“Schon vor Galileos Zeiten prägte der Kardinal Cesare Baronio das Diktum, daß der Heilige Geist den Gläubigen zeigen wolle, wie man in den Himmel kommt – und nicht wie der Himmel funktioniert. Im Unterschied zu Weber allerdings werden Religion und Wissenschaft hier nicht als zwei Sphären mit unterschiedlichen Werten, sondern als ‘zwei Bereiche des Wissens’ bezeichnet. Der eine habe ‘seine Quelle in der Offenbarung, der andere aber kann von der Vernunft mit ihren eigenen Kräften entdeckt werden. Zum letzteren Bereich gehören die experimentellen Wissenschaften und die Philosophie’. Die Unterscheidung dürfe aber nicht als Gegensatz verstanden werden, denn die Methode eines jeden Bereiches erlaube es, ‘unterschiedliche Aspekte der Wirklichkeit herauszustellen’. (Johannes Paul II).”
Für die Position partieller Gemeinsamkeiten von Wissenschaft und Religion ist die von John Polkinghorne beispielhaft. Aus seiner Sicht haben Naturwissenschaft und Theologie zwar unterschiedliche Gegenstandsbereiche, ähneln sich jedoch im Ziel ihrer Arbeit: dem Verstehen und Ergründen der Position des Menschen in der Welt. Ihr Verhältnis sei somit weder als Konflikt, noch als Nebeneinander, sondern vielmehr als ‘Konsonanz’ zu begreifen. So ergibt sich aus seiner Sicht eine notwendige Zusammenarbeit auf Gebieten wie der Quantenphysik, um deren Erkenntnisse angemessen interpretieren zu können. Grundsätzlich bestehe ‘ a considerable degree of cousinly relationship between the two disciplines as each pursues its search for truth by means of the quest for motivated belief arising from two very different domains of experience’.” (Thomas Schmidt-Lux)
Der ‘Himmel’, kein Platz der Geographie, in den man kommt oder aufgenommen wird: Vielmehr sprechen wir von einer Verheißung der Werdung zur Ganzheit durch Enthüllung des Seins seiner Reduktionen – so wird ein ferner Himmel Synonym für Totalität, die ja auch das Hiesige innehat; und dorthin meint Totalität des Seins ein absolutes Gewahrwerden, ist absolute Werdung in der einen, ungeteilten Wahrheit, die unmittelbar ist, die hier und intrinsisch ist, die dennoch verborgen liegt, denn ummantelt von (veräußernden, weltbildenden) Zusätzen. Spricht man nun das Wort einer Entrückung, dann meint dies vielmehr eine Entrückung in das ursächlichste Sein des Selbst, nämlich als Aspekt und dann Synonym für ein Alles-Sein im und aus dem Eigen-Sein – und dies ist Ent-Weltlichung.
Die Wissenschaft leistet hier die Möglichkeit, durch Erkenntnis und Durchdringung – dabei nicht allein deskriptiv, sondern durch Anwendung zur Lebenspraxis, dann zur Erhebung des eigenen Ens (in vielen Entitäten, nun resultierend als globale Hebung ), zu verbesserter Befähigung und Wahrnehmung zu gelangen. Zuletzt handelt es sich um die Erwirkung einer anderen Ausgriffsmöglichkeit, ja Seins-Anatomie, denn diese ist Voraussetzung zur Aktion, und je potenter diese ausfällt, desto mehr Wahrnehmung ist auch zum (hohen) Sein. Je näher dieses Sein indes seiner Endbestimmung kommt, desto verbundener, moralischer, klarer und enthusiastischer wird es, denn dies sind Attributierungen passend zu Wesen und Energetik der höchsten Transzendenzsstufe.
Wissenschaft erklärt insofern ‘den Himmel’, als sie Bedingungen der Einsicht (des Sehens!) und des Ausgreifens schafft, welche ein feinstoffliches Sein evozieren, das zuletzt synonymisch ist für eine schriftreligiöse Erlösung.
Totales Wissen ist Signum der Endbestimmung. Die Wissenschaft als Betätigung zur (Wieder-)Findung bahnt durch Ermöglichung Wege zu transzendenten Bestimmungen.