Purusa und Welt

Svetasvatara-Upanisad: “Die Person (Urseele =purusa) hat tausend Köpfe, tausend Augen und tausend Füße. Sie umhüllt die ganze Welt von allen Seiten und ragt zehn Finger (endlos) weit über sie hinaus.

Er (Gott) überschreitet die Welt. Es kann sich aber auch auf das Herz beziehen, das zehn Finger oberhalb des Nabels liegt: Gott wohnt in den Herzen aller Geschöpfe als das innere Selbst, obwohl Er groß und unendlich ist und obwohl Er die Seele des Universums ist. Er ist immanent in allen Wesen.
Sahasrasirsa weist darauf hin, daß Gott (virat-purusa) unzählbar viele Köpfe hat. Alle Köpfe (sowie Organe und Gließmaßen) gehören Gott. Er ist es, der durch alle Hände wirkt, mit allen Mündern ißt, durch alle Augen sieht, durch alle Ohren hört, mit allen Füßen geht und durch alle mana denkt. Wenn du ständig diesen Vers im Bewußtsein hast, wird das Ego allmählich verschwinden. Du wirst dich mit dem virat-purusa (kosmische Seele) identifizieren und ein großzügiges Herz bekommen.”

C. G. Jung sah im Purusha, dem Bewusstsein oder dem reinen Selbst, eine Entsprechung zum individuellen und kollektiven Unbewussten und dessen archetypischen Strukturen.” (KI)

Welt ist in und durch Wahrnehmung, somit läßt sich also sagen:
Viele Perzeptionen bilden viele Welten, und somit erst bildet eine große Perzeption die gesamte Welt(-möglichkeit) als Kaleidoskop vieler oder endloser Explikationsmöglichkeit ab.
Ein Welt-Überschreiten kann die Bedeutungen annehmen, unseren üblichen Weltbegriff gedanklich zu transzendieren, dies kann aber auch meinen, die Welt in concreto zu verlassen und andere Welten aufzusuchen durch einen geänderten Zugriff innerhalb der endlosen Fülle ihrer (geistigen/feinstofflichen) Apriorien. Der höchste oder der erste Mensch, der bringt hervor; durch tausend Augen sieht er und erschafft, verstetigt nun in einer Ur-oder Prämaterie prakriti zum Hiersein. Tausend Augen sind dabei tausend Wahrnehmungen, was eben endlose Möglichkeiten zur Welten-Verwirklichung meint. Diese Weltenmöglichkeiten bilden die Fülle ab, zu deren Schaffung purusa ermächtigt ist, und diese sind in ihrer endlosen Mannigfaltigkeit auch etwas, was rückschließen läßt auf ihren Urheber, der in dieser Summenbildung aller Möglichkeit gleichsam in einer Rückschau auf sich selbst als Subjekt aller Potentialität in der Macht seines eigenen und einzigen inneren Wesens endlos potent verweilen mag – und in dieser Seinsheit hat jede Seele ihren ontologischen Ursprung und Anteil und Kern. Hegel zum Schluß seiner Phänomenologie des Geistes: “Aus dem Kelche dieses Geisterreiches schäumt ihm (dem Geist) seine Unendlickeit.’

C.G. Jung:” Das Selbst ist ja kein Ich, sondern eine diesem übergeordnete Ganzheit, die Bewußtsein und Unbewußtes umfaßt. Da aber letzeres keine bestimmbaren Grenzen besitzt und zudem in seinen tieferen Schichten kollektiver Natur ist, so kann es auch nicht von dem eines anderen Individuums unterschieden werden. Infolgedessen bildet es die stets und überall vorhandene ‘participation mystique’, d.h. die Einheit der Vielheit, den einen Menschen in allen. Diese psychologische Tatsache begründet den Archetypus des Menschensohnes, des homo maximus, des vir unus, des Purusha usw.”

Diese “participation” meint daher auch eigene Potenz, eben in alles hineinzuschauen oder alle Welt herbeizuschauen. Viele Welten werden dann zur Entsprechung der Ganzheit. Dem purusa ist ein Streben inne zur Erkenntnis und Realisierung der Fülle, die bald geistig, übersinnlich werden muß. Dem entgegen steht das Prinzip der dinglichen Verstetigung und Perpetuierung – prakriti – weiblich, empfangend, außen, entäußernd, verstetigend im Hier.