Konkretionen

“Die einzig verfügbare Antwort innerhalb der Viele-Welten-Interpretation besteht darin zu sagen, daß der verschränkte Zustand des Universums vor der Aufspaltung eine kausale Struktur ist, welche die Kraft oder die Disposition enthält, durch Dekohärenz eine Aufspaltung des Universums in viele Zweige hervorzubringen. Es wird uns jedoch nichts über die raumzeitliche Beschaffenheit des verschränkten Zugangs vor der Aufspaltung gesagt: Besteht dieser Zustand aus Objekten, die in der Raumzeit verschmiert sind und die anläßlich von Dekohärenz sich so aufspalten, daß sie jeweils einen der definiten numerischen Werte ihrer dynamischen Eigenschaften in einem Zweig des Universums haben?”
(Michael Esfeld)

Ich betrachte solche Aufspaltungen als eine Differenzierung in die Möglichkeiten der Verwirklichung durch Ansicht (Beobachtung, Messung). Die Möglichkeit zur Welt-Konkretion begründet sich dabei in der gehirnlichen Verarbeitung, Dekohärenz geschähe so im perzeptiven Abgriff. Carlos Castaneda spricht in diesem Zusammenhang – nun aus schamanischer Warte – von einem Montagepunkt, der durch Abgriff aus endlosen Informationsströmen oder -strängen verstetigte Ansicht (sprich Welt) erzeugt. Die kleinste Verschiebung des Abgriffspunktes ist zugleich der Beginn einer anderen Welt. Diese Welten aber sind nur insofern verwirklicht, so es eben zum Kollaps der Wellenfunktion in einem System der Makro-Welt kommt, das zugleich beschreibend tätig wird. Dies meint die Bedingtheit jener anderen Welten primär als hypothetisch, die so in der reinen Möglichkeit verharren. Eine einzige Person lebt daher nicht gerade wahllos gleichzeitig in vielen Welten, sondern eher in ihrem Radius perzeptiver Verwirklichung, dies auch durchaus in parallelen Entitäten. Man kann auch sagen: Sie ist überhaupt (oder immer) dort Person, wo ihre ihr selbst vorangehende Perzeption affizierend wirksam ist. Dies aber wird bestimmt durch die präpositionelle Disposition, also durch geistige Intentionen aus höherer transpersonaler Sichtweise; die makroskopische Ansicht indes meint zuletzt nicht weniger als Schaffung der Realität(en) in der Begrenzung durch Intention. Realitäten können dabei endlos variant gestaltet sein und bilden so intentionale, pluralistische Felder, die ontisch ihrer Bedeutung nach Vorrang vor den sie erblickenden Entitäten haben; die verschiedenen geistigen Intentionen drängen zwar in diese, sie sind aber lediglich Relata der intentionsgebenden Macht. Hierin bilden sie bei allen Verschiedenheiten in einem Seinstrang oder auch in parallelen Existenzen in ihrem Tiefsten wiederum eine kohärente Entität.