Stetes Fortschreiten

Walther Russell: “Es ist nicht beabsichtigt, daß irgendjemand dort bleibt, wo er ist, wenn er mit seiner Laufbahn beginnt. Wir sollten immer weiter voranschreiten, bis zu den letzten Tagen unseres Lebens, aber wir können nur weiterkommen, indem wir immer eine bedeutendere Persönlichkeit werden, mit mehr Verständnis, mehr Gewahrsein des Lichtes, mehr Kraft, unsere Werke zu erschaffen, indem wir größer sind als das, was wir hervorbringen.
Das Geheimnis des Erfolges liegt darin, uns selbst weiterzuentwickeln. Denken Sie nie an das Produkt und nie an die Technik. Die kommen hinzu, wenn wir alle unsere Energien daran setzen, uns weiterzuentwickeln. Jeder von uns muß lernen, der Angelpunkt seiner eigenen Kraft zu sein, indem wir des Lichtes, das während der langen Reise von Sinneswahrnehmung zu Bewußtsein und von Mittelmaß zu Meisterschaft allmählich zu uns kommt, mehr gewahr werden. Der einzige mögliche Weg, Macht zu erlangen ist, sie in unserem eigenen Selbst zu erkennen.
Das Königreich Gottes liegt in jedem Menschen. Suchen Sie es immer. Lassen Sie diese Suche Ihren einzigen Lebenszweck sein. Wenn Sie es finden, werden Ihnen alle Dinge gegeben werden.”

Don Juan Matus bei Castaneda: “Denk an den Mann, der Jahr für Jahr Korn säht, bis er zu alt und zu schwach ist, um aufzustehen, und dann herumliegt wie ein alter Hund. Seine Gedanken und Gefühle, das beste in ihm, kreisen ziellos um das einzige, was er immer getan hat, das Kornsäen. Für mich ist das die furchtbarste Verschwendung, die es gibt. Wir sind Menschen, und es ist unser Schicksal, zu lernen und uns in die unvorstellbaren neuen Welten schleudern zu lassen.’

Für die Kunst und ihr Produkt gilt auch das Wort vom Fortschreiten: Sie soll ganz intentionslos sein in Hinsicht auf das Resultat. Die Intention besteht nur ausgerichtet auf das Primat der Findung, und die Intention besteht darin, das Produkt als Überfluß der Seelenkraft gleichsam einer Notwendigkeit zu gebären.
Daher auch ist es nicht möglich, aus dem bereits selbst Errungenen Tiefes und Innovatives zu multiplizieren. Das Erringen muß als Findung immer wieder neu geschehen- durch Aufbruch und Wagnis, ohne Vorlage oder Stütze als Neuheit erbracht werden, zwar durchaus auf der Basis des Zurückgelegten, aber als ein neuer Kraftakt von dort, als Resultat eines hoch-aktiven Prozesses des weiteren Fortkommens auf dem Weg.
Angelus Silesius sagt:
“Freund, so du etwas bist, so bleib doch ja nicht stehn,
Man muss aus einem Licht fort in das andre gehen.”

Wir müssen lebenslänglich steigen, wir sind ‘verurteilt’, nicht zu verharren. Wir können zwar konsolidieren in die Tiefe, aber dies entbindet nicht von unserer ureigenen Zweckausrichtung zur Entwicklung: das Errungene ist in besonderem Maße die Position für Neues, sonst wird das Erreichte starr, im negativen Sinne konservativ und schal. Nicht Dogma, Gewohnheit, Symbol, Ritus und Kanon heben uns, sondern der Prozeß der stetigen Progression von einer zur nächsten Stufe. Erstgenannte künden von Vergangenem und Kontinuität, aber von dort sollen wir weitersteigen ‘von Licht zu Licht’, um unter totaler Integration des Gewesenen das Neue, das Nächste hervorbringen.