“Anders als Hegel, aber auch Troeltsch verstand Löwith das Christentum denn auch als eine Religion, die nicht von dieser Welt ist und auch von ihr hinwegführen möchte. Sie in der Welt verwirklichen zu wollen, verkehre sie gänzlich.” Jörg Dierken
Ein säkularisiertes Christentum als weltlich-ethisch befasste Identität kann in der Tat nicht als ein ‘Christentum mit anderen Mitteln’ gedacht werden. Der zentrale Bezugspunkt der Lehre ist ihre Eschatologie, ihr großer transzendenter Endzweck eben als Ziel und Grund allen Daseins. Eine im Säkularen abgebildete Religiosität durch Ethik, eine Moralisierung der Welt indes gereicht nie zur Transzendenz. Diese geschähe – nun ‘häretisch’ gedacht – nur aus Überwindung und Beendung der Welt aus dem Individuum heraus durch (energetische, geistige) Hebungen. Das ethische Prinzip – als einzige weltlich-mögliche Referenz zu einer messianischen Proklamation und Seinsart – bietet indes nicht Erlösung, sondern erscheint vielmehr als notwendiges Seitenprodukt von Ansichten über ein großes oder letztes transzendentes Prinzip in den Händen eines Gott-Ens. Die Delegation aller Hebungen an einen Erlöser von Außen beläßt dabei Welt, Sein und Selbst im fortschrittslosen Status Quo.
Dabei aber weist die christliche Lehre -in Erwartung der nahenden Endzeit – durchaus einen weltabgewandten Charakter aus – Jesus spricht bekanntlich, sein Reich sei nicht von dieser Welt – daher auch der Verzicht des Erlösers auf die Insignien weltlicher oder sakraler Macht. Daher auch die Standhaftigkeit in Leiden und Tod. All dies soll keine Bedeutung haben, das eigentliche Leben ist das ewige Leben. Die Welt indes ist ein zu überwindendes Jammertal. Und nicht zu unrecht wurde auf den ‘griechischen Charakter’ dieser Einstellung verwiesen:
“Die Entwicklung des christlichen Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele und an einen kosmologisch allmächtigen, epistemologisch allwissenden und ethisch allguten Gott kann oder sollte durchaus als eine Art Nebenprodukt der großen Idee der Pythagoreer, Eleaten, Platons und dann auch des Aristoteles angesehen werden, ein möglichst verlässliches, in Bezug auf die beschränkte Zeit- und Ortsperspektive der einzelnen Personen invariantes Wissen anzustreben.” (Pirmin Stekeler-Weithofer)/Disziplinen der Phlosophie)