Sein, Natur

Christian Spahn: “…der Begriff der Natur wäre nicht deckungsgleich mit dem Begriff des Seins, so der Idealist.
Für jene Position soll und kann hier…nicht argumentiert werden, pointiert sei jedoch festgehalten: In jenem Wunsch, genuine Normativität und Faktizität zu vereinen, ohne die Ansprüche und innere Logik der einen Seite zugunsten der anderen aufzugeben, besteht meines Erachtens die Grundintuition aller idealistischen Philosophie. Die Annahme also, daß jene Bereiche des Normativen, sozusagen der Kern der platonischen Sphäre der Ideen des Wahren, Guten und Schönen (bei Hegel der Bereich der Logik) nicht von uns ‘fingiert’ oder ‘gemacht’ sind, zugleich tatsächlich nicht empirisch ‘aufweisbar’ oder sinnlich-dinglich ‘vorfindlich’ sind, und dennoch unsere Wirklichkeit normieren oder ihr ‘zugrunde liegen’ sollen, ist die den objektiven Idealismus kennzeichnende Ausgangsthese.”

“Idealist ist nicht jemand, der die Existenz der Realität oder ihre Erkennbarkeit leugnet, sondern wer eine Abstufung des Realitätsbegriffs einführen will, und zwar dergestalt, daß letztlich der Bereich der sinnlich zugänglichen Natur als ‘Erscheinungswelt’ angesehen wird.”

Die normative Kraft ist zuvorderst nicht vorfindlich, da sie dem Bereich des Noussphärischen zuzuordnen ist. Sinnlich zugängliche Natur hingegen ist immer ein Bild der dortig verorteten und intentional bereiteten Informationsgehalte.
Im weiteren Sinne: Auch diese Gehalte sind Natur – nämlich feinstofflicher Art – so wie alles Stoffliche Natur ist als ein Anderssein des Einen. Die Gehalte im Feinstofflichen sind indes konstitutiv, auch für die Perzeptionsformen, sprich die Spezies der Aufnahme und Wahrnehmung, die Gehalte in der Form ihrer Betrachtung sehen und sie entsprechend als Form beschreiben oder manifestieren.
Die Vorfindlichkeit der schaffenden Intention und Institution -der sinn-evozierende übersinnliche ‘generative Weltmechanismus’ – ist in der Ansicht des höheren geistigen, feinstofflichen und ontisch die Weltlichkeit des Seins integrierenden Seinszustandes. Die normierende Kraft findet im Neuplatonismus eine Bezeichnung als die logoi:’ Was die Natur zu einer solchen macht, das sind die Logoi, die Gestaltungsformen der schaffenden Seele, welche die Naturgestalten in das Dasein treibt und als deren individuierte Eide die Natur ist.” (Volkmann-Schluck)
Die schaffende Seele aber ist ‘aufweisbar’ und empirisch, so sie (einst) in Bewußtheit zu diesem ihrem wahren Stand kommt, zu dem sie sich aus ihrer naturhaften (weltlichen) Reduktion heraus- und emporarbeiten muß.