“Wer endgültige Befreiung erlangen will, muß alle Wünsche aufgeben. Das ist der erste Schritt auf dem spirituellen Weg. Die Wünsche treiben die Menschen zu guten und bösen Taten. Er wird gebunden an das Rad des karma, gefangen im Netz der maya. Er muß Geburt nach Geburt durchleben, um die Früchte seiner Handlungen an sich zu erfahren.
Wer Selbstverwirklichung erreicht hat, ist vollkommen frei von allen Wünschen, denn der atman ist in sich voll, sich selbst genügend. Der Mensch ist dann in ewiger Glückseligkeit, ewigem Frieden und höchster Erfüllung. Wie könnten Wünsche in den Geist eines Menschen eindringen, der ständig den Nektar der Unsterblichkeit trinkt? Alle Wünsche, die ihn zu guten oder schlechten Taten antreiben, sind völlig vernichtet, sogar noch in diesem Körper. Wünsche können in ihm nicht aufkommen, denn der Grund ihrer Entstehung, nämlich Unwisenheit, ist vollständug zerstört.” (Mundaka-Upanishad)
Dieser Wunsch aber bleibt: Eigentlichkeit zu erwirken – für das alltägliche Leben und Wirken – dem Eigentlichen und Höchsten wesenhaft zu entsprechen, dann gerade auch von jener Kraft abzustrahlen, abzugeben, diese im Außen sichtbar werden zu lassen, mitzuteilen. Dies gerade in kreativer Form der Gestaltung, der Kunst und Inspiration und Hebung des und der Anderen und der Umwelt.
Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus (Plotins):
“Das Wesen des Nous ist Sehendsein, dieses schließt Vielheit und Angewiesenheit auf ein vorgängiges Anderes ein, auf das gerichtet die Denkbewegung zur Intentionserfüllung gelangt, wenn sie nicht ins Leere verlaufen soll.”
Aber: “Was ferner Vieles ist, das bedarf so vieler Dinge, als es ist, und da jedes dieser Dinge mit den anderen in ihm verbunden ist und nicht auf sich selbst steht, weil es der anderen bedarf, so ist ein deratiges Wesen sowohl im Einzelnen wie auch im Ganzen bedürftig.”
“Es muß. wenn es nicht durch einen Auseinanderfall in ein gleichgültiges Nebeneinander beziehungsloser Teile sein Bestehen als Einheit verlieren soll, die Vielheit einigen, d.h. auf Einheit gerichtet sein.”
Mundaka-Upanishad: “Die einzige Bemühung besteht darin, den Schleier der Unwissenheit zu entfernen. Wenn das geschehen ist, leuchtet brahman aus sich selbst heraus auf.” (Mundaka-Upanishad)
Vielheit ist bedürftig und hat eine nach Zerfall gerichtete Tendenz. Der Wunsch nach Einheit in der Vielheit bewirkt Wunschlosigkeit zur Zerstreuung, Wunschhaftigkeit aber drängt zur Sammlung. Was aber kann mit Sammlung gemeint sein? Sammlung im Innen etwa, wie meditative Konzentration und Rückzug der Sinne von den Außendingen, aber es könnte auch bedeuten: Das Sammeln von Objekten, die dem Einen dienen, das im tantrischen Sinne Ergreifen des Göttlichen in der Welt oder die Hebung der Welt zur Göttlichkeit. Somit schließe ich hier an meinen Satz von der Gestaltung an: Denn wird der Mensch essentiell tätig, hebt er entsprechend sein Umfeld und transzendiert Welt(en), das heißt, er hebt diese schließlich auf und schafft aus ihr Geist.