Aus dem “Gruß an den Tag” von Walter Russell
‘Mein Heute ist, wozu ich es machen will. Ich will es vollkommen machen.
Ich bin ein Mensch. Ich habe das freie Recht, zu wählen.
Ich kann handeln, wie ich will.
Ich habe die Macht, den Tag zu gestalten oder den Tag zu zerreißen.
Der Tag wird ein von mir erschaffener sein.
Wenn ich den Tag zerreiße, gestalte ich zehn andere Tage,
Vielleicht zehn mal zehn, um die Zerissenheit auszugleichen.
Ich gehöre zum Inneren Geist.
Ich kenne die Ekstase und Verklärung des Genies.
Alle Kraft ist mein.
Ich weiß um meine Allmacht.
Ich verfüge über Kraft, die ich am Wegesrand weitergeben kann.
Ich verweigere diese Kraft keinem Menschen,
der die Kraft erbittet, von der ich geben kann.
Ich habe keine Begrenzungen.
Mein Tag ist bis zum Überfließen erfüllt.
Das, was ich bin, halte ich tief im Schatten
des wunderschönen Tempels der Bescheidenheit.
Aber meine Werke sende ich für alle sichtbar aus in das Licht.
Hier läßt sich ergänzen:
Zum Gedanken der Autarkie: Ich bin Herr über mein Wollen und die Prozesse und mein Sein zum Selbst-Sein, bin verantwortlich und tätig für meine (Selbst-) Werdung, für die Schaffung meiner Biographie, meines Umfeldes, meiner Objekte, meiner Ästhetik, meiner Gedanken- und realen Welt. So war es in Vergangenheit für meinen heutigen Stand – so ist es nun gerade für mein Morgen.
Zum Gedanken absoluter Verortung: Ich weiß, wer ich bin, woher ich stamme, was meine Destination ist. Hiervon leitet sich aller (Lebens-) Zweck ab, hierin ist mein Denken begründet und hiernach richtet sich mein (produktives) Denken und Handeln und intuitives Entscheiden aus. Die Lebensaufgabe besteht gerade auch darin, diese Bestimmung herauszuarbeiten und zur Geltung zu bringen trotz und entgegen oder in aller Hemmnis.
Zum Gedanken des Altruismus: Das Alles ist zugleich das Gute, ich empfinde Empathie für das Wesen des Einen als Teilhaber am Einen und somit an mir, ich habe den innersten Wunsch zur Überwindung aller Distraktion und aller Leiden, insbesondere der Leiden derer, denen die Macht zur Artikulation und aktiven Selbstbestimmung abhanden ist.
Zum Gedanken der Erfüllung: Ich empfinde die Erfüllung in mir selbst. Als Sinnbild oder Allegorie auf die Bestimmung zum Sein als Alles ruhe ich in meiner eigenen Art und Bestimmung eben als Einziges.
Ich entbehre niemanden, prinzipiell kann nur ich mich an mir standesgemäß selbst bereichern, und dies geschieht immer im Andenken an das Ideelle, da das Standesgemäße nicht kompatibel genug ist für profanes Weltsein. Bin ich indes inspiriert durch andere, ist dies dadurch, weil sie meinen eigenen Seelenteil ausgesprochen vor mich hinstellen.
Zum Gedanken des Für sich-Seins und -Wirkens: Im Sich-Sein ist Totalität. Es bedarf hier keiner Rückwirkung oder Bestätigung. Ich tue dies für mich, was meint, zum Zweck zur (einzigen) Verwirklichung.
Und so kann Russell auch treffend sagen: “Extreme Bescheidenheit charakterisiert die ganz großen geistigen Genies, denn sie finden ihren Ruhm in dem demütigen Dienst, der bei der Entfaltung des göttlichen Planes ihr teil ist.”