Natur als Anderssein

Dieter Wandschneider: “Hegels Formulierung am Ende der enzyklopädischen Logik, daß die absolute Idee ‘sich entschließt, (…) die unmittelbare Idee als ihren Widerschein, sich als Natur frei aus sich zu entlassen’, gewinnt in dialektischer Perspektive einen nachvollziehbaren Sinn: Indem die Idee sich – im Sinn der Unhintergehbarkeit der Logik – als absolut bestimmt, muß sie das Nicht-Absolute mit einschließen derart, daß sie sich selbst, ihrer eigenen dialektischen Natur entsprechend, gleichsam ent-zweit und sich als äußerliche Natur setzt. Indem sie sich zum System schließt, ent-schließt sie sich zugleich in die Vereinzelung der Natur – ‘ent-schließen’ hier nicht im Sinn von ‘einen Entschluß fassen’, sondern einer dialektisch verstandenen Entäußerung. Die Frage, die bei Fichte und Schelling wesentlich offenbleibt, warum ein Absolutes überhaupt aus sich herausgehen und sich in die Endlichkeit der Natur entäußern sollte, findet im Rahmen des Hegelschen Systementwurfs also eine Antwort, die, wie es sein muß, aus dem Begriff des Absoluten selbst geschöpft ist. Die Idee, das ist recht verstanden die Idee in dreifacher Gestalt, d.h. die logische Idee selbst, ihr Anderes – die Natur – sowie, hier nicht thematisch, die Synthese beider – Geist.”

Natur ist Bild, und diese Entäußerung kennt nur Gewichtung in der Legitimation durch ihre Ansichtigkeit.

Volkmann-Schluck über Plotins Philosophie: “Das Viele bedarf, um als das zu existieren, was es ist, der Anwesenheit seiner Bestandteile, damit es die Einheit eines Soviel ist.
Jeder dieser Bestandteile hat kein unabhängiges Bestehen; es koexistieren nicht einfach die Bestandteile, sondern jeder von ihnen ist auf das Mitdasein aller anderen angewiesen und hat nur in dem Ganzen sein Bestehen.”
Daher: “Es muß, wenn es nicht durch einen Auseinanderfall in ein gleichgültiges Nebeneinander beziehungsloser Teile sein Bestehen als Einheit verlieren soll, die Vielheit einigen, d.h. auf Einheit gerichtet sein.”

Vielheit vollzieht sich in der Möglichkeit der Perspektive, da in der Einheit die Macht zur Perspektive angelegt ist.

Volkmann-Schluck: “Der Unterschied des Nous und des Guten (des Einen) bezeichnet…keinen ontischen Unterschied, er realisiert sich vielmehr gerade als Gegenüberstehen des Noeton’ (als das Göttliche, Unsterbliche, Vernünftige, Eingestaltige, Unauflösliche und immer einerlei und sich selbst gleich Verhaltende). ‘Das Denken bleibt Selbstunterscheidung, trachtendes Hinausschauen auf das Selbst. Deshalb ist das Gute für den Nous ein Anderes. Der Unterschied vom Guten ist in Wahrheit der Unterschied von sich selbst.”
Ergänzend: Der Unterschied zum Guten bestimmt die wesenhafte weltverbundene Entfernung zur eigenen Seinsheit als das Letztbestimmbare selbst. Solange Natur (=Bild) ist, ist Andersheit und so auch moralische Gefallenheit, und wie würde man widersprechen wollen, betrachtet man eben das Wesen der Natur, wie sie sich selbst verschlingt, um fortzukommen – zuletzt jedoch – und hierin liegt die wahre Dialektik – sich über sich selbst hinauszubilden.