Zum Positivismus

“Der Positivismus folgte grundsätzlich der Annahme, daß alles verlässliche Wissen auf der positiven, tatsächlichen Erfahrung mit der empirischen Wirklichkeit beruht und sich Wissenschaft deshalb allein auf empirisch zugängliches Material zu beziehen habe. Daran schloß sich die Prämisse an, daß sich alles in der Welt Beobachtbare, im natürlichen wie im sozialen Bereich, auf Gesetze zurückführen läßt. Diese Gesetze zu entschlüsseln sei oberstes Ziel der Wissenschaften. Über die Erkenntnis dieser Gesetze erhoffte man sich nicht weniger als den Weltsinn zu entschlüsseln und damit auf wissenschaftliche Weise eine orientierungslos gewordene Welt zu erretten und auf neue Ziele hin auszurichten.
Mit den Worten Pierre Laiffittes lag die Hauptaufgabe der Wissenschaft darin, eine ‘determination scientifique de la destination de la vie humaine’ vorzunehmen. Die zu entschlüsselnden Naturgesetze sollten dabei nicht auf das Wirken einer göttlichen Instanz zurückgeführt werden, wie dies etwa der Deismus tat. Vielmehr sollte die Wissenschaft selbst den Platz der Religion einnehmen. Schon bei Comte wurde der religiöse Anspruch des Positivismus fundiert. Comte prägte den Begriff der religion d’Humanite und dachte den Wissenschaftlern eine Priesterfunktion zu. Religiöse Gefühle ergäben sich fast von selbst , so die Ansicht vieler Positivisten, bei der Erkenntnis der faszinierenden, komplexen Eigengesetzlichkeit der Welt. Fast allen Protagonisten des Positivismus war jener Drang zu eigen, dem als überkommen angesehenen Christentum und den in ihren Fachgrenzen eingeengten Wissenschaften ein neues System gegenüberzustellen, das Rationalität und Emotionalität vereinigen würde.” (Thomas Schmidt-Lux)

KI: “Der Positivismus ist eine wissenschaftstheoretische Strömung, die fordert, dass alles Wissen ausschließlich auf objektiven, empirisch messbaren und sinnlich wahrnehmbaren Fakten basieren muss. Spekulationen, Metaphysik oder rein subjektive Werteurteile werden als unwissenschaftlich abgelehnt.”

KI über Comte: “Das positive Stadium (Reife): Der Mensch gibt die Suche nach absoluten Ursachen (Gott/Sinn) auf. Er beschränkt sich auf das Beobachtbare, Messbare und wissenschaftlich Beweisbare. Traditionelle Religionen sterben in diesem Stadium aus, da Gott in der Unwissenheit des Menschen wohnt.”

Würde aber der Positivist das Momentum der Spekulation und einer hinter die Diskursivität gehenden Geistigkeit als Richtungsgeber für Wissen und Fortschritt und Paradigmatik anerkennen, würde er also die Suche nach den letzten absoluten Dingen keineswegs fallen lassen – und wie kann der Mensch dies ernsthaft tun, dies wäre schließlich eine Unterlassung, die seinem Wesen selbst widerspricht- so könnte man tatsächlich von der Entwicklung eines wahren religiösen Gefühls sprechen, nämlich eines Gefühls, das dann wohl eintreten muß, wenn Anschauung hinausweist und ihre Aspirationen erschließbar werden für die Inbesitznahme der Eigentlichkeit der Seinsheit in einem durchaus wissenschaftlich durchwirkten Hier und seiner Hebung hierdurch. So ist der Blick auf die Überkommenheit religiöser Systeme zumal gerechtfertigt, die Bestimmung einer ‘Reifestufe’ der Menschheit aber obliegt eben der Bedeutung des Beobachtbaren als erwirkter Transzendenzstufe. Die ‘Faszination’ des Positivisten an der Welt ist wohl Signum einer zu solchem befähigten (von ihm selbst wohl unzureichend akzeptierten), großen Erkenntnisfähigkeit.