“Denn es sei falsch und sogar unmöglich, anzunehmen, ‘daß alles mit allem zusammenhängt’, und zwar deshalb, weil es einen allumfassenden Zusammenhang gar nicht geben könne. Womit begründet Markus Gabriel diese weitreichende These? Mit dem Argument, daß ein solcher alles umfassender Zusammenhang gar nicht in der Welt vorkomme, d.h. unserer empirischen Erkenntnis nicht zugänglich sei. Unter Voraussetzung der Gültigkeit des bekannten erkenntnistheoretischen Axioms George Berkeleys ‘esse est percipi’, d.h. Sein ist Erkanntwerden , wäre dieser Schluß gültig; diese Voraussetzung aber ist höchst zweifelhaft, weil sie die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit mit der Reichweite des Seins selbst bzw. mit der objektiven Wirklichkeit im Ganzen gleichsetzt.” (Markus Enders)
Der Mensch bildet Welt als lediglich anteilig in der Summenbildung aller Perzeptionen durch alle Arten. Es geht hier also nicht mehr um die anthropomorphe Sicht und Warte, sondern der Welt-Rahmen, die Reichweite des Erblickbaren wird gebildet durch Addition und Zunahme, die zuletzt das Subjekt von der Welt der Spezies transzendiert. Durch die Unterschiedlichkeit der Blickwarten muß das Objekt dabei schon von Beginn anders gedacht oder vorgestellt werden, als es sich uns gewohnt darbietet. Der Seinsgehalt richtet sich indes erst nicht nach einem reflexiven Verstandesvermögen, sondern primär nach der Sammlung und Akkumulation reiner Daten. Viele Spezies perzipieren dabei sinnesbezogen weitreichender als der Mensch und bilden somit in der Aufnahme von Sinnesdaten schon einen größeren Beitrag zum Welthorizont als Weltdefinition, als es der Mensch (qua unmittelbarer Erfahrung) je könnte. Zur Summenbildung der Perzeption gereichen dem Menschen allerdings zusätzlich alle Hilfsmittel und Maschinen und Forschungsanordnungen, die Verborgenes dem Sein zur Seite stellen, und diese Rechnung kann nun hypothetisch ad ultimo erweitert werden, weil die Entwicklung der Apparaturen selber als Bestandteil einer endlosen Sukzession des Fortschrittes gedacht werden können. Die Reichweite des Seins ist das Sehen und Sein aller Subjekte, die Daten aufzunehmen befähigt sind, und je mehr Subjekte (oder: je mehr im Subjekt), desto höher der Seinsrang des Seins als Wahrheit (die im Seinsrang gründet) der Dinge und der Perspektive – zur Über-Perspektive. Qua Intellekt aber ist diese als (weiterhin geminderte) gedankliche (und experimentelle) Summierung als hypothetische Umfassung nur dem Menschen möglich. Mit seiner Befähigung aber kann er diesen Rahmen -da begrenzt auf sein eigenes Sein – nur theoretisch oder ahnungsvoll abbilden und in Allegorien ausdrücken (auch etwas das Bohr‘sche Atommodell ist eine Allegorie). Er spricht somit von einer Apriorie der ausgedehnten Dinge, die als Kant‘sche Dinge an Sich zuvorderst nicht transzendental gedacht werden müssen. Der Begriff der Transzendenz löst sich zudem eh an dem Punkt, an dem das Unbekannte zum Immanenten wird. Reichweite des Seins und objektive (letzte) Wirklichkeit sind deckungsgleich, wenn das erkennende Subjekt sich in seiner Gänze aller Perspektiven schaut und also ganz sich selbst wird – also alle Subjektivitäten übersteigt – und so zum einzigen Sein kommt.