Walther Russell: “Schöpfung ist die vorgestellte Wirkung einer wirklichen Ursache. Die Ursache ist der Wunsch Gottes, Seine ausgewogene, ungeformte, unwandelbare Idee auszudrücken, indem Er Seine Idee in viele Teile unterteilt, ihr viele vorgestellte Formen gibt und diese Formen in Bewegung setzt, um die Idee in Abfolgen sich verändernder Ereignisse zum Ausdruck zu bringen. Bewegung und Wirkung sind nur scheinbar. Sie haben keine Realität.”
Dies aber ist zu theistisch gesprochen, zu sehr von einem Gott als einem tätiges Ens her gedacht. Aus dem Einheitsgedanken folgt ja, daß alles, was ich aus dem Ich wahrnehme, Gewordenes und ‘Gewordenes in tätiger Werdung‘ zugleich meint, und daß dies unabdingbar mit meiner Wahrnehmungs- und Denkfähigkeit verbunden ist. Diese ist aus der menschlichen Warte indes schwach und zudem zutiefst gefärbt durch tausenderlei Prägung und Kondition und Kausalität.
Nun, das Formgeben im Aufstieg, das meint diese Werdung ‘nach oben’ in Abscheidung. Und alle Werdung zusammen, das führt zur All-Dichte eines ganzen gesamten Seins des Einzigen und dann zur Übersteigung der Form als bzw. in weltlicher Minderung. Die Dynamik, die sie akkumuliert zu ihrem höchsten Wert, und dies aus den Entitäten der Betrachtung heraus, meint den prozessualen Charakter des Einzigen aus seinem eigenen Entferntsein zurück zu sich selbst.
Im strengen Monismus läßt sich so kein gesondertes tätiges Ens als Schöpfer manifestieren, und das uns Seiende ist nur als ontische Stufung der Einzigheit (eines Über-Seins) zu lesen, in der wir in der Tiefe selber einig mit dem Einzigen sind – nur die ontische Stufung, die sich aus dem Verständnis ihrer Minderung selbst betrachtet, kann überhaupt ein Ens als gesonderten Schöpfer denken, indem es seinen Anteil am Einzigsein ein stückweit verloren oder aufgegeben hat. Volkmann -Schluck sagt über den Neuplatonismus: “Die Vielheit ist die Weise, wie das unterscheidende Denken das ursprünglich Eine und Ganze, das unteilbar Innerliche, begegnen läßt.”
Die Vielheit handelt dabei mit einer wesenhaften Minderung des Einen, das sich quasi selber in sich selbst verstellt; die Verstellung indes besteht aus der (Selbst-) Betrachtung aus der zersplitterten und zersplitternden End-Entität endloser (geminderter)Positionen und Perzeptionen. Die Macht der Schöpfung ist im ungezählten Auge der Betrachtungen, in dieser ist sie zugleich illusionär. Der Impetus hierzu aber ist in uns als Teilaspekt des Alles. Diese Schöpfung ist Schwächung soweit, bis die integrative Akkumulation der Schwächungen umschlägt in ihre Überwindung zum hohen Ganzen – die Potenz der Dynamik hierzu ist in allem vorhanden.