“Heiner Meulemann: ‘Die Säkularisierung hat in christlichen, nicht aber in muslimischen und hinduistischen/buddhistischen Gesellschaften stattgefunden”
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Aufgrund seiner Sterblichkeit unterscheide der Mensch zwischen Diesseits und Jenseits, Immanenz und Transzendenz, worin weitere Fragen enthalten sind nach Ursprung, Ziel und Sinn des Menschen bzw. der Welt. Weiter benennt er fünf ‘Weltanschauungen’ als mögliche Stellungsnahmen zu dieser Frage: Theismus, Deismus, Naturalismus, Existenzialismus und Agnostizismus. Die ersten beiden suchen nach Antworten auf die Frage im Bereich der Transzendenz und meinen damit Indikatoren für Religiosität, die nächsten beiden im Raum der Immanenz, der Agnostizismus lehnt die Möglichkeit einer Antwort überhaupt ab. Menschen die den letzten drei zustimmen, gelten als säkular.
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Der empirische Befund mache deutlich: ‘Das Verständnis transzendenter Weltanschauungen als religiöser (Sic) Einstellungen, das für viele Menschen in jüdisch-christlichen Gesellschaften so selbstverständlich ist, wird in nicht vom jüdisch-christlichen Glauben geprägten Gesellschaften nicht geteilt.’
Tatsächlich besteht z.B. eine dominante Tendenz besonders nichtdualistischer Erlösungswege in Indien und Asien darin, die Welt als einen Erfahrungs-oder Bewußtseinsraum anzusprechen und unter dem Heilsziel vor allem eine Bewußtseinsveränderung zu verstehen – weg von einem leidvollen hin zu einem leidfreien Daseinserleben auch schon im Hier und Jetzt…. Die Betonung der Erfahrung führt dazu, das ‘Göttliche’ mit dem angestrebten erlösten (Bewußtseins-) Zustand gleichzusetzen und dabei die Unterscheidung zwischen einem ‘religiösen’ Subjekt und Objekt, bzw. zwischen ‘Immanenz’ und ‘Transzendenz’ als aufgehoben zu betrachten. (Karsten Schmidt)
Wir sprechen für diese Systeme zuletzt vom Prinzip eines Monismus; dieser aber impliziert stets den Selbstvollzug des Einen. Nichts ist ihm außerhalb, auch die ontisch abgestufte Welt nicht, und das eigentliche religiöse Prinzip ist das der Teilhabe des Einzelnen in dieser Welt, der sich nun fortschreitend seinem univoken Inneren und seinem entsprechend evolvierenden Außen annähert.
Meister Eckhart sagt:
“Der ist zwei, der Gott nicht ohne Vermittelndes sieht. Sein Erkennen und sein Sein oder sein Erkennen und das Erkenntnisbild, die werden (bei ihm) niemals zu einem. Nur da sieht man Gott, wo Gott geistig gesehen wird, gänzlich bildlos (= frei von Bildvorstellungen). Da wird Eins Zwei, Zwei ist Eins, Licht und Geist, die Zwei sind eins im Umfangensein vom ewigen Licht.”
Passend lehrt die Upanishad: “Er wird Wasser [‘wogend’] einer, der der Seher, ohne Zweiheit, das ist die Brahma-Welt, König.”