Absetzungen

“Weiterhin externalisiere sich das Subjekt permanent selbst, etwa durch Sprache, Interaktionen, Schrift oder der Herstellung von Artefakten. Die Summe dieser Externalisierungen von vielen Menschen bildet das Grundgerüst für die Entwicklung einer Gesellschaft. Die Gesellschaft repräsentiert die Externalisierungen als objektive Wirklichkeit. Gesellschaft ist somit die Objektivierung von individuellen Externalisierungen (subjektiven Sinns) und erscheint daher als vom Individuum losgelöste Entität.

Die Gesellschaft erzeugt sich bzw. ihre Wirklichkeit einerseits permanent selbst, andererseits überdauern Objektivierungen oftmals mehrere Generationen und verfestigen sich in sozialen und kulturellen Traditionen, Weltanschauungen, Institutionen und Verhaltensweisen. Das Individuum internalisiert die Verhaltensweisen und orientiert sich kognitiv und normativ an den Traditionen. Individuum und Gesellschaft stehen also in einem dialektischen Zusammenhang, und solange die gesellschaftliche Wirklichkeit eine verbindliche und reale Größe in der Sinndeutung des Individuums gewährleistet, garantiert diese Dialektik den Bestand sozialer Ordnung.” (Sebastian Schüler)

Warum nun die institutionelle Religion nicht hierunter fällt: Sie ist nicht Externalisierung der Vielen, ‘die Gesellschaft’ bringt sie nicht hervor, schon gar nicht eine solche der gleichberechtigten Entitäten, sondern sie ist ‘Stiftung’ aus undurchdringlicher Zeit aus ebensolcher undurchdringlicher und willkürlicher Setzung- man denke hier alleine an den Vorgang der Kanonisierung und Dogmatisierung. (Goethe nannte die Kirchengeschichte einen “Mischmasch aus Irrtum und Gewalt”.) Weitere Herausbildungen bedürfen somit zwar langwierigen und verstrickten geschichtlichen – und unbedingt menschengemachten – Prozessen, aber hierbei tritt immer eine ‘elitäre’, hindernde Macht als die federführende Kraft in Erscheinung, dies in Absetzung von den Vielen und unter Verhinderung aller Teilhabe. ‘Religion’ ist Ergebnis der ‘repressiven Gesellschaft’ der Wenigen, die durch die Geschichte stets die institutionelle Oberhand behalten oder ausreichend an ihr partizipieren.