Dieter Wandschneider: “Hegels weitere, extrem knappe Argumentation lässt sich – ausführlicher – etwa so wiedergeben: Der Punkt, als die Negation von Räumlichkeit, hat als Linie also doch ein räumliches Sein, allerdings noch behaftet mit jener Negation bezüglich der Räumlichkeit. Im Vollsinn räumliches Sein bedeutet also, daß diese Negation ihrerseits negiert wird. Negation der Negation ist hier freilich nicht als Rückkehr zum Punkt möglich, denn der repräsentiert ja die einfache Negation von Räumlichkeit und geht unmittelbar in die Linie über. Negation der Negation bedeutet vielmehr Negation der Linie in dem Sinn, daß diese zur Fläche erweitert wird. Die Fläche sei so ‘die aufgehobene Negation des Raums (…), somit Wiederherstellung de räumlichen Totalität’.”
Analog: Die Negation als die Vervollkommnung. Der Punkt wird zur Fläche – die Fläche meint ‘dimensionale’ Totalität und ist eben kein – bekannter – Raum mehr.
Im lebensphilosophischen Sinne kann der Punkt für Verknappung und Verendung der Ausdehnung stehen, der radikalen Reduktion eigener Eigentlichkeit. Diese ist Negation des eigentlichen Seins zum profanen Dasein in all seinen vom Quell entfremdenden Verstrickungen und Kausalitätsketten.
Nun aber die Negation der Negation: Die lebenspraktische Aufhebung durch Lösung der desintegrierenden Welt-Struktur, durch Überschreitung des Profanen durch Kunst und Philosophie und spirituelle Praxis.
In der Kunst: Aneignung nicht des Vorfindlichen, sondern noetischer Verhalte zu ihrer Objektwerdung und Erschließung, Vergrößerung des Seinsgehaltes des hiesigen Raumes mit Verweis eben auf ein Noetisches. Wie im Symbolismus: Kunst soll so verstanden sein, daß sie als Hinweis auf die Tatsache dient, daß die Welt der von Menschen geschaffenen Objekte über deren individuelles Leben hinausweist. Sie bleibt aber nicht alleine Hinweis, der rationale Prozesse andeutet, sondern sie wirkt unmittelbar auf den Seinszustand selber, der sich vor-rational absetzt und emporhebt.
Für die Philosophie: Das Noetische wird gedanklich -intuitiv und deduktiv – erschlossen. Dies ist möglich durch die sich selbst erschließende (Denk-) Möglichkeit, die in allem abgestuft wirksam ist.
Spirituell: Das Noetische wird seinem eigenen Sein gemäß erfahren. Spiritualität ist hier gleichzusetzen mit der Verwirklichung einer höheren, sensibleren Wahrnehmungsfähigkeit – dadurch die Aneignung höherer Räume und ihrer Einsichten – Wissensinhalte der immer gegebenen Totalität möglich werden.
Das Sein in seiner gedanklich-weltlichen Verweilung und Besorgtheit (um den Alltag) bildet hingegen einen Gegenpunkt. Die Pragmatik der Daseinsminderung treibt zur Erfüllung ihrer Erfordernisse und gebiert neue Pragmatik und verstrickt den Geist – in der Entfernung zum Geist – noch immer tiefer in Erfordernisse, die dem Subjekt die Möglichkeit nehmen, sich über die Vereinzelungen unausgerichteter Objektivierungen im Selbst zu sammeln.