Walter Russell: “Je mehr wir den Gott unserer Suche finden, desto mehr erkennen wir Ihn und werden wie Er. Das meine ich mit der beständigen Transformation des Menschen, da der Mensch seinen Zweck auf der Erde immer besser kennenlernt, indem er beständig das Königreich des Himmels in sich selbst findet. Das meine ich auch mit beständiger Vereinigung mit Gott, eine Vereinigung der Identität, welche die Einheit ist, nicht Vereinigung mit Ihm, als ob Er von uns getrennt wäre.
Je besser wir Gott in dieser Weise kennen, umso weniger beten wir im traditionellen, üblichen Sinne, was bedeutet, daß wir unseren Wunsch regelmäßig mit Worten ausdrücken, wann immer wir das Gefühl haben, es gäbe etwas, worum wir bitten sollten. Immer, wenn ich diese Ekstase der Liebe in mir fühle, weiß ich, daß Gott und ich gemeinsam als EINS arbeiten, nicht Er unnd ich, sondern nur EINS. Wenn ich inspiriert bin, mit Ihm als EINS zu erschaffen, weiß ich, daß Sein Wissen und Sein Denken mein Wissen und mein Denken sind. Meine Werke sind immer meisterhaft, wenn ich in dieser Weise EINS mit dem Licht bin, denn ich weiß, daß ich Gottes Liebe in die Welt bringe, wie mir aufgetragen ist. Ich weiß, daß meine Inspiration Gottes unhörbare Stimme ist, die durch mich aufgezeichnet wird.
Dieser Bewußtseinszustand der begeisterten Liebe ist mein beständiges Gebet, das mir aus der Kenntnis der Wünsche Gottes heraus meine Wünsche gibt. Immer, wenn ich in diesem Zustand bin, bete ich, und immer, wenn die Beanspruchung durch Erde und Körper mich von diesem beständigen Zustand abschneidet, gehen die Dinge schief.”
Meister Eckhart sagt: “Nun frage ich wiederum: Was ist des abgeschiedenen Herzen Gebet? Darauf antworte ich wie folgt und sage: Abgeschiedene Lauterkeit kann nicht beten, denn wer betet, der begehrt etwas von Gott, das ihm zuteil werden solle, oder aber er begehrt, daß ihm Gott etwas abnehme. Nun begehrt das abgeschiedene Herz gar nichts, es hat auch gar nichts, dessen es gerne ledig wäre. Deshalb steht es ledig allen Gebets, und sein Gebet ist nichts anderes, als einförmig zu sein mit Gott. Das macht sein ganzes Gebet aus.”
“Gleichheit, Einheit oder Identität des Seins Gottes durch oder als Denken ist also nicht als ein starr in sich fixiertes, in sich verschlossenes Eines zu denken, sondern als ein in dem Anderen seiner selbst, d.h. in seiner Gleichheit sich selbst entfaltendes und auf sich selbst sich zurückbeziehendes Sein zu begreifen. ” (Werner Beierwaltes über Meister Eckhart)
“Denken ist ein Zusammensehen des vielen Gedachten in das Eine, welches alles Gedachte einheitlich ist.” (Volkmann-Schluck zum Neuplatonismus)
Denken und Tat! Das Gebet der All-Einheit heißt ihr gemäß sein und somit reines Sein werden in seinem denkendem, handelndem, seienden Eigenwerden zum Ganzsein.