Upanisad, Kunst

Aus der Upanisad: “Das Selbstexistierende (brahman) schuf die Sinne mit der Tendenz, nach außen zu gehen. Deswegen sieht der Mensch das äußere Universum und nicht das innere Selbst (atman). Aber einige weise Menschen, welche die Augen von den Sinnesobjekten abgewandt haben und die sich nach Unsterblichkeit sehnen, sehen den atman im Innern.”

“Erläuterung: Im Mantra wird gesagt, daß dieser atman in allen Wesen verborgen ist und nicht sichtbar leuchtet, daß Er aber von hochentwickelten Sehern mit ihrem scharfen und feinen Intellekt wahrgenommen wird. Was ist nun das Hindernis, das der Selbstverwirklichung im Wege steht? Das wird in diesem mantra aufgezeigt. Wenn jemand weiß, was dieses Hindernis ist, kann er danach streben, es zu beseitigen, sonst aber nicht.

Das selbstexistierende brahman schuf die Sinne mit nach außen gehender Tendenz. Deshalb streben die Organe hin zu den äußeren Objekten, wie z.B. Klang, Form etc., und der Wahrnehmende erblickt die äußeren Gegenstände, aber nicht den atman im Innern. Aber irgendein weiser Mensch zieht den manas und die Sinne von den äußeren Objekten ab; er hält den nach außen fließenden Strom der Sinne auf und wendet ihn nach innen, so wie man die Strömung eines Flusses umkehrt; er meditiert über das innere Selbst und erblickt den pratyag-atman. Die unsterbliche Seele kann nicht erreicht werden durch die Sinne, die nach außen gehen.”

Nun in der alltäglichen Sinneswelt – wie soll man die Sinne da abziehen?
Dies sei nur gesagt für die Kunst: Man kann die Sinnesdinge so gestalten, daß sie bereits im Sinnlichen Tendenzen zum Übersinnlichen aufweisen, daß sie den Drang zum Verlassen in sich haben und anzeigen und daß sie erschließenden Charakter gewinnen. Freilich bleibt dies als Perzipierbares weiter im Sinnlichen, doch führt es dabei zur Affektion des höheren Organums. Man kommt hier somit zum Symbolismus zu sprechen. Wichtig nur, daß nicht bildlich ein Symbol gemeint ist, sondern daß die intrinsische Botschaft des Werkes ein In-Sich-Bergen (einer Eigentlichkeit) kennt, das sich in seinem Wahrsein entfaltet, und nicht als Platzhalter (für etwas anderes, unbekannt Bleibendes) fungiert bzw. aufgenommen wird.