Walter Russell: “Schöpfung ist die vorgestellte Wirkung einer wirklichen Ursache. Die Ursache ist der Wunsch Gottes, Seine ausgewogene, ungeformte, unwandelbare Idee auszudrücken, indem Er Seine Idee in viele Teile unterteilt, ihr viele vorgestellte Formen gibt und diese Formen in Bewegung setzt, um die Idee in Abfolgen sich verändernder Ereignisse zum Ausdruck zu bringen. Bewegung und Wirkung sind nur scheinbar. Sie haben keine Realität.
Gottes Haltung zu Seiner Schöpfung, einem Universum von Ursache und Wirkung, ist wie die Haltung eines Menschen gegenüber seinen eigenen Schöpfungen. Der Dramaturg empfängt eine Idee für ein Stück. Es muß auf Ursache und Wirkung beruhen, vom Universalen Gesetz der Liebe beherrscht werden, denn es gibts nichts in der Schöpfung, was nicht darauf basiert. Er unterteilt sein Konzept in dessen viele Teile und entfaltet eine Geschichte, die immer Transaktionen zwischen Paaren in entgegengesetzten Zuständen abbildet, welche die Funktionsweise des Universalen Gesetzes manifestieren. Er liebt sein Konzept, seine Vorstellungen und alle Wirkungen, die er erschafft, inklusive der ausgewogenen und unausgewogenen Beziehungen zwischen den Charakteren, die das Gesetz zum Ausdruck bringen.”
Zur Kritik:
Arthur Schopenhauer aber sagt: “Wenn ein Gott diese Welt gemacht hat, so möchte ich nicht der Gott sein: ihr Jammer würde mir das Herz zerreißen.”
Im Einheitsgedanken findet sich indes keine Möglichkeit der angesprochenen äquivalenten Distanz. Russels Vergleich mit dem Dramaturg muß hinken, denn Gott ist kein personales oder getrenntes Agens, das schöpft und Verhältnisse zu sich aufbaut und so erst sich selbst und Schöpfungen außerhalb sich selbst als Objekte entstehen läßt. Gott ist monistisch besehen vielmehr immer das Alles und schaut sich also selber durch alle (illusionäre) Entität. Es ist somit kein Ens, das schaut und plant in Distanz zu irgendeinem Ding außer ihm. Vielmehr schaut es immer sich selbst und nur durch sich selbst. Da das Objekt der Wahrnehmung es ist (oder: da es in ihm und aus ihm ist) und das Objekt – dem Wesen der Welt gemäß – unbestritten millionenfach und endlos leidet (nehmen wir nur als ultima ratio des Lebens den Tod), leidet das Einzige, das Alles, leidet Gott selbst – an sich selbst. Das Alles, das Göttliche wird so zutiefst unvollkommen eingefärbt. Man könnte nun auch sagen: Da Gott dies intendiert, ist er in diesem All-Einheitsgedanken ein Ens, das sich im Schmerz begegnet.
Hätte aber dies Ens als das Eine, als das ultimativ in sich Ruhende und zugleich maximal Ekstatische (nach Russell) dies nötig?
Da die Antwort hierauf negativ ausfallen muß, ist nach einem anderen Ausweg zu suchen: Demnach gehörten Leid und Schmerz eben nur zum illusionären Aufzug einer tatsächlich aber durchweg nichtigen Verdinglichung. Man könnte nun also sagen: je immanenter das Leid, umso verstrickter die Wahrnehmung im Illusionären. ‘Schmerzfreiheit’ wird so zum Signum ontischer Höherrangigkeit. Wer somit an sich leidet ist entsprechend wahrheitsfern – fern vom Mittelpunkt der totalen Bestimmung . Ergänzend und den Begriff erweiternd zur Empathie: Wer aber mitleidet, wünscht zuletzt den Weg aus der Welt – den Weg aus der Distraktion und die Aufhebung aller Minderung und Hemmung des Einen. Und lebensweltlicher, verallgemeinernder:
Körperlicher Schmerz – bleibt illusionär und immanent wie der Körper, der sie bedingt, dient so dem Überleben, der artgemäßen Perpetuierung.
Seelischer Schmerz: – heißt Erkenntnis über die Distraktion der eigentlichen (geahnten) Beheimatung. Dient somit dem Telos der Seele zum Hohen.
Volkmann-Schluck sagt über den Neuplatonismus: “Diese Einheit, welche das in den Raum ausgedehnte Ganze der Natur hervorgehen läßt, kann nicht den Charakter der absoluten Einheit haben.”
Daher vielleicht: Das Ens als Unter-Ens des Einen ist ein Geistiges, das sich expliziert, um in Unruhe Setzungen des Einen zu reduzieren in Sichtbarkeiten, die es von Beginn intentional überkommen will, da es sie (eigentlich) nicht hat.