Weg aus dem Instinkt

Walter Russell: “Siehe in Mir den ruhenden Angelpunkt Meines sich wandelnden Universums. In Mir ist weder Gut noch Böse, weder Angst noch Wut, Sympathie oder Trauer, Sünde oder Tugend. In mir ist nur die Ekstase der Liebe – Angelpunkt allen Denkens und aller Gefühle. Nichts sonst existiert.”

Man kann auch sagen: Im Hegel‘schen Sinne ist sie, die Welt, ein Aufzug aus dem Einen in Diversifikation, um von dort aus wiederum zu sich zu kommen.
H.J. Sandkühler: “Hegel gründet sein Geschichtsbild auf eine philosophische Theorie der Entwicklung. In der Geschichte verwirklicht sich der Geist, indem er den Widerstand von Formen seines eigenen Selbst überwindet: Die Geschichte ist voll von Konflikten, und das nicht nur, weil der ‘logische’ Prozess, die Selbstexplikation des Geistes durch Willkür und Kontingenz gestört wird, sondern weil die Geschichte ein Drama ist, in dem verschiedene Aspekte eines einzigen Prinzips miteinander in Widerspruch treten und immer komplexere Formen annehmen. Geschichte ist der Prozess des Geistes, der Selbst-Wissen erlangt und deshalb frei ist. Die Weltgeschichte ist die Auslegung des Geistes in der Zeit. … Geschichte besteht als Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit in der Verwirklichung der substanziellen Vernunft.”
Mit Bezug auf die Worte Russells soll aber damit nicht gemeint sein, daß etwa Böses qualitativ und lebensweltlich gar nicht existent ist – vielmehr meint es so eine Qualität, die einst überwunden wird: Da die höchste Entität keine Dualität hat, sind auch alle Negativismen nichts als ein Ferment der Findung und Überwindung. Es ist zudem die animalis, die sich nicht mehr genügt, da ihrem wilden Urprinzip der Disruption der verbindende Gedanke der Empathie gegenübersteht – evolutorisch gegenüber getreten ist – und sie vor allem nun nicht mehr anderes Leben rauben muß, um sich selbst im Sein zu halten. Anders als das Negative meint nun die Qualität der Gutheit wesenhaft die Endbestimmung des außerhalb einer Dialektik stehenden Absoluten (Plato). Das Gute ist außer-dialektisch ewig – somit über jeder Qualität , das Böse ist Ferment der Findung und ohne ewige und wahre Realität, aber lebensweltlich notwendig, ja durchaus auch konstitutiv. Damit wird in einem noch utopisch weiteren Schritt auch erkannt werden, daß die Notwendigkeit zu überleben nicht mehr in der Erhaltung des vorfindlichen Daseins besteht, sondern vielmehr in der Überwindung der Minderung der eigenen Seinsheit, die wir als bekanntes Leben und Dasein tituliert haben.
Der Weg zum Geist, zum Guten, ist der Weg aus dem Instinkt und animalischem Gesetz zur neuen Natur seines Selbst. Diese hohe Natur aber ist selbstredend die ursächlichste, die allererste.