“Was dies sagen will, ist klarerweise, daß die Unterstellung eines transzendentalen Subjekt mit zugehörigem Bewußtsein durch mich (oder durch einen anderen Philosophen) ebenso abwegig ist wie die Unterstellung eines transzendentalen Subjekt mit zugehörigem Bewußtsein durch die Spinnerin (oder durch eine andere philosophische Spinne). Solange irgendwelche inhaltliche Vorstellungen damit verbunden sind, wird das ‘transzendentale Subjekt’, das die Spinnerin postuliert, doch nichts anderes sein als ein aufgeblasenes Spinnensubjekt; und ‘das transzendentale Subjekt’, das ich postuliere, nichts anderes als ein aufgeblasenes Menschensubjekt – eine lächerliche Parodie dessen, was ein transzendentales Subjekt eigentlich sein müßte. Wenn man aber darauf verzichtet, mit der Idee eines transzendentalen Subjekts inhaltliche Vorstellungen zu verbinden, dann wird diese Idee gänzlich leer, so leer, daß sich der Gedanke mächtig aufdrängt, daß das angebliche Bewußtsein des transzendentalen Subjekts – das Bewußtsein – gar kein Bewußtsein eines Subjektes ist, sondern vielmehr einfach die physische Welt plus die vielen mit lebenden Körpern verbundenen Bewußtseine und deren Subjekte -was bedeutet, daß der Idealismus in den dualistischen ontologischen Realismus kollabiert.” (Uwe Meixner)
Zuvor die Anmerkung: Es gibt ja zuletzt weder Mensch noch Spinne, vielmehr nur die Explikationsmatrix eines einzigen Bewußtseins. Dieses ist also vielgestaltig und zugleich im physischen Sinne nicht da.
Es gibt somit nur im Trügerischen subjektive Warten.
Bewußtsein in seinem authentischen Selbstsein ist überhaupt keiner Spezies zueigen, zudem betreiben alle Spezies durch ihre Perspektiven seine Minderung. Jedes Weltsein, jede Rahmensetzung ist Resultat einer Minderung des Bewußtseins (zur Welt). Wäre das transzendentale Subjekt zum eigentlichen, zum Summen- Bewußtsein aufgestiegen, würde es jeder Notwendigkeit zur Subjektivität seiner Warte entbehren, jede Entität würde sich im Umschlag dorthin als solches hohes Bewußtsein erfahren und von jeder Konditionierung auf Bewußtseinsinhalte abstrahieren. Das reine Bewußtsein ist unterschiedlose Einheit der totalen Potenz, die hinter jeder Explikation steht. Volkmann-Schluck sagt über die Ontologie Plotins: “Der sinnliche Kosmos entsteht dadurch, daß das dem Nous entgleitende Unbegrenzte zugleich aufgefangen wird…” Nun, von wem wird es aber aufgefangen? Wohl doch von jeder Spezies, die ihre Form und Anschauung perpetuiert und so erst Warte einnehmen kann -und so Existenz im Dasein hält! Das transzendentale Subjekt hingegen sammelt die Inhalte der Spezies und übersteigt sie, perpetuiert nicht seine spezifischen Seins-und Sinnesmöglichkeiten, betreibt vielmehr die Summierung aller Bewußtseine bishin zu einem qualitativen Umschlag in ein einziges höchstmögliches Bewußtsein, das nun den Kategorien ‘transzendent’ und ‘immanent’ nicht mehr bedarf. Die Spezies ist somit aufgerufen, sich gemäß dieser Bewegung adäquat zu übersteigen und Seinsgehalte zu vergrößern, bis einst alle Inhalte im Überraum des einzigen Raumes aufeinandertreffen und ein Einziges, Ganzes bilden.