Aneignung

Dieter Wandschneider: ” Eine weitere Konsequenz des wesenhaft ideellen Charakters der Natur ist ihre Erkennbarkeit. Kants Gedanke, daß wir grundsätzlich nicht wissen können, wie die Natur ‘an sich selbst’ beschaffen sein möge, daß die Fundamentalgesetze der Natur vielmehr aus der Formtätigkeit des transzendentalen Subjekts stammen – gemäß Kants berühmtem Diktum: ‘Der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor’ – ist in objektiv-idealistischer Perspektive abwegig. Die Naturgesetze, so Hegel, sind nicht ‘ein Subjektives, das uns zukäme, sondern vielmehr (…) das Wahre Objektive, Wirkliche der Dinge selbst, wie die Platonischen Ideen, die nicht irgendwo in der Ferne, sondern als die substantiellen Gattungen in den einzelnen Dingen existieren’: In Hegels Deutung ist die Natur eine von sich her gesetzmäßige Natur.

Solche endlosen Progessionen sind Ausdruck der Äußerlichkeit faktischen Naturseins, das eben nichts Absolutes und als solches, so Hegel, durch Zufälligkeit bestimmt ist: ‘Die Zufälligkeit und Bestimmbarkeit von außen hat in der Sphäre der Natur ihr Recht’; dies sei ‘die Ohnmacht der Natur’, Hegels Naturbegriff enthält so auch eine Theorie des Zufalls. Dieser wesenhaften Kontingenz des faktischen Naturseins entspricht ihre Veränderbarkeit (durch faktische Determinanten), wie sie etwa im Evolutionsprozeß oder auch in der Möglichkeit von Technik in Erscheinung tritt.
Eine folgenreiche Konsequenz des objektiv-idealistischen Naturbegriffs ist schließlich, daß im faktischen Naturprozeß so etwas wie ein intrinsischer Drive wirksam ist, der aus der erwähnten Ambivalenz von faktisch-realem Natursein und der ihm wesenhaft zugrunde liegenden ideellen Naturgesetzlichkeit resultiert, gleichsam eine im Natursein angelegte Idealisierungstendenz derart, daß das immanent ideelle Wesen der Natur zunehmend deutlicher zutage tritt.”

Das Naturgesetz ist vor-subjektiv konstitutiv, aber bleibt dennoch im transzendentalen Subjekt, da über diesem nichts existent sein kann.
Es gilt hierbei eine Stufigkeit der Gültigkeit von Gesetzen für viele Welten, da in der Eigenheit der Welten auch den Welten entsprechende Gesetzmäßigkeiten begründet sind – auch berücksichtigend den Anteil und die Erwartung des Beobachters an das Ergebnis.

Mein Satz: “Materie ist Hervorbringung des sich zur Desintegration bewegenden höheren Selbst oder Seelenanteils. Desintegration meint nun ein Sich-Bedingen in die Sichtbarkeit abgegrenzter Objekte.”

Aber: Der Sachverhalt der Einzigkeit des transzendentalen Subjekts führt zur Intrinsik der Intention in allen Dingen, zu sich selbst zu kommen. Dies meint den Wunsch zur Einswerdung.

Hier sei an Schopenhauer erinnert: Schopenhauers blinder Wille ist noussphärischer Aspekt mit der Intention zum Weltfortbestand in Reduktion reduktionistischer Spezies.
Der “intrinsische Drive” kennt also zwei Zielsetzungen: Zum Einen – oder zuvorderst – den Selbsterhalt -die Verstetigung seiner Art, zugleich aber auch ihre Überwindung – die sich im Hiesigen zu Beginn durch Aneignung (Zuwachs an Wissen, Möglichkeit, Besitz, Geltung, Einfluß …) ausdrückt – zuvorderst noch unbewußten Willen offenbarend. Verstetigung meint dabei die erste Konstitutive zur Aufwärtsbewegung; Aneignung und Ausdehnung sind die eigentlichen Lebens-Intentionen von Geburt und sie bleiben dies (idealiter/ in geistiger Kehre) naturgemäß bis zum Tode, da sie zuletzt ja über den Tod hinaus terminiert sind. Sie finden also primär und zeitlebens verschiedensten Ausdruck in weltzugewandtem Zuwachs -im Quantum!- , können aber nur durch den qualitativen Umschlag, d.h. durch Ausrichtung zum Hohen/zum Anderen, zu ihrer Bestimmung finden: Zur Aneignung zum Zweck einer Findung des unaussprechbaren Einen.