Walther Russell:”Wir denken, daß Gedanken, Klänge und andere Geschehnisse, von denen wir Kenntnis erhalten, bei anderen Objekten und in anderen Orten außerhalb unserer selbst stattfinden. Diese angenommene Objektivität gilt in der Natur nicht. Alles, was irgendwo geschieht, geschieht überall.
Es gibt im gesamten Universum nicht zwei Punkte, zwei Positionen oder zwei Objekte. Daher ist alles, was Sie für ein Geschehen außerhalb Ihrer selbst halten, in Wirklichkeit ein Echo in Ihnen.
Es gibt keinen anderen Ort im Universum als den Platz, den Sie universal besetzen. Genauso gibt es kein Wissen und keinen Gedanken im Universum, der nicht in Ihrem Lichte allgegenwärtig ist. Die Widerspiegelung eines Lichtes im Spiegel hat ihre Wirklichkeit im Spiegel. Alle Schöpfung ist ein Spiegel, der sich selbst universal an sich selbst reflektiert.”
Fichtes Solipsismus:
“…und alles, was du außer dir erblickst, bist immer du selbst. Man hat dieses Bewußtsein sehr passend Anschauung genannt. In allem Bewußtsein schaue ich mich selbst an; denn ich bin Ich: Für das Subjektive, Das Bewusstseiende, ist es Anschauung. Und das Objektive, das Angeschaute und Bewusste, bin abermals ich selbst, dasselbe Ich, welches auch das anschauende ist – nur eben objektiv, vorschwebend dem Subjektiven.”
Was mein Geschehen ist, das geschieht überall, weil es mein Wesen expliziert. Ich bin ganz das alles. Aber ich kann auch über die ‘Reflektion reflektieren’, und es gibt die Möglichkeit der Sezession vom Erblickten durch eigene Veränderung, denn das Erblickte, das profane daran, das ja demnach eben so meinem eigenen Sein entspringt, möchte ich verändern und emporheben. Steige ich im Sein und in der Anschauung, steigt die ganze Welt -die immer meine ist. Dies gerade besagt das Telos des Amphibiencharakters der Seele im Neuplatonismus: Richte deinen Blick aufwärts, verbinde dich stets mit deiner hohen Herkunft. Überwinde die Welt als Anschauung der geminderten Seinsart, die zur Materie und Verfestigung in das Niedere hineingezogen ist. Werde dein hohes Selbst als Geist in Absonderung.
Die Brechung im Spiegel geschieht in ungezählten Spiegeln und Spiegelungen zugleich. Doch diese Totalität ist illusionär -oder aber auch: diese Illusion ist total, denn dahinter residiert das Sein selber, das ich doch – beginnend bei meiner Entferntheit und Kleinheit – finden und erschließen kann, wenn ich eben hinter den Spiegel schaue. Dies meint den Ausgang aus der gewohnten Betrachtung, den Ausgang aus der Konvention, den Ausgang aus der Dialektik in die Betrachtung der Vertikale.
Fichte: “Alle Realität verwandelt sich in einen wunderbaren Traum ohne ein Leben, von welchem geträumt wird, und ohne einen Geist, dem da träumt; in einem Traum, der in einem Traume von sich selbst zusammenhängt. Das Anschauen ist der Traum; das Denken – die Quelle allen Seins, und aller Realität, die ich mir einbilde, meines Seins, meiner Kraft, meiner Zwecke – ist der Traum von jenem Traume.”