Handlung zum Ganzen

Aus dem Mundaka – Upanisad: “Es ist aber nicht möglich, daß jemand mit äußeren Objekten herumspielt und zur gleichen Zeit glücklich in atman gefestigt ist. Nur wer alle äußeren Aktivitäten aufgegeben hat, kann sich im Selbst erfreuen. Handlung und Freude stehen im Atman zueinander wie Dunkelheit und Licht. (…)
Sich im Selbst vergnügen, sich im Selbst erfreuen, fromme (vorgeschriebene) Handlungen ausführen – wer so lebt, ist der beste unter den Kennern des brahman. Nur das Erkennen des brahman als das gemeinsame Bewusstsein aller Wesen ist wahre Weisheit. Die vermeintlich interessanten und spannenden Vorträge über weltliche Gegenstände und Wissenschaften sind nur leeres Gerede und nutzloses Geplapper.”

Das ‘Selbst’ ist als kollektiver Seelenteil des Nous eine tätig werdende Umgreifung der Vielheit. Im Nous strebt sie zur Reflektion ihrer Inhalte an der Widerständigkeit der Materie, die zuletzt Ansicht, also Welt ist. So kommt durch Aktivität in der Dinglichkeit die Vielheit sehr wohl – dem Bewußtseinsstand des Subjektes gemäß – ihrer Fülle und gedanklichen, ideellen Potenz nach zur (relativen) Sichtbarkeit.
Korreliert die Ansicht und ihre Ausführung nun auf gewisse Weise mit der geistigen Herkunft bzw. ist sie intentional mit dieser Herkunft, die zugleich in ihrer Grundbestimmung Ziel allen Strebens ist, verknüpft, ist solches Handeln nützlich zur Ganzwerdung. Ganzwerdung schließt also zwingend auch äußere Handlung ein, deren allerdings gerichtete/richtige Intention auch unter dem Begriff des Dharma subsumierbar wird:
Dharma bedeutet zunächst das religiöse Gebot oder die religiöse Ordnung. Diese umfaßt aber nicht allein das Kultische und das Moralische, sondern darüber hinaus die gesamte Rechtsordnung sowie auch einer Fülle von herkömmlichen Sitten und Gebräuchen, also faktisch die gesamte Religion. …
Zweitens ist dharma ‘Ordnung im Vollzug’: Alles der Dharma-Ordnung entsprechende Tun ist dharma.” (Stephan Schlensog)
Das gelungene Tätigsein in der Welt -das gelungene Leben überhaupt – ist das Werk, das Ausrichtung meint und Übereinkunft zur allerhöchsten Bestimmung.