Walther Russell: “Wenn ein kosmisch inspirierter Komponist eine Sinfonie ersinnt, erschafft er ein Produkt, das aus Wissen geboren ist, und denkt es in Form. Sein Produkt ist kosmisch, denn es kommt von der All-Seele. Aber wenn ein Komponist viele Einheiten aus den Schöpfungen anderer Musiker zusammenfügt, über die er durch seine Sinne Informationen erhalten hat, kombiniert er nur Informationen zu einer neuen Form. Sein Produkt ist materiell, denn es kommt aus dem Körper. Ihm fehlt die Tiefe einer kosmischen Schöpfung. Das darin enthaltene Genie ist nicht sein eigenes.”
So auch der Künstler, der sich selbst oder andere reproduziert. Denn nur im echten Prozeß, der sich alleine ins Unbekannte orientiert, bahnt sich Ingenium, manifestiert sich Ingenium als Signum wahrer feinstofflicher Ursächlichkeit. Es muß sich ganz um einen originären Vorgang des Abringens aus dem Unbekannten handeln.
Walther Russell: “Eine andere große Illusion ist, Wissen sei in Büchern niedergeschrieben und wir könnten Wissen aus Büchern erwerben. Wissen kann weder in Büchern niedergeschrieben, noch von Lehrern gelehrt werden. Selbst die Lehren der größten Mystiker, Philosophen und Genies der Welt sind nur Informationen – elektrisch wahrgenommen von jenen, die sie lesen oder hören, bis das Bewußtsein des Geistes sie als Wissen erkennt.”
Ich möchte präzisieren: Wissen kann in Büchern aufgeschrieben werden, doch je abstrakter dies Wissen wird, desto weniger der Nachvollzug. Prinzipiell erfolgt der Erkenntnisprozeß nicht durch Lesen, sondern durch Integration des Gelesenen in den eigenen Korpus und so in den Umschwung zur Einsicht. Ist diese gewonnen, bedarf es eigentlich keiner Schrift mehr, es sei denn zum Zwecke der positiven Seelenresonanz.