schließlich braucht man Evidenz für Putins gelenkte Form der Demokratie. Seltsam, so kritisch wie nun war die Berichterstattung nicht zu Zeiten der knöchernen KPDSU unter Breschnew. Und was mich am meisten stört und befremdet ist der Fakt, daß dies gerade von „unseren“ weitgehend gleichgetakteten Medien kommt, aus einem Land (Deutschland), in dem zwischen durchgeknallten Räten und Lobbiegruppen (mit Geldmacht befeuert)und einer von diesen durchsetzten und erpressten und instrumentalisierten Politikerkaste und den Parteien, deren Programme sich in bleiernen Gesinnungskonsens –Absprache nicht mehr unterscheiden lassen und alle offen-relevanten gesellschaftlichen Fragen sowieso in diesem Sinne unterdrückt werden, und dabei zwischen Großbanken und Ermächtigung (vor allem auch durch Brüssel, aber auch durch NATO und Washington) jedes Demokratische eh schon lange erschlagen wird.

 

*(09.03.2012)/Rassismus in Libyen
Aus Libyen sah man im Netz Bilder, wie man durch Araber bewachte Schwarzafrikaner in Käfigen gefangen hielt, sie mit vorgehaltenem Gewehr zwang, sich wie Affen zu gerieren, also grimassierend ständig auf und ab zu hüpfen und ähnliches mehr. Weder wurde das im deutschen Fernsehen in irgendeiner Weise kolportiert, noch wurde es von irgendeiner der Bundestagsparteien thematisiert, gar kritisiert. Wie kann das aber möglich sein in einem Land, das meint, doch den vermeintlich geschärften Blick auf jedwede Form von Rassismus gerichtet zu haben? (und zugleich entsprechende Filme für jeden auf Youtube zugänglich sind?)
Die Antwort fällt wohl ernüchternd einfach aus: Man hat eben dem Sieg einer vermeintlich demokratischen antidespotischen Opposition Priorität vor allem anderen eingeräumt. Und weder die Folgen bedacht noch jetzt echtes Interesse, für diese einzustehen. Eine (gnadenlose) Verdrängung der Faktenlage (von Beginn an)ist das, zugunsten der Schaffung eines ideologisierten Wohlfühl-Raumes auf Grundlage einer tumb-unreflektierten Demokratie-Chimäre.

 

*(11.03.2012)/Aktivsten in Syrien
Im Kontext von bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Syrien wird nun in den Medien für die nicht unter der Regierung kämpfenden Teile auffallend oft das Wort „Aktivist“ gebraucht. Scheinbar hat man sich in diesem Kontext in den deutschen Redaktionsstuben (aus Gründen) auf diesen eher positiv besetzen Terminus geeinigt. Lohnenswert aber, diesen Begriff zu hinterfragen, denn diese "Aktivististen" haben mit einigen Anderen eine relevante Gemeinsamkeit, wie nämlich auch Widerständler, Kombattanten, Revolutionäre, Freischärler, Partisanen oder Terroristen oder gar Banditen tragen sie eine Waffe, die sie in aktiver Handlung einsetzen. Sie kämpfen für etwas. (Wir wissen natürlich nicht einmal, für was.) Nicht weniger oder mehr. Der Rest ist Wertung durch diejenigen, die an Wertung ein Interesse haben.

 

*(12.03.2012)/Befangener Gott
Für das (katholische) Christentum scheint mir der Begriff der "Bewährung", für den Buddhismus oder hinduistische Systeme der Begriff der "Erfahrung" zentral zu sein. Und beides mündet schließlich in "Erlösung". Wie kann aber eine Meta-Instanz (wie Gott) überhaupt ein Interesse daran haben, dem Menschen diese Aufgaben anzutragen? Da werde ich fast zum Lutheraner, denn wenn schon ein theistischer Gott, dann bitte ein großer, entrückter, souveräner Gnadengott. Wenn Gott darüber zu wachen hätte, ob sich der Mensch in seinem Sinne bewährte, wäre sein Denken ja eigentlich menschlich-kleinlich-befangen. Und dann würde er augenblicklich aufhören, Gott zu sein.



*(13.03.2012)/Joachim Gauck
Nun gut, Wulff ist über den Rubikon und dort sofort gefallen, das ist kein Drama und niemand wird ihn vermissen. Eigentlich hatte ihn ja auch niemand wirklich gewollt. Und zu erwarten war von ihm auch nichts. Das unerträglich infantile Geschwätz von der bunten (und immer noch bunteren)Republik findet aus seinem und seiner Gattin Mund zumindest kein Gehör mehr.
Und Gauck? Von ihm stammen (zur deutschen Geschichte) elementare Aussagen wie :“Wer wie viele Menschen im Osten, noch die Erinnerung an totalitäre Herrschaft in sich trägt und noch vertraut ist mit der realen Entmächtigung jener Zeit, der könnte deswegen die einäugige Sichtweise auf den Kommunismus überwinden helfen. Denn wie schwach muß der Antifaschismus derer sein, die, in altem Anti-Antikommunismus befangen, die Sprache der Fakten fürchten und der Analyse des Kommunismus Zügel anlegen. Die Wahrnehmung der schwarzen Tatsachen roter Herrschaft läßt nur eine Einstellung zu: den antitotalitären Konsens aller Demokraten, der die intellektuelle und politische Äquidistanz gegenüber Demokratie und Sozialismus verbietet.“ (Nachwort zu Courtois, Schwarzbuch des Kommunismus)
So könnte Gauck sehr wohl schon bald zu einer tragischen Figur werden, weil die Gefahr, seine Integrität zu verschleißen kaum abwendbar ist - zwischen atlantischen  und Brüsseler „Erfordernissen“ und  zu erwartenden Dauer- Bücklingen vor den harten Interessen „der Anderen“  (in dem Kontext sind vor allem  Israel, Polen und die Türkei zu erwähnen (Ich erinnere mich da immer „gerne“ an den Besuch des polnischen Staatschefs zurück, als Wulff ihm gleich die komplette Redezeit überließ—was konsequent ist, wenn man nicht den geringsten Anspruch hat, eigene Positionen zu formulieren --die zusammen mit dem Zeitgeist/Konformitätssdruck linker  Gesellschaftsumbauer die korrekte Interpretation der Gegenwart und der Vergangenheit einfordern und somit eine deutsche Zwangsräson bilden.
Um seine Integrität zu wahren, dürfte Gauck daher das Amt eigentlich gar nicht erst annehmen.

 

*(15.03.2012)/Mysterium
Das Mysterium ist nicht das Weiterleben nach dem Tod (der in der von uns gesehenen Bedeutung überhaupt nicht existiert). Das Mysterium ist der subjektive Fall in die (materielle) Individuation, in die Körperlich-und Zeitlichkeit, die uns erst einen  Wechsel zwischen Leben/Tod vorzuspielen vermag.

 

*(15.03.2012)/Leere
Das sei mal den Materialisten in ihr trockenes Buch geschrieben: Selbst wenn man (ganz reduktionistisch) die Materie (dann zurückführbar auf das Atom) als „letzte -und manifeste-Substanz“ annähme, wäre diese zu 99,9 Prozent innerhalb der Atome und ihrer Schalen-Abstände leer, und selbst der Raum, in dem sie verteilt ist, wäre dies ebenfalls zu 95 Prozent(diese 95 Prozent sind aus unbekannter dunkler Materie und dunkler Energie.) Das ist ein Faszinosum: Jenseits jeder quantenphysikalischen Erwägung, der Materie den Teilchencharakter abzusprechen, jenseits jeder irgendwie gearteten metaphysischen oder theologischen Konzeption scheint sich sowieso auch so schon (fast) alles in unnennbarer Leere zu verlieren. Man kann daher „beruhigt“ sagen: Die  Materie selbst ist (fast) nicht.
-Und dieses verschwindende atomare Rest-Sein ist auch nur sicht-und greifbar, weil es durch einen halbzahligen Spin baryonisch(schwer, gewichtig) wird. Sonst nämlich würden die Teilchen bei Entstehung direkt wieder zerfallen. Wie sich doch unsere Wahrnehmung von diesen flüchtigen Größen ganz und gar beeindrucken läßt!

 

*(15.03.2012)/Unbekannte DNA
Eine Anmerkung zu unserer DNA: Sie besteht aus 23 Chromosomenpaaren und enthält etwa 30000 Gene mit ca.je drei Milliarden Basenpaaren. Die DNA jeder menschlichen Zelle ist ungefähr drei Meter lang und liegt aufgerollt im Inneren des Zellkerns, der nur ein tausendstel Millimeter groß ist(!). Ca. 5 Prozent der DNA kodiert Eiweiß, die übrigen 95 Prozent unserer DNA aber haben eine bisher noch völlig unbekannte Funktion (Daher auch Junk-DNA genannt).
In diesem Kontext eine interessante Theorie des Bewußtseinsforschers Stuart Hameroff: Er sieht in der DNA einen hypothetischen, vorstellbaren Quantencomputer, in dem die drei Milliarden Basenpaare wie Quantenbits funktionieren.
Wo ein Programm, da ein Programmierer. Eine überlegene Intelligenz? Eine Weltallrasse? Hat man dazu Gott gesagt?
Wir stehen erst am Anfang aller genetischen Entschlüsselung. Und der wissenschaftliche Fortschritt (überhaupt die geistige Bereitschaft dazu) korreliert mit der Verbesserung der Technologien wie auch dem schwindenden Einfluß hinderlicher Instanzen. So wird dauerhaft keine Gegenkraft mehr, (wie damals eine Kirchenmacht!) die menschliche Spezies daran hindern können, die Rätsel um ihre erbliche Bestimmung zu lösen.

 

*(21.03.2012)/(Kurzprosa)Im März
Guten Tag sagte die alte Frau aus dem Nachbarhaus ich möchte eine Weile mit ihnen den Weg entlang gehen und ich dachte nun gut am Schafdraht hängt jetzt eh noch die braune Wolle neben der Rostwanne mit den Eisresten und dazu ist ja dauernd das gleiche Knacken des Generators am Elektrozaun zu hören der die gelben Wiesen umsäumt die wie von einem toten Hungerplaneten zu stammen scheinen mein Hund hinkt stark die alte Frau sowieso alles geht mir wenn ich darüber nachdenke viel zu langsam aber die Zeiten ändern sich eben und sowieso brauche ich ein neues Dach denn es regnet oft und im Winter liegt Schnee auf meinem Speicher aber jetzt steht erst einmal der Frühling an von mir aus soll doch der Knöterich alles holen oder die Hecken mögen mich wie in einem Klostergarten verbergen oder ein Tudorhaus daraus machen mit hohen sakralen Fenstern und dunklen Kaminen an den gotischen Giebeln wie in England. Die Frau biegt jetzt nach rechts oben in den Weg ich aber bevorzuge den Wald und bin dort Herr über Ländereien unten am Bach steht neben den faulen Distelstauden ein Schwenkrost auf drei Beinen Jahr für Jahr bleibt er so wie es scheint unberührt.

 

*(21.03.2012)/(Dichtung) Ikone
Nachtdarb fiel leichter Regen am Tag/
Nun ist Pferdefrühling über den geschlämmten Böden an den alten Rostbaracken/
und Nebel kriecht kalt in die Fenster-durchnässt uns von innen/
ganz oben hat man Geräusche gehört/
also schau nach auf dem Boden der unsichtbaren Ratte/
Und gebe ihr bald Gift im Vollmond/
Dann verfluche noch die Geister/
die Ikone, das Bild einer Frau, die goldene Maria fällt ab von der Wand mit dem Erzengel/
So werden wir durch die Nacht geleitet/
von eigenen Gesängen und unbekannten Seelen.

 

*(05.04.2012)/Tanzverbot
Wegen dem Tanzverbot zu Ostern: Welche alten Zöpfe hat man da vergessen, abzuschneiden? Nebenbei: Ist Jesu Auferstehung nach den Kartagen zumindest keinen kleinen Tanz (der Freude)wert?
Oder muß der Christ, aus Scham in dieser Welt zu sein, sich einer solch dreist - körperlichen Zurschaustellung enthalten (aber seine Freude mit ausgedehnten kulinarischen Genüssen -gleichwohl auf bittere Kosten der tierischen Mitgeschöpfe- sublimieren?)
Ich sehe das Problem tiefer: Die Kirche hat einst aus der ganzen Welt einen dauerhaften Karfreitag gemacht. Indem man den Menschen streng vom Göttlichen abgeschieden und seine Erkenntnisfähigkeit zur Ursünde verdammt hat. Die Emanzipation (sprich Erlösung)aus diesem Jammertal wollte man aber gerade in den letzten Jahrzehnten kaum noch einem entrückten Schöpfer überlassen, sondern der Mensch begann ganz impertinent eigene Entscheidungmöglichkeiten (so auch für oder gegen den Wunsch nach  Einkehr oder Ausgelassenheit) zu artikulieren. Epikur hat das eigentlich alles schon im alten Griechenland in die rechten Zusammenhänge gerückt. Und das „respice finem“ gemahnt dort eben nicht zum Rückzug aus dem „Weltlichen“, sondern ist umgekehrt Ansporn zur weltlichen Freude.
Eine im Abstieg begriffene Institution aber sollte sich möglichst bald daran gewöhnen, ihrer schwindenden Bedeutung gemäß bescheidenere Eigeninteressen zu artikulieren und vor allem den Anspruch an die Verbindlichkeit für alle aufzugeben.

 

*(06.04.2012)/Päpstliche Anmaßung
Papst Benedikt gemahnt am Schwerdonnerstag der Hybris des Menschen. (Dieses Thema ist seit Adam und Eva konstitutiv für die christliche Theologie.) Man läßt aber außer Acht: Eigentlich doch könnte es kaum noch etwas Vermesseneres geben, als sich selber als Mensch in den Mittelpunkt unseres Universums zu stellen und sich darüberhinaus zum Objekt, zum Ziel des Interesse Gottes an der Verwirklichung eines Heilsplans zu erheben.
Denn wir schauen auf Milliarden Galaxien,  -aktuelle Studien gehen von 0-1 Mio intelligent belebter Planeten in der Milchstrasse aus-,  auf Modelle von Multiversen und unnennbare Parallelwelten (hier verlassen wir dann das Raumzeitliche). Es wäre meines Erachtens lediglich das Zeichen eines wenig reflektierten Anthropozentrismus, zu denken, der Mensch wäre der einzige Träger von Intelligenz und Bewußtsein (im Universum), bzw. die einzige intelligible Spezies ohne Beachtung der unendlichen Optionen für Daseinsformen jenseits der raumzeitlichen "Materie". Daher eben der Gedanke, ein Plan Gottes müßte sich am Menschen "abarbeiten", eigentlich nur Ausdruck eben der Hybris sein kann, die der christliche Dogmatismus doch so vordringlich zu verdammen bemüht ist.

 

*(08.04.2012)/Boot-unbootmäßig
Da finden sich aktuell zu Ostern (wegen Grass und den Ostermärschen)nun einige Vertreter mehr im großen „Boot des Antisemitismus“ zusammen. Denn die Ostermarschier wollen unter anderem gegen die drohende Kriegsgefahr eines israelischen Feldzuges gegen den Iran auf die Strassen gehen. Wie Cap-Anamur-Fahrer oder Occupy –Leute oder  Globalisierungsgegner und Politiker der Linken oder Vertreter von Human Rights Watch oder Ärtze ohne Grenzen sitzen da aber nun Leute in einem sehr obskuren Gefährt zusammen, die einiges andere, aber vor allem nicht dieses im Sinn hatten. Schließt sich nur noch die Frage an, wer dieses unfreiwillige Boot zu Wasser gelassen hat und welcher Zielhafen damit eigentlich angepeilt werden soll.

 

*(11.04.2012)/Häuslebauer
Der Häuslebauer und Dauerrenovierer hat bei all seinen tage-, monat- und jahrefüllenden Arbeiten, die aus Um- und Ausbauarbeiten und Verschönerungstätigkeiten bestehen, von Anfang an eine ganz gewichtige Sache mit in Betracht zu ziehen: Er muß seinen Maßnahmen nämlich prinzipiell ein befristetes Leben geben, dem Material oder der Verarbeitung eine gewisse Halbwertzeit, oder besser: eine Art(freilich nicht offenkundig sichtbare) Sollbruchstelle verpassen, damit er, wenn er einmal ganz durch mit all dem Handwerklichen sein sollte, also er selbst wie auch das Haus mit allem fertig ist, wieder unversehends genau von vorne anfangen kann. Denn eines dürfte tatsächlich niemals einsetzen: Daß er nämlich seine Arbeiten gänzlich abgeschlossen hat, ihm die Renovier-und Umbauarbeit ausgeht und er somit quasi im Handstreich seinen  kompletten Lebenssinn schwinden sähe.

 

*(13.04.2012)/Offenbarung, menschengemacht
Die „Offenbarung“ scheint mir eigentlich ein sehr bequemer Weg der Rückbindung an ein höchstes Wahrheitsprinzip zu sein, weil man sich sozusagen eine ganze gültige „Wahrheit“ aus einer Wolke heraus einflüstern läßt und diese dadurch, daß sie von Gott selber stammt, zugleich unhinterfragbar legitimiert ist. „Der Glaube an biblische Offenbarungen schließt zwei Annahmen ein: zum einen soll eine Offenbarung von Gott bewirkt worden sein; zum anderen soll die Offenbarung, sofern sie als Aussage verstanden wird, wahr sein. Der Wahrheitsanspruch derer, die als Zeugen von Offenbarungen auftreten, wird schon innerhalb des Offenbarungsglaubens selbst fraglich. Denn wer war dort zugegen? Wie glaubhaft kann er sein und warum hat er überhaupt diese Offenbarung kolportiert? Außerdem: Ein weiteres Problem bringt der interreligiöse Vergleich hervor: Offenbarungsreligionen widersprechen sich zumindest in einigen als offenbart beanspruchten Lehren. Daher können nach Meinung vieler Religionsphilosophen diese Lehren nicht je zugleich auf wahrer Offenbarung beruhen.“ Was sich hier zügig wikipedieren läßt, setzt bereits auf die richtige Fährte: Eine Offenbarung hat es tatsächlich niemals gegeben. (Zu keiner Zeit, in keinem Kulturkreis. Offenbarungen haben sich die Menschen (aus Gründen) immer nur selber geschenkt.

 

*(15.04.2012)/Sakrale Architektur
Die gängige Verfahrensweise während Europas Christianisierung: Alle wichtigen Kirchen wurden auf  geomantisch relevanten/wirksamen Plätzen erbaut. Ganze Städte(wie z.B. Salzburg) wurden schließlich nach solchen Kriterien angelegt und ausgerichtet. Das setzt sich fort bis zu den dörflichen Kapellen, die an „günstigen“ und „kräftigen“ Plätzen errichtet wurden. Die Geschichte der Kirche, die Etablierung des „neuen Glaubens“ ist gerade auch eine Geschichte der Umwidmung.
Und die sakrale Architektur?
Die sakrale Architektur selber kann durch Summe der Geschichte der Handlung und Menschen in ihr erfahrbare Geschichtlichkeit vermitteln, die zu einer eigenen manifesten Kraft "geronnen" sein mag, diese ist aber nicht mit einer urächlichen geomantischen Kraft zu verwechseln, die die Sakralarchitektur "lediglich" "beherbergen", spiegeln, bündeln oder ausrichten kann.

 

*(17.04.2012)/Relgion und säkulares Heil
Zum  Begriff der Ersatzreligion: Ein missverständlicher (per se subjektiv gefärbter) Begriff, gerne gebraucht, um ein vermeintliches Wahrheitsgefälle zu einem „evidenteren“ Glauben zum Ausdruck zu bringen. Konturierter wären hierfür die Begriffe „Utopie“ oder „säkulares Heilsversprechen“ zu verwenden. Außerdem: Ersetzt wird zwar möglicherweise die „Religion“, die ein transzendentes Prinzip annimmt. Ersetzt wird aber doch lediglich eine „überhöhte“ Erwartung durch eine andere. Man könnte ja auch umgekehrt „die Religion“ als eine „nichtsäkulare Utopie“ bezeichnen. Die Ersetzung bleibt vorerst im selben Bezugsrahmen eines zu erwartenden oder bereits zu verwirklichenden Heils. Daher wäre auch ein wirklicher „Ersatz“ erst die Entlassung des Heilsbegehrs als solches.
Heilserwartungen fussen zudem meist in der alten Idee einer Utopie eines versunkenen oder künftigen Goldenen Zeitalters. Im mythischen Kontext (wie bei Hesiod) angelegt, werden diese Ideen später zum  Religiösen übergeleitet. Die Utopien eines Thomas Morus oder später der Aufklärer und Sozialisten, bis hin zu den radikalen Konstrukten wie Bolschewismus und Nationalsozialismus sind von diesem Bezugsrahmen nicht abzukoppeln. Der Nexus dieser Totalitarismen zum Christentum ist zwar zu einem Teil auch durch dessen Schwinden gegeben, doch nicht zu unterschlagen ist gerade auch eine Prägung durch die alttestamentarische Vernichtungsforderung und auch der lange und tief rezipierten –und antizipierten!- (aber nie eingelösten) göttlichen Heilserwartung. Zudem ist auch ein kausaler Nexus zwischen Kirche (Verknüpfung und Zementierung ungerechter, zu überwindender Verhältnisse) und der Entladung eines Kirchenhasses bei Hitler und mehr noch bei Lenin zu bedenken. Der Vernichtungswille und die Radikalität, mit der diese Politik der Utopien im 20. Jahrhundert ausgeführt wurde, (alleine der Gedanke an ein 1000jähriges Reich ist ja einem chiliastischen Denken verwandt) sind dabei noch weniger einer „plötzlichen“ Gottlosigkeit geschuldet, als einem neuen Machbarkeitswahn inkl. exponentieller Technisierung und neuer Mobilisierungsmöglichkeiten durch Propaganda. Denn der Wunsch nach Vernichtung und nachhaltiger Auslöschung begleitet die Menschheit bereits seit einigen tausend Jahren. Schon das alttestamentarische Denken beschreibt, ja determiniert förmlich die Forderung  der nachhaltigen (totalen) Vernichtung (siehe die Geschichte der Stadt Jericho, die Ausrottung bis zum letzen Kind und Tier).  
Wie untrennbar und tief religiöse Heilsvorstellungen und weltliche Utopie miteinander verzahnt sind, zeigen auch folgende Schlaglichter:
-Neuer Chiliasmus:
"Der
Amillenarismus z.B. ist heute im post-orthodoxen Luthertum und der neo-calvinistischen Bewegung teilweise verbreitet. Amillenaristen sehen die Zahl 1000 symbolisch und glauben, dass das Reich Gottes heute in der Welt gegenwärtig ist, da der siegreiche Christus seine Kirche durch Wort und Geist regiert."
-Neues Jerusalem:
„Daraufhin werden die Erde und der Himmel erneuert und eine Stadt wird aus dem Himmel herabfahren: das neue Jerusalem. In der Wirkungsgeschichte dieser Vision bildet oft der Berg Zion ein pars pro toto für das eigentliche Jerusalem, und zwar seit den Kreuzzügen bis hin zu pietistischen Bestrebungen, mit Ausläufern bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.“

-Jüdische Heilsvorstellung:
„Das Judentum liest die Geschichte vom Garten in Eden differenziert und integriert sie in ihr traditionelles Weltbild. Der Mensch ist weder sündig, noch ist er gefallen und verdorben. Der Weg zu Gott ist ein Weg, offen für jeden Menschen, gleich welcher Religion bzw. welchen Glaubens, den er einschlagen kann und soll. Eine Rettergestalt wird die Menschen und die Welt nicht erretten, sondern die Errettung der Welt sollen die Menschen aus sich selber heraus angehen, sie sollen die Welt und das menschliche Miteinander verbessern. Die Tora lehrt, dass die Menschen dabei nicht allein sind.“

(Wikipedia)

 

*(19.04.2012)/Schellings Metall
Was ist der „gemeine Esoteriker“ doch immer wieder Anwerfungen von kirchengläubiger Seite ausgesetzt. Zu gerne tadelt man ihn des Irrationalismus, allerdings dann ja absurderweise gerade von der Position des institutionalisieren und dogmatisierten Irrationalismus aus! Dabei meint man bei der „Esoterik“ zu oft gar nicht die Exotik eines zusammengezimmerten elitären (oder tumben) Nischenglaubens. Man rekurriert doch vielmehr auf den großen esoterischen Unterstrom, der zu allen Zeiten und in allen Glaubenssystemen auffindbar war und ist (so auch bei den christlichen Mystikern wie im Brahmanismus). Die Kirche hat doch letztlich nur den (gescheiterten) Versuch unternommen, diesen Strom zu okkupieren. Im 19.Jahrhundert haben Personen wie Blavatsky z.B. diesen Fakt erkannt und gegen eine feindliche  Umgebung ausgesprochen. Eigentlich antizipierte sie doch lediglich das Unvermeidliche. Und die Geschichte gibt ihr jetzt schon recht. Gernot Facius: "Spiritualität boomt meist außerhalb der Kirche." Meine Rede! Seit man die Menschen in Ruhe läßt, ist das so.
Hierzu auch gerne Schelling, der Philosoph des deutschen Idealismus:"Das eine Metall der Philosophie, welches in allen das selbe ist, in seiner Reinheit und Gediegenheit zu erkennen ist das Ziel des höchsten Strebens."
Dieses Metall ist zudem uralt. Es  wurde auch bereits zur Bronzezeit erkannt und geschmiedet. Alles zu seiner Zeit in seiner Form! Schrift und Architektur nötigen uns hohen Respekt ab, sind aber eben auch "nur" zeitbezogene Transmitter einer überzeitlichen Größe und somit wegen ihrer Wandelbarkeit in ein Verhältnis zu setzen. Denn eine letzte und tiefste Instanz kann nur unabhänging von jeder materiellen oder gar institutionellen Manifestation vorhanden sein und bestehen.

 

*(19.04.2012)/Platon, Christliche Lehre, Häresie
Prinzipiell besteht eine  Unvereinbarkeit des platonischen Idealismus mit der christlichen Heilslehre.
Alleine die Welt der Ideen hat für Platon metaphysische Existenz, in diesem Sinne: Jede einzelne Idee ist eine metaphysische Existenz. Was ein "komplexer Phanteon"! Das aber nur nebenbei. Entscheidend ist vielmehr:
Bei Platon erschafft zwar eine Entität das All(aus dem Vorhandenen), er kennt aber keinen Erstbeweger oder letzten Grund. Kein Wunder, daß man einen Demiurg einführte, um diesem Dilemma zu entkommen. Wie sollte aber ein solcher die Menschheit erlösen können? Wohl gar nicht. Ich würde hier eh lieber von "Hebung" als von "Erlösung" sprechen wollen. Denn diese kann folglich nicht durch einen handelnden Gott, sondern (bei Platon) nur durch die Seele selbst erfolgen. Die Seele ist ja bei Platon nicht geschaffen, sondern existiert schon immer (kommt aus der Ewigkeit) unter Inklusion ihres göttlichen Anteils. So muß sie sich nun ihrer Göttlichkeit entsinnen (sie muß sich erinnern), um sich selber emporzuheben. Hat das nicht auch (der freilich junge) Idealist Schelling in  folgenden Versen treffend auf den Punkt gebracht?
"...In einen Zwergen eingeschlossen
von schöner Gestalt und geraden Sprossen,
heißt in der Sprache Menschenkind,
der Riesengeist sich selber find´t.
Vom eisern Schlaf, vom bangen Traum
erwacht, sich selber erkennend kaum,
über sich gar so verwundert ist,
mit großen Augen sich grüßt und mißt.
Möcht´alsbald wieder mit allen Sinnen
in die große Natur zerinnen,
ist aber einmal losgerissen,
kann nicht wieder zurückfließen
und steht zeitlebens eng und klein
in der eigenen großen Welt allein.
Fürchtet wohl in bangen Träumen
der Riese könnte sich ermannen und bäumen
und wie der alte Gott Satorn
seine Kinder verschlingen im Zorn.
Denkt nicht, daß er es selber ist,
seiner Abkunft ganz vergißt,
tut sich mit Gespenstern plagen,
könnt´also zu sich selber sagen:
Ich bin der Gott, der sie am Busen hegt,
der Geist der sich in allem bewegt
..."

Platon (Zitat aus Menon -nebenbei gesagt entfaltet hier Platon den Gedanken der Wiedergeburt/Seelenwanderung (!)-): "Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist und die Seele alles innegehabt hat, so hindert nicht, daß, wer nur an ein Einziges erinnert wird,was bei den Menschen lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen."
Daher höchste Vorsicht beim Heranziehen „platonischer „Instrumentarien“ zur rationalen Durchdringung eines christl. Glaubens. (Nebenfrage: Warum den Irrationalismus überhaupt rationalisieren wollen?) Denn dieses "platonische Christentum" wäre nichts anderes als eine gnostische Häresie.

 

*(19.04.2012)/Spinozismus, Gnosis, Wissenschaft
Zugrunde lege ich hier den Substanzbegriff Spinozas:
Zitat Spinoza (Aus den Briefen “...Erstens, daß in der Natur der Dinge keine zwei Substanzen existieren können, ohne daß sie ihrem ganzen Wesen nach verschieden wären. Zweitens, daß eine Substanz nicht hervorgebracht werden kann, sondern daß es vielmehr zu ihrem Wesen gehört, zu existieren. Drittens, daß jede Substanz in ihrer Art höchst vollkommen sein muß." Spinoza geht davon aus,dass es nur eine einzige Substanz geben könne. Diese Substanz ist daraus folgend mit all ihren Eigenschaften unendlich und absolut und wird von Spinoza mit Gott gleichgesetzt.
Ich möchte hier aber nicht beim spinozistischen Pantheismus verweilen, sondern auf einen zusätzlichen Aspekt (für einen Erkenntnisweg) abheben: Modelle wie Quantenmechanik/Stringtheorie/Parallelwelten usw. gilt es ja durchaus, in unseren Verständnisraum zu integrieren. (So tat man es einst mit dem heliozentrischen Weltbild (am längsten sträubte sich- wer wohl?-die Kirche).
Die von uns als solche erfahrbare (besser:“benannte“) Materie ist „nach der menschlichen Wahrnehmung“, das heißt in Konsequenz ist der Mensch selber als Spezies (wie alles andere) nur eine Chimäre (der defizitären Sinne) (vergleiche auch Berkeleys esse est percipi). Die Wahrnehmung, das wahrnehmende Bewußtsein aber ist prinzipiell überindividuell /transpersonal, d.h., sie ist vor den verkürzten "bio-mechanistischen“ Sinnen und vor der Illusion einer Individuation.(vergleiche Platos Ideen...) Die Religion kündet zwar vom Überindividuellen. Die Wissenschaft tut dies aber auch, zudem evidenter. Sie entzieht uns ja gerade die feste atomare Basis, sie spricht ja –mehr noch als jeder Pastor von der Kanzel-davon, daß es höchste Zeit sei, sich vom Gedanken an Raum und Zeit zu verabschieden.) Die Kirche spricht ja vom Menschen, von der Welt. Die Wissenschaft kennt aber (dann) keinen Menschen (im jetzigen Sinne) mehr und definiert erweiterte Begrifflichkeiten für ein Verständnis von "Welt(en)". (Man könnte sagen, der Mensch "ist gar nicht", sondern "ist" nur durch seine spezifische Perzeption. Somit entfällt z.B. auch die Frage nach einer Beziehung zwischen Mensch und Gott. Oder die Unterscheidung zwischen einem Dies-und Jenseits.) Die Frage nach der Erweiterung der Erkenntnis ist also entscheidend auch die Frage nach der Möglichkeit zur Überwindung der wahrnehmbaren (manche Gläubige mögen sagen, der „gefallenen“)Welt, der Klärung der Verhältnisse bezüglich der Einsenkung in die Materie (inkl. der Klärung über das Wesen der Materie selbst(und ihrer Perzeptionabhängigkeit!)-letztlich die Frage nach der buchstäblichen Überwindung jeder Form eingeschränkter Welt-Sicht. Die Wissenschaft bietet ja hier eben gerade eine (wachsende) Möglichkeit, das Sinnesgemäße zu objektivieren. Und Objektivierung kann man weiter als Ent-Attributierung verstehen. Ent-Attributierung aber führt idealerweise zur Ent-Differenzierung und so zur Komplettierung (zum Un-Entfalteten/bzw. Ersten.) Daher geht es hier auch nicht um „Aufblähung“ eines eitlen Selbst, sondern um Überwindung des Selbst durch (maximale) Reflektion (aus dem-eigentlich ganzen-Selbst) zur Ganzheit und um Ganz-Werdung des Selbst (letztlich in der Bewußtwerdung zum Ur-Sein), bzw. der Komplettierung unseres „nachperzeptiven“ Auschnittsbildes der Welt zur Totalität (des Erkennens/des ganzen Seins). Mir ist dann egal, wie man dieses „Omega“ benennt. (Wer damit besser „fährt“, soll doch als Platzhalter „Gott“ dazu sagen. Und konsequenterweise ist mir recht egal, in welchen Räumen man diesem Omega huldigen will (es geht aber letztlich nicht um Huldigung (zumindest nicht um die christliche Interpretation von Huldigung, sondern um Durchdringung) und welche Form der Institutionalisierung sich anschließt, ist für mich im großen Kontext schon dreimal irrelevant. Mir geht es letztlich nur darum, daß „es so ist“. Und es bleibt ja sogar auch durchaus noch Platz, um unseren Prägungen und Erwartungshaltungen zu frönen: Denn der Weg zum „Omega“ bleibt ja vorerst durchaus ein Mysterium. (Und da mag es auch „Zwischenhimmel“ geben und Hierarchien und Spiegelsphären/psychische Welten/Bardos usw.(die Gnostiker versuchten da einiges zu erklären—dies ist mir aber prinzipiell zu spekulativ bzw. zu "antiqiert" in der Symbolsprache.)
Doch noch einmal zurück zu Spinoza: Wenn er sagt: „Unter Gott verstehe ich das absolute unendliche Sein, das heißt die Substanz, die aus unendlich vielen Attributen besteht, deren jedes ewige und unendliche Wesenheit ausdrückt“, dann unterminiert dies die christliche (qualitative) Trennung von Mensch und Gott und Subjekt und Objekt, Schöpfer und Geschaffenem. Es gibt bei Spinoza zwar eine natura naturata, aber diese ist "lediglich" Attribut Gottes-und nicht geschieden.
Wer dies nun aus christlicher Warte als unzulässige Erweiterung eines monotheistischen Gottesbegriffes ansieht, dem schlage ich nun eine "Teleologie der Ent-Attributierung vor". Dies würde aber wiederrum bedeuten: Ent-Attributierung erfolgt durch Objektivierung (durch Befähigung zur Erkenntnis), man ginge sozusagen einen Weg zurück durch die Emanationen. Die Auflösung der bekannten Wahrnehmung, Auflösung der Köperlichkeit, Auflösung des „Ich“-Begriffes (Auflösung des Gottesbegriffes!), Auflösung jeder anthropomorphen Sicht usw. ist nur mindeste Vorrausetzung zur Komplettierung/Selbstbetrachtung des "Alles" als einzige Substanz --in der einzigen „Substanz“.
Idealismus

 

*(21.03.2012)/(Dichtung) Auferstehung
In Kraft gepackt der Junge
nach seinem Tagwerk vor dem Schlachthaus
Er sitzt so mit Blutbacken und Schwielenhänden
zwischen frischen Osterglocken an gestutzen Frühjarsbeeten
Zwei Frauen haben sorgfältig den Hof ausgekehrt
und atmen zufrieden den Leichengeruch in der Sonne
Bald feiern wir Auferstehung mit Wurst und bunten Deckchen
Zwischen der Schmutzbaracke und
dem geputzten Haus ist noch Platz
für eine goldene Hochzeit
oder einen plötzlichen Herztod
Meist überleben die fettbeleibten Frauen ihre ausgezehrten Männer
und treffen sich zu Sonntagskuchen und tumbem Gebet.

 

*(21.03.2012)/(Dichtung) Nach Königsberg
Weit im wasten Sommerland
stößt die Fahrt vorbei an blauen Vorkriegssilhouetten
und neben den totgelben Wiesen
hausen krumme Weiber in den Bahnsignalbaracken
Eine Weiche lenkt um auf verlorenes Gleis
und unter den Eisenrädern entsteht jetzt ein Lied
wie ein dunkles volles Summen
das ansteigt und umfängt
Es scheint als sängen die Toten ihr Leid
verweht auf tausend alten Kilometern
Verlorene Sommer, verstorbene Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 


 

 

 

 



 


 



 

Philosophie

*(06.05.2010)/Ganzheit?
Wenn die Stringtheorie beschreibt, daß den diskret wahrgenommenen Schwingungszuständen beobachtungsabhängige "Fäden"zugrunde liegen, dann scheinen wir eben konsequent in dieser einen Art wahrzunehmen, die zur punktförmigen Repräsentation/Reduktion zu "Teilchen" führt. Dies ist die uns eigene Form der Wahrnehmung: Eine verschwindend kleine, quasi- eingefrorene Nische der Universalität, die durch die Art unserer Perzeption dahin bestimmt wird...Und könnte man diese "In einem Quantenzustand-Wahrnehmung" ablegen und eintauschen gegen eine universelle Wahrnehmung, sähe man auf die Universalität aller möglichen Quantenzustände.Diese Totalität der Schau wäre eine Summierung aller Möglichkeiten, Summierung meine ich aber ohne Undurchdringlichkeit und parallele Zustände durchaus als zusammen schaubar ,denn: In dem Meer der unendlichen (z.B) physiologischen Quantenzustände findet sich auch das sogenannte Quantenauge, daß den eigenen Quantenhorizont endlos zu transzendieren vermag und wie aus einem Hyperraum quasi auf alles Mögliche gleichzeitig zu schauen vermag. Diese Total-Erkenntnis führt somit nicht zum Erkennen endlos getrennter Welten, sondern bildet eine Synthese vom und zum Total-Sein.

esse est percipi. Oder besser: "Omnia esse est omnia percipi". Dies ist aber Gnosis, und Gnosis ist die Übereinkunft von Wissen und transzendentem Impetus.

 

*(26.05.2010)/Das Quantenauge
Das Quantenauge ist das Sinnesorgan der komplettierten Wahrnehmung. Alle erdenkbaren und theoretischen Zustände sind durch es wahrnehmbar, somit ist es das "große Erkenner-Organ ", das die unendlich möglichen Zustände in der Totalschau zu sehen vermag, sämtliche theoretischen parallelen Zustände werden in der Gleichzeitigkeit zu einem Ganzen ergänzt. Das Ergebnis ist unbestimmbar groß, unbestimmbar komplex, also unendlich--aber im Unendlichen trotzdem ganz erfasst.Es ist das zentrale holistische spinozistische, pantheistische, sich selbst schauende.

 

*(28.05.2010)/Menschwerdung
Was die Menschwerdung betfrifft, so hat der Homo sapiens wohl die bis dato höchste Befähigung zur Reflexion über Bewußtseinszustände erlangt. Es ist wohlgemerkt die Reflexion über Bewußtsein, nicht das Bewußtsein selbst, das uns von den Legionen unserer Vorgänger und entfernter organischer "Vorstufen " unterscheidet. Ich sehe dabei einen einerseits biologistisches Ansatz, der uns als chemisch-mechanistisches Organum begreift und andererseits einen durch und durch metaphysischen Rahmen, in dem wir uns als ausführendes "Glied" in einem teleologischen Gesamtprozeß zu begreifen haben, der zur letztlich ganzen Selbstgewißheit (wie oben beschrieben) führen mag. In diesem Ambivalenz-Feld sehe ich den Mensch ähnlich dem plotinischen Amphibium, allerdings in einer biologisch-spirituell- evolutorischen Progression.
Die Erlangung der end-totalen Befähigung zur Refexion ist vergleichbar mit der spinozistischen Selbstvergegenwärtigung und somit der Erlangung des eigentlich Göttlichen. Gott außerhalb des Menschen als "Agens " zu denken ist in diesem Kontext ein evolutorischer Nebenarm, der vertrocknen muß.


 



*(02.06.2010)/Das anthropische Prinzip und ich
In einem großen Garten und dort in Arbeit versunken, kam mir der Gedanke über die Unfaßbarkeit der Tatsache, daß der ganze Bestand an Pflanzen, die gesamte Fauna, die dort gedieh, dies nur vermochte, weil die Wetterumstände es immer gerade so erlaubten. Die kleinste Abweichung im Mittel der Temperaturen oder im Maß der Sonneneinstrahlung aber würde schon eine Pflanze, vielmehr eine ganze Art komplett zum Verschwinden bringen. Das Gleichgewicht, das Regulativ, das einem Warm ein Kühl, einem Trocken ein Feucht folgen läßt - in einer immer für diese Anfordernis gerade genügenden Art- möchte einem daher fast unglaublich, weil der Zusammenkunft der Bedingungen nach quasi unendlich unwahrscheinlich, vorkommen.Warum wohl diese spezifischen Wetterbedingungen nicht einfach mal aus dieser diffizilen Ordnung herausfallen könnten?
Während dieser Überlegung begann ich aber das Objekt dieser Umstände, also die Pflanze, nicht als bedingungsabhängiges, sondern als zentrales, subjektives Prinzip, in dem sich die es umgebenden Umstände spiegeln, zu begreifen: nicht die Umstände sind es, denen die Pflanzen ihr Leben verdanken, sondern es muß schlicht genau diese sichtbare Fauna vorhanden sein, über die man sich zu wundern vermag. Denn wären die Bedingungen andere, wäre die Fauna entsprechend auch eine andere, und man würde sich entsprechend über diese andere Fauna wundern können usf.

Diesem Wirk-Zusammenhang bin ich ein gutes Jahr später in einem naturwissenschaftlichen Werk über Paralleluniversen begegnet. Man nennt dies das anthropische Prinzip .Von John Barrow und Frank Tipler (" Physik der Unsterblichkeit") postuliert, besagt es, daß wir in einem Universum zu leben scheinen, das von einer Reihe unabhängiger Variablen abhängt, bei denen eine winzige Veränderung ausreichte, um es unbewohnbar für jedwede Form von Leben zu machen. Und trotzdem existieren wir. Das anthropische Prinzip behauptet, der Grund warum wir hier seien und diese Frage überhaupt erwägten, folge aus der Tatsache, dass genau die richtigen Werte für die Variablen vorlägen.

Offensichtlich habe ich mich intuitiv in eine Gesellschaft begeben, die in einer Art Umkehrschluß zu den üblichen Welterklärungsmodellen das So-Sein aus der äüßeren Bedingtheit in das Innen eines zentriert subjektiv aus Sich-Perzipierenden gelegt hat.

...


*(08.06.2010)/Selbstreflexion
Der Mensch scheint die einzige Spezies zu sein, die zur echten Selbsreflexion befähigt ist. Selbstreflexion als empirisch/gnostisch/wissenschaftlich Erkennendes und Reflexion im spirituellen Sinn, also vertikal, nicht evolutorisch zum Erkennen hin. Dann schließt sich direkt die Frage an, warum das so sein mag und welcher Sinn dahinter steht.Das "Warum" aber ist schnell und wiederum mt dem antrophischen Prinzip zu erklären: Wir stellen uns (lediglich)diese Frage, weil in uns sich diese Bewußtwerdung ereignet und wir somit befähigt sind, eben diese Frage zu stellen. Die Frage nach dem Sinn hingegen möchte ich vorläufig mit einer Teleologie der Bewußtheit beantworten. Es geht dabei wohl um die Rückehr zum energetisch/geistigen Sein.


*(19.06.2010)/Das ekpyrotische Szenario
Das ekpyrotische Szenario besagt: Wenn unser Universum eine mehrdimensionale Membran oder Bran ist, die durch einen höherdimensionalen Raum treibt, dann könnte der Urknall die Kollision unserer Bran mit einer anderen gewesen sein.Bewegungsenergie verwandelt sich dabei in Strahlung und Materie, diese klumpt darauf zusammen und läßt Galaxienhaufen und so fort bis hin zu organischen (Mikro)Formen entstehen.
Diese Szenerie läßt meines Erachtens die direkte Assoziation mit einer zentralen, ja allgemeinen Aussage der esoterischen Literatur zu, wonach wir in einer Schwingungsreduktion innerhalb einer postulierten höheren Energieform existieren. Auch die Assoziation mit der aristotelischen Erklärung von Materie als Abbremsbewegung des Geistes (in einem trägen Medium) sowie auch die christliche Vorstellung vom "Gefallen -Sein" des Menschen möchte sich hier einstellen.


*(14.06.2010)/Über Ideen
Habe mir die Frage gestellt, ob ausgehend von der Vorstellung der Ideen -im platonischen Sinne als der wahren übergeordneten Gestalt vor der Erscheinung-, diesen Ideen die Autarkie der erscheinungsbildenden Kraft zukommt, oder ob es nicht im Menschen selber angelegt ist, aus diesem Impliziten, Übergeordneten eine Transformation zur beschreibaren Erscheinung vorzunehemen.Denn wäre die formbildende Autarkie im Menschen, dann bliebe die Idee ohne ihn ungeformt und unerkannt.

Sind nicht jene impliziten Ideen einer höheren allgemeinen Ordnung mit Stringzuständen vergleichbar, die erst durch die jeweilige Moment-Perzeption zu den realen Dingen werden?

Ein Nebengedanke:Es gibt wohl viele (Parallel)Welten, die unerkannt und ungesehen vor sich hintreiben. Also wieder gilt das Berkeley´sche esse est percipi. Oder existieren sie unerkannt doch, (mit der quasi-paradoxen Einschränking, daß sie nicht "da/wahr" sind?

*(18.07.2010)/Verschränkung
Wenn man so möchte, ist das Phänomen der Quantenverschränkung das Einfallstor für metaphysische Spekulation schlechthin.Und da die Hauptüberschrift für diesen Blog "Philosophie" lautet, (und nicht etwa "exakte Wissenschaften"), ist diese Spekulation auch zugelassen.
Nach aktuellen physikalischen Messungen interagieren Teilchen unmittelbar, das heißt raumlos verbunden und nicht wie unserem Weltbild gemäß zu erwarten wäre,lokal und bewegungskausal. So können Partikel wie Elektronen und Neutronen beispielsweise an entgegengesetzen Punkten der Milchstrasse miteinander verschränkt sein. Im Prinzip ist der erfolgte Nachweis dieser Entdeckung völlig sensationell! Nach dem Theoretiker D.Z. Albert "müssen wir die Idee aktzeptieren, daß die Weltgeschichte sich weder im dreidimensionalen Raum unserer Alltagserfahrung abspielt noch in der vierdimensionalen Raumzeit der Relativitätstheorie, sondern in diesem gigantischen, unanschaulichen Konfigurationsraum, aus dem irgendwie die Illusion des dreidimensionalen Raumes hervorgeht."
Zwar können nach gewissen Theoremen über diese verschränkten Quanten keine gelenkten Informationen übertragen werden, aber man spricht bereits von Ausnahmen und wer will sagen, daß die Begrifflichkeit für "Information" nicht auch der Verschiedenheit der Interpretationen unterliegen kann.
Ich jedenfalls denke bei dem Zustandekommen dieser "spukhaften Fernwirkung"(Einstein) beispielsweise an Rupert Sheldrakes morphogenetische Felder, an Theorien von Bewußtseinsmatrixen, an telekinetische Fernbeeinflussung oder an PSI Phänomene im Allgemeinen , an Esoterisch/Spirituelles wie Astralprojektionen, Synchronizitäten, Gebete (!)und viele andere Begebenheiten mehr(auch der tibetische Doppelgänger "Tulpa" und der durch Meditation belebte eigene Schatten könnten auf nicht -lokaler Teilcheninteraktion basieren).All diese Phänomene harren der physikalisch verifizierbaren Durchdringung. Wer hier und heute gewohnt süffisant ausschließlich von Spuk und Spinnerei reden mag, der lebt noch ganz in der "klassischen Realitätsvorstellung" und hat bisher überhaupt keinen Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisebenen gesucht, geschweige denn gefunden.


*(15.08.2010)/Gestalt-Autarkie?
Wenn
die erscheinungsbildende Kraft,die eine vormaterielle, geistige Idee auf die Wahrnehmungsebene tranformiert(wie in */Über Ideen in Erwägung gezogen),im Menschen selber angelegt ist, ist der Mensch dann "Herr der Form"? Die Idee als Vor-Manifestation geistiger Energie: Im Menschen würde sie entscheidend zur Gestalt gebündelt und zur Diversifikation gebracht. Warum aber,wenn der Mensch im Besitz dieser formgebenden Autarkie ist, kann er innerhalb seines "normalen" Ereignishorizontes die Sicht auf die konventionellen Formen nicht modifizieren oder die Formgebung selbt gar willentlich verändern? Ich denke, dies läßt sich am einfachsten damit beantworten, daß die Form eben ganz aus der biophysischen Beschränkung seiner Sinnesorgane hervorgeht.Diese Biophysis wiederrum ist Teil einer Funktionalität, die einem einzigen Zweck zu dienen scheint, nämlich der Orientierung in unserem determinierten Raum. Obwohl der Mensch darüberhinaus durchaus im Besitze des überphysischen, geistigen Aspektes ist,beschränkt doch Bau und Funktionsweise seiner Organe unsere Formenwelt auf eine "Herabtransformierung" der kompletten Idee, des Geistigen, das für sich genommen ebenfalls nicht als formlos gedacht werden sollte, sondern dem als Über-Form durchaus auch eine formhafte Existenz zukommt.
Ursache für Zweck und Determination der Wahrnehmungsart würde man gerne der Einfachheit halber außerhalb der menschlichen Autarkie ansiedeln. Da aber -weitergedacht-der Mensch selbst auch nichts anderes als "Form" darstellt, bringt er folglich auch die eigene Biophysis und somit natürlich auch die Form und Funktionalität der menschlichen Sinnesorgane hervor. Darum ist er, wenn man diesen Gedankengang weiter verfolgt, eben tatsächlich Herr der Gestalt, weil er ja den Perzeptionsmechanismus eben auch selber bestimmt hat. Es wird bereits hier ersichtlich, das jenseits der Biophysis und jenseits einer geistigen Dimension(im Sinne von hirnorganischer, aber auch diffus beschriebener Bewußtseins- und Transzendenz-Fähigkeit) der Mensch in einem übergeordneten "Entität-Sein" gedacht werden muß, dessen geistig/ mentale Aspekte, ganz anders als einige verbreitete religiöse Systeme uns suggerieren wollen,auf autark handelnde Autorität und schöpferische Macht schliessen lassen..

 

*(09.09.2010)/Jenseits-Prägungen
In unserer Vorstellung vom Jenseits neigen wir zu schnell dazu, von unseren diffus-religiösen Prägungen auszugehen, die bereits nach der Bedeutung dieses Wortes einen postmortalen Zustand annehmen, der jenseits der physikalischen Welt des Menschen liegend, freilich höchst selten im Detail ausgeführt, in einem Zustand der Gottesnähe verheißen wird.
Ich bin aber mittlerweile der Ansicht, daß diese Begrifflichkeit überhaupt nicht den Kern unserer (End)Bestimmung treffen kann. Das Jenseitige muß vielmehr als das Ganze, als das Hier-und Dort- und Überall-seitige erörtert werden. Es eröffnet sich ein Gesamtszenario, ein ganz großer Rahmen vieler Dimensionen und Zustände, den wir von unserer jetzigen verkürzten Warte aus nur noch nicht überschauen können. Der Begriff "Jenseits" kommt so eher einem Platzhalter gleich, der uns zur Repräsentation des bis dato Abgewandten dient. Weiter kann man so die Bedeutung von "Jenseits" dieser art umkehren, daß unser Abseits-Sein vom angenommenen Gesamtzustand bedeuten würde, daß wir in einer "Einfaltung", also einer Niesche der eigentlichen (Über)Realität leben,uns daher tatsächlich "jenseits" des Ganzen befinden.
Die moderne Physik wie die alte esoterische Schule weiß darum, daß Zeitlichkeit, Räumlichkeit und Kausalität in einer meta-anthropozentrischen Sicht ohne weitere Evidenz sind, daß diese Größen allein schon bei gesteigerter Wahrnehmungsfähigkeit(wie etwa im technischen Versuch)zumindest weit veränderten,nahezu ungeklärten Gesetzmäßigkeiten zu folgen haben. Allein schon daher kommt man in Schwierigkeiten, möchte man als Jenseitsbestimmung von einem Danach oder Darüber sprechen. Mögen wir auch streng der zeitlichen, räumlichen wie metaräumlichen Nach-Tod-Illusion unterworfen sein, so ist es aber gerade die Transzendierung unserer Vorstellung von der Abfolge "Leben-Tod-Nachtod", die uns langfristig aus dem Nebulösen einer demütigen, abwartenden Unwissenheit herauszuführen vermag.(Gleichsam den indischen Maya-Schleiern, die zu zerreißen sind). Denn de Fakto sind wir bereits mitten im Jenseits angekommen, das Jenseits ist hier, groß, wahrer als alles andere uns sichtbar Umgebende. Es existiert wie ein riesiges Haus, in dem wir bisher lediglich eine winzige Kemenate bewohnen. Aber auch:Man hat uns den Schlüssel genommen, der uns aus der Enge dieses Refugiums zu befreien vermag, damit wir nun ungehindert durch die weitläufigsten Gänge und schönsten Zimmer wandeln können. Zeitgleich drängt es uns zur Erkenntnis, denn Erkenntnis ist unser Synonym für den "verlorenen Schlüssel", denn wir streben von Anbeginn unserer Bewußtwerdung zur Wahrnehmung der uns umgebenden Totalität, zur Selbstfindung und Durchleuchtung im Ganzen, im Total-Raum.Erkenntnis aber setzt Wissen auf allen Ebenen vorraus, was uns abermals die Zielrichtung der menschlichen Bestimmung verdeutlicht: Gnosis.


*(07.10.2010)/Ayahuasca
Ich hatte im vorigen
Artikel(Jenseitsprägungen) zum Ausdruck gebracht, daß unsere Vorstellungen von Leben, Jenseits, Körper, Geist und Zeitlichkeit prinzipiellen Prägungen unterliegen, die adäquat unseres "alten", konventionellen Kenntnisstandes verlaufen und daher mit dem modernen naturwissenschaftlichen(und esoterischen)Postulat einer (Meta)Realität nicht schritthalten können.Die Nachtod-Existenz, das sogenannte "Jenseits" scheint dabei, wie dort dargelegt, innerhalb eines mehrdimensionalen, übergeordneten Raumes angelegt zu sein. Im Sinne eines holistisch/monistischen Verständnisses existieren wir ja bereits in diesem Kontext, auch wenn dies durch unsere reduzierte Perzeptionsfähigkeit momentan nicht unmittelbar sinnlich erfahrbar ist.
Aber was geschieht, wenn wir untermauernd zu dieser These versuchen würden, unsere "Pforten der Wahrnehmung" (Huxley) mal ein Stück weiter aufzustossen? Neben der religiös motivierten Ekstase könnte diese Dilatation zum ganzheitlichen Bewußtsein auch auf biochemisch induzierte Art erfolgen.Die Schlingpflanze "Ayahuasca" südamerikanischer Schamanen scheint hier relevante Hinweise geben zu können. Deren Rausch gilt nicht als halluzinogen in dem Sinne, daß phantastische, subjektive Begebenheiten vor dem inneren Auge ablaufen, sondern es stellt sich laut der psychonautischen Erfahrungsberichte ganz im Gegenteil ein besonders gesteigertes Realitätsgefühl ein, daß demjenigen den Schluß zuläßt,Zugang zum eigentlichen (viel realeren) (Über)raum erlangt zu haben; eine Rückkehr in die Normalität wird hingegen als ernüchternde Reduktion des "Eigentlichen" auf das Verkürzte, Profane empfunden. In diesem Kontext möchte ich auf Passendes von dem Dichter und Naturmystiker William Blake verweisen: Von ihm sagt man,er empfing durch seine "imaginativen und unsterblichen Organe" in "besserem Licht" als seine "sterblichen, zugrunde gehenden Augen" es je vermochten, daß es keinen Konflikt zwischen Körper und Geist gibt, daß dies eher die Frage einer dynamischen Interaktion zwischen Materie und Energie ist, daß die materialistische Wahrnehmung solider Körper nichts als eine grobe Verzerrung der allumfassenden Realität darstellt, gefiltert durch die fünf Sinne. (!)
Wie sich das alles zusammenfügt!
Aus Berkeleys "Sein ist Wahrnehmen" könnte man hierauf ableiten: "Mehr wahrnehmen ist mehr Sein". Wobei dieses "Mehr Wahrnehmen" vor allem evident wird, wenn es objektivierbar ist, um eben eine glaubhafte Abgrenzung zur individuellen Halluzination und persönlich induzierten Psychose zu treffen. Aber bei der Urwalddroge Ayahuasca trifft genau dies erstaunlicherweise zu, denn Erlebnisberichte ganz verschieden geprägter Probanden weisen sehr ähnliche Erlebnisstrukturen auf, sie erzählen von Begegnungen verwandter oder gleicher Begebenheiten oder Entitäten,dabei bieten diese Erzählungen den geübten Schamanen keineswegs eine Überraschung ,da ihnen bereits zu Genüge bekannt ist, was in der im Rausch erfahrenen Welt zum Tragen kommt. Dies möchte ich als Hinweis darauf deuten, daß bei aller metasensuellen Komplexizität des Menschen und bei aller spekulativer Verschwommenheit der "monistischen Physik"eine Hyper-Realität offensichtlich greifbar werden kann und zwar in dem Sinne, daß sie
1.durch Perzeptionserweiterung beschreibar, ja objektiviebar wird und 2.unser organischer Apparat überhaupt bei entsprechender Stimulation Zugang zu diesem(dann gar nicht so hypothetischen)Überraum ermöglicht.

 

*(10.11.2010)/Okkasionalismus in den Parallelwelten.
Mir begegnete folgendes Zitat nach dem Kosmologie-Professor Max Tegmark über das Wesen der Zeit (unter Vorraussetzung existierender Parallelwelten):
"Für die meisten Menschen ist Zeit ein Mittel, um Veränderung zu beschreiben: Zu einem Zeitpunkt ist die Materie auf eine bestimmte Weise geordnet, einen Augenblick später anders. Das Konzept der Multiversen legt eine andere Sichtweise nahe. Wenn die Paralleluniversen jede mögliche Anordnung der Materie enthalten, dann ist die Zeit einfach eine Möglichkeit, diese Universen als Folge anzuordnen. Die Universen sind statisch, Veränderung eine Illusion."
Wäre das zu hören nicht ein großes Vergnügen für Malebranche, den alten Okkasionalisten,nachdem seine Lehre heute fast vergessen und ohne Anhänger ist? Er leugnete doch die Kausalität zwischen Körper, Geist und überhaupt die Verkettung durch Verursachung. Zweifelsfrei ist es bei ihm die Instanz namens "Gott", die die vorliegenden oder potentiellen Gelegenheiten in göttlich-genehmer Art willkürlich zusammenbringt und daraus eine Verknüpfung herstellt, die wir danach dann als "kausal" zu interpretieren geneigt sind. David Hume meinte, genau dies würde das Ansehen Gottes schmälern, weil er sich ständig mit all den niederen menschlichen Gewöhnlichkeiten zu befassen hätte; ich frage aber:bezogen auf die unendlichen Quantenzustände der vielen Paralleluniversen:Wäre es nicht im Gegenteil eine mehr als erhabene Aufgabe, aus diesem verrückten Wust unendlicher Welten und Möglichkeiten eine stringente Handlungskette herzustellen, dergestalt, daß sie für den, der sie durchlebt, in
elegantester Weise und ohne festellbare Sprünge einen vermeintlichen Sinn ergäbe?

 

*(3.12.2010)/Bilder-Gang
Wie in "Okkasionalismus in den Parallelwelten" dargelegt,möchte ich davon ausgehen, daß einer (das Sein betreffenden) Progression bzw. irgendeinem Kausalzusammenhang gar keine echte Existenz zukommt, stattdessen gibt es nur unendliche statische/parallele Bilder und deren durch die Sinne als "zeitlich" interpretierbare Abfolge bzw. Wahrnehmung.Das handelnde Individuum wandelt (oder springt) dabei lediglich von einem Zustands-Bild zum anderen.Die Sprünge selbst sind zu klein als daß wir sie als diskret (getrennt)wahrnehmen würden, vergleichbar etwa mit der Bilderfolge des Fernsehformates, deren Einzelbilder wir durch die Trägheit unserer Sinne zu einer zusammenhängenden Bewegung ergänzen. Nun stellt sich automatisch die Frage, was uns denn befähigt, durch diese Bilderwelt "sinnvoll" hindurchzulenken: Erschafft dies eine äußere Instanz oder geht dies auf unser eigenes Vermögen zurück? Vorrausgesetzt, der Mensch ist(wie in "Gestalt-Autarkie"dargelegt, selbst die formgebende Kraft, ist er eben auch Schöpfer all dieser Bilder, die er zeitgleich und parallel vor sich ausbreitet. Aber was hat es mit einem dahinterstehenden Willen, dem Inneren, dem Psychischen, dem, was "vor" den Sinnesorganen liegt, auf sich? Woraus schöpft denn dieser Wille? Diese prinzipielle Frage beschäftigt ja durch alle Zeiten hindurch. Zieht man dabei aber auch in Betracht, daß es eventuell gar keinen Willen als solchen gibt? Willen als nichtphysische, sondern psychische Progression ist eben -adäquat zu ersteren- eben auch ein Nebeneinander von (nun geistigen)Zuständen, die schließlich als Abfolge interpretierbar werden.Demnach gibt es nur eine Darauf-Schau einer pychischen Bilderfolge, die im Nachhinein als eigener Wille angesehen wird.Tatsächlich aber ist der Wille, -wie auch die Tat- als solcher eine Illusion und letzlich nichts als eine Abfolge prinzipieller Möglichkeiten, die nur sinnvoll erscheint, weil sie (allerdings erst nach ihrer Wirkung) im Sinnesorgan "Bewußtsein" zu "Sinn" verarbeitet wurde.

 

*(04.02.2011)/Freiheit ist ungerichtet
Der Liberalismus seit der Renaissance hat den Individidualismus hervorgebracht,die Konkurrenz, die Atomisierung der Handlung und des Gedanklichen. Wie die Anhänger des Kollektivismus (vornehmlich im 20.Jahrhundert)monierten und wie einige von ihnen bis heute bedauern, zerfließt der Ozean gemeinsamen Handelns mittlerweile in alle Richtungen, bildet Millionen einander neutralisierender(?)Bäche und kommt schließlich in einer Vielzahl stehender Lachen zum Erliegen.Zudem hätte man zuvor die Freiheit in allen Bereichen proklamiert und außer Acht gelassen, womit sie gefüllt werden sollte.Man vermisst wohl arg den geliebten Dirigismus.Man gesteht allerdings,-ganz progressiv gestimmt-daß das Leben früher wohl doch in ein Prokrustesbett "bestimmter" Ideen gepreßt war, daher die Freiheit sich berechtigtermaßen ihren Weg zu bahnen hatte.
Somit, nach den Forderungen nach "Gerichtetheit", die im 20. Jahrhundert eine (bisherige) -dramatische- Klimax erreichten, ist für unser Jahrhundert ein fortschrittlicheres Proklamat anzustimmen:
Laßt doch den Mensch nun aufstehen, als individualisiertes Eigenwesen aus diesem Bett des Prokrustes aufsteigen, um endlich zur Besinnung zu kommen, doch darf er eine Weile auf der Bettkante sitzen, denn er muß zuallererst seine Benebelung abschütteln, auch wenn das Jahrhunderte dauern mag, denn noch länger hat er ja gelähmt und geschwächt, oder gekürzt und überdehnt, darniedergelegen. Auf der Hut muß man vor allem sein, daß die Vakanz der Ideen nicht gleich ausgenützt wird und direkt eine Verordnung oder Ausrichtung einfließt oder ein neuer oder nächster Prokrustes mit "Ismen" zu Werke geht. Um beim Eingangsbild zu bleiben: Man schaut also von oben auf endlose Nebenarme und stehende Seen.Im Zeitalter der Fraktale und der subatomaren Teilchen-Ebenen muß man darin keine Bedrohung oder Fehlentwicklung wittern, man sollte eher genug Vertrauen haben, dort eine höhere Ordnung, einen tieferen "chaotischen" Zusammenhang zu erkennen. Anstatt der Totalität tritt mit "echter" Liberalisierung und "Erlaubnis" zur Diversifikation nun Komplexität. Gerichtetheit heißt nicht Flußrichtung, sondern Gerichtetheit in der Komplexität heißt Teleologie der Vertiefung und der subterranen Verbindung aus den Unterströmungen, -nebenbei: schon nach kunfuzianischem Bild muß das Gewässer stehen, um auszufüllen und Tiefe zu erlangen. Der große Gesamtstrom, die tatsächliche Verbindung ist die implizite Ordnung, der Urgrund, und dessen Status ist keine Frage verordneter Flußrichtungen (oder "Ismen), also ideologischer oder religiöser Forderungen nach "Gerichtetheiten", sondern eine Frage der "autarken" Tiefenwirkung. Und diese Tiefenwirkung ist letzlich eine Implikation der unverrückbaren, unvermeidlichen Eigenentfaltung.

 

*03.03.2011/Schweben und Fallen
Das stolze Bild vom aufrecht gehenden Menschen kommt quasi einem Fehlschluß gleich, denn unser Gang ist letzlich nichts als ein Zustand der gravitätischen Hemmung. Eigentlich, adäquat zu seiner Dispostion nach den Gesetzen im physikalischen Raum, sollte der Mensch viel eher schweben, zumindest aber fallen. Nach Newton zieht die Gravitation zum Zentrum der Objekete oder Räume hin, entzöge man der Erdkugel demnach die äußere Kruste und gäbe es auch sonst darunter keinen Widerstand mehr, würde die milliardenfache Menschheit im glühenden Erdmittelpunkt zusammenrasen und fusionieren.Nur das Feste, das im Wege steht, hält uns davon ab, unserer tatsächlichen Körperbestimmung nachzukommen (nämlich dem Fallen), und gäbe es den Kern nicht und wäre der Mittelpunkt viel ferner (er ist es, wir fallen, schweben oder rasen ja mit der Erdkugel, mit dem Sonnensystem, mit der Galaxie, mit der lokalen Gruppe und so fort)würde also der Bezugspunkt zur Mitte fehlen (und zeitgleich der Luftwiderstand), so wäre ein reines, (quasi) ewiges Fallen, somit aber ein nicht weiter bemerkbares Schweben, weil ja alles im gleichen Verhältnis mit uns mitfiele. Somit ist unser "Gehen" oder "Laufen" eigentlich nichts anderes als ein nach vorne gerichtetes Kompensieren des gehinderten Fallens. Dies gibt es beim menschlichen "Aufgerichtetsein" zu bedenken. Es ist nur gehemmtes Resultat des schweren Untergrundes.

 

*(10.03.2011)/Anthropische Teilchen
Das anthropische Prinzip gilt natürlich auch für das Kleinste, für die Ebene der Elemtarteilchen. Es erübrigt sich die Frage, warum die Qualität der Teilchen so und nicht anders (bzw. überhaupt) die Materie ausformt,denn wären diese anderer Art, könnten wir diese Frage ja gar nicht aufwerfen, schon daher nicht, weil ja bei Nicht-Existenz der fermionischen Teilchen-Natur (die auf sogenannte Fermionen mit einem gewissen Spin beruhen und die festen Teilchen wie Elektronen und Nukleonen aufbauen)die kristalline Struktur der Teilchen nicht gegeben wäre, eben diese ohne Fermionisches augenblicklich kollabieren würde -und damit gleichzeitig auch unsere sensorischen Wahrnehmungsmöglichkeiten. Dann wäre die Natur ganz im Gegensatz bosonisch (wie die Lichtquanten -also die Photonen)-und meine Hand könnte durch einen Tisch hindurchgreifen oder mein Körper könnte durch eine Wand gehen. Man sagte früher als Replik auf Berkeleys "esse est percipi", den Dingen an sich käme sehr wohl ein autonomes Sein zu, denn versuche man, gegen einen Stuhl zu laufen, verursache dies nachweislich wie unmittelbar echte Schmerzen.
Ich frage nun: Und das alles nur wegen dem nicht-bosonischen Spin der subatomaren Teilchen? Oder ist es doch ganz anders? Und wer sind wir selber eigentlich, bzw. warum sind unsere Körper?

 

*(03.06.2011)/Die fünfte Dimension
Habe bei der Lektüre eines Physik-Traktates aufgelesen, daß unser „Selbst“ in einer fünften Dimension seinen Ursprung haben könnte, daß unsere wahre Form, unsere Art dort angelegt und ausgebildet zu sein scheint. Allein die Art der Wahrnehmung über „diesseitige“ Formen scheint an unsere dreidimensionalen Sinne gebunden (die 4. Dimension ist die Zeit).So repräsentiert unsere Wahrnehmung, die - sieht man von etwaigen Zuständen jenseits des normalen Wachbewusstseins ab - nie die eigentliche Form, sondern lediglich die Form, die nur eine Ausbuchtung der Überdimensionalität darstellt, die als nicht sinnlich Perzipierbares „entformbar“, erweiterbar ist und in etwa der platonischen Idee nahe kommen könnte, (es  bleibt da  noch das Problem der Verallgemeinerung und Spezifizierung).
Die echte Ursächlichkeit unserer Art (oder wahrnehmbarer Arten überhaupt) zu erkennen, bedeutete den Ausbruch aus dem Konstrukt der Vier- in die Höherdimensionalität, unter Beeinflussung der Wahrnehmung von Zeit, diese würde dann vor Allem als subjektive „Scheindimension“ erkennbar. Die Physikerin Lisa Randall schreibt: „Jenseits des Horizontes wissen wir nichts. Dort muß der Raum nicht wie unserer aussehen. Die kopernikanische Wende wird ständig revidiert… Es könnte sein, daß nahe gelegene Branen zu einer Schwerkraft führen, die sich von der unterscheidet, die man anderswo registriert." Oder wie es Ed Witten drastischer ausdrückt: “Raum und Zeit sind dem Untergang geweiht."
Was kann dieser Gedankengang faktisch in Bezug auf räumliche Getrenntheit oder Zeitlichkeit bedeuten? Zusatzdimensionen erschließen nach meiner Vermutung Gleichzeitigkeit. All die Geister, all die fremden Besucher und Entitäten (und ebenso unsere Lebensphasen!) - auch wenn sie miteinander und zwischen den „Sphären“ kaum wechselwirken (können), sie sind alle hier und sie sind alle gleichzeitig.

 

*(08.07.2011)/Hedonismus versus Transzendenz
Typischer Einwurf aus kirchlich konservativem Milieu, abwertend: Hedonismus (gottesfern, profan und Ich-bezogen) ersetzt heute Transzendenz (christlich). Aber wo findet man  die Transzendenz („Überschreitung des Empirischen“) eigentlich in der Kirche? Wo und wie ist überhaupt Platz für sie in der christlichen Theologie? Daß der Mensch final ins Reich Gottes eingeht, ist prinzipiell von allen theistischen Religionen her bekannt. Zunächst: Nach christlichem Verständnis steht der Einzelne zu Gott in moralischer Schuld, durch Tat oder Abbitte (oder Gnade) verlässt er dann endlich seinen Zustand des Geworfenseins, somit ist Erlangung von Transzendenz hier ein Synonym für seine Sünden bzw. Weltüberwindung. Dem liegt eine linear - teleologisches Verständnis von der Entwicklung des Menschsein/in der Welt–Sein, gottesfern sein  zum „als zu Gott berufen sein“, mit Endziel“bei Gott sein“ bzw. göttlich sein, zugrunde. Dies geschieht aber nicht im Sinne von „Gott werden“, es bleibt zuletzt auch immer eine Einschränkung des Transzendenten durch eine (ewige) Hierarchisierung, auch durch Erhaltung der Individualität. Denn ganze Transzendenz wäre ja Überschreitung in totaler Ausdehnung/Nichtung (somit auch des Individuellen – zum totalen (Nicht)Sein. Und das wäre eben auch immanent für das Hier und Jetzt, also gerade auch für das Irdische, denn Zeit und Raum bilden in der transzendentalen Schau kein Eigenes,Abgeschlossenes. Anders im Christentum: Das irdische Leben selber bleibt im Christlichen prinzipiell immer (vom Eigentlichen) abgeschieden und daher letztlich auch antitranszendental (eben bis zur Erlösung).
„Hedonismus“ bedeut ursächlich (nach Epikur) „final nach Freude zu streben“, (nebenbei: demnach wäre der Eingang ins christliche Paradies die höchste Verheißung des Hedonismus!). Bei Epikur bezeichnet Ataraxia  die höchste Lust durch kluges, gerechtes und lustvolles Leben. Die Kirche hat nur den Gedanken der Gerechtigkeit beibehalten. Das Natürliche, Notwendige, Lustvolle aber  hat sie durch ihren ureigenen Irrationalismus und  den Begriff der (Gottes-) Furcht ersetzt. Dadurch hat sie den Einzelnen zutiefst kaserniert, beengt und entfremdet, wirkt also auch in dieser Hinsicht antitranszendental.
Im Gegensatz hierzu ist Hedonismus aber sowohl als Form oder Bedingung der Selbstvergewisserung als auch darüberhinaus als interpersonelle (Re)aktion interpretierbar, also als eine Bewegung aus dem horizontal- zweckgerichteten Christlichen (und dem Individuellen/Abgeschiedenen) in die vertikale (daher immanente) Durchdringung jeden Seins, des Hiesigen, des Eigenen, Individuellen (und Anti-Individuellen), dann zum Höheren/Letzen. Hierfür kann symbolisch der Austritt, die (angestrebte)Ekstase verstanden werden.
Ohne Selbstschau, Vergwisserung und (Eigen)Entfaltung, (in Freude), einem Kontroll-Gott entzogen- sich der eigenen Transzendenzautarkie vergewissernd, kann es gar nicht zu Fülle und Überfülle, schließlich Emanation oder Erkenntnis kommen.

 

*(10.08.2011)/Amor Fati?
Anstelle Nietzsches amor fati setze ich den ewigen Willen  zur Überwindung des eigenen wie des Welt-Schicksals, für die ewige Mitbestimmung des "Vor"gegebenen. Die nietzsche´sche Ewige Wiederkehr ist dabei ja prinzipiell durch Gödel widerlegt. Dafür möchte ich die Progression zum absoluten und ewigen Endzustand setzen. (Was natürlich nur innerhalb unserer illusionären Wahrnehmung gilt, denn es gibt ja tatsächlich keine Zeit noch Progression, weder ein Ende noch einen Anfang).

 

*(20.08.2011)/Immanenz der Transzendenz
...bedeutet Entschleierung durch fortschreitendes Erkennen, aber nicht lineare, zeitlich unterworfene Progression hin zum „Ziel“, sondern aktuelle/latente „vor Ort“- Transzendierung von Raum und Zeit und jeglicher Dimensionalität zur Erweiterung und Aufhebung des vermeintlichen Hier und Jetzt, "allerzeit-aund jetz direkt".

 

*(20.10.2011)/Erkenntnisraum
Habe in einem Buch eines (spiritistischen) Mediums gelesen, wie es nach Aussage Verstorbener auf der „anderen Seite“ zugehen würde: Zitat:„Die andere Seite ist natürlich nicht physisch, sie besitzt aber viele Eigenschaften, die uns physisch erscheinen können. Soweit ich gehört habe, ist alles, was wir hier haben, dort auch vorhanden, nur viel schöner, reiner und kraftvoller. Im Grunde ist es realer als das, was wir als Realität kennen, obwohl wir, wenn wir die physische Welt mit der spirituellen vergleichen, davon ausgehen, dass die physische Welt die wirkliche ist.“
Bei allen angebrachten (bekannt vorrausgesetzten) Bedenken und Erwägungen, was dieses Thema überhaupt betreffen kann, verblüfft doch, dass diese Feststellung ihrem Sinn nach ja quasi deckungsgleich mit den über (den Genuß der psychoaktiven Schlingpflanze) Ayahuasca (in anderer Zeit und anderem Kontext ) getroffenen Aussagen ist: Zitat dort: „… sondern es stellt sich laut der psychonautischen Erfahrungsberichte ganz im Gegenteil ein besonders gesteigertes Realitätsgefühl ein, das demjenigen den Schluß zuläßt, Zugang zum eigentlichen (viel realeren) (Über)raum erlangt zu haben; eine Rückkehr in die Normalität wird hingegen als ernüchternde Reduktion des "Eigentlichen" auf das Verkürzte, Profane empfunden."
Demnach könnte Ayahuasca (wie beschrieben) den Eindruck entstehen lassen, dass der Eintritt in eine Höherdimensionalität  -gleichbedeutend zum Begriff des„Jenseitigen“ gebraucht-, bereits zu Lebzeiten möglich wäre. Die andere Seite, das Jenseits, ist ja nicht viel mehr als  ein misslich gebrauchtes Synonym für das „Allseits“ und „Hierseits“, dass wir durch unsere begrenzten Sinne nur nicht zu erkennen vermögen. Letztlich bleibt dies der Beantwortung des Problems der Entschleierung, der "allgmeinen/totalen" Erkenntnis überlassen. Wie von mir in Jenseitsprägungen beschrieben: „Es eröffnet sich ein Gesamtszenario, ein ganz großer Rahmen vieler Dimensionen und Zustände, den wir von unserer jetztigen verkürzten Warte aus nur noch nicht überschauen können. Der Begriff "Jenseits" kommt so eher einem Platzhalter gleich, der uns zur Repräsentation des bis dato Abgewandten dient. Weiter kann man so die Bedeutung von "Jenseits" dieser Art umkehren, daß unser Abseits-Sein vom angenommenen Gesamtzustand bedeuten würde, daß wir in einer "Einfaltung", also einer Niesche der eigentlichen (Über)Realität leben, uns daher tatsächlich "jenseits" des Ganzen befinden.…“.
Immerhin doch ein spekulativer Ansatz für eine  Zusammenschau von Diesseits, Jenseits und Hyperraum. Auch hier nicht ohne  gnostische Grundierung. Denn Sehen und Durchdringen (durch Wissen und Erkennen) führt zur Entschleierung, zur Aufhebung der Barrieren und so zur Gesamtwahrnehmung, die obige „Ortsangaben“ überwindet und sie in einem gesamten „Erkenntnisraum“ zusammenführt.

 

*(06.10.2011)/Gequantelte Welt
In der Teilchenphysik gibt es eine Strömung, die davon ausgeht, dass auf allertiefster  subatomarer Ebene unsere Welt gequantelt ist, das heißt, auf unterschiedene „Zustands-Partikel“ zurückzuführen ist, die anders als unsere Sinne es vortäuschen, diskreten Charakter haben. Die Raumzeit lässt sich demnach nicht als Kontinuum, sondern besser als schaumartiges Gebilde darstellen. Als Analogon zur Diskontinuität  könnte man auch ähnlich die Einzelbilder eines bewegten Filmes oder die Computer-Bits (aus 0 und 1), die im Ergebnis eine sinnesanaloge Welt ergeben (in diesen Fällen allerdings zweidimensional) verstehen. Die Parameter, mit denen wir letztlich Raum und Zeit in Verbindung bringen, können dabei veränderbare Werte annehmen. So könnte man –zumindest assoziativ- von der unsrigen wahrgenommenen Welt im weiteren Sinne als einer gigantischen, komplexen Computersimulation sprechen. (Tatsächlich nämlich wird der scheinbar kontinuierliche Raum durch ein sehr feines Netzwerk von eindimensionalen Kanten ersetzt –unter der hypothetischen Planck-Lupe sähe man einen Tetraederschaum-). Das Prinzip von einem Verhältnis „Sub – Ebene“ und „Visualisierung“ ist somit prinzipiell ähnlich. Würde es eines Tages gelingen, diese Sub-Ebene ausreichend zu beschreiben und darüber hinaus (um)zu programmieren, wäre der Mensch quasi Herr der Realitäten und könnte diese nach Gusto ausgestalten oder gar neu kreieren.  Aus der hypothetischen Draufsicht könnte ein „Gott“/bzw. eine überlegene/hochentwickelte Intelligenz dieses Programm (in dem wir selbst existieren) geschrieben haben. Mit eigenem ausreichenden Wissen könnten Bedingungen für Existenz auch von uns von Grund auf programmiert werden, nicht nur die Zusammensetzung der Atome, sondern die Zusammensetzung der daruntergelagerten Wechselwirkungsteilchen (der schwachen Kraft) könnten „redesigned“ werden und in ihrem Verhalten, in dem sie Masse entstehen lassen (Kopplung an Vakuum) frei (um)bestimmt werden. Daher wäre man in der Lage, die Masse selber nach eigener Idee zu manifestieren, auch die Größe „Zeit“ –schließlich als vierte Dimension ebenfalls gequantelt - ließe sich anders darstellen. Dabei ist der Gedanke, dass wir in einer PC-Simulation leben, nicht neu. Verwandte Gedanken hat vor Jahren bereits der Physiker Frank Tipler geäußert. Was wir letztlich wahrnehmen, ist die perfekte Illusion einer nicht-diskreten, stufenlosen „Realität“, die ja tatsächlich nicht „die eigentliche Realität“ darstellt (die es schließlich sinnesunabhängig gar nicht gibt), sondern wie ein PC Programm an der Oberfläche „nur ein“ bewegtes Abbild zeigt, eine Visualisierung von tiefer gelagerten, aber diskreten Zuständen.

 

*(16.11.2011)/Metaphysischer Tellerrand
Die Dauerbefassung mit dem Motiv des Teufels in der Kunst enstspringt natürlich der Auseinandersetzung mit dem gesamten christlichen Weltbild, nach dem wir von der Wiege an sozialisiert worden sind. Man bewegt sich geistig ausschließlich in der Dualität von Gut und Böse mit einem Teufel als Widersacher Gottes. Gerade in den subkulturellen Bereichen agiert man aus Gründen der Effekthascherei, aus Wunsch nach Entgrenzung und Tabubrechung - oder aber in den allerseltesten Fällen aus echter Überzeugung- mit verschiedener teuflischer Symbolik oder Sprache. Was aber als Akt der Befreiung von Konvention oder als Opposition (zu moralischen Prämissen)gemeint ist, offenbart doch vor allem die Tiefe der eigenen Befangenheit in Form der ganz zu Eigen gemachten christozentrischen/monotheistischen Prägungen. Ist das etwa emanzipatorisch? Doch nicht Opposition, die sich im gleichen Denk/Weltmodell (des Gegners) bewegt, sondern eine Überwindung dieses dualen Verständnisses wäre als autarke Geistesbewegung zu verstehen. Der Übersprung über diesen Tellerrand auf ein monistisches Konzept könnte schon eher für das Gewünschte herhalten, da er eine wirkliche Überwindung des Dualen implizieren und ganz ohne Antagonismen, Fratzen und Dämonen auskommen könnte. Es sei denn, es wären die eigenen.

 

*(12.01.2012)/Viele Welten
Eine Konsequenz der Stringtheorie  ist die Einführung von mehreren Zusatzdimensionen und parallel existierender Universen (Welten) in unser gewohntes (vierdimensionales)Verständnis. Um diese quantitativ darzustellen, müsste man nach Berechnungen mindestens von einer Zahl mit tausend Nullen ausgehen, was einer Weltenzahl gleichkäme, die der Anzahl der Atome in unserem Universum (!) entspräche. Diese völlig unglaubliche Menge stellt man zwecks Übersicht auch ab und an in einem dreidimensionalen „Berg-und Tal“-Diagramm dar. Nach meinem Verständnis aber ist eine Veranschaulichung dieses abstoßenden (Zitat?) Bildes durch ein Landschaftsrelief eher irreführend, da ja alle Welten parallel und gleichzeitig sind, wie der zeitgleich gedachte Abgriff erklingender Töne einer (hypothetischen) einzigen Saite. Daß ja ebenfalls unser eigenes Selbst in dieser Unvorstellbarkeit der Möglichkeiten eingefaltet sein soll, ist eine irritierende Vorstellung einer mannigfaltigen gleichzeitigen Individualität und zieht automatisch die Frage nach sich, warum dann immer nur diese eine, unendlich wenige/ausgeschnittene Welt wahrgenommen wird, in der „wir sind“? Aber vielleicht gibt es adäquate Parallelwahrnehmungen in den Myriaden dieser anderen Zustände, die nicht in der Addition und Komplettierung ein Ergebnis finden, sondern im Gegenteil zu einem (überindividuellen)Seinskomplex multiplizierter, ja transpersonaler, letztlich dann antipersonaler Zustände (gleichsam einer  ewigen Aufspaltung) führen, von der unsere Nachbar/Paralellwahrnehmungen- „das aufgeblätterte Ich“ -  auch wenn diese Vorstellung dem allseitigen (End-)Wusch nach Vereinigung und Synthese zutiefst zuwiderläuft –für alle Zeit untereinander nie etwas erführen.

 

 

 

 


 


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