“Für einen behutsamen Religious Turn der Philosophie in einem modernitätskritischen Kontext plädiert auch Habermas. Er hält es für möglich, daß dort, wo Fortschritte der sozio-kulturellen Rationalisierung abgründige Zerstörungen angerichtet haben, religiöse Überlieferungen ‘immer noch verschlüsselte semantische Potentiale enthalten, die, wenn sie nur in begründende Rede verwandelt und ihres profanen Wahrheitsgehaltes entbunden würden, eine inspirierende Kraft entfalten’ “. (Hans-Joachim Höhn)
Erstaunlich hier, daß man ganz von einem traditionellen Verständnis der Religionen und ihrer Inhalte auszugehen gewillt scheint, um in den hergebrachten Überlieferungen noch immer nach Verwendbarem zu suchen, offenbar ohne die Frage aufzuwerfen, wie Religion in ihrer Genese und Genetik – als ein Charisma vor aller Tradierung und Kanonisierung -überhaupt gemeint sein könnte, warum sie überhaupt etwas transportiert habe, was übergeschichtliche und universale Gültigkeit besäße und so, ob man abzüglich ihrer immensen Fehlerrate einen wahren spirituell relevanten Sachverhalt – ein wahrlich religiös zu nennendes Wesen – ausmachen könnte, was dann von heutigem Bestand und Nutzen sei. Die Verkürzung auf Fragen der Moral indes zielt nicht auf diesen Kern -aber sie ist es, die Habermas überhaupt – nun in Übersetzungen etwa in Sprachbilder für staatliche Verfasstheiten – behandelt, ontologische Fragen und ihre Implikationen scheinen völlig unberührt. Auf ganz utilitaristische Art erhält Religion Anerkennung vielmehr nur als “wertvolle Quelle für moralische Intuitionen in der Moderne”. (KI) Diese Haltung, so wenig vitalistisch wie charismatisch, und daher nicht mehr religiös, sondern vielmehr eine nachmetaphysisch-ethische Betrachtung tradierter religiöser Rudimente stellt lediglich die Frage nach gesellschaftspolitischer Verwertbarkeit, läßt transzendente Belange unbehandelt und ist somit interesselos in Hinsicht auf den Geist als solchen und seine (Entwicklungs-) Implikationen.
In tradierter Religion wie im Postmetaphysischen wirkt indes ein viel älter beschriebenes Prinzip des inneren Antriebes zur Verbesserung, zur Letztbestimmung, nämlich zur Rückemanation, diese gemäß dem Prinzip des Einen, wie schon bei Platon: “Das Eine (gr. to hen) ist in der Philosophie Platons, insbesondere im Parmenides, das absolut transzendente, unsagbare Prinzip über der Ideenwelt und dem Sein. Es stellt die höchste Wirklichkeit dar, die jenseits des verstandesmäßigen Begreifens liegt. Diese Einheit ist das Prinzip der Erkennbarkeit und das Gute, aus dem alles andere hervorgeht”
Der Weg der Erkenntnis meint Aneignung von Wissen zur Bewußtheit über die eigene Bestimmung.
Energetische Verbesserung zur ontischen Hebung schafft gesteigerte Realität, die den erwachsenden Geist repräsentiert. Dieses Dasein ist zudem ein absolut ethisches. Solche Definition der Religion spricht vom Rückbezug auf die Bestimmung zum Aufstieg und bedarf keiner Konnotation durch die Schriftreligionen.