Kunst und Selbstaufhebung

Walter Russell: “Wie oft haben Sie den Ausdruck gehört: ‘Sei still und wisse.’ Still zu werden, um zu wissen, bedeutet, daß Sie ihre Information in das Licht Ihres inneren Selbst zurückdenken, bis Sie aufgehört haben, zu denken. Stille Meditation verankert diese Information als Wissen in Ihrem Bewußtsein. Das tun nur sehr wenige Menschen. Die meisten sind ganz zufrieden damit, riesige Mengen an Informationen in ihrem Gehirn zu speichern. Nur sehr wenige wissen, daß sie darüber mit Gott reden können, indem sie es in Sein stilles Licht zurückdenken, das sie ebenfalls sind. Jene, die sich dessen bewußt sind, erwerben großes Wissen und die Kraft, mit Gott gemeinsam schöpferisch zu sein.”

Was genauer ist Wissen? Aus dem Ingenium schöpft sich eine Objektivierung des Geistes innerhalb seiner ihm möglichen Kraft zur Aufnahme. Diskursivem Wissen übergeordnet ist ein Wissen, das immer gewußt ist, das zwar diskursiv und dialektisch expliziert werden kann, das aber idealiter in sich selbst war und bliebe.
Jedoch Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus:
“Die Seele will das Gewußte in das Da des Vernommenseins bringen, das Streben nach anwesender Ganzheit ihrer selbst ist in ihr wirksam, aber sie ist an das Aktualisieren eines je und je Anderen gebunden. Ihre Denkweise ist immerwährendes Sich-anders-werden.”

In der Kunst ist dies Sich-anders-werden indes von anderer Art, da diese hier eine Mittelstellung einnimmt zwischen Geist und Welt. Das Gewußte – ein Geistiges, ein Nichtmaterielles und Potentielles – wird eben nicht diskursiv/sprachlich entfaltet und rationalisiert, aber dennoch wird es mitgeteilt. Das Mitgeteilte bleibt somit vermehrt Repräsentanz des Seelenanteils, der in der Sich-Selbstheit residiert.
‘Sei still und wisse’: Kunst, die still wird, wird wissend und kündend vom Wissen. Sie unterläuft dabei der Möglichkeit, sich selber ganz aufzuheben, da sie so Repräsentanz einer zur Hiesigkeit relativen ‘Leere’ wird und fortwährende Abscheidung bedeuten muß. Jedoch auch hier: Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus: “Das Nichts bedeutet nicht Nichtigkeit, sondern als Nichtsein aller eidetischen Bestimmtheit eine alles Seiende an Seinsrang überragende Weise zu sein.”
Kunst indes, die von ihrer Selbstaufhebung kündet und hierin wiederum ihren ureigenen abscheidenden, essentiellen Bestand kreiert und so von transzendierendem Wissen und Dasein zeugt, kann erst die eigentliche Kunst genannt werden.