Walther Russell: “Wir bringen etwas hervor, aber dieses Produkt einer Idee ist nicht die Idee selbst. Es ist nur die körperliche Form der Idee. Die Idee bleibt im ungeformten Licht Gottes, im inspirierten Geist des kreativ Denkenden, der Gott manifestiert. Der Mensch erschafft nichts als Form und Bewegung, um die Idee nachzuahmen, die nie den Geist verläßt und nie vom Geist getrennt ist. Die Idee ist kosmisch. Sie kann nicht materiell werden, aber sie kann materielle Form annehmen, welche für die kosmische Idee steht. Eine Uhr manifestiert die Idee der Zeit, aber sie ist nicht die Zeit. Sie ist ein Produkt, das für jene Idee steht, aber sie ist nicht die Idee. Sie manifestiert auch mechanische Prinzipien, aber die mechanischen Prinzipien befinden sich nicht dort.”
C.G.Jung sagt passend, daß die Idee “nur ein Bild ist, das wir unserer Seele zuliebe hinmalen, und nicht ein Zaubername, mit dem wir objektive Dinge setzen. Wir haben Weltanschauung nicht für die Welt, sondern für uns. Wenn wir nämlich kein Bild von der Welt als Ganzem erschaffen, so sehen wir uns auch nicht, die wir doch getreue Abbilder eben dieser Welt sind. Und nur im Spiegel unseres Weltbildes können wir uns völlig sehen. Nur in dem Bilde, das wir erschaffen, erscheinen wir. Nur in unserer schöpferischen Tat treten wir völlig ins Licht und werden uns selber als Ganzes erkennbar. “
Ontisch Höherrangiges als Denkgehalt wird verwirklicht im Nous, die Verwirklichung im Materiellen meint indes seine Schmälerung. Die feinstoffliche Verwirklichung richtet ihren Blick dabei in die Zusammenkunft zum Einen. Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus: “Wenn Plotin das ‘Streben’, das nach Theophrast eine Weise des Lebendigseins: wollendes Sichhinstrecken nach etwas ist, als Bewegungsform des Nous erweist, so unternimmt er den Versuch, ein neues, vertieftes Verständnis des Geistes zu gewinnen. Er will die eigentümliche Form der Bewegtheit des Geistes begreifen, nämlich das Sich in Bewegung setzen auf das Gute hin, d.h. aber: das Zu-sich-selbst-kommen-wollen. Das Denken des Nous ist in der Tat das ‘Sich selbst finden seiner selbst’. Immer schon aus sich heraus sucht er das, woraus er ist, und darauf gerichtet, kommt er in der Selbstanschauung zu sich selbst, in der er sich als Seiendes vernimmt. Nicht der universale Bewegungszusammenhang der Physis ist das eigentliche Seinsgeschehen, sondern die Bewegt- heit des vom Verlangen nach seinem Selbst getriebenen, auf das ‘Gute’ gerichteten Geistes” Plotin sagt: “Und das ist Denken: Bewegung zum Guten, nach dem es trachtet.”
“Darauf gerichtet (was er ist) , kommt er -der Geist – in der Selbstanschauung zu sich selbst, in der er sich als Seiendes vernimmt.” Warum dann ist das Seiende nach Russell und Jung nicht die Idee selbst? Weil das Seiende ein Sich-Schauen durch die Distraktion der vielen endlosen Perzeptionen ist, und dieses ist als Wahrnehmung physikalischer Art verdinglichend. Die Verdinglichung ist Wirkung und Verwirklichung der ontologisch niederrangigen Seinsstufe gehemmter Geistigkeit, daher gebiert sie – ein variantes – Abbild der Idee. Die uns anschauliche Verwirklichung der Idee bleibt daher subjektiv oder intersubjektiv bemessen, während die Idee in ihrer absoluten Größe aber unberührt ist und von der Hiesigkeit aus betrachtet so im Sinne des Wortes Ideal (ideal) bleibt.