“… sind in den letzten Jahrzehnten unterschiedliche Theorien formuliert worden, die sich unter der Überschrift der Säkularisierungsthese zusammenfassen lassen. Diese These behauptet, daß Prozesse der Modernisierung unweigerlich zu einem Verlust der gesellschaftlich integrierenden Kraft von Religionen, der Robustheit religiöser Überzeugungen einzelner Gruppen und Individuen sowie der generellen Bedeutung von Religionen führen. Peter L. Berger sieht die Gefahr hauptsächlich in der kulturellen und religiösen Pluralisierung moderner Gesellschaften. Dort wo unterschiedliche letztbegründende Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gegeben werden, werden die einzelnen Anschauungen durch die jeweils anderen relativiert und können daher ihren Allgemeingültigkeitsanspruch nicht aufrecht erhalten. Dies, so Steve Bruce, führe dazu, daß die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen in modernen Gesellschaften gleich behandelt werden müssen, was zur Säkularisierung öffentlicher Einrichtungen führt, was sich wiederum auf das Alltagsleben auswirkt. Karel Dobbelaere schließlich sieht zusätzlich einen Prozeß der Säkularisierung innerhalb der Kirchen selbst. Diese reagieren auf Modernisierungsprozesse durch eine interne Rationalisierung und treiben den Prozess der Säkularisierung somit selber weiter voran.” (Julien Winandy)
Die Säkularisierung öffentlicher Einrichtungen halte ich für folgerichtig und notwendig. Solange aber lebensweltlich hinter der säkularen Institution Menschen stehen, die ihr Handeln nach spezifischen religiösen Prägungen ausrichten, bleibt das öffentliche Handeln nur zum Schein säkular, bleibt die Zeichenlosigkeit eher nur ‘Symbol’. Religiöse Systeme indes, die sich in ihrer Selbstdefinition eher als Erklärungsversuch auf einem evolutorischen Erkenntnisweg betrachten und somit zukunftsweisende Berechtigungen aufwiesen, finden kaum Eingang in die westliche öffentliche Zeichensprache. Hergebrachte Schriftreligionen bleiben von dieser Denkart ganz ausgeschlossen.
Daß die Kirchen selbst eine säkularisierende Kraft sind, wundert indes nicht: Sie haben das Sakrale aus der Welt in eine ontologische und geographische Entrückung und zur exklusiven Administration abgezogen. Insofern bedarf es nur der Nicht-Thematisierung dieser transzendenten Ferne – und wer spricht schon innerhalb der Kirche von Gott selbst oder ontologischen Fragen- um nun ‘nur Welt’ übrigzulassen, und die ist nun (einzige) manifeste nackte Wirklichkeit, dann unverbunden und profan.
Die Beanspruchung einer Allgemeingültigkeit indes wird dann erst gegeben sein – und sie ist auch notwendig – wenn die religiöse metaphysische Konzeption für die Allgemeinheit gilt, also Kriterien aufweist, die für jedes Ens gleichermaßen anlegbar sind und gemäß ihres ähnlichen Standes als Kriterium zum Aufstieg dienen können.