Materie, Psyche

C.G. Jung: “Gewisse Anzeichen sprechen dafür, daß psychische Vorgänge in einer energetischen Relation zu der physiologischen Grundlage stehen. Insofern es sich um objektive Ereignisse handelt, lassen sich diese nicht anders deuten denn als energetische Vorgänge, das heißt, es will uns nicht gelingen, trotz der Unmeßbarkeit psychischer Vorgänge die Tatsache wahrnehmbarer, durch die Psyche bewirkter Veränderungen anders denn als ein energetisches Geschehen zu begreifen.

Die psychischen Intensitäten und ihre graduellen Unterschiede deuten auf quantitativ charakterisierte Vorgänge hin, welcher aber direkter Beobachtung, respektive Messung, unzugänglich sind.

Wenn man in bezug auf physisches und psychisches Geschehen nicht direkt eine prästabilierte Harmonie postulieren will, so kann es nur eine interactio sein. Letztere Hypothese fordert aber eine Psyche, welche irgendwie die Materie berührt, und umgekehrt, eine Materie mit latenter Psyche, von welchem Postulat gewisse Formulierungen der modernen Physik nicht mehr allzu weit entfernt sind.
Ich muß in diesem Zusammenhang an das Vorhandensein parapsychischer Phänomene erinnern, deren Wirklichkeitswert allerdings nur von denen anerkannt werden kann, welche Gelegenheit zu genügender eigener Beobachtung hatten.”

 Charles Breaux in ‘Chakras, Tantra und Jungsche Philosophie’: “Die Realität der Phänomene ist für den Buddhisten untrennbar mit dem subjektiven Strom der Empfindungen, Wahrnehmungen, Emotionen und geistigen Aktivitäten verbunden. Der Geist fügt ständig Bilder und Begriffe zusammen, die er für Realität hält.
Sparsa beschreibt die Beziehung zwischen Objekten, unseren Sinnesorganen und dem Bewußtsein, das die Erfahrung wahrnimmt. Nur diese drei Faktoren zusammen schaffen unser ‘wirkliches’ Erlebnis; denn weder das externe Objekt, noch der Beobachter kann unabhängig erfahren werden. Dieses einheitliche Feld oder das Erkennen der Gestalt oder der Existenz impliziert, daß Objekte nicht nur uns beeinflussen, sondern daß diese auch durch unsere Wahrnehmung beeinflußt werden. Die moderne Physik hat dieses alte buddhistische Prinzip vor nicht allzu langer Zeit entdeckt.”

Man kann auch abkürzend sagen: Materie ist Hervorbringung des sich zur Desintegration bewegenden höheren Selbst oder Seelenanteils. Desintegration meint nun ein Sich-Bedingen in die Sichtbarkeit abgegrenzter Objekte. C.G. Jungs ‘Materie mit Psyche’ ist Psyche in raumzeitlicher Sichtbarwerdung. Materie ist an der Perzeption und ihrer Begrenzung gewonnene – geronnene! – prinzipielle Geistigkeit zur Ansicht von Welt als relativer Realität.