Absolute Bedingtheit

“Ist die Raumzeit nur eine Arena, in der Felder und Teilchen als ‘physikalische’ und ‘fremde’ Entitäten herumtollen? Oder ist das vierdimensionale Kontinuum alles, was es gibt? Ist gekrümmte leere Geometrie eine Art magisches Baumaterial, aus dem alles andere in der physikalischen Welt aufgebaut ist: (1) langsame Krümmung in einer Region des Raumes beschreibt ein Gravitationsfeld; (2) eine gewellte Geometrie mit einer anderen Art von Krümmung irgendwo anders beschreibt ein elektromagnetisches Feld; (3)eine verknotete Region starker Krümmung beschreibt eine Konzentration von Ladung und Masse-Energie, die sich wie ein Teilchen bewegt? Sind Felder und Teilchen fremde Entitäten, eingebettet in einer Geometrie, oder sind sie nichts anderes als Geometrie” (J.A. Wheeler)

“Teilchen sind stark konzentrierte Energiepakete in diesen Feldern.”
“Topologische Defekte: Manche Modelle sehen Teilchen als Knoten oder Verdrehungen (Topologie) in der Geometrie des Raumes.” (Quelle: KI)

Wenn alles Körperhafte die Geometrie auch selber ist, wird deutlicher, daß – so man die Wahrnehmung als konstitutiv zur Weltenbildung erachtet – jene eben alles wie im Handstreich konstruieren bzw. manifestieren und wiederum dekonstruieren könnte. Nahtod-Erlebnisse geben gerade hierüber Aufschluß: Sie sprechen ja im Besonderen über die absolute Flüchtigkeit und Bedingtheit von Welt als (nun gemindert wahrgenommene) und im Handumdrehen aufhebbare Realität.
Die totale Potenz indes ist höherrangig, sie ist vor der Raumzeit, sie ist Präposition und verweilt in sich selbst und bedarf nur in der Art der Verwirklichung, als sie Intentionen hat, sich ineinander abzugrenzen.
Der Überschlag in eine ontische Andersheit scheint indes näher, wenn der Wahrnehmende mit einem Einzigen aus einer einheitsbildenden Geometrie konfrontiert ist, die er selber abändern kann, da etwas, was sich lokal durch Relata bestimmt zeigt, eben durch Entzug des Relationssystems in toto entwirklicht wird. Eine Änderung bedingt die Änderung des Ganzen.

Plotin spricht von einem Rückzug des Denkens aus der Vielheit seines Gedachten in eine neue Einheitsdimension von seinsspezifischer Andersheit.
Dies kann auch so beschrieben werden: Die Gesamtheit des Sichtbaren als einer Bewegung wird aufgehoben, ist aufhebbar allein durch den Geist, dies dabei aber nicht im Sinne einer Nichtung, sondern im Sinne einer Komplettierung zur präpositionellen Potenz. Die ganze Weltansicht indes (bei aller Majestät und undurchdringlichen Größe) meint eine einzige Bedingtheit, die sich ontisch mit einem einzigen Fingerzeig verwandeln läßt – und dies ist das Mysterium.