Sprache

“(Fichte) fehlte vor allem ein klares Bewußtsein von der Unbeschreibbarkeit der Inhalte nichtintentionalen Denkens. Unsere Sprache ist als Instrument intentionalen Denkens entwickelt worden und eignet sich daher nicht zur Beschreibung der Gehalte nichtintentionaler Erfahrungen. Unsere Begriffe wurden zur Bestimmung der Gegenstände intentionalen Denkens entworfen; die transkategoriale Realität, wie Karl Rahner das genannt hat, die sich in überintentionale Erfahrungen zeigt, ist damit nicht zu fassen. Man kann sich meist nur mit Bildern oder Metaphern behelfen.” (Franz von Kutschera)

Sprache bei Fichte aber wird vom Einen her gedacht, und: Primärsprache ist Wiederhall “transkategorialer” Realität und Seinsheit!

Fichte sagt in seinen “Reden an die deutsche Nation”:
“Im allgemeinen erhellet, daß diese sinnbildliche Bezeichnung des Übersinnlichen jedesmal nach der Stufe der Entwicklung des sinnlichen Erkenntnisvermögens unter dem gegebenen Volke sich richten müsse; daß daher der Anfang und Fortgang dieser sinnbildlichen Bezeichnung in verschiedenen Sprachen sehr verschieden ausfallen werde, nach der Verschiedenheit des Verhältnisses, das zwischen der sinnlichen, und geistigen Ausbildung des Volkes, das eine Sprache redet, statt gefunden, und fortwährend stattfindet.”

Auf einer tiefsten Ebene ist es indes die Zahl, die Ideehaftes physikalisch zum Sein diskriminiert: “Der sinnliche Kosmos entsteht dadurch, daß das dem Nous entgleitende Unbegrenzte zugleich aufgefangen wird, und zwar aus der begrenzenden Kraft der Zahl.” (Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus)
Die Sprache aber implementiert erst Bedeutung, und zwar im apriorischen wie im aposteriorischen Sinn: Denn drückt sie Intension aus, ist sie mit dem Geistigen verbunden und drängt und übersetzt erst entsprechend (das Geistige/das Ideelle, die Idee) zum Werden. Bezeichnet sie hingegen Dinge, die also existent sind, wird sie wirksam in einem Sinne, der die Bedeutung der Dinge in ihrem Dasein stabil hält oder formt und zur Handlung treibt, die der Intentionalität der Sprache nachfolgt.
Sind unsere Begriffe – wie Kutschera sagt – somit zur Bestimmung der Gegenstände intentionalen Denkens entworfen? Vielmehr doch sind unsere Begriffe zur Bestimmung jener Gegenstände entworfen, die aus der Unbestimmtheit der Unintentionaliät zum Weltsein drängen.
Fichte spricht in den Reden an die Deutsche Nation von der Existenz einer Sprache als einer lebendigen Sprache, die bis auf die Wurzel der Ausströmung der Begriffe aus der geistigen Natur selbst zurückgeht. Somit schwingt in solcher Sprache eben das Übersinnliche, das bislang Unbeschriebene hinein in die Dichte der Welt. In Duktus, Klang und Rhythmus ist damit ein Widerhall – mehr noch – ein Wesenhaftes vom Geistigen, Feinstofflichen erhalten. Es bildet das Geistige ab und ebenso den Prozeß und die Formel zur Verstetigung. Die Sprache indes hat zwei Funktionen, die mit dem Geiste verbunden sind: sie setzt mit jenem Ens, das formuliert, einerseits aus der (in Relation zur Welt) Unbestimmtheit Apriorie (transzendenter Geistigkeit) Bedeutungen zum materiellen Vollzug, und andererseits bewahrt sie in ihrer Formelhaftigkeit geistigen Inhalt auf und stellt so aus der Welt die Rückbindung zum transzendentalen Objekt aus der Eigentlichkeit her, von der sie kündet.