Vorintentional

Franz von Kutschera: “Absolutes Wissen ist also nach Fichte in Form einer Selbsterkenntnis möglich, freilich nur in einer Weise, die jenseits intentionalen Denkens liegt.
Für ein Verständnis von Fichtes Idee eines absoluten Wissens ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, daß es neben vorintentionalem Bewußtsein eine zweite Form nichtintentionalen Bewußtseins gibt, das sich gerade durch diese Einheit von Sein und Bewußtsein auszeichnet, ein überintentionales Bewußtsein. Überintentionale Erfahrungen sind schon seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. in den Upanishaden bezeugt. In ihrem Zentrum steht gerade das Erleben einer Einheit von Selbst und Wirklichkeit, von Bewußtsein und Sein, von atman und brahman. In der europäischen Philosophie spielen sie seit dem Neuplatonismus eine wichtige Rolle und sind von dort in die Mystik des Christentums eingegangen.
In beiden Formen nichtintentionalen Bewußtseins, im vor-wie im überintentionalen, gibt es kein Subjekt, im vorintentionalen Bewußtsein gibt es auch nichts Ähnliches, keinen Träger, der eine Existenz darüber hinaus hätte, dem man auch andere Erfahrungen zuorden könnte. Das bezieht sich natürlich nur auf den Inhalt vorintentionalen Bewußtseins selbst, während es in der Reflexion darauf als mentaler Zustand eines Subjekts im normalen, intentionalen Sinn erscheint.”

So auch in der Synchronizität! Das Vor-Intentionale kommt zu Bewußtsein. Man kann auch im Jung‘schen Sinne sagen: das Selbst drängt in das Ich. Akausales geschieht dann doch koinzidenziell, als hätte es eine kreatürliche, außerweltliche kausale Klammer, die erst im Weltsein akausal erscheinen mag. Subjekt und Objekt und das Eigensein darin müssen daher in ihrer Position und Relation für das Höhere ganz neu gedacht werden.

C.G.Jung sagt:
“Das Ich kann nämlich nicht umhin zu entdecken, daß der Zustrom an unbewußten Inhalten die Persönlichkeit belebt und bereichert und eine Gestalt aufbaut, welche an Umfang und Intensität das Ich irgendwie überragt. Diese Erfahrung lähmt einen allzu egozentrischen Willen und überzeugt das ich, daß sein Zurücktreten auf den zweiten Rang trotz aller Schwierigkeiten immer noch besser ist als ein aussichtsloser Kampf, in welchem man schließlich doch den kürzeren zieht. Auf diese Weise unterstellt sich der Wille als disponable Energie allmählich dem stärkeren Faktor, das heißt der neuen ganzheitlichen Gestalt, die ich als das Selbst bezeichnet habe.”