Soma und Übersetzung

Svetasvatara-Upanisad: “Wenn man selbstlos handelt, wenn man der Menschheit mit narayana-bhava oder atman-bhava dient, ohne einen Nutzen für sich selbst zu erwarten, wenn man die Handlungen und ihre Früchte Gott opfert, erfährt man ungeheure Freude und Hochstimmung, Das bedeutet das Trinken des soma-Saftes.”

Dies aber ist eher eine Übersetzung, eine Verstellung der eigentlichen Intention und Bedeutung! Das bekannte Manko institutionalisierter Religion: Eine (unterstellte) Ursächlichkeit, ein wahres Charisma und inneres Sakrament geht in der Tradierung schließlich ganz verloren, wird in der eigentlichen Wucht seiner Wirksamkeit abgemildert und übersetzt und bis zur völligen Unkenntlichkeit kolportiert.
Tatsächlich geht es im Soma-Ritual um weitaus mehr als um eine ethische Implikation, nämlich handelt es um die Unmittelbarkeit und die Sensation wahrer, geistaufschließender (somit spiritueller) Erfahrung, denn als ein Entheogen meint der Genuß von Soma ein Tor zu ontologisch anderen und seinsintensiveren Zuständen, daher auch die Wichtigkeit und Ausführlichkeit der Behandlung im Rigveda – die evozierte spirituelle Empirie ist zuletzt nicht weniger als religionsstiftend! Im Zusammenhang der Herabsetzung des Bedeutungszusammenhanges dieses Charismas denke man an Heideggers Diktum von der Seinsvergessenheit der Tradition, als einer “Idee eines Verfallsmomentes…, das einer Korrektur bedarf, um ursprünglichen Einsichten wieder zu ihrem Recht zu verhelfen.” Und im Kontext über Gadamer sagt Andreas Spahn: So “betont Gadamer wie Heidegger, daß Wahrheit nicht so sehr ein methodisch gesicherter Besitz des Subjektes ist, sondern ein über das Subjekt hinausgehendes ursprüngliches Geschehen.” Dies ursprüngliche Geschehen kann im Kontext des Entheogens gerade als Erlebnissteigerung innerhalb einer Intersubjektivität gedeutet werden, die allen Beteiligten oder Eingeweihten eine viel ‘realere Realität’ enthüllt – von der in Zukunft dann zu künden sein wird.
Die oben genannte ethische Implikation ist indes eine weltlich-pragmatische Folgerung der Erkenntnis der Einheitserfahrung, die der Erfahrung der Realitätssteigerung ganz inhärent ist.

Zur tatsächlichen Bedeutung des Soma-Rituals:
“Die frühen Iraner, hierunter nachweislich auch die Perser, kannten den Trank unter der im Avestischen üblichen Namensvariante Haoma oder Hauma. Haoma erscheint im Avesta, wo ihm ein Yasht gewidmet ist.
Der ursprüngliche Soma-/Haoma-Kult starb in Indien und Persien aus, nachdem die frühere Religion in Indien im Hinduismus aufging bzw. in Persien durch Zarathustra reformiert wurde.
Soma wird manchmal als irdische Entsprechung von Amrita (sanskr. „Unsterblichkeit“) oder dem Ambrosia in der griechischen Mythologie gedeutet. Während die letzteren beiden den Göttern vorbehalten sind und ihnen Unsterblichkeit verleihen, kann Soma auch von Menschen getrunken werden. Die damit verbundenen Halluzinationen wurden als Zugang zur Sphäre der Götter interpretiert. Soma wird in den Veden wie viele andere Götter auch als König der Götter bezeichnet, als Göttin der Götter, der Pflanzen und der Welt. Er durchschaut alle Wesen; der Gott lässt sich nicht täuschen.
Rig Veda VIII,48: „Wir haben das Soma getrunken; wir sind unsterblich geworden, wir haben das Licht gesehen; wir haben die Götter gefunden.“
Eine Reihe von Sanskrit-Pflanzennamen deutet auf Soma hin. So heißt die Weinraute (Ruta graveolens) somalatā (सोमलता). Der Strauch Desmodium gangeticum wird saumya (सौमंया) (d. h. reich an Somasaft) genannt. In seinen Wurzeln findet sich unter anderem das Halluzinogen Dimethyltryptamin. (DMT)“

Don Juan Matus bei Carlos Castaneda: (Die Seher) “bemühen sich, zu sehen. Und durch die Verschiebung ihres Montagepunktes gelangen sie zu der Erkenntnis, daß das Geheimnis im Wahrnehmen selbst liegt. Nicht so sehr in dem, was wir wahrnehmen, sondern in dem, was uns wahrzunehmen befähigt.
Die neuen Seher glauben, wie ich dir schon sagte, daß unsere Sinne fähig sind, alles aufzunehmen. Sie glauben dies, weil sie sehen, daß es der Montagepunkt ist, der vorschreibt, was unsere Sinne wahrnehmen.”