Upanishad, über dem Bild

Stephan Schlensog über den Upanishad: “Er soll ehrfürchtig über das Selbst nachsinnen: daß es aus Geist [manas] besteht, daß sein Körper der Atem [prana] ist, daß seine Gestalt der Glanz ist, daß sein Wesen der leere Raum [akasa, der ‘Äther] ist; daß es nach Wunsch Gestalten annehmen kann, daß es schnell wie der Geist [manas]ist; daß seine Entschlüsse sich verwirklichen… daß es alle Gerüche und Geschmäcke in sich hat, daß es alle Richtungen beherrscht, daß es die ganze Welt durchdringt, daß es ohne Rede ist und nichts [anderes] beachtet. Wie ein Reiskorn oder ein Gerstenkorn oder ein Hirsekorn oder der Kern eines Hirsekorns, so ist dieser Purusa im Inneren des Selbst golden wie eine Flamme ohne Rauch. Er ist größer als der Himmel, größer als der leere Raum, größer als diese Erde, größer als alle Wesen. Er ist das Selbst des Atems, er ist mein Selbst. In dieses Selbst werde ich, wenn ich von hier scheide, eingehen. Wer dies [realisiert] hat, für den gibt es keine Unsicherheit.”

Nach Johannes Scotus: “Erhebung… ist nicht nur ein allmähliches Sich-Annähern an Gott – in bleibender Distanz zu ihm, sondern zugleich ein Prozeß einer deificatio – eines Gott-Werdens, der allererst ein Sehen Gottes ermöglicht und diese Erfahrung in ihm selbst beständigt. : ‘Nachdem sie einmal das Angesicht der Wahrheit geschaut hat, wird die scharfe Sicht der innerlichen (nach innen dringenden) Betrachtung niemals mehr erschüttert, niemals mehr getäuscht, durch kein Dunkel verfinstert – für alle Zeit.’ ” (Werner Beierwaltes)

Der Mensch indes ist seiner Wesensart nach prinzipiell größer als alle Ausdehnung, was aus der üblichen Dimensionalität heraus gedacht unvorstellbar erscheinen muß, was eben erst dann zu Gewahrsein kommen kann, wenn die Seele in einem Dimensionsübertritt all dies Weltliche – sei es noch so groß und unergründlich wie das All selbst – übersteigt und eben über aller dieser Bildlichkeit zu stehen kommt und mit den Entitäten verbunden ist, die alles Bild erst hervorbringen. Dies ein Signum der Unermeßlichkeit der energetischen Wesensart der Geistsphäre, die eben vor dem (von weltlicher Warte aus als nicht relativierbar erachtetem) Bild ist, die somit Aufschluß gibt über die unbegreifliche Macht und Majestät des eigenen seinskonstitutiven Wesenskerns und der ontischen Höherrangigkeit von Geist-Sein als wahrer Existenz.