Die Katha Upanisad sagt: “Wenn in dieser Weise Sinne, manas (Intellekt) und der große atman, d.i. hiranya-garbha, in das höchste Selbst (para-brahman) eingegangen und mit Ihm verschmolzen sind, erfährt man ewige Glückseligkeit und immerwährenden Frieden. Man erreicht moksa, die endgültige Befreiung, und wahres Wissen um das Selbst. Genau wie das Wasser eine Fata Morgana, die Schlange in dem Seil und die blaue Farbe des Himmels verschwinden, wenn man die wahre Natur der Fata Morgana, der Schlange und des Himmels gesehen hat, so verschwindet auch diese Scheinwelt aus Namen, Formen und karma, die Welt aus Handelndem, Handlung und deren Früchten – die letztlich nur aus falschem Wissen entstanden ist -, wenn man das Wissen um den atman gewonnen hat.
Uttisthata – erhebt euch, o Menschen, aus dem Morast des samsara! Wendet euch spirituellem Wissen zu, dem Wissen des atman, des höchsten Selbst! Denkt nicht mehr an die weltlichen Dinge! Jagrata – erwacht aus dem Schlummer der Unwissenheit, zerstört den Schlaf der Unwissenheit, den Samen allen Elends!”
Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus: “Die Vielheit ist die Weise, wie das unterscheidende Denken das ursprünglich Eine und Ganze, das unteilbar Innerliche, begegnen läßt.”
“Was hier ist (sichtbar in der Welt), genau das ist dort (unsichtbar in brahman), und was dort ist, genau das ist hier. Wer hier einen Unterschied sieht (zwischen brahman und der Welt), der geht von Tod zu Tod.”
“Genau wie eine Welle dem Wesen nach nicht verschieden ist von dem Ozean, genau wie ein goldenes Schmuckstück nicht nach dem Wesen nach verschieden ist vom Gold, so ist auch die manifeste Welt nicht dem Wesen nach verschieden von brahman. Der Unterschied liegt nur im Namen. Wie eine Schlange in dem liegenden Seil erscheint, so erscheint diese Welt, die aus Name, Form und Handlung (nama, rupa, kriya) besteht, in brahman – durch avidya (Unwissenheit) und maya (Illusion).
Mrtyoh sa mrtyumapnoti – wer nur den geringsten Unterschied zwischen diesen beiden sieht, geht von Tod zu Tod – durch Unwissenheit, d.h. Mangel an Wissen um das Selbst. Wer glaubt: ‘Ich bin verschieden von brahman‘, wird wiedergeboren und stirbt. Wer aber denkt und fühlt: ‘Ich bin wahrhaftig das alldurchdringende, unsterbliche saccidananda-brahman, gewinnt Unsterblichkeit. Brahman ist Seiner Natur nach kompaktes, ewiges Wissen (nitya vijnana – ghana svabhava). Es ist frei von den Attributen des samsara (sarva-samsara – dharma – varjita). Die höchste Seele, brahman, ist identisch mit dem Individuum und mit der ganzen Schöpfung. Wenn man die grundlegende Einheit allen Seins nicht begreift und verwirklicht, ist das die Ursache von Wiedergeburt.”
Wie kann aber im Disparaten, im Niederen und Schlechten überhaupt Einheit sichtbar werden?
Volkmann-Schluck über den Neuplatonismus: “Das Urbild-Abbild-Verhältnis von intelligibler und sinnlicher Welt bedeutet also, daß die Sinnendinge von ihrem Seinsgehalt getrennt sind, weil sie nicht aus sich selbst sind. ‘Sein’ erfährt aber erst dort seine Bedeutungserfüllung, wo es die Lebendigkeit des Aus-sich-selbst- seins meint, wie im Nous. Das Fürsichsetzen rührt von dem Verfallen des Seinsverständnisses in die zerstreut zerstreuende Abbildsphäre der Sinnendinge her. Das wirklich Seiende befindet sich in der Einheit von Usia und Leben, sofern es die eigentliche Selbstverwirklichung ist.”
Man kann auch sagen: Das Disparate ist die Abbildung einer Un-Einheit von geistiger Substanzialität und reduzierender Entfaltung im hiesigem Dasein. Der Prozeß des Zu-Sich-Kommens des Weltlichen, Entfernten zum Geist/ zum hohen Selbst kann in verschiedenster Form – zumeist ja ganz unbewußt – als Lebensdefinition per se dienen, was heißt, das Leben dem Bereich des rajas (im Sinne von Aktivität, Unruhe, Trieb, Bewegung, Auseinandersetzung) zuzuordnen. Erst in der Überwindung des sogenannt Lebensvollen als Auseinandersetzung des eigenen Entferntseins mit der geistigen höheren Selbstheit ist Übereinkunft von geistiger Anlage und Dasein und somit Erfüllung. Diese wird im Leben möglich im Bewußtsein und in Bewußtwerdung über die Findung der Aktivitäten eben zur Überwindung dieses Mißverhältnisses. Im äußeren Bild zeigt sich dies in einer ruhevollen, konzentrierten und ausgerichteten Lebensart.