Transpositivität

“Mag nämlich die von Tine Stein diagnostizierte und postulierte Offenheit (des Staates) zur Transzendenz mit der von ihr ebenfalls bejahten Säkularität des Staates auch vereinbar sein, so dürfte dies in dem Moment doch nicht mehr der Fall sein, wo statt Offenheit – etwa unter Berufung auf die in der Verfassung zu findende Invocatio oder Nominatio Dei – Angewiesenheit postuliert wird. Die meisten Autorinnen und Autoren stehen deshalb auch einer solch weitreichenden Lesart der Böckenförde-These skeptisch gegenüber und vertrauen, sofern sie nicht ohnehin Rechtspositivist/innen sind, darauf, daß die transpositiven Voraussetzungen des Rechtstaates sich mit den Mitteln der Philosophie zumindest ebenso gut begründen lassen wie mit denen der Theologie.” (Stefan Grotefeld)

Eine Begründung transpositiver Voraussetzungen findet sich schon allein aus dem innerem Impetus des Menschen, gemäß etwa des Diktums von Immanuel Kant:
“Das moralische Gesetz: Kant meint damit kein äußeres, von Staaten oder Religionen geschriebenes Gesetz, sondern unser angeborenes, universelles Gewissen – den sogenannten Kategorischen Imperativ” (KI)
Tiefliegend und letztbestimmend hierzu sehe ich das Das Gute bei Platon an.” Für Platon ist das „Gute“ (die Idee des Guten) das allerhöchste Prinzip. Es steht an der Spitze seiner Ideenlehre und ist die Ursache für alles Sein, für Wahrheit und für die Erkennbarkeit der Welt. Wie die Sonne das Sehen ermöglicht, so ermöglicht das Gute die wahre Erkenntnis.” (KI)

Was transpositiv meint, ist eigentlich errungen durch Einsichtigkeit des entwicklungsfähigen Einzelnen im Einen aus seiner inneren Notwendigkeit. Es bedarf nicht extra eines jenseitigen Ens – in dogmatisierter und bald profanisierter Vermittlung -um eine übernatürlich grundierte Wegweisung. Vielmehr muß diese Verortung aus sich selbst vernommen und entwickelt sein. Was nämlich aus Gottesfurcht befolgt wird, das ist noch lange nicht dem eigenen Wesen inhärent, gereicht daher nicht zur transzendenten Bestimmung.
Unumgänglich ist vielmehr die Teilhabe. Das Wissen wird aus der Quelle selbst und autark erlangt und ist unvermittelt. Man kann auch sagen: Das eine Ens ist somit im Vollzug der Subjekte. Die Summe (umrissener, eingehegter) Subjekte kann ein Staatsvolk ausmachen, das aus sich moralisch ist oder zur Moral drängt. Eine Weltgemeinschaft dieser Art ist indes in utopischer Ferne und verbietet jede Erzwingung zu diesem Zweck, eben weil alles Gültige nur aus innerem Sein, aus innerer Bereitschaft vollführt werden kann.